Caesars Partherkrieg
Erschienen in:
Historia 33, 1984, S. 21-59
Prof. Dr. Jürgen Malitz
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
E-Mail:
100270.3107@compuserve.com
I
Am 18. März des Jahres 44 v. Chr. wollte Caesar zu einem Feldzug gegen die
Parther aufbrechen[1].
Im März 44 standen die Vorbereitungen kurz vor dem Abschluß. Cassius,
Brutus und ihre Mitverschworenen sind durch ihr Attentat an den Iden des
März diesem Krieg zuvorgekommen.
Caesars Partherplan findet zumeist nur Interesse wegen der damit verbundenen
Kriegsziele. Dazu gibt es die widersprüchlichsten Ansichten, was sich
sowohl durch die dürftige Quellenlage als auch durch die unterschiedlichen
Voraussetzungen der jeweiligen Betrachter erklärt. Die Beurteilung reicht
von der Einschätzung Mommsens in der »Römischen
Geschichte«, Caesar habe nicht mehr als eine notwendige
"Grenzregulierung" beabsichtigt[2], bis etwa zu Eduard Meyers Vermutung,
der Dictator habe seinen lange gehegten Traum von der Weltherrschaft
verwirklichen wollen[3]. Die Aufmerksamkeit der neueren
Forschung hat vor allem der Einordnung von Caesars Plan in die Geschichte der
römisch-parthischen Beziehungen gegolten[4].
Die folgende Untersuchung befaßt sich weniger mit den so schwer zu
präzisierenden Kriegszielen Caesars als vielmehr mit der Frage, welche
Bedeutung der Feldzug für ihn in der Zeit vor dem Abmarsch hatte. Davon
nicht zu trennen ist eine Untersuchung der Ansichten von Caesars Zeitgenossen
dazu und der innenpolitischen Probleme, die sich aus dem Plan notwendig ergeben
mußten und die Caesar offensichtlich in Kauf nahm. Anschließend wird
nach den militärischen Vorbereitungen gefragt. Zum Schluß sollen der
geplante Verlauf des Krieges und, in gebotener Kürze, seine Ziele
erörtert werden.
Zunächst aber Bemerkungen zu den Quellen. Das auffällige Schweigen
der erhaltenen antiken Autoren über Einzelheiten des Plans und die
Kriegsziele ist erst bei Berücksichtigung des zeitgenössischen
Urteils und der primären Traditionsbildung richtig zu beurteilen. Schon
die Kommentare der Zeitgenossen und die ersten schriftlichen Berichte über
Caesars Alleinherrschaft, die nach den Iden des März entstanden und dann
die Vorlagen für die entsprechenden Bücher von Livius' Werk gewesen
sind, waren nicht nur geprägt durch die Schwierigkeit, überhaupt
zuverlässige Kenntnis von den Plänen des Dictators zu erhalten[5]. Die meisten
senatorischen Verfasser von Livius' Vorlagen hatten gewiß nicht den
Wunsch, die Weitsicht mancher Pläne des angeblich zu Recht ermordeten
Dictators über Gebühr zu loben[6]. Livius selbst, der dem Princeps
näher als dem Dictator stand, war gerne bereit, Rücksicht zu nehmen;
die Abfassungszeit seiner Bücher über Caesar ist ein weiterer Faktor,
der bei der Bewertung der livianischen Tradition berücksichtigt werden
muß[7].
Angesichts der Bedeutung, die die Partherpolitik erst in der Triumviralzeit und
dann für Augustus gehabt hat, fallen zunächst zwei Aspekte der
Überlieferung ins Auge: Caesars Feldzugsplan, der sich ja am 15. März
44 in voller Vorbereitung befand und kein bloßer Entwurf geblieben war wie
andere Pläne der Spätzeit, wird selten erwähnt, und es ist
bemerkenswert, daß sich kein einziges negatives Urteil über diesen
Kriegsplan findet - im Unterschied zu anderen verwirklichten oder
beabsichtigten Plänen des Dictators. Nicht einmal von Cicero gibt es nach
den Iden des März ein schmähendes Wort über diesen von Caesar
beabsichtigten Feldzug, der in der modernen Forschung vorwiegend als
maßlose Alexandernachfolge oder als Flucht vor innenpolitischen
Schwierigkeiten gedeutet wird[8].
Zu den Faktoren, die die Kritik an Caesars letztem Kriegsplan unmittelbar nach
den Iden des März erschwerten, gehören ohne Zweifel die Einmischung
der Parther in die Bürgerkriegskämpfe und die im Vergleich zu
früheren Jahren insgesamt aggressivere »Außenpolitik« des
Partherkönigs[9].
Sollte zum Beispiel Sallust in seiner Triumphalrede für Ventidius Bassus'
Sieg Caesars Projekt erwähnt haben, ist der Tonfall nicht schwer zu
erraten[10].
Ähnliches dürfte für M. Antonius' Äußerungen gelten,
als er seinen eigenen Partherfeldzug organisierte und dabei auch auf Caesars
Entwürfe zurückgriff; es ist überraschend, daß keine
einzige Äußerung des Antonius aus dieser Zeit über Caesars
Projekt überliefert ist.
Der adoptierte Sohn des Dictators war weniger kriegerisch, doch gibt es kein
Zeugnis dafür, daß er Caesars Feldzug, an dem er ja selbst hatte
teilnehmen sollen - wenn er sich nicht sogar danach gedrängt hat[11] - zu jenen Ideen
der Spätzeit rechnete, die durch Verschweigen kritisiert werden
mußten. Viele Indizien sprechen dafür, daß Augustus für
lange Zeit gehofft hat, die Parther militärisch zu bezwingen, und die
Worte seiner Dichter legen die Vermutung nahe, daß er sich dabei nicht im
Widerspruch zu den Leuten befand, die zur »öffentlichen Meinung«
Roms gehörten[12]. Unter diesen Umständen wird
wohl auch Livius trotz aller Vorbehalte gegen Caesar nicht ganz negativ
über den Partherplan gesprochen haben[13]. Augustus' Absicht, die Feldzeichen
der bei Carrhae geschlagenen Legionen wiederzuerlangen, dürfte schon zu
den Parolen von Caesars Kanzlei gehört haben[14]. Der beste Beweis für Augustus'
grundsätzliche Billigung des letzten Kriegsplans seines Oheims ist aber
die Tatsache, daß Nikolaos, der zu den "inspirierten" Schriftstellern
des Hofes gehörte, ohne jedes Wort der Kritik von Caesars
Welteroberungsplänen zu schreiben für zweckmäßig hielt[15]. Asinius Pollios
Werk gehört zu dem Teil der Tradition, der die Parther als
gefährliche Gegner kennzeichnete; Kritik an Caesars Parther-Politik ist
deshalb nicht sehr wahrscheinlich[16]. Wie Timagenes und Pompeius Trogus
diesen Aspekt der römischen Außenpolitik bewertet haben,
läßt sich nicht sicher erkennen[17].
Nach der beinahe endgültigen Fixierung der Überlieferung zur
Geschichte der späten Republik durch Livius' Werk ist von späteren
Autoren in der Regel kein Zugewinn mehr an historischer Kunde über Caesars
Spätzeit zu erwarten - diese Darstellungen sind nur Verkürzungen und
Bearbeitungen des Livius[18]. Die Caesar-Biographie Suetons ist
hier eine interessante Ausnahme. Im 44. Kapitel macht Sueton erstaunlich
präzise Angaben zu Caesars Plan, die denn auch die Grundlage für alle
modernen Untersuchungen geworden sind[19]. Diese Details legen die Vermutung
nahe, daß er über Einzelheiten berichtet, von denen er annehmen
konnte, daß seine Leser sie bisher nicht kannten; in den "vitae
Caesarum" ist es ja unter anderem sein Ehrgeiz, aus eigener, durch seine
Position am Kaiserhof begünstigter Forschung wirklich Neues zu erbringen[20]. Es verdient
festgehalten zu werden, daß Sueton den Kriegsplan nicht zu den schlimmen
Auswüchsen der Spätzeit rechnet, sondern zu den
»großen« Plänen, die das Thema des 44. Kapitels sind[21]. Sueton hat den
Gerüchten von Caesars alexanderhaften Kriegszielen, die im 58. Kapitel von
Plutarchs Caesar-Biographie erhalten sind, offenbar keinen Glauben geschenkt.
Der Quellenwert der Nachrichten Plutarchs ist schwer zu beurteilen;
darüber später[22] .
Die neugefundenen Verse von Cornelius Gallus dürfen nicht unerwähnt
bleiben. Die ersten Herausgeber halten diese Verse auf »Caesar«
für ein Zeugnis aus dem Jahre 45, aus der Zeit der Vorbereitung des
Partherfeldzuges, der »Caesar« zur "maxima pars Romanae
historiae" machen soll[23]. Sollte dies wirklich zutreffen, was
schwer zu beweisen ist, so wären Gallus' Verse eine zeitgenössische
Bestätigung für die hinter Plutarchs Notiz stehenden ausschweifenden
Gedanken über Caesars Kriegsziele[24].
II
Die Vorgeschichte von Caesars Feldzugsplan beginnt, wenn nicht schon mit
Pompeius' Erfolgen im Osten und seinen diplomatischen Kontakten mit den
Parthern, dann spätestens im Jahre 54 mit Crassus' Angriff auf die
Parther[25]. Nicht
nur Pompeius, der sich im Osten auskannte, hat Crassus zu seinem Unternehmen
ermuntert[26]. Auch
Caesar bekannte sich öffentlich zu Crassus' Absichten; es wäre
interessant zu wissen, ob er ihm auch einige militärische Ratschläge
gegeben hat[27].
Einmal ganz abgesehen von seinen »imperialistischen« Vorstellungen
vom Beruf Roms zu einer im Prinzip unbegrenzten Weltherrschaft hatte Caesar
beim Gedanken an das nahende Ende seines gallischen Kommandos erhebliches
Interesse an einem Sieg des Crassus, der ihn dann von Syrien aus in seinem
Kampf um das zweite Konsulat würde unterstützen können.
Die Opposition der Optimaten gegen Crassus' Krieg und überhaupt gegen alle
Kriege dieser Art war so stark, wie sie es früher gegen Caesars
Eroberungen in Gallien gewesen war[28]. Natürlich hatten die Optimaten
auch Furcht vor einem Sieg gerade des Crassus, dessen Gegensatz zu Pompeius
bekannt war und der im Zweifelsfall immer zu Caesar halten würde. Crassus'
Niederlage bei Carrhae im Mai des Jahres 53 hinterläßt in der
optimatisch geprägten Überlieferung nicht die geringste Spur[29]. Für manche
Senatoren, unter ihnen natürlich auch Cato, muß Carrhae nach Crassus'
Mißachtung der Flüche Ateius Capitos die gerechte Vergeltung gewesen
sein. Für Caesar war Carrhae freilich ein empfindlicher Rückschlag
bei seiner Planung für die Bewerbung um das zweite Konsulat. Was er
daneben bei den Niederlagen römischer Heere gegen Barbarentruppen empfand,
verdeutlicht vielleicht sein Hinweis auf die Niederlage des L. Cassius im Jahre
107 gegen die Tiguriner im I. Buch des Berichts über seine Feldzüge
in Gallien[30].
Seine Erinnerung daran ist wohl nicht nur ein Indiz für seine eigenen
Emotionen beim Gedanken an Carrhae, sondern wohl auch ein Hinweis darauf,
daß er damit sein Publikum zu beeindrucken erwartete. Ein weiterer Aspekt
seiner persönlichen Betroffenheit darf nicht übersehen werden: er
selbst hatte Crassus öffentlich zu diesem Feldzug geraten, und der Sohn P.
Crassus, in Gallien sein bester Offizier, war zusammen mit seinen germanischen
Reitern gefallen. Caesars "dignitas", die ihm so viel bedeutet hat, war
durchaus berührt. Es wäre nicht auszuschließen, daß
für ihn persönlich der Rachegedanke allein schon ein gewichtiges
Motiv für die spätere Partherplanung sein konnte, doch entzieht sich
das der Nachprüfung.
Nach Carrhae gab es Unruhe unter Roms Klientelkönigen und parthische
Vergeltungsangriffe auf die Provinz Syrien, die sich aber nie zu einer
ernsthaften Bedrohung ausgewachsen zu haben scheinen[31]. In Ciceros Briefwechsel aus dieser
Zeit sind die Parther ein Grenzvolk neben anderen, kein bedrohlicher
Reichsfeind wie später bei den augusteischen Dichtern. Wenn in den Jahren
51 bis 49 von der Notwendigkeit eines "bellum Parthicum" die Rede ist,
handelt es sich stets um eine begrenzte Planung zur Sicherung der Provinz
Syrien und der Euphratgrenze, die überdies motiviert war durch den Wunsch
vieler Senatoren, entweder Pompeius oder Caesar mit einem solchen
Partherkommando von der Hauptstadt fernzuhalten[32]. Es ist nicht erkennbar, ob sich
Caesar später auf die Vorbereitungen dieser Zeit berufen hat[33]. Die Optimaten
hatten selbst nach Carrhae und den folgenden Angriffen auf die Provinz Syrien
keinerlei Interesse an einer militärischen Auseinandersetzung mit den
Parthern, geschweige denn an einer Eroberung ihres Reiches. Es ist bezeichnend,
daß Pompeius sie wegen seiner diplomatischen Kontakte in den sechziger
Jahren mehr oder weniger zu seinen Klienten gezählt haben muß; beim
Ausbruch des Bürgerkrieges bat er sie um Waffenhilfe. Das Rachemotiv
muß ihm ziemlich fremd gewesen sein[34].
Die Parther waren ihrerseits offenbar gut genug über die Verhältnisse
in Rom informiert, um zu wissen, daß ihnen von seiten des Pompeius und
seiner politischen Verbündeten vorerst kein Angriff im Stil des Crassus
drohte. Eine von Justin nicht sehr glücklich gekürzte Stelle aus der
Weltgeschichte des Pompeius Trogus läßt vermuten, daß den
Zeitgenossen der »innenpolitische« Aspekt der jeweiligen
römischen Partherpolitik und die Parteigebundenheit der »Rache
für Carrhae« bewußt war. Die Einmischung der Parther in die
römische Politik, wie Caesar das sehen mußte, kann ihn nicht
verbindlicher gestimmt haben[35]:
"Nachdem dies so geschehen war[36], bricht nach nicht langer Zeit bei
den Römern zwischen Caesar und Pompeius der Bürgerkrieg aus, bei dem
die Parther auf seiten der Pompeianerpartei standen, und zwar sowohl wegen des
im Mithridatischen Krieg geschlossenen Freundschaftsbundes als auch wegen des
Todes des Crassus, dessen Sohn, wie sie gehört hatten, auf der Seite
Caesars stehe, und sie bezweifelten nicht, daß er im Falle eines Sieges
Caesars zum Rächer seines Vaters werden würde."[37]
III
Caesars Gedanken an eine besser geplante Wiederholung von Crassus' Unternehmen
lassen sich nicht erst für seine Spätzeit nachweisen. Wie er in den
Jahren 49 und 48 über das Verhalten der Optimaten in der Partherfrage
dachte[38], macht
eine abfällige Bemerkung im »Bellum Civile« über Metellus
Scipio deutlich, der lieber Truppen für den Bürgerkrieg aus Syrien
abzog als diese bedrohte Provinz, wie es ihm angestanden hätte, gegen die
Parther zu schützen[39]:
"Nachdem die Reiter zusammengezogen waren, hatte er die Legionen und
die Reiterei aus Syrien weggeführt, obwohl er die benachbarten Parther,
die kurz zuvor den Imperator M. Crassus getötet und M. Bibulus belagert
hatten, als Feinde in seinem Rücken zurückließ."[40]
An dieser Stelle geht es vor allem um Metellus Scipio; durch die Erwähnung
von Crassus' Tod ist aber auch das Rachemotiv erstmals nach Carrhae
faßbar. Hinter Caesars Bemerkung, die sich ja auch an ein bestimmtes
Publikum richtete und vermutlich im Jahre 47 niedergeschrieben worden ist[41], steht allem
Anschein nach die Forderung nach einem Vergeltungskrieg gegen die Parther;
daß auch Bibulus genannt wird, ist eine geschickte Einbeziehung seiner
Gegner[42].
Auch Caesars Anschauung, daß der Schutz der Provinzen von
äußerer Bedrohung zu den ersten Pflichten römischer Politik
gehöre, läßt sich durch eine in ihrer Grundsätzlichkeit
freilich umstrittene Bemerkung belegen, die aus einer im Jahre 48 an Metellus
Scipio gerichteten Botschaft stammt. Wenn sich Metellus Scipio erfolgreich
für Mäßigung und für den Frieden eingesetzt hätte,
ließ Caesar ihm mitteilen, "würden alle die Ruhe Italiens, den
Frieden der Provinzen, die Erhaltung des Reichs ihm allein verdanken"[43].
Nur durch Appian und Cassius Dio ist bezeugt, daß Caesar im August 47,
nach der Schlacht bei Zela, den Wunsch hatte, gegen die Parther
vorzurücken[44]. Verschiedene andere Maßnahmen
in dieser Zeit könnten ebenfalls mit der Planung eines Partherkrieges in
absehbarer Zeit in Verbindung gebracht werden[45]. Meldungen von Unruhen in Rom und
von der Sammlung der Pompeianer in Africa haben Caesars damaligen Plan offenbar
vereitelt. Der Kampf in Africa wurde durch die Schlacht bei Thapsus im April 46
entschieden.
Im Sommer kehrte Caesar nach Rom zurück. Direkte Zeugnisse über sein
unverändertes Interesse an einem Partherfeldzug gibt es nicht, doch einige
indirekte Hinweise. Die Meldungen von Unruhen in Syrien mußten ihn, der
den Frieden der Provinzen zu seinen Programmpunkten zählte,
unverändert zu einem militärischen Eingreifen reizen[46] Cicero wußte
davon. Im September 46 hielt er im Senat seine Rede für Marcellus. Hier
hat er Caesar förmlich beschworen, in der Hauptstadt zu bleiben und hier
seine wichtigsten Aufgaben zu suchen - nicht in äußeren Abenteuern,
durch die er ohnehin schon unvergleichlichen Ruhm erworben habe[47]; die Parther hielt
Cicero damals jedenfalls nicht für gefährlich[48]. Daß Caesar sich damals mit
Fragen der Grenzsicherung befaßte, beweist sein Befehl an Vatinius,
Illyrien zu schützen[49]. Der Auftrag könnte schon mit
der für den Sommer 44 bezeugten Absicht zusammenhängen, die
Nordostgrenze des Reiches durch einen Feldzug gegen die Daker und ihren
aggressiven König Burebista zu sichern[50].
Der überraschend starke Widerstand der Pompeius-Söhne in Spanien
zwang Caesar bereits wieder im November 46, Rom zu verlassen; er hatte es wohl
auch in Anbetracht seiner übrigen Pläne eilig, zu einer Entscheidung
zu kommen. Am 17. März errang er bei Munda seinen letzten Sieg im
Bürgerkrieg. Es ist alles anders als selbstverständlich, daß
Caesar auch jetzt noch an dem nach Lage der Dinge mehr und mehr exotischen
Partherprojekt festhielt. Doch bevor er den endgültigen Aufmarschbefehl
gab, sind selbst in seiner engsten Umgebung Bedenken aufgetaucht, denen er sich
zunächst nicht ganz verschlossen zu haben scheint.
Auf Bitten seines Freundes Atticus entwarf Cicero im Mai des Jahres 45 ein
Sendschreiben an Caesar, in dem die großen Fragen der Zukunft
erörtert werden sollten. In einem der erhaltenen Briefe aus dieser Zeit
schreibt Cicero etwa am 25. Mai von der für ihn offenbar
überraschenden Reaktion der Vertrauten des Dictators, Oppius und Balbus,
auf den ersten Entwurf[51]:
"Das aber ist ausgezeichnet, daß sie soviel geändert sehen
wollen, daß es für mich keinen Grund mehr gibt, den Brief ganz neu zu
schreiben. Was freilich den Partherkrieg angeht - was hätte ich denn
beachten sollen wenn nicht das, wovon ich annahm, daß er es wünschte
? Was für eine andere Grundlage dieses Briefes gab es denn wenn nicht
Schmeichelei ? Oder hätten mir die Worte gefehlt, wenn ich das hätte
raten wollen, was ich für das Richtige hielt ?"
