Caesars Partherkrieg

Erschienen in: Historia 33, 1984, S. 21-59

Prof. Dr. Jürgen Malitz
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
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I

Am 18. März des Jahres 44 v. Chr. wollte Caesar zu einem Feldzug gegen die Parther aufbrechen[1]. Im März 44 standen die Vorbereitungen kurz vor dem Abschluß. Cassius, Brutus und ihre Mitverschworenen sind durch ihr Attentat an den Iden des März diesem Krieg zuvorgekommen.

Caesars Partherplan findet zumeist nur Interesse wegen der damit verbundenen Kriegsziele. Dazu gibt es die widersprüchlichsten Ansichten, was sich sowohl durch die dürftige Quellenlage als auch durch die unterschiedlichen Voraussetzungen der jeweiligen Betrachter erklärt. Die Beurteilung reicht von der Einschätzung Mommsens in der »Römischen Geschichte«, Caesar habe nicht mehr als eine notwendige "Grenzregulierung" beabsichtigt[2], bis etwa zu Eduard Meyers Vermutung, der Dictator habe seinen lange gehegten Traum von der Weltherrschaft verwirklichen wollen[3]. Die Aufmerksamkeit der neueren Forschung hat vor allem der Einordnung von Caesars Plan in die Geschichte der römisch-parthischen Beziehungen gegolten[4].

Die folgende Untersuchung befaßt sich weniger mit den so schwer zu präzisierenden Kriegszielen Caesars als vielmehr mit der Frage, welche Bedeutung der Feldzug für ihn in der Zeit vor dem Abmarsch hatte. Davon nicht zu trennen ist eine Untersuchung der Ansichten von Caesars Zeitgenossen dazu und der innenpolitischen Probleme, die sich aus dem Plan notwendig ergeben mußten und die Caesar offensichtlich in Kauf nahm. Anschließend wird nach den militärischen Vorbereitungen gefragt. Zum Schluß sollen der geplante Verlauf des Krieges und, in gebotener Kürze, seine Ziele erörtert werden.

Zunächst aber Bemerkungen zu den Quellen. Das auffällige Schweigen der erhaltenen antiken Autoren über Einzelheiten des Plans und die Kriegsziele ist erst bei Berücksichtigung des zeitgenössischen Urteils und der primären Traditionsbildung richtig zu beurteilen. Schon die Kommentare der Zeitgenossen und die ersten schriftlichen Berichte über Caesars Alleinherrschaft, die nach den Iden des März entstanden und dann die Vorlagen für die entsprechenden Bücher von Livius' Werk gewesen sind, waren nicht nur geprägt durch die Schwierigkeit, überhaupt zuverlässige Kenntnis von den Plänen des Dictators zu erhalten[5]. Die meisten senatorischen Verfasser von Livius' Vorlagen hatten gewiß nicht den Wunsch, die Weitsicht mancher Pläne des angeblich zu Recht ermordeten Dictators über Gebühr zu loben[6]. Livius selbst, der dem Princeps näher als dem Dictator stand, war gerne bereit, Rücksicht zu nehmen; die Abfassungszeit seiner Bücher über Caesar ist ein weiterer Faktor, der bei der Bewertung der livianischen Tradition berücksichtigt werden muß[7].

Angesichts der Bedeutung, die die Partherpolitik erst in der Triumviralzeit und dann für Augustus gehabt hat, fallen zunächst zwei Aspekte der Überlieferung ins Auge: Caesars Feldzugsplan, der sich ja am 15. März 44 in voller Vorbereitung befand und kein bloßer Entwurf geblieben war wie andere Pläne der Spätzeit, wird selten erwähnt, und es ist bemerkenswert, daß sich kein einziges negatives Urteil über diesen Kriegsplan findet - im Unterschied zu anderen verwirklichten oder beabsichtigten Plänen des Dictators. Nicht einmal von Cicero gibt es nach den Iden des März ein schmähendes Wort über diesen von Caesar beabsichtigten Feldzug, der in der modernen Forschung vorwiegend als maßlose Alexandernachfolge oder als Flucht vor innenpolitischen Schwierigkeiten gedeutet wird[8].

Zu den Faktoren, die die Kritik an Caesars letztem Kriegsplan unmittelbar nach den Iden des März erschwerten, gehören ohne Zweifel die Einmischung der Parther in die Bürgerkriegskämpfe und die im Vergleich zu früheren Jahren insgesamt aggressivere »Außenpolitik« des Partherkönigs[9]. Sollte zum Beispiel Sallust in seiner Triumphalrede für Ventidius Bassus' Sieg Caesars Projekt erwähnt haben, ist der Tonfall nicht schwer zu erraten[10]. Ähnliches dürfte für M. Antonius' Äußerungen gelten, als er seinen eigenen Partherfeldzug organisierte und dabei auch auf Caesars Entwürfe zurückgriff; es ist überraschend, daß keine einzige Äußerung des Antonius aus dieser Zeit über Caesars Projekt überliefert ist.

Der adoptierte Sohn des Dictators war weniger kriegerisch, doch gibt es kein Zeugnis dafür, daß er Caesars Feldzug, an dem er ja selbst hatte teilnehmen sollen - wenn er sich nicht sogar danach gedrängt hat[11] - zu jenen Ideen der Spätzeit rechnete, die durch Verschweigen kritisiert werden mußten. Viele Indizien sprechen dafür, daß Augustus für lange Zeit gehofft hat, die Parther militärisch zu bezwingen, und die Worte seiner Dichter legen die Vermutung nahe, daß er sich dabei nicht im Widerspruch zu den Leuten befand, die zur »öffentlichen Meinung« Roms gehörten[12]. Unter diesen Umständen wird wohl auch Livius trotz aller Vorbehalte gegen Caesar nicht ganz negativ über den Partherplan gesprochen haben[13]. Augustus' Absicht, die Feldzeichen der bei Carrhae geschlagenen Legionen wiederzuerlangen, dürfte schon zu den Parolen von Caesars Kanzlei gehört haben[14]. Der beste Beweis für Augustus' grundsätzliche Billigung des letzten Kriegsplans seines Oheims ist aber die Tatsache, daß Nikolaos, der zu den "inspirierten" Schriftstellern des Hofes gehörte, ohne jedes Wort der Kritik von Caesars Welteroberungsplänen zu schreiben für zweckmäßig hielt[15]. Asinius Pollios Werk gehört zu dem Teil der Tradition, der die Parther als gefährliche Gegner kennzeichnete; Kritik an Caesars Parther-Politik ist deshalb nicht sehr wahrscheinlich[16]. Wie Timagenes und Pompeius Trogus diesen Aspekt der römischen Außenpolitik bewertet haben, läßt sich nicht sicher erkennen[17].

Nach der beinahe endgültigen Fixierung der Überlieferung zur Geschichte der späten Republik durch Livius' Werk ist von späteren Autoren in der Regel kein Zugewinn mehr an historischer Kunde über Caesars Spätzeit zu erwarten - diese Darstellungen sind nur Verkürzungen und Bearbeitungen des Livius[18]. Die Caesar-Biographie Suetons ist hier eine interessante Ausnahme. Im 44. Kapitel macht Sueton erstaunlich präzise Angaben zu Caesars Plan, die denn auch die Grundlage für alle modernen Untersuchungen geworden sind[19]. Diese Details legen die Vermutung nahe, daß er über Einzelheiten berichtet, von denen er annehmen konnte, daß seine Leser sie bisher nicht kannten; in den "vitae Caesarum" ist es ja unter anderem sein Ehrgeiz, aus eigener, durch seine Position am Kaiserhof begünstigter Forschung wirklich Neues zu erbringen[20]. Es verdient festgehalten zu werden, daß Sueton den Kriegsplan nicht zu den schlimmen Auswüchsen der Spätzeit rechnet, sondern zu den »großen« Plänen, die das Thema des 44. Kapitels sind[21]. Sueton hat den Gerüchten von Caesars alexanderhaften Kriegszielen, die im 58. Kapitel von Plutarchs Caesar-Biographie erhalten sind, offenbar keinen Glauben geschenkt. Der Quellenwert der Nachrichten Plutarchs ist schwer zu beurteilen; darüber später[22] .

Die neugefundenen Verse von Cornelius Gallus dürfen nicht unerwähnt bleiben. Die ersten Herausgeber halten diese Verse auf »Caesar« für ein Zeugnis aus dem Jahre 45, aus der Zeit der Vorbereitung des Partherfeldzuges, der »Caesar« zur "maxima pars Romanae historiae" machen soll[23]. Sollte dies wirklich zutreffen, was schwer zu beweisen ist, so wären Gallus' Verse eine zeitgenössische Bestätigung für die hinter Plutarchs Notiz stehenden ausschweifenden Gedanken über Caesars Kriegsziele[24].

II

Die Vorgeschichte von Caesars Feldzugsplan beginnt, wenn nicht schon mit Pompeius' Erfolgen im Osten und seinen diplomatischen Kontakten mit den Parthern, dann spätestens im Jahre 54 mit Crassus' Angriff auf die Parther[25]. Nicht nur Pompeius, der sich im Osten auskannte, hat Crassus zu seinem Unternehmen ermuntert[26]. Auch Caesar bekannte sich öffentlich zu Crassus' Absichten; es wäre interessant zu wissen, ob er ihm auch einige militärische Ratschläge gegeben hat[27]. Einmal ganz abgesehen von seinen »imperialistischen« Vorstellungen vom Beruf Roms zu einer im Prinzip unbegrenzten Weltherrschaft hatte Caesar beim Gedanken an das nahende Ende seines gallischen Kommandos erhebliches Interesse an einem Sieg des Crassus, der ihn dann von Syrien aus in seinem Kampf um das zweite Konsulat würde unterstützen können.

Die Opposition der Optimaten gegen Crassus' Krieg und überhaupt gegen alle Kriege dieser Art war so stark, wie sie es früher gegen Caesars Eroberungen in Gallien gewesen war[28]. Natürlich hatten die Optimaten auch Furcht vor einem Sieg gerade des Crassus, dessen Gegensatz zu Pompeius bekannt war und der im Zweifelsfall immer zu Caesar halten würde. Crassus' Niederlage bei Carrhae im Mai des Jahres 53 hinterläßt in der optimatisch geprägten Überlieferung nicht die geringste Spur[29]. Für manche Senatoren, unter ihnen natürlich auch Cato, muß Carrhae nach Crassus' Mißachtung der Flüche Ateius Capitos die gerechte Vergeltung gewesen sein. Für Caesar war Carrhae freilich ein empfindlicher Rückschlag bei seiner Planung für die Bewerbung um das zweite Konsulat. Was er daneben bei den Niederlagen römischer Heere gegen Barbarentruppen empfand, verdeutlicht vielleicht sein Hinweis auf die Niederlage des L. Cassius im Jahre 107 gegen die Tiguriner im I. Buch des Berichts über seine Feldzüge in Gallien[30]. Seine Erinnerung daran ist wohl nicht nur ein Indiz für seine eigenen Emotionen beim Gedanken an Carrhae, sondern wohl auch ein Hinweis darauf, daß er damit sein Publikum zu beeindrucken erwartete. Ein weiterer Aspekt seiner persönlichen Betroffenheit darf nicht übersehen werden: er selbst hatte Crassus öffentlich zu diesem Feldzug geraten, und der Sohn P. Crassus, in Gallien sein bester Offizier, war zusammen mit seinen germanischen Reitern gefallen. Caesars "dignitas", die ihm so viel bedeutet hat, war durchaus berührt. Es wäre nicht auszuschließen, daß für ihn persönlich der Rachegedanke allein schon ein gewichtiges Motiv für die spätere Partherplanung sein konnte, doch entzieht sich das der Nachprüfung.

Nach Carrhae gab es Unruhe unter Roms Klientelkönigen und parthische Vergeltungsangriffe auf die Provinz Syrien, die sich aber nie zu einer ernsthaften Bedrohung ausgewachsen zu haben scheinen[31]. In Ciceros Briefwechsel aus dieser Zeit sind die Parther ein Grenzvolk neben anderen, kein bedrohlicher Reichsfeind wie später bei den augusteischen Dichtern. Wenn in den Jahren 51 bis 49 von der Notwendigkeit eines "bellum Parthicum" die Rede ist, handelt es sich stets um eine begrenzte Planung zur Sicherung der Provinz Syrien und der Euphratgrenze, die überdies motiviert war durch den Wunsch vieler Senatoren, entweder Pompeius oder Caesar mit einem solchen Partherkommando von der Hauptstadt fernzuhalten[32]. Es ist nicht erkennbar, ob sich Caesar später auf die Vorbereitungen dieser Zeit berufen hat[33]. Die Optimaten hatten selbst nach Carrhae und den folgenden Angriffen auf die Provinz Syrien keinerlei Interesse an einer militärischen Auseinandersetzung mit den Parthern, geschweige denn an einer Eroberung ihres Reiches. Es ist bezeichnend, daß Pompeius sie wegen seiner diplomatischen Kontakte in den sechziger Jahren mehr oder weniger zu seinen Klienten gezählt haben muß; beim Ausbruch des Bürgerkrieges bat er sie um Waffenhilfe. Das Rachemotiv muß ihm ziemlich fremd gewesen sein[34].

Die Parther waren ihrerseits offenbar gut genug über die Verhältnisse in Rom informiert, um zu wissen, daß ihnen von seiten des Pompeius und seiner politischen Verbündeten vorerst kein Angriff im Stil des Crassus drohte. Eine von Justin nicht sehr glücklich gekürzte Stelle aus der Weltgeschichte des Pompeius Trogus läßt vermuten, daß den Zeitgenossen der »innenpolitische« Aspekt der jeweiligen römischen Partherpolitik und die Parteigebundenheit der »Rache für Carrhae« bewußt war. Die Einmischung der Parther in die römische Politik, wie Caesar das sehen mußte, kann ihn nicht verbindlicher gestimmt haben[35]:

"Nachdem dies so geschehen war[36], bricht nach nicht langer Zeit bei den Römern zwischen Caesar und Pompeius der Bürgerkrieg aus, bei dem die Parther auf seiten der Pompeianerpartei standen, und zwar sowohl wegen des im Mithridatischen Krieg geschlossenen Freundschaftsbundes als auch wegen des Todes des Crassus, dessen Sohn, wie sie gehört hatten, auf der Seite Caesars stehe, und sie bezweifelten nicht, daß er im Falle eines Sieges Caesars zum Rächer seines Vaters werden würde."[37]

III

Caesars Gedanken an eine besser geplante Wiederholung von Crassus' Unternehmen lassen sich nicht erst für seine Spätzeit nachweisen. Wie er in den Jahren 49 und 48 über das Verhalten der Optimaten in der Partherfrage dachte[38], macht eine abfällige Bemerkung im »Bellum Civile« über Metellus Scipio deutlich, der lieber Truppen für den Bürgerkrieg aus Syrien abzog als diese bedrohte Provinz, wie es ihm angestanden hätte, gegen die Parther zu schützen[39]:

"Nachdem die Reiter zusammengezogen waren, hatte er die Legionen und die Reiterei aus Syrien weggeführt, obwohl er die benachbarten Parther, die kurz zuvor den Imperator M. Crassus getötet und M. Bibulus belagert hatten, als Feinde in seinem Rücken zurückließ."[40]

An dieser Stelle geht es vor allem um Metellus Scipio; durch die Erwähnung von Crassus' Tod ist aber auch das Rachemotiv erstmals nach Carrhae faßbar. Hinter Caesars Bemerkung, die sich ja auch an ein bestimmtes Publikum richtete und vermutlich im Jahre 47 niedergeschrieben worden ist[41], steht allem Anschein nach die Forderung nach einem Vergeltungskrieg gegen die Parther; daß auch Bibulus genannt wird, ist eine geschickte Einbeziehung seiner Gegner[42].

Auch Caesars Anschauung, daß der Schutz der Provinzen von äußerer Bedrohung zu den ersten Pflichten römischer Politik gehöre, läßt sich durch eine in ihrer Grundsätzlichkeit freilich umstrittene Bemerkung belegen, die aus einer im Jahre 48 an Metellus Scipio gerichteten Botschaft stammt. Wenn sich Metellus Scipio erfolgreich für Mäßigung und für den Frieden eingesetzt hätte, ließ Caesar ihm mitteilen, "würden alle die Ruhe Italiens, den Frieden der Provinzen, die Erhaltung des Reichs ihm allein verdanken"[43].

Nur durch Appian und Cassius Dio ist bezeugt, daß Caesar im August 47, nach der Schlacht bei Zela, den Wunsch hatte, gegen die Parther vorzurücken[44]. Verschiedene andere Maßnahmen in dieser Zeit könnten ebenfalls mit der Planung eines Partherkrieges in absehbarer Zeit in Verbindung gebracht werden[45]. Meldungen von Unruhen in Rom und von der Sammlung der Pompeianer in Africa haben Caesars damaligen Plan offenbar vereitelt. Der Kampf in Africa wurde durch die Schlacht bei Thapsus im April 46 entschieden.

Im Sommer kehrte Caesar nach Rom zurück. Direkte Zeugnisse über sein unverändertes Interesse an einem Partherfeldzug gibt es nicht, doch einige indirekte Hinweise. Die Meldungen von Unruhen in Syrien mußten ihn, der den Frieden der Provinzen zu seinen Programmpunkten zählte, unverändert zu einem militärischen Eingreifen reizen[46] Cicero wußte davon. Im September 46 hielt er im Senat seine Rede für Marcellus. Hier hat er Caesar förmlich beschworen, in der Hauptstadt zu bleiben und hier seine wichtigsten Aufgaben zu suchen - nicht in äußeren Abenteuern, durch die er ohnehin schon unvergleichlichen Ruhm erworben habe[47]; die Parther hielt Cicero damals jedenfalls nicht für gefährlich[48]. Daß Caesar sich damals mit Fragen der Grenzsicherung befaßte, beweist sein Befehl an Vatinius, Illyrien zu schützen[49]. Der Auftrag könnte schon mit der für den Sommer 44 bezeugten Absicht zusammenhängen, die Nordostgrenze des Reiches durch einen Feldzug gegen die Daker und ihren aggressiven König Burebista zu sichern[50].

Der überraschend starke Widerstand der Pompeius-Söhne in Spanien zwang Caesar bereits wieder im November 46, Rom zu verlassen; er hatte es wohl auch in Anbetracht seiner übrigen Pläne eilig, zu einer Entscheidung zu kommen. Am 17. März errang er bei Munda seinen letzten Sieg im Bürgerkrieg. Es ist alles anders als selbstverständlich, daß Caesar auch jetzt noch an dem nach Lage der Dinge mehr und mehr exotischen Partherprojekt festhielt. Doch bevor er den endgültigen Aufmarschbefehl gab, sind selbst in seiner engsten Umgebung Bedenken aufgetaucht, denen er sich zunächst nicht ganz verschlossen zu haben scheint.

Auf Bitten seines Freundes Atticus entwarf Cicero im Mai des Jahres 45 ein Sendschreiben an Caesar, in dem die großen Fragen der Zukunft erörtert werden sollten. In einem der erhaltenen Briefe aus dieser Zeit schreibt Cicero etwa am 25. Mai von der für ihn offenbar überraschenden Reaktion der Vertrauten des Dictators, Oppius und Balbus, auf den ersten Entwurf[51]:

"Das aber ist ausgezeichnet, daß sie soviel geändert sehen wollen, daß es für mich keinen Grund mehr gibt, den Brief ganz neu zu schreiben. Was freilich den Partherkrieg angeht - was hätte ich denn beachten sollen wenn nicht das, wovon ich annahm, daß er es wünschte ? Was für eine andere Grundlage dieses Briefes gab es denn wenn nicht Schmeichelei ? Oder hätten mir die Worte gefehlt, wenn ich das hätte raten wollen, was ich für das Richtige hielt ?"

