Die Kalenderreform Caesars. Ein Beitrag zur Geschichte seiner Spätzeit.
Erschienen in:
Ancient Society 18, 1987, S. 103 - 131.
Prof. Dr. Jürgen Malitz
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
E-Mail:
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I
Von allen Neuerungen Caesars aus der Zeit seiner Alleinherrschaft hat die
Reform des Kalenders die längste Zeit überdauert - nämlich bis
heute, einmal abgesehen von der Korrektur der Schalttagsvorschrift durch
Augustus im Jahre 8 v.Chr.[1] und der bisher letzten Verbesserung durch
Papst Gregor XIII. im Jahre 1582[2]. Bei Berücksichtigung dieser
Kontinuität ist Theodor Mommsens Urteil keineswegs übertrieben:
»Im Ganzen genommen haben wenige legislatorische Reformen so
vollständig ihren Zweck erreicht wie die caesarische des Kalenders[3]«.
An der Fernwirkung von Caesars Kalenderreform ist kein Zweifel möglich. Im
Jahre 46 v.Chr. allerdings war die Neuordnung des Kalenders in der von Caesar
gewählten Form weniger selbstverständlich als heute. Probleme der
Vorgeschichte, der Durchführung und der Aufnahme der Reform durch die
Zeitgenossen stehen im Mittelpunkt dieser Untersuchung[4].
II
Zu den ursprünglichen Wesenszügen der Kalender Griechenlands und Roms
gehört die Einhaltung der Jahreszeiten für die jahreszeitlich
bedingten Feste[5].
Caesars Reform des Jahres 46 erklärt sich durch die in diesem Punkt
bestehende Korrekturbedürftigkeit des gültigen Kalenders. Das
König Numa zugeschriebene Jahr war ein zwölfmonatiges, am Lauf des
Mondes orientiertes Jahr von 365 Tagen[6]. Schon früh muß klargeworden
sein, daß dieses Jahr mit den astronomisch unverrückbaren
Jahreszeiten nicht Schritt halten konnte. Die am Sonnenjahr von etwa 365 Tagen
fehlenden Tage mußten durch den Zusatz von Schaltmonaten ausgeglichen
werden. Im zweiten Jahr einer Vierjahresperiode wurden 22, im vierten Jahr 23
Tage eingefügt.[7].
Dieser spätestens zur Zeit der Decemvirn eingerichtete Vierjahreszyklus
von 1465 Tagen hatte vier Tage zuviel, da vier Sonnenjahre einen Wert von
ziemlich genau 1461 Tagen haben. Der eigenartige Fehler ist nie richtig
korrigiert worden[8]. Seit
dem Jahre 191 v.Chr. besaß das Kollegium der Pontifices allerdings die
Vollmacht, nach Belieben zu Schalten, um den Kalender so gut wie möglich
zu berichtigen[9].
Es ist schwer zu sagen, in welchem Maße die Pontifices des 2. und 1.
Jahrhunderts in der Lage waren, die Probleme des römischen Kalenders genau
zu beurteilen. Nicht alle Quellen sprechen von der Unwissenheit der Priester[10] beim fehlerhaften
Umgang mit der Schaltung. Schon vor Caesars Reform war bekannt, daß unter
Zugrundelegung eines Sonnenjahres von 365 1/4 Tagen durch vorher festgelegte
Interkalationen alle 24 Jahre ein Ausgleich des Kalenders mit dem Sonnenstand
erzielt werden konnte, und innerhalb dieser 24 Jahre brauchte die Abweichung
von den Jahreszeiten nicht sehr groß zu sein - Caesars späterer
Kalender war auch nicht viel exakter[11].
Den Gang des römischen Kalenders vor Caesar zu kennen, ist mit einiger
Genauigkeit nur für die Zeit seit dem 2. römisch-karthagischen Krieg
möglich, und zwar aufgrund zweier Notizen bei Livius. Die Verschiebung der
Jahreszeiten war dabei für Livius und vermutlich auch für seine
Quellen ohne erkennbare Bedeutung[12]. Die Sonnenfinsternis vom 14. März
190 v.Chr. - in der heute gültigen julianischen Umrechnung - entsprach dem
11. Juli des damaligen römischen Jahres; der Kalender lief der
astronomsichen Zeit also um rund vier Monate voraus[13]. Die Mondfinsternis vom 21. Juni 168
julianischer Rechnung fiel auf den 3. September des damaligen Jahres; damals
war der Kalender also um rund zweieinhalb Monate der wirklichen Jahreszeit
voraus[14]. Aus der
übrigen literarischen Überlieferung geht hervor, daß der
Kalender in den Jahren 149, 101 und wohl auch noch 66 mit der wirklichen
Jahreszeit im großen und ganzen übereingestimmt haben dürfte[15]. Spätestens seit
den sechziger Jahren hat sich das geändert, denn Caesar mußte im
Jahre 46 neunzig zusätzliche Tage einsetzen, um den Gleichstand des
römischen Jahres mit dem Sonnenjahr zu erreichen[16].
III
Zeitgenössische Beschwerden über die Ungenauigkeit des Kalenders sind
nur schwer faßbar. Zum Verständnis dieses nach heutigen, an den
julianischen Kalender gewöhnten Maßstäben überraschenden
Schweigens ist freilich hinzuzufügen, daß es in allen den
Fällen, wo es auf die präzise Kenntnis des Sonnenstands ankam,
keinerlei Probleme gab, den »wirklichen« Tag innerhalb des
Sonnenjahres zu ermitteln. Kein Landwirt wäre auf die Idee gekommen, mit
den Aprilarbeiten zu beginnen, nur weil der Kalender den April anzeigte -
maßgeblich waren hier Sternphasen und Wetterzeichen, für die es auch
Verzeichnisse gab[17].
Kein Feldherr konnte sich bei seiner Planung auf die im bürgerlichen
Kalender angegebenen Daten verlassen. Als Caesar seine Truppen nach Britannien
übersetzte, bestimmte er die Jahreszeit nicht nach dem Kalender, sondern
nach dem Sonnenstand[18].
Der für die nachcaesarische Zeit so selbstverständliche Vorteil einer
zuverlässigen Rechnung des bürgerlichen Jahres spielt vor Caesars
Reform keinerlei Rolle; in diesem Sinne war auch ein Bedürfnis für
eine Verbesserung des Kalenders nicht spürbar[19]. Die einzige bekannte Beschwerde
über die Verschiebung des Kalenders gegenüber dem Sonnenstand vor den
Debatten über Caesars Reform betraf die Vorschriften der Staatsreligion
über die Abhaltung der jahreszeitlichen Feste[20].
Noch die wenigen erhaltenen Zeugnisse aus den fünfziger Jahren machen die
Nachlässigkeit der Pontifices im Umgang mit dem Kalender deutlich. Die
Öffentlichkeit hatte keine Möglichkeit, sich über künftge
Schaltungen rechtzeitig zu informieren; selbst Anfang Februar konnte man
zuweilen nicht wissen, ob die Pontifices zu schalten geruhen würden oder
nicht[21]. Die
Einhaltung der Jahreszeiten muß für das Kollegium damals ein Thema
von geringer Bedeutung gewesen sein[22]. Hier stellt sich natürlich sofort
die Frage, ob nicht auch Caesar selbst, der doch seit 63 v.Chr. Pontifex
Maximus war und mindestens Mitverantwortung trug, Anteil gehabt hat an dem
spürbaren Verfall des Kalenders.
Soweit die Quellen ein Urteil darüber erlauben, ist offenbar niemand auf
die Idee gekommen, Caesar eine Vernachlässigung seiner Pflichten
vorzuwerfen. Es ist ganz bezeichnend, daß Cicero in der vermutlich Ende
der fünfziger Jahre verfaßten Schrift »De legibus« von der
neglegentia der Pontifices spricht, nicht etwa nur von
Versäumnissen des Pontifex Maximus[23]. Äußerungen Ciceros
gegenüber Atticus über eine Interkalation, die im Jahre 50 kommen
sollte oder auch nicht, lassen keinen anderen Schluß zu als den, daß
es Ciceros optimatische Freunde waren, die über das Mittel der Schaltung
frei verfügen wollten[24].
Im Jahre 50 forderte der mit Caesar damals verbündete Tribun Curio, der
übrigens selbst auch Pontifex war, eine Interkalation, die er nutzen
wollte für eine Verlängerung seiner Amtszeit. Der Antrag wurde im
Senat von den Gegnern Curios und Caesars abgelehnt; es ist nicht festzustellen,
daß die religiös begründete Forderung nach der
Übereinstimmung von wirklicher Jahreszeit und Kalender-Jahreszeit, die
durch eine Interkalation damals nur verbessert worden wäre, für die
Optimaten von Gewicht war[25].
Welche Interessen konnten die Pontifices bei ihren Entscheidungen über
eine Interkalation leiten ? Ein vermutlich nicht sehr seltenes Motiv beim
unseriösen Umgang mit der Schaltung wird in der erhaltenen
Überlieferung nur wenig erwähnt: die Steuerpächtergesellschaften
konnten durch die Verlängerung oder Nichtverlängerung des Jahres
finanzielle Vorteile erlangen[26].
Curios Wunsch nach einer Interkalation im Jahre 50 macht ein weiteres Motiv
deutlich. Durch einen zusätzlichen Monat wurde die Zahl der Tage
erhöht, an denen über Gesetze abgestimmt werden konnte. Nicht nur
Volkstribune wie Curio konnten an solchen Verlängerungen der Amtszeit
Interesse haben[27].
Die Debatten um den Antrag Curios zeigen, daß die letzte Entscheidung
über eine vom Priesterkollegium nicht einmütig beschlossene
Interkalation beim Senat lag[28] . Ciceros frühzeitige Hilferufe an
Atticus wegen der von ihm geradezu gefürchteten Interkalation im Jahre 50,
die seine Statthalterschaft in Kilikien verlängert haben würde,
lassen ebenfalls erkennen, daß eine so wesentliche Frage wie die
Verlängerung eines Kalenderjahres durch mächtige Fürsprecher im
Senat beeinflußt werden konnte[29]. In diesem Sinne wird sich auch das
Fehlen jeder Kritik an Versäumnissen Caesars bei der
Kalenderüberwachung in den fünfziger Jahren erklären, als der
Pontifex Maximus in Gallien kämpfte. Ihm konnte man wohl nicht den Vorwurf
machen, den Kalender manipuliert zu haben; es wäre wichtig zu wissen, ob
die Gegner Caesars die Möglichkeiten der Interkalation ihrerseits dazu
benutzt haben, Caesars Interessen in diesen Jahren zu schädigen[30]. Caesars spätere
Vorwürfe gegen die Pontifices bei der Begründung seiner Reform legen
die Vermutung nahe, daß er selbst Wert legte auf die Feststellung, seine
Pflichten als Pontifex Maximus nicht vernachlässigt zu haben[31].
Den meisten Zeitgenossen aber war die Kalender-Verwirrung der fünfziger
Jahre ganz gleichgültig[32], und Ciceros Verbesserungsvorschlag in
»de legibus« zeigt nur, wie man sich in Optimaten-Kreisen eine
Korrektur des Kalenders vorstellen konnte - wenn man sich dieser marginalen
Aufgabe überhaupt stellte. Von einer Neuberechnung des Jahres wie
später bei Caesar ist nicht die Rede, sondern von einer Rückkehr zu
Numas angeblich geschickt ausgedachtem Kalender. Cicero schreibt[33]:
Die Gliederung des Jahres muß die Feiertage und Feste auf die
Vollendung der ländlichen Arbeiten beziehen. Damit bis zu diesem Zeitpunkt
die Gaben für die Opfer und der Nachwuchs der Haustiere, die im Gesetz
genannt sind[34],
bewahrt werden können, muß man sorgfältig die Übung des
Schaltens festhalten, eine Einrichtung, die, von Numa kundig verfügt[35], durch die
Nachlässigkeit der späteren Pontifices in Unordnung geraten ist[36].
Zu Ciceros behutsamen Reformvorschlag ist auf jeden Fall die von Caesar im
Jahre 46 vertretene Form der Kalender-Berichtigung eine Gegenposition. Er nahm
den Pontifices ein für allemal die Freiheit, nach eigenem Gudünken zu
schalten[37]. Diese
sozusagen »populare« Tradition im Umgang mit den Privilegien der
Pontifices wird repräsentiert schon durch M. Flavius'
Veröffentlichung der Fasten im Jahre 304 v.Chr.[38] Hierhin gehört wohl auch die These
von C. Gracchus' Freund Iunius Congus, daß sich der volksfreundliche
König Servius Tullius als erster um eine Korrektur des mangelhaften
Kalenders gekümmert habe[39]. Im 1. Jahrhundert ist P. Clodius'
Umgang mit dem Kalender von auffälliger Rücksichtslosigkeit[40]. Einmal ganz abgesehen
von Clodius' Agitation zeigt Ciceros Vorschlag in »de legibus«,
daß es spätestens in den fünfziger Jahren eine Diskussion
über die Vor- und Nachteile des bestehenden Kalenders gab. Caesars Reform
im Jahre 46 traf Cicero und seine Freunde also nicht aus heiterem Himmel[41] .
IV
Wenn Caesar demnach auch nicht der einzige gewesen ist, der sich Gedanken
über die Verbesserung des Kalenders machte, so war er doch mit Sicherheit
der erste Pontifex Maximus, der die Berechnungen griechischer
Kalender-Spezialisten mehr oder weniger verständnisvoll nachprüfen
und seinen eigenen Vorstellungen anpassen konnte.