Diesen Worten nach zu urteilen entsprach Ciceros Stilisierung des Briefes
seiner Vermutung, daß Caesars brennendster Wunsch immer noch der
Partherkrieg sei; etwas anderes schien ihm, wie schon im September 46
während der Marcellus-Rede, selbst nach dem schwer erkämpften Sieg
von Munda gar nicht denkbar[52]. Die unaufrichtigen Argumente, die
er gebraucht hat, sind nicht schwer zu erraten - hier wird Cicero einmal von
der Rache für Crassus und von der Notwendigkeit einer umfassenden
Grenzsicherung gesprochen haben[53].
Oppius und Balbus hatten offenbar den Eindruck, daß die inneren Probleme
Roms bei dieser Tendenz des Sendschreibens vernachlässigt würden. Der
Wortlaut des Textes läßt vermuten, daß hier ein Unterschied
zwischen Caesars eigener Meinung, wie sie ja auch Cicero aufgrund seiner
Kenntnis des Dictators beurteilt hat, und der Ansicht mancher Leute selbst aus
seiner unmittelbaren Umgebung erkennbar wird[54]. Für die damalige Stimmung in
der Kanzlei Caesars ist wohl auch die spätere Bemerkung von C. Matius
repräsentativ, der nach den Iden des März die Meinung
äußerte, daß Caesar keine Lösung für die Probleme
gefunden habe, die sich aus dem Sieg im Bürgerkrieg ergaben - falls Caesar
und Matius hier nicht sogar einer Meinung waren[55]!
IV
Welche Ansichten hatten die Zeitgenossen, die Caesar in den Jahren 46 und 45
sicher in irgendeiner Form informiert hat und die er womöglich, wie Cicero
z. B., in seinem Sinne zu beeinflussen hoffte ? Konnte ihm ein neuer
Partherkrieg nicht erst mit einem glanzvollen Sieg, sondern schon durch die
Planung und Durchführung bei der Sicherung und Popularisierung seiner
Alleinherrschaft helfen ? Um bei denen anzufangen, um deren Mitarbeit er sich
so lange bemüht hat, bei Optimaten wie Cicero und seinen Freunden: sie
waren bestenfalls desinteressiert, oder, was gefährlicher war, sie lehnten
einen solchen Krieg ab. Sie lehnten diesen Rachefeldzug, oder als was er sonst
propagiert wurde, ebenso ab, wie sie Crassus' Angiffskrieg verurteilt hatten.
Die grundlegenden Unterschiede der außenpolitischen Vorstellungen waren
erhalten geblieben[56]; die Furcht vor den unabsehbaren
Folgen eines neuerlichen Sieges Caesars darf natürlich auch nicht
vergessen werden.
Nicht zuletzt durch diese Ablehnung militärischer Abenteuer - zu denen ja
auch Caesars Kampf in Gallien mit allen seinen Folgen gehört hatte -
erklärt sich das Schweigen der durch Cicero repräsentierten
senatorischen Überlieferung über Crassus' Tod und die Gefangenschaft
der vielen römischen Soldaten[57]. Wie emotional und
grundsätzlich Ciceros Ablehnung dieser expansiven Politik gewesen ist - im
Gegensatz zu seinen in jenem Sendschreiben benutzten Argumenten - , zeigt sich
bei seiner Erwähnung von P. Crassus, der zusammen mit seinem Vater bei
Carrhae gefallen war, im »Brutus«, einer im Jahr 46 an die
Öffentlichkeit gebrachten Schrift. Ciceros bissiger Kommentar zu Publius'
umzeitigem Alexander-Ehrgeiz ist mit Sicherheit eine öffentliche Ablehnung
aller der Gründe, die Caesar für seinen Partherfeldzug anbot[58]. Es war eine
ähnliche Demonstration, wenn Cicero, wie schon erwähnt, in seiner
Rede für Marcellus von außenpolitischen Aufgaben schwieg. Schon
damals muß er die Überzeugung gehabt haben, daß der Partherkrieg
den Dictator viel stärker interessierte als die vielen unbequemen Aufgaben
innerhalb der Hauptstadt; er widersprach Caesars Wunschvorstellung, alles
für die Hauptstadt Notwendige sei schon getan[59]. So überrascht es eigentlich
auch nicht, daß in der Überlieferung erst für das Jahr 45 von
der Rache für Carrhae die Rede ist - vorher hat die senatorische Politik
der Parther trotz der Niederlage nie als »Erbfeinde« dargestellt[60]. Pompeius
behandelte sie ja sogar als eine Art von Klienten, und es besteht kein
Anlaß die Nachricht zu bezweifeln, daß er nach Pharsalos mit dem
seltsamen Gedanken gespielt hat, bei den Parthern als seinen Freunden Zuflucht
vor Caesar zu suchen[61].
Cicero kannte die Verhältnisse im Osten, auf die sich Caesar bei der
Rechtfertigung seines Plans oft genug berufen haben wird, aus der Zeit seiner
Statthalterschaft in Kilikien relativ gut - er hat die Parther, wenn er auch
damals Angst vor ihnen gehabt hatte, später offenbar nie für einen
wirklich gefährlichen Feind des Reiches gehalten, der in einem großen
Feldzug bezwungen werden müßte[62].
In der im Juni 45 abgeschlossenen Schrift »De finibus bonorum et
malorum« läßt Cicero den jüngeren Cato sagen, daß
Crassus die Parther ohne jeden Kriegsgrund angegriffen habe, nur um sich zu
bereichern. Die Rache für Crassus war dann, moralisch gesehen, noch
weniger ein Kriegsgrund[63].
Ciceros Meinung zu Caesars Plan ist deshalb von Gewicht, weil er viele
Senatoren beeinflussen konnte. Caesar wäre an Ciceros öffentlicher
Unterstützung für seinen Krieg sicher sehr gelegen gewesen, etwa im
Stil der Rede über die konsularischen Provinzen aus dem Jahre 56, in der
er sich über die glänzenden Siege Caesars und ihren höheren Sinn
verbreitet hatte[64]. Soweit die Quellen ein Urteil
erlauben, kann es in dem Teil der politischen Oberschicht, der durch Cicero und
seine vielen Freunde repräsentiert wird, niemals Begeisterung und
Unterstützung für das Projekt gegeben haben; schon der Gedanke an
eine erneute Abwesenheit Caesars von Rom mußte manchen erschrecken[65]. Begeisterung gab
es höchstens in der engeren Umgebung Caesars und bei denen, die die
Gelegenheit nutzen wollten, um es den Marschällen aus den gallischen
Feldzügen gleichzutun, bei Männern wie Q. Salvidienus Rufus und M.
Vipsanius Agrippa, die der Dictator dem Gefolge des C. Octavius zugeteilt
hatte[66]. Die
Feldzüge in Gallien hatten jüngeren Herren Gelegenheit zur schnellen
Bereicherung gegeben; der einzige potentielle Kriegsteilnehmer dieser Art, von
dem wir wissen, ist Ciceros Neffe Quintus, der sich dem Onkel gegenüber
allerdings höchst bekümmert über die drohende Kampagne
äußerte[67]. Die meisten der für diesen
Krieg vorgesehenen höheren Offiziere bleiben namenlos[68].
Es ist schwer zu beurteilen, in welchem Maße die späteren Mörder
Caesars auch durch die Ablehnung des Partherkrieges motiviert worden sind; in
den Quellen steht überraschenderweise nichts davon. Die Verschwörer
sind offensichtlich nicht von der Voraussetzung ausgegangen, daß Caesar
ein Ende wie Crassus finden werde - sie haben seinen Sieg gefürchtet[69]. Es ist
beachtenswert, daß der im Partherkampf vermutlich erfahrenste Offizier,
der Caesar zur Verfügung hätte stehen können, C. Cassius,
Proquaestor in Syrien nach Carrhae, in seinem Stab gefehlt hat. An Cassius'
grundsätzlicher Ablehnung einer Partherpolitik im Stil Caesars ist kein
Zweifel möglich - später, im Jahre 43, gewährten die Parther ihm
militärische Hilfe[70].
Ob es unterhalb der senatorischen Schicht Gruppen gab, die sich durch Caesars
Propaganda, die es sicher gegeben hat[71], für einen Rachefeldzug
begeistern ließen, ist nicht leicht zu erkennen. Cassius Dio spricht
jedenfalls von allgemeiner Kriegsbegeisterung im Januar 44, von einem
einmütigen Kriegsbeschluß und von erheblichen Mittelbewilligungen[72]. Diese Nachricht
ist vermutlich keine eigene Ausschmückung Dios, der wenig Sympathie
für solche großen Kriegsvorbereitungen hatte[73], sondern stammt aus der Vorlage,
vielleicht aus Livius. Eines der stärksten Argumente für eine gewisse
Popularität des neuen Krieges innerhalb Roms dürfte es sein, daß
Cicero in seinen Reden gegen Antonius viele Vorwürfe gegen Caesars
Tyrannis erhebt, aber niemals den Partherfeldzug erwähnt. Die
Anhänger Caesars waren nach den Iden des März in der Lage, den
»nationalen« Gegensatz zu den Parthern und die Erinnerung an Crassus'
Niederlage wachzuhalten - Ventidius' Sieg im Jahre 38 wurde
überschwenglich gefeiert[74]. Augustus mußte sich dann
große Mühe geben, seine diplomatische Lösung des Partherproblems
aufgrund der Wiedergewinnung der Standarten von Crassus' Legionen plausibel zu
machen[75].
Beim Fortleben des Rachegedankens ist auch zu berücksichtigen, daß
die »Rache für Carrhae« vor den Iden des März für
manche deshalb so schwer erträglich war, weil die Vergeltung für
Crassus' Tod mit einem weiteren Sieg Caesars verbunden sein würde. Auf
jeden Fall mußte Caesar mit seinem Beharren auf dem Kriegsplan im Verlauf
des Jahres 45 die Leute vor den Kopf stoßen und geradezu in Schrecken
versetzen, deren Bereitschaft zur Mitarbeit beim Wiederaufbau des Gemeinwesens
ihm durchaus hätte nützen können[76].
V
Caesars Überlegungen in den ersten Monaten nach Munda lassen sich durch
zwei Stellen aus den Atticus-Briefen ein wenig beleuchten. Kurz nach Ciceros
schon erwähntem Briefentwurf muß Caesar, der keine große Eile
hatte, nach Rom zurückkehren[77], in seinen Botschaften an Oppius und
Balbus die Meinung vertreten haben, daß die inneren Verhältnisse der
Hauptstadt den Feldzug vorerst denn doch nicht erlaubten. Cicero schreibt am
28. Mai an Atticus[78]:
"Was den Brief an Caesar angeht, so steht mein Entschluß fest. Und
gerade das, was er, wie sie sagen, schreibe, er werde nicht gegen die Parther
ziehen, wenn nicht vorher alles in Ordnung gebracht sei, genau das riet ich in
jenem Brief."
Was Caesar mit der eigentümlichen, ein wenig militärischen Wendung
"nisi constitutis rebus"[79] meinte, geht aus einer etwas
späteren brieflichen Äußerung hervor. Cicero schreibt Attius am
10. Juni[80]:
"Sestius war gestern bei mir, und Theopompus. Er erzählte[81], daß von
Caesar ein Brief gekommen sei; er schreibe, daß er fest entschlossen sei,
in Rom zu bleiben, und als Grund füge er hinzu, was auch in meinem Brief
aufgeführt war, die Befürchtung, daß während seiner
Abwesenheit seine Gesetze nicht eingehalten würden, wie zum Beispiel das
Aufwandgesetz nicht eingehalten worden sei."
Wie sind diese Selbstzeugnisse Caesars zu verstehen ? Vertrat er im Juni 45 die
Meinung, erst nach Durchsetzung eines umfassenden und noch lange nicht
abgeschlossenen Reformprogramms in den Krieg ziehen zu können ? Gerade
dies ist, jedenfalls für diesen Zeitpunkt, ziemlich ausgeschlossen durch
das überraschende Beispiel, daß Caesar für die
»Unordnung« in Rom genannt hat: die Beachtung des durchaus
konventionellen Aufwandgesetzes[82]. Wenn man berücksichtigt,
daß der Feldzug ohnehin nicht vor dem Frühjahr 44 hätte beginnen
können, dann stecken in der Einschränkung "nisi constitutis
rebus" vermutlich auch noch künftige Gesetze, doch ist es bezeichnend,
daß Cicero mit dieser Ankündigung keine besonderen Befürchtungen
verbindet. Aus Caesars Brief an Sestius geht weiterhin hervor, daß er im
Mai und Juni 45 seine Position offenbar für ausreichend definiert hielt,
um wieder in den Osten zu ziehen; wenigstens zu diesem Zeitpunkt könnte er
das Königtum und andere politische Extravaganzen, die seinen
planmäßigen Abmarsch doch nur erschweren konnten, für
unnötig gehalten haben[83].
Im Mai und im Juni des Jahres 45 ist Caesar also noch auf Oppius' und Balbus'
Bedenken eingegangen und hat mit dem Gedanken gespielt, den Feldzug
vorläufig aufzuschieben[84]. Nach dem Zeugnis der Atticus-Briefe
zu urteilen war ihm dabei aber keineswegs die Neuordnung Roms über die
Gesetze des Jahres 46 hinaus von höchster Bedeutung, sondern immer nur der
Krieg gegen die Parther. Der kommende Aufenthalt in Rom scheint für Caesar
mehr eine "Pflichtübung" gewesen zu sein, notwendig, um Ruhe und
Ordnung für die Zeit seiner Abwesenheit zu gewährleisten, Mittel zum
Zweck[85]. Nach
seinen Zeitvorstellungen wäre er bei einem Abmarsch im Frühjahr 44
vermutlich ohnehin schon lange genug in der Hauptstadt gewesen[86]!
Der Fortgang der Überlegungen Caesars zur Opportunität eines neuen
Krieges ist nicht genau zu erkennen. Bis Ende August 45 herrscht eine
rätselhafte Unklarheit über Caesars aktuelle Pläne und, vor
allem, über das Datum seiner Rückkehr nach Rom. Wenn der Konsular
Cicero keine Informationen hatte, ist das ein Gradmesser für die
allgemeine Ungewißheit. Was Caesar bis Ende August getan hat,
läßt sich nur in sehr vagen Umrissen rekonstruieren[87]. Ein wesentlicher
Grund für die Langsamkeit seiner Reise muß der Wunsch gewesen sein,
in Spanien und in der Gallia Narbonensis an Ort und Stelle Siedlungsland
für seine Veteranen zu bestimmen[88]. Auch manche der später
realisierten Gesetze und Reformen dürften in dieser Zeit konzipiert worden
sein[89], ohne
daß Einzelheiten von Caesars Aufenthalten bekannt sind - es sei denn, wir
rechnen die Gastmähler dazu, auf denen Q. Cicero seinen Onkel
schmähte, und Caesars mehrfache Lektüre von Ciceros
»Cato«[90].
Vermutlich erst Ende Juli erreichte Caesar Oberitalien, da Brutus bis dahin mit
seiner Abreise zu ihm gewartet hatte[91]. Anfang August schließlich
wurde Caesars Wunsch bekannt, zu Beginn der Ludi Romani am 5. September wieder
in Rom zu sein. Es ist bemerkenswert, daß in diesem Falle selbst der sonst
wohlinformierte Balbus nicht mehr über Caesars Absichten wußte als
der vergleichsweise unbedeutende Lamia[92]. Die Ludi Romani begannen, ohne
daß Caesar seine frühere Absicht wahrgemacht hätte,
persönlich anwesend zu sein. Durch Sueton ist bezeugt, daß der
Dictator am 13. September sein Testament vor den Toren Roms gemacht hat[93]. Der
Großneffe C. Octavius hatte Caesar lange Zeit auf seiner Rückreise
von Spanien begleitet und befand sich seit Anfang September in Rom[94]; vielleicht machte
er sich schon Gedanken über seine Rolle im künftigen Partherkrieg[95]. Kurz nach der
Abfassung des Testaments muß Caesar Rom betreten haben, um dann an einem
der ersten Oktobertage den Triumph über die Pompeius-Söhne zu
feiern[96].
Spätestens in diesen Wochen dürfte Caesar sich dazu entschlossen
haben, den Truppenaufmarsch gegen die Parther zu befehlen. Ein zeitliches Indiz
ist auch C. Octavius' Fahrt nach Apollonia, der sich mindestens seit dem
Dezember 45 dort aufgehalten hat, um sich auf seine Teilnahme am Feldzug
vorzubereiten[97].
Die Notwendigkeit der logistischen Planung spricht eher für einen
früheren als für einen späteren Aufmarschbefehl; eine gesicherte
Aussage ist allerdings unmöglich[98]. Der Widerspruch zwischen der im
Juni 45 an Cicero weitergegebenen und damit »veröffentlichten«
Mitteilung, "sibi certum esse Romae manere", und der ganz anderen
Entscheidung später ist nicht leicht aufzulösen. Caesar muß
trotz aller Bedenken zu der Ansicht gekommen sein, daß die Einhaltung
seiner Gesetze genügend gewährleistet sei, um seine Abwesenheit zu
erlauben - wenn man ihm nicht unterstellen will, er habe mittlerweile das
Interesse an dieser Vorbedingung verloren, etwa aus Überdruß an den
vielfältigen Forderungen, die die Hauptstadt an ihn stellte[99]. Daß es
Krankheit war, die ihn forttrieb aus Rom, ist eine wenig glaubwürdige
Erklärung seines Verhaltens[100]. Es ist nicht auszuschließen,
daß die schlechten Nachrichten über Caecilius Bassus und dann erst
recht über Pacorus' direkte Hilfe für ihn den Ausschlag gegeben
haben[101]. Die
innenpolitischen Auswirkungen dieser Entscheidung sind nicht schwer zu erraten.
Alle diejenigen, die den Krieg leid waren, die solche militärischen
Großprojekte für unzeitig hielten und es vorgezogen hätten, erst
einmal einen Ausweg aus all den Schwierigkeiten in der Hauptstadt selbst zu
finden, mußte Caesar sich zu seinen Gegnern machen. Vielleicht hat er sich
über die Wirkung seines Verhaltens auch getäuscht und ist von seinen
Freunden nicht ausreichend informiert worden; über die Gründe
für seine Verhaßtheit bei manchen Senatoren, die er spürte, hat
er sich wohl nicht völlig Rechenschaft gegeben. Cicero haßte ihn
nicht, weil er nicht sofort in seine Kanzlei vorgelassen wurde, wie Caesar
gemeint haben mag[102], sondern aus ganz anderen
Gründen.
Sobald der Entschluß zum Partherfeldzug gefallen war, muß die
Opposition von lähmendem Schrecken erfüllt gewesen sein. Niemand
dachte an eine künftige Niederlage Caesars; niemand dachte daran,
entsprechende Vorzeichen zu entdecken[103]. Schon die unmittelbaren
Auswirkungen der Entscheidung waren in höchstem Maße unerfreulich:
die Designation von Magistraten über mehrere Jahre hinweg brachte bis
dahin geheiligte Grundsätze der Senatsaristokratie ins Wanken[104]. Caesars
Vertraute würden in Rom schalten und walten, ohne daß man über
seine jeweilige Ansichten Bescheid wissen konnte[105]; Caesars Verbindung mit der
Hauptstadt mußte von einem Lager jenseits des Euphrat wesentlich
schwieriger aufrechtzuerhalten sein als während der gallischen
Feldzüge[106]. Nach einer siegreichen
Rückkehr müßte Caesars Machtstellung von einer Art sein, die
geradezu unvorstellbar sein würde. Die Vermutungen über eine
»Auswanderung« Caesars nach Alexandria oder Troia zeigen, wie
aufgeregt die öffentliche Meinung damals gewesen ist[107]. Die Gegner Caesars brachten das
Gerücht auf, Caesar solle in der letzten Senatssitzung vor dem Abmarsch
den Königstitel für die Provinzen verliehen bekommen - ein Titel, an
dem er nach der Begegnung mit den vielen Klientelfürsten, die dieser Titel
zierte, eigentlich wenig Interesse haben konnte. Es ist bezeichnend, daß
die Überlieferung über diesen vermuteten Antrag ganz undurchsichtig
ist[108]. Erst die
Entlassung der spanischen Leibwache, die Caesar wohl auch in Vorwegnahme der
künftigen militärischen Bewachung verfügt hatte, bot Cassius und
Brutus die Möglichkeit, die schlimmen Gerüchte über Caesars
tyrannische Pläne auszunutzen[109].
