Traum und Alltag in hellenistischer Zeit
[1]
Die gedruckte Fassung dieses
Beitrags erschien in erweiterter Form und mit den erforderlichen griechischen
Zitaten in der »Zeitschrift für Religions- und
Geistesgeschichte« (ZRGG) 50, Heft 1,
1998, S. 22-39.
Dr. Gregor Weber
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
E-Mail:
gregor.weber@ku-eichstaett.de
I.
»Bezeichnend für
den Charakter des hellenistischen Zeitalters ist es, dass zwei geile Triebe der
griechischen Litteratur üppiger als vorher ins Kraut schossen: Traum- und
Kochbücher. Der Reichthum an Schriften über Traumauslegung, die zum
Theil hervorragende Denker zu Verfassern hatten, zeigt uns, wie immer drohender
der Mysticismus sein Haupt erhebt; das Gegenstück dazu giebt die lange
Reihe schriftstellernder Köche: in ihnen verkörpert sich die
sinnlich-materielle Richtung einer entgeisteten Welt.«[2]
Mit diesem Dictum formulierte
Franz Susemihl in seiner im Jahre 1891 erschienenen und auch heute noch
wertvollen »Geschichte der griechischen Litteratur in der
Alexandrinerzeit« eine zweifellos zeitbedingte Einstellung zu antiken
Traumberichten und zu ihrer Deutung, wie sie auch danach noch lange Zeit
verbreitet war - und vielleicht noch ist:[3] minderwertige Literatur, Ausdruck eines weit
verbreiteten 'Aberglaubens', akzeptiert allenfalls zum Amüsement eines
gebildeten Publikums, Zeugnis für einen gewaltigen Abstieg gegenüber
der Polisreligion in klassischer Zeit. Muß im folgenden die gastronomische
Literatur außer acht bleiben, so soll die Aufmerksamkeit über die
angesprochenen Träume und ihre Deutung hinaus auch den Träumenden
selbst gelten, jeweils für die hellenistische Zeit. Denn sie können
wesentliche Einsichten in Fragen von Religion, Alltagsgeschichte und
Mentalität gesellschaftlicher Gruppen vermitteln,[4] da aussagekräftiges Material in Form
von Inschriften und Papyri, nicht zuletzt auch in Bildzeugnissen und
literarischen Texten vorliegt: Dieses Material ist seit langem publiziert,
jedoch sehr verstreut bzw. in einen anderen Kontext gestellt.[5]
Mein besonderes Interesse
gilt dabei nicht den in beachtlicher Zahl vorliegenden Träumen der
hellenistischen Herrscher bzw. ihres Umfeldes sowie den möglichen
Umständen ihrer Verbreitung,[6] sondern gewissermaßen deren
Voraussetzungen: Es soll der 'traumgläubige' Horizont von gebildeten und
weniger gebildeten Zeitgenossen nachgezeichnet und eine Antwort auf folgende
Fragen versucht werden: In welchen Situationen wurde von Träumen
berichtet? Was sollte damit erklärt werden? Wer waren die Träumenden?
Haben sie selbst oder andere Personen aus diesen Träumen Konsequenzen
für ihr Alltagsleben gezogen? Es geht mir demzufolge, um etwaige
Mißverständnisse auszuschließen, nicht um den Versuch, die
Psyche einzelner Persönlichkeiten mit Hilfe ihrer Träume verstehen zu
wollen:[7] Dies ist nicht
möglich aufgrund des Fehlens ausreichender biographischer Informationen,
der Andersartigkeit antiker und moderner Traumdeutung sowie vor allem der
Tatsache, daß die überlieferten Träume selbst immer schon
überformt sind bzw. mit einer bestimmten Absicht erzählt
wurden.
II.
Zunächst einige
Vorbemerkungen zum Traum in der Antike generell und zur Abgrenzung des Themas:
Träume finden sich seit Homer über die christliche Spätantike
hinaus in fast allen literarischen Gattungen belegt, nicht selten auch auf ihre
Bedeutung hin befragt.[8] Es
handelt sich dabei sowohl um gesprochene Traumbotschaften als auch um
Bildfolgen und Symbole, die einer Deutung bedürfen. Allein die Liste der
hiermit befaßten Denker, von Heraklit über Platon und Aristoteles bis
zu Augustinus, nimmt sich beeindruckend aus: Gegenstand antiker Reflexion waren
die Herkunft der Träume - von außen, d.h. von den Göttern oder
von Dämonen bzw. Engeln, oder von innen, d.h. aus Körper oder Seele
des Menschen selbst, sozusagen Tagesreste - sowie ihre Glaubwürdigkeit;
außerdem hat man sich immer wieder um die Aufstellung von Kriterien
bemüht, nach denen sich die gegebene Deutung erfüllen werde. Selbst
wenn es vornehmere Formen der Divination gab und Aristoteles nichts vom
Verlaß auf Traumdeutung hielt, Vertrauen in die Signifikanz der
Träume ist in Zeugnissen quer durch alle Schichten, vom Herrscher bis zum
Sklaven, bezeugt - und man hat nicht den Eindruck, daß hiermit jemand als
deisidaimon, als abergläubisch, diskreditiert werden konnte.[9] Hierbei beeindrucken
besonders die zahlreichen, im Traum vorgenommenen Heilungen in den
Heiligtümern von Asklepios, Sarapis und Isis.[10]
Deuten konnte jeder selbst,
doch gab es auch professionelle Traumdeuter auf Märkten und bei Festen,
innerhalb von Heiligtümern und unmittelbar vor ihnen; Herrscher umgaben
sich mit ständig anwesenden Deutern. Dabei gilt es zu betonen, daß
Traumdeutung in der Antike nicht das Ziel verfolgte, mit Hilfe der Traumbilder
der Persönlichkeit des Träumenden, vor allem ihren grundlegenden
Prägungen in der Vergangenheit, auf die Spur zu kommen.[11] Das Ziel bestand
vielmehr darin, mittels diverser Analogieverfahren die gegebenen Informationen
- dazu zählen die Traumerzählung selbst sowie Details aus der
Biographie des Träumers, seinem Lebensumfeld etc. -, also Bilder und Worte
der Traumwelt in die Wachwelt zu übertragen und herauszuarbeiten, welche
exakte Bedeutung der Traum für einen bestimmten Träumenden haben
wird. Nachvollziehen läßt sich dies am einzigen erhaltenen antiken
Traumbuch, dem des Artemidor von Daldis aus dem 2. Jh. n. Chr., in dem eine
Fülle von Deutungen für Personen mit unterschiedlichem Sozialstatus
zusammengestellt ist.[12]
Was die Gestalt der
überlieferten Träume angeht, so können wir eine Vielzahl durch
die ganze Antike hindurch konstanter Faktoren festmachen, z.B. die
Literarisierung homerischer Modelle, etwa des trügerischen
Botschaftstraumes von Zeus an Agamemnon im zweiten Buch der Ilias, und der Rede
der Penelope von den zwei Toren, durch welche die Träume kommen, im 19.
Buch der Odyssee.[13]
Deshalb bedarf es der Rechtfertigung des gewählten Zeitabschnitts: (1)
Religion und Erfahrungen des Individuums waren im Hellenismus teilweise von
anderer Qualität als zuvor und danach;[14] (2) mit der hellenistischen Monarchie
bildete sich ein neuer politischer, religiöser und auch mentaler Faktor
heraus, der sich möglicherweise auch in den überlieferten
Träumen und deren Interpretation niederschlug; (3) der besondere Kontakt
mit Mesopotamien und Ägypten konnte neue Einflüsse auf den bisherigen
griechischen Gebrauch bewirken; (4) für den Hellenismus liegt im Vergleich
mit dem Klassischen Griechenland und mit der Römischen Kaiserzeit relativ
reiches und vielfältiges Material vor.[15]
III.
Im folgenden soll der von
Träumen bestimmte Alltag des hellenistischen Menschen skizziert werden.[16] Daß die erhaltenen
Zeugnisse in engem Kontext mit Gottheiten oder deren Heiligtümern stehen,
verwundert nicht, da die Rückbindung an eine höhere Autorität
die Voraussetzung dafür war, daß aus einem Traum Konsequenzen gezogen
wurden. Einige markante Beispiele aus unterschiedlichen sozialen
Zusammenhängen und Quellengattungen mögen
genügen.
Zunächst liegt eine
Vielzahl von Weihungen vor, in deren Inschrift sich der dankbare Dedikant auf
einen göttlichen Auftrag beruft. Im Falle von kat' onar oder kat'
enhypnion ist das Medium der Vermittlung eindeutig; da aber auch andere Arten
der göttlichen Kontaktaufnahme denkbar sind, läßt sich der Bezug
zum Traum bei Formulierungen wie kat' epitagen, kata keleusin oder kata
prostagma etc. nur vermuten.[17] Diese Terminologie ist insofern
bemerkenswert, als sie gerade in hellenistischer Zeit die Götter in der
Diktion machtvoller Herrscher präsentiert.[18] Die Analyse der in den Texten
angesprochenen Götter ergibt nicht nur ein sehr weites Spektrum, sie
stellt auch klar, daß man keineswegs immer an einen inkubatorischen
Kontext oder an eine Heilung zu denken hat. Die Dedikationen sind aber nicht
allein auf Traumgeheiß erfolgt - in den meisten Fällen wird dies
gerade nicht vermerkt; deshalb ist die ausdrückliche Berufung auf diesen
Zusammenhang ein auf der Folie der üblichen Polisreligion bedeutsamer
Versuch, sich selbst mittels der Weihung als in einem besonderen
Verhältnis zu einer Gottheit stehend darzustellen; die Schriftträger
lassen darüber hinaus auch erkennen, daß die Dedikatoren kaum allein
den unteren Schichten zuzuweisen
sind.
