Philosophie und Politik im frühen Prinzipat

Erschienen in: Antikes Denken - Moderne Schule. Beiträge zu den antiken Grundlagen unseres Denkens. Hrsg. von H.W. Schmidt und P. Wülfing. (Gymnasium. Beihefte. 9.). Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag. S. 151 - 179.

Prof. Dr. Jürgen Malitz
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
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I

In der Biographie seines Schwiegervaters spricht Tacitus auch von der intensiven Beschäftigung Agricolas mit der Philosophie[1]:

"Ich halte im Gedächtnis fest, daß er zu erzählen pflegte, er hätte in seiner ersten Jugend das Studium der Philosophie leidenschaftlicher, als es einem Römer und Senator verstattet ist, in sich eingesogen, wenn nicht die Klugheit der Mutter den entflammten und glühenden Sinn gezähmt hätte. Natürlich suchte ein aufs Erhabene gerichteter und stolzer Geist die Schönheit und das Bild großen und hohen Ruhmes mehr stürmisch als vorsichtig zu erlangen. Bald wirkten Vernunft und Alter mildernd, und er behielt, was am schwierigsten ist, aus der Philosophie den Sinn für Proportionen zurück[2]".

Agricolas Reminiszenz macht die Faszination deutlich, die in den fünfziger Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. von der Philosophie, und besonders von der stoischen Philosophie, ausgehen konnte[3] - das Problem war die Verbindung von Theorie und Praxis, mit nachteiligen Konsequenzen für die Karriere[4]. Der Rat von Agricolas Mutter ist nur insofern originell, als er eben von der Mutter stammt. Traditionell kam ein solcher Hinweis aus dem Munde des Vaters, wie etwa bei Seneca[5]. Allerdings war Agricolas Vater, der auch als Schriftsteller bekannt gewesen ist, zur Zeit des Studiums in Massilia schon tot. Julius Graecinus hatte für seine oppositionelle oder wenigstens selbständige Haltung unter Caligula mit dem Leben bezahlen müssen[6].

Was Agricolas Mutter, vielleicht in Erinnerung an den Tod ihres Mannes, mit solcher Sorge erfüllte, die Vorbereitung auf die politische Praxis auch durch das Studium der Philosophie, ist allerdings nicht sehr lange von Nachteil gewesen. Die relativ kurze Phase der römischen Geschichte, die von Nero bis zu den Flaviern reicht, als das Bekenntnis zur Stoa von den Mächtigen als Bedrohung ihrer Sicherheit betrachtet wurde, soll im folgenden eingeordnet werden in die Geschichte des 1. Jahrhunderts n. Chr., mit einem Blick zurück in die Späte Republik, und mit einem Ausblick in die Zeit, als Mark Aurel Princeps wurde, dessen philosophische Reflexionen für uns heute wichtiger sind als seine Feldzüge.

II

Im letzten Jahrhundert der Republik wurden philosophische Kenntnisse ein Teil jeder anspruchsvollen Erziehung. Interessierte Römer mußten aber nicht unbedingt eine Bildungsreise unternehmen, um von Philosophen Unterweisung zu erhalten[7]; alle Schulen waren im Rom des 1. Jahrhunderts v. Chr. durch griechische Vertreter repräsentiert[8].

Die Verbreitung der Stoa in der römischen Oberschicht wurde dadurch erleichtert, daß ihre Lehren - spätestens in der durch Panaitios vermittelten Formen den römischen Konventionen sehr entgegenkamen[9]. Die Stoa erwartete in der Regel auch von ernsthaft Philosophierenden eine Beteiligung an den Geschicken des Gemeinwesen[10], sie billigte die staatlichen Einrichtungen der Republik und gab ihnen sogar das Gütesiegel einer gut gemischten Verfassung[11], sie erkannte die Beibehaltung der Staatsreligion an und ließ sich sogar auf die Mantik ein[12].