Diesen Worten nach zu urteilen entsprach Ciceros Stilisierung des Briefes seiner Vermutung, daß Caesars brennendster Wunsch immer noch der Partherkrieg sei; etwas anderes schien ihm, wie schon im September 46 während der Marcellus-Rede, selbst nach dem schwer erkämpften Sieg von Munda gar nicht denkbar[52]. Die unaufrichtigen Argumente, die er gebraucht hat, sind nicht schwer zu erraten - hier wird Cicero einmal von der Rache für Crassus und von der Notwendigkeit einer umfassenden Grenzsicherung gesprochen haben[53].

Oppius und Balbus hatten offenbar den Eindruck, daß die inneren Probleme Roms bei dieser Tendenz des Sendschreibens vernachlässigt würden. Der Wortlaut des Textes läßt vermuten, daß hier ein Unterschied zwischen Caesars eigener Meinung, wie sie ja auch Cicero aufgrund seiner Kenntnis des Dictators beurteilt hat, und der Ansicht mancher Leute selbst aus seiner unmittelbaren Umgebung erkennbar wird[54]. Für die damalige Stimmung in der Kanzlei Caesars ist wohl auch die spätere Bemerkung von C. Matius repräsentativ, der nach den Iden des März die Meinung äußerte, daß Caesar keine Lösung für die Probleme gefunden habe, die sich aus dem Sieg im Bürgerkrieg ergaben - falls Caesar und Matius hier nicht sogar einer Meinung waren[55]!

IV

Welche Ansichten hatten die Zeitgenossen, die Caesar in den Jahren 46 und 45 sicher in irgendeiner Form informiert hat und die er womöglich, wie Cicero z. B., in seinem Sinne zu beeinflussen hoffte ? Konnte ihm ein neuer Partherkrieg nicht erst mit einem glanzvollen Sieg, sondern schon durch die Planung und Durchführung bei der Sicherung und Popularisierung seiner Alleinherrschaft helfen ? Um bei denen anzufangen, um deren Mitarbeit er sich so lange bemüht hat, bei Optimaten wie Cicero und seinen Freunden: sie waren bestenfalls desinteressiert, oder, was gefährlicher war, sie lehnten einen solchen Krieg ab. Sie lehnten diesen Rachefeldzug, oder als was er sonst propagiert wurde, ebenso ab, wie sie Crassus' Angiffskrieg verurteilt hatten. Die grundlegenden Unterschiede der außenpolitischen Vorstellungen waren erhalten geblieben[56]; die Furcht vor den unabsehbaren Folgen eines neuerlichen Sieges Caesars darf natürlich auch nicht vergessen werden.

Nicht zuletzt durch diese Ablehnung militärischer Abenteuer - zu denen ja auch Caesars Kampf in Gallien mit allen seinen Folgen gehört hatte - erklärt sich das Schweigen der durch Cicero repräsentierten senatorischen Überlieferung über Crassus' Tod und die Gefangenschaft der vielen römischen Soldaten[57]. Wie emotional und grundsätzlich Ciceros Ablehnung dieser expansiven Politik gewesen ist - im Gegensatz zu seinen in jenem Sendschreiben benutzten Argumenten - , zeigt sich bei seiner Erwähnung von P. Crassus, der zusammen mit seinem Vater bei Carrhae gefallen war, im »Brutus«, einer im Jahr 46 an die Öffentlichkeit gebrachten Schrift. Ciceros bissiger Kommentar zu Publius' umzeitigem Alexander-Ehrgeiz ist mit Sicherheit eine öffentliche Ablehnung aller der Gründe, die Caesar für seinen Partherfeldzug anbot[58]. Es war eine ähnliche Demonstration, wenn Cicero, wie schon erwähnt, in seiner Rede für Marcellus von außenpolitischen Aufgaben schwieg. Schon damals muß er die Überzeugung gehabt haben, daß der Partherkrieg den Dictator viel stärker interessierte als die vielen unbequemen Aufgaben innerhalb der Hauptstadt; er widersprach Caesars Wunschvorstellung, alles für die Hauptstadt Notwendige sei schon getan[59]. So überrascht es eigentlich auch nicht, daß in der Überlieferung erst für das Jahr 45 von der Rache für Carrhae die Rede ist - vorher hat die senatorische Politik der Parther trotz der Niederlage nie als »Erbfeinde« dargestellt[60]. Pompeius behandelte sie ja sogar als eine Art von Klienten, und es besteht kein Anlaß die Nachricht zu bezweifeln, daß er nach Pharsalos mit dem seltsamen Gedanken gespielt hat, bei den Parthern als seinen Freunden Zuflucht vor Caesar zu suchen[61].

Cicero kannte die Verhältnisse im Osten, auf die sich Caesar bei der Rechtfertigung seines Plans oft genug berufen haben wird, aus der Zeit seiner Statthalterschaft in Kilikien relativ gut - er hat die Parther, wenn er auch damals Angst vor ihnen gehabt hatte, später offenbar nie für einen wirklich gefährlichen Feind des Reiches gehalten, der in einem großen Feldzug bezwungen werden müßte[62].

In der im Juni 45 abgeschlossenen Schrift »De finibus bonorum et malorum« läßt Cicero den jüngeren Cato sagen, daß Crassus die Parther ohne jeden Kriegsgrund angegriffen habe, nur um sich zu bereichern. Die Rache für Crassus war dann, moralisch gesehen, noch weniger ein Kriegsgrund[63].

Ciceros Meinung zu Caesars Plan ist deshalb von Gewicht, weil er viele Senatoren beeinflussen konnte. Caesar wäre an Ciceros öffentlicher Unterstützung für seinen Krieg sicher sehr gelegen gewesen, etwa im Stil der Rede über die konsularischen Provinzen aus dem Jahre 56, in der er sich über die glänzenden Siege Caesars und ihren höheren Sinn verbreitet hatte[64]. Soweit die Quellen ein Urteil erlauben, kann es in dem Teil der politischen Oberschicht, der durch Cicero und seine vielen Freunde repräsentiert wird, niemals Begeisterung und Unterstützung für das Projekt gegeben haben; schon der Gedanke an eine erneute Abwesenheit Caesars von Rom mußte manchen erschrecken[65]. Begeisterung gab es höchstens in der engeren Umgebung Caesars und bei denen, die die Gelegenheit nutzen wollten, um es den Marschällen aus den gallischen Feldzügen gleichzutun, bei Männern wie Q. Salvidienus Rufus und M. Vipsanius Agrippa, die der Dictator dem Gefolge des C. Octavius zugeteilt hatte[66]. Die Feldzüge in Gallien hatten jüngeren Herren Gelegenheit zur schnellen Bereicherung gegeben; der einzige potentielle Kriegsteilnehmer dieser Art, von dem wir wissen, ist Ciceros Neffe Quintus, der sich dem Onkel gegenüber allerdings höchst bekümmert über die drohende Kampagne äußerte[67]. Die meisten der für diesen Krieg vorgesehenen höheren Offiziere bleiben namenlos[68].

Es ist schwer zu beurteilen, in welchem Maße die späteren Mörder Caesars auch durch die Ablehnung des Partherkrieges motiviert worden sind; in den Quellen steht überraschenderweise nichts davon. Die Verschwörer sind offensichtlich nicht von der Voraussetzung ausgegangen, daß Caesar ein Ende wie Crassus finden werde - sie haben seinen Sieg gefürchtet[69]. Es ist beachtenswert, daß der im Partherkampf vermutlich erfahrenste Offizier, der Caesar zur Verfügung hätte stehen können, C. Cassius, Proquaestor in Syrien nach Carrhae, in seinem Stab gefehlt hat. An Cassius' grundsätzlicher Ablehnung einer Partherpolitik im Stil Caesars ist kein Zweifel möglich - später, im Jahre 43, gewährten die Parther ihm militärische Hilfe[70].

Ob es unterhalb der senatorischen Schicht Gruppen gab, die sich durch Caesars Propaganda, die es sicher gegeben hat[71], für einen Rachefeldzug begeistern ließen, ist nicht leicht zu erkennen. Cassius Dio spricht jedenfalls von allgemeiner Kriegsbegeisterung im Januar 44, von einem einmütigen Kriegsbeschluß und von erheblichen Mittelbewilligungen[72]. Diese Nachricht ist vermutlich keine eigene Ausschmückung Dios, der wenig Sympathie für solche großen Kriegsvorbereitungen hatte[73], sondern stammt aus der Vorlage, vielleicht aus Livius. Eines der stärksten Argumente für eine gewisse Popularität des neuen Krieges innerhalb Roms dürfte es sein, daß Cicero in seinen Reden gegen Antonius viele Vorwürfe gegen Caesars Tyrannis erhebt, aber niemals den Partherfeldzug erwähnt. Die Anhänger Caesars waren nach den Iden des März in der Lage, den »nationalen« Gegensatz zu den Parthern und die Erinnerung an Crassus' Niederlage wachzuhalten - Ventidius' Sieg im Jahre 38 wurde überschwenglich gefeiert[74]. Augustus mußte sich dann große Mühe geben, seine diplomatische Lösung des Partherproblems aufgrund der Wiedergewinnung der Standarten von Crassus' Legionen plausibel zu machen[75].

Beim Fortleben des Rachegedankens ist auch zu berücksichtigen, daß die »Rache für Carrhae« vor den Iden des März für manche deshalb so schwer erträglich war, weil die Vergeltung für Crassus' Tod mit einem weiteren Sieg Caesars verbunden sein würde. Auf jeden Fall mußte Caesar mit seinem Beharren auf dem Kriegsplan im Verlauf des Jahres 45 die Leute vor den Kopf stoßen und geradezu in Schrecken versetzen, deren Bereitschaft zur Mitarbeit beim Wiederaufbau des Gemeinwesens ihm durchaus hätte nützen können[76].

V

Caesars Überlegungen in den ersten Monaten nach Munda lassen sich durch zwei Stellen aus den Atticus-Briefen ein wenig beleuchten. Kurz nach Ciceros schon erwähntem Briefentwurf muß Caesar, der keine große Eile hatte, nach Rom zurückkehren[77], in seinen Botschaften an Oppius und Balbus die Meinung vertreten haben, daß die inneren Verhältnisse der Hauptstadt den Feldzug vorerst denn doch nicht erlaubten. Cicero schreibt am 28. Mai an Atticus[78]:

"Was den Brief an Caesar angeht, so steht mein Entschluß fest. Und gerade das, was er, wie sie sagen, schreibe, er werde nicht gegen die Parther ziehen, wenn nicht vorher alles in Ordnung gebracht sei, genau das riet ich in jenem Brief."

Was Caesar mit der eigentümlichen, ein wenig militärischen Wendung "nisi constitutis rebus"[79] meinte, geht aus einer etwas späteren brieflichen Äußerung hervor. Cicero schreibt Attius am 10. Juni[80]:

"Sestius war gestern bei mir, und Theopompus. Er erzählte[81], daß von Caesar ein Brief gekommen sei; er schreibe, daß er fest entschlossen sei, in Rom zu bleiben, und als Grund füge er hinzu, was auch in meinem Brief aufgeführt war, die Befürchtung, daß während seiner Abwesenheit seine Gesetze nicht eingehalten würden, wie zum Beispiel das Aufwandgesetz nicht eingehalten worden sei."

Wie sind diese Selbstzeugnisse Caesars zu verstehen ? Vertrat er im Juni 45 die Meinung, erst nach Durchsetzung eines umfassenden und noch lange nicht abgeschlossenen Reformprogramms in den Krieg ziehen zu können ? Gerade dies ist, jedenfalls für diesen Zeitpunkt, ziemlich ausgeschlossen durch das überraschende Beispiel, daß Caesar für die »Unordnung« in Rom genannt hat: die Beachtung des durchaus konventionellen Aufwandgesetzes[82]. Wenn man berücksichtigt, daß der Feldzug ohnehin nicht vor dem Frühjahr 44 hätte beginnen können, dann stecken in der Einschränkung "nisi constitutis rebus" vermutlich auch noch künftige Gesetze, doch ist es bezeichnend, daß Cicero mit dieser Ankündigung keine besonderen Befürchtungen verbindet. Aus Caesars Brief an Sestius geht weiterhin hervor, daß er im Mai und Juni 45 seine Position offenbar für ausreichend definiert hielt, um wieder in den Osten zu ziehen; wenigstens zu diesem Zeitpunkt könnte er das Königtum und andere politische Extravaganzen, die seinen planmäßigen Abmarsch doch nur erschweren konnten, für unnötig gehalten haben[83].

Im Mai und im Juni des Jahres 45 ist Caesar also noch auf Oppius' und Balbus' Bedenken eingegangen und hat mit dem Gedanken gespielt, den Feldzug vorläufig aufzuschieben[84]. Nach dem Zeugnis der Atticus-Briefe zu urteilen war ihm dabei aber keineswegs die Neuordnung Roms über die Gesetze des Jahres 46 hinaus von höchster Bedeutung, sondern immer nur der Krieg gegen die Parther. Der kommende Aufenthalt in Rom scheint für Caesar mehr eine "Pflichtübung" gewesen zu sein, notwendig, um Ruhe und Ordnung für die Zeit seiner Abwesenheit zu gewährleisten, Mittel zum Zweck[85]. Nach seinen Zeitvorstellungen wäre er bei einem Abmarsch im Frühjahr 44 vermutlich ohnehin schon lange genug in der Hauptstadt gewesen[86]!

Der Fortgang der Überlegungen Caesars zur Opportunität eines neuen Krieges ist nicht genau zu erkennen. Bis Ende August 45 herrscht eine rätselhafte Unklarheit über Caesars aktuelle Pläne und, vor allem, über das Datum seiner Rückkehr nach Rom. Wenn der Konsular Cicero keine Informationen hatte, ist das ein Gradmesser für die allgemeine Ungewißheit. Was Caesar bis Ende August getan hat, läßt sich nur in sehr vagen Umrissen rekonstruieren[87]. Ein wesentlicher Grund für die Langsamkeit seiner Reise muß der Wunsch gewesen sein, in Spanien und in der Gallia Narbonensis an Ort und Stelle Siedlungsland für seine Veteranen zu bestimmen[88]. Auch manche der später realisierten Gesetze und Reformen dürften in dieser Zeit konzipiert worden sein[89], ohne daß Einzelheiten von Caesars Aufenthalten bekannt sind - es sei denn, wir rechnen die Gastmähler dazu, auf denen Q. Cicero seinen Onkel schmähte, und Caesars mehrfache Lektüre von Ciceros »Cato«[90].

Vermutlich erst Ende Juli erreichte Caesar Oberitalien, da Brutus bis dahin mit seiner Abreise zu ihm gewartet hatte[91]. Anfang August schließlich wurde Caesars Wunsch bekannt, zu Beginn der Ludi Romani am 5. September wieder in Rom zu sein. Es ist bemerkenswert, daß in diesem Falle selbst der sonst wohlinformierte Balbus nicht mehr über Caesars Absichten wußte als der vergleichsweise unbedeutende Lamia[92]. Die Ludi Romani begannen, ohne daß Caesar seine frühere Absicht wahrgemacht hätte, persönlich anwesend zu sein. Durch Sueton ist bezeugt, daß der Dictator am 13. September sein Testament vor den Toren Roms gemacht hat[93]. Der Großneffe C. Octavius hatte Caesar lange Zeit auf seiner Rückreise von Spanien begleitet und befand sich seit Anfang September in Rom[94]; vielleicht machte er sich schon Gedanken über seine Rolle im künftigen Partherkrieg[95]. Kurz nach der Abfassung des Testaments muß Caesar Rom betreten haben, um dann an einem der ersten Oktobertage den Triumph über die Pompeius-Söhne zu feiern[96].

Spätestens in diesen Wochen dürfte Caesar sich dazu entschlossen haben, den Truppenaufmarsch gegen die Parther zu befehlen. Ein zeitliches Indiz ist auch C. Octavius' Fahrt nach Apollonia, der sich mindestens seit dem Dezember 45 dort aufgehalten hat, um sich auf seine Teilnahme am Feldzug vorzubereiten[97]. Die Notwendigkeit der logistischen Planung spricht eher für einen früheren als für einen späteren Aufmarschbefehl; eine gesicherte Aussage ist allerdings unmöglich[98]. Der Widerspruch zwischen der im Juni 45 an Cicero weitergegebenen und damit »veröffentlichten« Mitteilung, "sibi certum esse Romae manere", und der ganz anderen Entscheidung später ist nicht leicht aufzulösen. Caesar muß trotz aller Bedenken zu der Ansicht gekommen sein, daß die Einhaltung seiner Gesetze genügend gewährleistet sei, um seine Abwesenheit zu erlauben - wenn man ihm nicht unterstellen will, er habe mittlerweile das Interesse an dieser Vorbedingung verloren, etwa aus Überdruß an den vielfältigen Forderungen, die die Hauptstadt an ihn stellte[99]. Daß es Krankheit war, die ihn forttrieb aus Rom, ist eine wenig glaubwürdige Erklärung seines Verhaltens[100]. Es ist nicht auszuschließen, daß die schlechten Nachrichten über Caecilius Bassus und dann erst recht über Pacorus' direkte Hilfe für ihn den Ausschlag gegeben haben[101]. Die innenpolitischen Auswirkungen dieser Entscheidung sind nicht schwer zu erraten. Alle diejenigen, die den Krieg leid waren, die solche militärischen Großprojekte für unzeitig hielten und es vorgezogen hätten, erst einmal einen Ausweg aus all den Schwierigkeiten in der Hauptstadt selbst zu finden, mußte Caesar sich zu seinen Gegnern machen. Vielleicht hat er sich über die Wirkung seines Verhaltens auch getäuscht und ist von seinen Freunden nicht ausreichend informiert worden; über die Gründe für seine Verhaßtheit bei manchen Senatoren, die er spürte, hat er sich wohl nicht völlig Rechenschaft gegeben. Cicero haßte ihn nicht, weil er nicht sofort in seine Kanzlei vorgelassen wurde, wie Caesar gemeint haben mag[102], sondern aus ganz anderen Gründen.

Sobald der Entschluß zum Partherfeldzug gefallen war, muß die Opposition von lähmendem Schrecken erfüllt gewesen sein. Niemand dachte an eine künftige Niederlage Caesars; niemand dachte daran, entsprechende Vorzeichen zu entdecken[103]. Schon die unmittelbaren Auswirkungen der Entscheidung waren in höchstem Maße unerfreulich: die Designation von Magistraten über mehrere Jahre hinweg brachte bis dahin geheiligte Grundsätze der Senatsaristokratie ins Wanken[104]. Caesars Vertraute würden in Rom schalten und walten, ohne daß man über seine jeweilige Ansichten Bescheid wissen konnte[105]; Caesars Verbindung mit der Hauptstadt mußte von einem Lager jenseits des Euphrat wesentlich schwieriger aufrechtzuerhalten sein als während der gallischen Feldzüge[106]. Nach einer siegreichen Rückkehr müßte Caesars Machtstellung von einer Art sein, die geradezu unvorstellbar sein würde. Die Vermutungen über eine »Auswanderung« Caesars nach Alexandria oder Troia zeigen, wie aufgeregt die öffentliche Meinung damals gewesen ist[107]. Die Gegner Caesars brachten das Gerücht auf, Caesar solle in der letzten Senatssitzung vor dem Abmarsch den Königstitel für die Provinzen verliehen bekommen - ein Titel, an dem er nach der Begegnung mit den vielen Klientelfürsten, die dieser Titel zierte, eigentlich wenig Interesse haben konnte. Es ist bezeichnend, daß die Überlieferung über diesen vermuteten Antrag ganz undurchsichtig ist[108]. Erst die Entlassung der spanischen Leibwache, die Caesar wohl auch in Vorwegnahme der künftigen militärischen Bewachung verfügt hatte, bot Cassius und Brutus die Möglichkeit, die schlimmen Gerüchte über Caesars tyrannische Pläne auszunutzen[109].