Einen
außergewöhnlichen Fall stellt die Stiftung eines ganzen Kultbezirks
(temenos) aufgrund eines Traumes dar, wie sie auf der Insel Thera zur Zeit des
dritten Ptolemäers (246-221 v. Chr.) für einen Artemidor aus Perge
belegt ist: Dieser hat ein in den Fels gehauenes Ensemble von Altären,
Reliefs mit Emblemen von Tieren und einem Selbstporträt, mit Inschriften
und wohl auch Statuen errichten lassen. Im Zentrum steht ein HomonoiaAltar,
dessen Inschrift Homonoias | Artemidoros Apolloniou |
Pergaios kat' enhypnion
auf den Entstehungszusammenhang der ganzen Anlage hinweisen dürfte:[19] Offenkundig hat
Artemidor in einer nicht mehr rekonstruierbaren Situation zum Wohle der
Homonoia auf Thera gewirkt und somit ein Verhältnis eigener Art auch zur
Polis aufgebaut; mit dem Verweis auf die Trauminspiration konnte er seine Rolle
legitimieren.[20] Wie
ernst man dies nahm, läßt sich daran ersehen, daß Artemidor
Bürger von Thera wurde und bei den lokalen Arsinoeia einen Olivenkranz
zuerkannt bekam, nach seinem Tod einen von Delphi approbierten Heroenkult
erhielt und daß 'sein' heiliger Bezirk priesterlich weiterbetreut wurde.[21] All diesen
Dedikationsinschriften ist ein Merkmal gemeinsam: Der exakte Inhalt, Bilder und
Worte der Träume wurden nicht für mitteilenswert erachtet, die
Berufung auf Traum, Vision oder den Auftrag einer Gottheit reichte offenbar
aus.[22] Eine
Möglichkeit zur Nachprüfung, ob der behauptete Traum tatsächlich
stattgefunden hatte, gab es
nicht.
Die im folgenden besprochenen
Papyruszeugnisse betreffen das ptolemäische Ägypten des 3. bzw. 2.
Jh. und stehen in engem Kontakt mit der griechischen bzw. ägyptischen
Ausprägung des Sarapis.[23] In einem Brief vom 12. Februar 257 wendet
sich ein gewisser Zoilos aus Aspendos an den ptolemäischen
'Finanzminister' (Dioiketes) Apollonios mit der Bitte um Hilfe:[24] Ihm, einem eifrigen
Verehrer des Sarapis, der auch fortwährend für das Wohl des Dioiketen
und des Königs bete, sei der Gott mehrfach im Schlaf erschienen, damit er
den ergangenen Auftrag (chrematismos) dem Dioiketen kundmache;[25] es sei ein temenos zu
errichten, ein Priester einzusetzen etc.; sein eigenes Zögern sei mit
Krankheit bestraft, der zwischenzeitlich erfolgte Versuch eines Knidiers, am
selben angegebenen Ort ein Heiligtum zu errichten, vom Gott persönlich
verhindert worden. Der Brief schließt mit der Aufforderung: »Es
verhält sich freilich wohl, Apollonios, daß du den vom Gott
ergangenen Anweisungen Folge leistest, damit Sarapis dir gnädig ist und
dich an Einfluß und Prestige beim König sowie an körperlichem
Wohlergehen wachsen läßt« (Z. 18-21). Dies ließe sich
leicht als Versuch interpretieren, sich bei Apollonios unter Vorspiegelung
religiöser Gefühle beliebt machen zu wollen, doch besteht keine
Veranlassung, an deren Echtheit zu zweifeln.[26] Die Wiederholung von Träumen, ebenso
auch die Krankheit des Träumenden, sind übliche Vorkommnisse: Nach
Artemidors Traumbuch (4,27,261,18-21 ed. Pack) machen sie die Traumbotschaft
besonders dringlich; zwar wird man dem Träumenden eine intensive
Beschäftigung mit seinem Bauvorhaben in Rechnung stellen, doch spricht der
Befund an sich nicht unbedingt für eine literarische
Stilisierung.
Am meisten beeindrucken die
zum sog. 'Archiv des Ptolemaios' in Memphis gehörenden 35 Träume aus
der Zeit zwischen 164 und 151 v. Chr., die sich zwischen Urkunden, Rechnungen
und literarischen Texten befanden. Sie wurden bereits in der ersten Hälfte
des vergangenen Jahrhunderts gefunden, an verschiedene Bibliotheken verkauft
und sind erst durch Ulrich Wilckens meisterliche Ausgabe aus dem Jahre 1927
geschlossen zugänglich. Die in griechischen und demotischen Papyri sowie
auf demotischen Ostraka erhaltenen Träume sind vor allem deswegen
interessant, weil sie - mit einer Ausnahme[27] - zu den ganz wenigen bislang bekannten
Träumen aus griechisch-römischer Zeit gehören, die keine
Anzeichen der üblichen literarischen Ausgestaltung aufweisen, also direkt
aufgezeichnet wurden und somit für ein hohes Maß an
Authentizität stehen;[28] man wird davon ausgehen müssen,
daß auch sie festen Mustern folgten, doch entsteht auf der Folie der
literarischen Träume der Eindruck von Unmittelbarkeit, zumal die
Traumsequenzen für sich stehen und weder eine Deutung noch ein Indiz
für die Erfüllung des Traumes beigegeben ist. Deshalb kann man
versuchen, die Traumszenerie und -symbolik mit den sonstigen Informationen
über das sehr bewegte Leben der Protagonisten in Beziehung zu
setzen.
Besagter Ptolemaios befand
sich in dem zum memphitischen Serapeion gehörenden Astarte-Tempel in
sogenannter katoche, Tempel- oder Gotteshaft, und war dort, trotz mancher
ethnischer Konflikte, als Makedone sehr angesehen; wahrscheinlich kam er als
Asylsuchender in das Heiligtum und verpflichtete sich aus unbekannten
Gründen zum Dienst für den Gott, was in aller Regel durch einen Traum
bestätigt wurde.[29]
Die Träume stammen nicht allein von Ptolemaios selbst, sondern auch von
weiteren Personen aus seinem Tempel-Umfeld: von seinem jüngsten Bruder
Apollonios, von zwei mit beiden eng befreundeten Mädchen ägyptischer
Abkunft, den Zwillingen Tagês und Taus und von einem weiteren Ägypter
namens Nektembes; dessen Träume waren von den vier zuvor genannten
Personen möglicherweise in Auftrag gegeben, d.h. als Fragen in eine
Inkubation hineingenommen und von Ptolemaios aufgezeichnet worden.[30] Das Lebensumfeld all
dieser Personen im Tempelbereich ist zwar stark von ausgeprägten
Handelsaktivitäten gekennzeichnet, doch scheint die religiöse
Komponente immer durch; Träume sind dabei quasi
selbstverständlich.
Drei Träume mögen
genügen, um Duktus und Probleme der Interpretation aufzuzeigen.[31] Der Inhalt eines
demotischen Petersburger Ostrakon wird wie folgt resümiert:[32] »Die Träumende
[sc. eine der Zwillingsschwestern] sieht sich in Memphis; man sagt ihr,
daß ihre Mutter Nephoris von der steigenden Überschwemmung bedroht
sei. Sie schwimmt hinüber und rettet sie in das Anubieion ... .« Eine
Deutung des Traumes hätte zunächst den Familienhorizont zu
berücksichtigen: Anlaß zur Flucht der Zwillinge in den Tempel war die
Bedrohung durch die Mutter und der Tod des Vaters durch den Liebhaber der
Mutter. Der Traum könnte dann besagen, daß zwischenzeitlich eine
Versöhnung von Mutter und Tochter stattgefunden hat; psychologisierend
wurde er jedoch auch in dem Sinne gedeutet, daß die Tochter die Mutter in
Gefahr sehen wolle und sich ihr Haß somit zur Selbstrechtfertigung in ihr
Gegenteil verkehre.[33]
Ein weiteres Beispiel:
»Ptolemaios' Traum am 15. Pachon [14.6.161]. Es traten heran zu mir zwei
Männer und sagten zu mir: 'Ptolemaios, nimm das Kupfergeld für das
Blut.' Sie zählten mir Kupfergeld hundert Drachmen hin und der Tagês,
der Zwillingsschwester, Kupfergeld, in Stateren geprägt, einen vollen
Beutel. Sie sagten zu ihr: 'Siehe, das Kupfergeld für das Blut.' Ich sagte
zu ihnen: 'Sie hat mehr Kupfergeld als ich bekommen.'«[34] Eine Deutung mit Hilfe von Artemidors
Traumbuch führt nicht weit: Kupfergeld steht nach Artemidor (2,58)
für Mißstimmung und Beleidigungen, Blut für Geld selbst (1,33).
An persönlichem Hintergrund wissen wir, daß Ptolemaios den Zwillingen
als Freund ihres verstorbenen Vaters im Rechtsstreit mit der Mutter half; das
Blut weist möglicherweise auf den von der Mutter mitverschuldeten Tod des
Vaters; und daß nur Tagês Geld erhält, deutet auf die auch sonst
aus den Träumen ersichtliche besondere Aufmerksamkeit seitens des
Ptolemaios hin; schließlich ist die Klage über die finanzielle
Benachteiligung - man hat zu fragen, ob ihm überhaupt etwas zusteht -
eventuell Ausdruck seiner Enttäuschung darüber, daß Tagês,
die zudem von seinem Bruder Apollonios ein Kind erwartet, ihm sein zweifellos
beachtliches Engagement nicht genügend honoriert hat.[35]
Der folgende Traum entstammt
einer Serie, die Nektembes für Ptolemaios erträumte, und steht im
gleichen Kontext wie das vorherige Beispiel: »... Ich glaubte, eine Taube
(zu sehen), die war aus meiner Hand entflohen, und ich laufe ihr nach, indem
ich sagte: 'Die will ich sicher nicht entfliehen lassen.' Ich greife sie und
lege sie in meine linke Hand und ich hielt sie fest und (nahm) einen
Palmenzweig, damit sie nicht entfliehe.«[36] Sucht man in Artemidors Traumbuch nach der
Bedeutung der einzelnen Elemente, so stehen nach Artemidor Haustauben im
Gegensatz zu Ringeltauben für Frauen, die ihr Haus unter Kontrolle haben
und ordentlich sind; »sie bedeuten auch, weil sie der Aphrodite heilig
sind, die Liebe und Lust an den Geschäften und sind günstig für
Freundschaft, gemeinsame Unternehmungen und alle Verbindungen ...« (Artem.