Vieles der herkömmlichen epikureischen Lehre widersprach den Vorstellungen der römischen Oberschicht so, wie die Stoa ihren Grundsätzen entgegenkam[13]. Die Götter waren fern[14], und die Frage nach der Teilnahme am öffentlichen Leben eher unwichtig; bedeutungsvoll war nur das Streben nach innerer Unabhängigkeit[15]. Die philosophischen Positionen der Epikureer waren also schwer in Einklang zu bringen mit dem überlieferten Lebensstil eines römischen Senators. Die professionellen Vertreter der Schule gaben sich dennoch alle Mühe, in Rom Fuß zu fassen; Cicero z.B. hat in den achtziger Jahren bei Philodem Vorlesungen gehört[16]. Der Panaitios der Epikureer wurde Philodem von Gadara; er hat die epikureischen Lehren den Erfordernissen des römischen Lebens offenbar besser angepaßt. Es ist kein Zufall, daß sich ausgerechnet von ihm Fragmente einer Schrift mit dem Titel "Über den Guten König nach Homer" erhalten haben. Hier gab ein epikureischer Philosoph römischen Senatoren Hinweise für ihr Verhalten im politischen Leben[17]. In der Zeit Ciceros gibt es einige durchaus aktive Senatoren, die in der Philosophie Epikurs angeschlossen hatten[18].

Der Epikureismus war damals aber nicht nur in Rom, sondern auch in Italien vertreten[19]. Cicero kennt die epikureischen Freundeskreise in Kampanien; er kennt Philodem, und auch Siro, den Lehrer des Vergil[20]. Auf dem Höhepunkt der Wirksamkeit epikureischer Lehren erfolgt die Veröffentlichung von Lukrez' Lehrgedicht, das, nimmt man es wörtlich, eigentlich die Fundamente des römischen Gemeinwesens hätte erschüttern können[21].

Wichtig waren die stoischen oder epikureischen Lehren damals vor allem für die persönliche Lebensbewältigung der vornehmen Herren, gerade in dieser Zeit, als die Bindung an die alte römische Religion schwächer geworden war und östliche Kulte eher den unteren Schichten Orientierung gaben[22]. Diese Funktion der Philosophie wird erkennbar etwa in der Bedeutung der Konsolationsliteratur. Für Cicero bieten die Argumente der Philosophie vor allem Hilfe in seinem Schmerz über den frühen Tod der Tochter Tullia[23], und nur gelegentlich bei seinem Ringen um die richtige politische Haltung in der Zeit des Bürgerkrieges[24]. Die Berufung auf die Lehren griechischer Philosophen im politischen Alltag galt stets als suspekt. Wer sein öffentliches Auftreten an den praecepta der Griechen orientierte, tat gut daran, nicht offen darauf hinzuweisen, oder er lief Gefahr Anstoß zu erregen[25]. Cicero hat sich an diese Regeln gehalten, und er hat die Vorurteile gegenüber Cato gern ausgespielt, wenn er sich davon etwas versprach[26]. Die Ausnahmeerscheinung des jüngeren Cato bestätigt nur die römische Regel. Seine unverhohlene Lektüre stoischer Spezialliteratur war in dieser demonstrativen Form nur ihm als Angehörigem einer der "Großen Familien" erlaubt[27]. Dem üblichen Voruteil entsprach Catos begeisterter Anhänger Favonius, noch in späterer Zeit das gern zitierte Beispiel für einen lästigen Philosophaster[28]. Das begeisterte Bekenntnis zu einer ganz bestimmten Lehre war ohnehin wohl die Ausnahme. Als Cicero sich zur Zeit seiner philosophischen Schriftstellerei ausdrücklich zur skeptischen Akademie bekannte, dürfte das für viele seiner Freunde eine Überraschung gewesen sein[29].

