Römertum im »Dritten Reich«: Hans Oppermann

Erschienen in: Imperium Romanum. Studien zu Geschichte und Rezeption. Festschrift für Karl Christ zum 75. Geburtstag. Herausgegeben von Peter Kneissl und Volker Losemann. Stuttgart: Franz Steiner Verlag. S. 519 - 543.

Prof. Dr. Jürgen Malitz
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
E-Mail: 100270.3107@compuserve.com


I

Jede wissenschaftsgeschichtliche Betrachtung der Altertumswissenschaften in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wird schnell auf die Schwierigkeiten der Urteilsbildung stoßen[1]. Es gibt allerdings selbst für diese Zeit aus der Rückschau eher "einfache" Antworten: Wenn es etwa um die Schicksale der Entlassenen geht[2], um jene, die gar nicht erst zur Habilitation zugelassen wurden[3], und natürlich auch um diejenigen, deren mutige Distanz zum Regime selbst in ihren Publikationen faßbar ist.[4]

Schwieriger ist die Beurteilung bei der großen Zahl aller der Gelehrten, die ihre Laufbahn unbehelligt fortgesetzt haben: Nicht jede zeitgerechte Formulierung macht einen Autor schon zum willigen Befürworter der nationalsozialistischen Herrschaft. Ein erhellendes Beispiel ist die Laufbahn Joseph Vogts in jenen Jahren: Es fällt nicht leicht, gedruckte oder ungedruckte Äußerungen angemessen zu bewerten in der Auseinandersetzung mit den Erläuterungen derer, die den Verfasser aus langer Kenntnis persönlich beurteilen können[5].

Andererseits gab es aber auch die - keineswegs sehr zahlreiche - Gruppe von Altertumswissenschaftlern, deren Kompromittierung so erheblich ist, daß eine bewertende Einordnung ihrer Wirksamkeit leichter fällt. Innerhalb dieser Gruppe von Universitätslehrern, deren nationalsozialistische Verkürzung der Altertumswissenschaft außer Frage steht, spielt Hans Oppermann, dem der folgende Beitrag gilt, aber noch eine besondere, nicht immer genügend wahrgenommene Rolle.[6]

In den Jahren 1933-1945 war er, wenn man das gesamte wissenschaftliche Schrifttum dieser Jahre zu überschauen versucht[7], der lauteste und fleißigste Propagandist einer "neuen" Art der Wissenschaft; seine Schriften verdeutlichen, wie sich die "offizielle" Altertumswissenschaft hätte entwickeln können.

Eine Betrachtung der gedruckten Veröffentlichungen Oppermanns, deren "Interpretation", im Unterschied zu zeitgebundenen altertumswissenschaftlichen Beiträgen anderer Fachkollegen, geringe Schwierigkeiten macht, kann ergänzt werden durch die Freiburger Berufungsakten zur Wiederbesetzung des Lehrstuhls Schadewaldt, die Aufschluß geben über die Rolle Oppermanns innerhalb der Freiburger Fakultät. So ist es möglich, die Karriere Oppermanns seit 1933 noch aus einer anderen Perspektive zu fassen.[8]

Oppermann hat sich nicht auf "völkisches" Geraune beschränkt. Er ist wohl der einzige Universitätsprofessor im Bereich der Altertumswissenschaften, dessen Antisemitimus nicht nur in Nebensätzen durchscheint, sondern der auch bereit gewesen ist, seine Fachkenntnisse im Stil des "Stürmer" für ein "Schulungsheft" der Partei umzusetzen. Diese 32 Druckseiten aus dem Jahre 1943 gehören zweifellos zur Gruppe jener antisemitischen Propagandamaterialien, die der geistigen Vorbereitung und Unterstützung des Holocausts dienen sollten.[9]

Ist diese Laufbahn eine eigene Untersuchung überhaupt wert ? Der Wissenschaftler Oppermann hat, verglichen mit anderen Altertumswissenschaftlern seiner Generation, wohl keine über den Tag hinausweisende, auch heute noch wirkende wissenschaftliche Leistung hinterlassen. Nicht seine heutige Bedeutung als Klassischer Philologe, sondern seine Karriere im Dritten Reich ist von wissenschaftsgeschichtlichem Interesse: Immerhin hat er fast acht Jahre lang, von 1934 - 1941, die Latinistik in Freiburg vertreten. Im Jahre 1937 hätte er beinahe einen Ruf nach München als Nachfolger von Johannes Stroux erhalten[10]; seit 1941 war er Ordinarius an der von den Nationalsozialisten besonders geförderten "Reichsuniversität" Straßburg.[11]

Hans Oppermanns akademische Laufbahn war im Mai 1945 zu Ende. Danach wird er zum Exemplum für die deutsche Nachkriegsgeschichte. Der Straßburger Gelehrte wirkte nach dem Verlust seines Lehrstuhls seit 1949 im Schuldienst und bald sogar als Leiter des Hamburger Johanneums, eines der führenden humanistischen Gymnasien der Nachkriegszeit.

Derselbe Hans Oppermann, der in den Kriegsjahren die Vorzüge der "nationalsozialistischen" Wissenschaft propagierte, wurde seit 1949 ein beredter humanistischer Erzieher der Jugend, und daneben ein vielbeschäftigter Autor der "Wissenschaftlichen Buchgesellschaft". Als Herausgeber thematisch zentraler Bände in der Reihe "Wege der Forschung" wurde er zu einem wichtigen Vermittler der Altertumswissenschaft - auch dies, aus der Rückschau, eher Kontinuität als Neubeginn.[12]

II

Hans Oppermann wurde 1895 in Braunschweig geboren[13]; wenn der Lebenslauf seiner Bonner Dissertation ein Urteil erlaubt, stammt er aus eher bescheidenen Verhältnissen, im Unterschied wohl zur Mehrzahl der akademisch erfolgreichen klassischen Philologen dieser Generation.[14]

Die Entscheidung, das Studium 1912 in Bonn aufzunehmen, war eine Entscheidung gegen die anderen akademischen Metropolen, zumal gegen Berlin[15]: Der Streit der Schulen sollte später in Berufungsfragen keine geringe Rolle spielen. Die Teilnahme an den beiden letzten Jahren des Weltkrieges war Generationsschicksal; wie viele andere haben diese Jahre Oppermann keineswegs zum Pazifisten gemacht: Sein "Kriegserlebnis" taucht noch 1941 in einem Bericht aus dem Frankreich-Feldzug auf[16].

Oppermanns akademischer Lehrer wurde August Brinkmann, dem er persönlich offenbar eng verbunden war; die gemeinsame Herkunft aus Braunschweig wird vielleicht von Bedeutung gewesen sein. Oppermann schreibt den Nachruf seines Lehrers in Bursians Jahrbüchern, sowie eine Würdigung im Braunschweiger Magazin.[17] Die Dissertation von 1920 behandelt, auf überwiegend epigraphischer Grundlage, ein Thema aus der griechischen Religionsgeschichte.[18] Nach der Promotion gelingt es Oppermann, den Anschluß an die Wissenschaft zu behalten: In Greifswald konnte er die lateinischen und griechischen Sprachkurse abhalten und erhielt dadurch Gelegenheit zur Habilitation.[19]

Die Habilitation - Studien zur Biographie Plotins, zusammen mit Studien zur Textüberlieferung - im Jahre 1926 kann so reibungslos nicht gewesen sein[20]. Nicht die beiden klassischen Philologen Dornseiff oder Ziegler haben ihn gefördert, sondern der Althistoriker Walter Kolbe[21]. Die Habilitation lautet denn auch nicht auf die zu erwartende "klassische Philologie", sondern auf "klassische Altertumswissenschaft". Dies war, nach den entsprechenden Personal-Nachrichten im Gnomon zu urteilen, eine ungewöhnliche Entscheidung[22].

Mit der Wahl des Plotin-Themas hatte sich Oppermann erneut der Gräzistik zugewandt; auch die übrigen Publikationen bis Ende der zwanziger Jahre weisen ihn als Spezialisten für die griechische Literatur aus; eine gleichzeitige intensive Arbeit an lateinischen Texten geht wenigstens aus dem Schriftenverzeichnis nicht hervor[23]. Wenn das Schriftenverzeichns ein Maßstab sein kann, dann galten die wissenschaftlichen Interessen Oppermanns in diesen Jahren ganz der griechischen Literatur. Der Aufsatz über Herophilos bei Kallimachos zeigt ihn als Kenner der antiken Medizin[24]; mit seiner Bearbeitung einer älteren Teubner-Ausgabe der Athenaion Politeia profilierte er sich als Editor[25].

Die im engeren Sinne wissenschaftlichen Produktion Oppermanns gibt keine Hinweise auf seine politischen Sympathien; anders ist dies bei den Veröffentlichungen für einen weiteren Leserkreis: ein Aufsatz über das römische Trier bebt förmlich von vaterländischem Gefühl nach dem Ende des Weltkrieges[26]. Aus der Rückschau recht merkwürdig ist der Nachruf auf Hermann Diels in den "Preussischen Jahrbüchern" aus dem Jahre 1922.[27] Ziemlich unvermittelt steht hier die Würdigung eines Gelehrten zusammen mit unerwarteten Hinweisen darauf, daß die neue Zeit einen neuen Stil der Wissenschaft erfordere: Mit dem Tode von Hermann Diels "sinkt eine ganze Entwicklungsphase unserer Wissenschaft ins Grab". Das Ende des Weltkrieges ist für Oppermann auch ein wissenschaftsgeschichtlicher Einschnitt:

"Nicht nur äußerlich ist die internationale Organisation der Wissenschaft zusammengebrochen, das Chaos, das der Weltkrieg auch auf geistigem Gebiet zeitigte, beweist, daß die Generation des wilhelminischen Zeitalters nicht imstande gewesen ist, die geistigen Bedürfnisse des Volkes zu befriedigen und richtunggebend zu bestimmen. Auch unsere Wissenschaft muß neue Wege suchen. Ihre Hauptaufgabe muß sein, tätigen Anteil an der inneren Wiederaufrichtung unseres Volkes zu nehmen".[28]

Der "nationale" Ton des jungen Oppermann ist mit seinem Vokabular noch keineswegs auffällig; er entspricht dem konservativen Teil des "Zeitgeistes"[29]. Der völkische Tonfall verbindet sich freilich mit der unverhohlenen Selbsteinschätzung, bei dieser künftigen Aufgabe eine führende Rolle übernehmen zu sollen. Diese "Offenheit" ist durchaus auffällig: Kaum einer seiner akademischen Generationsgenossen ist, soweit ich dies überblicke, schon aufgrund seiner Publikationen einer politischen Richtung zuzuweisen. Oppermanns späterer politischer Aktivismus kommt deshalb nicht von ungefähr.

Im Jahre 1928 hat sich Oppermann von Greifswald nach Heidelberg umhabilitiert, vermutlich wegen der Möglichkeit, dort besoldete Sprachkurse abhalten zu können.[30] Am 12. Januar 1929 hielt er seine Antrittsvorlesung über römische Literatur: "Aufklärung und Dekadenz im Rom der späten Republik". Diese Vorlesung ist nicht veröffentlicht worden; der Tenor dürfte faßbar sein in den späteren einschlägigen Bemerkungen über Sallust, die augusteischen Dichter und über Augustus.[31] Der Titel der Vorlesung wird die Wertung vorweggenommen haben, die später vielfach formuliert wird: Die ausgehende Republik war reif für eine neue Ordnung. Solche "konservativen" Gedanken waren damals durchaus verbreitet, wenngleich sie nicht schon im Titel einer altertumswissenschaftlichen Antrittsvorlesung greifbar zu sein pflegten.

Im September 1932 erhielt Oppermann den Titel eines außerordentlichen Professors, der freilich ein bloßer Ehrentitel war[32]. Erst in den frühen dreißiger Jahren hat Oppermann sich ganz der lateinischen Literatur zugewandt; will man aus seinen Schriften dieser Zeit eine Erklärung dafür finden, dann war es vielleicht die von ihm so verstandene Parallele zwischen dem Zeitalter der späten Republik und Weimar, die ihn eine ähnliche Lösung wie für Rom erhoffen ließ: Sein Augustus hieß Hitler.

In Heidelberg wirkte Oppermann als Privatdozent. Seit dem Wintersemester 1929/1930 las er überwiegend zur lateinischen Literatur. Zwei Vorlesungen der Heidelberger Zeit fallen aus dem üblichen Rahmen: "Der Humanismus und die europäische Kultur der Gegenwart" (Vorlesung für alle Fakultäten) im WS 1930/1931 sowie im WS 1933/1934 "Antike und nationale Bildung".