2,20,137,14-18). Die linke Hand steht für die Bewahrung von bereits
Erworbenem, ebenso für das weibliche Geschlecht (1,42). Die Palme wird von
Artemidor nur in Form eines Kranzes aus den Zweigen erwähnt (1,77): Dieser
bedeutet Heirat mit einer freigeborenen Frau, langes Leben der Kinder,
Verheißung eines Sohnes, dazu auch Reichtum für Arme, Freiheit
für Sklaven - und sie bringen Verborgenes ans Licht.[37] Hier läßt sich die
systematisierte Traumsymbolik zwar anwenden, doch liegt der Zusammenhang wohl
auch so auf der Hand: Ptolemaios möchte nicht, daß der betreffende
Zwilling ihm abhanden kommt, entweder emotional oder durch tatsächliches
Verlassen des Tempelbezirkes.[38]
Die drei behandelten
Träume sind im Gegensatz zu den bisherigen Beispielen dadurch
gekennzeichnet, daß in ihnen von Göttern nicht explizit die Rede
ist,[39] wenngleich ein
inkubatorischer Kontext gegeben sein dürfte. Die Träumenden sehen
sich selbst wie in der Wachwelt in einer Abfolge von Handlungen agieren und
interagieren. Nach Artemidors strenger, aber im Einzelfall kaum verifizierbarer
Definition (1,1f.) wären dies auch keine zu deutenden oneiroi, sondern
wertlose enhypnioi, welche die Gegenwart, nicht die Zukunft anzeigen und als
Tagesreste bezeichnet werden können; diese Unterscheidung ist bereits bei
Aristoteles belegt,[40]
sie steht aber vor allem für den Spielraum des professionellen Deuters,
einen Traum deuten oder aber die Deutung ablehnen zu können. Daß die
Träume aber aufgezeichnet wurden, spricht aus der Sicht der
Träumenden für ihre Signifikanz, die zweifellos auch bei den
Symbolträumen mit einer göttlichen Herkunft verbunden
war.
Diese Träume
verdeutlichen auch, daß die Anwendung eines Traumdeutungsbuches nur
bedingt hilfreich ist, wenn sich die persönliche Situation des
Träumenden nicht angemessen berücksichtigen läßt - genau
dies ist heute nicht mehr möglich; zwar hat man davon auszugehen, daß
Artemidor oder einem anderen Deuter in jedem Fall eine Deutung gelungen
wäre, doch läßt sich die genaue Vorgehensweise trotz der
zahlreichen praktischen Hinweise in seinem Buch nicht rekonstruieren.[41] Diese grundlegende
Inkonsistenz ist deshalb zu betonen, weil man mit der möglichen
Andersartigkeit der Traumdeutung im rein ägyptischen Milieu argumentieren
könnte; denn die Gesellschaft im memphitischen Serapeion setzte sich aus
Griechen und Ägyptern zusammen, wie denn auch Träume des Apollonios
in demotischer Sprache aufgezeichnet sind, und ein Traum aus dem 'Archiv'
innerhalb des griechischen Haupttextes griechische Transkriptionen offenkundig
ägyptischer Worte aufweist.[42] Zu betonen ist aber, daß das einzige
erhaltene Traumbuch in demotischer Sprache der Vorgehensweise des zeitgleichen
Artemidor ähnelt, sieht man von spezifisch ägyptischen Traumthemen
wie den Krokodilen oder dem Bier ab.[43] Das erhaltene hieratische Traumbuch aus
dem 13. Jh. v. Chr. hilft hier auch nicht weiter, zumal in pharaonischer
Tradition direkte Traumgesichte, d.h. solche nicht strikt allegorischer Art,
die Elite und nicht den Durchschnittsmenschen betrafen.[44]
Zu fragen hat man nach den
Deutern: Inschriften weisen darauf hin, daß enhypniokritai vor allem im
Kontext des Sarapiskultes zu finden waren. Aus Delos kennen wir eine Reihe von
Belegen,[45] besonders
anschaulich ist jedoch das von Otto Rubensohn im Jahre 1900 erstmals richtig
gedeutete Aushängeschild eines Traumdeuters ebenfalls aus Memphis vom Ende
des 3. Jh.: Der Text lautet in fehlerlosen Trimetern enhypnia krino | tou theou
prostag- | ma echon. Tych' aga- | tha. Kres estin ho |
krinon tade, was sich
trotz des aufgemalten Apis-Stieres auch auf Träume anderer Götter
beziehen konnte.[46]
Offenbar wurde im großen Areal des Serapeions eine derartige
Aktivität seitens der Priester toleriert; bei einem Kreter, der sich ohne
Namensnennung anpreist, dürfte man den gängigen Sprichwörtern
zufolge vielleicht nicht die beste Reputation erwarten, doch ist davon
auszugehen, daß mit dem Hinweis etwas Positives, vielleicht besondere
Kompetenz, verbunden war; dazu findet sich noch der Hinweis auf göttliche
Autorisierung in Form eines prostagma.[47]
Über die Methode der
Deuter in hellenistischer Zeit wissen wir so gut wie nichts; Artemidor nennt
zwar eine Reihe von Traumbuch-Autoren, auch klangvolle Namen wie Demetrios von
Phaleron oder Straton von Lampsakos, doch sagen Werktitel und Umfangsangaben
nichts über die Theorie und die praktizierten Deutungsmethoden aus.[48] Relevant sind allenfalls
noch theoretische Überlegungen zur Verwendung von Träumen in der
Medizin, die von Herophilos, dem Arzt in Alexandreia, aus dem 3. Jh. v. Chr.
stammen.[49]
Noch ein Wort zur
Terminologie: Der Befund in den Inschriften und Papyri zeigt, daß vom 4.
bis zum 1. Jh. üblicherweise enhypnion verwendet wurde, danach eher
oneiros oder onar; der Traumdeuter der hellenistischen Zeit ist meist auch
nicht der oneirokrites, sondern der enhypniokrites.[50] Die Dichter hingegen gebrauchen bevorzugt
oneiros, auch onar, und stehen damit sicher in guter literarischer Tradition.[51] Eine mögliche
Erklärung für diesen relativ eindeutigen Befund könnte darin
liegen, daß die zunehmende Verbreitung der Inkubationsheiligtümer,
gerade in hellenistischer Zeit, den Akzent auf den Zustand des Schlafens legen
ließ, während später in Anknüpfung an frühere
Traditionen mit oneiros, onar und opsis der Gegensatz zur
Wachwelt, hypar, bzw.
die Priorität des Visuellen betont werden sollte.[52]
Bis auf Artemidor von Perge
wurden bislang keine Beispiele aus dem Umkreis einer intellektuellen Elite
gegeben.[53] Es
überrascht freilich nicht, daß sich gerade die hellenistischen
Dichter wiederholt des Motivs bedienten: Kallimachos hat zu Beginn seiner
'Aitia' offenkundig die Dichterberufung des Hesiod zu einem Traum umgestaltet;
für Herodas spielt ein langer Traumbericht im 8. Mimiambos in der
Auseinandersetzung um die neue Dichtungsart die zentrale Rolle; bei Apollonios
von Rhodos haben mehrere der wichtigen Protagonisten in den 'Argonautika'
Träume; Moschos läßt seine 'Europa' mit einem Traum der
gleichnamigen Hauptperson beginnen;[54] und einige der auf Papyrus neugefundenen
Epigramme des Poseidippos haben Träume, ihre Deutung und Erfüllung
zum Inhalt.[55]
Schließlich sei an die in den Komödien des Plautus erhaltenen Reflexe
griechischer Vorbilder erinnert, in denen gelegentlich auch längere
Traumpartien zu finden waren.[56] Angesichts der Überlieferungslage
fällt es schwer, Aussagen über die Zu- oder Abnahme in der
literarischen Verwendung von Träumen gegenüber früheren
Jahrhunderten zu treffen, doch gewinnt man nicht den Eindruck eines
Bedeutungsverlustes, zumal wenn in der Dichtung programmatische Aussagen in
Traumform gekleidet werden.[57]
Das aufgezeigte Spektrum
wäre jedoch nicht vollständig, wenn abschließend nicht nochmals
Apollonios, der jüngste Bruder des Ptolemaios, zu Wort käme. In einem
Brief an Ptolemaios beklagt er sich geradezu feindselig darüber, den
Träumen und der Deutung, wohl des Bruders, gefolgt - und getäuscht
worden zu sein: »Denn du lügst alles (zusammen) und die Götter
bei dir gleichfalls, denn sie haben uns in einen großen Schlamm geworfen
und worin wir sterben können, und wenn du (im Traume) gesehen hast,
daß wir gerettet werden sollen, (gerade) dann werden wir untergetaucht,
... in die Irre geführt von den Göttern im Glauben an die
Träume.« Und auf dem verso des Briefes ist neben dem Namen des
Adressaten noch ironisch vermerkt: »An die, welche die Wahrheit
sagen.« Seine in einem früheren Brief geäußerte
Überzeugung - »ohne die Götter geschieht nichts« - hat
einen negativen Beigeschmack erhalten.[58] Die Passage ist wichtig: Sie zeigt,
daß erfolgreiche Kommunikation mit den Göttern immer wieder der
Bestätigung bedurfte, und: Nicht nur die Epikureer konnten bis zur
strikten Leugnung jeglicher Signifikanz und Relevanz von Träumen gehen.