Caesar ist innerhalb der römischen Führungsschicht einer der wenigen
gewesen, die von den exakten Wissenschaften mehr verstanden als es üblich
war. Der Vergleich mit Cicero ist instruktiv. Cicero war in der Lage, das
Lehrgedicht des Aratos über die Himmelserscheinungen zu verstehen und zu
übersetzen; seine umfassende Bildung reichte aber nicht so weit, daß
er bei seinen geographischen Studien etwa von den mathematisch orientierten
Handbüchern hätte Gebrauch machen können, die Atticus ihm
geschickt hatte[42]. Das
war nichts für Konsulare, sondern für griechische Spezialisten.
Caesar hat im Rahmen der auch von ihm eingehaltenen senatorischen Konventionen
ein viel selbständigeres Interesse an wissenschaftlichen Problemen
gehabt[43]. Er hatte
offenbar den Ehrgeiz, als Römer auch auf den Gebieten etwas zu leisten,
die üblicherweise den Griechen zugewiesen waren. Caesar ließ die
griechischen Philosophen und Wissenchaftler weniger nahe an sich heran als
andere römische Große - er hat sie in erster Linie eingesetzt zur
Erfüllung seiner Aufträge[44]. Caesars intellektuelles
Selbstbewußtsein läßt sich an den ethnographischen Abschnitten
seines Berichts über die Feldzüge in Gallien ablesen. Wenn er im VI.
Buch des »Bellum Gallicum« durch die nur beiläufige
Erwähnung de Eratosthenes und das Verschweigen anderer Kenner des
europäischen Nordens, z.B. des Pompeius-Freundes Poseidonios, so
großen Wert auf die eigene Erkundung bisher unbekannter Gebiete gelegt
hat[45], so nahm er
damit eine Aufgabe für sich in Anspruch, die man bisher griechischen
Reisenden im Gefolge der römischen Magistrate zugeteilt hatte. Caesar
hatte keinen Griechen in seinem Lager, der dem römischen Publikum
über die neu unterworfenen Völker und ihre Sitten berichten sollte.
Das machte er lieber selbst[46]. Während der Kämpfe in Gallien
konkurrierte Caesar nicht nur mit Pompeius, sondern zugleich - wenn vielleicht
auch nur als Dilettant - mit Pytheas, mit Eratosthenes, mit Poseidonios[47].
Ciceros Reformvorschlag in »de legibus« erlaubt die Annahme, daß
es in den fünziger Jahren eine Diskussion über die Berichtigung des
Kalenders gab. Eigene Überlegungen Caesars für eine künftige
Reform lange vor dem Bürgerkrieg sind damit aber noch nicht bewiesen.
Es gibt kein Zeugnis für konkrete Kalenderpläne Caesars aus der Zeit
vor dem Bürgerkrieg, und nicht ohne Grund. Ihm mußte die Bedingung
jeder gründlichen Reform des römischen Kalenders bewußt sein:
zur Durchsetzung einer solchen Reform bedurfte man der ganzen Macht im Staat[48]. Da Caesar in den
fünfziger Jahren wohl kaum eine Vorstellung von seiner späteren
Machtfülle gehabt hat, steht schon diese äußere Bedingung der
manchmal vertretenen Ansicht im Wege, die Reform des Jahres 46 sei von langer
Hand geplant gewesen[49].
Es gibt aber auch noch andere Hinweise dafür, daß Caesars Reform
relativ schnell und ohne präzise Vorstudien ausgearbeitet wurde, sobald
nur die Rücksicht auf das Kollegium der Pontifices fallengelassen werden
konnte. Plutarch berichtet von der Berufung einer Kommission von Spezialisten
für die Berechnung des neuen Kalenders, leider ohne Angabe von Ort und
Datum[50]. Zu diesem
Zeitpunkt muß Caesar sicher gewesen sein, eine Änderung ganz in
seinem Sinne durchsetzen zu können. Vor Pompeius' Tod im September 48 wird
dies schwerlich der Fall gewesen sein.
Daß in der Tat keine ausgefeilten Vorarbeiten für die von Caesar dann
ausgewählte Methode der Kalenderverbeserung zur Verfügung standen,
lassen auch die Schwierigkeiten von Caesars wichtigstem Berater in dieser
Frage, Sosigenes, vermuten. Er hat sich in insgesamt drei aufeinderfolgenden
Schriften über die Berechnung des Kalenders geäußert und sich
dabei stets korrigieren müssen[51].
Von einem Teil der Überlieferung werden Caesars Kalenderstudien mit seinem
Aufenthalt in Ägypten im Jahre 47 zusammengebracht[52]. Mindestens die wissenschaftlichen
Berater Caesars müssen von der Kalenderreform gewußt haben, die
Ptolemaios III. im Jahre 238 durchzuführen versucht hatte; es handelte
sich dabei um die Vorwegnahme der caesarischen Jahrform mit dem alle vier Jahre
einzusetzenden Schalttag[53].
Caesar hat über dieses ptolemäische Vorbild, sollte es wirklich eine
Anregung gegeben haben, allerdings nicht viele Worte verloren[54]. Der ihm freundlich
gesonnene Teil der Überlieferung betont geradezu seine
Selbständigkeit im Umgang mit den Wissenschaftlern[55]. Und Lucan, der Caesars Eitelkeit
kennzeichnen will, legt ihm sehr selbstbewußte Worte über seine
astronomischen Studien in den Mund, wenn er ihn von seinem Ehrgeiz sprechen
läßt, mit Eudoxos von Knidos konkurrieren zu wollen[56].
Nachweislich mit der Kalenderarbeit beschäftigt finden wir Caesar also
erst bei der Ernennung der erwähnten Kommission, die Vorschläge
für eine sofort durchzuführende Reform vorlegen sollte. Es spricht
viel dafür, daß Caesar diese wichtige Arbeit in Rom selbst hat
ausführen lassen[57]. Die Zusammensetzung der Kommission ist
mit Ausnahme des Sosigenes unbekannt; jedenfalls ist Sosigenes nicht der
einzige Helfer Caesars gewesen. Daß er ein Wissenschaftler aus Alexandria
war, mag wahrscheinlich sein, läßt sich aber nicht beweisen[58]. Römische
Spezialisten für dieses Projekt scheint es nicht gegeben zu haben,
vielleicht mit der einen Ausnahme des im Zusammenhang der Reform erwähnten
M. Flavius, der zum Beraterstab der Pontifices gehört haben könnte[59]. Die Pontifices selbst
wurden offensichtlich nicht um Rat gefragt[60].
Der Beginn der Arbeiten fällt frühestens wohl in die Zeit der
Rückkehr aus dem Osten[61]; ihr Abschluß ist spätestens
in den Sommer des Jahres 46 zu datieren[62]. Ein wichtiges Detail aus der
Durchführung der Reform ist die Nachricht, daß Caesar den Senat
über den neuen Kalender unterrichtete[63]. Er wollte sich wohl nicht dem Vorwurf
aussetzen, den Kalender ganz aus eigener Machtvollkommenheit verändert zu
haben. Damals wie später hat es offenbar keinen ernsthaften Kritiker
gegeben, der die Berechtigung von Caesars Reform grundsätzlich in Zweifel
zog[64].
Trotz der Bekanntmachung im Senat gab es aber weder einen Senatsbeschluß
über den Kalender noch eine lex Iulia. Caesar hat dem Kalender
durch ein Edikt[65]
Rechtskraft verliehen, das er nicht in seiner Eigenschaft als Pontifex Maximus,
sondern als Dictator erlassen hat[66]. Wenn er den Kalender nicht durch eine
lex sanktionieren ließ, wie so viele andere Teile seines Reformwerkes, so
könnte das auch daran liegen, daß er gerade den neuen Kalender so eng
wie möglich an seine Person binden wollte - ein durchaus monarchischer
Zug. Caesar dürfte es zudem sehr eilig gehabt haben, weil gerade diese
Reform so weit wie möglich an den Anfang seiner übrigen Reformen
treten sollte, als deutlicher Einschnitt, vielleicht sogar als Beginn einer
caesarischen Ära.[67]. Auch König Numa hatte sein
politisches Werk angeblich mit der Einrichtung des Kalenders begonnen[68]. Es verdient in diesem
Zusammenhang Beachtung, daß Sueton den neuen Kalender ganz bewußt als
erste Reform nennt und relativ ausführlich würdigt[69].
Sosigenes erhielt den Auftrag, als Fachmann über die Reform zu schreiben[70]. Caesar hat sich aber
auch selbst an die Öffentlichkeit gewandt, mit seiner Schrift »de
astris«. Vielleicht wollte er damit die Unterstützung der Gebildeten
unter seinen Gegnern für die Reform gewinnen[71].
Sein Anteil am mehr naturwissenschaftlichen Teil des Reformwerks ist schwer zu
bestimmen, darf aber nicht unterschätzt werden. Er hat mehr getan, als nur
seinen Namen herzugeben für die Rechenergebnisse anderer, wie später
Papst Gregor. Plutarch überliefert, daß Caesar die letzte
Entscheidung für den einzuschlagenden Weg selbst getroffen habe: der
Dictator habe aus den ihm vorliegenden Entwürfen seine eigene Konzeption
des neuen Kalenders `gemischt'[72].
V
Die Kenntnis der technischen Einzelheiten von Caesars neuem Kalender geht
ursprünglich zurück auf Caesars Edikt, die davon wohl zu
unterscheidende Schrift »de astris« sowie die Schriften des
Sosigenes. Die erhaltenen Nachrichten stammen nur zum geringeren Teil aus der
historiographischen Tradition, wo die Reform, im Unterschied zu vielen anderen
Neuerungen Caesars, allerdings immer günstig beurteilt wird. Bei Plutarch
bedeutet die Kalenderreform geradezu die Krönung aller Bemühungen
Caesars in der Spätzeit. Die wertvollste Überlieferung für den
Kalender Caesars findet sich bei Plinius d. Ä.[73], bei Censorinus[74] und bei Macrobius[75], die ihrerseits nicht auf dem
primären Material fußen, sondern auf Suetons Schrift »de anno
Romanorum«[76].
Caesar verfolgte mit seiner Reform zwei Absichten. Zunächst ging es ihm
darum, die Jahreszeiten des bürgerlichen Jahres wieder am Stand der Sonne
zu orientieren. Sein zweites Ziel war es, die Einhaltung des Sonnenjahres durch
richtige Schaltungen zu gewährleisten[77].
Caesar hatte den Ehrgeiz, diese beiden Ziele bereits für das dem Jahr
seiner Reform folgende Neujahr zu erreichen. Es handelte sich hier also um eine
Neuordnung des Kalenders auf einen Schlag, anders als alle früheren
Pläne, etwa dem Ciceros. Dafür war es nötig, dem zum Zeitpunkt
der Reform laufenden Jahr 708 varronischer Zählung soviele Tage
hinzuzufügen, daß das nächste bürgerliche Neujahr des 1.
Januar so genau wie möglich mit dem »natürlichen« Neujahr
des Sonnenjahres zusammenfiel, das vermutlich definiert war durch den 1.
Neumond nach der Wintersonnenwende[78].
Die Berechnungen der Kalender-Kommission ergaben, daß Caesar nach einer
Interkalation von 23 Tagen im Februar noch einmal 67 zusätzliche Tage
benötigte[79]. Er
verteilte sie mithilfe zweier überlanger Interkalations-Monate so
geschickt, daß das während der Reform laufende Jahr 708 varronischer
Zählung trotz dieser Einschaltungen mit dem alten Dezember endete[80]. Diesem
verlängerten Jahr, dem annus confusionis ultimus[81], schloß sich der
caesarisch korrekte 1. Januar 709 varronischer Zählung unmittelbar an. Die
von Plutarch benutzte Quelle betont denn auch die Eleganz der von Caesar und
seinen Beratern gefundenen Lösung[82]. Etwas erleichtert wurde die
Durchführung dieser ehrgeizigen Reform durch den Umstand, daß Caesar
für die Erreichung seines Zieles zusätzliche Tage brauchte. Papst
Gregors spätere Schwierigkeiten erklären sich auch dadurch, daß
er im Jahre 1582 zehn Kalendertage zu streichen hatte[83].
Das neue, an der Sonne orientierte Jahr hatte zehn Tage mehr als das
herkömmliche Jahr von 355 Tagen. Diese zusätzlichen Tage wurden von
Caesar so auf die zwölf Monate des Jahres verteilt, daß es zu keiner
Änderung der Rechtsstellung einzelner Tage und der Position von Festtagen
innerhalb der Monate kam. Gegenüber der Öffentlichkeit wurde die
Rücksicht auf sakrale Konventionen offenbar sehr betont[84]; dieses Entgegenkommen
war eine Grundbedingung für den Erfolg der Reform, die Caesar bewußt
gewesen sein muß[85]. Für die Beurteilung der
Spätzeit ist die Beobachtung interessant, daß er sich erst im Jahre
44 dazu verleiten ließ, den Charakter eines Tages zur Feier seines
Geburtstages zu ändern[86]. So etwas stand im Jahre 46 noch nicht
zur Debatte.
Das neue Jahr war ungefähr ein Viertel Tag zu kurz, um ganz parallel mit
der Sonne zu laufen[87].
Casar richtete deshalb einen Schalttag ein[88]. Angesichts der widersprüchlichen
Überlieferung muß es offen bleiben, ob bereits das Jahr 45 ein
Schaltjahr war[89].