Was ihm fehlte, war eine besoldete Position. Privatdozenten der Klassischen Philologie gab es 1933 mehrere - abgesehen von denjenigen, denen eine Laufbahn jetzt verwehrt war. Zu den Konkurrenten gehörte eine Reihe später bedeutender Gelehrter[33].

Bis zur Machtergreifung Hitlers hat Oppermann nichts publiziert, was seine Begeisterung für den Nationalsozialismus klargestellt hätte, über die verbreiteten "völkischen" und "konservative" Sympathien hinaus. Dies ändert sich sturzbachartig seit 1933: Seit diesem Jahr ist Oppermann, soweit sich dies an publizierten Äußerungen nachweisen läßt, einer der eifrigsten politisierenden Publizisten unter den Altertumswissenschaftlern, bis zum kriegsbedingten Stillstand der Druckerpressen.

III

Die Universität Freiburg spielte im Jahre 1933 eine besondere Rolle bei der von den Nationalsozialisten geplanten "Neuordnung" des deutschen Universitätswesens, und in Freiburg hatte sich Martin Heidegger besonders dafür eingesetzt.[34]

Die Klassische Philologie wurde im Jahre 1933 von Wolfgang Schadewaldt[35] und von Eduard Fränkel vertreten; daneben gab es noch, bisher übergangen bei jeder Berufung und mit 52 Jahren mittlerweise fast zu alt, den Lektor Wolfgang Aly[36]

Schadewaldts Lehrstuhl wurde durch die Berufung nach Leipzig zum 1. Oktober 1934 bald vakant[37]; die Kommission für die Nachfolge Schadewaldt trat bereits im Sommersemester 1933 zusammen; die Liste war am 8. Juni 1934 fertig[38]

Noch schneller war allerdings der Lehrstuhl für Latinistik vakant: Eduard Fränkel wurde sofort entlassen, zusammen mit vielen anderen jüdischen Wissenschaftlern[39]. Eduard Fränkels Lehrstuhl wurde nicht neu ausgeschrieben; das Karlruher Ministerium (unter der Federführung des nationalsozialistischen Aktivisten Eugen Fehrle[40]) setzte Hans Oppermann als "Vertreter des zur Ruhe gesetzten Prof. Fraenkel" ein[41]. Seit dem Sommersemester 1934 hat Hans Oppermann in Freiburg die Latinistik vertreten, bis zu seiner "Beförderung" an die "Reichsuniversität" Straßburg im Oktober 1941[42].

Oppermanns "Berufung" als Latinist in der Nachfolge Eduard Fränkels erklärt sich mit einiger Sicherheit nicht durch seine Publikationen zur römischen Literatur. Er hatte erst in den vergangenen drei Jahren einige Beiträge zu Caesar und zu Vergil veröffentlicht, die wohl kaum die Grundlage für eine solche Auszeichnung abgeben konnten.[43]

Dafür war Oppermann schon in Heidelberg einer der ganz wenigen habilitierten Altertumswissenschaftler, der eindeutig Position bezog: Bekennertum dieser Art war eher die Domäne von alten Schulmännern[44]. Auch die Mitgliedschaft in der SA war im Kreise habilitierter Altertumswissenschaftler die Ausnahme von der Regel[45]

Der Heidelberger Privatdozent hatte nicht nur im Kultusministerium Förderer, sondern auch in Freiburg selbst. Die Fakultätsgeschichte des Jahres 1933 wird in einem Bericht der Freiburger Universität vom 1. August 1945 zur Kenntnisnahme der französischen Behörden etwas besser verständlich. Der hier interessierende Abschnitt über die Fakultät lautet[46]:

Vor 1933 war in ihren Reihen von einem Eindringen nationalsozialistisher Ideen und von politischen Meinungsverschiedenheiten so gut wie nichts zu bemerken. Einen starken Umschwung brachte das Jahr 1933, in dem der Philosoph Heidegger Rektor wurde und unter seinen Anhängern in der Fakultät, insbesondere bei dem von ihm ernannten Dekan Schadewaldt, kräftigste Unterstützung fand. Schadewaldt sorgte bei seinem Weggang nach Leipzig 1934 und beim Abgang des jüdischen Philologen (sic !) Fränkel unter starker Ausnützung des Führerprinzips für die Neubesetzung beider Lehrstühle durch radikale Nationalsozialisten (Oppermann und Bogner).

Leicht dürfte es für Oppermann bei seiner Ankunft in Freiburg demnach nicht gewesen sein, gerade wegen der Förderung durch das Karlsruher Ministerium. Die Kriterien der Freiburger philosophischen Fakultät bei ihren Beratungen über die Nachfolge Schadewaldt dürfen wohl ohne weiteres auf die Frage einer Neubesetzung der Stelle Eduard Fränkels übertragen werden. Die Fakultät legte am 8. Juni 1934 ihr Votum für die Nachfolge Schadewaldt vor. Karl Reinhardt und Richard Harder standen gleichberechtigt auf der ersten Stelle, Bruno Snell und Kurt von Fritz an der zweiten bzw. dritten Stelle. Die laudatio läßt erkennen, daß allein Karl Reinhardt der von der Fakultät gewünschte Kandidat war. Das Votum der Fakultät vom 8. Juni 1934 orientiert sich allein an sachlichen Gesichtspunkten[47]:

Der Universität Freiburg soll der hohe Rang gewahrt werden, den sie unter den deutschen Universitäten seit drei Jahrzehnten behauptet. Die an erster Stelle genannten gehören zu den in In- und Ausland geachtetsten Vertretern der deutschen Altertumswissenschaft. (....)

Die Berufungskommission hat bei der Aufstellung ihrer Vorschlagsliste auf das sorgfältigste alle irgend in Betracht kommenden Dozenten der griechischen Philologie gewertet. (...) Wir müssen wieder eine Kraft gewinnen, die wie Ed. Schwartz, Deubner, Pfeiffer, Schadewaldt uns auch aus dem ausserbadischen Reich Schüler zuführt. (...)

Wir haben uns bei ihrer Auswahl an keine bestimmte Schule gebunden. In einem aber dürften sie gleichgerichtet sein, das für die Wirkung auf unsere heutige Jugend entscheidend sein muß: in dem Streben, die Antike in ihrem innersten geistigen Kern, in ihrer schöpferischen Kraft zu erfassen. In der Auseinandersetzung mit dieser ist deutsche Art und deutsches Geistesleben immer wieder zu Höchstleistungen geführt worden.

Da die Auswahl des Nachfolgers für Schadewaldt durch ein reguläres Berufungsverfahren erfolgte, versuchte die Fakultät mit großer Energie, an der Berufung Karl Reinhardts festzuhalten; die ganz überraschende Ankunft Hans Bogners war erst möglich, als plötzlich selbst Friedrich Pfister, der nach der endgültigen Ablehnung Reinhardts durch das Ministerium die besten Aussichten hatte, der Fakultät aufgezwungen zu werden, nicht mehr linientreu genug war[48].

Oppermann kam, anders als Bogner, gar nicht erst durch ein Berufungsverfahren nach Freiburg. sondern wurde als "Vertreter" Eduard Fränkels vom Ministerium eingesetzt. Wenn er also zunächst auch nicht im formalen Sinn der Nachfolge Fränkels war[49], so war er aber doch der einzige Fachvertreter der Latinistik bis zu seiner Berufung nach Straßburg. Das Reichsministerium ließ auch keinen Zweifel daran, daß Oppermanns "Berufung" nach Freiburg endgültig sein sollte.[50]

In Freiburg galt Oppermann als "Obernazi"[51]; im Mai 1937 stellte er seinen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP[52]. Seine gesinnungstüchtigen Lehrveranstaltungen[53] und Publikationen der nächsten Jahre sind dabei zusätzlich unter dem Aspekt zu lesen, daß er einen dauernden Kampf um den Status seiner Freiburger Position mit seinem Kollegen Hans Bogner führte, der später als er selbst nach Freiburg gekommen war, aber die Förderung des Dozentenbundführes Aly bei seinem Wunsch hatte, durch die geplante Streichung eines Lehrstuhls der katholischen Theologie ein volles Ordinariat zu erhalten[54].

IV

Es ist bekannt, daß sich auch etablierte Wissenschaftler an den "programmatischen" Diskussionen des Jahres 1933 beteiligt haben.[55] Mustert man aber das damalige Schrifttum in seiner Gesamtheit, dann kamen für die regelmäßige Mitarbeit an Kongressen und Sammelwerken im Stil der neuen Zeit in den ersten Jahren vor allem drei Autoren immer wieder in Betracht: Wolfgang Aly, Hans Bogner und Hans Oppermann.

Aly schrieb gerne über den Gesamtbereich des Altertums[56], Hans Bogner entdeckte den Wert der Griechen für den Nationalsozialismus, und Hans Oppermann machte sich für den Bildungswert des Lateinischen auch unter veränderten Bedingungen stark. Die Klassische Philologie Freiburg nimmt so aus der Rückschau in den Jahren seit 1933 eine Sonderstellung ein[57]: Sämtliche drei klassische Philologen Freiburg publizierten regelmäßig im Sinne einer "nationalsozialistischen" Altertumswissenschaft. Dies fällt besonders bei einem Gesamtüberblick über die "wissenschaftlichen" Publikationen dieses Stils im Dritten Reich auf. Neben den altgewordenen Schulmännern, die sich 1933 zu Wort melden, und den (im Vergleich zum jeweils gesamten Oeuvre) vereinzelten programmatischen Äußerungen anderer Gelehrter gibt es sonst nur wenige andere Vertreter der Altertumswissenschaft, die sich über die gesamte Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft so systemkonform geäußert haben. Innerhalb dieser Gruppe fällt Hans Oppermann aber noch einmal auf - weniger durch die Regelmäßigkeit seiner Beiträge auch im didaktischen Bereich, sondern durch die sich steigernde Radikalität seiner Äußerungen, bis hin zur Hetz-Broschüre über die Juden. Er wird so zum exemplarischen Vertreter einer von bildungsbürgerlicher Camouflage gänzlich freien "nationalsozialistischen" Altertumswissenschaft[58].

Oppermann war sich offenbar darüber im Klaren, daß sein Auftreten in Wort und Schrift von der Mehrzahl seiner Fachkollegen nicht nur in Freiburg in keiner Weise honoriert werden würde[59]; dies kann man schließen aus der Art, wie er als dienstälterer Freiburger Kollege ein Gefälligkeitsgutachten über den von ihm stillschweigend mißachteten Hans Bogner formuliert, der im Jahre 1940 zum ord. Professor befördert werden sollte. Oppermanns Rede von der "anderen Seite", die Bogner gewürdigt habe, spricht Bände über das, was er innerhalb der Freiburger Fakultät an Skepsis voraussetzte:

Eine solche Maßnahme entspricht sowohl der Bedeutung des Lehrstuhls als den Leistungen des Herrn Bogner, der in immer neuen Ansätzen seiner Wissenschaft neue Wege gezeigt und fruchtbare Anregungen gegeben hat. (...) Bogners Arbeit hat auch die äußere Anerkennung von anderer Seite nicht gefehlt, wie seine Berufung in das Reichsinstitut für Geschichte des neueren (sic) Deutschland zeigt[60].

Oppermanns Straßburger Zeit ist kaum faßbar, wie überhaupt die Geschichte der Geisteswissenschaften an der "Reichsuniversität" noch weiterer Nachforschung bedürfte[61]. Die im Vorlesungsverzeichnis angekündigten Lehrveranstaltungen sind vom Titel und vom Thema her überwiegend "fachlich"[62]. Oppermann scheint einer der wenigen Professoren der "Reichsuniversität gewesen zu sein, die bis zur Internierung durch die französischen Behörden geblieben sind - der Rektor der "Reichsuniversität" amtierte bereits im Januar 1945 von Tübingen aus[63].

V

Hans Oppermanns Beiträge zum "erzieherischen Wert" der Antike im Allgemeinen und der lateinischen Literatur im Besonderen sind seit 1933 in ihrer Argumentation absehbar. Der völkische Gedanke, seit den zwanziger Jahren für Oppermann vertraut, findet sich gleich im Jahre 1933 verschärft zum rassistischen Leitbild[64]. Der "Humanismus" ist vergangen, der Bildungswert der Antike muß neu begründet werden. Während andere "Programmatiker" die Beschäftigung mit dem Griechentum retten wollen, sucht Oppermann Argumente für den Fortbestand des lateinischen Unterrichts an Schulen und Universitäten. Den Wert des Lateinischen will er vor allem durch die vielfach beschworene Parallele der augusteischen Zeit zur "deutschen Gegenwart" retten[65]:

Das Rom um die Wende unserer Zeitrechnung ist bewußte Neuschöpfung, durch die der Römer noch einmal dem Chaos Einhalt gebietet und seinen Staat sichert. Daraus folgt, daß die Ähnlichkeit des geschichtlichen Momentes zwischen dem Rom des Augustus und unserer Lage am größten ist. Denn auch für uns handelt es sich um den bewußten Neubau des Staates, der den endgültigen Verfall des deutschen Volkes abwehren soll.