Was den Dictator wirklich an den Iden des März bewegte, war aber nicht die Hoffnung auf den Königstitel, sondern sein neuer Krieg. Als er am 15. März die Senatsversammlung betrat, dachte er vor allem an den Partherkrieg: "expeditionem Parthicam meditans" heißt es bei Florus, der hier vermutlich von Livius abhängt[110].

VI

Die militärischen Vorbereitungen für den Feldzug, die wegen der geplanten Bereitstellung von 16 Legionen von erheblichem Umfang gewesen sein müssen, sind in den Quellen nur überraschend selten faßbar[111]. Soweit Caesar bestehende Verbände einsetzen wollte (und konnte), mußte er rechtzeitig die Marschbefehle erteilen[112]. Caesar wollte am 18. März aufbrechen, zu Beginn der üblichen Kriegssaison, vielleicht auch bewußt nach dem Jahrestag der Schlacht von Munda[113].

Die Zahl der militärisch erprobten Legionen, die Caesar zur Verfügung stehen konnten, war nach der Entlassung vieler Veteranen sicher sehr begrenzt[114]. Die Aushebungen, die für diesen Krieg notwendig gewesen sein müssen, haben in der Überlieferung aber kaum Spuren hinterlassen. Es ist charakteristisch für die Art der erhaltenen Quellen, daß wohl Caesars Landanweisungen in Ciceros Briefen mehrfach erwähnt werden[115], nicht aber die Aushebungen; kritische Stimmen, die man von vornherein erwarten sollte, sind auf diese Weise schwer faßbar[116]. An den Iden des März hatten die Legionen noch nicht alle ihre befohlenen Ausgangspositionen erreicht. Mindestens eine Legion befand sich damals vielleicht noch auf ihrem Weg von Westen nach Osten in der Nähe von Rom[117]. Alle ursprünglich im Westen stationierten und jetzt für den Partherkrieg vorgesehenen Truppen dürften über Italien in den Osten transportiert worden sein und dem Projekt, von der Hauptstadt selbst einmal ganz abgesehen, eine fühlbare Präsenz auch für die Bevölkerung ganz Italiens gegeben haben[118].

Sechs Legionen erwarteten in Makedonien und in Griechenland die Ankunft Caesars aus Rom. Diese Legionen sind vor 45 hier noch nicht feststellbar; vielleicht wurden sie erst nach Munda, im Laufe des Jahres 45, in Marsch gesetzt und waren dort spätestens im November 45. Die sechs Legionen bildeten die Kerntruppe für den Partherkrieg und waren bestens ausgerüstet[119]. Bei diesen Truppen sollte C. Octavius seine höheren militärischen Weihen erhalten[120]. Die Stationierung der Legionen muß in den Provinzen nach dem Ende der Bürgerkriegskämpte als neue schwere Belastung empfunden worden sein und kann das Projekt dort nicht gerade populärer gemacht haben. Cicero bemühte sich Ende 45 um Ausnahmeregelugnen bei der Einquartierung für verdiente Geschäftsfreunde; wenn in seinen Briefen dazu der Zweck der Truppenbewegungen mit keienr Silbe erwähnt wird, gehört wohl auch dieses Schweigen zu seiner Ablehnung des gesamten Unternehmens[121].

Die Position der Truppen im März 44 läßt sich den Quellen mit einiger Sicherheit entnehmen. In Illyrien standen drei Legionen unter dem Kommando des Vatinius, übrigens stark angeschlagen durch Kämpfe mit den Einheimischen[122]. Da Caesar einen Sommerfeldzug gegen die Daker plante, könnten sich noch weitere Truppen auf dem Marsch befunden haben, die Vatinius wegen der erlittenen Verluste verstärken sollten.

Sechs Legionen befanden sich, wie erwähnt, in Makedonien und in Griechenland. Zur Deckung der Nordgrenze Armeniens, Caesars erstem Ziel bei der Annäherung an die Parther, standen vielleicht zwei Legionen in Pontus zur Verfügung[123]. Der Aufmarsch in Syrien war im März noch nicht beendet. Aus Bithynien rückten drei Legionen heran[124], und die drei in Ägypten stationierten Legionen hatten vielleicht ebenfalls den Befehl, nach Syrien zu marschieren[125]. Eine neue Legion, die zum Schutz Ägyptens während des Feldzugs bestimmt war, befand sich wohl noch auf dem Transport[126]. Ob Caesar schon ausreichend Gelegenheit gefunden hatte, auf die unerwartet hartnäckige Rebellion des Caecilius Bassus zu reagieren, läßt sich nicht deutlich erkennen; erneute Bürgerkriegsschlachten in Syrien mußten die Planung für den Angriff auf die Parther empfindlich stören[127].

Nach dem Zeugnis Appians waren den 16 Legionen der Parther-Armee zehntausend Reiter zugewiesen[128]. Zu den Hilfstruppen gehörten beispielsweise Spanier, Mauretanier und Ituräer[129]. Verstärkung durch armenische Reiter, die Erfahrung im Kampf mit den Parthern hatten, war sicher auch vorgesehen[130]. Caesar nutzte sämtliche Ressourcen des Reiches: selbst afrikanische Elefanten gehörten zu seiner Ausrüstung[131].

Der Transport des zur Versorgung des riesigen Heeres notwendigen Materials, einschließlich des Gepäcks der Soldaten, war im März noch nicht abgeschlossen[132]. Ein Teil der Kriegskasse befand sich in Depots, zum Beispiel in Demetrias[133]. Die Hektik der Münzprägung in Caesars Spätzeit wird sicher auch mit der finanziellen Vorbereitung des Krieges zu erklären sein. Woher Caesar nach den ungeheuren Ausgaben des Jahres 46 das Edelmetall für seine Prägungen nahm, läßt sich nicht sagen. Es ist davon auszugehen, daß nicht nur Italien, sondern auch die Provinzen erheblich für diesen Feldzug beizusteuern hatten.[134].

Die genauen Truppenstärken sind nicht zu ermitteln. Ein Anhaltspunkt ist vielleicht M. Antonius' Parther-Armee: er zieht ebenfalls mit 16 Legionen in den Kampf, die zusammen eine Stärke von sechzigtausend Mann gehabt haben sollen[135]. Auf jeden Fall war Caesars Armee, zu der ja auch noch der Troß zu zählen ist, stärker als die, mit der er Gallien unterworfen hatte. Die vielen für den Partherkrieg neu gemusterten Soldaten stellten denn auch einen erheblichen Teil der Truppen für die Bürgerkriegskämpfe nach den Iden des März.

Wer Caesars Truppenführer sein sollten, ist nur vereinzelt zu erkennen. Die Herren, die die Ehre hatten, zu Caesars Legaten für diesen Krieg ernannt zu werden, haben es vorgezogen, namenlos zu bleiben[136]. Die erfahrenen Marschälle der gallischen Feldzüge, wie D. Brutus und M. Antonius, haben sich offenbar nicht zu neuen Aufgaben gedrängt. Cicero weiß bezeichnenderweise nichts von M. Antonius' Ehrgeiz, sich im Osten erneut auszuzeichnen[137]. Daß Cassius durch Abwesenheit auffiel, ist bereits erwähnt worden. Der erfahrenste Soldat, der namentlich bekannt ist, ist Q. Marcius Crispus, der 44 in Syrien gegen Caecilius Bassus eingesetzt wurde[138]. Zu den höheren Offizieren werden auch M. Acilius[139] und L. Staius Murcus[140] zu zählen sein. Das Fehlen der uns bekannten Namen darf nicht zu dem Schluß verleiten, daß Caesar, aus welchen Gründen auch immer, auf weniger kompetente Unterführer zurückgreifen mußte, weil sich die besseren Kandidaten seinen Wünschen entzogen hatten. Der Sieg über die Gallier lehrt, daß Caesar ein ungewöhnliches Auge für militärisches Talent hatte und wenig Wert auf die Regeln der Anciennität legte. Es ist sicher kein Zufall, daß er Agrippa für die Begleitung seines Großneffen auswählte[141]. Soldaten dieses Schlages dürfte es auf allen Befehlsebenen gegeben haben.

Dios pauschale Notiz über die allgemeine Kriegsbegeisterung in Rom bezieht sich zunächst auf die, die ihre Stimme für den Krieg abgaben und vermutlich nicht die Absicht hatten, Caesar in den Osten zu begleiten[142]. Die Frage nach der Stimmung der Soldaten Caesars ist nicht mit direkten Zeugnissen zu beantworten. Hätte Caesar auch über diesen Feldzug "commentarii" schreiben können, wüßten wir besser Bescheid. Ein paar Hinweise gibt es aber doch. Eine Erwähnung von Kriegsmüdigkeit - wenn vielleicht auch nur der Gegner Caesars - ist Suetons im Zusammenhang des Gerüchts von Caesars »Auswanderung« nach Osten gegebene Begründung "exhausta Italia dilectibus": das bezieht sich nicht auf die Situation vor, sondern nach Munda, als wiederum ein Feldzug vorbereitet wurde, dessen Ziele nicht jedermann einsichtig waren[143]. Die Überbelastung Italiens durch Caesars imperiale Pläne sollte keinesfalls unterschätzt werden; dies ist aber eine »moderne« Erwägung, die für Caesar selbst relativ bedeutungslos und auch für einen Mann wie Cicero nur dann erwähnenswert war, wenn es galt, einen Gegner anzuschwärzen[144].

Wie die Stimmung mancher Rekruten war, die Caesar seit der Entlassung seiner Veteranen hatte einziehen müssen, läßt sich dadurch indirekt beleuchten, daß viele der im Osten stationierten Legionen nach den Iden des März wenig Bedenken hatten, sich auf die Seite der Attentäter zu schlagen[145]. Caesars Kerntruppe allerdings, die in Makedonien und in Griechenland stationierten Legionen, wurde später von M. Antonius übernommen; sie dürfte von Caesar für besonders zuverlässig gehalten worden sein[146]. Das gewichtigste Argument gegen eine breite Unbeliebtheit von Caesars Projekt in der Bevölkerung und bei den Truppen wird der Umstand, sein, daß Caesar in der späten Überlieferung niemals ein Vorwurf daraus gemacht worden ist. Selbst Brutus scheint auf seiner "contio Capitolina" nicht vom Partherkrieg gesprochen zu haben[147].

VII

Wie wäre es weitergegangen am 18. März ? Schon die widersprüchlichen Gerüchte um Caesars Auswanderungswunsch und über die angeblichen Sibyllensprüche zeigen, daß man wenig über Caesars weitere Absichten informiert und entsprechend unruhig war. Caesar scheint wenig getan zu haben, um diese Unruhe zu besänftigen. Es ist überhaupt schwer zu erkennen, in welchem Maße er die Senatoren und andere Teile der »Öffentlichkeit« an seinen Gedanken über den künftigen Feldzug teilnehmen ließ - selbst Cicero konnte froh sein, durch ausgewählte Mitteilungen aus Briefen Caesars an seine Vertrauten informiert zu werden[148].

Von Caesars »wirklichen« Absichten ist die Propaganda der caesarischen Kanzlei natürlich zu trennen. Die erneuten gewaltigen Rüstungen nach den Bürgerkriegskämpfen sind ohne eine gewisse propagandistische Begleitung nicht denkbar; der Aufmarsch von 16 Legionen muß in irgendeiner Form begründet worden sein. Die Spuren der caesarischen Propaganda in den Quellen sind allerdings ganz dürftig. Sieht man von den Münzen ab, die sich zuerst als Quelle anbieten, aber nicht eindeutig auf den Partherkrieg zu beziehen sind[149], so gibt es kein einziges sicheres Zeugnis für die Popularisierung des Feldzuges. Cassius Dios Bericht über die allgemeine Kriegsbegeisterung und die Sehnsucht nach einer Vergeltung für Carrhae ist möglicherweise schon durch die spätere Überlieferung geformt[150]. Ciceros Schweigen hat einen dichten Schleier über diese Vorgänge gelegt. Es muß eine Vermutung bleiben, daß die »Rache für Carrhae« ein wesentliches Element der Propaganda gewesen ist. Die Angriffe der Parther auf die Provinz Syrien seit Carrhae mochten als Hinweis auf die Notwendigkeit gelten, für die Ruhe der östlichen Provinzen zu sorgen. Caesar nennt im »Bellum Civile« geschickterweise nicht nur Crassus, sondern auch Bibulus, dem von den Parthern Unrecht geschehen sei[151]. Vielleicht hat Caesar bei seiner Kriegsvorbereitung den Akzent auf die "pax provinciarum" gelegt, deren Sicherung mehr verlange als eine einzige Revanche-Schlacht gegen die Parther - nämlich umfassende Regelungen. Der Feldzug gegen die Daker ist ähnlich begründet worden[152]. Die Vermutung liegt nahe, daß sich Caesar die bei aller Kriegsmüdigkeit weitverbreitete Vorstellung vom Beruf Roms zur Weltherrschaft und zum Recht auf die Vergrößerung des Reiches zunutze gemacht hat, eine Vorstellung, die er selbstverständlich geteilt hat[153]. Mit der Berufung auf die expansionistische Grundhaltung vieler Römer ließ sich immer zugunsten eines neuen Krieges argumentieren. Mit solchen Reden hatte er allenfalls eine ganz kleine Gruppe konservativer Senatoren gegen sich, die nach Catos Tod ohnehin einer klaren geistigen Führung entbehrte[154]. Die neuen Rekruten konnten vielleicht durch den Hinweis auf die zu erwartende Beute und den Wohlstand der Veteranen Caesars für den Dienst gewonnen werden[155]. Auf jeden Fall wird Caesar den kommenden Feldzug mit Argumenten gestützt haben, die der breiten Öffentlichkeit zumutbar gewesen sind, denn nur so ist das - billigende - Schweigen der Zeitgenossen und der späteren Überlieferung über Caesars Rüstungen zu verstehen[156].

Daß Caesar selbst sich je im Senat oder an anderer Stelle über sein konkretes Kriegsziel nach dem Ausmarsch geäußert hat, ist zu bezweifeln. Andeutungen dazu überließ er seiner Kanzlei; es ist bezeichnend, daß er auch über seine Vorstellungen bei der Eroberung Galliens andere hat sprechen lassen, etwa Cicero in der Rede über die konsularischen Provinzen[157]. Es entspräche seiner zunehmenden, geradezu monarchischen Verschlossenheit, allein Männer wie Oppius und Balbus in sein Vertrauen zu ziehen; ein "consilium" aus hochgestellten Senatoren hielt er damals nicht für nötig. Mit Cicero sprach er im Dezember 45 nur noch über Literatur[158].

Caesars Zurückhaltung bei der Offenlegung seiner Absichten macht es verständlich, wenn sehr unterschiedliche Berichte über seine militärische Planung nach dem Abschluß des Truppenaufmarsches erhalten sind, die ja auch in der modernen Forschung widergespiegelt werden; seine Absichten hinsichtlich der Ausgestaltung seiner Position in Rom nach der siegreichen Rückkehr ist ein weiteres Problem, das sich noch mehr der sicheren Beurteilung entzieht[159]. Sueton schreibt in einem Abschnitt über die letzten Pläne Caesars, der hier etwas gekürzt zitiert wird[160]:

"Für den Schmuck und für die Ausgestaltung der Stadt sowie für den Schutz und für die Erweiterung des Reiches befahl er von Tag zu Tag mehr und größere Projekte: (...) er wollte die Daker, die nach Pontus und nach Thrakien eingefallen waren[161], zurückdrängen; dann wollte er die Parther von Kleinarmenien her bekriegen, sie aber erst zur Schlacht stellen, wenn er Erfahrung im Kampf mit ihnen gewonnen hätte."

Auf die Besonderheiten dieses Textes, die sich auch durch die von Sueton benutzten Quellen erklären, ist schon hingewiesen worden[162]. Von der »Rache für Carrhae« ist nicht die Rede, sondern von Caesars Wunsch nach einer Sicherung und Mehrung des Reiches. Es fällt auf, daß Sueton, der die Feldzüge in Gallien sehr kritisch beurteilt hat[163], diesen Krieg mit einem durchaus günstigen Vorzeichen versieht. Die Daker erscheinen als Angreifer, die zurückzudrängen zum Programm jedes verantwortlichen Herrschers gehören mußte[164]. Der Kriegsgrund gegen die Parther wird in Suetons knapper Formulierung nicht genannt; »Schutz« vor den Angriffen auf Syrien und imperialistische »Erweiterung« des Reiches gehören vermutlich zusammen[165]. Es ist nicht auszuschließen, daß Suetons Worte unter dem Eindruck von Traians Ostpolitik gewählt sind - Caesar erscheint hier durchaus als Vorläufer des militärisch kompetenten Princeps Traian[166]. Hätten wir nur Suetons Abschnitt über den Partherkrieg Caesars, so müßte man übrigens annehmen, daß die konkreten Vorbereitungen für den Feldzug noch gar nicht begonnen hatten[167].

Das zweite Zeugnis über Caesars Kriegsziele stammt aus der Biographie Plutarchs, die er mit der Lebensbeschreibung Alexanders des Großen zusammengestellt hat. Plutarch nennt den Feldzug als Beispiel für Caesars finalen Ehrgeiz; diese Motivierung gehört zu Plutarchs - oder seiner Quelle - Voraussetzung, daß es einen zwingenden Kriegsgrund, etwa die notwendige Grenzsicherung des Reiches, nicht gegeben habe. Der Römer Sueton läßt diesen von Caesar selbst propagierten Gedanken wenigstens anklingen[168]. Plutarch schreibt[169]:

"Sein Plan und seine Absicht waren es, gegen die Parther zu Felde zu ziehen, nach ihrer Niederwerfung auch durch Hyrkanien dem Kaspischen Meer und dem Kaukasos entlang zu ziehen, das Schwarze Meer zu umgehen und in das Skythenland einzufallen, dann die den Germanen benachbarten Gebiete und Germanien anzugreifen und durch das Keltenland hindurch nach Italien zurückzukehren, um so den Kreis des Reiches zu schließen, das von allen Seiten durch den Ozean begrenzt sein sollte."