Die Eile der Kalenderarbeit im Jahre 46 und die fehlende Unterrichtung der doch
auch in Zukunft für die Schaltung zuständigen Pontifices gehen daraus
hervor, daß die für die Schaltung gewählte Formulierung nach den
Iden des März gründlich mißverstanden worden ist. Quarto
quoque anno sollte geschaltet werden, womit Caesar die Einfügung eines
Schalttages »in jedem vierten Jahr« gemeint hatte[90]. Die Pontifices interkalierten aber
»alle drei Jahre« - aus Gründen, über die man nur
spekulieren kann[91].
Innerhalb der nächsten 36 Jahre bis zur Korrektur durch Augustus im Jahre
8 v.Chr. wurde dreimal zuviel geschaltet[92].
Das neue römische Sonnenjahr, annus Iulianus[93], wurde ergänzt durch die Beigabe
eines unter Caesars Namen veröffentlichten »Parapegma«, eines
Witterungskalenders - am ehesten dem vergleichbar, was wir einen
»Hundertjährigen Kalender« nennen[94].
Caesar gab am Lauf des Sonnenjahres entlang Daten über die Auf- und
Untergänge wichtiger Sterne, die bestimmte, immer wiederkehrende
Witterungsveränderungen anzeigen sollten. Eine ganze Reihe solcher Notizen
des caesarischen Parapegma über die Aufteilung des Bauernjahres und die
Witterungsveränderungen sind enthalten, besonders übersichtlich im
XVIII. Buch der Naturgeschichte des Plinius, der Caesars römischen
Witterungskalender allen anderen vorgezogen hat[95].
Mit der Ausarbeitung eines solchen Kalenders orientierte sich Caesar am
Beispiel großer wissenschaftlicher Kalendermacher, an Männern wie
Meton von Athen, der 432 v. Chr. als erster einen Witterungskalender
aufgestellt hat[96], und
auch an Eudoxos, den Lucan ihn als Konkurrenten nennen läßt[97]. Vielleicht war die
Berücksichtigung der Präzession, der Bewegung der Erdachse um den Pol
der Ekliptik, ein weiterer Grund für die Erstellung eines neuen, für
lange Zeit gültigen Parapegmas[98].
Der Zweck solcher Verzeichnisse war es ursprünglich, die Anpassung des ja
auch in Griechenland immer ungenauen bürgerlichen Jahres an den Lauf der
Sonne zu ermöglichen[99]. Auch für Rom gab es natürlich
schon lange vor Caesar einen solchen Witterungskalender zum Privatgebrauch. Ein
direkter Vorgänger Caesars war Varro, der seinem Freund Pompeius ein
Witterungsverzeichnis für die Seefahrt gewidmet hat[100].
Die Angabe einzelner Sternphasen war abhängig vom Ort ihrer Beobachtung.
Ein Sternbild ging in Alexandria zu einer anderen Zeit als in Rom auf. Wollte
Caesar einen Witterungskalender erstellen, der seinem wissenschaftlichen
Selbstgefühl entsprach, so konnte er nicht einfach Sternphasen aus der
astronomischen Literatur übernehmen, die in Griechenland oder in
Alexandria entstanden war. Sein Kalender mußte eigentlich auf
Beobachtungen in Italien aufbauen, sollte er ähnlich zuverlässig sein
wie das neue Sonnenjahr[101]. Es ist deshalb gar nicht
überraschend, Caesar später bei Ptolemaeus neben den berühmten
griechischen Astronomen als römischen Astronomen genannt zu finden, der
Sternphasen in Italien beobachtet habe[102]. Plinius, dem es um die Behauptung der
römischen gegenüber der griechischen Wissenschaft geht, vertritt eine
ähnliche Auffassung. Wenn das in dieser Form auch übertrieben sein
dürfte, steckt doch ein wahrer Kern in Ptolemaeus' Notiz. Caesar hat mit
seiner Arbeit am Kalender die angewandte Astronomie in Rom heimisch gemacht[103].
Caesar setzte der Anwendung rein wissenschaftlicher Prinzipien allerdings auch
Grenzen, um die Widerstände gegen die Reform gering zu halten. So lassen
einige Angaben in Plinius' XVIII. Buch vermuten, daß Caesars Berater
Sosigenes durchaus in der Lage gewesen ist, astronomisch korrekte Angaben
über die einzelnen Jahrpunkte zu machen - gemeint sind damit die
Wintersonnenwende, die Tag- und Nachtgleiche des Frühlings, die
Sommersonnenwende sowie die Tag- und Nachtgleiche des Herbstes[104]. Caesar hat im
Unterschied zu seinem astronomischen Berater Wert darauf gelegt, die Jahrpunkte
seines neuen Jahres, das doch zehn Tage mehr als das alte hatte, wie bisher auf
den achten Tag vor den Kalenden (a. d. VIII Kal.) zu setzen. Die Abstände
zwischen den einzelnen Jahrpunkten entsprachen damit sehr genau den
Abständen des vorcaesarischen Kalendrs und betonten die Kontinuität
der römsichen Zeitrechnung [105].
Durch die Einrichtung des Sonnenjahres für den bürgerlichen Kalender
waren Caesars Sternphasen eigentlich überflüssig geworden. In Zukunft
konnte man viel bequemer als früher wissen, wann die einzelnen
Jahreszeiten und die Veränderung der Großwetterlagen
erfahrungsgemäß eintreten würden - man brauchte sich nur noch,
wie heute auch, am caesarischen Datum zu orientieren. Caesar hat seinen
Zeitgenossen diesen Schritt, der ihm bewußt gewesen sein muß, nicht
aufgezwungen. Sein Witterungskalender zeigt, daß er die alte Gewohnheit
respektierte, sich an den Sternphasen zu orientieren[106].
In der landwirtschaftlichen Praxis ist die neue Rechnung aber wohl schon bald
übernommen worden. Es gibt eine in Stein gehauene Liste der julianischen
Monate mit den notwendigsten astronomischen Angaben, die aus dem 1. Jahrhundert
n. Chr. stammen dürfte[107].
Die landwirtschaftliche Literatur hat die Vorzüge des neuen Kalenders
nicht sofort übernommen. Wenn Vergil in seinen Georgica bei den
üblichen Datierungen bleibt, ist das literarisch verständlich,
vielleicht aber auch durch die Distanz zu Caesar zu erklären[108]. Zurückhaltung
hat auch Varro geübt, der in seinen im Jahre 36 verfaßten
Büchern de re rustica nur selten die alten Daten in die "jetzt
bestehenden Kalendertage" umrechnet, ad dies civiles nostros, qui nunc sunt[109]. Columella, der
etwa 60 n. Chr. sein Werk über die Landwirtschaft schreibt, gibt zwar auch
Sternphasen an, benutzt aber den julianischen Kalender als Gerüst. Nur
noch julianisch, wie die heutigen Landwirte, datiert dann Palladius im IV.
Jahrhundert[110].
VI
Die Reaktion der Zeitgenossen auf Caesars Kalenderreform läßt sich in
den Grundzügen noch beurteilen. Wirklich begrüßt wurde der neue
Kalender allenfalls von einem kleinen Kreis von Wissenschaftlern und von denen,
die Gefallen fanden an der Entmachtung der Pontifices. Die übergroße
Mehrheit stand dem Kalender Caesars verständnislos oder ablehnend
gegenüber. Cicero spricht in den siebziger Jahren in einem Ton von den
Kalendertechniken der Griechen, der bei seinem Publikum solide Antipathie gegen
die angebliche Leidenschaft der Griechen voraussetzen läßt, ihr
bürgerliches Jahr durch unregelmäßige Schaltungen dem Sonnenjahr
anzupassen[111]. Bis
zum Jahre 46 wird sich diese Haltung nicht geändert haben[112].
Aufschlußreich ist die Reaktion der erklärten Feinde Caesars auf eine
Reform, deren Nützlichkeit und Kompetenz so schwer zu negieren war.
Plutarch schreibt vom Neid und von der Krittelei derer, denen Caesars
Machtstellung ohnehin zuwider war; für sie war die Durchführung der
Reform nur ein weiterer Beweis für Caesars monarchische Stellung[113]
Ein Punkt der Kritik läßt sich vermuten: Caesar verschaffte sich
durch die zusätzlichen neunzig (oder siebenundsechzig) Tage eine
erhebliche Verlängerung seiner im Prinzip ja noch befristeten Dictatur.
Wollte man böswillig sein, so verhielt er sich gar nicht anders als jene,
die früher zu ihren Gunsten das Jahr durch eine Interkalation
verlängert hatten[114].
Ciceros eigener Reformvorschlag aus den fünfziger Jahren in der Schrift
»de legibus« läßt spätere Kritik an Caesars Kalender
ohnehin vermuten. Sein beredtes Schweigen über den Kalender in der Rede
für Marcellus vom September 46, wo die Reform als Beispiel für
Caesars staatsmännisches Wirken hätte genannt werden können, ist
deshalb ganz unmißverständlich. Glücklicherweise gibt Plutarch
auch ein konkretes Beispiel für die zeitgenössische Kritik aus dem
Munde Ciceros[115]:
So soll der Redner Cicero jemandem, der zu ihm sagte "Morgen wird die
Leier aufgehen" geantwortet haben: "Ja freilich, dem Edikt entsprechend".
Cicero hatte bemerkt, daß Caesar bei der Notierung des Aufgangs des
Sternbilds Leier ein schwerer Fehler unterlaufen war. Schenkte man dem neuen
Kalender Glauben, dann ging die Leier über Italien am 5. Januar des ersten
caesarischen Jahres auf. In Wirklichkeit fiel der Frühaufgang der Leier
für Rom auf den 6. November[116]. Wir treffen hier Cicero im
Gespräch mit Gleichgesinnten am Beginn der neuen Zeitrechnung[117]. Es geht hier
allerdings nicht um Kritik an den Prinzipien des Sonnenjahres, sondern um einen
Fehler des Witterungskalenders - ein Beispiel für allzu schnelle Arbeit an
der Kalenderreform[118].
Ciceros Spott über den Befehlscharakter des neuen Kalenders trifft
vermutlich eine damals weit verbreitete Stimmung. Sein eigener Vorschlag aus
den fünfziger Jahren wäre sicher auf breitere Zustimmung
gestoßen als Caesars schlagartige Änderung des überkommenen
Kalenders, so plausibel sie auch war. Cicero und seine Freunde haben Caesars
Werk zähneknirschend anerkannt und sich in spöttische Bemerkungen
über den einen oder anderen Fehler gerettet. Es ist sehr bezeichnend,
daß Cicero nach den Iden des März, als er so gerne über Caesars
tyrannische Sünden sprach, immerhin kein einziges Wort über den
Kalender verloren hat.
Im Unterschied zu Plutarchs schon erwähntem Lob für Caesars Kalender
war Livius' Behandlung des Themas reservierter. Die erhaltenen Teile seines
Werkes erlauben die Vermutung, daß er die neue Zeitrechnung nicht gerade
gepriesen hat[119].
Die geringe Betonung des Reformwerks ergibt sich auch daraus, daß sich in
der von Livius abhängigen Tradition keine Spur der verlorenen Behandlung
finden läßt[120]. So zurückhaltend wie
möglicherweise Livius scheint auch Varro gewesen zu sein; immerhin hat er
die Reform nicht ausdrücklich kritisiert[121]. Daß Vergil keine Gelegenheit
gesucht hat, Caesars Reform zu preisen, kann nicht überraschen[122]. Die römische
Jurisprudenz allerdings muß den neuen Kalender sozusagen kommentarlos
akzeptiert haben[123].
Es ist erwähnenswert, daß weder in den Rechtsquellen noch anderswo
Klagen über die doch notwendige Umstellung auf die neue Zeitrechnung
faßbar sind.[124].
Augustus hat sich die Kalenderreform, obwohl nur ein geringes Echo bei den
Zeitgenossen feststellbar ist, ganz zu eigen gemacht. Die - reichlich
späte - Entdeckung des Schaltungsfehlers im Jahre 8 v. Chr. und die
folgende sachgerechte Korrektur hat er geschickt dazu benutzt, nun seinerseits
als ein Neuordner der römischen Zeitrechnung in die Geschichte
einzugehen[125].
Anders als Caesar, der die Vorschriften für die Schaltung nur auf
vergänglichem Material publiziert hatte, stellte Augustus Bronzetafeln mit
der präzisierten Schalttags-Regelung auf[126]. Es ist nicht unbedingt ein Versehen,
wenn Augustus später bei Ammiam in einem Exkurs über den
römischen Kalender als der Schöpfer des gültigen Kalenders
genannt wird. Genau das wird sich der Princeps gewünscht haben[127]. Die in Rom
wiedergefundene Sonnenuhr unterstreicht das Interesse des Augustus an einer
genauen Zeitrechnung[128].
Die vorbehaltlose Anerkennung von Caesars Leistung durch die römische
Wissenschaft erfolgte spätestens seit der Sanktionierung durch Augustus.
Es ist kein geringes Kompliment, wenn bei Plinius die caesarische Astronomie
eine vierte Schule bilden darf neben der chaldäischen, der
ägyptischen und der griechischen[129]. Und selbst Lucan, der Caesar-Feind,
kann allenfalls seinen Ehrgeiz bei der Kalenderreform kritisieren, nicht aber
den Kalender selbst[130].