Was den Dictator wirklich an den Iden des März bewegte, war aber nicht die
Hoffnung auf den Königstitel, sondern sein neuer Krieg. Als er am 15.
März die Senatsversammlung betrat, dachte er vor allem an den
Partherkrieg: "expeditionem Parthicam meditans" heißt es bei Florus,
der hier vermutlich von Livius abhängt[110].
VI
Die militärischen Vorbereitungen für den Feldzug, die wegen der
geplanten Bereitstellung von 16 Legionen von erheblichem Umfang gewesen sein
müssen, sind in den Quellen nur überraschend selten faßbar[111]. Soweit Caesar
bestehende Verbände einsetzen wollte (und konnte), mußte er
rechtzeitig die Marschbefehle erteilen[112]. Caesar wollte am 18. März
aufbrechen, zu Beginn der üblichen Kriegssaison, vielleicht auch
bewußt nach dem Jahrestag der Schlacht von Munda[113].
Die Zahl der militärisch erprobten Legionen, die Caesar zur Verfügung
stehen konnten, war nach der Entlassung vieler Veteranen sicher sehr begrenzt[114]. Die
Aushebungen, die für diesen Krieg notwendig gewesen sein müssen,
haben in der Überlieferung aber kaum Spuren hinterlassen. Es ist
charakteristisch für die Art der erhaltenen Quellen, daß wohl Caesars
Landanweisungen in Ciceros Briefen mehrfach erwähnt werden[115], nicht aber die
Aushebungen; kritische Stimmen, die man von vornherein erwarten sollte, sind
auf diese Weise schwer faßbar[116]. An den Iden des März hatten
die Legionen noch nicht alle ihre befohlenen Ausgangspositionen erreicht.
Mindestens eine Legion befand sich damals vielleicht noch auf ihrem Weg von
Westen nach Osten in der Nähe von Rom[117]. Alle ursprünglich im Westen
stationierten und jetzt für den Partherkrieg vorgesehenen Truppen
dürften über Italien in den Osten transportiert worden sein und dem
Projekt, von der Hauptstadt selbst einmal ganz abgesehen, eine fühlbare
Präsenz auch für die Bevölkerung ganz Italiens gegeben haben[118].
Sechs Legionen erwarteten in Makedonien und in Griechenland die Ankunft Caesars
aus Rom. Diese Legionen sind vor 45 hier noch nicht feststellbar; vielleicht
wurden sie erst nach Munda, im Laufe des Jahres 45, in Marsch gesetzt und waren
dort spätestens im November 45. Die sechs Legionen bildeten die Kerntruppe
für den Partherkrieg und waren bestens ausgerüstet[119]. Bei diesen
Truppen sollte C. Octavius seine höheren militärischen Weihen
erhalten[120]. Die
Stationierung der Legionen muß in den Provinzen nach dem Ende der
Bürgerkriegskämpte als neue schwere Belastung empfunden worden sein
und kann das Projekt dort nicht gerade populärer gemacht haben. Cicero
bemühte sich Ende 45 um Ausnahmeregelugnen bei der Einquartierung für
verdiente Geschäftsfreunde; wenn in seinen Briefen dazu der Zweck der
Truppenbewegungen mit keienr Silbe erwähnt wird, gehört wohl auch
dieses Schweigen zu seiner Ablehnung des gesamten Unternehmens[121].
Die Position der Truppen im März 44 läßt sich den Quellen mit
einiger Sicherheit entnehmen. In Illyrien standen drei Legionen unter dem
Kommando des Vatinius, übrigens stark angeschlagen durch Kämpfe mit
den Einheimischen[122]. Da Caesar einen Sommerfeldzug
gegen die Daker plante, könnten sich noch weitere Truppen auf dem Marsch
befunden haben, die Vatinius wegen der erlittenen Verluste verstärken
sollten.
Sechs Legionen befanden sich, wie erwähnt, in Makedonien und in
Griechenland. Zur Deckung der Nordgrenze Armeniens, Caesars erstem Ziel bei der
Annäherung an die Parther, standen vielleicht zwei Legionen in Pontus zur
Verfügung[123]. Der Aufmarsch in Syrien war im
März noch nicht beendet. Aus Bithynien rückten drei Legionen heran[124], und die drei
in Ägypten stationierten Legionen hatten vielleicht ebenfalls den Befehl,
nach Syrien zu marschieren[125]. Eine neue Legion, die zum Schutz
Ägyptens während des Feldzugs bestimmt war, befand sich wohl noch auf
dem Transport[126]. Ob Caesar schon ausreichend
Gelegenheit gefunden hatte, auf die unerwartet hartnäckige Rebellion des
Caecilius Bassus zu reagieren, läßt sich nicht deutlich erkennen;
erneute Bürgerkriegsschlachten in Syrien mußten die Planung für
den Angriff auf die Parther empfindlich stören[127].
Nach dem Zeugnis Appians waren den 16 Legionen der Parther-Armee zehntausend
Reiter zugewiesen[128]. Zu den Hilfstruppen gehörten
beispielsweise Spanier, Mauretanier und Ituräer[129]. Verstärkung durch armenische
Reiter, die Erfahrung im Kampf mit den Parthern hatten, war sicher auch
vorgesehen[130].
Caesar nutzte sämtliche Ressourcen des Reiches: selbst afrikanische
Elefanten gehörten zu seiner Ausrüstung[131].
Der Transport des zur Versorgung des riesigen Heeres notwendigen Materials,
einschließlich des Gepäcks der Soldaten, war im März noch nicht
abgeschlossen[132]. Ein Teil der Kriegskasse befand
sich in Depots, zum Beispiel in Demetrias[133]. Die Hektik der
Münzprägung in Caesars Spätzeit wird sicher auch mit der
finanziellen Vorbereitung des Krieges zu erklären sein. Woher Caesar nach
den ungeheuren Ausgaben des Jahres 46 das Edelmetall für seine
Prägungen nahm, läßt sich nicht sagen. Es ist davon auszugehen,
daß nicht nur Italien, sondern auch die Provinzen erheblich für
diesen Feldzug beizusteuern hatten.[134].
Die genauen Truppenstärken sind nicht zu ermitteln. Ein Anhaltspunkt ist
vielleicht M. Antonius' Parther-Armee: er zieht ebenfalls mit 16 Legionen in
den Kampf, die zusammen eine Stärke von sechzigtausend Mann gehabt haben
sollen[135]. Auf
jeden Fall war Caesars Armee, zu der ja auch noch der Troß zu zählen
ist, stärker als die, mit der er Gallien unterworfen hatte. Die vielen
für den Partherkrieg neu gemusterten Soldaten stellten denn auch einen
erheblichen Teil der Truppen für die Bürgerkriegskämpfe nach den
Iden des März.
Wer Caesars Truppenführer sein sollten, ist nur vereinzelt zu erkennen.
Die Herren, die die Ehre hatten, zu Caesars Legaten für diesen Krieg
ernannt zu werden, haben es vorgezogen, namenlos zu bleiben[136]. Die erfahrenen
Marschälle der gallischen Feldzüge, wie D. Brutus und M. Antonius,
haben sich offenbar nicht zu neuen Aufgaben gedrängt. Cicero weiß
bezeichnenderweise nichts von M. Antonius' Ehrgeiz, sich im Osten erneut
auszuzeichnen[137]. Daß Cassius durch
Abwesenheit auffiel, ist bereits erwähnt worden. Der erfahrenste Soldat,
der namentlich bekannt ist, ist Q. Marcius Crispus, der 44 in Syrien gegen
Caecilius Bassus eingesetzt wurde[138]. Zu den höheren Offizieren
werden auch M. Acilius[139] und L. Staius Murcus[140] zu zählen
sein. Das Fehlen der uns bekannten Namen darf nicht zu dem Schluß
verleiten, daß Caesar, aus welchen Gründen auch immer, auf weniger
kompetente Unterführer zurückgreifen mußte, weil sich die
besseren Kandidaten seinen Wünschen entzogen hatten. Der Sieg über
die Gallier lehrt, daß Caesar ein ungewöhnliches Auge für
militärisches Talent hatte und wenig Wert auf die Regeln der
Anciennität legte. Es ist sicher kein Zufall, daß er Agrippa für
die Begleitung seines Großneffen auswählte[141]. Soldaten dieses Schlages
dürfte es auf allen Befehlsebenen gegeben haben.
Dios pauschale Notiz über die allgemeine Kriegsbegeisterung in Rom bezieht
sich zunächst auf die, die ihre Stimme für den Krieg abgaben und
vermutlich nicht die Absicht hatten, Caesar in den Osten zu begleiten[142]. Die Frage nach
der Stimmung der Soldaten Caesars ist nicht mit direkten Zeugnissen zu
beantworten. Hätte Caesar auch über diesen Feldzug "commentarii"
schreiben können, wüßten wir besser Bescheid. Ein paar Hinweise
gibt es aber doch. Eine Erwähnung von Kriegsmüdigkeit - wenn
vielleicht auch nur der Gegner Caesars - ist Suetons im Zusammenhang des
Gerüchts von Caesars »Auswanderung« nach Osten gegebene
Begründung "exhausta Italia dilectibus": das bezieht sich nicht auf die
Situation vor, sondern nach Munda, als wiederum ein Feldzug vorbereitet wurde,
dessen Ziele nicht jedermann einsichtig waren[143]. Die Überbelastung Italiens
durch Caesars imperiale Pläne sollte keinesfalls unterschätzt werden;
dies ist aber eine »moderne« Erwägung, die für Caesar
selbst relativ bedeutungslos und auch für einen Mann wie Cicero nur dann
erwähnenswert war, wenn es galt, einen Gegner anzuschwärzen[144].
Wie die Stimmung mancher Rekruten war, die Caesar seit der Entlassung seiner
Veteranen hatte einziehen müssen, läßt sich dadurch indirekt
beleuchten, daß viele der im Osten stationierten Legionen nach den Iden
des März wenig Bedenken hatten, sich auf die Seite der Attentäter zu
schlagen[145].
Caesars Kerntruppe allerdings, die in Makedonien und in Griechenland
stationierten Legionen, wurde später von M. Antonius übernommen; sie
dürfte von Caesar für besonders zuverlässig gehalten worden
sein[146]. Das
gewichtigste Argument gegen eine breite Unbeliebtheit von Caesars Projekt in
der Bevölkerung und bei den Truppen wird der Umstand, sein, daß
Caesar in der späten Überlieferung niemals ein Vorwurf daraus gemacht
worden ist. Selbst Brutus scheint auf seiner "contio Capitolina" nicht vom
Partherkrieg gesprochen zu haben[147].
VII
Wie wäre es weitergegangen am 18. März ? Schon die
widersprüchlichen Gerüchte um Caesars Auswanderungswunsch und
über die angeblichen Sibyllensprüche zeigen, daß man wenig
über Caesars weitere Absichten informiert und entsprechend unruhig war.
Caesar scheint wenig getan zu haben, um diese Unruhe zu besänftigen. Es
ist überhaupt schwer zu erkennen, in welchem Maße er die Senatoren
und andere Teile der »Öffentlichkeit« an seinen Gedanken
über den künftigen Feldzug teilnehmen ließ - selbst Cicero
konnte froh sein, durch ausgewählte Mitteilungen aus Briefen Caesars an
seine Vertrauten informiert zu werden[148].
Von Caesars »wirklichen« Absichten ist die Propaganda der
caesarischen Kanzlei natürlich zu trennen. Die erneuten gewaltigen
Rüstungen nach den Bürgerkriegskämpfen sind ohne eine gewisse
propagandistische Begleitung nicht denkbar; der Aufmarsch von 16 Legionen
muß in irgendeiner Form begründet worden sein. Die Spuren der
caesarischen Propaganda in den Quellen sind allerdings ganz dürftig. Sieht
man von den Münzen ab, die sich zuerst als Quelle anbieten, aber nicht
eindeutig auf den Partherkrieg zu beziehen sind[149], so gibt es kein einziges sicheres
Zeugnis für die Popularisierung des Feldzuges. Cassius Dios Bericht
über die allgemeine Kriegsbegeisterung und die Sehnsucht nach einer
Vergeltung für Carrhae ist möglicherweise schon durch die
spätere Überlieferung geformt[150]. Ciceros Schweigen hat einen
dichten Schleier über diese Vorgänge gelegt. Es muß eine
Vermutung bleiben, daß die »Rache für Carrhae« ein
wesentliches Element der Propaganda gewesen ist. Die Angriffe der Parther auf
die Provinz Syrien seit Carrhae mochten als Hinweis auf die Notwendigkeit
gelten, für die Ruhe der östlichen Provinzen zu sorgen. Caesar nennt
im »Bellum Civile« geschickterweise nicht nur Crassus, sondern auch
Bibulus, dem von den Parthern Unrecht geschehen sei[151]. Vielleicht hat Caesar bei seiner
Kriegsvorbereitung den Akzent auf die "pax provinciarum" gelegt, deren
Sicherung mehr verlange als eine einzige Revanche-Schlacht gegen die Parther -
nämlich umfassende Regelungen. Der Feldzug gegen die Daker ist
ähnlich begründet worden[152]. Die Vermutung liegt nahe,
daß sich Caesar die bei aller Kriegsmüdigkeit weitverbreitete
Vorstellung vom Beruf Roms zur Weltherrschaft und zum Recht auf die
Vergrößerung des Reiches zunutze gemacht hat, eine Vorstellung, die
er selbstverständlich geteilt hat[153]. Mit der Berufung auf die
expansionistische Grundhaltung vieler Römer ließ sich immer zugunsten
eines neuen Krieges argumentieren. Mit solchen Reden hatte er allenfalls eine
ganz kleine Gruppe konservativer Senatoren gegen sich, die nach Catos Tod
ohnehin einer klaren geistigen Führung entbehrte[154]. Die neuen Rekruten konnten
vielleicht durch den Hinweis auf die zu erwartende Beute und den Wohlstand der
Veteranen Caesars für den Dienst gewonnen werden[155]. Auf jeden Fall wird Caesar den
kommenden Feldzug mit Argumenten gestützt haben, die der breiten
Öffentlichkeit zumutbar gewesen sind, denn nur so ist das - billigende -
Schweigen der Zeitgenossen und der späteren Überlieferung über
Caesars Rüstungen zu verstehen[156].
Daß Caesar selbst sich je im Senat oder an anderer Stelle über sein
konkretes Kriegsziel nach dem Ausmarsch geäußert hat, ist zu
bezweifeln. Andeutungen dazu überließ er seiner Kanzlei; es ist
bezeichnend, daß er auch über seine Vorstellungen bei der Eroberung
Galliens andere hat sprechen lassen, etwa Cicero in der Rede über die
konsularischen Provinzen[157]. Es entspräche seiner
zunehmenden, geradezu monarchischen Verschlossenheit, allein Männer wie
Oppius und Balbus in sein Vertrauen zu ziehen; ein "consilium" aus
hochgestellten Senatoren hielt er damals nicht für nötig. Mit Cicero
sprach er im Dezember 45 nur noch über Literatur[158].
Caesars Zurückhaltung bei der Offenlegung seiner Absichten macht es
verständlich, wenn sehr unterschiedliche Berichte über seine
militärische Planung nach dem Abschluß des Truppenaufmarsches
erhalten sind, die ja auch in der modernen Forschung widergespiegelt werden;
seine Absichten hinsichtlich der Ausgestaltung seiner Position in Rom nach der
siegreichen Rückkehr ist ein weiteres Problem, das sich noch mehr der
sicheren Beurteilung entzieht[159]. Sueton schreibt in einem
Abschnitt über die letzten Pläne Caesars, der hier etwas gekürzt
zitiert wird[160]:
"Für den Schmuck und für die Ausgestaltung der Stadt sowie
für den Schutz und für die Erweiterung des Reiches befahl er von Tag
zu Tag mehr und größere Projekte: (...) er wollte die Daker, die nach
Pontus und nach Thrakien eingefallen waren[161], zurückdrängen; dann
wollte er die Parther von Kleinarmenien her bekriegen, sie aber erst zur
Schlacht stellen, wenn er Erfahrung im Kampf mit ihnen gewonnen hätte."
Auf die Besonderheiten dieses Textes, die sich auch durch die von Sueton
benutzten Quellen erklären, ist schon hingewiesen worden[162]. Von der
»Rache für Carrhae« ist nicht die Rede, sondern von Caesars
Wunsch nach einer Sicherung und Mehrung des Reiches. Es fällt auf,
daß Sueton, der die Feldzüge in Gallien sehr kritisch beurteilt hat[163], diesen Krieg
mit einem durchaus günstigen Vorzeichen versieht. Die Daker erscheinen als
Angreifer, die zurückzudrängen zum Programm jedes verantwortlichen
Herrschers gehören mußte[164]. Der Kriegsgrund gegen die Parther
wird in Suetons knapper Formulierung nicht genannt; »Schutz« vor den
Angriffen auf Syrien und imperialistische »Erweiterung« des Reiches
gehören vermutlich zusammen[165]. Es ist nicht auszuschließen,
daß Suetons Worte unter dem Eindruck von Traians Ostpolitik gewählt
sind - Caesar erscheint hier durchaus als Vorläufer des militärisch
kompetenten Princeps Traian[166]. Hätten wir nur Suetons
Abschnitt über den Partherkrieg Caesars, so müßte man
übrigens annehmen, daß die konkreten Vorbereitungen für den
Feldzug noch gar nicht begonnen hatten[167].
Das zweite Zeugnis über Caesars Kriegsziele stammt aus der Biographie
Plutarchs, die er mit der Lebensbeschreibung Alexanders des Großen
zusammengestellt hat. Plutarch nennt den Feldzug als Beispiel für Caesars
finalen Ehrgeiz; diese Motivierung gehört zu Plutarchs - oder seiner
Quelle - Voraussetzung, daß es einen zwingenden Kriegsgrund, etwa die
notwendige Grenzsicherung des Reiches, nicht gegeben habe. Der Römer
Sueton läßt diesen von Caesar selbst propagierten Gedanken wenigstens
anklingen[168].
Plutarch schreibt[169]:
"Sein Plan und seine Absicht waren es, gegen die Parther zu Felde zu
ziehen, nach ihrer Niederwerfung auch durch Hyrkanien dem Kaspischen Meer und
dem Kaukasos entlang zu ziehen, das Schwarze Meer zu umgehen und in das
Skythenland einzufallen, dann die den Germanen benachbarten Gebiete und
Germanien anzugreifen und durch das Keltenland hindurch nach Italien
zurückzukehren, um so den Kreis des Reiches zu schließen, das von
allen Seiten durch den Ozean begrenzt sein sollte."