Das Interesse an Träumen konnte sich durchaus auch in Kritik und Ablehnung
äußern.
IV.
Dieses Panorama
hellenistischer Träumer, Deuter und Traumtexte entbehrt insofern nicht
einer quellenbedingten Einseitigkeit, als das meiste Material aus Ägypten
stammt; daraus sollte aber nicht der Schluß gezogen werden, daß
andernorts weniger und weniger überzeugt geträumt und gedeutet wurde,
weil man dort weniger auf Träume gab. Dennoch gewähren die Texte
einen Einblick in die mentale Welt der hellenistischen Zeit, sowohl in
städtischem als auch in privatem Kontext: Träume stießen auf
Interesse bei allen gesellschaftlichen Gruppen, nicht zuletzt bei den
Dichtern;[59] sie
veranlaßten Menschen aller Schichten zu Handlungen von durchaus
beträchtlicher Konsequenz, denkt man etwa an aufwendige Stiftungen oder an
den nicht immer billigen Gang zum Traumdeuter, dessen Methoden freilich im
Dunkeln blieben. Die Bandbreite der Traummotive und -inhalte reichte dabei von
direkten Eingriffen des Göttlichen bis zu einer intensiven Verarbeitung
des Alltagsgeschehens im Traum, von deren Rückkopplung in die Wachwelt die
Quellen schweigen.[60] Es
liegen somit zwei unterschiedliche Arten von Träumen vor: Zum einen
zumindest als klar bezeichnete Aufträge eines Gottes, die erfolgreich als
Argument eingesetzt werden konnten, wie das Beispiel des Artemidor von Perge
zeigte und das des Zoilos von Aspendos möglich erscheinen läßt.
Mit diesen Träumen und mit der Berufung auf sie war die Möglichkeit
gegeben, sich anderen gegenüber als besonderer Günstling der
Götter darzustellen - nicht jeder dedizierte kat' onar -, und eigene
Handlungen darauf abzustellen. Man bewegte sich im Rahmen des
Alltäglichen, erschloß sich und erklärte diesen Raum - und
überschritt ihn gleichzeitig.[61] Die andere Art von Träumen war
symbolischer Art bzw. enthielt Bildfolgen, die eine starke Korrespondenz zur
Wachwelt aufweisen. Daß die Träume aus dem 'Archiv des Ptolemaios'
geradezu in Form eines 'Tagebuches' aufgeschrieben wurden, hängt
vielleicht mit einer Art Selbstvergewisserung zusammen, vielleicht dient die
Verschriftlichung auch einfach nur der Kommemorierung für eine
spätere Deutung. Den Träumenden war gemeinsam, daß man über
seine Träume - zumindest solche, die man für wichtig hielt oder die
verunsicherten - sprach oder sie schriftlich niederlegte;[62] oder man deutete je nach Art des Traumes
und eigener Disposition selbst - gelegentlich auch falsch, denkt man an die
Reaktion von Ptolemaios' Bruder Apollonios aus dem memphitischen Serapeion. Die
Beispiele lassen insgesamt den Schluß zu, daß die Einstellung
gegenüber den Träumen und ihrer 'Realität' eine ganz
entscheidende Voraussetzung dafür gewesen sein muß, daß
Träume, die zu bestimmten Zwecken, etwa der Legitimation, verbreitet
wurden, überhaupt auf einen 'bereiteten Boden' fallen konnten. Sie sagen
freilich nichts über einen Wandel in der Gottesvorstellung aus bzw. lassen
sich nicht im Hinblick auf eine neue Religiosität
interpretieren.
Daß auch im erweiterten
Poliszusammenhang Träume eine Bedeutung haben konnten, sei
abschließend an einer Passage aus der lindischen Anagraphe, die im Jahre
99 v. Chr. in Stein gehauen wurde, vorgeführt:[63] Als in den Jahren 305/04 Demetrios I.
Poliorketes, der Städtebelagerer, vor der Stadt erschien, »trat die
Göttin [sc. Athena] kath' hypnon an ihn [sc. den Priester Kallikles nach
Beendigung seines Amtsjahres] heran und befahl ihm, Anaxipolis, einem von den
Prytanen, zu melden, er möge dem König Ptolemaios schreiben« und
diesen um Hilfe bitten (D 95-104). Das nun folgende Erzählsegment ist uns
bereits geläufig - woran sich die literarische Konvention gut erkennen
läßt: Kallikles ignoriert den Traum und wird erst nach sechsmaliger
Intervention der Göttin tätig - Athena hatte offenbar viel Geduld und
Interesse am Wohlergehen der bedrängten Rhodier. Ptolemaios sandte Diodor
zufolge tatsächlich mehrfach Hilfe und machte sich somit um die
Verteidigung der Stadt verdient.[64] Für die stolze rhodische
Lokalüberlieferung stand jedenfalls die durch den Traum angezeigte
Wirkmächtigkeit der Göttin im Zentrum, wodurch »ein
Kompromiß zwischen der hergebrachten Frömmigkeit und den realen
Verhältnissen der neuen Zeit« hergestellt war.[65]
Anmerkungen
- Die vorliegenden Überlegungen konnten gemeinsam mit
den Ausführungen, die der in Anm. 6 genannten Studie zugrundeliegen, in
den althistorischen bzw. altertumswissenschaftlichen Kolloquien der
Universitäten Augsburg, Bielefeld, Bonn, Freiburg, Potsdam und Trier sowie
bei der Generalversammlung der Görres-Gesellschaft in Mainz im Jahre 1996
vorgetragen werden. Ich danke den dortigen Auditorien für zahlreiche
Anregungen, ebenso der Fondation Hardt (Vandoeuvres/Genève) für die
Möglichkeit, das Thema während eines Forschungsaufenthaltes vertiefen
zu können. Die Vortragsform wurde weitgehend beibehalten, der Text um
Quellenbelege und bibliographische Hinweise ergänzt.
[Zurück zum Text]
- F. Susemihl, Geschichte der griechischen Litteratur in
der Alexandrinerzeit, 2 Bde., Leipzig 1891/92, hier Bd. 1,868 (Hervorhebung im
Original).
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- Bemerkenswert ist jedenfalls, daß in den Indizes der
sog. 'Standardwerke' zum Hellenismus ein Lemma 'Traum' oder auch 'Vision' meist
fehlt - so etwa in M. Rostovtzeff, The Social and Economic History of the
Hellenistic World, 3 Bde., Oxford 1941 - oder aber Urteile dezidiert negativ
oder pauschal sind, etwa M.P. Nilsson, Geschichte der griechischen Religion
(HbAW V 2), München 31974, Bd. 2, 231; R. Muth, Einführung in die
griechische und römische Religion, Darmstadt 1988, 199ff.; H. Bengtson,
Die hellenistische Weltkultur, Stuttgart 1988, 47f. Wesentlich vorurteilsfreier
ist dagegen der wenig rezipierte Beitrag von Z. Stewart, La religione, in: R.
Bianchi Bandinelli (Hrsg.), Storia e civiltà dei Greci. Bd. 8: La
società ellenistica. Economia, diritto, religione, Mailand 1977, 503-616,
hier 598ff. (»astrologia e magia«); grundlegend bleibt immer noch
E.R. Dodds, The Greeks and the Irrational, Berkeley - Los Angeles 1951,
102-134.
[Zurück zum Text]
- Zur Definition von 'Mentalität' in religiösem
Kontext vgl. H.W. Pleket, Religious History as the History of Mentality, in:
H.S. Versnel (Hrsg.), Faith, Hope, and Worship. Aspects of Religious Mentality
in the Ancient World (Studies in Greek and Roman Religion 2), Leiden 1981,
152-192, hier 152f.- Neuere Überlegungen zum Begriff 'Mentalität'
haben deutlich gemacht, daß nicht von einem einheitlichen Verständnis
auszugehen ist (vgl. G. Tellenbach, 'Mentalität', in: FS C. Bauer,
Sigmaringen 1974, 11-30; O.G. Oexle, Die 'Wirklichkeit' und das 'Wissen'. Ein
Blick auf das sozialgeschichtliche Oeuvre von Georges Duby, HZ 232, 1981,
61-91; V. Sellin, Mentalität und Mentalitätsgeschichte, HZ 241, 1985,
555-598; F. Graus, Mentalität. Versuch einer Begriffsbestimmung und
Methoden der Untersuchung, in: ders. [Hrsg.], Mentalitäten im Mittelalter.
Methodische und inhaltliche Probleme [Vorträge und Forschungen 35],
Sigmaringen 1987, 9-48). Im folgenden ist Mentalität verstanden im Sinne
einer für eine größere oder kleinere Gruppe typischen
Verhaltensweise, die nicht weiter hinterfragt zu sein scheint.
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- Die papyrologischen Zeugnisse wurden bereits
zusammengestellt von D. del Corno, Contributi papirologici allo studio
dell'onirocritica, Atti del IX congresso internazionale di papirologia, Mailand
1966, 109-117; jüngst auch V. Leuci, Dream-technical Terms in the
Greco-Roman World, Diss. University of Missouri/Columbia 1993, 47ff.; einige
allgemeine Hinweise bei A.H.M. Kessels, Dreams in Apollonius' Argonautica, in:
J. den Boeft - ders. (Hrsg.), Arctus. Studies in Honour of H.L.W. Nelson,
Utrecht 1982, 155f. Dagegen behandelt der Abschnitt über Träume von
L.H. Martin, Hellenistic Religions. An Introduction, New York - Oxford 1987,
48-52, entgegen der Formulierung des Titels nur Artemidor, Aelius Aristides
sowie Beispiele für die Inkubation aus der Zeit vor dem Hellenismus.