VII
Für die Astronomen der Zeit war die Grundlage von Caesars Reform, der
Rückgriff auf das Sonnenjahr für die Einleitung des bürgerlichen
Jahres, alles andere als sensationell. Neu und überraschend war freilich
der kühne Entschluß, die Exaktheit des Sonnenjahres nicht nur
prinzipiell anzuerkennen, sondern auch für den bürgerlichen Kalender
als Maß zugrundezulegen. Kein Grieche und kein Römer ist vor Caesar
auf die Idee einer zusammenfassenden Kalenderreform mithilfe des Sonnenjahres
gekommen, und erst seit Caesar beginnen sich die vielen Vorzüge einer
festen Jahresrechnung durchzusetzen[131].
Wie Caesar im Jahre 46 seinen neuen Kalender begründet hat, ist nicht
schwer zu erkennen. Er betonte die Einhaltung der Jahreszeiten und wies darauf
hin, daß in Zukunft Manipulationen zugunsten einzelner Magistrate oder
Steuerpächter unmöglich waren[132]. Welcher Optimat, welcher Bewunderer
des alten Kalenders wollte Caesar hier stichhaltige Vorwürfe machen, zumal
er so großen Wert darauf gelegt hatte, die sakralen Elemente des alten
Kalenders unangetastet zu lassen[133] ?
Die Hektik der politischen Spätzeit des Dictators ist auch bei dieser
Reform spürbar - Caesar war nicht in der Lage, die richtige Schaltung
für den neuen Jahreszyklus zu gewährleisten[134]. Sollte er damals geglaubt haben, den
Römern für alle Zeit ein wissenschaftlich völlig exaktes Jahr
gegeben zu haben, so hat er sich geirrt. Sein Kalender war in 128 Jahren selbst
bei korrekter Anwendung der Schaltung um einen Tag zu schnell[135] - ein Fehler, den
dann Papst Gregor XIII. durch seine Kalenderreform im Jahre 1582 berichtigt
hat[136].
Die aus heutiger Sicht naheliegende Vermutung, Caesar habe damals einen ersten
Schritt tun wollen auf dem Wege zu einer einheitlichen Zeitrechnung der
Oikumene, ist nicht beweisbar[137]. Wie für alle wichtigen Fragen
der Spätzeit gibt es auch hierfür kein Selbstzeugnis Caesars. Die
Zeitgenossen haben die Reform offenbar nicht in diesem Sinne interpretiert.
Außerhalb Italiens ist der neue Kalender wohl nur im Westen des Reiches
sofort zur maßgeblichen Zeitrechnung geworden[138]; auch Augustus war bei der Verbreitung
des julianischen Kalenders sehr zurückhaltend[139]. Noch im 2. Jahrhundert n. Chr.
muß Galen seinen griechischen Lesern die Vorzüge eines einheitlichen
Kalenders erklären[140].
Nach der Aussage eines seiner loyalsten Freunde hat Caesar die vielen Probleme,
die die Neuordnung Roms stellte, nicht bewältigt[141]; wenigstens für die Zeitrechnung
der Römer hat er eine gute Lösung gefunden, und dies gegen die
Skepsis seiner Zeitgenossen. Caesars keineswegs ironisches Kompliment für
Cicero, daß es mehr zähle "die Grenzen des römischen
Geistes als die der römischen Herrschaft erweitert zu haben"[142], sagt auch etwas
über ihn selbst. Der julianische Kalender ist in der Tat die
unumstrittenste Leistung des Mannes, dessen Namen er trägt.
Anmerkungen
- S. unten Anm. 125.
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- S. unten Anm. 136.
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- Th. Mommsen, Die römische Chronologie bis auf
Caesar, Berlin 1859 2, S. 74.
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- Im Rahmen der politischen und der Kulturgeschichte der
späten römischen Republik wird die Kalenderreform immer nur
beiläufig behandelt. Aus der Literatur zur Chronologie sind die folgenden
Werke hervorzuheben: L. Ideler, Handbuch der mathematisch-technischen
Chronologie, 2 Bde, Breslau 1825 (Neudruck 1883); Th. Mommsen, op.cit. (Anm.
3); A. Böckh, Über die vierjährigen Sommerkreise der Alten,
vorzüglich den Eudoxischen, Berlin 1863; Ph.E. Huschke, Das alte
römische Jahr und seine Tage, Breslau 1869; O.E. Hartmann, Der
römische Kalender, Leipzig 1882; W. Soltau, Römische Chronologie,
Freiburg 1889; F.K. Ginzel, Handbuch der mathematischen und technischen
Chronologie. Das Zeitrechnungswesen der Völker, 3 Bde, Leipzig 1906-1914;
W. Kubitschek, Grundriss der antiken Zeitrechnung, München 1927; A.K.
Michels, The Calendar of the Roman Repbulic, Princeton 1967; A.E. Samuel, Greek
and Roman Chronology. Calendars and Years in Classical Antiquity, München
1972; E.J. Bickerman, Chronology of the Ancient World, London, 2. Aufl. 1980.
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- Vgl. Hdt. II 4.1; Geminos 8.7-10. Die Ägypter fielen
deshalb auf, weil sie keinen Wert auf die Beständigkeit der
jahreszeitlichen Feste legten (Geminos 8.16-19); Ptolemaios III. hat das im
Jahre 238 vergeblich zu ändern versucht (Anm. 53). Die Einrichtung des
römischen Kalenders "sacrorum causa" betonte Valerius Antias (F 5
Peter = Macr., Sat. I 13.20). Die gregorianische Reform des Jahres 1582 (Anm.
136) soll u.a. garantieren, daß Ostern nicht aufhört, ein Fest im
Frühling zu sein.
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- Cens. 20.4.
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- Cens. 20.5. Zum Problem der Interkalation s. auch A.K.
Michels, op.cit. (Anm. 4), S. 145 ff., sowie H. Chantraine, Hermes 104 (1976),
S. 116-118. Über die Regelung der vorcaesarischen Schaltung gab es eine
ausgebreitete gelehrte Diskussion, die sich z. T. durch die politische
Bedeutung der Frage erklärt (vgl. die Macr., Sat I 13.20-21 zitierten
Autoren). Die - ungefähre - Länge des Sonnenjahres war schon den
Babylonieren und Ägyptern bekannt; Platon setzt es für seinen Staat
der »Nomoi« voraus (p. 828-A-B). Die beste antike Berechnung, wichtig
für einen exakten Ansatz der Schaltung, stammt von Hipparch (Anm. 135).
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- Cens. 20.6: "denique cum intercalarium mensem
viginti duum vel viginti trium dierum alternis annis addi placuisset, ut
civilis annus ad naturalem exaequaretur, in mense potissimum Februario inter
terminalia et regifugium intercalatum est, idque diu factum prius quam
sentiretur annos civiles aliquanto naturalibus esse maiores". Der Fehler
wäre zu vermeiden gewesen, hätte man den Februar des Schaltjahres am
21. oder 22. Februar abgebrochen. Die Beibehaltung der Terminalia am 23.
Februar erklärt Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3), S. 37 f. durch den
Widerstand der Priester gegen die Verschiebung eines Feste.
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- Macr., Sat. I 13.21: "Fulvius autem id egisse - sc.
de intercalando populum rogasse - M'. Acilium consulem dicit ab urbe condita
anno quingentesimo sexagesimo secundo, inito mox bello Aetolico". Dies ist ein
Zitat aus dem Werk "De fastis" des M. Fulvius Nobilior cos. 189 über M'.
Acilius Glabrio cos. 191; vgl. auch Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3), S. 40 f.,
sowie A.K. Michels, op.cit. (Anm. 4), S. 101 f. und W. Burkert, Philologus 105
(1961), S. 241 f. Es ging hier um eine allmähliche Verbesserung des
Kalenders bzw. der Kalenderabweichung, die sich bei konsequenter Anwendung
über viele Jahre hingezogen hätte. Der Antrag des M'. Acilius Glabrio
gehört in eine Zeit verstärkter astronomischer und chronologischer
Studien in der römischen Oberschicht.
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- Macr., Sat. I 14.1: "et sub specie observationis
emergebat maior confusionis occasio". Cicero bemängelte die "neglegentia"
(Anm. 33), und die Befürworter einer gründlichen Kalenderverbesserung
kritisierten Korruption und "licentia" (Anm. 134). Ein Mann wie C. Sulpicius
Galus cos. 166 (Anm. 14) konnte seine Standesgenossen belehren - allein das
»schwierige Verhältnis des römischen Regierungspersonals zur
ausländischen Mathematik« (Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3), S. 30)
kann nicht der ausschlaggebende Grund für die Fehlerhaftigkeit der
Schaltungen gewesen sein.
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- Macr., Sat. I 13.13; vgl. Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3),
S. 44 ff. Der julianische Kalender lief in 128 Jahren um einen Tag zu schnell
(Anm. 135).
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- Interkalationen werden kommentarlos erwähnt XXXVII
59.1 (189 v.Chr.), XLIII 11.13 (170 v.Chr.) und XLV 44.3 (167 v.Chr.). Livius
hat König Numas Kalender gerühmt (Anm. 41) und gehörte wohl
nicht zu den Lobrednern der julianischen Reform (Anm. 119).
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- Liv. XXXVII 4.4; F. Boll, Art. Finsternisse, in RE VI
(1909), Sp. 2358.
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- Liv. XLIV 37.8 über die vorherige Ankündigung
der Mondfinsternis durch C. Sulpicius Galus cos. 166 (vgl. Th. Mommsen,
Römische Geschichte I, Berlin 9. Aufl. 1902, S. 932 f.). Zum Stand des
damaligen Kalenders s. auch J. Briscoe, A. Commentary on Livy. Books
XXXIV-XXXVII, Oxford 1981, S. 17 ff.
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- 149: App., Lib. 99.466; 101: Sall., Bell.Jug. 37.3; 66:
Plut., Pomp. 34; für die Einzelheiten s. F.K. Ginzel, op.cit (Anm. 4) II,
s. 270. Zu weitergehenden Rechnungen, die allerdings auf der Voraussetzung des
für die Republik unbewiesenen Nundinal-Aberglaubens (Anm. 85) beruhen, S.
G. Radke, RhM 106 (1963), S. 313-335 und Gymnasium 71 (1964), S. 80 ff.
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- S. unten Anm. 79.
[Zurück zum Text]
- Vgl. nur Hesiods »Werke und Tage« und Vergils
»Georgica«. Zum römischen »Bauernkalender« s. Th.
Mommsen, op.cit. (Anm. 3), S. 54 ff. Varros »Ephemeris«: Anm. 100.
[Zurück zum Text]
- Caes. Bell.Gall. IV 10.1; IV 36.2; V 23.5. S. auch Pol.
IX 14.5 über die astronomischen Kenntnisse, die ein Feldherr braucht.
[Zurück zum Text]
- Von Caesar gibt es kein Selbstzeugnis zu dieser Frage,
doch ist das allein noch kein Beweis dafür, daß er nicht darüber
nachgedacht hat. Ein Bewußtsein für die Bequemlichkeit des
julianischen Kalenders ist im 2. Jahrh. n. Chr. bei Galen zu erkennen (Anm.
140). Vgl. allgemein R. Wendorff, Zeit und Kultur. Geschichte des
Zeitbewußtseins in Europa. Opladen 1980.
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- S. unten Anm. 33.
[Zurück zum Text]
- So erklärt sich die Datierung bei Cic., Att. VI 1.1
(vom 20. Februar 50): "accepi tuas litteras a. d. quintum Terminalia
Laodiceae". Vgl. die campanische Inschrift CIL I (2. Aufl.) 682 = ILLRP 719 vom
Jahre 94: "Pagus Herculaneus scivit a. d. X Terminalia ...". Die
Kurzfristigkeit der Ankündigung der Schaltung wird beklagt in Plutarchs
Schilderung der Zustände vor Caesars Reform (Caes. 59.3)
[Zurück zum Text]
- Das Prestige der Pontifices war in den letzten Jahren
der Republik ungebrochen. Feierliche Befragungen des Kollegiums werden
erwähnt Cic., Att. I 13.1; dom. 69; har.resp. 11. In Varros
»Antiquitates Rerum Divinarum« gab es ein ganzes Buch über die
Pontifices; s. auch H.D.Jocelyn, BRL 65 (1982), S. 187.
[Zurück zum Text]
- Cic., de leg. II 29 (Anm. 33); zur Abfassungszeit s.
K.M. Girardet, Die Ordnung der Welt. Ein Beitrag zur philosophischen und
politischen Interpretation von Ciceros Schrift De Legibus, Wiesbaden 1983, S. 1
f.
[Zurück zum Text]
- Cic. Att. V 9.2 (14. Juni 51): "hoc tibi ita mando
ut dubitem an etiam te rogem ut pugnes ne intercaletur"; Att. V 13.3 (26. Juli
51): "quoniam Romae manes, primum illud praefulci atque praemuni, quaeso ut
simus annui, ne intercaletur quidem". Cicero kümmert sich ausgesprochen
früh um das Problem.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Dio XL 62.1-2 - nach Dio bestand damals keinerlei
Anlaß für die Einfügung eines Schaltmonats aus kalendarischen
Gründen; diese mangelnde Beachtung der Kalenderverschiebung ist typisch
für die Zeitgenossen und wohl auch für Dios Quelle, vielleicht Livius
(Anm. 119).