Im Unterschied zu Sueton, der genaugenommen nur von der Eröffnung des Feldzugs, nicht von seiner weiteren Durchführung und Zielsetzung spricht, geht es Plutarch um den ganzen Feldzug. Es ist keineswegs unmöglich, daß Plutarchs auf den ersten Blick phantastische Version auf zeitgenössische Überlieferung zurückgeht, und sei es auf Gerüchte der Art, die Sueton für andere Zusammenhänge genannt hat[170]; Hyrkanien und der nebelhafte europäische Norden spielten schon für Pompeius und Crassus eine Phantasie und Ehrgeiz beflügelnde Rolle[171]. Die geographischen Vorstellungen der Zeit lassen es nicht ausschließen, daß ein solcher Feldzug bei genügender Vorbereitung - und daran ließ Caesar es ja nicht fehlen - für durchführbar gehalten werden konnte[172]. Mit der Annahme eines zeitgenössischen Kerns von Plutarchs Version des Feldzugs ist freilich noch nichts über den Bezug dieser ausschweifenden Planungen zu Caesar selbst gesagt. Wenn es sich hier nicht um publikumswirksame Aneigungen der Alexanderlegende handelt, die Caesars Unternehmen nach dem Bürgerkriegsgemetzel großartige Züge verleihen sollten[173], kann es sich allenfalls um eine Vergröberung von Andeutungen Caesars handeln, die er sich hütete in die tatsächliche Planung des Feldzuges einzubringen. Daß ihm solche Gedanken nicht grundsätzlich fremd waren, beweisen seine hochgemuten Äußerungen nach der Britannien-Fahrt[174].

Wenn Suetons Notiz sich so gründlich von Plutarchs Darstellung unterscheidet, hat dies seinen Grund nicht nur in der verschiedenen Perspektive - Eröffnung bzw. Durchführung des ganzen Feldzuges -, sondern wohl vor allem in Suetons Absicht, anhand der ihm zugänglichen "Akten" des kaiserlichen Archivs die maßlose Ausdeutung von Caesars Zielen zu widerlegen[175]. Dabei sind es gar nicht Caesars Gegner gewesen, die von solchen Plänen gesprochen haben und damit vielleicht Caesars Größenwahn geißeln wollten: Nikolaos, der Leibhistoriker des Augustus, schreibt ohne Zögern von Caesars Absicht, bis zu den Indern zu ziehen[176]. »Baktrien« und »Indien« hatten schon für Pompeius' und Crassus' Ehrgeiz etwas bedeutet, und so muß Nikolaos' Erwähnung der Inder keine absurde Übertreibung von Caesars Absichten oder wenigstens dessen sein, was Zeitgenossen für möglich halten konnten, ohne Caesar gleichzeitig für verrückt zu erklären[177]. Irgendein übereifriger Verehrer Caesars hat sicher von solchen Gedanken des Imperators gesprochen[178] ! Ohnehin darf die Planung des Partherfeldzuges nicht auf einem heutigen Globus verfolgt werden - Caesar ging sicher von der Vorstellung aus, daß die Ausdehnung der Oikumene nach Osten und nach Norden relativ begrenzt sei und damit noch im Bereich rationaler militärischer Planung lag[179].

Wenn die Designierung künftiger Magistrate ein Maßstab ist, hat Caesar zunächst wohl von einer Kriegsdauer von drei Jahren gesprochen, und Suetons Worte lassen sich mit einer so begrenzten Planung in Einklang bringen - wenn es auch ein sehr knapper Zeitplan gewesen wäre, der wenig Raum ließ für unvorhergesehene Ereignisse. Der erste Schritt sollte eine Strafexpedition gegen die Daker unter ihrem König Burebista sein, die seit Jahren die Nordgrenze von Makedonien bedrohten[180]. Pompeius wäre einer gütlichen Einigung wohl nicht abgeneigt gewesen[181], doch hatte Caesar offensichtlich nicht die Absicht, gewalttätige Verletzungen der römischen Grenzen mit einem diplomatischen Abkommen zu beenden. Burebista konnte damals wohl Erinnerungen an Mithridates wecken; die späteren Schwierigkeiten der Römer mit den Dakern beweisen, daß Caesar hier einer wirklichen Bedrohung entgegentreten wollte, die zu verniedlichen seinen Gegnern schwergefallen sein dürfte[182]. Nur der Tod Burebistas hat den Römern nach den Iden des März ernste Probleme erspart. Bei der Vorbereitung dieses Feldzuges konnte Caesar sich mit vollem Recht auf sein Programm der "pax provinciarum" berufen; daß nicht jedermann dieser Aufgabe angesichts der vielen ungelösten Probleme innerhalb der Hauptstadt die gleiche Dringlichkeit zuerkannte, steht auf einem anderen Blatt[183]. Wenn Caesar die Daker vorerst nur in ihre Schranken weisen wollte, könnte dies ein Indiz für seine nüchterne Einschätzung der Kampfkraft dieses Gegners unter einem Anführer wie Burebista sein. Im Jahre 43 wäre vielleicht Antonius Statthalter in Makedonien geworden und hätte die Kämpfe weiterführen können[184]. Caesars vorrangiges Ziel im Jahre 44 mußte es sein, erst einmal die rückwärtigen Verbindungen freizuhalten und damit die Versorgung seiner Truppen sicherzustellen[185].

Der Aufmarschplan für die Eröffnung des Partherkriegs ist noch zu rekonstruieren; die weitere Planung ist aber nur noch in Umrissen zu erkennen, und vielleicht war sie auch noch nicht in allen Einzelheiten festgelegt. Die sechzehn Legionen machen jedenfalls deutlich, daß Caesar mit dem Mittel einer gewaltigen, schon zahlenmäßigen Überlegenheit zu einem schnellen Erfolg - wie immer er sich ihn vorgestellt hat - kommen wollte und keine unnötigen Risiken einging. Schon der Aufmarsch der ungewöhnlich großen Armee würde eine Demonstration der Macht des Reiches sein, die geeignet war, die Parther für lange Zeit von begehrlichen Gedanken an Syrien abzuhalten[186].

Suetons Hinweis, daß Caesar die Parther erst nach einer Erkundung ihrer Kampfesweise zur Entscheidungsschlacht stellen wollte, ist von großer Bedeutung. Sueton hat bereits an anderer Stelle in seiner Biographie von Caesars Vorsicht bei seinen militärischen Unternehmungen gesprochen[187]; die sorgfältige Planung in diesem Falle wird sich durch die Furcht erklären, die Parther könnten ihre Taktik seit Carrhae geändert haben[188]. Der Erfolg von Zela - "veni, vidi, vici" - hatte Caesar nicht desorientiert; er verließ sich bei diesem wohl letzten und seine militärische Karriere krönenden Feldzug nicht bloß auf sein Kriegsglück und die schiere Masse seiner Soldaten, sondern gestand sich ein, noch nicht genügend Kenntnisse über den Gegner zu haben, um eines Erfolges ganz sicher sein können. Es wäre interessant zu wissen, wie er die Parther zu einer Entscheidungsschlacht zwingen wollte[189].

Zu dieser besonnenen Planung, die so gar nicht zum Bild des epileptischen Tyrannen paßt, das zeitgenössische Feinde wie Ampius Balbus zu zeichnen beliebten[190], gehört auch der Anmarsch über das von Sueton ausdrücklich genannte Kleinarmenien[191]. Caesar wollte also Crassus' Fehler nicht wiederholen und so lange wie möglich den gefährlichen parthischen Reitern ausweichen[192]. Vielleicht hat bereits Pompeius auf dem gleichen Weg gegen die Parther vorrücken wollen[193].

Einige Rückschlüsse auf Caesars weitere Absichten nach Erreichen Klein-Armeniens erlaubt M. Antonius' späterer Feldzug. Antonius hat sich an Caesars Planung orientiert, wenn dies überraschenderweise auch nirgends offen ausgesprochen worden ist, weder von ihm selbst noch von einem seiner Neider[194]. Der Anmarsch über Kleinarmenien erlaubte Caesar schon aus geographischen Gründen kein wesentlich anderes Vorgehen als später Antonius. Mommsens Annahme, Caesar haben von Syrien aus den Feldzug eröffnen wollen, widerspricht Suetons bewußt gewähltem Detail über Kleinarmenien und ist auch sonst nicht leicht zu begründen.[195].

Allem Anschein nach wollte Caesar nach dem Erreichen Armeniens sein Heer mit der Reiterei des Königs Artavasdes verstärken und dann - wie Antonius - nach Atropatene marschieren, einem der Kerngebiete des Partherreiches[196]. Vielleicht machte sich Caesar Hoffnung auf einen Zerfall des Partherreiches nach einer Niederlage gerade hier. In Mesopotamien hatte sich schon oft der Widerstand gegen die parthischen Herren geregt; durch ein »Carrhae« der Parther hätte sich erneut Gelegenheit zum Abfall geboten[197].

Das alles ist weitgehend Spekulation, die durch die Berücksichtigung von Antonius' späterem Scheitern an unvorhergesehenen Faktoren nur noch unsicherer wird. In der Schlacht von Phraaspa, die Antonius als einen Sieg betrachten konnte, hatten die Parther selbst nach der römischen Überlieferung nur ganz geringe Verluste. Solche Ergebnise hätten auch Caesar drohen können[198].

Noch spekulativer ist die Frage nach Caesars Vorstellungen über die Neuordnung des Ostens nach dem Sieg. Er hatte die Wahl zwischen einer Annektierung der gewonnenen Gebiete und der Kontrolle durch willfährige Klientelfürsten. Sein Umgang mit der ägyptischen Beute spricht eher für das letztere[199]. Von der Mehrung des Reiches konnte er auch bei einem Verzicht auf die Schaffung neuer Provinzen sprechen.

VIII

Es besteht kein Grund zu der Annahme, Caesar hätte nach seinem Aufbruch in den Osten ein unrühmliches Ende finden müssen - das war nur die allerletzte Hoffnung mancher seiner Feinde, die wohl in Ciceros kryptischen Worten "er wäre nie zurückgekehrt" ausgesprochen sein soll[200]. Das riesige Truppenaufgebot und die vorsichtige Annäherung an die Parther sprechen dafür, daß Caesar bei diesem Krieg, der dann alle weiteren Kriege um die Grenzen des Reiches unnötig machen würde, keine Risiken eingehen wollte. Wäre er zurückgekehrt, mit dem Ansehen eines Siegers über schreckliche Reichsfeinde, nicht bloß über Bürgerkriegsgegner, so hätte sein Ruhm bis an den Himmel gereicht[201]. Die letzten verbliebenen Gegner hätten sich den Dankbeschlüssen von Caesars Senat wohl oder übel angeschlossen, und Cicero hätte sich schließlich doch bereitfinden müssen, Caesars Reichspolitik zu interpretieren. Und welche Ehren wären wohl C. Octavius zuteil geworden[202] ? Zum Partherkrieg Caesars ist es nicht gekommen. Nach der voreiligen Entlassung der spanischen Leibwache haben Cassius und Brutus die letzte Gelegenheit genutzt, den drohenden Sieg mit allen seinen außen- und innenpolitischen Folgen zu verhindern. Das Urteil des Historikers muß sich nicht unbedingt mit dem negativen Spruch der Verschwörer decken. Dem modernen Betrachter von Caesars Spätzeit ist ein Urteil über seine Absichten bei der Neuordnung Roms und der Provinzen dadurch erschwert, daß er nicht von der Annahme ausgehen sollte, Caesar habe bis zu den Iden des März schon alle Vorstellungen, die er für diese Aufgabe hatte, in die Tat umgesetzt[203]. Selbst mit diesem methodischen Vorbehalt läßt sich freilich nicht der Frage ausweichen, ob Caesar gut daran getan hat, um jeden Preis an seinem Partherfeldzug festzuhalten. Es ist schwer, die Kontinuität seines Wunsches nach dem Partherkrieg mit irgendeiner politischen oder militärischen Notwendigkeit zu begründen, die keinen Aufschub vertragen hätte, da er doch selbst noch im Jahre 45 um die Entscheidung gerungen hat[204]. Vielleicht hat er die Prioritäten aufgrund seiner seit den Kämpfen in Gallien veränderten Erfahrungen eben anders gesetzt als Cicero und seine Freunde; er mag vor allem an die Sicherung der Reichsgrenzen gedacht haben, und erst dann an die Hauptstadt. Keiner der politisch maßgeblichen Zeitgenossen hat ihm hier zu folgen vermocht, und selbst die Getreuesten der Treuen waren von der Weisheit seines Kriegsentschlusses nicht völlig überzeugt[205].