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- Diese sind Gegenstand einer eigenen Studie, die im Jahre
1999 in Heft 1 der Zeitschrift »Archiv für Kulturgeschichte«
unter dem Titel »Herrscher und Traum in hellenistischer Zeit«
erscheinen wird. Das Material aus der römischen Kaiserzeit behandle ich in
meiner Habilitationsschrift, die zu Beginn des Jahres 1998 abgeschlossen sein
wird.
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- Dieser Versuchung ist teilweise die Studie von P. Cox
Miller, Dreams in Late Antiquity. Studies in the Imagination of a Culture,
Princeton, New Jersey 1994, erlegen (dazu C. Walde, MH 52, 1995, 259f.). Vgl.
dagegen die umsichtigen Bemerkungen von H. Strasburger, Psychoanalyse und Alte
Geschichte, in: ders., Studien zur Alten Geschichte II, hrsg. v. W.
Schmitthenner u. R. Zoepffel, Hildesheim - New York 1982, 1098-1110, bes. 1104
(Erstveröffentlichung).
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- Einen knappen Abriß mit den wichtigsten Fragen
bieten J. Latacz, Funktionen des Traums in der antiken Literatur, in: T.
Wagner-Simon - G. Benedetti (Hrsg.), Traum und Träumen, Göttingen
1984, 10-31 u. B. Manuwald, Traum und Traumdeutung in der griechischen Antike,
in: R. Hiestand (Hrsg.), Traum und Träumen. Inhalt, Darstellung,
Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance,
Düsseldorf 1994, 15-42. Zahlreiche Traumtexte, jedoch mit unzureichender
Kommentierung bietet L. Hermes, Traum und Traumdeutung in der Antike,
Zürich - Düsseldorf 1996 (dazu Verf., Klio 80/1, 1998).
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- Das bekannte Zeugnis Theophrasts (Char. 16,11) karikiert
auch nur das sofortige und ständige Aufsuchen eines Deuters, dazu Stewart
(Anm. 3) 606 u. 610; G. Guidorizzi, Sogno e funzioni culturali, in: ders.
(Hrsg.), Il sogno in Grecia, Bari 1988, VII-XXXVIII, hier XX.
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- Vgl. hierzu die klassische Abhandlung von R. Herzog, Die
Wunderheilungen von Epidauros. Ein Beitrag zur Geschichte der Medizin und der
Religion (Philologus Suppl. 22/3), Leipzig 1931; zuletzt L.R. LiDonnici,
Compositional Background of the Epidaurian 'Iámata', AJPh 113, 1992,
25-41; M.P.J. Dillon, The Didactic Nature of the Epidaurian Iamata, ZPE 101,
1994, 239-260.
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- Aus der Vielzahl der Stellungnahmen zum Verhältnis
antiker zu moderner Traumdeutung sei verwiesen auf G. Steiner, The Historicity
of Dreams (Two Questions to Freud), Salmagundi 61, 1983, 6-21, u. S.R.F. Price,
The Future of Dreams. From Freud to Artemidorus, P&P 113, 1986, 3-37.
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- Dazu L.H. Martin, Artemidorus. Dream Theory in
Antiquity, SCent 8, 1991, 97-108, dort auch zu den geistesgeschichtlichen
Voraussetzungen der Übertragung von Traumsymbolen in die Wachwelt; jetzt
auch G.W. Bowersock, Fiction as History. Nero to Julian, Berkeley u.a. 1994,
77-98 (»The Reality of Dreams«). Daß sich aufgrund dieser
Korrelation die gegebenen Traumdeutungen auch sozialgeschichtlich auswerten
lassen, zeigt I. Hahn, Traumdeutung und gesellschaftliche Wirklichkeit.
Artemidorus Daldianus als sozialgeschichtliche Quelle (Xenia 27), Konstanz 1992
[urspr. ungarisch, Budapest 1984].
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- Zuletzt hierzu C. Brillante, Studi sulla
rappresentazione del sogno nella Grecia antica, Palermo 1991, 32ff. u. 166f.
mit Anm. 46, u. Cox Miller (Anm. 7) 14ff.
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- Das Maß an tatsächlicher Veränderung bzw.
Kontinuität der Polisreligion ist umstritten und in der Beurteilung oft
abhängig vom zugrundgelegten Quellenmaterial bzw. dem Blickwinkel
(Herrscher, Polis, Individuum); dazu mit der notwendigen Differenzierung R.
Gordon, Fear of Freedom? Selective Continuity in Religion During the
Hellenistic Period, Didaskalos 4, 1972, 48-60; A. Swiderek, La cité
grecque et l'évolution de la mentalité religieuse dans les premiers
temps de l'époque hellénistique, Eos 78, 1990, 259-272; bes. F. Graf,
Bemerkungen zur bürgerlichen Religiosität im Zeitalter des
Hellenismus, in: M. Wörrle - P. Zanker (Hrsg.), Stadtbild und
Bürgerbild im Hellenismus (Vestigia 47), München 1995, 103-114, der
zu dem Ergebnis gelangt: »Damit erweist sich die hellenistische Religion
als traditioneller, als man oft gemeint hat« (114). Wichtig erscheint vor
allem der Hinweis auf die »Zweipoligkeit des einzelnen«, der durch
die Traditionen der 'alten' Polis geprägt und aufgrund der
tatsächlichen Ausweitung seines Aktionsraumes auf sich selbst
zurückgeworfen ist und nach neuen Lösungen suchen muß. Zur
Veränderung individueller Erfahrungen vgl. auch H.-J. Gehrke, Geschichte
des Hellenismus (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 1A), München
1990, 71ff.
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- Dies bedeutet aber auch, daß die
Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Epochen der griechisch-römischen
Antike recht eingeschränkt sind. Denn aus den in hellenistischer Zeit
erhaltenen Träume auf Papyrus darf z.B. nicht geschlossen werden, daß
zuvor etwas Derartiges nicht verzeichnet wurde.
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- N. Elias, Zum Begriff des Alltags, in: K. Hammerich - M.
Klein (Hrsg.), Materialien zur Soziologie des Alltags, Opladen 1978, 22-29; H.
Bausinger, Erlebte Geschichte - Wege zur Alltagshistorie, Saeculum 43, 1992,
95-107; L. Niethammer, Anmerkungen zur Alltagsgeschichte, in: K. Bergmann - R.
Schörken (Hrsg.), Geschichte im Alltag - Alltag in der Geschichte,
Düsseldorf 1982, 11-29.
[Zurück zum Text]
- Zu Material und Terminologie vgl. S. Newhall, Quid de
somniis censuerint quoque modo eis usi sint antiqui quaeritur, Diss. Harvard
(microfilm ed.) 1913; A.D. Nock, Studies in the Graeco-Roman Beliefs in the
Empire, JHS 45, 1925, 84-101 [zit. nach Z. Stewart (Hrsg.), Artur Darby Nock.
Essays on Religion and the Ancient World, London 1972, 33-48, 45ff.]; J.S.
Hanson, Dreams and Visions in the Graeco-Roman World and Early Christianity,
in: ANRW II 23/2, 1980, 1395-1427; F.T. van Straten, Daikrates' Dream. A Votive
Relief from Kos, and Some Other kat'onar Dedications, BABesch 15, 1976, 1-38,
bes. 21-27; M.L. Lazzarini, Iscrizioni votive greche, in: Scienze dell'
antichità. Storia archéologia antropologia 3-4, 1989-90, 845-859,
hier 852ff.: »Non possiamo determinare con certezza come il fedele
ricevesse o credesse di ricevere ordini o sollecitazioni. Certo è che la
più antica forma di manifestazione divina sembra essere stata quella del
sogno« (853); Leuci (Anm. 5) passim.
[Zurück zum Text]
- Hierzu Nock (vorige Anm.) 47f.; van Straten (vorige
Anm.) 12f., u. ders., Images of Gods and Men in a Changing Society.
Self-identity in Hellenistic Religion, in: A.W. Bulloch et al. (Hrsg.), Images
and Ideologies. Self-definition in the Hellenistic World (Hellenistic Culture
and Society 12), Berkeley u.a. 1993, 248-264, hier 259. Wichtig dazu noch die
Beobachtungen von M.-Th. Baslez, Recherches sur les conditions de
pénétration et de diffusion des religions orientales à
Délos, Paris 1977, 118f. u. 289ff. zur orientalischen Herkunft der kata
prostagma-Formulierung, und von Pleket (Anm. 4) 158f.
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- »Für Homonoia. Artemidor, Sohn des Apollonios,
aus Perge. Auf Traumgeheiß«. IG XII3 Suppl. 1336. Vgl. Prosopographia
Ptolemaica, bearb. v. W. Peremans et al., Löwen 1950ff., VI 15188 (im
folg. PP VI), dazu die Hinweise bei R.S. Bagnall, The Administration of the
Ptolemaic Possessions Outside Egypt, Leiden 1976, 133f. mit Anm. 64. Artemidor
fand das Interesse einiger jüngst publizierter Studien: O. Palagia, Cult
and Allegory. The Life Story of Artemidoros of Perge, in: J. Motyka Sanders
(Hrsg.), Philolakon. Lakonian Studies in Honour of H. Catling, London 1992,
171-177, deren Argumente (173f.) gegen die Interpretation als
Stifterporträt nicht überzeugen; van Straten (Anm. 17) 18, Anm. 260
(mit Abb. 24-28), u.a. mit dem Hinweis auf vergleichbare Stiftungen; bes. Graf
(Anm. 14) 107-112 (in Anm. 36 die wichtigste Literatur), mit einer im Gegensatz
zu Palagia konzisen Gesamtdeutung aller vorkommenden Gottheiten und
Personifikationen im Hinblick auf die Polis Thera und die Biographie des
Stifters. Lesenswert bleibt immer noch U. v. Wilamowitz-Moellendorff, Der
Glaube der Hellenen, Berlin 1932, II 387ff.