Im Unterschied zu Sueton, der genaugenommen nur von der Eröffnung des
Feldzugs, nicht von seiner weiteren Durchführung und Zielsetzung spricht,
geht es Plutarch um den ganzen Feldzug. Es ist keineswegs unmöglich,
daß Plutarchs auf den ersten Blick phantastische Version auf
zeitgenössische Überlieferung zurückgeht, und sei es auf
Gerüchte der Art, die Sueton für andere Zusammenhänge genannt
hat[170];
Hyrkanien und der nebelhafte europäische Norden spielten schon für
Pompeius und Crassus eine Phantasie und Ehrgeiz beflügelnde Rolle[171]. Die
geographischen Vorstellungen der Zeit lassen es nicht ausschließen,
daß ein solcher Feldzug bei genügender Vorbereitung - und daran
ließ Caesar es ja nicht fehlen - für durchführbar gehalten
werden konnte[172]. Mit der Annahme eines
zeitgenössischen Kerns von Plutarchs Version des Feldzugs ist freilich
noch nichts über den Bezug dieser ausschweifenden Planungen zu Caesar
selbst gesagt. Wenn es sich hier nicht um publikumswirksame Aneigungen der
Alexanderlegende handelt, die Caesars Unternehmen nach dem
Bürgerkriegsgemetzel großartige Züge verleihen sollten[173], kann es sich
allenfalls um eine Vergröberung von Andeutungen Caesars handeln, die er
sich hütete in die tatsächliche Planung des Feldzuges einzubringen.
Daß ihm solche Gedanken nicht grundsätzlich fremd waren, beweisen
seine hochgemuten Äußerungen nach der Britannien-Fahrt[174].
Wenn Suetons Notiz sich so gründlich von Plutarchs Darstellung
unterscheidet, hat dies seinen Grund nicht nur in der verschiedenen Perspektive
- Eröffnung bzw. Durchführung des ganzen Feldzuges -, sondern wohl
vor allem in Suetons Absicht, anhand der ihm zugänglichen "Akten" des
kaiserlichen Archivs die maßlose Ausdeutung von Caesars Zielen zu
widerlegen[175].
Dabei sind es gar nicht Caesars Gegner gewesen, die von solchen Plänen
gesprochen haben und damit vielleicht Caesars Größenwahn geißeln
wollten: Nikolaos, der Leibhistoriker des Augustus, schreibt ohne Zögern
von Caesars Absicht, bis zu den Indern zu ziehen[176]. »Baktrien« und
»Indien« hatten schon für Pompeius' und Crassus' Ehrgeiz etwas
bedeutet, und so muß Nikolaos' Erwähnung der Inder keine absurde
Übertreibung von Caesars Absichten oder wenigstens dessen sein, was
Zeitgenossen für möglich halten konnten, ohne Caesar gleichzeitig
für verrückt zu erklären[177]. Irgendein übereifriger
Verehrer Caesars hat sicher von solchen Gedanken des Imperators gesprochen[178] ! Ohnehin darf
die Planung des Partherfeldzuges nicht auf einem heutigen Globus verfolgt
werden - Caesar ging sicher von der Vorstellung aus, daß die Ausdehnung
der Oikumene nach Osten und nach Norden relativ begrenzt sei und damit noch im
Bereich rationaler militärischer Planung lag[179].
Wenn die Designierung künftiger Magistrate ein Maßstab ist, hat
Caesar zunächst wohl von einer Kriegsdauer von drei Jahren gesprochen, und
Suetons Worte lassen sich mit einer so begrenzten Planung in Einklang bringen -
wenn es auch ein sehr knapper Zeitplan gewesen wäre, der wenig Raum
ließ für unvorhergesehene Ereignisse. Der erste Schritt sollte eine
Strafexpedition gegen die Daker unter ihrem König Burebista sein, die seit
Jahren die Nordgrenze von Makedonien bedrohten[180]. Pompeius wäre einer
gütlichen Einigung wohl nicht abgeneigt gewesen[181], doch hatte Caesar offensichtlich
nicht die Absicht, gewalttätige Verletzungen der römischen Grenzen
mit einem diplomatischen Abkommen zu beenden. Burebista konnte damals wohl
Erinnerungen an Mithridates wecken; die späteren Schwierigkeiten der
Römer mit den Dakern beweisen, daß Caesar hier einer wirklichen
Bedrohung entgegentreten wollte, die zu verniedlichen seinen Gegnern
schwergefallen sein dürfte[182]. Nur der Tod Burebistas hat den
Römern nach den Iden des März ernste Probleme erspart. Bei der
Vorbereitung dieses Feldzuges konnte Caesar sich mit vollem Recht auf sein
Programm der "pax provinciarum" berufen; daß nicht jedermann dieser
Aufgabe angesichts der vielen ungelösten Probleme innerhalb der Hauptstadt
die gleiche Dringlichkeit zuerkannte, steht auf einem anderen Blatt[183]. Wenn Caesar
die Daker vorerst nur in ihre Schranken weisen wollte, könnte dies ein
Indiz für seine nüchterne Einschätzung der Kampfkraft dieses
Gegners unter einem Anführer wie Burebista sein. Im Jahre 43 wäre
vielleicht Antonius Statthalter in Makedonien geworden und hätte die
Kämpfe weiterführen können[184]. Caesars vorrangiges Ziel im Jahre
44 mußte es sein, erst einmal die rückwärtigen Verbindungen
freizuhalten und damit die Versorgung seiner Truppen sicherzustellen[185].
Der Aufmarschplan für die Eröffnung des Partherkriegs ist noch zu
rekonstruieren; die weitere Planung ist aber nur noch in Umrissen zu erkennen,
und vielleicht war sie auch noch nicht in allen Einzelheiten festgelegt. Die
sechzehn Legionen machen jedenfalls deutlich, daß Caesar mit dem Mittel
einer gewaltigen, schon zahlenmäßigen Überlegenheit zu einem
schnellen Erfolg - wie immer er sich ihn vorgestellt hat - kommen wollte und
keine unnötigen Risiken einging. Schon der Aufmarsch der ungewöhnlich
großen Armee würde eine Demonstration der Macht des Reiches sein, die
geeignet war, die Parther für lange Zeit von begehrlichen Gedanken an
Syrien abzuhalten[186].
Suetons Hinweis, daß Caesar die Parther erst nach einer Erkundung ihrer
Kampfesweise zur Entscheidungsschlacht stellen wollte, ist von großer
Bedeutung. Sueton hat bereits an anderer Stelle in seiner Biographie von
Caesars Vorsicht bei seinen militärischen Unternehmungen gesprochen[187]; die
sorgfältige Planung in diesem Falle wird sich durch die Furcht
erklären, die Parther könnten ihre Taktik seit Carrhae geändert
haben[188]. Der
Erfolg von Zela - "veni, vidi, vici" - hatte Caesar nicht desorientiert;
er verließ sich bei diesem wohl letzten und seine militärische
Karriere krönenden Feldzug nicht bloß auf sein Kriegsglück und
die schiere Masse seiner Soldaten, sondern gestand sich ein, noch nicht
genügend Kenntnisse über den Gegner zu haben, um eines Erfolges ganz
sicher sein können. Es wäre interessant zu wissen, wie er die Parther
zu einer Entscheidungsschlacht zwingen wollte[189].
Zu dieser besonnenen Planung, die so gar nicht zum Bild des epileptischen
Tyrannen paßt, das zeitgenössische Feinde wie Ampius Balbus zu
zeichnen beliebten[190], gehört auch der Anmarsch
über das von Sueton ausdrücklich genannte Kleinarmenien[191]. Caesar wollte
also Crassus' Fehler nicht wiederholen und so lange wie möglich den
gefährlichen parthischen Reitern ausweichen[192]. Vielleicht hat bereits Pompeius
auf dem gleichen Weg gegen die Parther vorrücken wollen[193].
Einige Rückschlüsse auf Caesars weitere Absichten nach Erreichen
Klein-Armeniens erlaubt M. Antonius' späterer Feldzug. Antonius hat sich
an Caesars Planung orientiert, wenn dies überraschenderweise auch nirgends
offen ausgesprochen worden ist, weder von ihm selbst noch von einem seiner
Neider[194]. Der
Anmarsch über Kleinarmenien erlaubte Caesar schon aus geographischen
Gründen kein wesentlich anderes Vorgehen als später Antonius.
Mommsens Annahme, Caesar haben von Syrien aus den Feldzug eröffnen wollen,
widerspricht Suetons bewußt gewähltem Detail über Kleinarmenien
und ist auch sonst nicht leicht zu begründen.[195].
Allem Anschein nach wollte Caesar nach dem Erreichen Armeniens sein Heer mit
der Reiterei des Königs Artavasdes verstärken und dann - wie Antonius
- nach Atropatene marschieren, einem der Kerngebiete des Partherreiches[196]. Vielleicht
machte sich Caesar Hoffnung auf einen Zerfall des Partherreiches nach einer
Niederlage gerade hier. In Mesopotamien hatte sich schon oft der Widerstand
gegen die parthischen Herren geregt; durch ein »Carrhae« der Parther
hätte sich erneut Gelegenheit zum Abfall geboten[197].
Das alles ist weitgehend Spekulation, die durch die Berücksichtigung von
Antonius' späterem Scheitern an unvorhergesehenen Faktoren nur noch
unsicherer wird. In der Schlacht von Phraaspa, die Antonius als einen Sieg
betrachten konnte, hatten die Parther selbst nach der römischen
Überlieferung nur ganz geringe Verluste. Solche Ergebnise hätten auch
Caesar drohen können[198].
Noch spekulativer ist die Frage nach Caesars Vorstellungen über die
Neuordnung des Ostens nach dem Sieg. Er hatte die Wahl zwischen einer
Annektierung der gewonnenen Gebiete und der Kontrolle durch willfährige
Klientelfürsten. Sein Umgang mit der ägyptischen Beute spricht eher
für das letztere[199]. Von der Mehrung des Reiches
konnte er auch bei einem Verzicht auf die Schaffung neuer Provinzen sprechen.
VIII
Es besteht kein Grund zu der Annahme, Caesar hätte nach seinem Aufbruch in
den Osten ein unrühmliches Ende finden müssen - das war nur die
allerletzte Hoffnung mancher seiner Feinde, die wohl in Ciceros kryptischen
Worten "er wäre nie zurückgekehrt" ausgesprochen sein soll[200]. Das riesige
Truppenaufgebot und die vorsichtige Annäherung an die Parther sprechen
dafür, daß Caesar bei diesem Krieg, der dann alle weiteren Kriege um
die Grenzen des Reiches unnötig machen würde, keine Risiken eingehen
wollte. Wäre er zurückgekehrt, mit dem Ansehen eines Siegers
über schreckliche Reichsfeinde, nicht bloß über
Bürgerkriegsgegner, so hätte sein Ruhm bis an den Himmel gereicht[201]. Die letzten
verbliebenen Gegner hätten sich den Dankbeschlüssen von Caesars Senat
wohl oder übel angeschlossen, und Cicero hätte sich schließlich
doch bereitfinden müssen, Caesars Reichspolitik zu interpretieren. Und
welche Ehren wären wohl C. Octavius zuteil geworden[202] ?
Zum Partherkrieg Caesars ist es nicht gekommen. Nach der voreiligen Entlassung
der spanischen Leibwache haben Cassius und Brutus die letzte Gelegenheit
genutzt, den drohenden Sieg mit allen seinen außen- und innenpolitischen
Folgen zu verhindern. Das Urteil des Historikers muß sich nicht unbedingt
mit dem negativen Spruch der Verschwörer decken. Dem modernen Betrachter
von Caesars Spätzeit ist ein Urteil über seine Absichten bei der
Neuordnung Roms und der Provinzen dadurch erschwert, daß er nicht von der
Annahme ausgehen sollte, Caesar habe bis zu den Iden des März schon alle
Vorstellungen, die er für diese Aufgabe hatte, in die Tat umgesetzt[203]. Selbst mit
diesem methodischen Vorbehalt läßt sich freilich nicht der Frage
ausweichen, ob Caesar gut daran getan hat, um jeden Preis an seinem
Partherfeldzug festzuhalten. Es ist schwer, die Kontinuität seines
Wunsches nach dem Partherkrieg mit irgendeiner politischen oder
militärischen Notwendigkeit zu begründen, die keinen Aufschub
vertragen hätte, da er doch selbst noch im Jahre 45 um die Entscheidung
gerungen hat[204].
Vielleicht hat er die Prioritäten aufgrund seiner seit den Kämpfen in
Gallien veränderten Erfahrungen eben anders gesetzt als Cicero und seine
Freunde; er mag vor allem an die Sicherung der Reichsgrenzen gedacht haben, und
erst dann an die Hauptstadt. Keiner der politisch maßgeblichen
Zeitgenossen hat ihm hier zu folgen vermocht, und selbst die Getreuesten der
Treuen waren von der Weisheit seines Kriegsentschlusses nicht völlig
überzeugt[205].
Anmerkungen
- Zum Datum s. unten Anm. 113.
[Zurück zum Text]
- Römische Geschichte III, Berlin 1856 1, 434 (1904 9,
467): "Caesar ist an der Themse und am Rhein freiwillig
zurückgegangen und gedachte auch an der Donau und am Euphrat nicht
ungemessene Pläne der Weltüberwindung, sondern bloß wohlerwogene
Grenzregulierungen ins Werk zu setzen." Diese Interpretation hat er später
nicht beibehalten; im Jahr 1871 zählte er den Partherkrieg zum
"caesarischen Kriegsprogramm", das mit der Annexion des Reiches vollendet
gewesen wäre (Reden und Aufsätze, Berlin 1905, 178f). Römische
Geschichte V, Berlin 1885, 358 spricht er von der Revanche für Crassus als
wichtigem Kriegsgrund.
[Zurück zum Text]
- Ed. Meyer, Caesars Monarchie und das Principat des
Pompejus, Stuttgart & Berlin 1922 3, 472f.
[Zurück zum Text]
- Vgl. D. Timpe, Die Bedeutung der Schlacht von Carrhae, MH
19, 1962, 104-129 (hier bes. 114f); s. auch ders., Geschichte der politischen
Beziehungen zwischen Römer- und Partherreich, Habilitationsschrift
Freiburg 1963, 89-98.
[Zurück zum Text]
- Cicero zum Beispiel war im Jahre 45 angewiesen auf Briefe
Caesars an seine Vertrauten und deren ausgewählte Mitteilungen; vgl. Cic.
Att. 13,7,1 (Anm. 80).
[Zurück zum Text]
- Man sollte davon ausgehen, daß Livius sich bei
seinem Bericht über die Jahre 49-44 nicht in "thukydideischer" Manier
auf mündliche Überlieferung berief, sondern immer schriftliche
Vorlagen benutzt hat. Die Fülle zeitgenössischen Materials wird auch
durch die von Sueton in seiner Caesar-Vita zitierten Quellen deutlich. Zu
Livius' Vorlagen wird auf jeden Fall Asinius Pollios Werk gehört haben;
andere mögliche Quellen sind die Arbeiten von Scribonius Libo (vgl. App.
BC 3,77,315; L. Canfora, SCO 12, 1963, 207-211) und Cornutus (vgl. Suda s. v.
Kornoutos, k 2098; C. Cichorius, Römische Studien, Leipzig & Berlin
1922, 261-269). Jedes dieser Werk war wegen des Berichtszeitraums ein
"periculosae plenum opus aleae" (vgl. Hor.carm. 2,1,6 über Asinius Pollios
Historien).
[Zurück zum Text]
- Die Bücher, in denen Livius das Partherproblem seit
Crassus zu behandeln hatte, sind mit einiger Sicherheit nach Augustus'
Entscheidung des Jahres 20 v. Chr. geschrieben worden, die Parther nicht mehr
militärisch, sondern nur noch diplomatisch gefügig zu machen. Zu
Augustus' sorgfältiger Überwachung der Tradition über seinen
Adoptivvater vgl. R. Syme, Roman Papers I, Oxford 1979, 211f.
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- Ciceros Kritik wäre vor allem in den Reden gegen
Antonius und in der Schrift "de officiis" zu erwarten. Zu seinem Verhalten
vor Caesars Tod s. unten Anm. 47.
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- Vgl. dazu D. Timpe, MH 19, 1962, 116f. Die Provinz
Syrien, von deren Bedrohung Caesar bei der Vorbereitung des Feldzuges oft
gesprochen haben wird (vgl. BC 3,31,3 - Anm. 39) war für die Parther
prinzipiell begehrenswert (vgl. Dio 41,55,4 über Syrien als Preis für
die Unterstützung des Pompeius). Pacorus, der schon im Jahre 45 die Grenze
überschritten und dem Pompeianer Caecilius Bassus geholfen hatte (Anm.
101), galt im Jahre 36 in Syrien als beliebt (Dio 49,20,4).
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- Fronto p. 117,6-8 v.d. Hout: "Ventidius ille,
postquam Parthos fudit fugavitque, ad victoriam suam praedicandam orationem a
G. Sallustio mutuatus est". Hist. 1, 11 (Maur.) wird die römische
Expansion grundsätzlich gelobt. Hist. 4, 70 (vielleicht über Lucullus
?) ist allerdings eine kritische Stimme gegen die allzu
selbstverständliche Erweiterung des Reiches erhalten: "imperii prolatandi
percupidus habebatur, cetera egregius".
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- S. unten Anm. 95.
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- Vgl. dazu P.A. Brunt, JRS 53, 1963, 174f. sowie W.
Schmitthenner, Gnomon 37, 1965, 156f.
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- Livius, der »Republikaner« (Pompeianus, wie
Augustus ihn nannte - vgl. Cremutius Cordus bei Tac. Ann. 4,34,3) hat den Krieg
in Gallien als reinen Eroberungskrieg dargestellt (wohl im Sinne der Suet. DJ
24,3 & 54,2 vorliegenden Tradition) und damit kritisieren wollen; s. die
Nachweise von Ed. Schwartz, RE 3,1707,39f und Ed. Norden, Die germanische
Urgeschichte in Tacitus' Germania, Leipzig & Berlin 1923 3, 150, 219 Anm.
2, 362 Anm. 2. Rückschlüsse auf Livius' sehr kritische Darstellung
von Crassus' Partherfeldzug (vgl. Anm. 6) erlaubt wohl Flor. 1,46 (3, 11). 44
(43,51,1; s. Anm. 72) könnte freilich auf Livius zurückgehen. Caesar
wird hier nicht, wie bei Plutarch (Anm. 169), als Anstifter eines Krieges aus
bloßem Ehrgeiz und um jeden Preis geschildert.
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- Bezeugt ist diese Forderung erstmals für Antonius,
als sie bereits einen Verzicht auf die Eroberung des Partherreichs darstellte
(Dio 49,24,5; Plut. Ant. 37,2); vgl. dazu D. Timpe (wie Anm. 9), 121f. Zum
Ergebnis eines Sieges Caesars hätte die Rückgabe der
überlebenden Gefangenen und der Feldzeichen allemal gehört. Es ist
ganz unwahrscheinlich, daß nicht auch Caesar, der soviel Wert legte auf
die Ehre der römischen Legionen (vgl. Bell. Hisp. 42,7; Anm. 30), nicht
dauernd von der Rückgabe der Feldzeichen bzw. deren Rückeroberung
gesprochen hat. Vgl. Caes. BG 4,25,3 über den tapferen Adler-Träger:
"Desilite, inquit, milites, nisi vultis aquilam hostibus prodere: ego
certe meum rei publicae atque imperatori officium praestitero". S. auch die
Beispiele bei Frontin. strat. 2,8 de restituenda per constantiam acie.
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- Nikolaos FGrHist 90 F 130 ? 95; s. unten Anm. 176. Er
berichtete auch in seinen Historien über die Parther - vgl. F 79 (= Athen.
p. 252 D) über einen Schmeichler des Crassus aus Carrhae.
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- Diesen Schluß erlaubt die Bewertung der Parther in
Horaz' Gedicht an Asinius Pollio (carm. 2,1); vgl. R.G.M. Nisbet & M.
Hubbard, A Commentary on Horace: Odes Book II, Oxford 1978, 27f.
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- Selbst wenn Timagenes nicht zu den von Livius getadelten
"levissimi ex Graecis" (9,18,6) gehören sollte, so hat er doch auf
jeden Fall die Mächte des Ostens für solider gehalten als andere
Autoren der Zeit, z.B. Poseidonios (vgl. Timagenes FGrHist 88 F 9 = Plut.Pomp.