Die Vereinnahmung Vergils als Dichter für Augustus ist in den dreißiger Jahren noch kein Beweis für politische Anpassung an den Nationalsozialismus, findet sich aber in den Schriften Oppermanns mit besonderer Intensität. Daß Hitler als neuer Augustus aufscheint, versteht sich bei solcher Perspektive von selbst[66]:

So gibt es in der gesamten abendländischen Geschichte keine Zeit, die bei allen Unterschieden (..) uns so verwandt anspricht wie die, die ihre politischen Ausdruck im augusteischen Staat fand. Deshalb wird er auch im Zukunft im Mittelpunkt des Lateinunterrichtes stehen.[67]

Schwieriger war schon der Umgang mit Horaz, der aber auch schlecht aus dem Kanon gestrichen werden konnte[68]:

Mir will scheinen, daß gerade Horaz den Prüfstein dafür abgeben kann, ob ein Lateinunterricht die Zeichen der Zeit versteht und seine Pflicht erfüllt.

Oppermann hat sich vielfach bemüht, den "erzieherischen Wert des römischen Schrifttums" jenseits des überkommenen, von ihm für obsolet erklärten Gedankens der humanistischen Bildung zu formulieren:

Solche Apologetik ist seit langem die typische Haltung des gymnasialen Humanismus, hat der Sache des Altertums mehr geschadet als genützt. Es geht nicht um die Antike, es geht um Deutschland.[69].

Die zeitgemäße Rede vom "Politischen", von der "Totalität", vom neuen "Lebensgefühl" läßt keine aktuelle Redewendung aus. Die Übertragung der neuen Schlagworte auf die Arbeit an den Klassikern der römischen Literatur führte auf direktem Wege zu Peinlichkeiten und verquälten Formulierungen[70]:

Wie die Straßen der Römer, die den Lastwagen des Kaufmanns trugen und den Marschtritt der Legionen spürten, Nord und Süd, Ost und West des Reiches zur Einheit verbanden, so durchziehen die Straßen Adolf Hitlers unser Vaterland von Flensburg bis Innsbruck, von Köln bis Königsberg und Wien.

Solche Aktualisierungen sollten auch Argumente für den Fortbestand des lateinischen (und griechischen) Sprachunterricht liefern und den primitiveren Verächtern der gymnasialen Bildung innerhalb der Partei-Hierarchie den Wind aus den Segeln zu nehmen[71]:

Aber man muß unterscheiden. Äußerungen wie die von Dr. Goebbels im Völkischen Beobachter richten sich gegen einen abstrakten, wurzellosen und volksfremden Intellektualismus, nicht gegen ein Wissen, das dem Volke dient und das dem Volke unentbehrlich ist.

Schon im Jahre 1934 heißt es[72]:

Fast alle derartigen Äußerungen aus den Kreisen der Fachwissenschaft zeigen apologetischen Charakter. Die traditionell überkommene Stellung der Antike als Bildungsmacht wird hier wie eine Festung gegen Angriffe von den verschiedenen Seiten verteidigt. (...) So verständlich solch rechtfertigende Haltung gerade bei Fachvertretern ist, so glaube ich doch, das diese Position eines "Es geht um die Antike" im Ansatz verfehlt ist. Nein es geht um uns, um Deutschland.

Das mehr durch seinen Publikationsort als durch seine intellektuelle Bedeutung auffällige Pamphlet von Walter Eberhardt über "Die Antike und wir"[73] konnte in der Tat den Eindruck erwecken, daß die Latinistik noch mehr bedroht sei als die Gräzistik. Walter Eberhardt vertrat in seinem Beitrag die selbst im damaligen Schrifttum überraschend heftige Position einer Abwertung der römischen - weil "westlich-katholischen" - Überlieferung gegenüber der griechischen Tradition.[74] In einer Rezension dieses Beitrags versucht Oppermann denn auch, dieser beinahe "offiziellen" Stellungnahme die Schärfe zu nehmen, um den "Bildungswert" der lateinischen Tradition zu bewahren, denn:

Nach Rosenberg zeigt uns in Rom ein nordisch bestimmtes Volk die formale Staatszucht als Beispiel, wie eine menschlich bedrohte Gesamtheit sich gestlten und wehren muß, und nach einem Ausspruch des Führers ist römische Geschichte die beste Lehrmeisterin jeder Politik"[75].

Liest man Oppermanns Jahr um Jahr publizierte Texte auf dem Hintergrund der Tagespolitik, drängt sich der Eindruck auf, daß sich die Verschärfung der nationalsozialistischen Innenpolitik[76] und schließlich die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges in seinen Arbeiten widerspiegelten. Die Beobachtungen von Karen Schönwälder[77] zur aktuellen "Gleichzeitigkeit" bei Publikation aus dem Bereich der mittelalterlichen und neueren Geschichte lassen sich auch im Bereich des Altertums verifizieren. Es gehört dabei zu den Auffälligkeiten des altertumswissenschaftlichen Schrifttums der Zeit, daß sich ausdrückliche Bezüge zur antisemitischen Politik viel seltener finden als man vielleicht erwartet.[78]

Selbst Oppermann wagte den Schritt von vagen Hinweisen auf die "Rasse" zur deutlicheren Rede von "völkisch, geistig und kulturell völlig andersgearteten Stämmen Asiens" bis hin zur Benennung des eigentlichen Feindes erst in einem Beitrag des Jahres 1939 über die gymnasiale Bildung[79]:

... ob wir schließlich auf den großen Abwehrkampf schauen, in dem wir selber stehen, und bei dem es darum geht, von den Fluren Europas die Vernichtung durch den asiatischen Bolschewismus, die Zersetzung durch das asiatische Judentum abzuwehren - immer handelt es sich in diesem Ringen darum, Werte, die unsere Werte sind, zu verteidigen gegen die Bedrohung durch Mächte, die den Tod und den Untergang dieser Werte wollen.

Der Ausbruch des Krieges führte zum verstärkten Gebrauch des Begriffs von Europa in der nationalsozialistischen Propaganda.[80] "Europa" wurde so auch für ehrgeizige Altertumswissenschaftler zu einem aktuellen Thema. Einer sozusagen "altertumswissenschaftlichen" Rechtfertigung des gegenwärtigen Krieges um eine "Neuordnung" Europas diente Oppermanns Aufsatz aus dem Jahre 1941 über "Cäsars europäische Sendung"[81]. Der Anfang des Beitrages, mit relativ unverfänglichen Äußerungen über die Geschichte des Kaiser-Titels findet sich fast unverändert wieder in der Cäsar-Monographie des Jahres 1958[82]. Bei Pharsalos siegt Cäsar - selbst in der Fassung von 1958 - für Europa, wie Oppermann aus Cäsars Auflistung der östlichen Truppen des Pompeius schließt[83]. Mit Caesars Sieg beginnt eine neue Form der Herrschaft, "die von einem einzelnen kraft seiner Größe und Würde getragen wird"[84]. Was 1958 diskreterweise nicht mehr übernommen werden konnte, sind die "zeitgebundenen" Beobachtungen zur Überlegenheit der nordischen Stämme Europas, die Bildung der europäisch-abendländischen Kultur, und den Beginn der ewigen Auseinandersetzung zwischen Europa und Asien,[85]

die in unseren Tagen sich in neuer Form fortsetzt in dem Kriege, den Deutschland für Europa gegen die jüdisch beherrschten Plutokratien führt.

VI

Oppermann hat sich nicht nur zur Didaktik der Alten Sprachen am Gymnasium mehrfach zu Wort gemeldet[86]; darüber hinaus hat er sich zu einer neuen Hochschuldidaktik und zum Problem einer "neuen" Grundlegung der Wissenschaft vernehmen lassen.[87]

Überlegungen zu einer Neugestaltung des gemeinsamen Arbeitens an der Universität finden sich schon in den ersten Publikationen nach der Machtergreifung. Ein konkretes Beispiel der "neuen akademischen Gemeinschaftsarbeit" konnte Oppermann in der Historischen Zeitschrift plazieren, als Ergebnis einer "Arbeitsgemeinschaft der kulturwissenschaftlichen Fachschaft" der Universität Freiburg[88].

Das wissenschaftlich womöglich "neue" solcher Gemeinschaftsarbeit war offensichtlich schwer zu definieren[89]:

Wir sind uns der Schwierigkeit bewußt, über solche Gemeinschaftsarbeit in Berichtform Zeugnis abzulegen. Das Beste, was uns die Arbeit gab, läßt sich nicht wiederholen: die Lust gemeinschaftlichen Findens und Einanderweiterhelfens, das Gefühl der inneren Verbundenheit und gemeinsamen Strebens, das Ringen jedes mit jedem um Präzisierung und Vertiefung, (...) kurz, die Gemeinsamkeit der Kameradschaft (...)

Es sind die zu erwartenden Themen, die diese "kameradschaftliche", durch Hitler-Zitate legitimierte Arbeit bewegt haben: Wie kann die Dichtung das "geschichtliche Sein" in "großen" Zeiten erfassen ? Der Maßstab für "großes" geschichtliches Geschehen ist vorgegeben durch die "große" Gegenwart. Oppermanns eigener Beitrag ist die bemüht "völkische" Deutung von Vergils Georgica und der Aeneis; nur ein vereinzeltes Klingner-Zitat zeigt die Verbundenheit des Verfassers mit der Fachwissenschaft. "Höhere Mächte" lenken die Geschicke eines Volkes, zur Zeit des Augustus, und in der Gegenwart[90]:

Denn was sich im November 1918 im Lazarett zu Pasewalk abspielte und in "Mein Kampf" mit den schlichten Worten ausgesagt wird: "Ich aber entschloß mich, Politiker zu werden", - es ist nichts anderes als das Aufbrechen solchen Auftrages in der Brust des großen Menschen. Woher nähme auch ein Mensch die Kraft, solche Aufgaben zu erkennen, zu tragen und durchzuführen, wenn nicht von oben ?

Dieser ja immerhin von den Herausgebern der "Historischen Zeitschrift" akzeptierte Beitrag[91] ist nicht die letzte Veröffentlichung Oppermanns zum Thema einer "neuen" Form der wissenschaftlichen Arbeit. In der Zeitschrift "Deutschlands Erneuerung" publizierte Oppermann im Jahre 1942 den Beitrag über "Wissenschaftliche Gemeinschaftsarbeit", der in peinlicher Weise platonische Akademie und nationalsozialistisches Wissenschaftslager zusammenzwingt[92].

Das Dozentenlager, für die allermeisten Dozenten eine kaum erträgliche Zelt-Veranstaltung[93], wird in Oppermanns Beitrag zur "Akademie": Hier handelt es sich nicht um "Summierung einheitlich ausgerichteter Einzelforschungen, sondern um wissenschaftliche Arbeit einer echten Gemeinschaft"[94]. In der Antike findet er entfernt Vergleichbares bestenfalls bei den Römern, im Scipionenkreis und im entsprechend idealisierten Kreis der "Gemeinschaft" um Augustus. Doch der wahrhaftige Nachfolger der platonischen Akademie findet sich erst in der Gegenwart[95]:

Als besonders lebendiger und zukunftsweisender Versuch müssen hier ferner die Wissenschaftslager genannt werden, die der NS-Dozentenbund seit etwa zwei Jahren auf den verschiedensten Fachgebieten veranstaltet. In ihnen sind alle Voraussetzungen gegeben, die solche Gemeinschaftsarbeit erfordert. (...) Das gemeinsame Bekenntnis zur nationalsozialistischen Weltanschauung schafft von vorneherein das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Kameradschaft, ohne die solche Arbeit unmöglich ist. (...) Es ist das beglückende Bewußtsein, wie es etwa der Soldat an der Front kennt, der sich in der Schlacht in die Reihe derer eingegliedert weiß, die sich vorkämpfen.