[Zurück zum Text]
- Cens. 20.6-7; "quod delictum (s. Anm. 8) ut
corrigeretur, pontificibus datum negotium eorumque arbitrio intercalandi ratio
permissa. Sed horum plerique ob odium vel gratiam, quo quis magistratu citius
abiret diutiusve fungeretur aut publici redemtor ex anni magnitudine in lucro
damnove esset, plus minusve ex libidine intercalando rem sibi ad corrigendum
mandatam ultro quod depravarunt ..."; Macr., Sat. I 14.1; Anm. Marc. XXVI 1.12
. A.W. Lintott, CQ 18 (1968), S. 193 weist darauf hin, daß die publicani
in zwei möglichen Schaltjahren, 58 und 54, besonders tätig waren. Zur
Frage der Zinsen im Schaltmonat s. T.J. Luce, Hermes 95 (1967), S. 383 f. (zu
Liv. IX 9.2). Vgl. auch Th. Mommsen, römisches Staatsrecht II, Leipzig, 3.
Aufl. 1887, S. 344 über ähnliche Manipulationen mit dem zensorischen
lustrum.
[Zurück zum Text]
- Cens. 20.7 (Anm. 26); vgl. Liv. IX 34.16 über Ap.
Claudius Caecus cens. 312. Die Interkalation des Jahres 52 (vgl. Asc. p. 33,29
f. Stangl), die auch als Verlängerung der Amtsfristen nützlich war,
wird in der erhaltenen Überlieferung nicht eigens begründet. Für
eine irreguläre Interkalation würde sich das Jahr 55, das
Konsulatsjahr von Pompeius und Crassus, anbieten, doch gibt es kein Zeugnis
dafür.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Caelius ap. Cic., Fam. VIII 6.5 über Curio.
Nimmt man Dio XL 62,2 wörtlich, so findet der Streit zwischen Curio und
seinen Pontifikal-Kollegen im Senat statt.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Anm. 24. Die Haltung Caesars ist für Cicero
offensichtlich ohne Bedeutung.
[Zurück zum Text]
- Im Bellum Gallicum gibt es keine Andeutung darüber.
T. Frank, CR 33 (1919), S. 68 f. (s. auch M. Cary, loc.cit., S. 109) hat
vermutet, daß Pompeius im Laufe der Verhandlungen kurz vor Ausbruch des
Bürgerkrieges Interkalationen zur Verlängerung von Caesars
Statthalterschaft angeboten hat, doch ist das schwer beweisbar (zu Cic., Fam.
VIII 11.3; s. auch Shackleton Baileys Kommentar z. St.).
[Zurück zum Text]
- Wenn in den erhaltenen Begründungen für die
Reform, etwa bei Suet., DJ 40.1, die "intercalandi licentia" gerügt
wird, muß das ursprünglich Caesars eigene Kritik am Verhalten seiner
Kollegen gewesen sein. Caesar legte großen Wert auf die mit dem Amt des
Pontifex Maximus verbundenen äußeren Ehren, und es spricht viel
dafür, daß er auf die Erfüllung seiner amtlichen Pflichten
achtete; jedenfalls scheint er sie nicht mutwillig mißachtet zu haben.
Vgl. auch H.D. Jocelyn, BRL 65 (1982), S. 161 f.
[Zurück zum Text]
- Bezeichnend ist M. Caelius' beiläufige Bemerkung
über Curios Interkalations-Antrag (ap. Cic., Fam. VIII 6.5). Viele waren
in religiösen Fragen gleichgültig; Augustus fand 82 Tempel in
schlechtem Zustand vor (RG 20.4). Ser. Sulpicius Rufus cos. 51 schrieb ein Buch
"de sacris detestandis" (Gell., NA VII 12.1). Es gab allerdings auch
fromme Aristokraten wie C. Scribonius Curio cos. 76, L. Iulius Caesar cos. 64
oder Ap. Claudius Pulcher cos. 54, die über solche Dinge anders gedacht
haben mögen. Vgl. A. Momigliano, JRS 30 (1940), S. 76.
[Zurück zum Text]
- de leg. II 29 (übersetzt von K. Büchner):
"Quod ad tempus - sc. feriarum festorumque dierum - ut sacrificiorum
libamenta serventur, fetusque pecorum quae dicta in lege sunt, diligenter
habenda ratio intercalandi ratio est, quod institutum perite a Numa,
posteriorum pontificum neglegentia dissolutum est".
[Zurück zum Text]
- Vgl. de leg. II 19.
[Zurück zum Text]
- "perite" - ein Rest der gelehrten Diskussion
über die früheste Schaltung im römischen Kalender ist bei Macr.,
Sat. I 13.20-21 erhalten. Nicht alle Antiquare wären mit Ciceros Wertung
einverstanden gewesen. Eine ähnliche hohe Bewertung von Numas Kalender
gibt allerdings Livius (Anm. 41). Vielleicht ist der 24jährige, sehr
genaue Schaltzyklus (Anm. 11) mit Numa in Verbindung gebracht worden.
[Zurück zum Text]
- H. Dörrie, C & M 9 (1973) (= Festschrift F.
Blatt), S. 233, weist darauf hin, wie sparsam mit Kritik Cicero sonst in
"de legibus" gewesen ist. Vergleichbare Vorhaltungen hat wohl auch Varro
in den Antiquitates Rerum Divinarum (ap. Aug., Civ.Dei VI 2) gemacht.
[Zurück zum Text]
- Bei Cicero gehört die Kalenderreform eindeutig in
den sakralen Bereich und wahrt die Vorrechte der Pontifices.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Cic., Att. VI 1.8; Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3),
S. 31 Anm. 35a; A.K. Michels, op.cit. (Anm. 4), S. 109 ff.
[Zurück zum Text]
- Macr., Sat. I 13.20: "Iunius Servium Tullium regem
primum intercalasse memorat". Zur Person von M. Iunius Congus Graccanus (Art.
Iunius, in RE X 1 (1971), Sp. 1031-1033, Nr. 68) vgl. Th. Mommsen,
Römische Geschichte II, Berlin, 9. Aufl. 1903, S. 456f. sowie B.
Zucchelli, StudUrb 49, 1 (1975), S. 109-126. Wenn von C. Gracchus keinerlei
Vorschlag zur Korrektur oder zur Kontrolle des Kalenders überliefert wird,
so ist dies vielleicht ein Indiz für die damalige Korrektheit des
Kalenders (s. auch Anm. 15).
[Zurück zum Text]
- Cic., Sest. 33: "lex lata est ... ut omnibus fastis
diebus legem ferri liceret, ut lex Aelia, lex Fufia ne valeret". S. dazu A.K.
Michels, op.cit. (Anm. 4), S. 94ff. Die zehn neuen Tage in Caesars
späterem Kalender (Anm. 84) waren keine "dies comitiales".
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- Livius' Darstellung von Numas Kalender (I 19.6-7) weist
auf Sepkulationen über eine "bessere" Anwendung des alten Kalenders
hin, möglicherweise aus Valerius Antias. Vgl. dazu J.D. Cloud, LCM 4
(1979), S. 65-71.
[Zurück zum Text]
- Cic., Att. II 4.1: "Fecisti mihi pergratum quod
Serapionis librum ad me misisti; ex quo quidem ego, quod inter nos liceat
dicere, millesiman partem vix intellego"; vgl. Att. II 6.1.
[Zurück zum Text]
- Wenn andere Standesgenossen Gelegenheitsdichtungen
schrieben, konzipierte er sein Werk »De analogia«. Männer wie C.
Sulpicius Galus cos. 166 (Anm. 14), der astronomisch interessierte Q. Aelius
Tubero (Art. Aelius, in RE I 1, 1893, Sp. 535-537, Nr. 155; vgl. Plin., NH
XVIII 235 und dazu O. Cuntz in Stromateis, Graz 1909, S. 49-57) und der
Mathematiker Sex. Pompeius (Art. Pompeius, in RE XXI 2, 1952, Sp. 2059-2060,
Nr. 18; vgl. Cic., Brut. 175) sind die Ausnahme von der Regel. Zum Typus des
römischen Wissenschaftlers vgl. H. Dahlmann, Hum. Gymn. 6 (1931), S.
185-192 (= Kleine Schriften Hildesheim 1970, S. 1-18).
[Zurück zum Text]
- Die wirklichen Vertrauten Caesars sind nicht Griechen,
sondern Männer wie C. Cornelius Balbus (Art. Cornelius, in RE IV, 1901,
Sp. 1260-1268, Nr. 69) aus Gades, oder, auf einer niedrigeren Ebene, sein
erster Kanzleichef Pompeius Trogus, der Großvater des Historikers (Just.
XLIII 5.12). Einer der wenigen Griechen in Caesars Nähe scheint der
Mythograph C. Julius Theopompus (vgl. O. Hirschfeld, JHS 7, 1886, S. 286-290)
gewesen zu sein. Wenn die griechischen Lehrer und Philosophen auch in
kulturpolitischer Hinsicht gefördert werden sollten (vgl. Suet., DJ 42.1;
H.D. Jocelyn, BRL 59, 1976-1977, S. 350), so findet sich in der erhaltenen
Überlieferung doch nur eine einzige Stelle mit einem Bericht über die
Begegnung Caesars mit einem Philosophen (vgl. Ael. var.hist. VII 21 über
Ariston v. Alexandreia). Welcher Profession mögen die in Novum Comum
angesiedelten 500 Griechen (Strab. V 1.6) gewesen sein ?
[Zurück zum Text]
- Caes., Bell.Gall. VI 24.2: "... ea quae
fertilissima Germaniae sunt loca circum Hercyniam silvam (quam Eratostheni et
quibusdam Graecis fama notam esse video, quam illi Orcyniam appellant) ...".
[Zurück zum Text]
- Pompeius hatte diese Aufgabe Theophanes von Mytilene
(FGrHist 188) überlassen. S. auch Ed. Norden, Die Germanische Urgeschichte
in Taciutus' Germania, Stuttgart 1923 3, S. 99.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Bell.Gall V 13.4 über die geographische
Länge von Britannien und den benachbarten Inseln; H. Berger, die
geographischen Fragmente des Eratosthenes, Leipzig 1880, S. 150. S. auch P.
Steinmetz, Philologus 111 (1967), S. 238 zu Tac. Agr. 12,3. Es ist keine
bloße Literatenerfindung, wenn Caesar in Lucans »Pharsalia«
davon spricht, einen besseren Kalender als Eudoxos von Knidos konstruieren zu
wollen (Anm. 56).
[Zurück zum Text]
- Vgl. Curios Schwierigkeiten mit seinen Kollegen (Anm.
25). Ein zusätzliches Problem, das vor dem Beginn der Arbeit an der Reform
vielleicht noch nicht erkennbar war, bildeten die zehn neuen Tage des
schließlich eingeführten Kalenders (Anm. 84): darüber mußte
entweder der Senat oder ein Dictator entscheiden (An. 66). Die langsame
Durchsetzung der gregorianischen Reform des Jahres 1582 erklärt sich unter
anderem dadurch, daß der Papst nur geringe weltliche Macht besaßt.
[Zurück zum Text]
- Vgl. in diesem Sinne G. Radke, RhM 106 (1963), S. 313 f.
sowie Ders., Archaisches Latein, Darmstadt 1981, S. 157; s. auch W. Kubitschek,
op.cit (Anm. 4), S. 99. Nach Lucan (Anm. 56) beschäftigt sich Caesar
"media inter proelia" mit astronomischen und kalendarischen Fragen - ob
Lucan damit auch die Kämpfe in Gallien gemeint hat ?
[Zurück zum Text]
- Plut., Caes. 59.5.
[Zurück zum Text]
- Plin. NH XVIII 212: "et Sosigenes ipse trinis
commentationibus - quamquam diligentior ceteris (sind damit andere
Kommissionsmitglieder gemeint ?) - non cessavit tamen addubitare ipse semet
corrigendo". L. Ideler, op.cit. (Anm. 4) II, S. 125 bezieht Sosignes'
Selbstzweifel auf die Berechnung des "richtigen" 1. Januar des ersten
caesarischen Jahres (Anm. 78); es ist auch schwer vorzustellen, welches andere
Problem Sosigenes so verunsichern konnte. Die falsche Schaltung nach Caesars
Tod (Anm. 91) könnte unter Umständen auch mit diesen drei Schriften
zusammenhängen. Die Berater Papst Gregors verfaßten höchst
umfangreiche und komplizierte Schriften zur nachträglichen
Erläuterung der Reform.
[Zurück zum Text]
- App., BC II 154,647f. (im Zusammenhang des
abschließenden Vergleichs mit Alexander dem Großen, nicht innerhalb
des historischen Berichts); Dio XLIII 26.1-3; Macr., Sat. I 14.3 und 16,39.
[Zurück zum Text]
- OGIS 56, Z. 40-46; vgl. die Erläuterung von F.K.
Ginzel, op.cit. (Anm. 4) II, S. 196-200 sowie zum Gesamtzusammenhang der
Inschrift Fr. Dunand, in Livre du Centenaire 1889-1980 de L'Institut francais
d'Archéologie orientale du Caire, Kairo 1980, S. 287-301. Ob die
Initiative von Ptolemaios persönlich (und griechischen Beratern ?) oder
von einem Teil der ägyptischen Priesterschaft ausging, läßt sich
nicht sagen. Ptolemaios scheiterte jedenfalls am Widerstand der Priesterschaft
gegen jede Kalenderänderung. In den Germanicus-Scholien ist ein Bericht
des Nigidius Figulus (p. 124 Swoboda; vgl. Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3), S.