Anmerkungen

  1. Zum Datum s. unten Anm. 113.
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  2. Römische Geschichte III, Berlin 1856 1, 434 (1904 9, 467): "Caesar ist an der Themse und am Rhein freiwillig zurückgegangen und gedachte auch an der Donau und am Euphrat nicht ungemessene Pläne der Weltüberwindung, sondern bloß wohlerwogene Grenzregulierungen ins Werk zu setzen." Diese Interpretation hat er später nicht beibehalten; im Jahr 1871 zählte er den Partherkrieg zum "caesarischen Kriegsprogramm", das mit der Annexion des Reiches vollendet gewesen wäre (Reden und Aufsätze, Berlin 1905, 178f). Römische Geschichte V, Berlin 1885, 358 spricht er von der Revanche für Crassus als wichtigem Kriegsgrund.
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  3. Ed. Meyer, Caesars Monarchie und das Principat des Pompejus, Stuttgart & Berlin 1922 3, 472f.
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  4. Vgl. D. Timpe, Die Bedeutung der Schlacht von Carrhae, MH 19, 1962, 104-129 (hier bes. 114f); s. auch ders., Geschichte der politischen Beziehungen zwischen Römer- und Partherreich, Habilitationsschrift Freiburg 1963, 89-98.
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  5. Cicero zum Beispiel war im Jahre 45 angewiesen auf Briefe Caesars an seine Vertrauten und deren ausgewählte Mitteilungen; vgl. Cic. Att. 13,7,1 (Anm. 80).
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  6. Man sollte davon ausgehen, daß Livius sich bei seinem Bericht über die Jahre 49-44 nicht in "thukydideischer" Manier auf mündliche Überlieferung berief, sondern immer schriftliche Vorlagen benutzt hat. Die Fülle zeitgenössischen Materials wird auch durch die von Sueton in seiner Caesar-Vita zitierten Quellen deutlich. Zu Livius' Vorlagen wird auf jeden Fall Asinius Pollios Werk gehört haben; andere mögliche Quellen sind die Arbeiten von Scribonius Libo (vgl. App. BC 3,77,315; L. Canfora, SCO 12, 1963, 207-211) und Cornutus (vgl. Suda s. v. Kornoutos, k 2098; C. Cichorius, Römische Studien, Leipzig & Berlin 1922, 261-269). Jedes dieser Werk war wegen des Berichtszeitraums ein "periculosae plenum opus aleae" (vgl. Hor.carm. 2,1,6 über Asinius Pollios Historien).
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  7. Die Bücher, in denen Livius das Partherproblem seit Crassus zu behandeln hatte, sind mit einiger Sicherheit nach Augustus' Entscheidung des Jahres 20 v. Chr. geschrieben worden, die Parther nicht mehr militärisch, sondern nur noch diplomatisch gefügig zu machen. Zu Augustus' sorgfältiger Überwachung der Tradition über seinen Adoptivvater vgl. R. Syme, Roman Papers I, Oxford 1979, 211f.
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  8. Ciceros Kritik wäre vor allem in den Reden gegen Antonius und in der Schrift "de officiis" zu erwarten. Zu seinem Verhalten vor Caesars Tod s. unten Anm. 47.
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  9. Vgl. dazu D. Timpe, MH 19, 1962, 116f. Die Provinz Syrien, von deren Bedrohung Caesar bei der Vorbereitung des Feldzuges oft gesprochen haben wird (vgl. BC 3,31,3 - Anm. 39) war für die Parther prinzipiell begehrenswert (vgl. Dio 41,55,4 über Syrien als Preis für die Unterstützung des Pompeius). Pacorus, der schon im Jahre 45 die Grenze überschritten und dem Pompeianer Caecilius Bassus geholfen hatte (Anm. 101), galt im Jahre 36 in Syrien als beliebt (Dio 49,20,4).
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  10. Fronto p. 117,6-8 v.d. Hout: "Ventidius ille, postquam Parthos fudit fugavitque, ad victoriam suam praedicandam orationem a G. Sallustio mutuatus est". Hist. 1, 11 (Maur.) wird die römische Expansion grundsätzlich gelobt. Hist. 4, 70 (vielleicht über Lucullus ?) ist allerdings eine kritische Stimme gegen die allzu selbstverständliche Erweiterung des Reiches erhalten: "imperii prolatandi percupidus habebatur, cetera egregius".
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  11. S. unten Anm. 95.
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  12. Vgl. dazu P.A. Brunt, JRS 53, 1963, 174f. sowie W. Schmitthenner, Gnomon 37, 1965, 156f.
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  13. Livius, der »Republikaner« (Pompeianus, wie Augustus ihn nannte - vgl. Cremutius Cordus bei Tac. Ann. 4,34,3) hat den Krieg in Gallien als reinen Eroberungskrieg dargestellt (wohl im Sinne der Suet. DJ 24,3 & 54,2 vorliegenden Tradition) und damit kritisieren wollen; s. die Nachweise von Ed. Schwartz, RE 3,1707,39f und Ed. Norden, Die germanische Urgeschichte in Tacitus' Germania, Leipzig & Berlin 1923 3, 150, 219 Anm. 2, 362 Anm. 2. Rückschlüsse auf Livius' sehr kritische Darstellung von Crassus' Partherfeldzug (vgl. Anm. 6) erlaubt wohl Flor. 1,46 (3, 11). 44 (43,51,1; s. Anm. 72) könnte freilich auf Livius zurückgehen. Caesar wird hier nicht, wie bei Plutarch (Anm. 169), als Anstifter eines Krieges aus bloßem Ehrgeiz und um jeden Preis geschildert.
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  14. Bezeugt ist diese Forderung erstmals für Antonius, als sie bereits einen Verzicht auf die Eroberung des Partherreichs darstellte (Dio 49,24,5; Plut. Ant. 37,2); vgl. dazu D. Timpe (wie Anm. 9), 121f. Zum Ergebnis eines Sieges Caesars hätte die Rückgabe der überlebenden Gefangenen und der Feldzeichen allemal gehört. Es ist ganz unwahrscheinlich, daß nicht auch Caesar, der soviel Wert legte auf die Ehre der römischen Legionen (vgl. Bell. Hisp. 42,7; Anm. 30), nicht dauernd von der Rückgabe der Feldzeichen bzw. deren Rückeroberung gesprochen hat. Vgl. Caes. BG 4,25,3 über den tapferen Adler-Träger: "Desilite, inquit, milites, nisi vultis aquilam hostibus prodere: ego certe meum rei publicae atque imperatori officium praestitero". S. auch die Beispiele bei Frontin. strat. 2,8 de restituenda per constantiam acie.
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  15. Nikolaos FGrHist 90 F 130 ? 95; s. unten Anm. 176. Er berichtete auch in seinen Historien über die Parther - vgl. F 79 (= Athen. p. 252 D) über einen Schmeichler des Crassus aus Carrhae.
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  16. Diesen Schluß erlaubt die Bewertung der Parther in Horaz' Gedicht an Asinius Pollio (carm. 2,1); vgl. R.G.M. Nisbet & M. Hubbard, A Commentary on Horace: Odes Book II, Oxford 1978, 27f.
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  17. Selbst wenn Timagenes nicht zu den von Livius getadelten "levissimi ex Graecis" (9,18,6) gehören sollte, so hat er doch auf jeden Fall die Mächte des Ostens für solider gehalten als andere Autoren der Zeit, z.B. Poseidonios (vgl. Timagenes FGrHist 88 F 9 = Plut.Pomp. 49 über Ptolemaios Auletes, der von den Römern anmaßend und ungerecht behandelt wird). Die Vermutung liegt nahe, daß er, der gerne und ausführlich von der Dekadenz der römischen Führungsschicht sprach (F 11 = Strab. 4,1,13 über die lasterhaften Töchter des Servilius Caepio), die Parther als eine wirkliche Bedrohung für die Römer dargestellt hat, ganz in seinem Sinn, des von Römern versklavten vornehmen Alexandriners ("felicitati urbis inimicus" - T 8 = Sen. Ep. 91,3). Pompeius Trogus, der Timagenes' romfeindliche Haltung entschärft hat (vgl. etwa Just. 43,1,1-2 über Trogus' Patriotismus) sah die römisch-parthischen Beziehungen schon aus der Perspektive der Regelung durch Augustus. Im Exzerpt Justins ist von Caesars Partherplan nicht mehr direkt die Rede, doch hat Trogus einen bemerkenswerten Scharfblick für die innenpolitischen Zusammenhänge der römischen Partherpolitik besessen. Das Rachemotiv scheint bei ihm eine große Rolle gespielt zu haben (Anm. 35).
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  18. Sein Werk hat sehr bald alle anderen gleichzeitigen Autoren (vgl. Anm. 6) ersetzt. Fr. Münzer, Klio 1,1901,303 vermutete für Tacitus' Rückblick auf die römisch-parthischen Beziehungen (Anm. 2, 1-4) eine zusammenfassende Darstellung der Partherkriege seit Crassus, doch läßt sich dies nicht beweisen, und Tacitus' Vorlage müßte auch kein Ergebnis selbständiger Forschung gewesen sein.
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  19. S. unten Anm. 160.
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  20. In der Caesar-Vita hat er ausschließlich zeitgenössische Quellen zitiert, möglicherweise mit Vorliebe solche, die Livius bei seiner ja ziemlich schnellen Arbeit beiseite gelassen hatte.
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  21. Die Feldzüge in Gallien hat er dagegen scharf kritisiert (DJ 24,3 & 54,2). Für Sueton war der künftige Partherkrieg wohl ein "bellum iustum" (s. auch Anm. 168); schon die von ihm verarbeitete Tradition könnte hier Unterschiede zugunsten des Partherkrieges gemacht haben.
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  22. S. unten Anm. 172.
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  23. "Fata mihi, Caesar, tum erunt mea dulcia, quom tu / maxima Romanae pars eri(s) historiae / postque tuum reditum multorrum templa deorum / fixa legam spolieis deivitiora tueis" (zit. nach dem Text von R.D. Anderson, P.J. Parsons und R.G.M. Nisbet, JRS 69, 1979, 140).
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  24. Zu Vermutungen über die caesarische Propaganda vor den Iden des März s. unten Anm. 149. Ich ziehe es vor, Gallus' Verse auf Octavian zu beziehen, etwa auf seine Kämpfe in Illyrien; vgl. auch G.O. Hutchinson, ZPE 41, 1981, 37-42. Selbst bei dieser Datierung geben Gallus' Verse aber eine Vorstellung von dem Vokabular, das bei poetischen Äußerungen über Caesars Feldzug zu erwarten wäre. Caesar hat solche Hyperbeln nachweislich abgelehnt (Anm. 174).
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  25. Vgl. D. Timpe (wie Anm. 9), 106-109.
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  26. Plut. Crass. 16,4. Er hätte vielleicht die später von Caesar gewählte Route ins Partherreich vorgezogen (Anm. 193). Pompeius' extravagante Vorstellungen über seine eigenen Taten im Osten verdeutlicht die Diod. 40,4 wiedergegebene Triumphal-Inschrift.
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  27. Plut. Crass. 16,3; s. auch ebd. 17,7 die Entsendung des P. Crassus, der ganz im Banne Caesars stand und von großen Taten träumte (Anm. 58).
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  28. Vgl. D. Timpe, Historia 14, 1965, 209.
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  29. Mommsen, Römische Geschichte, III, 352: "Es ist eines der entsetzlichsten Zeichen der Zeit, daß das ungeheure Nationalunglück von Karrhae und Sinnaka den derzeitigen Politikern weit weniger zu denken und zu reden gab als jener elende Krawall auf der Appischen Straße, in dem ein paar Monate nach Crassus der Bandenführer Clodius umkam." Bei dieser Beurteilung ist allerdings zu berücksichtigen, daß weder Livius' Buch über diese Zeit (lib. 106) noch Briefe Ciceros aus der zweiten Hälfte des Jahres 53 erhalten sind. Es ist ganz unwahrscheinlich, daß Livius, der die römischen Niederlagen immer genau bewertet hat, nicht eine ausführliche Würdigung von Carrhae gegeben hat. Rückschlüsse auf seine ganz negative Darstellung von Crassus' Fehlern erlaubt wohl Flor. 1,46 (3,11). Ein Rest der historiographischen Überlieferung ist die Notiz bei Plin. NH 2,147 (lukanische Soldaten in Crassus' Heer; aus Varro ?); vgl. P. Moore, CR 87,1973, 13f. Die Reaktion auf Carrhae war vermutlich nicht weniger heftig als auf die Niederlagen von Lollius (vgl. Vell. Pat. 2,97,1) und Varus (vgl. Suet. Aug. 23).
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  30. Caes. BG 1,7,4: "Caesar, quod memoria tenebat L. Cassium consulem occisum exercitumque eius ab Helvetiis pulsum et sub iugum missum, concedendum non putabat". Vgl. Caesars Rede in Gades (Bell. Hisp. 42,7): "in quo vos victores exstabatis ? An me deleto non animum advertebatis habere legiones populum Romanum quae non solum vobis obsistere sed etiam caelum diruere possent ?"
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  31. Vgl. D. Timpe (wie Anm. 9), 109 mit Anm. 33 und 34.
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  32. Cic. Fam. 8,10,2; Att. 5,18,1; 6,1,3 & 14; Fam. 8,14,4. Damals wurde offenbar als selbstverständlich vorausgesetzt, daß sich Caesar oder Pompeius mit einem streng begrenzten Kriegsziel zufriedengeben würden. Ein "bellum Parthicum" konnte - wenigstens im Sinne des Senats - durch die notdürftige Sicherung der Euphratgrenze als siegreich beendet gelten; vgl. Cassius' Worte bei Cic. Att. 5,21,2.
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  33. Die späteren 16 Legionen (Anm. 111) stehen in einem auffälligen Gegensatz zu den Debatten dieser Zeit. Nach den Iden des März gewann das Projekt durch die Übertragung des Kommandos an Dolabella wieder die Züge eines eng begrenzten Unternehmens (App. BC 3,24,92).
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  34. Dio 41,55,3; auf seine vielen Klienten im Osten war Pompeius ja sehr stolz (vgl. Cic. Fam. 9,9,2). Später hat er Lucilius Hirrus als Unterhändler zu ihnen geschickt (Dio 42,2,5; Fr. Münzer, Hermes 61, 1926, 275), doch wurde dieser von den Parthern als Feind behandelt.
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  35. Just. 42,4,6: "His ita gestis non magno post tempore Romanis inter Caesarem Pompeiumque civile bellum oritur, in quo Parthi Pompeianarum partium fuere et propter amicitiam cum Pompeio bello Mithridatico iunctam et propter Crassi necem, cuius filium in partibus Caesaris esse audierant, quem ultorem patris victore Caesare futurum non dubitabant".
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  36. Dies bezieht sich auf die Schlacht von Carrhae, Pacorus' Angriff auf Syrien und Cassius' erfolgreiche Verteidigung der Provinz (Just. 42,4,4-5).
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  37. Das Verständnis des Exzerpts wird durch die Unsicherheit erschwert, ob am Ende des Abschnittes "non deliberabant" oder "non dubitabant" zu lesen ist; die wichtigste Handschrift bietet "non deliberabant" (vgl. den Apparat der Ausgabe von O. Seel, Stuttgart 1972). Der Zusammenhang der Stelle erlaubt eigentlich nur "non dubitabant", da ja das bewußte Eingreifen der Parther auf der Seite des Pompeius erklärt werden soll. Ob Pacorus' Hilfe für Caecilius Bassus im Jahre 45 (Anm. 101) mit solchen Überlegungen zu erklären ist ? Crassus' Sohn ist sicher der zusammen mit seinem Vater gefallene Publius (Anm. 58), und nicht der Bruder Marcus (RE Nr. 56; vgl. R. Syme, Latomus 39, 1980, 407); diese Ungenauigkeit wird eher Justin als Trogus selbst zuzuschreiben sein. Bereits aus diesem knappen Exzerpt wird deutlich, in welchem Maße bei Trogus des Rachemotiv im Vordergrund stand.
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  38. Vielleicht hätte er, wenn es nicht zum Bürgerkrieg gekommen wäre, sein Konsulat des Jahres 48 für einen Feldzug gegen die Parther benutzt.
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  39. BC 3,31,3: "Quibis coactis, finitimis hostibus Parthis post se relictis, qui paulo ante M. Crassum imperatorem interfecerant et M. Bibulum in obsidione habuerant, legiones equitesque ex Syria deduxerat".
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  40. Die Parther haben diese von Caesar für günstig erklärte Gelegenheit (vgl. BC 3,31,4: "Summamque in sollicitudienem ac timorem Parthici belli provincia cum venisset ...") allerdings nicht sofort ausgenutzt, und die Einsetzung des Sex. Caesar (RE Iulius Nr. 153; vgl. L.R. Taylor, AJPh 63, 1942, 397) anstelle eines Prokonsuls, wie es vorher immer üblich gewesen war, spricht nicht gerade für Caesars Sorge um die Sicherheit der Provinz. Erst in der zweiten Hälftte des Jahres 45 hat Pacorus die Rebellion des Caecilius Bassus für seine Zwecke benutzt (Cic. Att. 14,9,3; s. Anm. 101).
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  41. Vgl. dazu M. Gelzer, Caesar. der Politiker und Staatsmann, Wiesbaden 1960 6, 174 Anm. 392.
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  42. Vgl. dazu M. Gelzer, Kleine Schriften II, Wiesbaden 1963, 11. Die Begründung des geplanten Feldzuges gegen die Daker waren ohne Zweifel ihre Grenzverletzungen und Plünderungen (Suet. DJ 44,3; Anm. 160).
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  43. BC 3,57,4: "Quod si fecisset, quietem Italiae, pacem provinciarum, salutem imperii uni omnis acceptam relaturos". M. Gelzer (wie Anm. 41), 223; 238 Anm. 308; 253 macht den grundsätzlichen Wert dieser knappen Worte für das Verständnis von Caesars Politik deutlich. Contra: H. Strasburger, Caesar im Urteil seiner Zeitgenossen, Darmstadt 1968, 49f.
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  44. Dio 44,46,3 (aus der Leichenrede des Antonius für Caesar); im Bell. Alex. steht nichts davon. Ebenfalls bei Dio (45,29,3-4) wirft Cicero Antonius vor, durch sein ungezügeltes Auftreten in Rom Caesar an der Durchführung des Plans gehindert zu haben; in seinen Reden gegen Antonius sagt Cicero nichts zu diesem Thema. Diese etwas unklare Tradition wird freilich bekräftigt durch App. BC 3,77,312 und BC 4,58,250, wo von Vorbereitungen in Syrien zu eben dieser Zeit die Rede ist (s. aber Anm. 40). Von Zela aus wäre Caesar wohl über Kleinarmenien gegen die Parther (App. BC 2,68,281) vorgerückt (s. Anm. 191). Hängt vielleiht auch Caesars Opfer für Mars nach Pharsalos (App. BC 2,68,281) mit dem geplanten Feldzug zusammen ? Vgl. dazu St. Weinstock, Divus Julius, Oxford 1971, 130.
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  45. Vgl. die Bell.Alex. 78,2 aufgezählten Regelungen zur Sicherung des Ostens: "provincias populi Romani a barbaris atque inimicis regibus interposito amicissimo rege munivit" (betr. die Einsetzung von Mithridates als König des bosporanischen Reiches). Für die Einzelheiten s. W. Hoben, Untersuchungen zur Stellung kleinasiatischer Dynasten in den Machtkämpfen der ausgehenden römischen Republik, Diss. phil. Mainz 1969. Damals könnte Caesar auch Koloniegründungen wie die von Sinope und Herakleia (Anm. 185) vorbereitet haben, die im Falle eines Krieges gegen die Parther seine rückwärtigen Verbindungen sichern helfen konnten. Caesar unterhielt damals diplomatische Kontakte bis zur Krim; vgl. M. Rostovtzeff, JRS 7, 1917, 27-29 zu IOSPE I (2) 691. Ein wichtiges Zeugnis für Kontakte Caesars mit Syrien und Armenien im Jahre 46 ist Ciceros Bemerkung über die "senatus consulta" aus Caesars Kanzlei (Cic. Fam. 9,15,4): "et quidem, cum in mentem venit, ponor ad scribendum et ante audio s.c. in Armeniam et Syriam esse perlatum quod in meam sententiam factum esse dicatur, quam omnino mentionem ullam de ea re esse factam" - Armenien war wichtig für die Vorbereitung des Feldzuges (Anm. 196). Caesar mußte viele Aktivitäten entfalten, da er, verglichen mit Pompeius, im Osten relativ unbekannt war (vgl. Cic. Deiot. 11); E. W. Gray, JRS 42, 1952, 123.
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  46. Der Pompeianer Caecilius Bassus (RE Nr. 36) hatte sich im Sommer 46 mit Erfolg gegen Caesars Statthalter Sex. Caesar (Anm. 40) erhoben (App. BC 3,77,312-315; Dio 47, 26,4-7). Das Interesse der Parther an dieser Situation bestätigte sich dann durch Pacorus' Hilfe im Jahre 45 (Anm. 101).