VII

Der "Gnomon" scheint dem Rezensenten Oppermann nach 1933 verschlossen geblieben zu sein; dafür wurde es seit 1934 seine Aufgabe, in der Zeitschrift "Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugendbildung", später zeitgemäß umbenannt in "Neue Jahrbücher für Antike und deutsche Bildung", über Neuerscheinungen zu berichten. Diese jährlichen Literaturberichte werden in der Regel eingeleitet mit "engagierten", den wechselnden Zeitläuften angepaßten "Grundsatzerklärungen". Die "systematischen" Einleitungen stehen bisweilen quer zu den durchaus vernünftigen und um Offenheit des Urteils bemühten Rezensionen der einzelnen ausgewählten Werke. Wenigstens in diesen Literaturberichten verschweigt Oppermann nicht das Mißverhältnis zwischen programmatischen Ansprüchen und wissenschaftlichem Ertrag. Die Neuorientierung machte Schwierigkeiten[96]:

"anders als etwa die französische Revolution wurde die nationalsozialistische nicht auf geistigem Gebiete vorbereitet (...). Daß dieses Bemühen nicht durch eine schnelle Anpassung an die Forderungen des Tages erfüllt wird, daß es nur Erfolg verspricht, wenn es getragen ist von dem Streben nach Wahrheit, dem Kennzeichen echter Wissenschaft, braucht heute wohl nicht mehr ausdrücklich versichert zu werden. (...) Eine neue Wissenschaft wird erst entstehen können auf Grund einer zähen, langen Forschungsarbeit. Ihre Träger müssen zunächst einmal heranreifen. (...) "Angesichts dieser Lage wird der Berichterstatter nur in seltenen Fällen die Möglichkeit haben, von Verwirklichungen der erstrebten Wissenschaft Zeugnis abzulegen".

Welche Publikationen hat er in solchem Sinne verstanden ? Die ganz plakativen, auch eher seltenen Versuche aus der Feder von übereifrigen Schulmännern werden abgelehnt. "Neu" und "förderlich" sind dagegen Arbeiten, die vom "Einbruch" des Orients in die griechische Welt handeln - "Fragen, die auch uns angehen, und die nur in strenger wissenschaftlicher Arbeit beantwortet werden können"[97]. Die Freiburger Kollegen werden stets erwähnt: "Einen ausdrücklich politisch erzieherischen Zweck verfolgt W. Alys Titus Livius"[98]. Ist die Erwähnung Alys eher zurückhaltend, so wird H. Bogner zum bedeutenden Interpreten des Griechentums, der die Forschung der letzten Jahrzehnte auf ungeahnte Höhen führt: "erst der neue Anruf, der aus dem Politischen kommt (...) bringt die Entwicklung zum Abschluß." Bogner dringt "für jeden Deutschen, in dem das Erleben unserer Tage lebendig ist, fesselnden Weise liebevoll in das Innenleben der griechischen Frühzeit ein"[99].

Sieht man von solchem - übrigens keineswegs aufrichtigem[100] - Kollegenlob einmal ab, so sind offensichtliche Fehlurteile nicht zu finden. Bedeutende Konkurrenten Oppermanns bleiben verschont; der Schweizer Ernst Howald etwa ließ sich leichter treffen. Dieser "Vertreter eines liberalen Humanismus" begegnet den "Anschauungen der Rassenforschung mit tiefem Mißtrauen" - "Daß bei solcher Betrachtung Griechen und Römer auf die Fragen unserer Zeit antworten, wird kein Einsichtiger erwarten"[101]. Der Krieg bringt die zu erwartende Verschärfung des Tones: Neuerscheinungen der Altertumswissenschaft müssen jetzt auch im "europäischen Raum" Bestand haben, auch sie müssen diesen Raum "geistig durchdringen und das neue Bild des Menschen, der das neue Europa tragen, prägen und leben"[102].

Oppermann wurde sich wohl zusehends der Schwierigkeiten bewußt, über die immer wiederholte "Deutung" der augusteischen Zeit als Parallele zur Gegenwart hinaus eine nationalsozialistische "Gesamtdarstellung" z. B. der römischen Literatur zu schreiben[103]:

Aus unserem Erleben heraus eine solche Gesamtdarstellung zu schaffen, dazu fehlen weithin noch die Vorarbeiten, es sei denn, daß jemand den Mut fände, den Speer in Unbekannte vorauszuschleudern und auf die Gefahr notwendiger späterer Korrekturen hin ein großes konstruktives Bild einer solchen Entwicklung zu entwerfen.

Der geforderte neue Stil der altertumswissenschaftlichen Forschung[104] ließ auf sich warten: Das "verhängnisvolle Erbe des Neuhumanismus" wollte einfach nicht weichen. Die Besprechung des von Grassi und Reinhardt herausgebenen Jahrbuchs "Geistige Überlieferung", moderat im Ton, ist dennoch eindeutig[105]; die Überbewertung des Griechentum zulasten der römischen Tradition wird von Oppermann wiederum kritisiert: Das Römertum ist deshalb besonders wichtig, weil "unser künftiges Verhältnis zur Antike (...) wesentlich vom Staatlichen her mitbestimmt" werde. Maßstab ist auch hier die spezifische Auffassung von (nationalsozialistischer) Politik, "die wir uns bewundernd und beglückt aus eigenem Erleben bilden durften"[106].

Die Besprechung des Sammelwerks "Das neue Bild der Antike" zitiert zwar wohlwollend die einschlägigen programmatischen Sätze Helmut Berves im Vorwort, doch steht Oppermann auf der Seite derer, die ein "neues Bild" vermissen[107]. Die Werte, gegen die Oppermann ankämpft, werden in einer Würdigung von Drexlers Kampfschrift gegen den "Dritten Humanismus" genannt[108]: die "Menschheitsideale und der Entwicklungsgedanke der Aufklärung und die Demokratie" - Elemente der "vornationalsozialistischen Geistigkeit"[109].

Was etwa im Jahre 1942 als Beispiel "neuer" geschichtlicher Sinndeutung genannt werden kann, ist nicht gerade von erdrückendem Gewicht: Ein gelehrter Akademie-Beitrag L. Deubners über den indogermanischen Ursprung des männlichen Klagerufs der "Alalage" (im Unterschied zur mittelmeerisch-weiblichen "ololgye")[110] und Altheims Forschungen zur Europäisierung orientalischer religiöser Vorstellungen am Beispiel des Heliodor.[111]

Parallel zum letzten Literaturbericht in den "Neuen Jahrbüchern" entstand der deutlicher formulierte und ausführlichere Beitrag "Zur Lage der griechisch-römischen Altertumswissenschaft"[112]. In dem von Berve herausgebenen Sammelwerk findet er nun doch "das Ideengut der Bewegung": "in diesem Sinne kann das vorliegende Werk als Zeugnis dafür gewertet werden, daß die Altertumswissenschaft in ihrer Gesamtheit den Einfluß des Nationalsozialismus erfahren hat."[113]575). Stärker als in der Besprechung für die Lehrerzeitschrift wird die "rassekundliche Erforschung von Hellas und Rom" thematisiert, als deren Archegeten hier Schachermeyr, Miltner, Wilhelm Weber und Altheim genannt werden. "Deutschland steht vor der Aufgabe der Neuordnung Europas": "so wächst unser Volk gegenwärtig in Aufgaben hinein, die letztlich von Griechen und Römern herkommen".[114] Das Ergebnis solcher "neuen" Erforschung des römischen Altertums ist bereits absehbar: "daß die altrömische Welt Schöpfung eines mit den Germanen nächstverwandten Rassekerns ist, der neben dem Nordischen deutlich fälischen Einschlag zeigt".[115]

VIII

Was Oppermanns Publikationen der Kriegsjahre von den Veröffentlichungen anderer Gelehrter im Bereich der Altertumswissenschaft, die durchaus dem Zeitgeist huldigten, immer noch unterscheidet, ist die Bereitschaft, als "Fachwissenschaftler" das Vokabular der offiziellen Judenhetze unverkürzt zu übernehmen.

Es verstand sich nicht von selbst, einen veritablen Lehrstuhlinhaber eines altertumswissenschaftlichen Faches zu einer offen antisemitischen Publikation zu bewegen; als die Bayreuther Lehrerzeitschrift "Der deutsche Erzieher" im Rahmen der Propagandadirektiven Beiträge zur sog. "Judenfrage" veröffentlichen sollte, fand sich offenbar kein anderer Autor als der unsägliche Johann von Leers für den "antiken" Beitrag.[116]

Oppermann, Mitglied der "Reichslehrgemeinschaft Rosenberg"[117], wurde von Parteistellen als einer der wenigen nationalsozialistischen Altertumswissenschaftler bezeichnet, und so war es kein Zufall, daß man sich bei der Suche nach einem Autor für ein Pamphlet über das antike Judentum an ihn gewandt hat[118]. Im Jahre 1943 erschien, "Nur für den Dienstgebrauch !", das Heft 22 der "Schriftenreihe zur weltanschaulichen Schulungsarbeit der NSDAP" mit dem von einer Rune hinterlegten Titel "Der Jude im griechisch-römischen Altertum"[119].

Die Aktualität der "Rassenfrage" hatte er sich schon früh zu eigen gemacht. Das Interesse an "Fragen der rassischen Grundlagen der griechischen und römischen Kultur" ist "geboren aus dem unmittelbaren Erleben der Gegenwart".[120] Oppermann ging aber mit seiner Bereitschaft, an Rosenbergs "Schriftenreihe" mitzuarbeiten, einen Schritt weiter als alle anderen von ihm gerühmten Forscher, die sich ebenfalls der "ungeheuren Werbekraft des nationalsozialistischen Ideengutes" nicht entzogen hatten. Sollte er überhaupt gezögert habe, so könnte man eine Erklärung für seine Bereitschaft in seinen eigenen Bemerkungen über die Einbindung der echten Wissenschaft in die "volkliche" und staatliche Sphäre finden. Oppermann schreibt im Jahre 1942 von "neuen und echte Sinn für Größe"[121]:

Mit Zielsetzungen der Altertumswissenschaft, wie sie hier umrissen wurden, hat die Ideologie des Humanismus, aus der die Beschäftigung mit Griechen und Römern mehr als ein Jahrhundert Sinn und Berechtigung herleitete, ein Ende gefunden."

"Inhaltlich" bietet Oppermann in diesem "Schulungsheft" an keiner Stelle etwas, das über die entsprechenden Beiträge der "Forschungen zur Judenfrage" hinausgeht: In diesen Bänden ist der einzige Altertumswissenschaftler ausgerechnet Oppermanns Freiburger und Straßburger Kollege Hans Bogner[122].

Buchstäblich jedes antisemitische Klischee wird erwartungsgemäß bedient:[123] die "geschickte" Anpassung an die Umwelt zum Zwecke des Lebens in fremder Umgebung, das Fehlen eines "bodengebundenen Heimatgefühls", die vermeintliche Mission der Juden, das "wirtschaftliche Denken". Das Diasporajudentum entwickelt eine ganze Reihe von Eigenschaften, die der "Anpassung an die Wirtsvölker dienen". Die "typisch jüdische Existenzform des Juden" in der griechischen und römischen Umwelt ist die des "Parasiten"[124]:

Der Haß des Juden gegen den Römer ist der angeborene Haß des Parasiten gegen die staatliche Ordnungsmacht, der Haß einer asozialen Rasse gegen die mächtige Ordnung, die der römische Staat verkörpert, erwachsen aus dem sicheren Gefühl, daß der Jude nur da, wo der Staat schwach ist, sein Leben voll entfalten kann.

Überblickt man Oppermanns wissenschaftliche Produktion von 1933 bis 1945, so unterscheidet sie sich immer noch von allen "engagierten" Beiträgen anderer Autoren durch die spürbare Anpassung an die offizielle Propaganda. Manch anderer versuchte, die Wissenschaft vom Altertum dem nationalsozialistischen "Geist" verfügbar zu machen; Oppermann ist aber der einzige, der auch als "Wissenschaftler" die Sprache der Täter benutzt hat.

IX

Wie ging es weiter ? Der stellvertretende Direktor des Hamburger Johanneum findet bei einer Abschiedsfeier für den scheidenden Oberstudiendirektor Oppermann im März 1961 diese Worte[125]:

Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches am Ende des Zweiten Weltkrieges traf ihn besonders hart. Nicht nur daß er sein persönliches Eigentum - vor allem die geliebte Bibliothek - einbüßte, die Rückgabe Elsaß-Lothringens bedeutete für ihn den Verlust des Lehrstuhls in einer Zeit, in der auch eine Reihe ostdeutscher Universitäten für uns verlorenging.

1945 aus der Zivilinternierung in Frankreich entlassen, lebte Prof. Oppermann zunächst als Privatgelehrter in Wolfenbüttel, wo er an der historisch-kritischen Raabe-Ausgabe mitarbeitete, und kam 1949 nach Hamburg. Hier wurde er nach 5jähriger Tätigkeit am Christianeum zum Leiter der Gelehrtenschule des Johanneums ernannt. Seit 1958 ist Prof. Oppermann emeritierter Universitätsprofessor.