49 über Ptolemaios Auletes, der von den Römern anmaßend und
ungerecht behandelt wird). Die Vermutung liegt nahe, daß er, der gerne und
ausführlich von der Dekadenz der römischen Führungsschicht
sprach (F 11 = Strab. 4,1,13 über die lasterhaften Töchter des
Servilius Caepio), die Parther als eine wirkliche Bedrohung für die
Römer dargestellt hat, ganz in seinem Sinn, des von Römern
versklavten vornehmen Alexandriners ("felicitati urbis inimicus" - T 8 = Sen.
Ep. 91,3). Pompeius Trogus, der Timagenes' romfeindliche Haltung
entschärft hat (vgl. etwa Just. 43,1,1-2 über Trogus' Patriotismus)
sah die römisch-parthischen Beziehungen schon aus der Perspektive der
Regelung durch Augustus. Im Exzerpt Justins ist von Caesars Partherplan nicht
mehr direkt die Rede, doch hat Trogus einen bemerkenswerten Scharfblick
für die innenpolitischen Zusammenhänge der römischen
Partherpolitik besessen. Das Rachemotiv scheint bei ihm eine große Rolle
gespielt zu haben (Anm. 35).
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- Sein Werk hat sehr bald alle anderen gleichzeitigen
Autoren (vgl. Anm. 6) ersetzt. Fr. Münzer, Klio 1,1901,303 vermutete
für Tacitus' Rückblick auf die römisch-parthischen Beziehungen
(Anm. 2, 1-4) eine zusammenfassende Darstellung der Partherkriege seit Crassus,
doch läßt sich dies nicht beweisen, und Tacitus' Vorlage
müßte auch kein Ergebnis selbständiger Forschung gewesen sein.
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- S. unten Anm. 160.
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- In der Caesar-Vita hat er ausschließlich
zeitgenössische Quellen zitiert, möglicherweise mit Vorliebe solche,
die Livius bei seiner ja ziemlich schnellen Arbeit beiseite gelassen hatte.
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- Die Feldzüge in Gallien hat er dagegen scharf
kritisiert (DJ 24,3 & 54,2). Für Sueton war der künftige
Partherkrieg wohl ein "bellum iustum" (s. auch Anm. 168); schon die von
ihm verarbeitete Tradition könnte hier Unterschiede zugunsten des
Partherkrieges gemacht haben.
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- S. unten Anm. 172.
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- "Fata mihi, Caesar, tum erunt mea dulcia, quom tu /
maxima Romanae pars eri(s) historiae / postque tuum reditum multorrum templa
deorum / fixa legam spolieis deivitiora tueis" (zit. nach dem Text von R.D.
Anderson, P.J. Parsons und R.G.M. Nisbet, JRS 69, 1979, 140).
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- Zu Vermutungen über die caesarische Propaganda vor
den Iden des März s. unten Anm. 149. Ich ziehe es vor, Gallus' Verse auf
Octavian zu beziehen, etwa auf seine Kämpfe in Illyrien; vgl. auch G.O.
Hutchinson, ZPE 41, 1981, 37-42. Selbst bei dieser Datierung geben Gallus'
Verse aber eine Vorstellung von dem Vokabular, das bei poetischen
Äußerungen über Caesars Feldzug zu erwarten wäre. Caesar
hat solche Hyperbeln nachweislich abgelehnt (Anm. 174).
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- Vgl. D. Timpe (wie Anm. 9), 106-109.
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- Plut. Crass. 16,4. Er hätte vielleicht die
später von Caesar gewählte Route ins Partherreich vorgezogen (Anm.
193). Pompeius' extravagante Vorstellungen über seine eigenen Taten im
Osten verdeutlicht die Diod. 40,4 wiedergegebene Triumphal-Inschrift.
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- Plut. Crass. 16,3; s. auch ebd. 17,7 die Entsendung des
P. Crassus, der ganz im Banne Caesars stand und von großen Taten
träumte (Anm. 58).
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- Vgl. D. Timpe, Historia 14, 1965, 209.
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- Mommsen, Römische Geschichte, III, 352: "Es
ist eines der entsetzlichsten Zeichen der Zeit, daß das ungeheure
Nationalunglück von Karrhae und Sinnaka den derzeitigen Politikern weit
weniger zu denken und zu reden gab als jener elende Krawall auf der Appischen
Straße, in dem ein paar Monate nach Crassus der Bandenführer Clodius
umkam." Bei dieser Beurteilung ist allerdings zu berücksichtigen, daß
weder Livius' Buch über diese Zeit (lib. 106) noch Briefe Ciceros aus der
zweiten Hälfte des Jahres 53 erhalten sind. Es ist ganz unwahrscheinlich,
daß Livius, der die römischen Niederlagen immer genau bewertet hat,
nicht eine ausführliche Würdigung von Carrhae gegeben hat.
Rückschlüsse auf seine ganz negative Darstellung von Crassus' Fehlern
erlaubt wohl Flor. 1,46 (3,11). Ein Rest der historiographischen
Überlieferung ist die Notiz bei Plin. NH 2,147 (lukanische Soldaten in
Crassus' Heer; aus Varro ?); vgl. P. Moore, CR 87,1973, 13f. Die Reaktion auf
Carrhae war vermutlich nicht weniger heftig als auf die Niederlagen von Lollius
(vgl. Vell. Pat. 2,97,1) und Varus (vgl. Suet. Aug. 23).
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- Caes. BG 1,7,4: "Caesar, quod memoria tenebat L.
Cassium consulem occisum exercitumque eius ab Helvetiis pulsum et sub iugum
missum, concedendum non putabat". Vgl. Caesars Rede in Gades (Bell. Hisp.
42,7): "in quo vos victores exstabatis ? An me deleto non animum advertebatis
habere legiones populum Romanum quae non solum vobis obsistere sed etiam caelum
diruere possent ?"
[Zurück zum Text]
- Vgl. D. Timpe (wie Anm. 9), 109 mit Anm. 33 und 34.
[Zurück zum Text]
- Cic. Fam. 8,10,2; Att. 5,18,1; 6,1,3 & 14; Fam.
8,14,4. Damals wurde offenbar als selbstverständlich vorausgesetzt,
daß sich Caesar oder Pompeius mit einem streng begrenzten Kriegsziel
zufriedengeben würden. Ein "bellum Parthicum" konnte - wenigstens im
Sinne des Senats - durch die notdürftige Sicherung der Euphratgrenze als
siegreich beendet gelten; vgl. Cassius' Worte bei Cic. Att. 5,21,2.
[Zurück zum Text]
- Die späteren 16 Legionen (Anm. 111) stehen in einem
auffälligen Gegensatz zu den Debatten dieser Zeit. Nach den Iden des
März gewann das Projekt durch die Übertragung des Kommandos an
Dolabella wieder die Züge eines eng begrenzten Unternehmens (App. BC
3,24,92).
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- Dio 41,55,3; auf seine vielen Klienten im Osten war
Pompeius ja sehr stolz (vgl. Cic. Fam. 9,9,2). Später hat er Lucilius
Hirrus als Unterhändler zu ihnen geschickt (Dio 42,2,5; Fr. Münzer,
Hermes 61, 1926, 275), doch wurde dieser von den Parthern als Feind behandelt.
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- Just. 42,4,6: "His ita gestis non magno post
tempore Romanis inter Caesarem Pompeiumque civile bellum oritur, in quo Parthi
Pompeianarum partium fuere et propter amicitiam cum Pompeio bello Mithridatico
iunctam et propter Crassi necem, cuius filium in partibus Caesaris esse
audierant, quem ultorem patris victore Caesare futurum non dubitabant".
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- Dies bezieht sich auf die Schlacht von Carrhae, Pacorus'
Angriff auf Syrien und Cassius' erfolgreiche Verteidigung der Provinz (Just.
42,4,4-5).
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- Das Verständnis des Exzerpts wird durch die
Unsicherheit erschwert, ob am Ende des Abschnittes "non deliberabant" oder
"non dubitabant" zu lesen ist; die wichtigste Handschrift bietet "non
deliberabant" (vgl. den Apparat der Ausgabe von O. Seel, Stuttgart 1972). Der
Zusammenhang der Stelle erlaubt eigentlich nur "non dubitabant", da ja das
bewußte Eingreifen der Parther auf der Seite des Pompeius erklärt
werden soll. Ob Pacorus' Hilfe für Caecilius Bassus im Jahre 45 (Anm. 101)
mit solchen Überlegungen zu erklären ist ? Crassus' Sohn ist sicher
der zusammen mit seinem Vater gefallene Publius (Anm. 58), und nicht der Bruder
Marcus (RE Nr. 56; vgl. R. Syme, Latomus 39, 1980, 407); diese Ungenauigkeit
wird eher Justin als Trogus selbst zuzuschreiben sein. Bereits aus diesem
knappen Exzerpt wird deutlich, in welchem Maße bei Trogus des Rachemotiv
im Vordergrund stand.
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- Vielleicht hätte er, wenn es nicht zum
Bürgerkrieg gekommen wäre, sein Konsulat des Jahres 48 für einen
Feldzug gegen die Parther benutzt.
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- BC 3,31,3: "Quibis coactis, finitimis hostibus
Parthis post se relictis, qui paulo ante M. Crassum imperatorem interfecerant
et M. Bibulum in obsidione habuerant, legiones equitesque ex Syria deduxerat".
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- Die Parther haben diese von Caesar für günstig
erklärte Gelegenheit (vgl. BC 3,31,4: "Summamque in sollicitudienem
ac timorem Parthici belli provincia cum venisset ...") allerdings nicht sofort
ausgenutzt, und die Einsetzung des Sex. Caesar (RE Iulius Nr. 153; vgl. L.R.
Taylor, AJPh 63, 1942, 397) anstelle eines Prokonsuls, wie es vorher immer
üblich gewesen war, spricht nicht gerade für Caesars Sorge um die
Sicherheit der Provinz. Erst in der zweiten Hälftte des Jahres 45 hat
Pacorus die Rebellion des Caecilius Bassus für seine Zwecke benutzt (Cic.
Att. 14,9,3; s. Anm. 101).
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- Vgl. dazu M. Gelzer, Caesar. der Politiker und
Staatsmann, Wiesbaden 1960 6, 174 Anm. 392.
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- Vgl. dazu M. Gelzer, Kleine Schriften II, Wiesbaden
1963, 11. Die Begründung des geplanten Feldzuges gegen die Daker waren
ohne Zweifel ihre Grenzverletzungen und Plünderungen (Suet. DJ 44,3; Anm.
160).
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- BC 3,57,4: "Quod si fecisset, quietem Italiae,
pacem provinciarum, salutem imperii uni omnis acceptam relaturos". M. Gelzer
(wie Anm. 41), 223; 238 Anm. 308; 253 macht den grundsätzlichen Wert
dieser knappen Worte für das Verständnis von Caesars Politik
deutlich. Contra: H. Strasburger, Caesar im Urteil seiner Zeitgenossen,
Darmstadt 1968, 49f.
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- Dio 44,46,3 (aus der Leichenrede des Antonius für
Caesar); im Bell. Alex. steht nichts davon. Ebenfalls bei Dio (45,29,3-4) wirft
Cicero Antonius vor, durch sein ungezügeltes Auftreten in Rom Caesar an
der Durchführung des Plans gehindert zu haben; in seinen Reden gegen
Antonius sagt Cicero nichts zu diesem Thema. Diese etwas unklare Tradition wird
freilich bekräftigt durch App. BC 3,77,312 und BC 4,58,250, wo von
Vorbereitungen in Syrien zu eben dieser Zeit die Rede ist (s. aber Anm. 40).
Von Zela aus wäre Caesar wohl über Kleinarmenien gegen die Parther
(App. BC 2,68,281) vorgerückt (s. Anm. 191). Hängt vielleiht auch
Caesars Opfer für Mars nach Pharsalos (App. BC 2,68,281) mit dem geplanten
Feldzug zusammen ? Vgl. dazu St. Weinstock, Divus Julius, Oxford 1971, 130.
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- Vgl. die Bell.Alex. 78,2 aufgezählten Regelungen
zur Sicherung des Ostens: "provincias populi Romani a barbaris atque
inimicis regibus interposito amicissimo rege munivit" (betr. die Einsetzung von
Mithridates als König des bosporanischen Reiches). Für die
Einzelheiten s. W. Hoben, Untersuchungen zur Stellung kleinasiatischer Dynasten
in den Machtkämpfen der ausgehenden römischen Republik, Diss. phil.
Mainz 1969. Damals könnte Caesar auch Koloniegründungen wie die von
Sinope und Herakleia (Anm. 185) vorbereitet haben, die im Falle eines Krieges
gegen die Parther seine rückwärtigen Verbindungen sichern helfen
konnten. Caesar unterhielt damals diplomatische Kontakte bis zur Krim; vgl. M.
Rostovtzeff, JRS 7, 1917, 27-29 zu IOSPE I (2) 691. Ein wichtiges Zeugnis
für Kontakte Caesars mit Syrien und Armenien im Jahre 46 ist Ciceros
Bemerkung über die "senatus consulta" aus Caesars Kanzlei (Cic. Fam.
9,15,4): "et quidem, cum in mentem venit, ponor ad scribendum et ante audio
s.c. in Armeniam et Syriam esse perlatum quod in meam sententiam factum esse
dicatur, quam omnino mentionem ullam de ea re esse factam" - Armenien war
wichtig für die Vorbereitung des Feldzuges (Anm. 196). Caesar mußte
viele Aktivitäten entfalten, da er, verglichen mit Pompeius, im Osten
relativ unbekannt war (vgl. Cic. Deiot. 11); E. W. Gray, JRS 42, 1952, 123.
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- Der Pompeianer Caecilius Bassus (RE Nr. 36) hatte sich
im Sommer 46 mit Erfolg gegen Caesars Statthalter Sex. Caesar (Anm. 40) erhoben
(App. BC 3,77,312-315; Dio 47, 26,4-7). Das Interesse der Parther an dieser
Situation bestätigte sich dann durch Pacorus' Hilfe im Jahre 45 (Anm.
101).
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- Cic. Marc. 29: "sed nisi haec urbs stabilita tuis
consiliis et institutis erit, vagabitur modo tuum nomen longe atque late, sedem
stabilem et domicilium certum non habebit". Cicero kannte Caesars
»Fluchttendenzen«, eine Haltung, die den Gerüchten über
eine »Auswanderung« (Anm. 107) weitere Nahrung gegeben hat. Augustus'
spätere Verwunderung darüber, "ob Alexander denn nicht für
wichtiger als die Erringung eines Reiches dessen Ordnung gehalten habe" (Plut.
mor. 207 D), ist im Geiste Ciceros; die Echtheit der Äußerung
läßt sich freilich nicht beweisen. Gegen die Authentizität: W.
Schmitthenner, Gnomon 37, 1965, 160 Anm. 2.
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- Selbst Ende 46, als sich der damalige syrische
Statthalter Cornificius vor einer offenbar allgemein erwarteten Invasion der
Parther fürchtet, klingen Ciceros Ratschläge an ihn nicht gerade
besorgt. Cicero erinnert vielmehr an Bibulus' "tapferes" Verhalten, der
sich einfach so lange belagern ließ, bis die Eindringlinge wieder abzogen
(Cic. Fam. 12,19,2). Vgl. dagegen Caesars Worte BC 3,31,3 (Anm. 39) über
Bibulus.
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- Vgl. Cic.Fam. 5,9-11 (Shackleton Bailey Nr. 255-257).
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- S. unten Anm. 160 (Suet. DJ 44,3).
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- Cic.Att. 13,27,1: "illud vero vel optime, quod ita
multa mutari volunt ut mihi de integro scribendi causa non sit. Quamquam de
Parthico bello quid spectare debui nisi quod illum velle arbitrabar ? Quod enim
aliud argumentum epistulae nostrae nisi kolakeia fuit ? An, si ea quae optima
putarem suadere voluissem, oratio mihi defuisset ?"
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- Ciceros Worte sind ein Beleg dafür, daß damals
viel über Caesars Absichten gesprochen wurde, da er das ihm unleidliche
Thema sonst gar nicht angeschnitten hätte. Sein Ton läßt
vermuten, daß er sich mit Atticus in der Ablehnung des Projektes einig
fühlte.
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- Wie sehr gut er über solche Themen sprechen konnte,
wenn er nur wollte, geht aus der Rede "de provinciis consularibus" hervor
(Anm. 64).
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- So erklärt sich z.B. auch Oppius' und Balbus' auf
den ersten Blick seltsame Entscheidung, Caesar die Rede "pro Ligario" nach
Spanien zu schicken (Cic.Att. 13,19,2). Vgl. H. Strasburger (wie Anm. 43), 38.
[Zurück zum Text]
- Cic.Att. 14,1,1: "Etenim si ille tali ingenio
exitum non reperiebat, quis nunc reperiet ?"
[Zurück zum Text]
- Vgl. dazu D. Timpe (wie Anm. 9), 107f.
[Zurück zum Text]
- S. oben Anm. 29.
[Zurück zum Text]
- Cic.Brut. 282: "Sed hunc quoque absorbuit aestus
quidam insolitae adulescentibus gloriae; qui quia navarat miles operam
imperatori, imperatorem se statim esse cupiebat, cui muneri mos maiorum aetatem
certam, sortem incertam reliquit". Ciceros Spott über den jugendlichen
Ehrgeiz wäre von besonderer Schärfe, wenn Crassus im Jahre seines
Todes noch nicht einmal Quaestor gewesen sein sollte; vgl. dazu R. Syme,
Latomus 39, 1980, 406.
[Zurück zum Text]
- Cic.Marc. 29 (Anm. 47). Ein konkretes Beispiel
dafür, daß nicht alles »fertig« war, als Caesar aufbrechen
wollte, ist die unklare Regelung für die Oberaufsicht bei der
Getreideverteilung in der lex municipalis: "queiquomque frumentum populo
dabit dandumve curabit" (CIL I (2) 593 = ILS 6085,17). S. auch Th. Mommsen,
Hermes 4, 1870, 366f.
[Zurück zum Text]
- Selbst die Planung des Partherkrieges im Jahre 51 war
ganz begrenzt (Anm. 32).
[Zurück zum Text]
- Plut.Pomp. 76,4; App.BC 2,83,349; Dio 42,2,3-5 ist
allerdings skeptisch. Seinen Gesandten Lucilius Hirrus haben die Parther als
Feind betrachtet (Anm. 34). Der Sohn Sex. Pompeius wollte im Jahre 35 ebenfalls
mit den Parthern verhandeln (Dio 49,18,1). Cassius hat nach den Iden des
März Hilfstruppen gegen seine Bürgerkriegsgegner angenommen (Anm.
70). Vgl. auch Pompeius' Verhältnis zu Burebista (Anm. 181).
[Zurück zum Text]
- Selbst im Jahre 46 erwartete er, daß Cornificius
keine oder nur geringe Schwierigkeiten mit den Parthern haben werde (Anm. 48).
In "de officiis" sind die Parther kein Volk, das die Existenz Roms
bedroht, im Unterschied zu anderen Völkern (1,38). Im Entwurf des
Sendschreibens an Caesar wird sich das anders gelesen haben (vgl. Anm. 53).
[Zurück zum Text]
- Cic.fin. 3,75: "(sapiens) rectius dives quam
Crassus, qui nisi eguisset, numquam Euphraten nulla belli causa transire
voluisset".
[Zurück zum Text]
- Vgl. prov.cons. 22 & 32-33; s. auch in Pis. 81.
[Zurück zum Text]
- Aus Ciceros Briefen der Zeit von Caesars Krieg gegen die
Söhne des Pompeius in Spanien und der verzögerten Heimkehr bis zum
September 45 läßt sich ablesen, wie verunsichernd es wirkte, wenn der
Alleinherrscher fern von Rom war. Allenfalls die Freunde guten Lebens waren
froh, daß die Bestimmungen der lex sumptuaria nicht durchgesetzt wurden
(vgl. Caesars Anm. 80 zitierte Kritik daran). Entfernt vergleichbar ist die
Situation der Senatoren während Tiberius' Aufenthalt auf Capri. Claudius
nannte das "apsentia pertinax" (CIL V 5050 = ILS 206).
[Zurück zum Text]
- Vgl. Vell.Pat. 2,59,5.