258 f.) erhalten, daß der neue Pharao bei seiner Thronbesteigung
schwören mußte, den Kalender unverändert zu lassen - vielleicht
ein Indiz dafür, daß es mehrere Versuche im Stil von Ptolemaios III.
gegeben hat. Es ist nicht auszuschließen, daß sich Nigidius Figulus
für solche Fragen im Rahmen der Kalender-Diskussion vor dem
Bürgerkrieg interessierte; den römischen Pontifices konnte die
Haltung der ägyptischen Kollegen gefallen.
[Zurück zum Text]
- Bei Anm. Marc. XXVI 1.13 sind die Griechen Caesars (bzw.
Augustus' - s. Anm. 127) Anreger ("Graecos secutus"). In den Berner
Scholien zu Luc. Phars. X 187 werden die Chaldäer als Vorbilder genannt:
"est autem liber fastorum divi lulii Caesaris qui ordinationem continet anni
secundum auctoritatem conpositus Chaldaeorum, quem in senatu recitavit".
[Zurück zum Text]
- Vgl. Plut., Caes. 59,1-5 - Plutarchs Quelle für
diesen Abschnitt ist keinesfalls Livius (Anm. 199). Ganz allein handelt Caesar
bei Suet., DJ 40.1-2.
[Zurück zum Text]
- Luc., Phars. X 185-187 (Caesar will dem weisen Acoreus
zeigen, daß er der Belehrung über die Geheimnisse des Nils wert sei):
"media inter proelia semper / stellarum caelique plagis superisque vacavi,
/ nec meus Eudoxi vincetur fastibus annus". Der Vergleich mit Eudoxos bezieht
sich, wie auch der Berner Scholiast erkannt hat, auf die Zahl der Jahre
für einen vollständigen Zyklus: "Eudoxus post VIII annum solem in
cursum suum dixit reverti, Caesar post quinquennium, quo peracto bissextum esse
praecepit". Zu Eudoxus' Octaeteris s. auch Cens. 18,5.
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- Der Zusammenhang bei Plutarch - die letzten großen
Projekte - weist ohnehin auf Caesars Wirken in Rom. Die Kombination des neuen
Kalenders mit einem Witterungsverzeichnis (Anm. 95) und die Berechnung der
Wintersonnenwende (Anm. 78) erforderten eigentlich astronomische Beobachtungen
in Rom und Italien.
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- Zur Person s. A. Rehm, Art. Sosigenes, in RE III A 1
(1927), Sp. 1153-1157, sowie G.L. Huxley, in: Dictionary of Scientific
Biography XII (1975), S. 547. Es wäre interessant zu wissen, ob die
Begegnung mit Sosigenes für Caesar ein wichtiger Impuls für die
konkrete Aufnahme der Reform gewesen ist. Die Präzision der technischen
Geräte, die damals zur Verfügung standen, verdeutlicht die im Meer
bei Antikythera gefundene Rechenmaschine; s. dazu D. de Solla Price, Gears from
the Greeks. The Antikythera Mechanism - A Calendar Computer from ca. 80 B.C.
(Transact. Am. Philos. Soc., N.S. 64, Part 7), Philadelphia 1974.
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- Macr., Sat. I 14.2: "adnitente sibi M. Flavio
scriba". Als "scriba" könnte er ein "pontifex minor" gewesen sein (vgl.
Liv. XXII 57.3). Zur Person s. auch Th. Mommsen, Römische Geschichte III,
Berlin, 9. Aufl. 1904, S. 567 Anmerkung. Die Bewunderer Caesars (Anm. 55) haben
solche Mithilfe verschwiegen.
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- Ciceros Reformvorschlag bezog sie dagegen
ausdrücklich ein (Anm. 37). Nach den Iden des März stellte sich dann
heraus, daß sie über die Prinzipien der Schaltung schlecht informiert
waren (Anm. 91). Von den fünfzehn (?) damaligen Pontifices sind nur wenige
namentlich bekannt; M. Aemilius Lepidus (Art. Lepidus, in: RE I 1, 1893, Sp.
556-561, Nr. 73), M. Iunius Brutus (Art. Iunius, in: RE X 1, 1917, Sp.
973-1020, Nr. 53), C. Octavius (Art. Iulius, in: RE X 1, 1917, Sp. 275-381, Nr.
132), P. Sulpicius Rufus (Art. Sulpicius, in: RE IV A 1, 1931, Sp. 849-850, Nr.
93) und Ti. Claudius Nero (Art. Claudius, in: RE III 2, 1899, Sp. 2777-2778,
Nr.254). Vielleicht gehörten auch C. Antonius (Art. Antonius, in: RE I 2,
1894, Sp. 2582-2584, Nr. 20) und Cn. Domitius Calvinus schon dazu. Vgl. die
Liste von G.J. Szemler, Art. Pontifex, in: RE Suppl. XV (1978), Sp. 393ff.
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- Caesar landete im September 47 in Tarent; vgl. M.
Gelzer, Caesar. Der Politiker und Staatsmann, Wiesbaden 1960 6, S. 241.
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- Die Interkalation am Ende des Februar 707 varr. (=
Dezember 47 v.Chr.; vgl. W. Drumann - P. Groebe, Geschichte Roms III, Leipzig
1906, S. 817) muß keineswegs durch die Reform erklärt sein, da sie
durch die von Sueton (DJ 40.2) erwähnte "consuetudo" begründet
werden konnte. Problematisch war allein die Zahl der Tage über diesen
gewöhnlichen Schaltmonat hinaus (Anm. 79). Da die Pontifices bisher ihre
Schaltungen ganz kurzfristig ankündigen durften (Plut., Caes. 59,3), hat
vielleicht auch Caesar von diesem "Privileg" Gebrauch gemacht. Ciceros Frage an
Atticus vom 11. Juni 46: "quando iste Metonis annus venit ?" (Att. XII 3.2)
muß sich nicht unbedingt auf die Kalenderreform beziehen (vgl. Shackleton
Baileys Kommentar z.St.).
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- Dio XLIII 26,1-3; 27.1. S. auch die Bemerkung in den
Lucan-Scholien (Anm. 54). Zur Senatshoheit über den Kalender vgl. Th.
Mommsen, Römisches Staatsrecht III, Leipzig, 3. Aufl. 1888, S. 1052. Die
Einbeziehung des Senats kann zugleich als Kritik an den früher vom Senat
geduldeten Manipulationen verstanden werden.
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- Plut., Caes. 59.6 (Anm. 113) erwähnt nur anonyme
Kritteleien und einen Scherz Ciceros über den Witterungskalender (Anm.
115). Allenfalls die falsche Schaltung nach Caesars Tod könnte eine Art
Sabotage gewesen sein (Anm. 51). Die gregorianische Reform zog eine Fülle
gegnerischer Flugschriften nach sich.
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- Macr., Sat. I 14.13 über die Form der
Veröffentlichung des Kalenders: "edicto palam posito". Anders als
Augustus' spätere Vorschrift für die Schaltung (Anm. 126) waren
Caesars Regelungen auf vergänglichem Material fixiert. Die Betonung von
"palam" erklärt sich wohl durch die Geheimniskrämerei früherer
Kalenderpolitik, gegen die sich z. B. M. Flavius im Jahre 304 gewandt hatte
(Anm. 38).
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- Bei Cens. 20.8 wird Caesar allerdings pont. max.
genannt. Die Einführung der zehn neuen Tage (Anm. 84) war nur durch einen
Dictator möglich, wenn Senat und Volksversammlung nicht darüber
abstimmen sollten. Vgl. dazu G. Huber, Untersuchungen zu Caesars
Oberpontifikat, Diss. Phil. Tübingen 1971, S. 86 (gegen Th. Mommsen,
op.cit. (Anm. 26) II, S. 40 f.).
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- Ein ausdrückliches Zeugnis dafür gibt es
nicht, und St. Weinstock, Divus Julius, Oxford 1971, S. 196f., deutet diesen
möglichen Effekt nur an. Mit Caesar verbundene Ären sind für
Syrien und für Lydien bezeugt (St. Weinstock, op.cit., S. 197).
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- Vgl. Liv. I 19.6-7 und Plut., Num. 18.1-7. Wenn der in
Kalenderfragen überhaupt nachlässige Ovid schreibt (fast. III 156):
"Caesaris in multis haec quoque cura fuit", so ist das eine Untertreibung.
Es könnte eine Tradition gegeben haben, die grundlegende politische
Reformen mit Kalender-Einrichtungen verband; auch zu Solons Reformwerk scheint
eine Kalenderregelung gehört zu haben, die allerdings von Aristoteles in
der Ath.Pol. nicht erwähnt worden ist. Vgl. dazu F.K. Ginzel, op.cit.
(Anm. 4) II, S. 378f.
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- Suet., DJ 40.1-2. Sein Interesse erklärt sich durch
sein Werk "De anno Romanorum" (Anm. 76) und vielleicht auch dadurch,
daß nach Suetons Meinung Caesars Reform in vielen historischen Werken
nicht angemessen gewürdigt wurde, z. B. bei Livius (Anm. 119). Bei Cassius
Dio (XLIII 26.1-3) nimmt der neue Kalender keinen besonderen Platz ein.
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- Vgl. Plin., NH XVIII 212 (Anm. 51). Es war ganz
ungewöhnlich, daß ein "Ausländer" die Römer über
ihren Kalender aufklärte.
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- Plin., NH 1, index auctorum lib. XVIII: "auctoribus
... Tarutio qui graece de astris scripsit, Caesare dictatore qui item." Schrieb
Caesar auf griechisch oder auf lateinisch? Vgl. Macr., sat. I 16, 39: "nam
Iulius Caesar ut siderum motus, de quibus non indoctos libros reliquit, ab
Aegyptiis disciplinis hausit, ita hoc quoque ex eadem institutione mutuatus est
ut ad solis cursum finiendi anni tempus extenderet."
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- Plut., Caes. 59, 5. Zum Motiv von Caesars
Selbständigkeit s. oben Anm. 55.
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- Plin., NH XVIII 211 ff.
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- Cens., de die natali 20.8-12; zu dieser Schrift vgl. K.
Sallmann, Hermes 111 (1983), S. 233-248.
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- Macr., Sat. I 14.1-15; vgl. G. Wissowa, De Macrobii
Saturnaliorum Fontibus Capita Tria, diss. Phil. Breslau 1880.
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- Vgl. die Fragmente p. 149-177 Reifferscheid. eine
wichtige Quelle für ihn dürften die Schriften Varros (Anm. 121)
gewesen sein. Macr., Sat. I 15.4 nennt "innumeri auctores" über den
römischen Kalender.
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- Wenigstens hier konnte die von Ptolemaios III. versuchte
Reform (Anm. 53) ein Vorbild sein; der Ausgleich der Jahreszeiten war eine
zusätzliche, für die Ägypter uninteressante Aufgabe.
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- Die Verbindung der "bruma" (vgl. Serv., Aen. VII
720) mit dem folgenden ersten Neumond wird nahegelegt durch die sonst
unerklärten Worte bei Macr., Sat. I 14.13: "habitis ad lunam
dimensionibus"; s. dazu L. Ideler, op.cit. (Anm. 4) II, S. 122 f. Zur Lesart
"ad limam", die J. Willis in seine Textausgabe aufgenommen hat, vgl. Ph.E.
Huschke, op.cit. (Anm. 4), S. 120 sowie H. Matzat, Hermes 23 (1888), S. 62 f.
Der römische Jahresbeginn am 1. Januar (vgl. Plut., Quaest.Rom. 19 p. 268
C-D) ist bereits vorcaesarisch, wie durch die Fasti Antiates Maiores (ILLRP 9)
bewiesen wird. Ein »natürliches« Neujahr gibt es nicht; vgl.
M.P. Nilsson, Art. Neujahr, in RE XVII 1 (1936), Sp. 148-152.
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- Dio XLIII 26.1 - Dios Ausführungen zeigen, daß
bereits bei den Zeitgenossen und in den ersten darstellenden Quellen
Unklarheiten über diese Zahl bestanden. Die Ermittlung der 67 Tage war das
Hauptproblem für Caesars Astronomen, und ihre Schwierigkeiten, z. B. bei
der exakten Datierung der "bruma" (vgl. Geminos 5.29-30), begründen
wohl Sosigenes drei "commentationes" (Anm. 51). aus der Addition von drei
Schaltmonaten (22 + 23 + 22) wird die Zahl 67 erklärt von W. Soltau,
op.cit. (Anm. 4), S. 149 und von P. Groebe, op.cit. (Anm. 62), S. 777. Caesar
legte allerdings Wert auf zwei Schaltmonate (Anm. 80).
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- Die Tabelle bei W. Drumann - P. Groebe, op.cit. (Anm.
62) III, S. 818 f. macht das anschaulich. Es ist bemerkenswert, daß keine
Nachricht über den späteren Umgang mit den 67 Tagen erhalten ist.
Wann feierten die damals Geborenen Geburtstag ? Wie wurden damals
abgeschlossene Geschäfte berechnet ? Obwohl Caesar die Möglichkeit
gehabt hätte, aus den 67 Tagen drei Schaltmonate zu machen (Anm. 79),
entschied er sich für zwei besonders lange Monate, um so für die Zeit
vom 1. März bis zum 31. Dezember varr. 708 auch wieder 12 Monate zu haben.
Wenn diese beiden Schaltmonate zwischen November und Dezember eingelegt wurden,
dürfte das durch den alten Festkalender zu erklären sein. Cicero
datiert in einem Brief an Ligarius kommentarlos "a.d.V. K.intercalaris
priores" (Fam. VI 14.2).