Diese Karriere im Schuldienst, an einem der bedeutendsten humanistischen Gymnasien Deutschlands, läßt sich mit der Nachkriegskarriere anderer Nationalsozialisten vergleichen; als solche ist sie nicht weiter auffällig. Oppermann muß genau gewußt haben, daß ihm eine weitere Universitätskarriere verschlossen sein würde.[126]

Die offenbar erste Veröffentlichung nach 1945 ist ein Nachwort zu Wilhelm Raabes "Kanzlei"[127]. Das Werk des Braunschweiger Dichters bildet erst seit dem Ende des Krieges einen unübersehbaren neuen Interessenschwerpunkt, der überraschender Weise an keiner einzigen Stelle seiner bisherigen Veröffentlichungen erkennbar gewesen wäre: Er war vor 1945 nicht einmal Mitglied der Wilhelm-Raabe-Gesellschaft[128].

Oppermann hat neben dem Schuldienst weiterhin wissenschaftlich publiziert und insbesondere durch seine Arbeit als Herausgeber von Bänden aus der Reihe "Wege der Forschung" bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft eine beachtliche Präsenz gehabt[129]. Die Mitarbeit bei der im Jahre 1949 gegründeten Wissenschaftlichen Buchgesellschaft dürfte ihm in mehr als einem Sinne sympathisch gewesen sein: Ein Straßburger Kollege, dem, wie Oppermann selbst, eine Rückkehr an eine deutsche Universität verwehrt war, hat die Wissenschaftliche Buchgesellschaft gegründet - der Neuhistoriker Ernst Anrich.[130]

Die altertumwissenschaftlichen Nachkriegspublikationen beginnen im Jahre 1949 mit einer Interpretation des Horaz,[131] einer Empfehlung Caesars für die Schule,[132] und einer Würdigung Mommsens, der in den Publikationen vor 1945 doch kaum einer Erwähnung wert gewesen war[133]. Das "Alte" bleibt in irritierender Weise erhalten. Auf den bezeichnenden Entschluß, seinen Vergil-Beitrag des Jahres 1938 aus der Reihe "Auf dem Wege zum nationalpolitischen Gymnasium" unverändert in den Vergil-Sammelband des Jahres 1963 aufzunehmen, hat schon Richard Faber hingewiesen[134].

Dies ist aber kein Einzelbeispiel. Die Caesar-Monographie des Jahres 1958 ist in weiten Teilen eine Wiederholung von Beiträgen aus der Zeit vor 1945 - nur an den ganz "eindeutigen" Stellen wird deutlich, daß der Verfasser allzu "radikale" Stellen dem Stil der fünfziger Jahre angepaßt hat: Er wußte sehr genau, wo er zu kürzen hatte.[135]

Der Wissenschaftler und der Schulmann gleichermaßen war bei der Herausgabe des "Wege der Forschung"-Bandes über den Humanismus gefragt. Daß ausgerechnet Oppermann, der den traditionellen Humanismus, einschließlich seiner Ausprägung bei Werner Jaeger, in den dreißiger Jahren für obsolet erklärt hatte,[136] diesen Band herausgeben durfte, ist geradezu skurril, erklärt sich aber durch die Beziehung zu Ernst Anrich. Wenn irgendwo, dann wäre in der Einleitung zu diesem Band eine selbstkritische, sozusagen "wissenschaftsgeschichtliche" Bemerkung über die (wenn man sie so nennen will:) nationalsozialistische Humanismus-Debatte der Jahre 1933 - 1945 zu erwarten gewesen. Die Würdigung von Heinrich Weinstock[137] im Vorwort und die Aufnahme eines Abschnitts aus dem Humanismus-Buch Horst Rüdigers[138] machen natürlich deutlich, wie sehr gut sich Oppermann der Debatten seit 1933 erinnern konnte. Die zwei eigenen Beiträge aus den Jahren 1956 und 1957, die in den Sammelband aufgenommen worden sind, zeigen die Wandlungsfähigkeit des Verfassers im Laufe der Jahre, aber zugleich die Konstanz seines Denkens.

Der Vortrag des Jahres 1957 vor der Klassisch-Philologischen Gesellschaft in Hamburg mit dem Titel "Der Europäische Humanismus und Deutschland" ist in weiten Teilen eine Neubearbeitung früherer - Straßburger - Ansichten über die besondere Griechennähe der Deutschen, und die Rom-Nähe der übrigen europäischen Völker aufgrund der Geschichte des Imperium Romanum.[139]

Der Bildungswert des Lateinischen wurde den Zeitläuften angepaßt. Vor 1945 war das Lateinische nützlich für die Gewinnung eines deutschen Selbstverständnisses bei der nationalsozialistischen Neuordnung "Europas"[140]. Oppermann hatte mithelfen wollen, "daß die Wikingerschiffe des deutschen Geistes in den Buchten des Mittelmeers Anker werfen und doch bewahrt bleiben vor dem Gotenende am Vesuv"[141]; in den fünfziger Jahren gab es ein neues Programm: Jetzt gewann das Latein an Wert durch den "allgemein europäischen Charakter" der "Bildungsgüter, die der römischen Kultur und dem lateinischen Erbe innewohnen".[142]

Sein späteres Selbstverständnis ist durch die Nachkriegslaufbahn als Leiter eines bedeutenden humanistischen Gymnasiums bestimmt worden: Hans Oppermann sah sich am Ende seiner aktiven Laufbahn als Erzieher der Jugend zu den Bildungs- und Menschheitsidealen, die in die Zeit vor 1933 und nach 1945 gehörten.[143] Die gewiß unstrittigen Verdienste Oppermanns als Leiter des Johanneums gehen aus den Würdigungen zum Ende seiner Dienstzeit hervor und können hier nicht thematisiert werden[144]. Wenn er, bis 1945 im Kreis der "Reichslehrgemeinschaft Rosenberg" der selbsternannte Ideologe einer nationalsozialistischen Altertumswissenschaft, in der Nachkriegszeit dann ein ausgezeichneter Gymnasialdirektor geworden ist, so berührt dies die Fragestellung dieses Beitrags nur mittelbar; aber beunruhigend ist es schon.


Anmerkungen

  1. Vgl. (im allgemeinen) Dietrich Bonhoeffer, Nach zehn Jahren. Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943. In: D.B., Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Berlin 1951, S. 9 - 31; Wolfgang Jaeger, Der Nationalsozialismus in Deutschland als welthistorische Krise, in: Heidelberger Jahrbücher 27, 1983, S. 117 - 124.
    [Zurück zum Text]

  2. Vgl. Bernd Martin, Die Entlassung der jüdischen Lehrkräfte an der Freiburger Universität und die Bemühungen um ihre Wiedereingliederung nach 1945, in: Freiburger Universitätsblätter 34, Heft 129, 1995, S.7-30.
    [Zurück zum Text]

  3. Vgl. z. B. die Laufbahn Hermann Strasburgers; s. dazu Walter Schmitthenner, in: Hermann Strasburger, Studien zur Alten Geschichte Bd. I, Hildesheim & New York 1982, S. XXVI - XXVII.
    [Zurück zum Text]

  4. Exemplarisch ist gewiß Bruno Snells Miszelle über das "I-Ah des goldenen Esels" (Hermes 70, 1935, S. 355 - 356). S. auch zwei Beiträge von Theo Herrle: Gegenwartsfragen des altsprachlichen Unterrichts, in: Die Erziehung 12, 1937, S. 474 - 479 sowie: Das Altertum im Widerschein der Gegenwart, in: Geistige Arbeit 1942, Heft 15, S. 3 - 4. Zur Person von Theo Herrle s. Alfred Heuss, Gesammelte Schriften in 3 Bänden. Bd. I, Stuttgart 1995, S. 732 - 734.
    [Zurück zum Text]

  5. Vgl. Diemuth Königs, Joseph Vogt: Ein Althistoriker in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, Basel & Frankfurt, 1995, und dazu K. Christ, Historia 44, 1995, S. 504 - 507 sowie die wenig wohlwollende Rezension von J. Deininger, Gymnasium 104, 1997, S. 345-348. S. auch die Debatte über K.D.Erdmann: Martin Kröger & Roland Thimme, Die Geschichtsbilder des Historikers Karl Dietrich Erdmann. Vom Dritten Reich zur Bundesrepublik, München 1996, sowie die Beiträge von W. Schulze, E. Jäckel und A. Blänsdorf in: GWU 48, 1997, S. 220-240.
    [Zurück zum Text]

  6. Grundsätzlich war das immer bekannt; vgl. die Bemerkungen unmittelbar nach dem Krieg von Theo Herrle, Nationalsozialismus und Altertumswisenschaft, in: Der Aufbau 2, Heft 7, 1947, S. 29 - 32.
    [Zurück zum Text]

  7. Vgl. den Deskriptor "Zeit des Nationalsozialismus" in der "Gnomon Bibliographischen Datenbank", München 1997.
    [Zurück zum Text]

  8. Die Akten zur Besetzung des griechischen Lehrstuhls gehören zum Bestand des Staatsarchivs Freiburg; die entsprechenden Akten für den lateinischen Lehrstuhls sind offenbar verloren.
    [Zurück zum Text]

  9. S. dazu unten Anm. 119.
    [Zurück zum Text]

  10. Dies geht aus einem im Berlin Document Center (BDC) erhaltenen Schreiben vom 7. März 1938 eines Referenten an den Minister Rust hervor (Akte Oppermann). An zweiter Stelle war Rudolf Till vorgeschlagen. Das Bayerische Kultusministerium hatte Oppermann an erster Stelle vorgeschlagen; die Berufung scheiterte an der erst vor kurzen erfolgten "Berufung" (s. Anm. 50) nach Freiburg.
    [Zurück zum Text]

  11. Diese Neugründung sollte nach dem "Endsieg" Freiburg ersetzen. Vgl. dazu Dieter Speck, "Grenzlanduniversität" im Nationalsozialismus, in: Freiburger Universitätsblätter Heft 122, 1993, S. 149-164, hier S. 161 (der Reichsgau Baden-Elsaß mit Straßburg als Mittelpunkt). S. auch L. Kettenacker, Nationalsozialistische Volkstumspolitik im Elsaß, Stuttgart 1973, S. 184 - 194, über die Gründung der Universität, bei der Ernst Anrich (s. Anm. 130) eine führende Rolle spielte.
    [Zurück zum Text]

  12. Zur Wissenschaftlichen Buchgesellschaft s. unten Anm. 130; die WdF-Bände: Anm. 129.
    [Zurück zum Text]

  13. Er ist damit ein Generationsgenosse nicht nur seines Freiburger Kollegen Hans Bogner (geb. 1895), sondern auch (z. B.) von Helmuth Berve (geb. 1896), Richard Harder (geb. 1896), Friedrich Klingner (geb. 1894), Bruno Snell (geb. 1896), Fritz Taeger (geb. 1894), Joseph Vogt (geb. 1895).
    [Zurück zum Text]

  14. Vgl. die Studie zur Herkunft der deutschen Historiker von W. Weber, Priester der Klio, Frankfurt/Bern/New York 1984.
    [Zurück zum Text]

  15. In Berlin studierte er im Sommersemester 1914 und Wintersemester 1914/1915.
    [Zurück zum Text]

  16. Zwei Denkmäler. Eindrücke eines Soldaten in Frankreich, in: Monatsschrift für das deutsche Geistesleben 1941, S. 37 - 44.
    [Zurück zum Text]

  17. Biographisches Jahrbuch 202 B, 1924, S. 37 - 61; die Kurzfassung im Braunschweiger Magazin von 1924, S. 33 - 38.
    [Zurück zum Text]

  18. Zeus Panamaros, erschienen 1924 in der Reihe Religionsgeschichtliche Versuche und Vorarbeiten, XIX. Band, 3. Heft. Die Arbeit ist dem Andenken August Brinkmanns gewidmet. Eine günstige Besprechung, aus der Sicht der Religionsgeschichte, verfaßte Fr. Schwenn, in: Gnomon 5, 1929, S. 446 - 452.
    [Zurück zum Text]

  19. Im Greifswalder Vorlesungsverzeichnis bietet er bis 1928 jeweils ca. 15 Wochenstunden an.
    [Zurück zum Text]

  20. Nur die biographischen Studien sind als Monographie veröffentlicht worden: Plotins Leben. Untersuchungen zur Biographie Plotins (Orient und Antike. 7.), Heidelberg, 1929. (60 S.). Zum Rest der Arbeit s. die Aufsätze über "Plotin-Handschriften", in: Rheinisches Museum 75, 1926, S.215-222; 77, 1928, S.417 - 431.
    [Zurück zum Text]

  21. Das geht aus dem Vorwort des Plotin-Buches hervor. Das Thema dürfte den sonstigen Interessen Kolbes ferngelegen haben.
    [Zurück zum Text]

  22. Gnomon 2, 1926, S.688: "In Greifswald habilitierte sich Dr. phil. Hans Oppermann für klassische Altertumswissenschaft". In diesem Jahre habilitierten sich für klassische Philologie noch Franz Beckmann, Hans Drexler, Friedrich Schwenn, Bruno Snell sowie W. Graf Uxküll-Gyllenband.
    [Zurück zum Text]