Wenn für die spätere Republik bis auf die Zeit von Caesars Alleinherrschaft kaum Zeugnisse für eine bewußt philosophisch begründete politische Haltung zu finden sind, so erklärt sich natürlich auch daraus, daß die damals wichtigsten Schulen, Epikureer und Stoiker, politisch nicht so festgelegt waren, daß sie speziell für das System der Republik, der libera res publica, bestimmte Vehaltensmaßregeln liefern konnten. Dennoch dürften griechische Philosophen bzw. Hauslehrer hin und wieder Gelegenheit gehabt haben, einem römischen Senator philosphisch begründeten Rat zu geben. Es gehörte zum guten Ton, einen Philosophen als Hausgenossen zu haben. Scipio legte Wert darauf, daß der römischen Öffentlichkeit sein Verhältnis zu Panaitios bekannt war[30]. Blossius von Cumae war Gastfreund des Tiberius Gracchus, Cato hatte seinen Athenodoros, Caesars Schwiegervater Piso beherbergte den Epikureer Philodem, und bei Cicero wohnte der Stoiker Diodotos[31]. Dem Ehrgeiz der einzelnen Herren entsprach gelegentlich der Rang des philosophischen Hausfreundes - Pompeius meinte es sich schuldig zu sein, Poseidonios zu seinen Freunden zählen zu lassen[32]. Bemerkenswert ist ein bei Plutarch überliefertes Gespräch zwischen Pompeius und Kratippos nach der Niederlage von Pharsalos; Pompeius scheint auf solche "therapeutischen" Gespräche recht großen Wert gelegt zu haben[33].

Eine wirkliche Beeinflussung politischer Entscheidungen durch philosophische Bildung im allgemeinen und solche Gespräche im besonderen ist allenfalls für die Politik gegenüber den Untertanen wahrscheinlich. Es gab Senatoren,deren korrektes Auftreten in den Provinzen ohne Zweifel beeinflußt gewesen ist durch ihr Bekenntnis zur stoischen Philosophie - ein Bekenntnis, das sich allerdings gut vereinbaren ließ mit der strikten Beachtung der durch den mos maiorum überlieferten Regeln für das Verhalten gegenüber Untertanen[34]. Sehr nützlich waren die Lehren der Stoa natürlich auch dann, wenn sie die Beherrschung des Schwächeren durch den Stärkeren gedanklich begründen halfen. In diesem Sinne war die stoische Philosphie zur Zeit der Republik alles andere als eine Bedrohung der bestehenden Machtverhältnisse[35]. Es versteht sich von selbst, daß niemand soweit gehen wollte, die stoische Lehre von der prinzipiellen Gleichheit aller Menschen so wörtlich zu nehmen, daß die rigorosen Standesunterschiede oder gar die Institution der Sklaverei in Gefahr gerieten[36].

Niemals ist das philosophische Engagement Einzelner oder einer Gruppe in dieser Zeit für den Senat zum innenpolitischen Problem geworden und niemand wäre auf den Gedanken gekommen, wie später bei den Stoikern der Prinzipatszeit in der Verbreitung stoischen Gedankenguts eine Gefahr zu sehen. Auch die Rückzugsgedanken der Epikureer waren ungefährlich. Im letzten Jahrhundert der Republik bedurfte es keiner philosophischen Begründung der Teilnahme am Gemeinwesen - mehr als genug Bewerber stritten um die Ehrenämter, so daß gelegentlich gesetzlich gegen Wahlbetrügereien eingeschritten werden mußte[37]; im Zeitalter des Prinzipats sollte sich das ändern[38].

Zum politischen Problem wird philosophisches Engagement von Senatoren erst in der letzten Phase der Republik, in der Zeit des Bürgerkriegs und der Alleinherrschaft Caesars. Catos stoische Energie gewinnt ihre Kraft erst aus dem Gegensatz zu Caesar, der die alte Verfassung, wie jedenfalls Cato meinte, zu zerstören drohte. Ausdrücklich philosophische Argumente im politischen Kampf hat aber auch Cato nicht gebraucht; keiner seiner Gegner hat ihm damals den gewiß populären Vorwurf machen können, daß er die Republik der Optimaten auch mit Lehrsätzen aus der stoischen Fachliteratur verteidigte[39]. Stoisch bei Cato war vor allem die Gewinnung von Standfestigkeit bei der Verteidigung seiner einmal für richtig erkannten eigenen politischen Position[40]. Hier mußte, stoisch ganz korrekt, nicht einmal gewährleistet sein, daß diese Position auch für andere zu übernehmen war[41].