[Zurück zum Text]
- Cic.Att. 13,42,1: "Rogas ? inquit, cui iter instet
et iter ad bellum, idque cum periculosum tum etiam turpe !" Die
»Schändlichkeit« der Reise bezieht sich auf die Schulden, die er
zurücklassen wird.
[Zurück zum Text]
- Es ist unklar, ob mit den von Dio 43,51,2 im Rahmen des
Kriegsbeschlusses (Anm. 72) genannten vielen "hyperetai" Legaten gemeint
sind; in seinem sonstigen Sprachgebrauch sind dies eigentlich untergeordnete
Helfer. Die zusätzlichen Legaten des Pompeius im Krieg gegen die Piraten
werden "hypostrageoi" genannt (Dio 36,23,4; 36,3; 37,1). H. Mason, Greek Terms
for Roman Institutions. A Lexicon and Analysis, Toronto 1974, 155
übersetzt legati, mit Hinweis auf App.Mithr. 94,431 und BC 2,18,67.
[Zurück zum Text]
- Cicero hatte möglicherweise die vage Hoffnung,
Caesar werde im Osten scheitern; seine Worte lassen aber auch eine andere
Deutung zu (Anm. 100).
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- App. BC 4,59,257 (parthische Bogenschützen zu
Pferde, die vielleicht schon Caecilius Bassus geholfen hatten); vgl. Dio
47,27,5. Beim Abzug aus Syrien bat Cassius dann um weitere Verstärkungen,
die er auch erhielt (App. BC 4,63,271). Cassius war es sich nach seiner
angeblichen Beendigung der Partherdrohung nach Carrhae schuldig, die Parther
nicht für gefährlich zu halten, ganz im Sinne der Pompeius (vgl.
Cic.Att. 5,21,2 und 6,1,14). Aufgrund seines damals erworbenen Ansehens in
Syrien wäre Cassius eigentlich der gegebene Kommandeur der syrischen
Legionen gewesen (vgl. Dio 47,28,1).
[Zurück zum Text]
- S. unten An. 149.
[Zurück zum Text]
- Dio 43,51,1: "Während Caesar damit
beschäftigt war (sc. verschiedenen Gesetzen zu Beginn des Jahres 44 - Dio
43,49,1), ergriff alle Römer gleichermaßen der Wunsch, Crassus zu
rächen und die mit ihm Gefallenen, und man hatte die Hoffnung, jetzt, wenn
jemals, die Parther zu unterwerfen. Den Krieg nun übertrugen sie Caesar
einmütig, und sie veranstalteten große Rüstungen" Nimmt man Dio
wörtlich, geht die Initiative nicht von Caesar, sondern von der
»öffentlichen Meinung« aus. Die Abstimmung war allenfalls eine
Demonstration, da Caesar das Recht zuerkannt worden war, Kriege zu
erklären (Dio 42,20,1). Andererseits gehörte es später zum guten
Ton, daß der Princeps Volk und Senat bei solchen Fragen einbezog. Traian
ließ sich offenbar vom Senat für seinen Partherkrieg beauftragen:
"rogatu patrum militiam repetens" (Vict. 13,11 - Text nach Th. Mommsen,
Römisches Staatsrecht II, Leipzig 1887 3, 955 Anm. 2).
Völkerrechtlich gesehen hatte es seit den Kämpfen der Jahre 51 und 50
keinen Friedensschluß zwischen Römern und Parthern gegeben.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Dio 75,3,3 über Severus' Partherkrieg.
[Zurück zum Text]
- Anscheinend ist sogar das Datum der Schlacht von Carrhae
mit dem Tag von Gindaros, Ventidius' Sieg im Jahre 38, gleichgesetzt worden
(Dio 49,21,2); vgl. D. Timpe (wie Anm. 9), 118f mit Anm. 93.
[Zurück zum Text]
- D. Timpe (wie Anm. 9), 126-129; s. auch ders. WüJbb
N.F. 1, 1975, 155-169.
[Zurück zum Text]
- Eine "innenpolitische" Motivierung des Feldzugs mit
der Hoffnung auf eine verbesserte Position nach dem Sieg ist deshalb nicht
recht verständlich und vielleicht ein Indiz dafür, daß es Caesar
damals am Augenmaß für die Konsequenzen seiner Entscheidung gemangelt
hat; eine bewußte innenpolitische Motivierung könnte andererseits
dadurch erklärt werden, daß Caesar eben zu der Ansicht gekommen war,
die stadtrömischen Probleme nicht auf herkömmliche Weise lösen
zu können - vgl. auch Matius' Worte (Anm. 55). Caesar wußte, daß
er von manchen gehaßt wurde (Anm. 102).
[Zurück zum Text]
- S. unten Anm. 87.
[Zurück zum Text]
- Cic.Att. 13,31,1: "De epistula ad Caesarem kekrika;
atque id ipsum, quod isti aiunt illum scribere, se nisi constitutis rebus non
iturum in Parthos, idem ego suadebam in illa epistula".
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- Cicero würde in diesem Zusammenhang mit Sicherheit
"constituta re publica" gesagt haben (vgl. rep. 1,11; Marc. 27; Att.
14,19,1). Caesar benutzt die hier gewählte Wendung noch öfter; vgl.
etwa BD 4,12,4; 23,1; 6,9,3; 7,9,3; 64,4. S. auch Bell. Afr. 88,3: "omnibus
rebus diligentissime constitutis".
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- Cic.Att. 13,7,1: "Sestius apud me fuit et
Theopompus pridie. Venisse a Caesare narrabat litteras, hoc scribere, sibi
certum esse Romae manere, causamque eam ascribere quae erat in epistula nostra,
ne se absente leges suae neglegerentur sicut esset neglecta sumptuaria ...".
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- Sestius war Cicero seit seiner Verteidungsrede pro
Sestio verpflichtet. C. Julius Theopompus ist einer der wenigen Griechen, die
sich zu Caesars Vertrauten zählen durfen; zur Person vgl. O. Hirschfeld,
JHS 7, 1886, 286-290. Auf wen sich Ciceros "narrabat" bezieht,
läßt sich nicht entscheiden. Möglicherweise schrieb Cicero
"narrabant"; vgl. Shackleton Bailey z. St.
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- Vgl. I. Sauerwein, Die leges sumptuariae als
römische Maßnahme gegen den Sittenverfall, Diss.phil. Hamburg 1970,
151-156.
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- Wenn er behauptet haben sollte, entgegen Ciceros
Vorhaltungen (Anm. 47), die Hauptstadt genügend gesichert zu haben, um sie
jetzt für längere Zeit verlassen zu können, mag er bei manchem
den Gedanken provoziert haben, daß dann ja auch die Zeit gekommen sei, die
Dictatur niederzulegen. S. auch L. Wickert, Klio 30, 1937, 251.
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- Sein Zögern dramatisierte nicht gerade die
Gefährdung, die nach seinen eigenen Worten von den Parthern ausgehen
sollte (vgl. Anm. 40). Vielleicht wußte er damals noch nichts von
Caecilius Bassus' Kontakten mit Pacorus (vgl. Cic.Att. 14,9,3; zit. Anm. 101).
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- Vgl. Ciceros Bestreben, Caesar an seine Aufgaben in der
Hauptstadt zu erinnern (Anm. 47).
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- Die fünfeinhalb Monate von Anfang Oktober 45 (Anm.
96) bis zum 18. März 44 (Anm. 113) wären der längste
zusammenhängende Aufenthalt in Rom seit dem Konsulat von 59 gewesen. Wenn
Caesar im Jahre 46 davon sprach, lange genug für seinen Ruhm gelebt zu
haben (vgl. Cic. Marc. 25: "satis diu vel naturae vixi vel gloriae"), so
kann dies, wenn er es ernst damit gemeint haben sollte, als Indiz dafür
gewertet werden, daß er keinen fertig formulierten Plan bei sich hatte,
den er in den nächsten Jahren schneller oder langsamer realisieren wollte.
Die Hektik von Caesars letzten Monaten erinnert vielmehr an Alexanders
Aufenthalt in Babylon, als er weniger an die Konsolidierung des gewonnenen
Reiches als an neue militärische Unternehmungen dachte. Vgl. Augustus'
Bemerkung dazu (Anm. 47).
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- Anfang Juni weiß Dolabella noch nichts über
Caesars weitere Pläne (vgl. Cic.Att. 13,9,2). Im Laufe des Monats
erfährt Cicero keine weiteren Einzelheiten (Att. 13,13/14,5; 16,2; 17,1).
Ende Juni (?) hört er von Balbus' Meinung, daß Caesar nicht vor
Anfang August eintreffen werde (Att. 13,21a,3). Im Juli besteht die
Ungewißheit fort (Cic.Fam. 6,20,2). Anfang August scheint sich Caesar dann
entschlossen zu haben, Anfang September an den Ludi Romani teilzunehmen (Att.
13,46,2): "paulo ante acceperam eas litteras in quibus magno opere se
confirmat ante ludos Romanos" (Balbus' Worte). Mitte August hält Balbus
eine weitere Verspätung Caesars für möglich (Att. 13,37,4): "si
Caesar moraretur, posse diem differi". Vor dem 26. August muß die
Nachricht gekommen sein, daß Caesar doch nicht so bald nach Rom kommen
werde (vgl. Shackleton Bailey V 393 zu Att. 13,34).
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- Bis Ende Mai war Caesar in Spanien; vgl. O.E. Schmidt,
Der Briefwechsel des M. Tullius Cicero von seinem Prokonsulat in Cilicien bis
zu Caesars Ermordung, Leipzig 1893, 369.
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- Baupläne: Cic.Att. 13,33a,1 (9. Juli?); 35,1 (13.
Juli). "Promulgatio de urbe augenda": Att. 13,20,1 (2. Juli). Neuerliche
Senkung der Schuldzinsen: Att. 13,23,3 (10. Juli).
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- Q. Cicero: Att. 13,37,2 (21. August). Caesars
Lektüre: Att. 13,46,2 (12. August).
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- Noch Ende Juli besuchte er Cicero in Tusculum (Att.
13,44,1). Vielleicht wollte Caesar Brutus' Kenntnisse der Gallia Cisalpina
nutzen.
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- Att. 13,45,1 (etwa 11. August): "(epistula) plane
declarabat illum ante ludos Romanos esse venturum". Balbus liest den an Lamia
gerichteten Brief und stimmt ihm dann zu (ebd.). Vielleicht bekam er
gleichzeitig einen Brief Caesars mit der entsprechenden Nachricht (Att.
13,46,2).
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- Suet.DJ 83,1: "(testamentum) quod idibus proximis
in Lavicano suo fecerat". Zur Lage des Ortes s. CIL XIV p. 274.
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- Nikolaos FGrHist 90 F 128 § 31. In den vergangenen
Monaten muß Octavius mehr und mehr in den Vordergrund getreten sein,
obwohl in den Quellen nur wenige Spuren enthalten sind. In Spanien ließ
Caesar seinen Großneffen als Richter auftreten - vgl. Nikolaos FGrHist 90
F 127 § 27 mit den Erläuterungen von F. Millar, The Emperor in the
Roman World, London 1977, 466 und 518f. Auf der Reise durfte er in der Kutsche
hinter Caesar sitzen, zusammen mit D. Brutus; die hohe Ehre, mit Caesar
zusammen zu fahren, erhielt damals noch M. Antonius (Plut. Ant. 11,2); s. auch
H. Castritius, Chiron 1,1971,369.
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- Plinius' Notiz, der junge Octavius habe Caesars
"magister equitum" für 44 werden wollen, ist vom Standpunkt der
Quellenkritik aus kaum aus der Welt zu schaffen: "repulsa in magisterio equitum
apud avunculum et contra petitionem eius praelatus Lepidus" (NH 7,147 - aus
einem Abschnitt über Mißgeschicke in Augustus' Leben). Die Nachricht
findet sich auch bei App.BC 3,9,30 und Dio 43,51,7 mit der Ergänzung,
daß der Großneffe dann wirklich für diesen Posten vorgesehen
gewesen sei, wohl für das Jahr 43. Wenn es gemäß Mommsens
Text-Ergänzung richtig ist, daß diese Nachricht in die unter
Augustus' Kontrolle veröffentlichten Fasten aufgenommen worden ist (vgl.
CIL I 2 p. 28), wäre Nikolaos' Schweigen überraschend, doch ist dies
allein noch kein Beweis gegen Mommsens Ergänzung der Fasten; im
byzantinischen Exzerpt aus Nikolaos' Werk ist außerdem ein längeres
Stück zwischen F 127 § 27 und F 128 § 28 verlorengegangen. Vgl.
auch die Diskussion des Problems von H. Gesche, Hist. 22,1973, 468-478.
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- Das Datum läßt sich nur erschließen, da
die Triumphalfasten für dieses Jahr nicht erhalten sind; vgl. O.E. Schmidt
(wie Anm. 88), 371.
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- Nach App.BC 3,10,32 war er seit etwa Oktober dort, nach
Nikolaos FGrHist 90 F 130 § 37 seit Dezember. Durch eine Abreise bereits
im Oktober wäre Octavius der öffentlichen Aufmerksamkeit sehr
entzogen gewesen, eine nach dem früheren Verhalten Caesars (Anm. 94) nicht
sehr wahrscheinliche Entscheidung. Nikolaos' Datum ist Appians
Überlieferung deshalb wohl vorzuziehen. Apollonia war selbst keine
Garnisonsstadt (vgl. Nikolaos F 130 § 46), galt aber als caesarfreundlich
(vgl. Caes.BC 3,10-13; Nikolaos F 130 § 45). Es gehört zur Eigenart
der seit den Iden des März verformten Tradition über Octavius' Rolle
während der letzten Monate Caesars, wenn Sueton schreibt (Aug. 8,2):
"... praemissus Apolloniam studiis vacavit"; ähnlich ist die
Überlieferung bei Vell.Pat. 2,59,4. In der Version Appians (BC 3,10,32)
kommt Octavius dagegen als designierter Reiterführer nach Apollonia. Der
ehrgeizige junge Mann ließ sich hier ein Horoskop erstellen (Suet.Aug.
94,12).
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- Caesar legte Wert auf die "diligentia" seiner
militärischen Planung (Anm. 187).
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- Je langfristiger die Planung des Feldzugs gewesen ist,
desto weniger überzeugend ist die vielleicht schon zeitgenössische
Annahme, daß Caesar den widrigen Zwängen der Hauptstadt ganz einfach
entfliehen wollte (App.BC 2,110,458). Ciceros Beschwörungen in der Rede
für Marcellus (Anm. 47) und die Gerüchte über die
»Auswanderung« (Anm. 107) könnten in diesen Zusammenhang
gehören. Ob Matius den Feldzug als eine Art "exitus" verstanden hat
(Anm. 55) ? Chr. Meier, Res Publica Amissa, Wiesbaden 1966, 262 bringt den
Vergleich mit Sullas Rückzug ins Privatleben. Daß Caesar sich der
Einhaltung seiner Ordnung nicht völlig sicher gewesen sein kann, wird
durch die Designationen auf Jahre hinaus nahegelegt (Anm. 104).
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- App.BC 2,110,459. Als er Cicero im Dezember 45
besuchte, war er jedenfalls gesund (Att. 13,52), und gerade bei Cicero findet
sich kein Hinweis auf Caesars geschwächte Konstitution. Att. 14,5,1 (Anm.
200) gehört wohl nicht hierher. Die Münzen zeigen allerdings einen
Mann, der nicht jünger als seine Jahre aussieht, und Suet.DJ 86,1 spricht
von der "valetudo minus prospera" während der letzten Zeit als einer
Tatsache. Viele Nachrichten über seine nachlassende Gesundheit werden aber
zur Tyrannen-Topik gehören, die Caesars Gegner so schätzen; Caesars
Freunde könnten ihrerseits Hinweise dieser Art benutzt haben, um
Versäumnisse zu entschuldigen (vgl. Suet.DJ 45; 81,4). Matius scheint
nicht der Ansicht gewesen zu sein, Caesar sei am Ende seines Lebens krank oder
gar »verrückt« gewesen (Anm. 55).
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- Spätestens Ende 45 haben sich die Parther dazu
entschlossen, Caecilius Bassus offen zu unterstützen: "venisse cum
maximis copiis Pacorum Parthum" heißt es in einem Brief vom 31. Dezember
45, den Balbus im April 44 erhalten hat (Cic.Att. 14,9,3; vgl. Anm. 106). Nimmt
man Ciceros Bericht wörtlich, so hat man in Rom freilich erst damals
Einzelheiten über die schlechte Lage in Syrien erfahren. Th. Mommsen,
Römische Geschichte V, 358 meint allerdings, Anlaß für Caesars
Krieg sei sowohl die Rache für Carrhae als auch die Vergeltung für
die Unterstützung von Caecilius Bassus gewesen.
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- Cic.Att. 14,1,2: "Ego dubitem quin summo in odio
sim, cum M. Cicero sedeat nec suo commodo me convenire possit ?"
[Zurück zum Text]
- Die Armee von 16 Legionen machte es ja auch schwer, dem
Dictator unverantwortliche Risikofreude vorzuwerfen (Anm. 111). Die
dreißig Tage, vor denen Spurinna warnte (Val.Max. 8,11,2), sind eben Tage
vor dem Abmarsch.
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- Dio 43,51,2: drei Jahre; App.BC 2,129,535: fünf
Jahre. Diese Maßregeln sind ein Anzeichen dafür, daß Caesar sich
nicht ganz sicher war über die Einhaltung von Ruhe und Ordnung in der Zeit
seiner Abwesenheit - eine Bedingung, die er wenigstens zeitweise für
wesentlich angesehen hat (Anm. 78).
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- Ciceros Briefe aus der Zeit vor dem Oktober 45 machen
deutlich, was das bedeutete (vgl. Anm. 87). Zeitgenössischen Klang hat
Tacitus' Bemerkung Ann. 12,60,4: "C. Oppius et Cornelius Balbus primi
Caesaris opibus potuere condiciones pacis et arbitria belli tractare" - d.h.
sie hatten von Caesar unbegrenzte Vollmachten. Zur Rolle eines Stellvertreters
des Princeps, die hier angekündigt ist, vgl. Dio 51,3 sowie Mommsen (wie
Anm. 72), 113f. Zeitgenössische Kritik klingt Suet.DJ 79,4 an: "procuratio
urbis amicis permissa". Augustus dagegen war später unbeliebt, weil er so
lange in der Hauptstadt blieb (Dio 54,19,2).
[Zurück zum Text]
- Zum Problem der Nachrichtenverbindung zwischen Rom und
Syrien - geschweige denn der zwischen Mesopotamien und Rom - vgl. Cic.Att.
14,9,3: erst Mitte April 44 wird eine Nachricht aus Syrien vom 31. Dezember 45
bekannt (Anm. 101), bedingt vielleicht durch besonders schlechtes Wetter. Unter
sehr günstigen Bedingungen benötigte eine Nachricht von Seleukeia
Pieria bis Brundisium 27 Tage (Cic.Att. 11,20,1). Vielleicht hätte Caesar
eine Reiterpost zwischen den Kriegsschauplätzen und der Küste
organisiert (vgl. Caes.BC 3,101,3). Unproblematisch für die Zeitgenossen
erscheint die Nachrichtenverbindung zwischen dem Osten und Rom während
Antonius' (vgl. Dio 49,32,1) und Traians Partherkrieg (vgl. Dio 68,29,2).
[Zurück zum Text]
- Suet.DJ 79,3: "quin etiam varia fama percrebuit
migraturum Alexandream vel Ilium ..."; die seltsame Alternative von Alexandria
oder Troia legt die Annahme nahe, daß es wirklich grundlose Vermutungen
waren, gespeist von Caesars unziemlicher Eile beim erneuten Verlassen der
Hauptstadt. Cicero hat das Gerücht natürlich nicht geglaubt (vgl.
Anm. 200).