  23. Seine erste Greifswalder Vorlesung im Wintersemester 1927/1928 handelt von der "Entstehung der griechischen Philosophie aus dem Geist der Naturwissenschaften".
    [Zurück zum Text]

  24. Hermes 60, 1925, S. 14-32.
    [Zurück zum Text]

  25. Aristoteles, Athenaion Politeia. Post Fr. Blass et Th. Thalheim edidit Hans Oppermann, Leipzig 1928; vgl. die Rezension von Karl Hude, in: Gnomon 4, 1928, S. 457. Die Betreuung dieser Ausgabe hat Oppermann zu keiner Veröffentlichung über die athenische Demokratie angeregt, und erst im Jahre 1943 hält er in Straßburg eine Lehrveranstaltung darüber ab (Anm. 62).
    [Zurück zum Text]

  26. Das römische Trier, in: Die Westmark 2, 1922, S.778-788.
    [Zurück zum Text]

  27. Preussische Jahrbücher 189, 1922, S. 188 - 198. Eine Durchsicht ergibt, daß in den Preussischen Jahrbüchern damals Nachrufe nur sehr selten veröffentlicht worden sind; der Nachruf erscheint unter der Rubrik "Aufsätze".
    [Zurück zum Text]

  28. S. 197.
    [Zurück zum Text]

  29. Vgl. Ulrich Herbert, "Generation der Sachlichkeit". Die völkische Studentenbewegung der frühen zwanziger Jahre, in: U.H., Arbeit, Volkstum, Weltanschauung. Über Fremde und Deutsche im 20. Jahrhundert, Frankfurt 1995, S.31-59.
    [Zurück zum Text]

  30. Im Sommersemester 1929 hält er erstmals den 4stündigen lateinischen Fortbildungskurs für Juristen. Die erste Vorlesung entspricht dem bisherigen griechischen Schwerpunkt: "Die Literaturwissenschaft der Griechen".
    [Zurück zum Text]

  31. Das Blatt der "Einladung zur Öffentlichen Vorlesung" (12. Januar 1929) ist als Titel im Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums erfaßt. Vgl. bes. "Das römische Schicksal und die Zeit des Augustus", in: Historische Zeitschrift 164, 1941, S.1-20 (ursprünglich ein Vortrag auf dem "Wissenschaftslager" in Würzburg im Januar 1941 - vgl. V. Losemann, Nationalsozialismus und Antike, Hamburg 1977, S. 98).
    [Zurück zum Text]

  32. Gnomon 8, 1932, S.560: "Der Privatdozent für klassische Philologie an der Universität Heidelberg Hans Oppermann wurde zum außerord. Professor ernannt".
    [Zurück zum Text]

  33. Zu nennen sind z. B. H. Diller (habilitiert 1932), Erich Burck (1931), K. Deichgräber (1931), Georg Rohde (1931), H. Dahlmann (1930), U. Knoche (1930) Friedrich Solmsen (1930), Erwin Wolff (1930).
    [Zurück zum Text]

  34. Vgl. etwa B. Martin, Universität im Umbruch: Das Rektorat Heidegger 1933/34, in: Die Freiburger Universität in der Zeit des Nationalsozialismus, Freiburg & Würzburg 1991, S. 9 - 24.
    [Zurück zum Text]

  35. Schadewaldt war Heidegger und der Gegenwart damals sehr verbunden; in der Freiburger Vorlesungsreihe "Aufgaben des geistigen Lebens im nationalsozialistischen Staat" sprach er am 7. Dezember 1933 über "Staatliche Erziehung".
    [Zurück zum Text]

  36. Wolfgang Aly, geb. 1881, prom. 1906, habilitiert 1908. Er war Parteimitglied schon seit Oktober 1931 und galt 1933 als jemand, der den Ehrgeiz hatte, Rektor anstelle Heideggers werden zu wollen (vgl. das Tagebuch des ehemaligen Freiburg Rektors und katholischen Theologen Joseph Sauer zum 14. April 1933: "Was Schadewaldt vermieden sehen wollte, ist etwa die Wahl (...) Alys" - maschinenschr. Abschrift des Tagebuchs im Universitätsarchiv Freiburg).
    [Zurück zum Text]

  37. Vgl. Gnomon 10, 1934, S.224.
    [Zurück zum Text]

  38. Bericht der Fakultät vom 8. Juni 1934 (Staatsarchiv Freiburg).
    [Zurück zum Text]

  39. Vgl. B. Martin (wie Anm. 2), S. 22; s. auch G. Williams, in: Proc. British Academy 56, 1970, S. 420f.
    [Zurück zum Text]

  40. Zur Person vgl. Peter Assion, Eugen Fehrle (1880-1957), in: Badische Biographien. Neue Folge. Band I. Stuttgart 1982, S.112-114. Oppermann und Fehrle, Mitglied des Heidelberger Seminars für Klassische Philologie, dürften sich persönlich gut gekannt haben.
    [Zurück zum Text]

  41. Gnomon 10, 1934, S. 288: "Der außerord. Professor für klassische Philologie an der Universität Heidelberg Dr. Hans Oppermann ist beauftragt worden, an der Universität Freiburg i.Br. für das Sommersemester eine Professur der klassischen Philologie vertretungsweise wahrzunehmen."
    [Zurück zum Text]

  42. Vgl. Gnomon 17, 1941, S. 144. Zu Oppermanns Chancen, Freiburg bereits im Jahre 1937 durch eine Berufung nach München zu verlassen, s. oben Anm. 10.
    [Zurück zum Text]

  43. Der letzte Beitrag aus dem Bereich der Gräzistik ist "Epikurs Erkenntnistheorie, in: Gymnasium 41, 1930, S.193-200. Die "neue Zeit" ist dann ganz präsent in "Drei Briefe Caesar", in: Gymnasium 44, 1933, S. 129-142.
    [Zurück zum Text]

  44. Ein eher skurriles Beispiel: Max Schlossarek, Eine griechische Unterrichtsstunde als Stunde der Erinnerung an den Versailler Vertrag, in: Monatsschrift für Höhere Schulen 32, 1933, S. 325 - 327. Walter Eberhardt (Anm. 74) war Studiendirektor in Dresden.
    [Zurück zum Text]

  45. Am 24. September 1934 teilt er der Freiburger Universitätsverwaltung mit, daß er nicht Mitglied der NSDAP, sondern der SA sei. Parteimitglied wurde er erst im Jahre 1937 (Anm. 52).
    [Zurück zum Text]

  46. Universitätsarchiv Freiburg.
    [Zurück zum Text]

  47. Staatsarchiv Freiburg (Akten der philosophische Fakultät, Lehrstühle).
    [Zurück zum Text]

  48. Walter Frank setzte sich beim Badischen Ministerium für Unterricht und Kultus persönlich für Bogner ein (Brief vom 3. Februar 1935; Staatsarchiv Freiburg). Bogner wurde erst 1937 Parteimitglied (Personalakte im BDC), leistete aber seit 1930 "Beiträge zur geistigen Vorbereitung der deutschen Revolution" (Vermerk auf seiner Karteikarte im BDC). Er galt später im Amt Rosenberg nicht als "Nationalsozialist", sondern als "Konservativer" (Anm. 118). Die im Fakultätsbericht von 1945 (Anm. 46) erwähnte Einflußnahme Schadewaldts ist in den mir bekannten Akten nicht faßbar; die wenigen erhaltenen Briefe Bogners im Nachlaß Schadewaldt (Bayerische Staatsbibliothek) lassen aber erkennen, daß sich Bogner und Schadewaldt recht gut gekannt haben dürften. Eine Publikation über Hans Bogners Berufung nach Freiburg ist in Vorbereitung.
    [Zurück zum Text]

  49. Oppermann wurde zum 1. Oktober 1935 persönlicher Ordinarius. Der Erhalt des Fränkelschen Lehrstuhls war in dieser Zeit angefochtener als der Lehrstuhl Schadewaldts, obwohl es auch hier Bemühungen gab, den gräzistischen Lehrstuhl in ein Ordinariat für Ur- und Frühgeschichte in Heidelberg umzuwandeln. Der Lehrstuhl Eduard Fränkels wurde schließlich umgewandelt in einen Lehrstuhl für Volkskunde in Heidelberg. Eugen Fehrle (s. Anm. 40) verfolgte hier ganz eigene Interessen.
    [Zurück zum Text]

  50. Im Zusammenhang der Auseinandersetzung um die Berufung Hans Bogners schrieb der zuständige Referent aus Berlin am 8. August 1935: "Ich ersuche die Philosophische Fakultät der Univ. Freiburg zu veranlassen, sich umgehend auch noch über den Dozenten der Altphilologie an der Universität München Dr. Hans Bogner zu äußern. Es handelt sich um den Lehrstuhl, den vorher Professor Schadewaldt innehatte. Für den anderen freien Lehrstuhl für klassische Philologie ist Professor Oppermann vorgesehen." (Staatsarchiv Freiburg). Vielleicht hat Aly mitgeholfen - in einem undatierten Lebenslauf, der sich in seiner BDC-Akte erhalten hat, schreibt er: "seit 33 habe ich im Mittelpunkt des Kampfes um die Universität Freiburg gestanden und besonders in Berufungsfragen eine nicht ganz erfolglose Arbeit entfaltet".
    [Zurück zum Text]

  51. Eintrag im Tagebuch von Joseph Sauer zum 1. April 1935 (s. oben Anm. 36). Im Januar 1936 verfaßte die Dozentenschaft ein Gutachten mit dem Tenor, daß Oppermann "jede Förderung verdient" (Universitätsarchiv Freiburg).
    [Zurück zum Text]

  52. Antrag im BDC. Der Antrag könnte mit der erwarteten Berufung nach München (Anm. 10) in Zusammenhang stehen. Im Jahre 1938 beteiligte sich Oppermann an der Vorbereitung der Ausstellung über "Europas Schicksalskampf im Osten" auf dem Reichsparteitag (Personalakte Universitätsarchiv Freiburg).
    [Zurück zum Text]

  53. "Programmatisch" sind die gemeinsamen Veranstaltungen mit Aly und Bogner: Hellas, Rom, Deutschland - gemeinsame Besprechung von Neuerscheinungen (WS 1938/1939), Richard Wagner und die griechische Tragödie (Sommersemester 1939 und Wintersemester 1939/1940).
    [Zurück zum Text]

  54. Tagebuch von Joseph Sauer (wie Anm. 36), zum 29. April 1939.
    [Zurück zum Text]

  55. Vgl. V. Losemann, Programme deutsche Althistoriker in der "Machtergreifungsphase", in: Quaderni di Storia 6, 1980, S. 35 - 105.
    [Zurück zum Text]

  56. Aly entwickelte erheblichen Ehrgeiz; bei den Akten Alys im Universitätsarchiv Freiburg befindet sich z. B. ein mehrseitiger Entwurf für die Gründung eines "Instituts für Altertumskunde" (Entwurf vom 29. Mai 1935). Noch im Jahre 1943 antichambriert er im Amt Rosenberg (Akten-Notiz von Erxleben vom 27. April 1943, IfZ München): "er glaube, daß es an der Zeit sei, die wieder auflebenden humanistischen Tendenzen im Reich zurückzuweisen. (...). Er habe in Freiburg bereits einmal eine Habilitation, die auf humanistischer Grundlage durchgeführt werden sollte, verhindert und stehe in guten Beziehungen im besonderen zu Professor Drechsler (sic), aber auch zu Professor Bogner und Professor Oppermann".
    [Zurück zum Text]

  57. Dies wird leicht - und ja fast verständlicherweise - übersehen; s. andererseits die Ausführungen eines ungenannten studentischen Verfassers über Oppermann und Bogner in: Caesar, Sparta, Blut und Boden. Altphilologie im III. Reich, in: Der Weg der Freiburger Uni ins 3. Reich. Antifestschrift zur 525-Jahr-Feier der Universität Freiburg. Hrsg. vom Unabhängigen Allgemeinen Studentenausschuß und den Fachschaftsräten der Universität Freiburg (1983), S. 17-19.
    [Zurück zum Text]

  58. "Deutsch" wird für ihn zum Gegensatz von "bourgeois" (Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugendbildung 11, 1935, S. 88).
    [Zurück zum Text]

  59. Vgl. den Fakultätsbericht vom Jahre 1945 (Anm. 46).
    [Zurück zum Text]

  60. Schreiben vom 2. Juni 1940 (Universitätsarchiv Freiburg). Oppermann übergeht damit die zahlreichen "nationalsozialistischen" Veröffentlichungen Bogners als unerheblich. Als Erläuterung zu Oppermanns Rücksichtnahme auf die Skepsis seiner Kollegen kann Drexlers Bemerkung im Zusammenhang seines "Kampfes" gegen Berves Berufung nach München im Jahre 1942 und "die ganzen Jägerleute", den "Frankfurter Club" (sc. um Karl Reinhardt) angeführt werden: "Bei uns hat man nur einen Ruf zu verlieren, dort aber einen zu gewinnen" (Amt Rosenberg, Blatt 54767, IfZ München).
    [Zurück zum Text]