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  47. Cic. Marc. 29: "sed nisi haec urbs stabilita tuis consiliis et institutis erit, vagabitur modo tuum nomen longe atque late, sedem stabilem et domicilium certum non habebit". Cicero kannte Caesars »Fluchttendenzen«, eine Haltung, die den Gerüchten über eine »Auswanderung« (Anm. 107) weitere Nahrung gegeben hat. Augustus' spätere Verwunderung darüber, "ob Alexander denn nicht für wichtiger als die Erringung eines Reiches dessen Ordnung gehalten habe" (Plut. mor. 207 D), ist im Geiste Ciceros; die Echtheit der Äußerung läßt sich freilich nicht beweisen. Gegen die Authentizität: W. Schmitthenner, Gnomon 37, 1965, 160 Anm. 2.
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  48. Selbst Ende 46, als sich der damalige syrische Statthalter Cornificius vor einer offenbar allgemein erwarteten Invasion der Parther fürchtet, klingen Ciceros Ratschläge an ihn nicht gerade besorgt. Cicero erinnert vielmehr an Bibulus' "tapferes" Verhalten, der sich einfach so lange belagern ließ, bis die Eindringlinge wieder abzogen (Cic. Fam. 12,19,2). Vgl. dagegen Caesars Worte BC 3,31,3 (Anm. 39) über Bibulus.
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  49. Vgl. Cic.Fam. 5,9-11 (Shackleton Bailey Nr. 255-257).
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  50. S. unten Anm. 160 (Suet. DJ 44,3).
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  51. Cic.Att. 13,27,1: "illud vero vel optime, quod ita multa mutari volunt ut mihi de integro scribendi causa non sit. Quamquam de Parthico bello quid spectare debui nisi quod illum velle arbitrabar ? Quod enim aliud argumentum epistulae nostrae nisi kolakeia fuit ? An, si ea quae optima putarem suadere voluissem, oratio mihi defuisset ?"
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  52. Ciceros Worte sind ein Beleg dafür, daß damals viel über Caesars Absichten gesprochen wurde, da er das ihm unleidliche Thema sonst gar nicht angeschnitten hätte. Sein Ton läßt vermuten, daß er sich mit Atticus in der Ablehnung des Projektes einig fühlte.
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  53. Wie sehr gut er über solche Themen sprechen konnte, wenn er nur wollte, geht aus der Rede "de provinciis consularibus" hervor (Anm. 64).
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  54. So erklärt sich z.B. auch Oppius' und Balbus' auf den ersten Blick seltsame Entscheidung, Caesar die Rede "pro Ligario" nach Spanien zu schicken (Cic.Att. 13,19,2). Vgl. H. Strasburger (wie Anm. 43), 38.
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  55. Cic.Att. 14,1,1: "Etenim si ille tali ingenio exitum non reperiebat, quis nunc reperiet ?"
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  56. Vgl. dazu D. Timpe (wie Anm. 9), 107f.
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  57. S. oben Anm. 29.
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  58. Cic.Brut. 282: "Sed hunc quoque absorbuit aestus quidam insolitae adulescentibus gloriae; qui quia navarat miles operam imperatori, imperatorem se statim esse cupiebat, cui muneri mos maiorum aetatem certam, sortem incertam reliquit". Ciceros Spott über den jugendlichen Ehrgeiz wäre von besonderer Schärfe, wenn Crassus im Jahre seines Todes noch nicht einmal Quaestor gewesen sein sollte; vgl. dazu R. Syme, Latomus 39, 1980, 406.
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  59. Cic.Marc. 29 (Anm. 47). Ein konkretes Beispiel dafür, daß nicht alles »fertig« war, als Caesar aufbrechen wollte, ist die unklare Regelung für die Oberaufsicht bei der Getreideverteilung in der lex municipalis: "queiquomque frumentum populo dabit dandumve curabit" (CIL I (2) 593 = ILS 6085,17). S. auch Th. Mommsen, Hermes 4, 1870, 366f.
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  60. Selbst die Planung des Partherkrieges im Jahre 51 war ganz begrenzt (Anm. 32).
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  61. Plut.Pomp. 76,4; App.BC 2,83,349; Dio 42,2,3-5 ist allerdings skeptisch. Seinen Gesandten Lucilius Hirrus haben die Parther als Feind betrachtet (Anm. 34). Der Sohn Sex. Pompeius wollte im Jahre 35 ebenfalls mit den Parthern verhandeln (Dio 49,18,1). Cassius hat nach den Iden des März Hilfstruppen gegen seine Bürgerkriegsgegner angenommen (Anm. 70). Vgl. auch Pompeius' Verhältnis zu Burebista (Anm. 181).
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  62. Selbst im Jahre 46 erwartete er, daß Cornificius keine oder nur geringe Schwierigkeiten mit den Parthern haben werde (Anm. 48). In "de officiis" sind die Parther kein Volk, das die Existenz Roms bedroht, im Unterschied zu anderen Völkern (1,38). Im Entwurf des Sendschreibens an Caesar wird sich das anders gelesen haben (vgl. Anm. 53).
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  63. Cic.fin. 3,75: "(sapiens) rectius dives quam Crassus, qui nisi eguisset, numquam Euphraten nulla belli causa transire voluisset".
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  64. Vgl. prov.cons. 22 & 32-33; s. auch in Pis. 81.
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  65. Aus Ciceros Briefen der Zeit von Caesars Krieg gegen die Söhne des Pompeius in Spanien und der verzögerten Heimkehr bis zum September 45 läßt sich ablesen, wie verunsichernd es wirkte, wenn der Alleinherrscher fern von Rom war. Allenfalls die Freunde guten Lebens waren froh, daß die Bestimmungen der lex sumptuaria nicht durchgesetzt wurden (vgl. Caesars Anm. 80 zitierte Kritik daran). Entfernt vergleichbar ist die Situation der Senatoren während Tiberius' Aufenthalt auf Capri. Claudius nannte das "apsentia pertinax" (CIL V 5050 = ILS 206).
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  66. Vgl. Vell.Pat. 2,59,5.
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  67. Cic.Att. 13,42,1: "Rogas ? inquit, cui iter instet et iter ad bellum, idque cum periculosum tum etiam turpe !" Die »Schändlichkeit« der Reise bezieht sich auf die Schulden, die er zurücklassen wird.
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  68. Es ist unklar, ob mit den von Dio 43,51,2 im Rahmen des Kriegsbeschlusses (Anm. 72) genannten vielen "hyperetai" Legaten gemeint sind; in seinem sonstigen Sprachgebrauch sind dies eigentlich untergeordnete Helfer. Die zusätzlichen Legaten des Pompeius im Krieg gegen die Piraten werden "hypostrageoi" genannt (Dio 36,23,4; 36,3; 37,1). H. Mason, Greek Terms for Roman Institutions. A Lexicon and Analysis, Toronto 1974, 155 übersetzt legati, mit Hinweis auf App.Mithr. 94,431 und BC 2,18,67.
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  69. Cicero hatte möglicherweise die vage Hoffnung, Caesar werde im Osten scheitern; seine Worte lassen aber auch eine andere Deutung zu (Anm. 100).
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  70. App. BC 4,59,257 (parthische Bogenschützen zu Pferde, die vielleicht schon Caecilius Bassus geholfen hatten); vgl. Dio 47,27,5. Beim Abzug aus Syrien bat Cassius dann um weitere Verstärkungen, die er auch erhielt (App. BC 4,63,271). Cassius war es sich nach seiner angeblichen Beendigung der Partherdrohung nach Carrhae schuldig, die Parther nicht für gefährlich zu halten, ganz im Sinne der Pompeius (vgl. Cic.Att. 5,21,2 und 6,1,14). Aufgrund seines damals erworbenen Ansehens in Syrien wäre Cassius eigentlich der gegebene Kommandeur der syrischen Legionen gewesen (vgl. Dio 47,28,1).
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  71. S. unten An. 149.
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  72. Dio 43,51,1: "Während Caesar damit beschäftigt war (sc. verschiedenen Gesetzen zu Beginn des Jahres 44 - Dio 43,49,1), ergriff alle Römer gleichermaßen der Wunsch, Crassus zu rächen und die mit ihm Gefallenen, und man hatte die Hoffnung, jetzt, wenn jemals, die Parther zu unterwerfen. Den Krieg nun übertrugen sie Caesar einmütig, und sie veranstalteten große Rüstungen" Nimmt man Dio wörtlich, geht die Initiative nicht von Caesar, sondern von der »öffentlichen Meinung« aus. Die Abstimmung war allenfalls eine Demonstration, da Caesar das Recht zuerkannt worden war, Kriege zu erklären (Dio 42,20,1). Andererseits gehörte es später zum guten Ton, daß der Princeps Volk und Senat bei solchen Fragen einbezog. Traian ließ sich offenbar vom Senat für seinen Partherkrieg beauftragen: "rogatu patrum militiam repetens" (Vict. 13,11 - Text nach Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht II, Leipzig 1887 3, 955 Anm. 2). Völkerrechtlich gesehen hatte es seit den Kämpfen der Jahre 51 und 50 keinen Friedensschluß zwischen Römern und Parthern gegeben.
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  73. Vgl. Dio 75,3,3 über Severus' Partherkrieg.
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  74. Anscheinend ist sogar das Datum der Schlacht von Carrhae mit dem Tag von Gindaros, Ventidius' Sieg im Jahre 38, gleichgesetzt worden (Dio 49,21,2); vgl. D. Timpe (wie Anm. 9), 118f mit Anm. 93.
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  75. D. Timpe (wie Anm. 9), 126-129; s. auch ders. WüJbb N.F. 1, 1975, 155-169.
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  76. Eine "innenpolitische" Motivierung des Feldzugs mit der Hoffnung auf eine verbesserte Position nach dem Sieg ist deshalb nicht recht verständlich und vielleicht ein Indiz dafür, daß es Caesar damals am Augenmaß für die Konsequenzen seiner Entscheidung gemangelt hat; eine bewußte innenpolitische Motivierung könnte andererseits dadurch erklärt werden, daß Caesar eben zu der Ansicht gekommen war, die stadtrömischen Probleme nicht auf herkömmliche Weise lösen zu können - vgl. auch Matius' Worte (Anm. 55). Caesar wußte, daß er von manchen gehaßt wurde (Anm. 102).
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  77. S. unten Anm. 87.
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  78. Cic.Att. 13,31,1: "De epistula ad Caesarem kekrika; atque id ipsum, quod isti aiunt illum scribere, se nisi constitutis rebus non iturum in Parthos, idem ego suadebam in illa epistula".
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  79. Cicero würde in diesem Zusammenhang mit Sicherheit "constituta re publica" gesagt haben (vgl. rep. 1,11; Marc. 27; Att. 14,19,1). Caesar benutzt die hier gewählte Wendung noch öfter; vgl. etwa BD 4,12,4; 23,1; 6,9,3; 7,9,3; 64,4. S. auch Bell. Afr. 88,3: "omnibus rebus diligentissime constitutis".
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  80. Cic.Att. 13,7,1: "Sestius apud me fuit et Theopompus pridie. Venisse a Caesare narrabat litteras, hoc scribere, sibi certum esse Romae manere, causamque eam ascribere quae erat in epistula nostra, ne se absente leges suae neglegerentur sicut esset neglecta sumptuaria ...".
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  81. Sestius war Cicero seit seiner Verteidungsrede pro Sestio verpflichtet. C. Julius Theopompus ist einer der wenigen Griechen, die sich zu Caesars Vertrauten zählen durfen; zur Person vgl. O. Hirschfeld, JHS 7, 1886, 286-290. Auf wen sich Ciceros "narrabat" bezieht, läßt sich nicht entscheiden. Möglicherweise schrieb Cicero "narrabant"; vgl. Shackleton Bailey z. St.
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  82. Vgl. I. Sauerwein, Die leges sumptuariae als römische Maßnahme gegen den Sittenverfall, Diss.phil. Hamburg 1970, 151-156.
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  83. Wenn er behauptet haben sollte, entgegen Ciceros Vorhaltungen (Anm. 47), die Hauptstadt genügend gesichert zu haben, um sie jetzt für längere Zeit verlassen zu können, mag er bei manchem den Gedanken provoziert haben, daß dann ja auch die Zeit gekommen sei, die Dictatur niederzulegen. S. auch L. Wickert, Klio 30, 1937, 251.
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  84. Sein Zögern dramatisierte nicht gerade die Gefährdung, die nach seinen eigenen Worten von den Parthern ausgehen sollte (vgl. Anm. 40). Vielleicht wußte er damals noch nichts von Caecilius Bassus' Kontakten mit Pacorus (vgl. Cic.Att. 14,9,3; zit. Anm. 101).
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  85. Vgl. Ciceros Bestreben, Caesar an seine Aufgaben in der Hauptstadt zu erinnern (Anm. 47).
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  86. Die fünfeinhalb Monate von Anfang Oktober 45 (Anm. 96) bis zum 18. März 44 (Anm. 113) wären der längste zusammenhängende Aufenthalt in Rom seit dem Konsulat von 59 gewesen. Wenn Caesar im Jahre 46 davon sprach, lange genug für seinen Ruhm gelebt zu haben (vgl. Cic. Marc. 25: "satis diu vel naturae vixi vel gloriae"), so kann dies, wenn er es ernst damit gemeint haben sollte, als Indiz dafür gewertet werden, daß er keinen fertig formulierten Plan bei sich hatte, den er in den nächsten Jahren schneller oder langsamer realisieren wollte. Die Hektik von Caesars letzten Monaten erinnert vielmehr an Alexanders Aufenthalt in Babylon, als er weniger an die Konsolidierung des gewonnenen Reiches als an neue militärische Unternehmungen dachte. Vgl. Augustus' Bemerkung dazu (Anm. 47).
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  87. Anfang Juni weiß Dolabella noch nichts über Caesars weitere Pläne (vgl. Cic.Att. 13,9,2). Im Laufe des Monats erfährt Cicero keine weiteren Einzelheiten (Att. 13,13/14,5; 16,2; 17,1). Ende Juni (?) hört er von Balbus' Meinung, daß Caesar nicht vor Anfang August eintreffen werde (Att. 13,21a,3). Im Juli besteht die Ungewißheit fort (Cic.Fam. 6,20,2). Anfang August scheint sich Caesar dann entschlossen zu haben, Anfang September an den Ludi Romani teilzunehmen (Att. 13,46,2): "paulo ante acceperam eas litteras in quibus magno opere se confirmat ante ludos Romanos" (Balbus' Worte). Mitte August hält Balbus eine weitere Verspätung Caesars für möglich (Att. 13,37,4): "si Caesar moraretur, posse diem differi". Vor dem 26. August muß die Nachricht gekommen sein, daß Caesar doch nicht so bald nach Rom kommen werde (vgl. Shackleton Bailey V 393 zu Att. 13,34).
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  88. Bis Ende Mai war Caesar in Spanien; vgl. O.E. Schmidt, Der Briefwechsel des M. Tullius Cicero von seinem Prokonsulat in Cilicien bis zu Caesars Ermordung, Leipzig 1893, 369.
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  89. Baupläne: Cic.Att. 13,33a,1 (9. Juli?); 35,1 (13. Juli). "Promulgatio de urbe augenda": Att. 13,20,1 (2. Juli). Neuerliche Senkung der Schuldzinsen: Att. 13,23,3 (10. Juli).
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  90. Q. Cicero: Att. 13,37,2 (21. August). Caesars Lektüre: Att. 13,46,2 (12. August).
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  91. Noch Ende Juli besuchte er Cicero in Tusculum (Att. 13,44,1). Vielleicht wollte Caesar Brutus' Kenntnisse der Gallia Cisalpina nutzen.
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  92. Att. 13,45,1 (etwa 11. August): "(epistula) plane declarabat illum ante ludos Romanos esse venturum". Balbus liest den an Lamia gerichteten Brief und stimmt ihm dann zu (ebd.). Vielleicht bekam er gleichzeitig einen Brief Caesars mit der entsprechenden Nachricht (Att. 13,46,2).
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  93. Suet.DJ 83,1: "(testamentum) quod idibus proximis in Lavicano suo fecerat". Zur Lage des Ortes s. CIL XIV p. 274.
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  94. Nikolaos FGrHist 90 F 128 § 31. In den vergangenen Monaten muß Octavius mehr und mehr in den Vordergrund getreten sein, obwohl in den Quellen nur wenige Spuren enthalten sind. In Spanien ließ Caesar seinen Großneffen als Richter auftreten - vgl. Nikolaos FGrHist 90 F 127 § 27 mit den Erläuterungen von F. Millar, The Emperor in the Roman World, London 1977, 466 und 518f. Auf der Reise durfte er in der Kutsche hinter Caesar sitzen, zusammen mit D. Brutus; die hohe Ehre, mit Caesar zusammen zu fahren, erhielt damals noch M. Antonius (Plut. Ant. 11,2); s. auch H. Castritius, Chiron 1,1971,369.
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  95. Plinius' Notiz, der junge Octavius habe Caesars "magister equitum" für 44 werden wollen, ist vom Standpunkt der Quellenkritik aus kaum aus der Welt zu schaffen: "repulsa in magisterio equitum apud avunculum et contra petitionem eius praelatus Lepidus" (NH 7,147 - aus einem Abschnitt über Mißgeschicke in Augustus' Leben). Die Nachricht findet sich auch bei App.BC 3,9,30 und Dio 43,51,7 mit der Ergänzung, daß der Großneffe dann wirklich für diesen Posten vorgesehen gewesen sei, wohl für das Jahr 43. Wenn es gemäß Mommsens Text-Ergänzung richtig ist, daß diese Nachricht in die unter Augustus' Kontrolle veröffentlichten Fasten aufgenommen worden ist (vgl. CIL I 2 p. 28), wäre Nikolaos' Schweigen überraschend, doch ist dies allein noch kein Beweis gegen Mommsens Ergänzung der Fasten; im byzantinischen Exzerpt aus Nikolaos' Werk ist außerdem ein längeres Stück zwischen F 127 § 27 und F 128 § 28 verlorengegangen. Vgl. auch die Diskussion des Problems von H. Gesche, Hist. 22,1973, 468-478.
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  96. Das Datum läßt sich nur erschließen, da die Triumphalfasten für dieses Jahr nicht erhalten sind; vgl. O.E. Schmidt (wie Anm. 88), 371.
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  97. Nach App.BC 3,10,32 war er seit etwa Oktober dort, nach Nikolaos FGrHist 90 F 130 § 37 seit Dezember. Durch eine Abreise bereits im Oktober wäre Octavius der öffentlichen Aufmerksamkeit sehr entzogen gewesen, eine nach dem früheren Verhalten Caesars (Anm. 94) nicht sehr wahrscheinliche Entscheidung. Nikolaos' Datum ist Appians Überlieferung deshalb wohl vorzuziehen. Apollonia war selbst keine Garnisonsstadt (vgl. Nikolaos F 130 § 46), galt aber als caesarfreundlich (vgl. Caes.BC 3,10-13; Nikolaos F 130 § 45). Es gehört zur Eigenart der seit den Iden des März verformten Tradition über Octavius' Rolle während der letzten Monate Caesars, wenn Sueton schreibt (Aug. 8,2): "... praemissus Apolloniam studiis vacavit"; ähnlich ist die Überlieferung bei Vell.Pat. 2,59,4. In der Version Appians (BC 3,10,32) kommt Octavius dagegen als designierter Reiterführer nach Apollonia. Der ehrgeizige junge Mann ließ sich hier ein Horoskop erstellen (Suet.Aug. 94,12).
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  98. Caesar legte Wert auf die "diligentia" seiner militärischen Planung (Anm. 187).
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  99. Je langfristiger die Planung des Feldzugs gewesen ist, desto weniger überzeugend ist die vielleicht schon zeitgenössische Annahme, daß Caesar den widrigen Zwängen der Hauptstadt ganz einfach entfliehen wollte (App.BC 2,110,458). Ciceros Beschwörungen in der Rede für Marcellus (Anm. 47) und die Gerüchte über die »Auswanderung« (Anm. 107) könnten in diesen Zusammenhang gehören. Ob Matius den Feldzug als eine Art "exitus" verstanden hat (Anm. 55) ? Chr. Meier, Res Publica Amissa, Wiesbaden 1966, 262 bringt den Vergleich mit Sullas Rückzug ins Privatleben. Daß Caesar sich der Einhaltung seiner Ordnung nicht völlig sicher gewesen sein kann, wird durch die Designationen auf Jahre hinaus nahegelegt (Anm. 104).
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  100. App.BC 2,110,459. Als er Cicero im Dezember 45 besuchte, war er jedenfalls gesund (Att. 13,52), und gerade bei Cicero findet sich kein Hinweis auf Caesars geschwächte Konstitution. Att. 14,5,1 (Anm. 200) gehört wohl nicht hierher. Die Münzen zeigen allerdings einen Mann, der nicht jünger als seine Jahre aussieht, und Suet.DJ 86,1 spricht von der "valetudo minus prospera" während der letzten Zeit als einer Tatsache. Viele Nachrichten über seine nachlassende Gesundheit werden aber zur Tyrannen-Topik gehören, die Caesars Gegner so schätzen; Caesars Freunde könnten ihrerseits Hinweise dieser Art benutzt haben, um Versäumnisse zu entschuldigen (vgl. Suet.DJ 45; 81,4). Matius scheint nicht der Ansicht gewesen zu sein, Caesar sei am Ende seines Lebens krank oder gar »verrückt« gewesen (Anm. 55).