[Zurück zum Text]
- Graf (Anm. 14) 107ff. mit Anm. 42. »It is
interesting that a personification like Homonoia by this time had acquired
sufficient body to appear in a dream«, so van Straten (Anm. 17) 18, dort
(Anm. 261) eine Zusammenstellung weiterer Traum-Personifikationen.
[Zurück zum Text]
- IG XII3 Suppl. 1343, 1344 u. 1349. Das Ehrendekret mit
der Bürgerrechtsverleihung ist verloren. Die permanente Wiederholung des
Namens Artemidoros wirkt ungemein penetrant.
[Zurück zum Text]
- Dies hing sicher zum einen an den daraus resultierenden
Mehrkosten für die Inschrift; zum anderen konnten mehr Details u.U. auch
mehr Skepsis hervorrufen, etwa wenn ein Traum stark einem literarischen Muster
verpflichtet war. Mit dem reinen Hinweis auf den Traumauftrag des Gottes blieb
man dagegen unangreifbar.
[Zurück zum Text]
- Zu Sarapis zuletzt W. Huß, Der makedonische
König und die ägyptischen Priester. Studien zur Geschichte des
ptolemaiischen Ägypten (Historia-Einzelschriften 85), Stuttgart 1994,
58-68.
[Zurück zum Text]
- P. Cair. Zen. 1,59034 (= PSI IV 435); zur Person PP VI
15758. Der Text ist mehrfach behandelt worden: vgl. Wilcken (Anm. 28) 350, Anm.
1; A. Storch - F. Heichelheim, Zum Traumglauben und Traumverständnis in
der Antike auf Grund urkundlicher Traumberichte aus der Ptolemäerzeit,
Zentralblatt für Psychotherapie 4, 1931, 559-569, hier 559f., Anm. 4; K.
Latte, Rez. A.D. Nock, Conversion. The Old and the New in Religion from
Alexander the Great to Augustine of Hippo, Oxford 1933, in: GGA 197, 1935, 114;
H. Bell, Popular Religion in Graeco-Roman Egypt, JEA 34, 1948, 82-97, hier 94,
dort auch Zustimmung zu dem im folgenden geäußerten Gedanken; del
Corno (Anm. 5) 113; Leuci (Anm. 5) 48f. Eine kommentierte Übersetzung bei
N. Lewis, The Interpretation of Dreams and Portents, Toronto - Sarasota 1976,
45.
[Zurück zum Text]
- Zu dieser Art göttlicher Offenbarung vgl. Bell
(vorige Anm.) 94f.; Lazzarini (Anm. 17) 854f. mit Anm. 104-106.
[Zurück zum Text]
- Als weiteres Beispiel sei auf den Brief P. Cair. Zen.
3,59426,6f. (= Sel. Pap. I 91; zw. 260 u. 250 v. Chr.) verwiesen, in dem Dromon
(zur Person: P.W. Pestman et al., A Guide to the Zenon Archive [P.L. Bat. 21],
2 Bde., Leiden 1981, 321) den Zenon bittet, eine Kotyle attischen Honigs zu
besorgen, »denn ich habe Bedarf daran für die Augen gemäß
dem Erlaß des Gottes«; gemeint ist wohl Sarapis (vorausgesetzt, der
Brief ist in Memphis geschrieben) oder Asklepios; vgl. noch Bell (Anm. 24) 95.
[Zurück zum Text]
- Diese betrifft den 'Traum des Nektanebo' (UPZ 81 u. L.
Koenen, The Dream of Nektanebos, in: D. Hobson - K. McNamee [Hrsg.], Classical
Studies Presented to W.H. Willis [BASP 22], New York 1985, 171-194), den
offenkundig Apollonios, der Bruder des Ptolemaios, abgeschrieben hat.
Näheres bei A.L. Oppenheim, The Interpretation of Dreams in the Ancient
Near East, with a Translation of an Assyrian Dream-Book, TAPhA 46, 1956,
179-355, hier 196 mit Nr. 23; D.J. Thompson, Memphis under the Ptolemies,
Princeton 1988, 262f.; Huß (Anm. 23) 133-137.
[Zurück zum Text]
- U. Wilcken, Urkunden der Ptolemäerzeit I, Berlin
1927, als Nr. 2-105; die Träume enthaltenden Dokumente sind die Nummern
77-81, dazu Andeutungen in 68-70 (im folg. abgekürzt UPZ). Nicht
mitgerechnet sind die Traumthemen in UPZ 80. Eine Beschreibung des Materials
gibt L. Delekat, Katoche, Hierodulie und Adoptionsfreilassung (Münchener
Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte 47),
München 1964, 140 (diese Studie erfuhr der L'Année Philologique
zufolge mindestens 17 Besprechungen, die sich jedoch fast ausschließlich
auf die rechtshistorische Relevanz und nicht auf die behandelten Träume
bezogen). Zu den demotischen Texten siehe G. Botti, Testi demotici 1, Florenz
1941, 10-19. (Nr. 2 u. 3), die italienische Übersetzung ist auch
zugänglich bei Delekat (wie oben) 151 u. 155, Anm. 2; eine Neulesung
bieten E. Bresciani - E. Bedini - L. Paolini - F. Silvano, Una rilettura dei
Pap. dem. Bologna 3173 e 3171, EVO 1, 1978, 95-104, die allerdings aufgrund der
demotischen Namen die Zugehörigkeit zum UPZ-Corpus anzweifeln; eine
englische Übersetzung bei Lewis (Anm. 24) 47-52. Zum gesamten Kontext vgl.
Storch/Heichelheim (Anm. 24); del Corno (Anm. 5) 111ff., N. Lewis, Greeks in
Ptolemaic Egypt. Case Studies in the Social History of the Hellenistic World,
Oxford 1986, 69-87 u. Thompson (vorige Anm.) 212-265; Leuci (Anm. 5) 49-55. Der
Versuch einer konzisen Deutung aller Träume vor dem Hintergrund der
sonstigen Dokumente ist noch nicht unternommen worden, vgl. immerhin die
methodischen Leitlinien bei Delekat (wie oben) 140.
[Zurück zum Text]
- Zur katoche vgl. Lewis (vorige Anm.) 74f.; Thompson
(Anm. 27) 216ff.; R. Merkelbach, Zur enkatoche im Sarapeum zu Memphis, ZPE 103,
1994, 293-96. Auf die Frage des Tempelasyls in hellenistischer Zeit kann hier
nicht weiter eingegangen werden, vgl. dazu F. v. Woess, Das Asylwesen
Ägyptens in der Ptolemäerzeit und die spätere Entwicklung,
München 1923; H. Heinen, Ägyptische Tierkulte und ihre
hellenistischen Protektoren. Überlegungen zum Asylieverfahren SB III 6154
(= IG Fay. III 135) aus dem Jahre 69 v. Chr., in: M. Minas - J. Zeidler
(Hrsg.), Aspekte spätägyptischer Kultur. FS E. Winter zum 65.
Geburtstag, Mainz 1994, 157-168; jetzt auch K.J. Rigsby, Asylia. Territorial
Inviolability in the Hellenistic World, The University of California Press
1996.
[Zurück zum Text]
- Daß eine Person für die andere träumen
konnte, war gängige Praxis. Zur Inkubation in ägyptischen Tempeln und
zur damit verbundenen Traumdeutung vgl. J. Ray, The Archive of Hor, London
1976, 130-136, der in diesem Band die zweite bedeutende, aus der gleichen Zeit
stammende Gruppe von Träumen in demotischer Sprache ediert hat;
außerdem Thompson (Anm. 27) 208ff.
[Zurück zum Text]
- Versuche wurden unternommen von Storch/Heichelheim (Anm.
24) 566ff., oft spekulativ und zu sehr psychologisierend, und von Delekat (Anm.
28) 136ff., der das Verständnis der beiden überaus komplexen, hier
nicht behandelten Traumsequenzen von UPZ 78 entscheidend gefördert hat.
[Zurück zum Text]
- OPetersburg 1129, zit. nach Wilcken (Anm. 28) 351 bzw.
Storch/Heichelheim (Anm. 24) 563 (Nr. 2) u. 566, dort auch die gegebenen
Interpretationsalternativen.
[Zurück zum Text]
- So Storch/Heichelheim (Anm. 24) 566. Der Hintergrund ist
in UPZ 18 u. 19 ausgeführt.
[Zurück zum Text]
- UPZ 77 II 1-17 (mit dem Komm. S. 355). Dazu vgl.
Storch/Heichelheim (Anm. 24) 563 (Nr. 7) u. 567. In jeder Hinsicht unzutreffend
ist die Wertung von Thompson (Anm. 27) 225: »Although such dreams may tell
more of fantasy than of real life, in recording them Ptolemaios shows the same
troubled psychology as is revealed elsewhere - in his obsession with his
accounts which were worked and reworked with a neurotic application unmatched
by accuracy.« Dahinter steht u.a. die verbreitete Tendenz, antike
Personen, die viele Träume aufgezeichnet haben (etwa Aelius Aristides),
aufgrund dieses Zusammenhanges als neurotisch zu bezeichnen.
[Zurück zum Text]
- Zur Charakterisierung der anderen Zwillingsschwester
vgl. Delekat (Anm. 28) 151f.; Mutmaßungen über das nicht allein
väterlichen Interesse an den Zwillingen seitens des Ptolemaios bei
Thompson (Anm. 27) 224f.
[Zurück zum Text]
- UPZ 79,17-20. Dazu Storch/Heichelheim (Anm. 24) 565 (Nr.