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- Macr., Sat. I 14.3; diese wohl schon
zeitgenössische Formulierung wird der Sorgfalt von Caesars Planung
für dieses der neuen Zeitrechnung vorangehende Jahr eigentlich nicht
gerecht.
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- Plut., Caes. 59, 1. Vgl. dagegen die Kritik an Numas
Kalender Num. 18,1; Cicero und seine Freunde waren anderer Meinung als Plutarch
(Anm. 35). die pracaesarische Deutung wird von Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3),
S. 278 aufgenommen: "Die leichte Hand des großen Arztes hat auch im
Kleinen sich nicht verleugnet".
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- Vielerorts hatte man den Eindruck, die zehn Tage gingen
wirklich "verloren"; vgl. F. Stieve, Der Kalenderstreit des sechzehnten
Jahrhunderts, ABAW 15 (1880), S. 34 f.
[Zurück zum Text]
- Macr., Sat. I 14.6-12; Cens. 20.9; vgl. G. Wissowa,
Hermes 58 (1923), S. 381 f. Auch in der lex Urs. c. 64 (ILS 6087) wird Wert auf
die Einhaltung der Festtage gelegt. Vielleicht hat Caesar auf seinen
"Vorgänger" Numa hingewiesen (vgl. Macr., Sat. I 14.8) - eine
geschickte Entgegnung auf seine Kritiker, die Numa andauernd im Munde
führten (Anm. 35).
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- Vgl. Cic., QF II 4.2 (vom März 56) über die
Beachtung zweier "dies religiosi", Grund genug für die Verschiebung
einer Hochzeit. Der in der Literatur über die Kalenderreform immer wieder
erwähnte Nundinal-Aberglaube sei hier ausgeklammert, da er mit Sicherheit
erst für das Jahr 41 v.Chr. bezeugt ist (Dio XLVIII 33.4). S. dazu Th.
Mommsen, op.cit. (Anm. 3), S. 25; L. Ideler, op.cit. (Anm. 4) II, s. 62 und
134.
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- Er hat den dementsprechenden Ehrenantrag (vgl. App., BC
II 106.442 f.; Dio XLIV 4.4) jedenfalls angenommen; s. dazu Th. Mommsen,
op.cit. (Anm. 63) III, S. 1052 f. St. Weinstock, op.cit. (Anm. 67), S. 152 geht
auf den kalendarischen Aspekt dieses Ehrenantrages nicht ein. Die Umbenennung
des Quintilis in den Iulius (Macr., Sat. I 12.34) wird von L. Ideler, op.cit.
(Anm. 4) II, S. 134 als Kompliment für den Kalender-Reformer verstanden.
Vgl. Varros Bemerkung in der Ephemeris (Anm. 121).
[Zurück zum Text]
- Das wußten schon die Berater in der Ephemeris (Anm.
121).
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- Vgl. W. Kubitschek, Art. Bissextum, in RE III (1899),
Sp. 503; Macr., Sat. I 14.6; CIL VIII 6979 = ILS 4919.
[Zurück zum Text]
- Die erhaltenen Zeugnisse vermitteln den Eindruck,
daß die erste - und dann gleich fehlerhafte - Schaltung erst nach Caesars
Tod ausgeführt worden ist, doch kann das noch kein Beweis sein. Die Frage
ist durchaus wichtig für die Art der Planung, Durchführung und
Sicherstellung der Kalenderreform. Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3), S. 66 und 292
f. vertritt die These von Caesars Übernahme der (eudoxischen)
antizipierenden Schaltung mit Hinweis auf den Chronographen des Jahres 354
(Chron.Min. I, p. 56), der das Jahr 709 varr. als Schaltjahr bezeichnet.
[Zurück zum Text]
- Suet., DJ 40.1; Cens. 20.10; Macr., Sat. I 14.13. Die
erhaltenen Formulierungen lassen nicht deutlich erkennen, ob die Vorschrift
öffentlich zugänglich war, so wie später die Korrektur des
Augustus (Anm. 126).
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- Macr., Sat. I 14.13: "nam cum oporteret diem qui ex
quadrantibus confit quarto quoque anno confecto antequam quintus inciperet
intercalare, illi quarto non peracto sed incipiente intercalabant". Offenbar
war in der technischen Anleitung für den neuen Kalender nirgends gesagt,
welches denn nun das erste Schaltjahr sei. Noch die geringsten astronomischen
Kenntnisse hätten für die Erkenntnis ausreichen müssen, daß
vier caesarische Jahre um ziemlich genau einen Tag zu kurz waren und dieser
fehlende Tag den vier Jahren eben hinzugefügt werden müßte;
insofern ist das Problem der lateinischen Zählweise (vgl. C.L. Howard, CQ
8, 1958, S. 6f.) ohne Belang. Obstruktion der Reform durch die Pontifices ist
nicht ganz auszuschließen, doch hieß der Pontifex Maximus immerhin M.
Aemilius Lepidus. G. Radke, RhM 103 (1960), S. 178-185, erklärt die
Verwirrung durch Mißverständnisse mit dem Neujahransatz des Jahres
708 varr., dem "annus confusionis ultimus" (Anm. 81).
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- Macr., Sat. I 14,13: "hic error sex et triginta
annis permansit, quibus annis intercalati sunt dies duodecim cum debuerint
intercalari novem". Die Übersicht bei A.E. Samuel, op.cit. (Anm. 4), S.
157 macht den Fehler anschaulich. Augustus' Korrektur: s. Anm. 125.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Cens. 20.11.
[Zurück zum Text]
- Eine lesenswerte Erklärung gibt Geminos 17.1-49.
Grundlegend für die Erforschung der antiken Parapegmatik sind die Arbeiten
von A. Rehm, Art. Episemasiai, in RE Suppl. VII (1940), Sp. 175-198;
Parapegmastudien (ABAW, 19), München 1941; Kalender und Witterungskunde im
Altertum, NJAB 4 (1941), S. 225-242; Art. Parapegma, in RE XVIII 4 (1949), Sp.
1295-1366. Im naturwissenschaftlichen, meteorologischen Sinne sind die antiken
Witterungsangaben von ganz geringem Wert; vgl. dazu G. Hellmann, Die
Witterungsangaben in den griechischen und lateinischen Kalendern,
Veröff.d.Kgl.Preußischen Metoerologischen Instituts 196 (1917), S.
137-166.
[Zurück zum Text]
- Plin., NH XVIII 214: "nos sequimur observationem
Caesaris maxime: haec erit Italiae ratio ..."; die erhaltenen Angaben aus
Plinius und der übrigen Tradition sind abgedruckt in der Caesar-Ausgabe
von B. Kübler, Bd. III, Leipzig 1896, S. 151-168. Zu Plinius'
Wertschätzung gerade römischer Forschung s. G. Grüninger,
Untersuchungen zur Persönlichkeit des älteren Plinius. Die Bedeutung
wissenschaftlicher Arbeit in seinem Denken, Diss. phil. Freiburg 1976, S. 92
ff.
[Zurück zum Text]
- Vgl. W. Kubitschek, Art. Meton, in RE XV 2 (1932), Sp.
1458-1466; B. Fehr, Hephaistos 2 (1980), S. 115 ff.
[Zurück zum Text]
- Vgl. F 129 ff. Lasserre (aus der "Octaeteris").
[Zurück zum Text]
- Die Präzession ist eine Entdeckung Hipparchs (ap.
Ptol., Syntaxis VII 1; vgl. Bd. II, S. 3 f. der deutschen Übersetzung von
Manitius). Ale Himmelsbeobachtungen sind nicht von ewiger Gültigkeit,
sondern zutreffend nur "epi polyn chronon" (Ptol., Phas. 7 = Lydus p. 207,
2 Wachsmuth).
[Zurück zum Text]
- Die praktische Anwendung eines "Steckkalenders"
verdeutlichen die Reste des in Milet gefundenen Parapegmas; vgl. H. Diels und
A. Rehm, SDAW (1904), S. 92-111.
[Zurück zum Text]
- "Ephemeris navalis ad Pompeium"; vgl. dazu H.
Dahlmann, in RE Suppl. VI (1935), Sp. 1253 f. Zum Bauernkalender Varros s. auch
A. Rehm, Parapegmastudien (Anm. 94), S. 113 ff. Ciceros Vertrautheit mit
Witterungsangaben zeigt die Bemerkung 2Verr. 5.27 über den Frühling.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Geminos 17,19. Für solche Beobachtungen
brauchte man Zeit, die Caesars Kommission gar nicht hatte. Die Genauigkeit der
Parapegmatik ließ allerdings auch schon vor Caesar zu wünschen
übrig.
[Zurück zum Text]
- Ptol., Phas. p. 67 Heiberg (= Lydus p. 275, 12
Wachsmuth).
[Zurück zum Text]
- Schon die Veröffentlichungen des Sosigenes hoben
sich ab von der früheren Diskretion in allen Kalender-Fragen (Anm. 51).
Die wissenschaftlichen Grundlagen von Caesars Reform waren seit langem bekannt;
Caesar wendet sie aber auch tatsächlich für die Erneuerung des
bürgerlichen Kalenders an.
[Zurück zum Text]
- Da Plin., NH XVIII 220-223 mit einiger
Wahrscheinlichkeit auf eine Schrift des Sosigenes zurückgeht (vgl. A.
Rehm, in: Epitymbion Swoboda, Reichenberg 1927, S. 224 f.; Parapegmastudien
(Anm. 94), S. 450), zog er die hipparchischen Jahrpunkte vor, unter korrekter
Berücksichtigung der Anomalie-Bestimmung, der ungleichen Abstände
zwischen den Jahrpunkten, die sich durch die elliptische Bahn der Erde um die
Sonne erklären. Für die astronomsichen Werte s. H. Gundel, Art.
Zodiakos, in RE X A (1972), Sp. 486.
[Zurück zum Text]
- Die Plazierung von Caesars Jahrpunkten geht hervor aus
Colum. IX 14.12; vgl. dazu Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3), S. 64 Anm. 87.
[Zurück zum Text]
- Gleichzeitig wurde die Gewöhnung an den neuen
Kalender erleichtert.
[Zurück zum Text]
- CIL I (2. Auflage) p. 280 = CIL VI 2305 = ILS 8745
(»Menologium rusticum Colotianum«). Zur Erläuterung s. G.
Wissowa, Römische Bauernkalender, in Apophoreton, Berlin 1903, S. 29-51;
A.L. Broughton, CPh 31 (1936), S. 353-356 (über die geographische
Zuordnung der landwirtschaftlichen Daten).
[Zurück zum Text]
- Zu einer möglichen Reaktion Vergils auf die
Kalenderreform s. Anm. 122.
[Zurück zum Text]
- Rust. I 28.1; vgl. J.E. Skydsgaard, Varro the Scholar.
Studies in the First Book of Varro's De re rustica, Kopenhagen 1968, S. 43 ff.
[Zurück zum Text]
- Vgl. K.D. White, in: ANRW 14, Berlin-New York 1973, S.
489 f.
[Zurück zum Text]
- Cic., 2Verr. II 129 (über Syrakus): "est
consuetudo Siculorum ceterorumque Graecorum, quod suos dies mensisque congruere
volunt cum solis lunaeque ratione, ut non numquam, si quid discrepet, eximant
unum aliquem diem aut summum biduum ex mense, quos illi exaeresimos dies
nominant; item non numquam uno die longiorem mensem faciunt aut biduo" (es
folgt der Bericht über eine Kalendermanipulation des Verres). Ciceros
Worte legen die Vermutung nahe, daß der römische Kalender damals "cum
solis lunaeque ratione" im wesentlichen übereinstimmte (vgl. Anm. 15).
[Zurück zum Text]
- Die Italiker waren bekannt für ihre vielen
verschiedenen Jahrformen (Cens. 20.1); vgl. dazu Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3),
S. 217 ff. sowie J. Whatmough, HSPh 42 (1931), S. 157-179. In der Tempelordnung
von Furfo aus dem Jahre 58 v.Chr. wird mit dem Monat "Flusaris" (=
Floralis) datiert (CIL IX 3513 = ILS 4906). Die "Korrektur" auch der italischen
Kalender am Maßstab der julianischen Jahrordnung wird Cens. 20.11
erwähnt.
[Zurück zum Text]
- Plut., Caes. 59, 6. Diese Haltung wurde dadurch
erleichert, daß Caesar den Kalender in seiner Eigenschaft als Dictator
eingeführt hatte (Anm. 66).
[Zurück zum Text]
- Vgl. Anm. 26.
[Zurück zum Text]
- Plut., Caes. 59, 6.
[Zurück zum Text]
- Vgl. F. Boll, Art. Fixsterne, in: RE VI 2 (1909), Sp.
2430 - nach der Berechnung von G. Hoffmann, Über die bei griechischen und
römischen Schriftstelern erwähnten Auf- und Untergänge der
Sterne, Progr. Triest 1879, S. 25. S. auch A.W. Hollemann, Historia 27 (1978),
S. 496-498.
[Zurück zum Text]
- Ärgerte sich Cicero vielleicht auch darüber,
daß solche Daten, anders als früher, jetzt im offiziellen Kalender
standen ? Später verschwinden diese Angaben aus den Steinkalendern, mit
Ausnahme der Fasti Venusini (CIL I 2 p. 22f.) und der Fasti Antiates (CIL I 2
p. 248f.).
[Zurück zum Text]
- Vgl. M. Gelzer, op.cit. (Anm. 61), S. 252 über
seine gerühmte und gefürchtete celeritas. Die relative
Gleichgültigkeit dieser Art von Parapegmatik für die Praxis wird
daraus deutlich, daß Caesars Fehler bei Ovid (Fasti I 316) und bei
Columella (XI 2.97) wiederkehrt.