  61. Zur Gründungsgeschichte und zur Rolle Ernst Anrichs s. L. Kettenacker (wie Anm. 11). Ein vorzüglicher Fernsehfilm aus dem Jahre 1991 beschäftigte sich überwiegend mit der Verstrickung Straßburger Mediziner in Kriegsverbrechen: Vor 50 Jahren. Reichsuniversität Straßburg. Ein Film von Léo Kosten, gesendet am 27. November 1991 im Dritten Programm des WDR. Zur Atmosphäre an der Philosophischen Fakultät vgl. das Zeugnis von Otto B. Roegele, Student im Dritten Reich, in: Die deutsche Universität im Dritten Reich, München 1966, S. 137-174, hier S. 167f., über Hermann Heimpels harte Kritik an einem gesinnungstüchtigen Germanistik-Ordinarius.
    [Zurück zum Text]

  62. Neue Themen hat er sich nicht erarbeitet. Im Wintersemester 1941/1942, dem ersten der neuen Universität, bietet er für Hörer aller Fakultäten "Die geistigen Grundlagen des augusteischen Nationalstaates" an. Etwas überraschend ist das Proseminar im Sommersemester 1943 über die Athenaion Politeia des Aristoteles. Ganz im Sinne der Zeit ist der Aufsatz "Der erste Kampf ums Elsaß und die Enstehung der Rheingrenze. Zur 2000-jährigen Wiederkehr des Kampfes zwischen Cäsar und Ariovist (58 v.Z.), in: Straßburger Monatshefte 6, 1942, S. 249 - 255. Oppermann wurde auch zu Vorträgen vor Wehrmachtsangehörigen in Frankreich abkommandiert. Im Juni 1942 nahm er am Augsburger "Lager" der Altertumswissenschaften teil, mit einem Vortrag über Ennius; vgl. V. Losemann, Nationalsozialismus und Antike, Hamburg 1977, S. 98. Nach dem Krieg wird daraus "Q. Ennius und die Entwicklung des römischen Epos", in: Gymnasium 61, 1954, S. 531 - 542.
    [Zurück zum Text]

  63. Schreiben vom 3. Januar 1945 (Bundesarchiv R76IV/6) über die "Verstreuung, in der die Mitglieder unseres Lehrkörpers augenblicklich leben": Oppermann in Strassburg verblieben. Über sein Schicksal sind bisher keine Nachrichten eingegangen. Diesem Schreiben zufolge ist Oppermann offenbar der einzige Straßburger Ordinarius, der die Stadt nicht "rechtzeitig" verlassen hat. Bogner wohnt damals wieder in Freiburg.
    [Zurück zum Text]

  64. Der erzieherische Wert des lateinischen Unterrichts, in: Humanistische Bildung im nationalsozialistischen Staate. (Neue Wege zur Antike), Leipzig/Berlin 1933, S.50-58.
    [Zurück zum Text]

  65. Ebd., S. 52.
    [Zurück zum Text]

  66. Ebd., S. 55.
    [Zurück zum Text]

  67. In seinem "Bericht über die beiden Lehrproben aus dem lateinischen Lektüreunterricht" aus dem Jahre 1937 ist Oppermann durchaus gemäßigt und kritisiert die Vergil-Interpretation des übereifrigen Referendar Herrlinger (Ziele und Wege des altsprachlichen Unterrichts im Dritten Reich, Stuttgart 1937, S. 70 - 80.
    [Zurück zum Text]

  68. Wie Anm. 67, S. 55.
    [Zurück zum Text]

  69. Vom erzieherischen Wert des römischen Schrifttums, in: Gegenwärtiges Altertum. Mitteilungen aus dem Reichssachgebiet Alte Sprachen im NSLB 1, 1936, S. 34. Der Gegensatz zu "bourgeois" ist für ihn damals "deutsch" (Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugendbildung 11, 1935, S.88).
    [Zurück zum Text]

  70. Warum heute noch Gymnasium ?, in: Die Alten Sprachen. Zeitschrift des Reichssachgebietes Alte Sprachen im NSLB 4, 1939, S. 168.
    [Zurück zum Text]

  71. Ebd., S. 165.
    [Zurück zum Text]

  72. Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugenbildung 10, 1934, S. 86.
    [Zurück zum Text]

  73. Die 15seitige Schrift erschien 1935 im Franz Eher Verlag als 2. (und zugleich letztes) Heft der Reihe "Nationalsozialistische Wissenschaft, Schriftenreihe der NS-Monatshefte". S. dazu die Rezension von H. Bogner, Gnomon 12, 1936, S. 328 - 329. Das erste Heft der von Rosenberg herausgebenen Reihe: Karl Astel, Rassendämmerung und ihre Meisterung durch Geist und Tat als Schicksalfrage der weißen Völker (1935).
    [Zurück zum Text]

  74. Das Material des IfZ München über Eberhardt ist aus Gründen des Datenschutzes nicht frei zugänglich: "Unterl. betr. Walter Eberhardt (Dozent für Klass. Philologie an der Univ. Münster ab ca. 1935): Korr. seines Sohnes Dr. Otto Eberhardt mit Prof. Manfred Fuhrmann u. a.; Stellungnahmen ehem. Studenten (1946) und eigene Angaben W.E's betr. seine Parteizugehörigkeit, o. D."
    [Zurück zum Text]

  75. Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugendbildung 11, 1935, S. 368.
    [Zurück zum Text]

  76. Der Aufsatz zur "Bevölkerungspolitik des Augustus" (Neue Jahrbücher 12, 1936, S. 116 - 133), der mit einem Zitat aus "Mein Kampf" beginnt, steht z. B. in engem Zusammenhang mit den Nürnberger Gesetzen.
    [Zurück zum Text]

  77. Karen Schönwälder, Historiker und Politik. Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus. Frankfurt & New York 1992. Historische Studien. Band 9.
    [Zurück zum Text]

  78. Vgl. dazu Chr. Hoffmann, Juden und Judentum im Werk deutscher Althistoriker des 19. und 20. Jahrhunderts, Leiden & New York 1988, S. 246ff; Oppermanns Schrift wird S. 264 behandelt.
    [Zurück zum Text]

  79. Die Alten Sprachen 4, 1939, S. 170.
    [Zurück zum Text]

  80. Vgl. etwa Paul Kluke, Nationalsozialistische Europaideologie, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 3, 1955, S.240-275.
    [Zurück zum Text]

  81. Die Alten Sprachen. Zeitschrift des Reichssachgebietes Alte Sprachen im NSLB 5, 1940, S. 153 - 162. Zur Caesar-Interpretation der Dreißiger Jahre s. auch K. Christ, Zum Caesarbild der faschistischen Epoche, in: K.C., Zum Caesarbil der faschistischen Epoche. Reden zur Ehrenpromotion, Freie Universität Berlin 1993, S. 15 - 27.
    [Zurück zum Text]

  82. Caesar. Wegbereiter Europas. (Persönlichkeit und Geschichte. Bd. 10), Göttingen 1958.
    [Zurück zum Text]

  83. Bell. Civ. III 4; Caesar nennt Pompeius' "fremde" Truppen selbstverständlich in propagandistischer Absicht - aber Caesar meint dies natürlich nicht ernsthaft in der von Oppermann suggerierten "europäischen" Weise.
    [Zurück zum Text]

  84. Wie Anm. 79, S. 160.
    [Zurück zum Text]

  85. Wie Anm. 79, S. 155.
    [Zurück zum Text]

  86. Zum altsprachlichen Unterricht 1933-1945 vgl. bes. J. Irmscher, Altsprachlicher Unterricht im faschistischen Deutschland, in: Jahrbuch für Erziehungs- und Schulgeschichte 5/6, 1965, S.225-271; H.-J. Apel und St. Bittner, Humanistische Schulbildung 1890 - 1945. Anspruch und Wirklichkeit der altertumskundlichen Unterrichtsfächer, Köln/Weimar/Berlin, 1994.
    [Zurück zum Text]

  87. Zum weiteren Zusammenhang vgl. V. Losemann, Reformprojekte nationalsozialistischer Hochschulpolitik, in: Karl Strobel (Hrsg.), Die deutsche Universität im 20. Jahrhundert, Vierow bei Greifswald 1994, S.97-115.
    [Zurück zum Text]

  88. Volk, Geschichte, Dichtung. (Schiller und Vergil). Arbeitsgemeinschaft der kulturwissenschaftlichen Fachschaft der Universität Freiburg/Br., in: Historische Zeitschrift 156, 1937, S. 71 - 81. Vgl. Schiller und Vergil, in: Gymnasium 58, 1951, S. 306 - 322. Zur Freiburger Germanistik in den dreißiger Jahren s. P. Herrmann, Germanistik - auch in Freiburg eine "Deutsche Wissenschaft" ?, (wie Anm. 34), S. 115 - 149. Die von Oppermann gerühmte Lehrveranstaltung taucht im Vorlesungsverzeichnis nicht auf.
    [Zurück zum Text]

  89. Historische Zeitschrift 156, 1937, S. 71f.
    [Zurück zum Text]

  90. Ebd., S. 81; dies ist der Schlußsatz des Beitrags.
    [Zurück zum Text]

  91. Auch H. Bogner konnte damals einen zeitgemäßen Aufsatz unterbringen: "Kleisthenes und die Tragödie", Historische Zeitschrift 154, 1936, S. 1-36.
    [Zurück zum Text]

  92. Deutschlands Erneuerung 25, 1941, S.337-345. Die Zeitschrift, früher "deutschnational" und immer antisemitisch, war seit 1940 die offizielle Zeitschrift des NS-Dozentenbundes.
    [Zurück zum Text]

  93. Vgl. V. Losemann, Zur Konzeption der NS-Dozentenlager, in: M. Heinemann (Hrsg.), Erziehung und Schulung im Dritten Reich. Teil 2. Stuttgart 1980, S. 87 - 109; ders., Nationalsozialismus und Antike, Hamburg 1977, S. 94 - 108.
    [Zurück zum Text]

  94. Wie Anm. 92, S. 339.
    [Zurück zum Text]

  95. Wie Anm. 92, S. 343f.
    [Zurück zum Text]

  96. Neue Jahrbücher für Antike und deutsche Bildung 1, 1938, S. 58.
    [Zurück zum Text]

  97. Neue Jahrbücher für Antike und deutsche Bildung 1, 1938, S. 59.
    [Zurück zum Text]

  98. Ebd., S. 62.
    [Zurück zum Text]

  99. Neue Jahrbücher für Antike und deutsche Bildung 2, 1939, S. 341.
    [Zurück zum Text]

  100. Am 2. Juni 1940 schickte er mit der Absenderangabe "aus Frankreich" einerseits eine Art Gutachten zur Beförderung Bogners (s. Anm. 60), beklagte sich aber gleichzeitig gegenüber dem Dekan in einem privaten Brief darüber, nicht ebenso gefördert zu werden: "Ich bin nicht nur der dienstältere, ich glaube auch, daß ich in wissenschaftlicher und unterrichtlichen Leistungen den Vergleich mit Kollegen, die etwa gleichzeitigt mit mir a.o. wurden und schon seit 1 Jahre o. Prof. sind, z. B. Burck in Kiel, nicht zu scheuen brauche. Aber ich will nicht von mir reden. Im Interesse meines Lehrstuhls und meines Faches - die Bedeutung des Latein ist durch die Reform des höheren Schulwesens noch gestiegen - muß ich darauf bestehen, daß Fach und Lehrstuhl nicht schlechter behandelt werden als die nächststehenden Fächer. Eine Nichtberücksichtigung wäre eine unerträgliche Zurücksetzung meines Faches." (Universitätsarchiv Freiburg).
    [Zurück zum Text]

  101. Ebd., S. 341.
    [Zurück zum Text]

  102. Neue Jahrbücher für Antike und deutsche Bildung 3, 1940, S. 331.
    [Zurück zum Text]

  103. Ebd., S. 332.
    [Zurück zum Text]

  104. Oppermann selbst stellt in seinem Arminius-Aufsatz der "objektivistisch-positivistischen Methode" seine "mehr ganzheitlich gerichtete Betrachtungsweise" gegenüber (Deutschlands Erneuerung 26, 1942, S.213).
    [Zurück zum Text]

  105. Neue Jahrbücher für Antike und deutsche Bildung 4, 1941, S. 326, mit der Anm. 1: "vgl. die erhellende Stellungnahme Hans Rößners, Reich und Griechentum, in: Das Reich, Jhrg. '41, Nr. 44 vom 2. Nov. '41".
    [Zurück zum Text]