12) u. 568f.
[Zurück zum Text]
- Artemidor benutzt für die Palme foinix, der Papyrus
hat dagegen bais, was ägyptischer Herkunft ist, dazu vgl. die Bemerkungen
von Wilcken (Anm. 28) 368; A. Steier, Art. Phoinix (1), RE XX, 1941, 386-403,
u. ders., Art. Taube, RE IV A, 1932, 2479-2500, führt keinen Hinweis
für die Verbindung von Taube und Palme an. Delekat (Anm. 28) 146, Anm. 1,
deutet den Traum als Parabel für Ptolemaios, etwa nach dem Motto
»'Willst du den Zwilling behalten, so gib ihm einen Palmenzweig'«:
Dies meint wohl am ehesten einen Palmzweig als besondere Auszeichnung, doch ist
die Verbindung von Palmzweig und Siegespreis erst kaiserzeitlich belegt.
[Zurück zum Text]
- Eine explizite Deutung auf die katoche hin, wie Wilcken
z.St. sie vorschlägt (unter Verweis auf die Synonymität des hier
gebrauchten synechein mit dem terminus technicus katechesthai), führt zu
weit und trifft auch nicht den Sinn des Traumes. Delekats Vermutung (Anm. 28),
Nektembes könnte auch den Flug der Tauben gedeutet haben, ist
willkürlich.
[Zurück zum Text]
- In den Träumen ist mehrfach vom Sarapistempel die
Rede, allein in UPZ 77 II 22-32 agiert der Gott Ammon als Geburtshelfer, auch
von einer Kuh und einem Stier wird gesprochen, was nach Thompson (Anm. 27) 195
durch die lokale Vorgabe des Apiskultes bedingt ist.
[Zurück zum Text]
- Zu den verschiedenen Deutungsmustern vgl. Cox Miller
(Anm. 7) 42f.; P.J. van der Eijk, Aristoteles. De insomniis. De divinatione per
somnum (Aristoteles. Werke in deutscher Übersetzung 14/III), Berlin 1994,
52ff.
[Zurück zum Text]
- Es ist aufgrund der Quellenlage fast unmöglich,
eine generelle Aussage darüber zu treffen, wie zeitbezogen
Traumdeutungsbücher waren: Artemidor hat zweifellos sehr viel älteres
Material eingearbeitet (gegen das er z.T. auch polemisiert), weist aber keine
über die eigene Zeit hinausgehende historische Bezüge auf.
[Zurück zum Text]
- Die Autorschaft des Apollonios für die demotischen
Texte lehnen Bresciani/Bedini/Paolini/Silvano (Anm. 28) 102, ab; anders bereits
N.J. Reich, The Teebesioi Hyioi and Their Quarrel with Apollonios, Mizraim 1,
1933, 147-177, bes. 156ff.; bes. Thompson (Anm. 27) 247f. u. 263. Vgl. auch den
griechischen Brief eines anderen Ptolemaios an einen sonst nicht bekannten
(Ägypter?) Achilles (P. Goodsp. 3 = Epist. priv. graec. Nr. 21, S. 30f.,
ed. Witkowski; 3. Jh. v. Chr.), in dem der (verlorene) Inhalt eines Traumes,
hier horama genannt, in demotischer Sprache mitgeteilt wurde - weil in dieser
Sprache dem anderen ein Traumbuch verfügbar war oder »perhaps
suggesting literacy in both languages«, so Thompson (Anm. 27) 264? Dazu
Wilcken (Anm. 28) 366f. mit Anm. 3; Bell (Anm. 24) 95f.; del Corno (Anm. 5)
112.
[Zurück zum Text]
- Das demotische Traumbuch edierte A. Volten, Demotische
Traumdeutung (Pap. Carlsberg XIII und XIV verso), Kopenhagen 1942. Zu den hier
angesprochenen Problemen vgl. del Corno (Anm. 5) 110 u. 113f.; Delekat (Anm.
28) 136ff.: »Es ist überhaupt nicht leicht zu sehen, wie anhand der
in diesen Sammlungen zusammengestellten Traummotive jemand einen Traum zu
deuten vermochte« (138).
[Zurück zum Text]
- Zur sonstigen ägyptischen Traumdeutung vgl. K.
Zibelius-Chen, Kategorien und Rolle des Traumes in Ägypten, SAK 15, 1988,
277-293; Texte, u.a. aus dem hieratischen Traumbuch, finden sich abgedruckt bei
S. Sauneron, Les songes et leur interprétation dans l'Égypte
Ancienne, in: Les songes et leur interprétation, Paris 1959, 17-61; dazu
noch S. Israelitt-Groll, A Ramesside Grammar Book of a Technical Language of
Dream Interpretation, in: dies. (Hrsg.), Pharaonic Egypt, the Bible and
Christianity, Jerusalem 1985, 71-118.
[Zurück zum Text]
Bemerkenswert ist noch der Traum der Taimhotep, Frau des memphitischen
Hohenpriesters Psenptais III. aus der Zeit Ptolemaios' XIII.: Imhotep-Asklepios
verspricht im Traum gegen Bauarbeiten in seinem Tempel die Geburt des ersehnten
Sohnes, dazu Thompson (Anm. 27) 140 mit Belegen und
Literatur.
- Siehe Anm. 50. Belege bei Wilcken (Anm. 28) 48 u. 391,
der den UPZ 84,79 genannten Deuter zu Unrecht unter das Tempelpersonal
zählt; auch Delekat (Anm. 28) 142f., Anm. 6, zu Ptolemaios, der wohl
selbst Träume zu deuten vermochte (UPZ 71,2-5), sich dazu jedoch auch an
andere wandte (UPZ 78,1 u. 42), anders hierzu noch Storch/Heichelheim (Anm. 24)
561. Außerdem noch Lazzarini (Anm. 17) 854f.
[Zurück zum Text]
- SB I 685: »Ich deute Träume in der Gottheit
Auftrag. Sei Tyche hold. Ein Kreter ist es, der solches deutet«. Dazu O.
Rubensohn, Das Aushängeschild eines Traumdeuters, in: FS J. Vahlen, Berlin
1900, 3-15; Wilcken (Anm. 28) 13 u. 32; del Corno (Anm. 5) 113f., dessen
Wertung der Deutung des Kreters in einem Sarapisheiligtum als Zeichen der
'Fusion' erst noch in einen umfassenderen Kontext zu stellen wäre;
Thompson (Anm. 27) 87, 225 u. 264f. (mit Abb. VII).
[Zurück zum Text]
- Hierzu Rubensohn (vorige Anm.) 6ff. Zur göttlichen
Autorisierung auch A.D. Nock, A diis electa. A Chapter in the Religious History
of the Third Century, HThR 23, 1930, 251-274 [zit. nach Stewart (Anm. 17)
252-270, hier 255f.].
[Zurück zum Text]
- Die griechischen Zeugnisse bei D. del Corno, Graecorum
de re onirocritica scriptorum reliquiae, Mailand 1969 (dazu R.A. Pack, Gnomon
42, 1970, 833f.; A.H.M. Kessels, Mnemosyne 5, 1972, 202-205); außerdem B.
Büchsenschütz, Traum und Traumdeutung im Alterthume, Berlin 1868,
45ff.; Susemihl (Anm. 2) Bd. 1, 869ff. u. 875; T. Hopfner, Art. Traumdeutung,
RE VI A, 1937, 2233-2245, hier 2238ff.; Nilsson (Anm. 3) 230f.; M.A. Vinagre
Lobo, Etapas de la literatura onirocrítica según los testimonios de
Artemidoro Daldiano, Habis 22, 1992, 297-312.
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Ob der aus dem nach bisherigem Kenntnisstand völligen Fehlen von
Traumdeutungsliteratur auf Papyrus gezogene Schluß auf deren geringe
Verbreitung berechtigt ist (so G. Guidorizzi, L'interpretazione dei sogni nel
mondo tardoantico, in: T. Gregory [Hrsg.], I sogni nel Medioevo, Rom 1985,
149-170, hier 158), scheint fraglich zu sein, zumal man davon ausgehen kann,
daß derartige Literatur, mit der ein sehr großes Wissen verbunden war
und die in einem kommentierten Handexemplar auch praktische Notizen oder
'Erfahrungswerte' beinhalten konnte, im Zweifelsfalle eher versteckt oder
vernichtet als zurückgelassen wurde.
- Vgl. P.H. Schrijvers, La classification des rêves
selon Hérophile, Mnemosyne 30, 1977, 13-27; H. v. Staden, Herophilus. The
Art of Medicine in Early Alexandria, Cambridge 1989, 306-310 mit den Texten
226a-d. Zur Person vgl. Verf., Dichtung und höfische Gesellschaft. Die
Rezeption von Zeitgeschichte am Hof der ersten drei Ptolemäer (Hermes
Einzelschriften 62), Stuttgart 1993, 146 mit Anm. 4.
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- van Straten (Anm. 17) 12f. verzeichnet nur sehr wenige
Ausnahmen, verweist allerdings auf eine Reihe nicht datierter Inschriften;
Lazzarini (Anm. 17) 853f. mit Anm. 88-92. Belege für den oneirokrites aus
hellenistischer Zeit finden sich auf Delos, etwa ID 2072, 2073, 2105, 2106,
2110, 2120 und 2151, dazu Stewart (Anm. 3) 613.
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- Allein Hdas. 8 hat im Titel enhypnion, im Text onar Von
Theokrit kommt allein 30,22 (enhypnia) in Frage, alle sonstigen Belege
entstammen den unechten Gedichten (9,16; 20,5), bemerkenswert ist 21,24ff.
nicht nur wegen der literarischen Gestaltung mittels eines Traumes, sondern
auch wegen der geäußerten Ansichten 'einfacher Fischer' (32f.:
»Denn wenn auch nach dem Verstand ich sie deute, so ist doch der beste
Deuter von Träumen wohl der, der es lernt vom eigenen Verstande«; 64:
»das Gesicht war nichts anderes als Täuschung«) und der
unterschiedslosen Verwendung von enhypnion und oneiros (29: krinein ...
enhypnia; 33: oneirokritas). Menander hat enhypnion (Dysk. 407-417, dazu N.