[Zurück zum Text]
- Die Darstellung von Numas Einrichtung des Kalenders (I
19.6-7) erinnert an Ciceros Lob für Numas Schaltung (Anm. 41). Bei der
Erwähnung der Sonnen- und der Mondfinsternis im 2. Jahrhundert
interessiert er sich nicht für die Verschiebung der Jahreszeiten (Anm. 13
und 14). Grundlegend für die Frage des Verhältnisses von Livius zu
Caesar ist H. Strasburger, Livius über Caesar. Unvollständige
Betrachtungen, in: Livius. Werk und Rezeption. Festschrift für Erich Burck
zum 80. Geburtstag, München 1983, S. 265-291.
[Zurück zum Text]
- Vom Umfang her dürfte der Abschnitt über den
Kalender nicht viel länger gewesen sein als Cassius Dios Behandlung des
Themas (XLIII 26.1-3). Vielleicht ist Suetons relativ ausführlicher
Abschnitt (DJ 40.1-2) ein Indiz für seine Ansicht, daß die Reform
nicht immer angemessen gewürdigt worden sei.
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- Die Epoche nach Thapsus hat er in der Satire
»Kosmotoryne e peri phthoras kosmou« (ap. Non. p. 224 M s.v. sanguis
= F 225 Bücheler) als Katastrophenzeit gekennzeichnet (s. auch O.
Regenbogen, Kleine Schriften, München 1961, S. 301). Eine einzige Notiz
aus der erhaltenen Überlieferung könnte als lobende Erwähnung
der Reform gedeutet werden (ap. Prisc., GL II 256): "Varro in ephemeride:
postea honoris virtutum causa Iulii Caesaris, qui fastus porrexit, mensis
Iulius est appellatus" (vgl. Anm. 86). In der Schrift über die
Landwirtschaft aus dem Jahre 36 wird die Reform kaum erwähnt und
jedenfalls nicht ausdrücklich gelobt (Anm. 109). Censorinus' Quelle
für die Kalenderreform ist entweder Varro oder Sueton (Anm. 76); für
das alte römische Jahr ist Varro auf jeden Fall die Vorlage. Vgl. Varro
ap. Macr., Sat. I 13.21 zur Geschichte der Interkalation.
[Zurück zum Text]
- Aeneas' Erwähnung der kalendarischen Unsicherheit
von Anchises' Todestag (Aen. V 49-50) könnte ein verschwiegenes Kompliment
sein; die Scholiasten haben Aeneas' Worte jedenfalls mit der
Kalender-Problematik in Verbindung gebracht.
[Zurück zum Text]
- In der erhaltenen Überlieferung über den von
Caesar geschaffenen Schalttag (Anm. 88) findet sich keine Erwähnung der
Reform; vgl. die Zitate bei Th. Mommsen, Zur Lehre vom Schalttag (1859), in:
Gesammelte Schriften III, Berlin 1907, S. 327-334. S. auch Fr. Schulz, Bracton
as a Computist, Traditio 3 (1945), S. 265-305 zur juristischen Problematik des
Schalttages. Ein seltenes Beispiel für die vielen zu vermutenden
Umrechnungen aus Daten des Bauernkalenders in die zuverlässige neue
Jahresrechnung ist Dig. XLV 1.222.1 mit der Fristangabe "intra idus
Septembres", wo früher wohl die Pleiaden genannt worden wären; vgl.
dazu U. Manthe, Die libri ex Cassio des Iavolenus Priscus, Berlin 1982, S. 300
Anm. 188.
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- Nirgends findet sich eine Bestimmung über die
spätere Behandlung der 67 zusätzlichen Tage (Anm. 80). Ein Beispiel
für Unkklarheiten bei der Umstellung vom alten auf den neuen Kalender ist
die Position der Saturnalien (Macr., Sat. I 10.2-4 und 23; vgl. G. Wissowa,
Gesammelte Abhandlungen zur römischen Religions- und Stadtgeschichte,
München 1904, S. 156 f.). Schwierigkeiten gab es auch bei der Berechnung
von Geburtstagen aus der Zeit vor der Kalenderreform, wenn Jahrestage gefeiert
werden sollten; vgl. W. Suerbaum, Chiron 10 (1980), S. 330ff.
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- Suet., Aug. 31.2; Macr., Sat I 14.13-15; nichts bei
Censorinus, der nur die Umbenennung des Sextilis erwähnt (22.16). Wer den
Fehler entdeckt hat, ist nicht überliefert; vielleicht war es ein Mann wie
der Mathematiker Facundus Novus, der Augustus' im Jahre 9 v.Chr. eingeweihte
Sonnenuhr konstruiert hat (Plin. , NH XXXVI 72). Augustus korrigierte den
Kalender in seiner Eigenschaft als Pontifex Maximus, anders als früher
Caesar (Anm. 66). Dieses Amt hatte er seit dem Jahre 12 inne (RG 10.2).
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- Macr., Sat. I 14.15: "et omnem hunc ordinem aereae
tabulae ad aeternam custodiam incisione mandavit". Vgl. auch Varro ap. Macr.,
Sat. I 13.21 über die lex Pinaria vom Jahre 472 v.Chr.
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- Amm. Marc. XXVI 1.13 . Wenn Augustus seine
Kalenderkorrektur nicht in die Res Gestae aufnahm, erklärt sich das wohl
dadurch, daß er die Einrichtung des Kalenders denn doch als die Leistung
Caesars gelten ließ: "annus a Divo Iulio ordinatus" (Suet., Aug.
31.2).
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- Plin., NH XXXVI 72; vgl. E. Buchner, RM 83 (1986), S.
319-365 und 87 (1980), S. 355-373 (wieder abgedruckt mit einem Nachwort
über die Ausgrabung 1980-1981 als: E. Buchner, Die Sonnenuhr des Augustus,
Main 1982).
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- Plin., NH XVIII 211: "tres autem fuere sectae,
Chaldaea, Aegyptia, Graeca. his addidit quartam apud noc Caesar dictator annos
ad solis cursum redigens singulos Sosigene perito scientiae eius adhibito."
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- Luc., Phars. X 185-187 (Anm. 56). Lucans Caesar
widerspricht der Ansicht Vergils über die naturwissenschaftliche Kompetenz
der Römer (Aen. VI 849 f.).
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- Vgl. Ed. Schwartz, Kleine Schriften I, Berlin 1938, S.
53. Als Vorgänger Caesars könnte allenfalls Ptolemaios II. (Anm. 53)
betrachtet werden.
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- Vgl. die von Sueton gegebene Begründung der Reform
(DJ 40.1); er macht sich Caesars Position zu eigen.
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- In Macrobius' Darstellung der neuen Jahresordnung (Sat.
I 14.6-12) wird Caesars Rücksichtnahme betont (Anm. 84).
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- Es war dabei in erster Linie sein Ziel gewesen, die
"licentia intercalandi" (vgl. Suet., DJ 40.1) zu verhindern. Augustus hat
im Jahre 8 nicht Caesars hier vielleicht fehlende Sorgfalt bis ins Detail
hinein kritisiert, sondern die Inkompetenz des Priesterkollegiums unter
Lepidus: "annum a Divo Iulio ordinatum, sed postea neglegentia conturbatum
atque confusum, rursus ad pristinam rationem redegit" (Suet., Aug. 31.2).
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- Das caesarische Jahr war gegenüber dem tropischen
Jahr um etwa 11 Minuten zu lang (vgl. Th. Mommsen, opcit. (Anm. 59) III, S. 567
Anmerkung); Hipparchs Berechnung, die dem wirklichen Wert ganz nahe kommt, ist
überliefert bei Ptol., Synt. III 1 (I p. 207 Heiberg = I S. 145 der
deutschen Übersetzung von Manitius). Vielleicht hätte Augustus die
Möglichkeit gehabt, Papst Gregors Vorschriften für die Schaltung
über mehrere Jahrhunderte hinweg (Anm. 136) vorwegzunehmen; Dios Hinweis
auf die leichte Ungenauigkeit des julianischen Kalenders (XLIII 26.3) zeigt,
daß der Fehler spätestens im 2. Jahrhundert erkannt worden ist.
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- Zur gregorianischen Reform vgl. F. Ruhl, Chronologie
des Mittelalters undd er Neuzeit, Berlin 1897, S. 223 ff.; sowie F.K. Ginzel,
op.cit. (Anm. 4) III, S. 252 ff. Damals wurde das
Frühlingsäquinoktium, das vom Konzil von Nikaia (325 n.Chr.) auf den
21. März gesetzt worden war, durch die Auslassung von zehn Tagen (vgl.
Anm. 83) wieder auf das alte Datum gebracht. Zusätzlich zur
vierjährigen Schaltperiode wurde eine vierhundertjährige errechnet,
um den immer noch verbliebenen kleinen Fehler auszugleichen: in je 400 Jahren
sollten drei Schalttage weggelassen werden. Nur diejenigen Jahrhundertwenden
sind Schaltjahre, die durch 400 teilbar sind - 1600 und 2000, nicht aber 1700,
1800 und 1900. Auf diese Weise tritt erst in 3323 Jahren eine eintägige
Differenz zwischen Kalender und Sonnenstand ein. Das Osterfest fällt
weiterhin auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Die heutige
Position der katholischen Kirche zur Frage einer festen Osterrechnung ist in
einer Stellungnahme des II. Vatikanischen Konzils festgehalten; vgl. dazu
Lexikon für Theologie und Kirche. Das zweite Vatikanische Konzil.
Dokumente und Kommentare I, Freiburg-Basel-Wien 1966, S. 107f. Die letzte, vom
breiten Publikum gänzlich unbemerkte "Kalenderreform" ist die seit
1976 erfolgte Umstellung des Wochenanfangs von Sonntag auf Montag - ein
religiöses Kalenderproblem, dessen weltliche Mißachtung früher
viel Unruhe verursacht hätte. Vgl. dazu W. Schmitthenner, Eine
Neujahrsbetrachtung, Neue Deutsche Hefte 152 (1976) 4, S. 884-889. Die
siebentägige Woche ist nicht caesarischen, sondern östlichen und
christlichen Ursprungs; s. F. Boll, Art. hebdomas, in: RE VII 2 (1912), Sp.
2547-2578.
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- Vgl. dazu Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 59), S. 564 f.,
der außerdem großen Wert auf Caesars aureus als
"Reichsmünze" legt - eine erst wieder von dem Ökonomen W.
Hankel, Goldne Zeiten führt' ich ein. Caesar und sein Wirtschaftsimperium,
München 1978, beachtete These. Auch die allerdings sehr schlecht bezeugte
"Weltvermessung" Caesars (vgl. Cosmogr. p. 72 Riese; W. Kubitschek, Art. Iulius
Honorius, in: RE X 1, 1917, Sp. 625-627) könnte zur Unterstützung von
Mommsens Vermutung herangezogen werden.
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- Schon in Italien selbst wird die neue Zeitrechnung
nicht immer populär gewesen sein (vgl. Anm. 112 über den
Konservatismus der Latiner). Für die Kalender des Westens s. Th. Mommsen,
op.cit. (Anm. 63), S. 754f. Eine sehr komplizierte Rechnung führt zu der
Möglichkeit, daß der julianische Kalender auf Zypern schon im Jahre
46 eingeführt wurde; vgl. A.E. Samuel, op.cit. (Anm. 4), S. 185. Im Osten
blieb es zunächst bei den üblichen Kalendern, die zugleich das
Zeichen für einen Rest von wenigstens kultureller Unabhängigkeit
waren. S. auch A.E. Samuel, op.cit. (Anm. 4), S. 186-188 über die sehr
langsame Durchsetzung des römischen Kalenders dort.
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- Die Kalenderreform für Ägypten im Jahre 30
v.Chr. betraf ein Territorium, in dem der Princeps monarchisch auftreten
konnte; vgl. dazu Th. Mommsen, op.cit. (Anm. 3), S.79; W.J. Snyder, AJPh 64
(1943), S. 385-398; A.E. Samuel, op.cit. (Anm. 4), S. 177. Es ist
bemerkenswert, daß es kein einziges Zeugnis für Augustus'
ägyptische Reform gibt. Für die Provinz Asia wurde der julianische
Kalender im Jahre 9 v.Chr. eingeführt; vgl. A.E. Samuel, op.cit. (Anm. 4),
S. 181 f. zu OGIS 458.
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- Galen, comm. in Hipp.Epid. 1 (XVII p. 19 Kühn),
zitiert von L. Ideler, op.cit. (Anm. 4) I, S. 412 und von Th. Mommsen, op.cit.
(Anm. 3), S. 75. Zur modernen Entwicklung des Zeitgefühls vgl. das Buch
von R. Wendorff (Anm. 19).
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- C. Matius ap. Cic., Att. XIV 1.1: "etenim si ille
tali ingenio exitum non reperiebat, quis nunc reperiet ?"
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- Plin., NH VII 117: "... omnium triumphorum laurea
maiorem, quanto plus est ingenii Romani terminos in tantum promovisse quam
imperii". Zum Text s. H.J. Tschiedel, Caesars "Anticato". Eine Untersuchung der
Testimonien und Fragmente, Darmstadt 1981, S. 69 ff.; seine Interpretation der
Worte als ironische Spitze gegen Cicero ist sicher unzutreffend.
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Prof. Dr. Jürgen Malitz, 2. Februar 1998