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  101. Spätestens Ende 45 haben sich die Parther dazu entschlossen, Caecilius Bassus offen zu unterstützen: "venisse cum maximis copiis Pacorum Parthum" heißt es in einem Brief vom 31. Dezember 45, den Balbus im April 44 erhalten hat (Cic.Att. 14,9,3; vgl. Anm. 106). Nimmt man Ciceros Bericht wörtlich, so hat man in Rom freilich erst damals Einzelheiten über die schlechte Lage in Syrien erfahren. Th. Mommsen, Römische Geschichte V, 358 meint allerdings, Anlaß für Caesars Krieg sei sowohl die Rache für Carrhae als auch die Vergeltung für die Unterstützung von Caecilius Bassus gewesen.
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  102. Cic.Att. 14,1,2: "Ego dubitem quin summo in odio sim, cum M. Cicero sedeat nec suo commodo me convenire possit ?"
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  103. Die Armee von 16 Legionen machte es ja auch schwer, dem Dictator unverantwortliche Risikofreude vorzuwerfen (Anm. 111). Die dreißig Tage, vor denen Spurinna warnte (Val.Max. 8,11,2), sind eben Tage vor dem Abmarsch.
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  104. Dio 43,51,2: drei Jahre; App.BC 2,129,535: fünf Jahre. Diese Maßregeln sind ein Anzeichen dafür, daß Caesar sich nicht ganz sicher war über die Einhaltung von Ruhe und Ordnung in der Zeit seiner Abwesenheit - eine Bedingung, die er wenigstens zeitweise für wesentlich angesehen hat (Anm. 78).
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  105. Ciceros Briefe aus der Zeit vor dem Oktober 45 machen deutlich, was das bedeutete (vgl. Anm. 87). Zeitgenössischen Klang hat Tacitus' Bemerkung Ann. 12,60,4: "C. Oppius et Cornelius Balbus primi Caesaris opibus potuere condiciones pacis et arbitria belli tractare" - d.h. sie hatten von Caesar unbegrenzte Vollmachten. Zur Rolle eines Stellvertreters des Princeps, die hier angekündigt ist, vgl. Dio 51,3 sowie Mommsen (wie Anm. 72), 113f. Zeitgenössische Kritik klingt Suet.DJ 79,4 an: "procuratio urbis amicis permissa". Augustus dagegen war später unbeliebt, weil er so lange in der Hauptstadt blieb (Dio 54,19,2).
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  106. Zum Problem der Nachrichtenverbindung zwischen Rom und Syrien - geschweige denn der zwischen Mesopotamien und Rom - vgl. Cic.Att. 14,9,3: erst Mitte April 44 wird eine Nachricht aus Syrien vom 31. Dezember 45 bekannt (Anm. 101), bedingt vielleicht durch besonders schlechtes Wetter. Unter sehr günstigen Bedingungen benötigte eine Nachricht von Seleukeia Pieria bis Brundisium 27 Tage (Cic.Att. 11,20,1). Vielleicht hätte Caesar eine Reiterpost zwischen den Kriegsschauplätzen und der Küste organisiert (vgl. Caes.BC 3,101,3). Unproblematisch für die Zeitgenossen erscheint die Nachrichtenverbindung zwischen dem Osten und Rom während Antonius' (vgl. Dio 49,32,1) und Traians Partherkrieg (vgl. Dio 68,29,2).
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  107. Suet.DJ 79,3: "quin etiam varia fama percrebuit migraturum Alexandream vel Ilium ..."; die seltsame Alternative von Alexandria oder Troia legt die Annahme nahe, daß es wirklich grundlose Vermutungen waren, gespeist von Caesars unziemlicher Eile beim erneuten Verlassen der Hauptstadt. Cicero hat das Gerücht natürlich nicht geglaubt (vgl. Anm. 200).
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  108. Suet.DJ 79,3; St. Weinstock (wie Anm. 44), 340f. Zur Bewertung des Königstitels s. E. Rawson, JRS 65, 1975, 148-159. Bereits in der unmittelbar nach Caesars Ermordung verfaßten Schrift "de divinatione" (2,110) hat Cicero erklärt, daß das Gerücht jeder Grundlage entbehrte, und es ist nicht einmal sicher, daß der betagte XVvir L. Aurelius Cotta (RE Nr. 102) derjenige ist, der in den erhaltenen Nachrichten als Cotta genannt wird. Vgl. dazu Fr. Münzer, Römische Adelsparteien und Adelsfamilien, Stuttgart 1920, 325 sowie H. Dessau, Geschichte der römischen Kaiserzeit I, Berlin 1924, 349.
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  109. Suet.DJ 86,1; Dio 44,7,4. Auch noch nach dem Konflikt mit den Tribunen Anfang 44 lehnte Caesar eine Leibwache ab (App.BC 2,109, 454). An den Iden des März ist der Dictator frei zugänglich (vgl. Plut.Caes. 65,1f): der "facilis aditus" ist eine senatorische Tugend (Cic.imp. Cn.Pomp. 41; Tac.Ann. 2,2,4). Oppius und Balbus hatten die Bedrohung erkannt und einen besseren Rat gegeben: "qui semper praedicerant Caesari, ut principatum armis quaesitum armis teneret" (Vell.pat. 2,57,1). Caesar setzte bei seinen Gegnern die Erkenntnis voraus, daß sein gewaltsamer Tod keine Lösung sein könne (vgl. Cic.Marc. 21; Suet.DJ 86,2). Nach Nikolaos FGrHist 90 F 130 § 80 haben die Verschwörer die Entlassung der Leibwache bewußt angestrebt.
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  110. Flor. 2,13 (4,2)94; die curia Pompei lag außerhalb des pomerium und wurde sicher wegen der militärischen Themen der letzten Senatssitzung gewählt (vgl. Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht III, Leipzig 1888 3, 930). Nach App.BC 2,115,48 wurde dieser Versammlungsort wegen der bevorstehenden Gladiatorenspiele auf dem benachbarten Marsfeld ausgesucht.
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  111. App.BC 2,110,460. Es ist nicht klar, ob dies eine bloße Addition der damals im Osten stationierten Legionen ist oder ob Appians Vorlage ausdrücklich von den 16 Legionen als der Partherarmee gesprochen hat (vgl. Th. Mommsen, Hist. Zeitschr. 38,1877,9 = Gesammelte Schriften IV, Berlin 1906, 163; R. Syme, Roman Papers I, Oxford 1979, 139). Die 16 Legionen des Antonius (Anm. 135) lassen vermuten, daß tatsächlich alle Legionen von Caesar für den Einsatz gegen die Parther vorgesehen waren. Aus den ersten Einsatzbefehlen für die bithynischen (Anm. 124) und die syrischen Legionen (Anm. 127) geht dies übrigens nicht hervor. Hinweise zu den Truppenbewegungen des Jahres 44 geben W. Schmitthenner, The Armies of the Triumviral Period: A study of the Origins of the Roman Imperial Legions, D. phil. Thesis Oxford 1958, 8ff sowie P.A. Brunt, Italian Manpower 225 B.C. - A.D. 14, Oxford 1971, 477f.
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  112. Schon Ende 46 erwähnt Cicero Truppentransporte nach dem Osten: "itaque opto ne se illa gens moveat hoc tempore, dum ad te legiones eae perducantur quas audio duci" (Fam. 12,19,1 - an Q. Cornificius, vgl. Anm. 48). Transporte von Spanien nach dem Osten erwähnt er Att. 14,5,1: "(legiones) quae fuerunt in Hispania". An den Iden des März warten in Brundisium Truppen auf ihre Verschiffung (App.BC 3,11,37-38). Von den im März feststellbaren 16 Legionen müssen etwa die Hälfte später als 47 in den Osten geschickt worden sein; Appian, nimmt man ihn wörtlich, spricht vom Transport sämtlicher Legionen über das Ionische Meer (BC 2,110,460). Im Jahre 47 hatte Caesar in Makedonien keine Truppen, 3 Legionen in Illyricum (App.Ill. 13,38), 3 Legionen in Ägypten (Suet.DJ 76,3), vermutlich nur eine Legion in Syrien (Bell.Alex. 66,1: legioni; vgl. dazu P.A. Brunt, wie Anm. 111,477 Anm. 1) und zwei Legionen in Pontus (Bell.Alex. 77,2).
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  113. App.BC 2,114,476. Munda wurde am 17. März geschlagen (Bell.Hisp. 31,8). Traian brach im Jahre 101 am 25. März zum Krieg gegen die Daker auf (Act.Fratr. Arv. p. CXL, 23 Henzen). Zum gewählten Termin s. auch J.P.V.D. Balsdon, CR 80, 1966, 146.
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  114. Die sechs makedonischen Legionen galten allerdings als Elitetruppen (App.BC 3,24,92).
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  115. Vgl. Cic.Fam. 9,17,2; 13,4; 5,2; 7; 8,2.
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  116. Vell.Pat. 2,130,1: "res perpetui praecipuique timoris, supplementum". Zum Zwangscharakter der meisten Musterungen vgl. P.A. Brunt (wie Anm. 111), 410. Im Gegensatz zu den Pompeianern legte Caesar Wert darauf, nur Italiker und keine Provinzialen in seinen Legionen zu haben; vgl. Th. Mommsen, Hermes 19, 1884, 14f = Gesammelte Schriften VI 32. Nach der Rekonstruktion von A. v. Domaszewski, Neue Heidelberger Jahrbücher 4, 1894, 177-179 wären seit Ausbruch des Bürgerkrieges insgesamt 28 Legionen in Italien gemustert worden. Eine der Legionen des Munatius Plancus ist mit Sicherheit im Jahre 45 ausgehoben worden (Cic.Fam. 10,24,3 aus dem Jahre 43: "legio bima"). Die Soldaten, die im Jahre 45 in Syrien eintreffen, sind vielleicht Rekruten (vgl. Dio 47,27,3). Die Kampferfahrung der Truppen von Staius Murcus und Marcius Crispus, die solche Schwierigkeiten beim Kampf gegen Caecilius Bassus hatten, dürfte nicht sehr groß gewesen sein.
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  117. Die Legion des Lepidus: App.BC 2,118,496. Ihre vorgesehene Verwendung für den Partherkrieg wird aber nie ausdrücklich erwähnt.
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  118. "Quies Italiae" (vgl. Anm. 43) war damals nicht unbedingt gewährleistet. Daß Truppentransporte nach dem Osten über Italien geleitet wurden, geht aus Tac. Hist. 1,31,3 hervor. Für Einzelheiten s. Anm. 112.
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  119. Die Qualität der makedonischen Legionen wurde von Appians Vorlage betont (BC 3,24,92). Die Armee setzte sich zusammen aus der II. Legion (vgl. Cic.Fam. 10,30.1), der legio Martia (vgl. Cic.Phil. 3,6 u.ö.) sowie der nicht näher bezeichneten 5. (App.BC 3,25,95) und 6. Legion (vgl. Cic.Phil. 10,13). Dazu gehörten auch noch Bogenschützen, Leichtbewaffnete und Reiter (App.BC 3,24,92). Einer der Kommandeure könnte neben M. Acilius (Anm. 139) auch noch der sonst unbekannte M. Aemilius gewesen sein, dessen Namen bei Nikolaos FGrHist 90 F 130 § 41 überliefert ist - falls hier nicht, mit Jacoby , "Acilius" zu lesen ist.
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  120. Für Octavius' Freunde ist es nach den Iden des März selbstverständlich, daß die makedonischen Truppen caesarfreundlich sind (vgl. Nikolaos F 130 § 41). Ocatvius übte seit seiner Ankunft in Apollonia (Anm. 97) mit wechselnden Einheiten der Reiterei (App.BC 3,9,31) und wurde von den Offizieren der Armee seiner verwandtschaftlichen Nähe zum Dictator entsprechend hofiert (App. ebd.). Zur Frage, ob er damals als designierter Reiterführer betrachtet werden konnte, s. Anm. 95. Die Belohnungen, die der spätere Augustus den Truppen zuteil werden ließ, die den jungen C. Caesar auf seinem ersten Feldzug begleitet hatten (Dio 55,6,4), mögen auch den makedonischen Legionen gewunken haben.
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  121. Vgl. Cic.Fam. 7,30 und 13,50. Zur verbreiteten Furcht vor Einquartierungen s. P.A. Brunt, JRS 52,1962,78 sowie H.-O. Kröner, Chiron 1,1971,216.
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  122. App.BC 4,75,317. Der Bericht bei App. Ill. 13,37 über eine Gesandtschaft der Illyrer zu Caesar mit der Bitte um Verzeihung ist fälschlich in die Spätzeit datiert. Die Gesandtschaft gehört in die Zeit vor Vatinius' illyrischem Kommando.
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  123. Vgl. P.A. Brunt (wie Anm. 111), 476 mit Anm. 3 zu Bell.Alex. 77,2.
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  124. Vgl. App.BC 3,77,317 sowie 4,58,254. Das Kommando führte Marcius Crispus (Anm. 138). Nimmt man Appian wörtlich, so hatte er nur den Auftrag, Caecilius Bassus zu schlagen, aber nicht den Befehl, sich für den Angriff auf die Parther bereit zu halten. Die für Caesars rückwärtige Verbindungen wichtige Provinz hatte für das Jahr 43 einer der künftigen Caesarmörder erhalten, Tillius Cimber (App.BC 3,2,5).
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  125. Drei Legionen: Suet.DJ 76,3.
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  126. Im Jahre 43 werden Dolabella vier Legionen aus Ägypten zugeführt (App.BC 3,78,318; 4,61,263). Zum Problem vgl. P.A. Brunt (wie Anm. 111), 480.
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  127. Der Befehlshaber in Syrien, Staius Murcus, hatte nach App.BC 3,77,316 nur den Befehl, Caecilius Bassus zu schlagen. Für die bithynischen Legionen gilt das Gleiche (Anm. 124). Daß die Legionen später auch gegen die Parther eingesetzt werden sollten, geht wohl aus App.BC 3,24,92 hervor. Die Belagerung von Caecilius Bassus in Apameia stellte sich als eine schwierige Aufgabe heraus (vgl. App.BC 3,77,314-316; Dio 47,27,2-5), besonders auch aufgrund der Intervention des Pacorus in der zweiten Hälfte des Jahres 45 (Anm. 101), Wollten die Parther, die von Caesars Plänen gewußt haben müssen (vgl. Just. 42,4,6; zit. Anm. 35), die syrischen Truppen an der Ausführung anderer Befehle hindern ? Caesars Informationen über die Lage in Syrien sind vermutlich sehr lückenhaft gewesen (Anm. 106).
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  128. App.BC 2,110,460.
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  129. Spanier (?): CIL IX 733 = ILS 2499; vgl. W. Schmitthenner (wie Anm. 111), 9. Mauretanier: Cic.Fam. 10,30,3. Ituräer: Cic.Phil. 2,19.
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  130. Caesar wollte sich den Parthern über Armenien nähern (s. unten Anm. 191). Im Jahre 46 sind diplomatische Kontakte mit den Armeniern bezeugt (Cic.Fam. 9,15,4; zit. Anm. 45).
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  131. Vgl. Cic.Phil. 5,46. Vierzig Elefanten wurden für die Feiern seiner Triumphe des Jahres 46 eingesetzt (Suet.DJ 37,2).
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  132. Vgl. App.BC 3,11,39.
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  133. App.BC 3,63,259. Ende März befanden sich aber schon erhebliche Vorräte und Geldmittel in Kleinasien (vgl. Nikolaos FGrHist 9 F 130 § 55).
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  134. App.BC 3,11,39 werden Kontributionen der Provinzen für das Jahr 44 erwähnt. Vgl. auch Nikolaos F 130 § 55 sowie Dio 45,3,2. Der Kassenstand des Reiches war an den Iden des März nach all den Ausgaben des Jahres 46 und 45 erstaunlich gut, und besonders dann, wenn nur ein Teil der Gelder im Tempel der Ops für den Krieg bestimmt war (Cic.Phil. 2,93).
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  135. Plut.Ant. 37,4; vgl. dazu P.A. Brunt (wie Anm. 111), 503f. Crassus hatte im Jahre 54 sieben Legionen, 4000 Reiter und 4000 Leichtbewaffnete (Plut.Crass. 20,1). Diese Zahlen sprechen dafür, daß Caesar mit mehr als den sechs makedonischen Legionen in den Kampf ziehen wollte (Anm. 111).
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  136. Keiner hat sich nach den Iden des März der vorgesehenen Verwendung gerühmt.
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  137. Antonius hatte diesen Teil der Welt bereits im Gefolge des Gabinius kennengelernt (Plut.Ant. 3), und sein eigener Partherfeldzug beweist zumindest sein späteres Interesse an einem Krieg dieser Art. Für das Jahr 44 wäre er als Konsul an die Hauptstadt gebunden gewesen; es ist nicht auszuschließen, daß Caesar ihn dann im Jahre 43 in Makedonien zur Sicherung der Dakerfront einsetzen wollte (vgl. Anm. 184). Ob Antonius' Zurückhaltung mit Octavius' erfülltem Traum vom Reiterführeramt zusammenhängt (Anm. 95) ?
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  138. RE Nr. 52. Er war einer der Legaten Pisos in Makedonien (Cic.Pis. 54: "vir fortis in primis, belli ac rei militaris peritus, familiaris meus"). Während des Bürgerkrieges wird sein Name für die Kämpfe in Africa genannt (Bell.Afr. 77,2). Da er im Jahre 45 Statthalter in Bithynien war (Anm. 124), muß er spätestens 46 Prätor gewesen sein.
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  139. RE Nr. 15. Vgl. Cic.Fam. 7,30,3: "Acilius, qui in Graeciam cum legionibus missus est (Anm. 121).
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  140. RE Nr. 2. Im Jahre 48 war er zusammen mit Acilius Legat Caesars (vgl. Caes.BC 3,15,6). An den Iden des März befand er sich noch in Rom (App. 2, 119,500 - hier als plötzlicher Sympathisant der Caesarmörder genannt).
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  141. Vgl. Vell.Pat. 2,59,5 (zusammen mit Q. Salvidienus Rufus).
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  142. Dio 43,51,1 (Anm. 72).
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  143. Suet.DJ 79,4: "... migraturum Alexandream vel Ilium, translatis simul opibus imperii exhaustaque Italie dilectibus et provuratione urbis amicis permissa". Zum Motiv der Klage über fehlende Rekruten vgl. Liv. 7,25,8-9.
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  144. Cic.Pis. 57: "cum orbabas Italiam inventute" - solche zeitgenössischen Formulierungen stehen wohl auch hinter Suet.DJ 79,4 (Anm. 143). Wenn es politisch paßte, sprach Cicero von der Begeisterung der jungen Rekruten, z.B. für den Kampf gegen Antonius: "tantus ardor animos hominum occupavit" (Fam. 11,8,2). Was die Betroffenen wirklich gedacht haben mögen, klingt in Vergils Erster Ekloge (64-66) an: "At nos hinc alii sitientis ibimus Afros, / pars Scythiam et rapidum cretae veniemus Oaxen / et penitus toto divisos orbe Britannos".
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  145. Vgl. App.BC 3,78,317. Daß Geld dabei keine Rolle spielte, geht aus Cassius' Brief Fam. 12,12,3 hervor.
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  146. Vgl. Anm. 120. Übergelaufen zu Antonius' Feinden sind nach einiger Zeit die legio Martia (vgl. Cic.Phil. 4,5) und die IV. Legion (vgl. Cic.Phil. 12,8).
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  147. Vgl. App.BC 2,137,570-141,591. Hier sprach er allerdings von Veteranen, die ohnehin zu Hause geblieben wären.
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  148. S. oben Anm. 80.
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  149. Hinweise auf »Victoria« können sich ebensogut auf die vergangenen Siege wie auf den künftigen großen Sieg beziehen - vgl. etwa den Denar des P. Sepullius Macer (Crawf. 480/9) aus dem Jahre 44. Die Feier des Friedens auf dem Denar des L. Aemilius Buca (Crawf. 480/24) verträgt sich nicht ohne weiteres mit den gewaltigen Rüstungen der Zeit und könnte deshalb auf den künftigen Frieden hinweisen; andererseits wurde Caesar damals vom Senat als Stifter des allgemeinen Friedens gefeiert (Dio 44,4,5). M. Mettius' Imperator-Münzen (Crawf. 480/3) lassen an Caesars neuen Krieg denken. Zur Frage eines von Caesar angekündigten neuen "saeculum" (vgl. Crawf. 474/5) s. Anm. 156.
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  150. Dio 43,51,1 (Anm. 72). Es ist nicht auszuschließen, daß hier die livianische Version vorliegt (An. 13).
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  151. BC 3,31,3 (Anm. 39).
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  152. Suet.DJ 44,3 (Anm. 160). Es ist nicht sicher, ob Pacorus' aktive Hilfe für Caecilius Bassus Caesar rechtzeitig bekanntgeworden ist (Anm. 106).
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  153. Vgl. dazu W.V. Harris, War and Imperialism in Republican Rome, Oxford 1979, 117-130 sowie A.R. Birley, Roman Frontiers and Roman Frontier Policy: Some Reflections on Roman Imperialism, Trans.Archit. and Archeol.Soc. of Durham and Northumberland, N.S. 3, 1974, 13-25 (die Kenntnis dieses wichtigen Aufsatzes verdanke ich T.P. Wiseman). Zur »Unbegrenztheit« des römischen Reiches s. auch A.W. Lintott, G & R 28, 1981, 53f.