[Zurück zum Text]
- Suet.DJ 79,3; St. Weinstock (wie Anm. 44), 340f. Zur
Bewertung des Königstitels s. E. Rawson, JRS 65, 1975, 148-159. Bereits in
der unmittelbar nach Caesars Ermordung verfaßten Schrift "de
divinatione" (2,110) hat Cicero erklärt, daß das Gerücht jeder
Grundlage entbehrte, und es ist nicht einmal sicher, daß der betagte XVvir
L. Aurelius Cotta (RE Nr. 102) derjenige ist, der in den erhaltenen Nachrichten
als Cotta genannt wird. Vgl. dazu Fr. Münzer, Römische Adelsparteien
und Adelsfamilien, Stuttgart 1920, 325 sowie H. Dessau, Geschichte der
römischen Kaiserzeit I, Berlin 1924, 349.
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- Suet.DJ 86,1; Dio 44,7,4. Auch noch nach dem Konflikt
mit den Tribunen Anfang 44 lehnte Caesar eine Leibwache ab (App.BC 2,109, 454).
An den Iden des März ist der Dictator frei zugänglich (vgl.
Plut.Caes. 65,1f): der "facilis aditus" ist eine senatorische Tugend
(Cic.imp. Cn.Pomp. 41; Tac.Ann. 2,2,4). Oppius und Balbus hatten die Bedrohung
erkannt und einen besseren Rat gegeben: "qui semper praedicerant Caesari, ut
principatum armis quaesitum armis teneret" (Vell.pat. 2,57,1). Caesar setzte
bei seinen Gegnern die Erkenntnis voraus, daß sein gewaltsamer Tod keine
Lösung sein könne (vgl. Cic.Marc. 21; Suet.DJ 86,2). Nach Nikolaos
FGrHist 90 F 130 § 80 haben die Verschwörer die Entlassung der
Leibwache bewußt angestrebt.
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- Flor. 2,13 (4,2)94; die curia Pompei lag außerhalb
des pomerium und wurde sicher wegen der militärischen Themen der letzten
Senatssitzung gewählt (vgl. Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht III,
Leipzig 1888 3, 930). Nach App.BC 2,115,48 wurde dieser Versammlungsort wegen
der bevorstehenden Gladiatorenspiele auf dem benachbarten Marsfeld ausgesucht.
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- App.BC 2,110,460. Es ist nicht klar, ob dies eine
bloße Addition der damals im Osten stationierten Legionen ist oder ob
Appians Vorlage ausdrücklich von den 16 Legionen als der Partherarmee
gesprochen hat (vgl. Th. Mommsen, Hist. Zeitschr. 38,1877,9 = Gesammelte
Schriften IV, Berlin 1906, 163; R. Syme, Roman Papers I, Oxford 1979, 139). Die
16 Legionen des Antonius (Anm. 135) lassen vermuten, daß tatsächlich
alle Legionen von Caesar für den Einsatz gegen die Parther vorgesehen
waren. Aus den ersten Einsatzbefehlen für die bithynischen (Anm. 124) und
die syrischen Legionen (Anm. 127) geht dies übrigens nicht hervor.
Hinweise zu den Truppenbewegungen des Jahres 44 geben W. Schmitthenner, The
Armies of the Triumviral Period: A study of the Origins of the Roman Imperial
Legions, D. phil. Thesis Oxford 1958, 8ff sowie P.A. Brunt, Italian Manpower
225 B.C. - A.D. 14, Oxford 1971, 477f.
[Zurück zum Text]
- Schon Ende 46 erwähnt Cicero Truppentransporte
nach dem Osten: "itaque opto ne se illa gens moveat hoc tempore, dum ad te
legiones eae perducantur quas audio duci" (Fam. 12,19,1 - an Q. Cornificius,
vgl. Anm. 48). Transporte von Spanien nach dem Osten erwähnt er Att.
14,5,1: "(legiones) quae fuerunt in Hispania". An den Iden des März warten
in Brundisium Truppen auf ihre Verschiffung (App.BC 3,11,37-38). Von den im
März feststellbaren 16 Legionen müssen etwa die Hälfte
später als 47 in den Osten geschickt worden sein; Appian, nimmt man ihn
wörtlich, spricht vom Transport sämtlicher Legionen über das
Ionische Meer (BC 2,110,460). Im Jahre 47 hatte Caesar in Makedonien keine
Truppen, 3 Legionen in Illyricum (App.Ill. 13,38), 3 Legionen in Ägypten
(Suet.DJ 76,3), vermutlich nur eine Legion in Syrien (Bell.Alex. 66,1: legioni;
vgl. dazu P.A. Brunt, wie Anm. 111,477 Anm. 1) und zwei Legionen in Pontus
(Bell.Alex. 77,2).
[Zurück zum Text]
- App.BC 2,114,476. Munda wurde am 17. März
geschlagen (Bell.Hisp. 31,8). Traian brach im Jahre 101 am 25. März zum
Krieg gegen die Daker auf (Act.Fratr. Arv. p. CXL, 23 Henzen). Zum
gewählten Termin s. auch J.P.V.D. Balsdon, CR 80, 1966, 146.
[Zurück zum Text]
- Die sechs makedonischen Legionen galten allerdings als
Elitetruppen (App.BC 3,24,92).
[Zurück zum Text]
- Vgl. Cic.Fam. 9,17,2; 13,4; 5,2; 7; 8,2.
[Zurück zum Text]
- Vell.Pat. 2,130,1: "res perpetui praecipuique
timoris, supplementum". Zum Zwangscharakter der meisten Musterungen vgl. P.A.
Brunt (wie Anm. 111), 410. Im Gegensatz zu den Pompeianern legte Caesar Wert
darauf, nur Italiker und keine Provinzialen in seinen Legionen zu haben; vgl.
Th. Mommsen, Hermes 19, 1884, 14f = Gesammelte Schriften VI 32. Nach der
Rekonstruktion von A. v. Domaszewski, Neue Heidelberger Jahrbücher 4,
1894, 177-179 wären seit Ausbruch des Bürgerkrieges insgesamt 28
Legionen in Italien gemustert worden. Eine der Legionen des Munatius Plancus
ist mit Sicherheit im Jahre 45 ausgehoben worden (Cic.Fam. 10,24,3 aus dem
Jahre 43: "legio bima"). Die Soldaten, die im Jahre 45 in Syrien eintreffen,
sind vielleicht Rekruten (vgl. Dio 47,27,3). Die Kampferfahrung der Truppen von
Staius Murcus und Marcius Crispus, die solche Schwierigkeiten beim Kampf gegen
Caecilius Bassus hatten, dürfte nicht sehr groß gewesen sein.
[Zurück zum Text]
- Die Legion des Lepidus: App.BC 2,118,496. Ihre
vorgesehene Verwendung für den Partherkrieg wird aber nie
ausdrücklich erwähnt.
[Zurück zum Text]
- "Quies Italiae" (vgl. Anm. 43) war damals nicht
unbedingt gewährleistet. Daß Truppentransporte nach dem Osten
über Italien geleitet wurden, geht aus Tac. Hist. 1,31,3 hervor. Für
Einzelheiten s. Anm. 112.
[Zurück zum Text]
- Die Qualität der makedonischen Legionen wurde von
Appians Vorlage betont (BC 3,24,92). Die Armee setzte sich zusammen aus der II.
Legion (vgl. Cic.Fam. 10,30.1), der legio Martia (vgl. Cic.Phil. 3,6 u.ö.)
sowie der nicht näher bezeichneten 5. (App.BC 3,25,95) und 6. Legion (vgl.
Cic.Phil. 10,13). Dazu gehörten auch noch Bogenschützen,
Leichtbewaffnete und Reiter (App.BC 3,24,92). Einer der Kommandeure könnte
neben M. Acilius (Anm. 139) auch noch der sonst unbekannte M. Aemilius gewesen
sein, dessen Namen bei Nikolaos FGrHist 90 F 130 § 41 überliefert ist
- falls hier nicht, mit Jacoby , "Acilius" zu lesen ist.
[Zurück zum Text]
- Für Octavius' Freunde ist es nach den Iden des
März selbstverständlich, daß die makedonischen Truppen
caesarfreundlich sind (vgl. Nikolaos F 130 § 41). Ocatvius übte seit
seiner Ankunft in Apollonia (Anm. 97) mit wechselnden Einheiten der Reiterei
(App.BC 3,9,31) und wurde von den Offizieren der Armee seiner
verwandtschaftlichen Nähe zum Dictator entsprechend hofiert (App. ebd.).
Zur Frage, ob er damals als designierter Reiterführer betrachtet werden
konnte, s. Anm. 95. Die Belohnungen, die der spätere Augustus den Truppen
zuteil werden ließ, die den jungen C. Caesar auf seinem ersten Feldzug
begleitet hatten (Dio 55,6,4), mögen auch den makedonischen Legionen
gewunken haben.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Cic.Fam. 7,30 und 13,50. Zur verbreiteten Furcht
vor Einquartierungen s. P.A. Brunt, JRS 52,1962,78 sowie H.-O. Kröner,
Chiron 1,1971,216.
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- App.BC 4,75,317. Der Bericht bei App. Ill. 13,37
über eine Gesandtschaft der Illyrer zu Caesar mit der Bitte um Verzeihung
ist fälschlich in die Spätzeit datiert. Die Gesandtschaft gehört
in die Zeit vor Vatinius' illyrischem Kommando.
[Zurück zum Text]
- Vgl. P.A. Brunt (wie Anm. 111), 476 mit Anm. 3 zu
Bell.Alex. 77,2.
[Zurück zum Text]
- Vgl. App.BC 3,77,317 sowie 4,58,254. Das Kommando
führte Marcius Crispus (Anm. 138). Nimmt man Appian wörtlich, so
hatte er nur den Auftrag, Caecilius Bassus zu schlagen, aber nicht den Befehl,
sich für den Angriff auf die Parther bereit zu halten. Die für
Caesars rückwärtige Verbindungen wichtige Provinz hatte für das
Jahr 43 einer der künftigen Caesarmörder erhalten, Tillius Cimber
(App.BC 3,2,5).
[Zurück zum Text]
- Drei Legionen: Suet.DJ 76,3.
[Zurück zum Text]
- Im Jahre 43 werden Dolabella vier Legionen aus
Ägypten zugeführt (App.BC 3,78,318; 4,61,263). Zum Problem vgl. P.A.
Brunt (wie Anm. 111), 480.
[Zurück zum Text]
- Der Befehlshaber in Syrien, Staius Murcus, hatte nach
App.BC 3,77,316 nur den Befehl, Caecilius Bassus zu schlagen. Für die
bithynischen Legionen gilt das Gleiche (Anm. 124). Daß die Legionen
später auch gegen die Parther eingesetzt werden sollten, geht wohl aus
App.BC 3,24,92 hervor. Die Belagerung von Caecilius Bassus in Apameia stellte
sich als eine schwierige Aufgabe heraus (vgl. App.BC 3,77,314-316; Dio
47,27,2-5), besonders auch aufgrund der Intervention des Pacorus in der zweiten
Hälfte des Jahres 45 (Anm. 101), Wollten die Parther, die von Caesars
Plänen gewußt haben müssen (vgl. Just. 42,4,6; zit. Anm. 35),
die syrischen Truppen an der Ausführung anderer Befehle hindern ? Caesars
Informationen über die Lage in Syrien sind vermutlich sehr lückenhaft
gewesen (Anm. 106).
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- App.BC 2,110,460.
[Zurück zum Text]
- Spanier (?): CIL IX 733 = ILS 2499; vgl. W.
Schmitthenner (wie Anm. 111), 9. Mauretanier: Cic.Fam. 10,30,3. Ituräer:
Cic.Phil. 2,19.
[Zurück zum Text]
- Caesar wollte sich den Parthern über Armenien
nähern (s. unten Anm. 191). Im Jahre 46 sind diplomatische Kontakte mit
den Armeniern bezeugt (Cic.Fam. 9,15,4; zit. Anm. 45).
[Zurück zum Text]
- Vgl. Cic.Phil. 5,46. Vierzig Elefanten wurden für
die Feiern seiner Triumphe des Jahres 46 eingesetzt (Suet.DJ 37,2).
[Zurück zum Text]
- Vgl. App.BC 3,11,39.
[Zurück zum Text]
- App.BC 3,63,259. Ende März befanden sich aber
schon erhebliche Vorräte und Geldmittel in Kleinasien (vgl. Nikolaos
FGrHist 9 F 130 § 55).
[Zurück zum Text]
- App.BC 3,11,39 werden Kontributionen der Provinzen
für das Jahr 44 erwähnt. Vgl. auch Nikolaos F 130 § 55 sowie Dio
45,3,2. Der Kassenstand des Reiches war an den Iden des März nach all den
Ausgaben des Jahres 46 und 45 erstaunlich gut, und besonders dann, wenn nur ein
Teil der Gelder im Tempel der Ops für den Krieg bestimmt war (Cic.Phil.
2,93).
[Zurück zum Text]
- Plut.Ant. 37,4; vgl. dazu P.A. Brunt (wie Anm. 111),
503f. Crassus hatte im Jahre 54 sieben Legionen, 4000 Reiter und 4000
Leichtbewaffnete (Plut.Crass. 20,1). Diese Zahlen sprechen dafür, daß
Caesar mit mehr als den sechs makedonischen Legionen in den Kampf ziehen wollte
(Anm. 111).
[Zurück zum Text]
- Keiner hat sich nach den Iden des März der
vorgesehenen Verwendung gerühmt.
[Zurück zum Text]
- Antonius hatte diesen Teil der Welt bereits im Gefolge
des Gabinius kennengelernt (Plut.Ant. 3), und sein eigener Partherfeldzug
beweist zumindest sein späteres Interesse an einem Krieg dieser Art.
Für das Jahr 44 wäre er als Konsul an die Hauptstadt gebunden
gewesen; es ist nicht auszuschließen, daß Caesar ihn dann im Jahre 43
in Makedonien zur Sicherung der Dakerfront einsetzen wollte (vgl. Anm. 184). Ob
Antonius' Zurückhaltung mit Octavius' erfülltem Traum vom
Reiterführeramt zusammenhängt (Anm. 95) ?
[Zurück zum Text]
- RE Nr. 52. Er war einer der Legaten Pisos in Makedonien
(Cic.Pis. 54: "vir fortis in primis, belli ac rei militaris peritus,
familiaris meus"). Während des Bürgerkrieges wird sein Name für
die Kämpfe in Africa genannt (Bell.Afr. 77,2). Da er im Jahre 45
Statthalter in Bithynien war (Anm. 124), muß er spätestens 46
Prätor gewesen sein.
[Zurück zum Text]
- RE Nr. 15. Vgl. Cic.Fam. 7,30,3: "Acilius, qui in
Graeciam cum legionibus missus est (Anm. 121).
[Zurück zum Text]
- RE Nr. 2. Im Jahre 48 war er zusammen mit Acilius Legat
Caesars (vgl. Caes.BC 3,15,6). An den Iden des März befand er sich noch in
Rom (App. 2, 119,500 - hier als plötzlicher Sympathisant der
Caesarmörder genannt).
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- Vgl. Vell.Pat. 2,59,5 (zusammen mit Q. Salvidienus
Rufus).
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- Dio 43,51,1 (Anm. 72).
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- Suet.DJ 79,4: "... migraturum Alexandream vel
Ilium, translatis simul opibus imperii exhaustaque Italie dilectibus et
provuratione urbis amicis permissa". Zum Motiv der Klage über fehlende
Rekruten vgl. Liv. 7,25,8-9.
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- Cic.Pis. 57: "cum orbabas Italiam inventute" -
solche zeitgenössischen Formulierungen stehen wohl auch hinter Suet.DJ
79,4 (Anm. 143). Wenn es politisch paßte, sprach Cicero von der
Begeisterung der jungen Rekruten, z.B. für den Kampf gegen Antonius:
"tantus ardor animos hominum occupavit" (Fam. 11,8,2). Was die Betroffenen
wirklich gedacht haben mögen, klingt in Vergils Erster Ekloge (64-66) an:
"At nos hinc alii sitientis ibimus Afros, / pars Scythiam et rapidum cretae
veniemus Oaxen / et penitus toto divisos orbe Britannos".
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- Vgl. App.BC 3,78,317. Daß Geld dabei keine Rolle
spielte, geht aus Cassius' Brief Fam. 12,12,3 hervor.
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- Vgl. Anm. 120. Übergelaufen zu Antonius' Feinden
sind nach einiger Zeit die legio Martia (vgl. Cic.Phil. 4,5) und die IV. Legion
(vgl. Cic.Phil. 12,8).
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- Vgl. App.BC 2,137,570-141,591. Hier sprach er
allerdings von Veteranen, die ohnehin zu Hause geblieben wären.
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- S. oben Anm. 80.
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- Hinweise auf »Victoria« können sich
ebensogut auf die vergangenen Siege wie auf den künftigen großen Sieg
beziehen - vgl. etwa den Denar des P. Sepullius Macer (Crawf. 480/9) aus dem
Jahre 44. Die Feier des Friedens auf dem Denar des L. Aemilius Buca (Crawf.
480/24) verträgt sich nicht ohne weiteres mit den gewaltigen
Rüstungen der Zeit und könnte deshalb auf den künftigen Frieden
hinweisen; andererseits wurde Caesar damals vom Senat als Stifter des
allgemeinen Friedens gefeiert (Dio 44,4,5). M. Mettius' Imperator-Münzen
(Crawf. 480/3) lassen an Caesars neuen Krieg denken. Zur Frage eines von Caesar
angekündigten neuen "saeculum" (vgl. Crawf. 474/5) s. Anm. 156.
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- Dio 43,51,1 (Anm. 72). Es ist nicht
auszuschließen, daß hier die livianische Version vorliegt (An. 13).
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- BC 3,31,3 (Anm. 39).
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- Suet.DJ 44,3 (Anm. 160). Es ist nicht sicher, ob
Pacorus' aktive Hilfe für Caecilius Bassus Caesar rechtzeitig
bekanntgeworden ist (Anm. 106).
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- Vgl. dazu W.V. Harris, War and Imperialism in
Republican Rome, Oxford 1979, 117-130 sowie A.R. Birley, Roman Frontiers and
Roman Frontier Policy: Some Reflections on Roman Imperialism, Trans.Archit. and
Archeol.Soc. of Durham and Northumberland, N.S. 3, 1974, 13-25 (die Kenntnis
dieses wichtigen Aufsatzes verdanke ich T.P. Wiseman). Zur
»Unbegrenztheit« des römischen Reiches s. auch A.W. Lintott, G
& R 28, 1981, 53f.
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- Catos erstaunlich konsequente Haltung wird verdeutlicht
durch seinen Antrag, Caesar an die Usipeter und Tencterer auszuliefern
(Plut.Cat. min. 51,1-5); vgl. M. Gelzer, in: Festgabe für Paul Kirn,
Berlin 1961, 46-53. Nach Caesars Tod hat Cicero die Erweiterung der Grenzen des
Reiches für eine lobenswerte Aufgabe erklärt (de off. 2,85).
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- Vgl. die Haltung der Freiwilligen des Jahres 171 v.
Chr.: "multi voluntante nomina dabant, quia locupletes videbant, qui
priore Macedonico bello aut adversus Antiochum in Asia stipendia fecerant"
(Liv. 42,32,6). Crassus war von der Hoffnung beseelt, Beute im Osten zu machen,
doch reichte diese Aussicht nicht aus, um die Rekruten zu begeistern (vgl. Dio
39,39,1).
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- "Inpotentiae voces" (vgl. Suet.DJ 77) über
diesen Krieg haben Caesars Gegner nicht zu überliefern gewußt. Caesar
könnte z.B. von der Hoffart der Parther nach ihrem Sieg über
römische Legionen gesprochen haben (vgl. App.BC 2,83,350; Flor. 2,19
(4,9),3). Antonius sagt in seiner Leichenrede für den Dictator, Caesar
habe Orodes wegen der unterlassenen HIlfe für Pompeius strafen wollen (Dio
44,45,3). Ein glänzendes Argument wäre Pacorus' Hilfe für
Caecilius Bassus gewesen (Anm. 101), doch ist nicht sicher, wann die Meldungen
darüber in Rom eingetroffen sind (Anm. 106). Caesar könnte auch das
vertraute Motiv vom "externus timor, maximum concordiae vinculum" (Liv. 2,39,7)
für seine Zwecke benutzt und an die Opposition appelliert haben, jetzt
alles Trennende zu vergessen; vgl. Horaz' spätere Verse epod. 7,9-10 sowie
carm. 2,1,29-32. Schwer zu beweisen ist die Annahme von St. Weinstock (wie Anm.