Zagagi, The Comedy of Menander. Convention, Variation and Originality, London
1994, 160ff.). Bion, Epitaph. Adon. 58 hat onar.
Inkonsistent im Sprachgebrauch von oneiros und enhypnion ist Polybios
(12,12b,1; 12,4,5; 33,21,1-2), besonders in der einzigen berichteten
Traumerfahrung in 10,4,5ff. (Bewerbung der Scipionen um das Ädilenamt; zum
weiteren Kontext vgl. F. Loretto, Träume und Traumglaube in den
Geschichtswerken der Griechen und Römer, Diss. [masch.] Graz 1956, 159f.,
Anm. 3.; C.J. Classen, Gottmenschentum in der römischen Republik,
Gymnasium 70, 1963, 312-338, 318f.; G. Maurach, Africanus Maior und die
Glaubwürdigkeit des 'Somnium Scipionis', Hermes 92, 1964, 299-313, hier
301f.; F.W. Walbank, The Scipionic Legend, PCPhS 13, 1967, 54-69; H.H.
Scullard, Scipio Africanus. Soldier and Politician, London 1970, 18-23; D.
Potter, Prophets and Emperors. Human and Divine Authority from Augustus to
Theodosius, Cambridge/Mass. - London 1994, 147f.), während in 10,11,7 das
Traumgeschehen - Poseidon erscheint dem Scipio Africanus vor Karthago - eher
umschrieben wird.- Dafür, daß im literarischen Gebrauch eher oneiros
üblich war, spricht auch die einmalige Verwendung des Wortes in UPZ 81 III
11 (siehe Anm. 27).
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- In diesem Sinne interpretiert auch Lazzarini (Anm. 17)
853 den Befund. Auf ein Inkubationsheiligtum (Asklepieion in Sikyon) verweist
Paus. 2,10,2 bezüglich der Statuen von Oneiros und Hypnos.
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- Im 'Archiv des Ptolemaios' fand sich zwar eine Reihe
qualitativ beachtlicher literarischer Texte (hierzu D.J. Thompson, Ptolemaios
and the Lighthouse. Greek Culture in the Memphite Serapeum, PCPhS 33, 1987,
105-121), Ptolemaios ist damit aber noch nicht zur kulturtragenden Oberschicht
zu rechnen.
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- Zu Kall. Ait. I Fr. 2 u. 2a-d: L. Lehnus, Bibliographia
Callimachea 1489-1988, Genua 1989, 63f. Zu Hdas. Mim. 8,14-66: V. Gigante
Lanzara, Il sogno di Eroda, in: G. Arrighetti - F. Montanari (Hrsg.), La
componente autobiographica nella poesia greca e latina fra realtà e
artifico letterario, Pisa 1993, 229-239. Zu Apollonios (bes. Arg. 3,616-632;
4,662-671; 4,1731-1745 und weiteren Stellen): Kessels (Anm. 5) 156ff. Zu
Moschos Eur. 1-27: M. Campbell, Moschus. Europa (Altertumswissenschaftliche
Texte und Studien 19), Hildesheim u.a. 1991, 21ff.
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- Die Epigramme in ihrer Gesamtheit sind bislang nur durch
eine Vorab-Publikation bekannt: G. Bastiani - C. Gallazzi, Posidippo.
Epigrammi, Mailand: Edizioni il Polifilo 1993; drei Epigramme sind offiziell
publiziert: G. Bastiani - C. Gallazzi, Il poeta ritrovato. Scoperti gli
epigrammi di Posidippo in un pettorale di mummia, Ca' de Sass. 121, 1993,
34-39; dazu jetzt M.W. Dickie, An Ethnic Slur in a New Epigram of Poseidippus,
PLLS 19, 1996, 327-336.
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- Zur römischen Komödie (bes. Plaut. Mil.
380-401, Merc. 225-271, Rud. 593-612, Curc. 246-263): F. Leo, Plautinische
Forschungen, Berlin 21912, 162ff.; J. Bayet, La croyance romaine aux
présages déterminants: aspects littéraires et chronologie, in:
Hommage à J. Bidez et F. Cumont, Brüssel 1949, 13-30, bes. 14-21; F.
Arnaldi, Sogni ellenistici, SIFC 27/28, 1956, 8-11; J. Collart, La 'scène
du songe' dans les comédies de Plaute (Remarques sur quelques
procédés formels), in: M. Renard - R. Schilling (Hrsg.), Hommages
à Jean Bayet (Coll. Latomus 70), Brüssel 1964, 154-160; A. Katsouris,
Notes on Dreams and Dream-Like Visions, Dodone 7, 1978, 43-86. Terenz gestaltet
dagegen keine Traumszenen und verweist nur auf die Möglichkeit des
Träumens (für Hinweise danke ich E. Stärk, Leipzig).
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- Vgl. E. Bächli, Die künstlerische Funktion von
Orakelsprüchen, Weissagungen, Träumen usw. in der griechischen
Tragödie, Winterthur 1954; Brillante (Anm. 13) passim; S.M. Oberhelman,
The Oneirocriticon of Achmet. A Medieval Greek and Arabic Treatise on the
Interpretation of Dreams, Lubbock/Texas 1991, 25-29.
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- UPZ 70,6-13 u. 28-30. Das Zitat im Text ist aus UPZ
69,4f.; dazu Wilcken (Anm. 28) 330ff.; Storch/Heichelheim (Anm. 24) 569, jedoch
mit kaum mehr akzeptabler Wertung; Bell (Anm. 24) 96; Thompson (Anm. 27) 251f.;
A. Bulloch, in: Bulloch (Anm. 18) 245.
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- Aufgrund der Quellenlage lassen sich keine Aussagen
darüber treffen, ob eine bestimmte Gruppe innerhalb einer Polis oder ein
bestimmtes ethisch oder religiös geprägtes Milieu für
Träume besonders mental prädisponiert war oder bevorzugt mit ihnen
umging.
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- Auch diese Träume konnten als göttliche
Fürsorge interpretiert werden, ohne daß immer ein Gott
persönlich agierte.
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- Man kann außerdem fragen, welche andere
Divinationsform den Traum in diesem Kontext hätte ersetzen sollen: Eine
Vision im Wachzustand wäre zwar 'höherwertig' gewesen, hätte
aber vielleicht auch nicht ohne weiteres Akzeptanz gefunden. Bei einem Orakel
hätte man immerhin noch nachfragen können. Der Vorteil eines Traumes
bestand nicht zuletzt darin, daß er nicht nachprüfbar war.
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- Das Erzählen von Träumen gehörte
offenkundig zu den Standardthemen der Geschwätzigkeit, dazu Theophr. Char.
3,2: »Dann erzählt er [sc. der Geschwätzige], welches Traumbild
er letzte Nacht gesehen hat.«
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- Dieser Text D 95-115 (und weitere epiphaneiai) bei C.
Blinkenberg, Die lindische Tempelchronik (Kl. Texte 131), Bonn 1915 (und
Nachdrucke) = FGrHist 532, dazu noch ders., Lindos, Fouilles de l'Acropole
1902-1914. II. Inscriptions, Berlin - Kopenhagen 1941, Nr. 2, 185ff.; A.
Chaniotis, Historie und Historiker in den griechischen Inschriften.
Epigraphische Beiträge zur griechischen Historiographie (HABES 4),
Wiesbaden 1988, 52-57 (T 13), bes. Anm. 109; Leuci (Anm. 5) 27f. Zum
historischen Kontext vgl. E. Will, Histoire politique du monde
hellénistique, Bd. 1, Nancy 21979, 70 u. 73f., vornehmlich basierend auf
Diod. 20,81-88 u. 91-100,4. Eine englische Übersetzung bei Lewis (Anm. 24)
44f.
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- Zum weiteren Kontext P. Funke, Chronikai syntaxeis kai
historiai. Die rhodische Historiographie in hellenistischer Zeit, Klio 76,
1994, 255-262, bes. 257f. (dort weitere Lit.), auch G.A. Lehmann, Das neue
Kölner Historiker-Fragment (P. Köln Nr. 247) und die chronike
syntaxis des Zenon von Rhodos (FGrHist 523), ZPE 72, 1988, 1ff.- In diesem
Zusammenhang ist noch eine Weihung eines Ptolemaios, wohl des ersten, in der
Tempelchronik relevant (C 110-113), u.a. dazu auch R.A. Hazzard, Did Ptolemy I
get his Surname from the Rhodians in 304?, ZPE 92, 1992, 52-56; zur Bedeutung
von Rhodos für den ersten Ptolemäer vgl. R.M. Berthold, Rhodes in the
Hellenistic Age, Ithaca 1984, 78 mit Anm. 40.
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- Vgl. C. Habicht, Gottmenschentum und griechische
Städte (Zetemata 14), München 21970, 109f. u. 233f. (dort das Zitat),
der von einer Erfindung der Priester ausgeht, die »aber wohl von keinem
Rhodier wirklich geglaubt« wurde. Zum Prestige für die Städte
vgl. R. Lane Fox, Pagans and Christians, London u.a. 1986, 122. Daß die
lindischen Texte nicht singulär sind, zeigen M. Rostowzew, Epiphaneiai,
Klio 16, 1920, 203-206 (dort auch zur diesbezüglichen
Geschichtsschreibung) u. Leuci (Anm. 5) 218ff.
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Dr. Gregor Weber, 14. Oktober 1997