  106. Neue Jahrbücher für Antike und deutsche Bildung 4, 1941, S. 331.
    [Zurück zum Text]

  107. Neue Jahrbücher für Antike und deutsche Bildung 5, 1942, S. 212.
    [Zurück zum Text]

  108. Zur Laufbahn Drexlers s. jetzt Cornelia Wagner, "... wir sagen ab der internationalen Gelehrtenrepublik". Altertumswissenschaft und Nationalsozalismus. Das Göttinger Institut für Altertumskunde 1921 - 1962, Wien/Köln/Weimar 1996, S. 244ff.
    [Zurück zum Text]

  109. Wie Anm. 107, S. 213.
    [Zurück zum Text]

  110. Ololyge und Verwandtes (1941), in: L.D., Kleine Schriften zur klassischen Altertumskunde, Königstein 1982, S. 609-628.
    [Zurück zum Text]

  111. Helios und Heliodor von Emesa, Amsterdam/Leipzig 1942.
    [Zurück zum Text]

  112. Deutschlands Erneuerung 26, 1942, S. 574 - 579.
    [Zurück zum Text]

  113. Ebd., S. 575.
    [Zurück zum Text]

  114. Ebd., S. 576.
    [Zurück zum Text]

  115. Ebd., S. 577.
    [Zurück zum Text]

  116. Johann von Leers, Der Kampf gegen das Judentum im Altertum, in: Der deutsche Erzieher. Reichszeitung des NSLB Heft 6, 1939, S. 267 - 269. Die akademische Behandlung der sog. "Judenfrage" im Bereich des Altertums blieb eine Domäne der Theologie - vgl. die Liste "Die Judenfrage an den deutschen Universitäten (SS 1941 - WS 1943/44) in: Weltkampf. Die Judenfrage in Geschichte und Gegenwart (1943), S. 182-183: aus dem Bereich der Altertumswissenschaft nur Theodor Hopfner in Prag, sonst nur Theologen, Vgl. noch Jürgen Ebach, Amputierte Antike. Über Ursachen und Folgen des Antijudaismus in deutscher Altertumswssenschaft und Theologie, in: Antike heute, hrsg. von Richard Faber und Bernhard Kytzler, Würzburg 1992, S. 183-196; Leonore Siegele-Wenschkewitz, Protestantische Universitätstheologie und Rassenideologie in der Zeit des Nationalsozialismus - Gerhard Kittels Vortrag »Die Entstehung des Judentums und die Entstehung der Judenfrage« von 1936, in: Antisemitismus: von religiöser Judenfeindschaft zur Rassenideologie, hrsg. von Günter Brakelmann und Martin Rosowski, Göttingen 1989, S. 52-75.
    [Zurück zum Text]

  117. Die Mitgliedschaft Oppermanns zu dieser Gruppe geht aus dem Schriftwechsel des Amtes Rosenberg mit der Reichsdienststelle Deutsches Volksbildungswerk hervor: "Gegen einen Einsatz von Prof. Dr. Hans Oppermann, Strassburg, zu Vorträgen im Deutschen Volksbildungswerk erheben wir keine Bedenken. O. gehört zu den wenigen wirklich nationalsozialistischen Altphilologen. die wir besitzen; er gehört auch der Lehrgemeinschaft unserer Dienststelle an (Brief W. Erxlebens vom 15. 2. 1943, IfZ München). (Dies Urteil wird aufgenommen im Brief des Bereichsleiters Dr. Killer vom 2. April 1943 (BA Koblenz, NS 15/33). Vgl. zur "Reichslehrgemeinschaft" allgemein R. Bollmus, Das Amt Rosenberg und seine Gegner, Stuttgart 1970, S. 341.
    [Zurück zum Text]

  118. Bogner kam schon aufgrund seiner Beurteilung im Amt Rosenberg nicht in Frage: "Kommt aus dem Kreis um Stapel, gehört jetzt dem W.Frank-Kreis an. (...) Weltanschaulich völlig unklar, wissenschaftlich geschult, Darstellung manchmal salopp" (Akten des Amtes Rosenberg, IfZ München, Blatt 0342848 - ohne Datum, aber nach 1939).
    [Zurück zum Text]

  119. 32 S.; in der Liste bei Bollmus (wie Anm. 117) fehlt Oppermanns Beitrag.
    [Zurück zum Text]

  120. Vgl. die Rühmung von Hans F. K. Günthers "Platon als Hüter des Lebens" (Neue Jahrbücher 13, 1937, S. 371).
    [Zurück zum Text]

  121. Ebd., S. 579.
    [Zurück zum Text]

  122. Vgl. Hans Bogner, Die Judenfrage in der griechisch-römischen Welt, in: Forschungen zur Judenfrage. Band 1. Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt 1937, S. 81 - 91. Bogners Mitarbeit erklärt sich auch durch die alten Beziehungen zu Walter Frank (s. Anm. 48). Einen Althistoriker gab es in diesem Kreis bis zur Ernennung von Joseph Vogt zum "korrespondierenden Mitglied" (Gnomon 18, 1942, S. 192) nicht.
    [Zurück zum Text]

  123. "(Hier) ist das offizielle nationalsozialistische Geschichtsbild mit all seinen Abstrusitäten wohl am konsequentesten auf die "antike Judenfrage" übertragen worden" (Chr. Hoffmann, wie Anm. 78, S. 264). S. auch ders., Das Judentum als Antithese. Zur Tradition eines kulturellen Wertungsmusters, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Antisemitismus in Deutschland. Zur Aktualität eines Vorurteils, München 1995, S. 25 - 46, sowie: Antisemitismus. Vorurteile und Mythen. Hrsg. von Julius H. Schoeps und Joachim Schlör. München & Zürich, 1995.
    [Zurück zum Text]

  124. Das "Reichsschulungsthema" für 1943/1944 des Amtes Rosenberg hieß "Der Jude als Weltparasit" (Bollmus, wie Anm. 117, S. 371).
    [Zurück zum Text]

  125. Das Johanneum, April 1961, Heft 44, S.83 und S.83.
    [Zurück zum Text]

  126. Im Nachlaß Wolfgang Schadewaldts (Staatsbibliothek München) findet sich der offensichtlich erste Brief Oppermanns an Schadewaldt nach 1945, vom 19. September 1954, ohne jeden Bezug auf die Vergangenheit: "Sie wissen vielleicht, daß ich seit 1949 im Hamburger Schuldienst stehe ...". Im Nachruf aus dem Jahre 1982 heißt es: "Als besondere Leistung haben Gegner und Freunde Oppermanns immer wieder seine ebenso spontane wie klaglose Umstellung von der Hochschule auf die Schule anerkannt" (Das Johanneum 1982, Heft 2/3, S. 72).
    [Zurück zum Text]

  127. W. Raabe, Unseres Herrgotts Kanzlei. Mit einem Nachwort von Professor Dr. H. Oppermann, Goslar: Verlag Deutsche Volksbücherei, 1947. Das Nachwort: S. 331-335.
    [Zurück zum Text]

  128. In den Mitgliederverzeichnissen der Raabe-Gesellschaft wird er erst nach 1945 genannt; neben zahlreichen anderen Veröffentlichungen zum Werk des Dichters ist Oppermann auch Verfasser der Raabe-Biographie in der bekannten Reihe "rowohlts monographien" : Wilhelm Raabe in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, zuerst 1970. Zur Antike-Rezeption s. Das Bild der Antike bei Wilhelm Raabe, in: Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft 1966, S.58-79.
    [Zurück zum Text]

  129. Er hat die folgenden WdF-Bände herausgeben: Römertum (1962), Wege zu Vergil (1963), Römische Wertbegriffe (1967), Humanismus (1970), Wege zu Horaz (1972). Vgl. die Würdigung durch H. Rußland zum 85. Geburtstag: "Nun sagt Professor Oppermann von sich selbst, daß er sich stets der Wissenschaft verbunden gefühlt und in ihr seine Haupttätigkeit gesehen hat" (Das Johanneum 1980, Heft 4, S. 63).
    [Zurück zum Text]

  130. Vgl. Lothar Kettenacker, Kontinuität im Denken Ernst Anrichs. Ein Beitrag zum Verständnis gleichbleibender Anschauungen des Rechtsradikalismus in Deutschland, in: Paul Kluke zum 60. Geburtstag, Frankfurt 1968, S. 140-152. Zur Geschichte der "WB" s. auch W. Behringer über den Neudruck der Werke des Altgermanisten Otto Höfler, in: FAZ vom 9. April 1997, Nr. 82, Geisteswissenschaften, S. N6.
    [Zurück zum Text]

  131. Horaz. Das Gebet des Dichters, in: Christianeum (Altona) 6, Heft 2 (1950), S.11-15.
    [Zurück zum Text]

  132. Die Höhere Schule 3 (Heft 1), 1950, S.3-5. Diese Handreichung deckt sich mit den Beiträgen aus den Jahren 1933 - 1942 und ist gänzlich unberührt von den Erfahrungen der Gegenwart. In demselben Band findet sich auch ein Beitrag Oppermann über "Die lateinische Anfangslektion" (Heft 8, S.8-10); der Aufsatz erklärt sich durch die Notwendigkeit einer Qualifikation für die Übernahme in den Schuldienst.
    [Zurück zum Text]

  133. Christianeum 9, Heft 2, 1953, S. 3 - 7.; der seltsame Grundtenor dieser vier Seiten ist die Betonung von Mommsens Fleiß, zu Lasten aller anderen zu erwartenden Aspekte, z. B. der "Testamentsklausel", die in den Nachkriegsjahren soviel Aufsehen erregt hatte. In den "Neuen Jahrbücher" von 1936 hatte er den Briefwechsel von Wilamowitz und Mommsen zu besprechen: in Mommsen "lebte der tiefe Instinkt des echten Politikers" der auch "seine Wissenschaft nährte" (12, 1936, 90).
    [Zurück zum Text]

  134. Faschistische Vergil-Philologie. Zum Beispiel Hans Oppermann, in: Hephaistos 10, 1991, S.111-133. Oppermann hat nur eine Änderung vorgenommen: der Verweis auf seinen mit mehreren Hitler-Zitaten versehenen Aufsatz über die "Bevölkerungspolitik des Augustus" (s. Anm. 76) ist entfallen (S. 20 der Ausgabe von 1938).
    [Zurück zum Text]

  135. s. oben Anm. 85.
    [Zurück zum Text]

  136. S. oben Anm. 109.
    [Zurück zum Text]

  137. Zu Weinstock s. auch O. Regenbogen, Gnomon 26, 1954, S. 289-299, sowie Ursula Wulfhorst, Heinrich Weinstock, Direktor des Kaiser-Friedrich-Gymnasiums 1926-1949, in: 1888 bis 1988. 100 Jahre Heinrich von Gagern-Gymnasium ehedem Kaiser-Friedrich-Gymnasium in Frankfurt am Main, Frankfurt 1988, S. 38 - 41.
    [Zurück zum Text]

  138. Oppermann kannte ihn wohl persönlich, da er im Jahre 1932 mit der Arbeit "Sappho. Ihr Ruf und Ruhm bei der Nachwelt" in Heidelberg promoviert wurde; in seinen Forschungsberichten in den "Neuen Jahrbüchern" hatte er das Buch übergangen. Zur Einordnung des Buchs in die damalige Zeit s. auch Rüdigers Vorwort zur 2. Auflage im Olms Verlag, Hildesheim (1966).
    [Zurück zum Text]

  139. Vgl. Deutschtum und Römertum, in: Straßburger Monatshefte. Zeitschrift für das deutsche Volkstum am Oberrhein 6, 1942, S.573-577.
    [Zurück zum Text]

  140. S. oben Anm. 81.
    [Zurück zum Text]

  141. Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugendbildung 11, 1935, S. 88 (im Zusammenhang einer Rezension des Buches von Ernst Bertram, Deutsche Gestalten, Leipzig 1934).
    [Zurück zum Text]

  142. Die Sammlung 12, 1957, S. 159 (= WdF Humanismus, S. 520).
    [Zurück zum Text]

  143. Vgl. die Rede zur Entlassung der Abiturienten aus dem Jahre 1961 "Griechische, römische, deutsche Erziehergestalten" (Das Johanneum, April 1961, Heft 4, S.75-83). Früher hatte er von "Elementen der vornationalsozialistischen Geistigkeit" (s. oben Anm. 109) gesprochen.
    [Zurück zum Text]

  144. Vgl. auch den Nachruf in: Das Johanneum 1982 (Heft 2/3), S. 71 - 73.
    [Zurück zum Text]


Prof. Dr. Jürgen Malitz, 24. Mai 1998