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  154. Catos erstaunlich konsequente Haltung wird verdeutlicht durch seinen Antrag, Caesar an die Usipeter und Tencterer auszuliefern (Plut.Cat. min. 51,1-5); vgl. M. Gelzer, in: Festgabe für Paul Kirn, Berlin 1961, 46-53. Nach Caesars Tod hat Cicero die Erweiterung der Grenzen des Reiches für eine lobenswerte Aufgabe erklärt (de off. 2,85).
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  155. Vgl. die Haltung der Freiwilligen des Jahres 171 v. Chr.: "multi voluntante nomina dabant, quia locupletes videbant, qui priore Macedonico bello aut adversus Antiochum in Asia stipendia fecerant" (Liv. 42,32,6). Crassus war von der Hoffnung beseelt, Beute im Osten zu machen, doch reichte diese Aussicht nicht aus, um die Rekruten zu begeistern (vgl. Dio 39,39,1).
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  156. "Inpotentiae voces" (vgl. Suet.DJ 77) über diesen Krieg haben Caesars Gegner nicht zu überliefern gewußt. Caesar könnte z.B. von der Hoffart der Parther nach ihrem Sieg über römische Legionen gesprochen haben (vgl. App.BC 2,83,350; Flor. 2,19 (4,9),3). Antonius sagt in seiner Leichenrede für den Dictator, Caesar habe Orodes wegen der unterlassenen HIlfe für Pompeius strafen wollen (Dio 44,45,3). Ein glänzendes Argument wäre Pacorus' Hilfe für Caecilius Bassus gewesen (Anm. 101), doch ist nicht sicher, wann die Meldungen darüber in Rom eingetroffen sind (Anm. 106). Caesar könnte auch das vertraute Motiv vom "externus timor, maximum concordiae vinculum" (Liv. 2,39,7) für seine Zwecke benutzt und an die Opposition appelliert haben, jetzt alles Trennende zu vergessen; vgl. Horaz' spätere Verse epod. 7,9-10 sowie carm. 2,1,29-32. Schwer zu beweisen ist die Annahme von St. Weinstock (wie Anm. 44), 196 mit Hinweis auf den Denar des L. Valerius Acisculus (Crawf. 474/5), Caesar habe ein neues "saeculum" nach der siegreichen Rückkehr angekündigt.
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  157. Vgl. Anm. 64; M. Gelzer (wie Anm. 42), 10.
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  158. Vgl. Ciceros Bericht über einen Besuch Caesars im Dezember 45 (Att. 13,52). Möglicherweise hielt sich Caesar in diesem Falle bewußt an die Etikette, wenn er politische Themen mied (vgl. Varro ap. Gell. 13,11).
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  159. Daß er sich damals Gedanken über sämtliche Konsequenzen seines Parther-Plans gemacht hat, ist jedenfalls wahrscheinlicher als das Gegenteil; Matius hielt ihn nicht für »verrückt« (Anm. 55). Bei guter Stimmung konnte selbst ein Gegner wie Cicero schreiben: "homo valde est acutus et multum providens" (Fam. 6,6,9; aus dem Jahre 46).
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  160. Suet.DJ 44,1-3: "Nam de ornanda instruendaque urbe, item de tuendo ampliandoque imperio plura ac maiora in dies destinabat: (...) Dacos, qui se in Pontum et Thraciam effuderant, coercere; mox Parthis inferre bellum per Armeniam minorem nec nisi ante expertos adgredi proelio".
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  161. Suetons Formulierung "in Pontum et Thraciam" ist wegen der Reihenfolge der Namen überraschend; das "bithynische" Thrakien (vgl. Xen.An. 6,4,1) ist sicher nicht gemeint. Die Konjektur "in Pontum per Thraciam" von J.A. Ernesti ist attraktiv, doch wird sie in den neueren Editionen nicht berücksichtigt.
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  162. S. oben Anm. 20.
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  163. Suet.DJ 24,3 & 54,2.
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  164. Vgl. Suet. Vesp. 8,4: "Cappadociae propter adsiduos barbarorum incursus legiones addidit consularemque rectorem imposuit pro eq.R."
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  165. Die Nachrichten über Pacorus' Hilfe für Caecilius Bassus (Anm. 101) wären bei rechtzeitigem Eintreffen (vgl. Anm. 106) sehr nützlich gewesen.
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  166. Die Caesar-Vita könnte nach Traians Kriegen geschrieben worden sein; vgl. dazu G.W. Bowersock, in: Hommages M. Renard I, Brüssel 1969, 119-125. Sueton kennt keine maßlosen Äußerungen Caesars über das angestrebte Kriegsziel (Anm. 156), zu denen er wohl Verlautbarungen Caesars im Sinne von Plutarch (Anm. 169) gerechnet hätte.
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  167. Der Feldzug ist ein bloßer Plan, wie der Entwurf eines riesigen Mars-Tempels oder des Theaters (Suet.DJ 44). Dies könnte eine Widerspiegelung schon der zeitgenössischen Tradition sein, die die Vorbereitungen für den Feldzug, aus welchen Gründen auch immer, nur ungenügend in den Bericht über die "innenpolitischen" Ereignisse der Spätzeit integriert hat. Auch für Cassius Dio beginnen die Rüstungen erst im Januar 44 (Anm. 72).
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  168. DJ 44,3 (Anm. 160) werden die Grenzverletzungen der Daker erwähnt.
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  169. Plut. Caes. 58,6-7 (vgl. die ähnlichen Formulierungen Pomp. 38,4-5 über Pompeius' Ziele).
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  170. Dies wird in der Regel bestritten; vgl. etwa O. Weippert, Alexander-Imitation und römische Politik in republikanischer Zeit, Diss. Phil. Würzburg 1970, 171ff.
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  171. Hyrkanien war wohl schon das Angriffsziel des Pompeius, als er sich Gedanken über einen Angriff auf die Parther machte (Anm. 193). Crassus wollte nach dem Sieg offenbar einen anderen Rückweg als den durch Syrien einschlagen (vgl. Plut. Crass. 19,5; Dio 40,19,1-2). Nach Luc. 2,553 wäre er "Scythicis ab oris" zurückgekehrt. Skythien und Hyrkanien nennt Abgaros als Fluchtziel der Parther im Falle einer Niederlage (Plut. Crass. 21,3).
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  172. Bei nüchterner Durchführung hätte der Plan eine Wiederaufnahme von Mithridates' Absicht sein können, Italien von Norden her zu erreichen (Strab. 7,4,3; Plut. Pomp. 41,2; Dio 37,11,1-2). Am Kaspischen Meer wäre nach Ansicht vieler Zeitgenossen bereits der Ozean erreicht gewesen, auf den Caesar als Grenze des römischen Weltreichs so großen Wert legte (Anm. 174), und die wirkliche Ausdehnung Nordeuropas war nicht sicher bekannt. Der Dakerfeldzug war dazu angetan, Spekulationen über Caesars Ziele im Norden zu beflügeln. Die von Plutarch überlieferte Marschrichtung Caesars nimmt spätere Befürchtungen vorweg: bei Phil. leg. ad Gaium 10 ist der Euphrat nicht nur ein Schutzwall gegen die Parther, sondern auch gegen die Sarmaten und Skythen. Neros Plan einer Expedition zu den Kaspischen Toren erinnert an Caesars mögliche Absichten. Vgl. auch Vespasians Festung in der Nähe des heutigen Tiflis (ILS 8795).
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  173. Der innere Zwist konnte in diesem Falle dargestellt werden als Vorspiel zum letzten aller Eroberungskriege, der dann den Frieden brächte für alle Zeit, s. auch R.G.M. Nisbet JRS 69, 1979,152 mit Hinweis auf Hor.carm. 3,5,2-4. Die Leistungen Alexanders dürften nicht unerwähnt geblieben sein, da Caesar Gebiete betreten würde, die Alexander nicht betreten hatte; vgl. Plut. Pomp. 34,7 über Pompeius' Bezwingung der Iberer, sicher aus Theophanes FGrHist 188.
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  174. Pan.Const.Caes. 11,2 über Caesar: "alium se orbem terrarum scripsit repperisse, tantae magnitudinis arbitratus ut non circumfusa oceano, sed complexa ipsum oceanum videretur"; zum Verständnis s. F. Gisinger, RE 17,2138f. s. v. Oikumene. Der Ozean als Grenze des Reiches wird auch Plut. Caes. 58 (Anm. 169) genannt. Bei der Würdigung seiner Leistungen im Osten war Pompeius keineswegs weniger ehrgeizig als Caesar, wenn die bei Diod. 40,4 erhaltene Triumphalinschrift ein Urteil erlaubt.
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  175. S. oben Anm. 20.
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  176. Nikolaos FGrHist 90 F 130 § 95: ???
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  177. Vgl. Plut.Pomp. 70,4; Crass. 16,2. Die Inder sollten auch Furcht vor Antonius' Rüstungen gehabt haben (Plut.Ant. 37,5). Augustus war stolz auf die Gesandtschaften aus Indien (RG 31,1). Dorthin wollte auch Traian (Dio 68,29,1; Eutrop. 8,3,2). Wie vertraut die Zeitgenossen Caesars der Gedanke an Indien und seine Schätze gewesen ist, zeigt W. Schmitthenner, JRS 69,1979,104 Anm. 128.
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  178. Varro Atacinus (RE Terentius Nr. 88) hat ein "Bellum Sequanicum" zu Ehren Caesars geschrieben. Ehrgeizige Skribenten wie P. Crassus' Freigelassenen Apollonius (zur Person s. A. W. Lintott, RhMus 119,1976,368), der im Jahre 45 von Cicero an Caesar empfohlen wurde (Fam. 13,16,1), wird es viele gegeben haben. Zum panegyrischen Vokabular vgl. Gallus' Verse (Anm. 23).
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  179. Vgl. dazu P.A. Brunt, JRS 53,1963,175 sowie M. Gwyn Morgan, in: Panhellenica. Essays in Ancient History and Historiography in honor of Tr.S. Brown, Lawrence 1980, 143-145. Wenn sich Caesar an Poseidonios' Erdmessung orientiert haben sollte, die frühere Messungen stark reduzierte (F 287 Theiler), mußte das imperialistische Pläne fördern. Caesars geplante Erdvermessung hätte vielleicht größere Klarheit gebracht (vgl. Cosmogr. p. 72 Riese; W. Kubitschek, RE 10, 625-627 s.v. Iulius Honorius).
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  180. Strab. 7,3,11; Suet.DJ 44,3 (Anm. 160). Zur gewaltigen Ausdehnung seines Reiches in dieser Zeit vgl. Chr. Hawkes, PBA 63, 1977,134ff. Die neueren Forschungen über Burebista verzeichnet C. Daicoviciu, ANRW II 6, 1977, 902-908.
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  181. Vgl. SIG (3) 762,32ff (Burebista ließ Pompeius nach dem Sieg von Dyrrhachium im Jahre 48 durch Akornion, einen Bürger der Stadt Dionysopolis, begrüßen). Nach Cic.Att. 9,10,3 scheint Pompeius von der Möglichkeit gesprochen zu haben, auch Geten auf seiner Seite in den Bürgerkrieg führen zu können.
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  182. Vgl. die spätere Bedeutung von Decebalus, Mithridates und Burebista: E. Condurachi, AAntHung. 26, 1978, 7-14.
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  183. Auch in den Briefen zwischen Vatinius und Cicero (Anm. 49) wird nicht deutlich ausgesprochen, daß Vatinius eine wirklich wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. Die Gefährlichkeit der Daker als eines Nordvolkes wird von der caesarischen Propaganda betont worden sein (vgl. App. BC 3,25,93). Die Völker des Ostens galten in der Regel als leichtere Gegner (vgl. Cato ap. Cic. Mur. 31; Caesar ap. App.BC 2,91,384). Unmittelbar nach der Meldung von Caesars Tod haben die Daker wieder die Provinz angegriffen (App.BC 3,25,93). In den dreißiger Jahren hat Octavian großen Wert auf die Bekämpfung der Daker gelegt (vgl. W. Schmitthenner, Hist. 7, 1958, 194-195).
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  184. Vgl. Ed. Schwartz, Hermes 33, 1898, 187. Nach den Iden des März wollte Antonius den Dakerkrieg übernehmen (App.BC 3,25,93).
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  185. Diesen Absichten diente vielleicht auch die Gründung von Kolonien wie Herakleia (Strab. 12,3,6) und Sinope; die Ära von Sinope beginnt im Jahre 45 v. Chr. (vgl. W. Kubitschek, NZ 41,1908,67f.) Die dort angesiedelten Veteranen konnten notfalls eingreifen.
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  186. Im Falle eines Mißerfolges hätte Caesar das Unternehmen propagandistisch wie die britannische Expedition ausbeuten können. Nach Suetons Worten (Anm. 160) wollte er aber viel mehr vollbringen - "coercere" heißt es nur von dem kurzen Feldzug gegen die Daker.
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  187. Suet. DJ 58,1: "in obeundis expeditionibus dubium cautior an audentior". Caesar weist in seinem Kriegsbericht über Gallien mehrfach auf die Sorgfalt seiner Planung hin; vgl. dazu A. Labisch, Frumentum Commeatusque. Die Nahrungsmittelversorgung der Heere Caesars, Meisenheim 1975, 182f. Für die aufwendige Vorbereitung späterer Partherkriege s. J.P. Adams, Logistics of the Roman Imperial Army. Mayjor Campaigns on the Eastern Front in the First Three Centureis, Diss. Yale Univ. 1976.
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  188. Er hätte es auf dem Schlachtfeld wohl mit Pacorus zu tun gehabt, dessen Wagemut aus der Unterstützung für Caecilius Bassus hervorgeht (Anm. 1010). Caesar mußte sich wegen der Unterlegenheit seiner Legionen gegenüber den parthischen Bogenschützen (vgl. W.W. How, JHS 43,1923,118f) und vor allem wegen der parthischen Reiterei (vgl. J.W. Eadie, JRS 57,1967,164f) Sorgen machen. S. auch Hor.carm. 2,13,17-18 über die römische Furcht vor der Taktik der Parther. Angeblich soll schon Cassius seinem Feldherrn Crassus geraten haben, sich vor jeder größeren Schlacht erst mit dem Feind vertraut zu machen (Plut.Crass. 20,4).
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  189. Selbst bei klaren militärischen Niederlagen konnten sich die Verluste der Parther an Menschen und Material in Grenzen halten (vgl. Plut.Ant. 39). Ventidius ist allerdings im Jahre 38 gelungen, was Caesar angestrebt hat - den Parthern eine Niederlage zuzufügen, die sie selbst als solche eingestanden.
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  190. Vgl. Suet. DJ 77. Zur Gesundheit Caesars in dieser Zeit s. Anm. 100.
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  191. Armenia Minor ist das Gebiet westlich und nordwestlich vom nördlichen Quellarm des Euphrat, mit der von Pompeius gegründeten Hauptstadt Nikopolis (RE Nr. 8). Das Gebiet war im Jahre 47 zwischen Deiotarus und Ariobarzanes von Kappadokien aufgeteilt worden (vgl. H.W. Ritter, Hist. 19, 1970, 124-127 zu Dio 41,63,3). Es wäre interessant zu wissen, ob die Aufteilung auch nach Gesichtspunkten erfolgt ist, die mit der Planung des Parther-Feldzuges zusammenhingen (s. auch Anm. 45).
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  192. Auch Crassus war diese Route vom Armenier Artabazos empfohlen worden (Plut. Crass. 19,2).
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  193. Vgl. Plut. Pomp. 36,1 sowie 38,5 (über einen möglichen Vorstoß vom Kaukasos und dem Gebiet der Albaner nach Hyrkanien). Vgl. J. Kromayer, Hermes 31, 1896, 81.
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  194. Vgl. J. Kromayer (wie Anm. 193), 87ff.
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  195. Trotz Suet.DJ 44,3 (Anm. 160) schreibt Mommsen in der Römischen Geschichte V, 358: "... hatte Caesar beschlossen, im nächsten Frühling persönlich nach Syrien und über den Euphrat zu gehen". Daß dies genau so gemeint ist, beweist Mommsens kritische Beurteilung von Antonius' Route durch Armenien (ebd. 364f.). Traians späterer Vormarsch auf Ktesiphon ist erst durch eine veränderte strategische Konstellation möglich und gewiß keine Kopie von Caesars Feldzugsplan. Suetons Erwähnung von Armenia Minor ist deshalb so wichtig, weil sie die Möglichkeit ausschließt, daß Caesar etwa vom Hellespont zu Schiff oder über die Küste Kleinasiens nach Syrien wollte - vgl. dagegen Traian (Dio 68,17,2-3) und Caracalla (Herod. 4,8,6). Plutarch gibt Caesars Feldzug eine betont nördliche Richtung (Anm. 169).
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  196. Die Truppen Armeniens kämpften nicht viel anders als die Parther und waren deshalb die ideale Hilfstruppe (vgl. die Nachweise von Mommsen, Römische Geschichte, V 357, Anm. 1). Die römisch-armenischen Beziehungen gerade in der Zeit Caesars sind kaum zu beurteilen, doch ist er offensichtlich von der Kooperationswilligkeit des Armenierkönigs Artavasdes ausgegangen. Nach Carrhae hatte er sich allerdings mit Orodes verbündet, und im August 51 bedrohten Parther und Armenier Kappadokien (Cic.Fam. 15,3,1). Im September 51 schreibt Cicero dann, daß sich der Armenierkönig nicht eindeutig verhalte (Fam. 15,2,2). Pompeius scheint von der Möglichkeit gesprochen zu haben, armenische Hilfstruppen im Bürgerkrieg einzusetzen (vgl. Cic.Att. 9,10.3). Im Jahre 46 ließ Caesar einen Senatsbeschluß zugunsten Armeniens ausfertigen (Cic.Fam. 9,15,4; zit. Anm. 45). Zum Interesse der Armenier an einer parthischen Niederlage und der Annexion von Media Atropatene vgl. Mommsen, Römische Geschichte V, 364.
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  197. Die großen Städte Mesopotamiens betrachteten sich als griechisch und wären vielleicht erfreut gewesen, den Sieger Caesar zu empfangen. Schon Pompeius hat sich als Beschützer von Mesopotamien, Sophene und Gordyene feiern lassen (vgl. Diod. 40,4), und Crassus wurde von einigen Städten offen unterstützt (Plut. Crass. 17,4; Dio 40,13,1). Möglicherweise hätte Caesar nach einer parthischen Niederlage versucht, dynastische Streitigkeiten auszunutzen - vgl. die ähnlichen Bestrebungen von Bibulus (Dio 40,30,2) und später von Antonius (vgl. Plut. Ant. 37 u. 46 über Monaeses).
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  198. Vgl. Plut.Ant. 39.
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  199. Ägypten: Suet.DJ 35,1 - es ist nicht ganz auszuschließen, daß Sueton hier durch die Erfahrungen der Principatszeit beeinflußt ist. Crassus' parthische Kriegsziele über den militärischen Sieg hinaus sind nirgends deutlich ausgesprochen. Vielleicht wäre Caesar zur Errichtung einer direkten römischen Herrschaft übergegangen, wenn er Zeit für eine gründliche Organisation des Reiches gehabt hätte; vgl. D. Timpe, Hist. 14, 1965, 212 über Gallien.
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  200. Cic.Attt. 15,4,3: "ille enim numquam revertisset, nos timor confirmare eius acta non coegisset ..."; der Nachsatz verbietet es, Ciceros Worte auf eine mögliche »Auswanderung« ( vgl. Anm. 107) zu beziehen. Er spricht hier von Caesars Tod, denn ein im Osten residierender Herrscher hätte seine "acta" wohl durchsetzen können. Warum Cicero der hier geäußerten Ansicht war, wird nicht deutlich. Es ist unwahrscheinlich, daß er ihn in die sichere Niederlage marschieren sah. Das Gesundheitsmotiv liegt eigentlich näher, obwohl Cicero sonst nicht darüber gesprochen hat (Anm. 100).
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  201. Vgl. Horaz' Verse über Augustus (carm. 3,5,2-4): "praesens divus habebitur / Augustus adiectis Britannis / imperio gravibusque Persis."
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  202. Es sollte nicht bezweifelt werden, daß er um einen sichtbaren Anteil am Parther-Sieg bemüht gewesen wäre (vgl. Anm. 95). Sein Horoskop war günstig (Anm. 97).
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  203. Vgl. das allerdings untergeordnete Beispiel der Aufsicht über die Getreideversorgung (Anm. 59).
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  204. »Die dämonische Sicherheit, mit der Caesar seine Entschlüsse faßte« (Mommsen, Reden und Aufsätze, Berlin 1905, 322) ist hier wenigstens nicht spürbar.
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  205. S. oben Anm. 54 u. 55 zur Haltung von Oppius, Balbus und Matius.
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Prof. Dr. Jürgen Malitz, 4. Februar 1998