44), 196 mit Hinweis auf den Denar des L. Valerius Acisculus (Crawf. 474/5),
Caesar habe ein neues "saeculum" nach der siegreichen Rückkehr
angekündigt.
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- Vgl. Anm. 64; M. Gelzer (wie Anm. 42), 10.
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- Vgl. Ciceros Bericht über einen Besuch Caesars im
Dezember 45 (Att. 13,52). Möglicherweise hielt sich Caesar in diesem Falle
bewußt an die Etikette, wenn er politische Themen mied (vgl. Varro ap.
Gell. 13,11).
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- Daß er sich damals Gedanken über
sämtliche Konsequenzen seines Parther-Plans gemacht hat, ist jedenfalls
wahrscheinlicher als das Gegenteil; Matius hielt ihn nicht für
»verrückt« (Anm. 55). Bei guter Stimmung konnte selbst ein
Gegner wie Cicero schreiben: "homo valde est acutus et multum providens"
(Fam. 6,6,9; aus dem Jahre 46).
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- Suet.DJ 44,1-3: "Nam de ornanda instruendaque
urbe, item de tuendo ampliandoque imperio plura ac maiora in dies destinabat:
(...) Dacos, qui se in Pontum et Thraciam effuderant, coercere; mox Parthis
inferre bellum per Armeniam minorem nec nisi ante expertos adgredi proelio".
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- Suetons Formulierung "in Pontum et Thraciam" ist
wegen der Reihenfolge der Namen überraschend; das "bithynische" Thrakien
(vgl. Xen.An. 6,4,1) ist sicher nicht gemeint. Die Konjektur "in Pontum per
Thraciam" von J.A. Ernesti ist attraktiv, doch wird sie in den neueren
Editionen nicht berücksichtigt.
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- S. oben Anm. 20.
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- Suet.DJ 24,3 & 54,2.
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- Vgl. Suet. Vesp. 8,4: "Cappadociae propter
adsiduos barbarorum incursus legiones addidit consularemque rectorem imposuit
pro eq.R."
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- Die Nachrichten über Pacorus' Hilfe für
Caecilius Bassus (Anm. 101) wären bei rechtzeitigem Eintreffen (vgl. Anm.
106) sehr nützlich gewesen.
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- Die Caesar-Vita könnte nach Traians Kriegen
geschrieben worden sein; vgl. dazu G.W. Bowersock, in: Hommages M. Renard I,
Brüssel 1969, 119-125. Sueton kennt keine maßlosen
Äußerungen Caesars über das angestrebte Kriegsziel (Anm. 156),
zu denen er wohl Verlautbarungen Caesars im Sinne von Plutarch (Anm. 169)
gerechnet hätte.
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- Der Feldzug ist ein bloßer Plan, wie der Entwurf
eines riesigen Mars-Tempels oder des Theaters (Suet.DJ 44). Dies könnte
eine Widerspiegelung schon der zeitgenössischen Tradition sein, die die
Vorbereitungen für den Feldzug, aus welchen Gründen auch immer, nur
ungenügend in den Bericht über die "innenpolitischen" Ereignisse
der Spätzeit integriert hat. Auch für Cassius Dio beginnen die
Rüstungen erst im Januar 44 (Anm. 72).
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- DJ 44,3 (Anm. 160) werden die Grenzverletzungen der
Daker erwähnt.
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- Plut. Caes. 58,6-7 (vgl. die ähnlichen
Formulierungen Pomp. 38,4-5 über Pompeius' Ziele).
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- Dies wird in der Regel bestritten; vgl. etwa O.
Weippert, Alexander-Imitation und römische Politik in republikanischer
Zeit, Diss. Phil. Würzburg 1970, 171ff.
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- Hyrkanien war wohl schon das Angriffsziel des Pompeius,
als er sich Gedanken über einen Angriff auf die Parther machte (Anm. 193).
Crassus wollte nach dem Sieg offenbar einen anderen Rückweg als den durch
Syrien einschlagen (vgl. Plut. Crass. 19,5; Dio 40,19,1-2). Nach Luc. 2,553
wäre er "Scythicis ab oris" zurückgekehrt. Skythien und
Hyrkanien nennt Abgaros als Fluchtziel der Parther im Falle einer Niederlage
(Plut. Crass. 21,3).
[Zurück zum Text]
- Bei nüchterner Durchführung hätte der
Plan eine Wiederaufnahme von Mithridates' Absicht sein können, Italien von
Norden her zu erreichen (Strab. 7,4,3; Plut. Pomp. 41,2; Dio 37,11,1-2). Am
Kaspischen Meer wäre nach Ansicht vieler Zeitgenossen bereits der Ozean
erreicht gewesen, auf den Caesar als Grenze des römischen Weltreichs so
großen Wert legte (Anm. 174), und die wirkliche Ausdehnung Nordeuropas war
nicht sicher bekannt. Der Dakerfeldzug war dazu angetan, Spekulationen
über Caesars Ziele im Norden zu beflügeln. Die von Plutarch
überlieferte Marschrichtung Caesars nimmt spätere Befürchtungen
vorweg: bei Phil. leg. ad Gaium 10 ist der Euphrat nicht nur ein Schutzwall
gegen die Parther, sondern auch gegen die Sarmaten und Skythen. Neros Plan
einer Expedition zu den Kaspischen Toren erinnert an Caesars mögliche
Absichten. Vgl. auch Vespasians Festung in der Nähe des heutigen Tiflis
(ILS 8795).
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- Der innere Zwist konnte in diesem Falle dargestellt
werden als Vorspiel zum letzten aller Eroberungskriege, der dann den Frieden
brächte für alle Zeit, s. auch R.G.M. Nisbet JRS 69, 1979,152 mit
Hinweis auf Hor.carm. 3,5,2-4. Die Leistungen Alexanders dürften nicht
unerwähnt geblieben sein, da Caesar Gebiete betreten würde, die
Alexander nicht betreten hatte; vgl. Plut. Pomp. 34,7 über Pompeius'
Bezwingung der Iberer, sicher aus Theophanes FGrHist 188.
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- Pan.Const.Caes. 11,2 über Caesar: "alium se
orbem terrarum scripsit repperisse, tantae magnitudinis arbitratus ut non
circumfusa oceano, sed complexa ipsum oceanum videretur"; zum Verständnis
s. F. Gisinger, RE 17,2138f. s. v. Oikumene. Der Ozean als Grenze des Reiches
wird auch Plut. Caes. 58 (Anm. 169) genannt. Bei der Würdigung seiner
Leistungen im Osten war Pompeius keineswegs weniger ehrgeizig als Caesar, wenn
die bei Diod. 40,4 erhaltene Triumphalinschrift ein Urteil erlaubt.
[Zurück zum Text]
- S. oben Anm. 20.
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- Nikolaos FGrHist 90 F 130 § 95: ???
[Zurück zum Text]
- Vgl. Plut.Pomp. 70,4; Crass. 16,2. Die Inder sollten
auch Furcht vor Antonius' Rüstungen gehabt haben (Plut.Ant. 37,5).
Augustus war stolz auf die Gesandtschaften aus Indien (RG 31,1). Dorthin wollte
auch Traian (Dio 68,29,1; Eutrop. 8,3,2). Wie vertraut die Zeitgenossen Caesars
der Gedanke an Indien und seine Schätze gewesen ist, zeigt W.
Schmitthenner, JRS 69,1979,104 Anm. 128.
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- Varro Atacinus (RE Terentius Nr. 88) hat ein
"Bellum Sequanicum" zu Ehren Caesars geschrieben. Ehrgeizige Skribenten
wie P. Crassus' Freigelassenen Apollonius (zur Person s. A. W. Lintott, RhMus
119,1976,368), der im Jahre 45 von Cicero an Caesar empfohlen wurde (Fam.
13,16,1), wird es viele gegeben haben. Zum panegyrischen Vokabular vgl. Gallus'
Verse (Anm. 23).
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- Vgl. dazu P.A. Brunt, JRS 53,1963,175 sowie M. Gwyn
Morgan, in: Panhellenica. Essays in Ancient History and Historiography in honor
of Tr.S. Brown, Lawrence 1980, 143-145. Wenn sich Caesar an Poseidonios'
Erdmessung orientiert haben sollte, die frühere Messungen stark reduzierte
(F 287 Theiler), mußte das imperialistische Pläne fördern.
Caesars geplante Erdvermessung hätte vielleicht größere Klarheit
gebracht (vgl. Cosmogr. p. 72 Riese; W. Kubitschek, RE 10, 625-627 s.v. Iulius
Honorius).
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- Strab. 7,3,11; Suet.DJ 44,3 (Anm. 160). Zur gewaltigen
Ausdehnung seines Reiches in dieser Zeit vgl. Chr. Hawkes, PBA 63, 1977,134ff.
Die neueren Forschungen über Burebista verzeichnet C. Daicoviciu, ANRW II
6, 1977, 902-908.
[Zurück zum Text]
- Vgl. SIG (3) 762,32ff (Burebista ließ Pompeius
nach dem Sieg von Dyrrhachium im Jahre 48 durch Akornion, einen Bürger der
Stadt Dionysopolis, begrüßen). Nach Cic.Att. 9,10,3 scheint Pompeius
von der Möglichkeit gesprochen zu haben, auch Geten auf seiner Seite in
den Bürgerkrieg führen zu können.
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- Vgl. die spätere Bedeutung von Decebalus,
Mithridates und Burebista: E. Condurachi, AAntHung. 26, 1978, 7-14.
[Zurück zum Text]
- Auch in den Briefen zwischen Vatinius und Cicero (Anm.
49) wird nicht deutlich ausgesprochen, daß Vatinius eine wirklich wichtige
Aufgabe zu erfüllen hat. Die Gefährlichkeit der Daker als eines
Nordvolkes wird von der caesarischen Propaganda betont worden sein (vgl. App.
BC 3,25,93). Die Völker des Ostens galten in der Regel als leichtere
Gegner (vgl. Cato ap. Cic. Mur. 31; Caesar ap. App.BC 2,91,384). Unmittelbar
nach der Meldung von Caesars Tod haben die Daker wieder die Provinz angegriffen
(App.BC 3,25,93). In den dreißiger Jahren hat Octavian großen Wert
auf die Bekämpfung der Daker gelegt (vgl. W. Schmitthenner, Hist. 7, 1958,
194-195).
[Zurück zum Text]
- Vgl. Ed. Schwartz, Hermes 33, 1898, 187. Nach den Iden
des März wollte Antonius den Dakerkrieg übernehmen (App.BC 3,25,93).
[Zurück zum Text]
- Diesen Absichten diente vielleicht auch die
Gründung von Kolonien wie Herakleia (Strab. 12,3,6) und Sinope; die
Ära von Sinope beginnt im Jahre 45 v. Chr. (vgl. W. Kubitschek, NZ
41,1908,67f.) Die dort angesiedelten Veteranen konnten notfalls eingreifen.
[Zurück zum Text]
- Im Falle eines Mißerfolges hätte Caesar das
Unternehmen propagandistisch wie die britannische Expedition ausbeuten
können. Nach Suetons Worten (Anm. 160) wollte er aber viel mehr
vollbringen - "coercere" heißt es nur von dem kurzen Feldzug gegen
die Daker.
[Zurück zum Text]
- Suet. DJ 58,1: "in obeundis expeditionibus dubium
cautior an audentior". Caesar weist in seinem Kriegsbericht über Gallien
mehrfach auf die Sorgfalt seiner Planung hin; vgl. dazu A. Labisch, Frumentum
Commeatusque. Die Nahrungsmittelversorgung der Heere Caesars, Meisenheim 1975,
182f. Für die aufwendige Vorbereitung späterer Partherkriege s. J.P.
Adams, Logistics of the Roman Imperial Army. Mayjor Campaigns on the Eastern
Front in the First Three Centureis, Diss. Yale Univ. 1976.
[Zurück zum Text]
- Er hätte es auf dem Schlachtfeld wohl mit Pacorus
zu tun gehabt, dessen Wagemut aus der Unterstützung für Caecilius
Bassus hervorgeht (Anm. 1010). Caesar mußte sich wegen der Unterlegenheit
seiner Legionen gegenüber den parthischen Bogenschützen (vgl. W.W.
How, JHS 43,1923,118f) und vor allem wegen der parthischen Reiterei (vgl. J.W.
Eadie, JRS 57,1967,164f) Sorgen machen. S. auch Hor.carm. 2,13,17-18 über
die römische Furcht vor der Taktik der Parther. Angeblich soll schon
Cassius seinem Feldherrn Crassus geraten haben, sich vor jeder
größeren Schlacht erst mit dem Feind vertraut zu machen (Plut.Crass.
20,4).
[Zurück zum Text]
- Selbst bei klaren militärischen Niederlagen
konnten sich die Verluste der Parther an Menschen und Material in Grenzen
halten (vgl. Plut.Ant. 39). Ventidius ist allerdings im Jahre 38 gelungen, was
Caesar angestrebt hat - den Parthern eine Niederlage zuzufügen, die sie
selbst als solche eingestanden.
[Zurück zum Text]
- Vgl. Suet. DJ 77. Zur Gesundheit Caesars in dieser Zeit
s. Anm. 100.
[Zurück zum Text]
- Armenia Minor ist das Gebiet westlich und nordwestlich
vom nördlichen Quellarm des Euphrat, mit der von Pompeius gegründeten
Hauptstadt Nikopolis (RE Nr. 8). Das Gebiet war im Jahre 47 zwischen Deiotarus
und Ariobarzanes von Kappadokien aufgeteilt worden (vgl. H.W. Ritter, Hist. 19,
1970, 124-127 zu Dio 41,63,3). Es wäre interessant zu wissen, ob die
Aufteilung auch nach Gesichtspunkten erfolgt ist, die mit der Planung des
Parther-Feldzuges zusammenhingen (s. auch Anm. 45).
[Zurück zum Text]
- Auch Crassus war diese Route vom Armenier Artabazos
empfohlen worden (Plut. Crass. 19,2).
[Zurück zum Text]
- Vgl. Plut. Pomp. 36,1 sowie 38,5 (über einen
möglichen Vorstoß vom Kaukasos und dem Gebiet der Albaner nach
Hyrkanien). Vgl. J. Kromayer, Hermes 31, 1896, 81.
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- Vgl. J. Kromayer (wie Anm. 193), 87ff.
[Zurück zum Text]
- Trotz Suet.DJ 44,3 (Anm. 160) schreibt Mommsen in der
Römischen Geschichte V, 358: "... hatte Caesar beschlossen, im
nächsten Frühling persönlich nach Syrien und über den
Euphrat zu gehen". Daß dies genau so gemeint ist, beweist Mommsens
kritische Beurteilung von Antonius' Route durch Armenien (ebd. 364f.). Traians
späterer Vormarsch auf Ktesiphon ist erst durch eine veränderte
strategische Konstellation möglich und gewiß keine Kopie von Caesars
Feldzugsplan. Suetons Erwähnung von Armenia Minor ist deshalb so wichtig,
weil sie die Möglichkeit ausschließt, daß Caesar etwa vom
Hellespont zu Schiff oder über die Küste Kleinasiens nach Syrien
wollte - vgl. dagegen Traian (Dio 68,17,2-3) und Caracalla (Herod. 4,8,6).
Plutarch gibt Caesars Feldzug eine betont nördliche Richtung (Anm. 169).
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- Die Truppen Armeniens kämpften nicht viel anders
als die Parther und waren deshalb die ideale Hilfstruppe (vgl. die Nachweise
von Mommsen, Römische Geschichte, V 357, Anm. 1). Die
römisch-armenischen Beziehungen gerade in der Zeit Caesars sind kaum zu
beurteilen, doch ist er offensichtlich von der Kooperationswilligkeit des
Armenierkönigs Artavasdes ausgegangen. Nach Carrhae hatte er sich
allerdings mit Orodes verbündet, und im August 51 bedrohten Parther und
Armenier Kappadokien (Cic.Fam. 15,3,1). Im September 51 schreibt Cicero dann,
daß sich der Armenierkönig nicht eindeutig verhalte (Fam. 15,2,2).
Pompeius scheint von der Möglichkeit gesprochen zu haben, armenische
Hilfstruppen im Bürgerkrieg einzusetzen (vgl. Cic.Att. 9,10.3). Im Jahre
46 ließ Caesar einen Senatsbeschluß zugunsten Armeniens ausfertigen
(Cic.Fam. 9,15,4; zit. Anm. 45). Zum Interesse der Armenier an einer
parthischen Niederlage und der Annexion von Media Atropatene vgl. Mommsen,
Römische Geschichte V, 364.
[Zurück zum Text]
- Die großen Städte Mesopotamiens betrachteten
sich als griechisch und wären vielleicht erfreut gewesen, den Sieger
Caesar zu empfangen. Schon Pompeius hat sich als Beschützer von
Mesopotamien, Sophene und Gordyene feiern lassen (vgl. Diod. 40,4), und Crassus
wurde von einigen Städten offen unterstützt (Plut. Crass. 17,4; Dio
40,13,1). Möglicherweise hätte Caesar nach einer parthischen
Niederlage versucht, dynastische Streitigkeiten auszunutzen - vgl. die
ähnlichen Bestrebungen von Bibulus (Dio 40,30,2) und später von
Antonius (vgl. Plut. Ant. 37 u. 46 über Monaeses).
[Zurück zum Text]
- Vgl. Plut.Ant. 39.
[Zurück zum Text]
- Ägypten: Suet.DJ 35,1 - es ist nicht ganz
auszuschließen, daß Sueton hier durch die Erfahrungen der
Principatszeit beeinflußt ist. Crassus' parthische Kriegsziele über
den militärischen Sieg hinaus sind nirgends deutlich ausgesprochen.
Vielleicht wäre Caesar zur Errichtung einer direkten römischen
Herrschaft übergegangen, wenn er Zeit für eine gründliche
Organisation des Reiches gehabt hätte; vgl. D. Timpe, Hist. 14, 1965, 212
über Gallien.
[Zurück zum Text]
- Cic.Attt. 15,4,3: "ille enim numquam revertisset,
nos timor confirmare eius acta non coegisset ..."; der Nachsatz verbietet es,
Ciceros Worte auf eine mögliche »Auswanderung« ( vgl. Anm. 107)
zu beziehen. Er spricht hier von Caesars Tod, denn ein im Osten residierender
Herrscher hätte seine "acta" wohl durchsetzen können. Warum Cicero
der hier geäußerten Ansicht war, wird nicht deutlich. Es ist
unwahrscheinlich, daß er ihn in die sichere Niederlage marschieren sah.
Das Gesundheitsmotiv liegt eigentlich näher, obwohl Cicero sonst nicht
darüber gesprochen hat (Anm. 100).
[Zurück zum Text]
- Vgl. Horaz' Verse über Augustus (carm. 3,5,2-4):
"praesens divus habebitur / Augustus adiectis Britannis / imperio
gravibusque Persis."
[Zurück zum Text]
- Es sollte nicht bezweifelt werden, daß er um einen
sichtbaren Anteil am Parther-Sieg bemüht gewesen wäre (vgl. Anm. 95).
Sein Horoskop war günstig (Anm. 97).
[Zurück zum Text]
- Vgl. das allerdings untergeordnete Beispiel der
Aufsicht über die Getreideversorgung (Anm. 59).
[Zurück zum Text]
- »Die dämonische Sicherheit, mit der Caesar
seine Entschlüsse faßte« (Mommsen, Reden und Aufsätze,
Berlin 1905, 322) ist hier wenigstens nicht spürbar.
[Zurück zum Text]
- S. oben Anm. 54 u. 55 zur Haltung von Oppius, Balbus
und Matius.
[Zurück zum Text]
Prof. Dr. Jürgen Malitz, 4. Februar 1998