Caesar selbst hatte ein distanziertes Verhältnis zur Philosophie. Im Unterschied zu vielen seiner Standesgenossen scheint er niemals einen Hausphilosophen gehabt zu haben[42]. Furcht vor Philosophen hatte er natürich auch nicht; von ihm wird die Absicht überliefert, im Rahmen seiner Bildungspolitik liberalium artium doctores, also auch Philosophen, durch Vergünstigungen nach Rom zu holen[43]. Bemerkenswert ist sein Angebot, C. Sextius, später der einzige mehr oder weniger originelle römische Philosoph, in den Senat aufzunehmen[44]. Sextius hat damals abgelehnt, wohl mehr aus Gründen seiner philosophischen Berufung denn aus Opposition[45]. Im Lager der Freunde Caesars gab es viele philosophisch engagierte Männer[46]. Die Philosophie als solche konnte keine klare Anweisung geben; wer Caesar nicht für einen Tyrannnen hielt, konnte als Epikureer und als Stoiker seinen Frieden mit ihm machen. Gerade auch Brutus, der so viel Wert legte auf seine philosophischen Publikationen, war die längste Zeit in der Lage, die Alleinherrschaft zu ertragen und Vorteile daraus zu ziehen[47]; nur Caesars Hinweis auf Brutus' Willensstärke ist eine überraschende Vorwegnahme der philosophisch begründeten constantia oppositioneller Senatoren der Prinzipatszeit[48].

Wenn auch viele ihren philosophischen Glauben mit dem Dienst unter Caesar vereinbaren konnten, so ist andererseits nicht zu übersehen, daß die Philosophie auch beim Kampf gegen Caesar eine gewisse Rolle gespielt hat. Ciceros philosophische Schriften in lateinischer Sprache - durch die Verbreitung philosophischer Bildung in Italien eine ganz neue Dimension erreicht[49] - sind keinesfalls in einem Caesar freundlich gesonnenen Ton verfaßt; sie machen immer wieder deutlich, wenn auch eher nebenbei, daß tyrannische Alleinherrschaft rechtlich nicht zu begründen war. Wer wollte, konnte sich von Cicero in diesem Sinne über Caesars ungesetzliche Stellung im Staate belehren lassen[50]. Vor den Iden des März gab es natürlich Diskussionen über die Rechtfertigung eines Tyrannenmordes - ausgerechnet Favonius hielt damals eine Tyrannenherrschaft für weniger schlimm als einen neuen Bürgerkrieg[51]. Und der Führer der Verschwörung gegen Caesar wurde nicht der stoisch-akademische Brutus, sondern ein bekehrter Epikureer: Cassius, der erst im Jahre 45 zu seinem neuen Glauben konvertiert war[52]; er könnte die Ansicht vertreten haben, daß seine epikureische Seelenruhe besser durch freiheitliche Zustände als durch die Herrschaft Caesars gewährleistet werde[53].

III

Scipio Aemilianus und Pompeius haben mit griechischen Philosophen Gespräche geführt und sich vielleicht sogar davon beeinflussen lassen. Caesars persönliche Distanz zu philosphischen Hausgenossen nimmt dann die geringere Bedeutung der Hofphilosophen im Prinzipat vorweg. Diese Entwicklung ist keineswegs selbstverständlich, wenn man berücksichtigt, daß sich Philosophen der hellenistischen Zeit ihren Herrschern als Ratgeber zur Verfügung gestellt haben[54].

Natürlich hat es auch bei Augustus und seinen Nachfolgern Hausphilosophen gegeben, doch besaßen sie eben nicht die Bedeutung eines Panaitios oder Poseidonios. Eine Mittelstellung nimmt noch Augustus selbst ein, der der stoischen Philosophie nicht ganz fern gestanden zu haben scheint, wenn er sich auch nicht ausdrücklich zu ihr bekannt hat[55]. Sueton erwähnt sein verlorenes Frühwerk Hortationes ad Philosophiam[56], eine protreptische Schrift, die sicher nicht ohne den guten Rat seines philosophischen Lehrers und Vertrauten Areios entstanden ist: dieser Mann wurde von Augustus im Jahre 30. v.Chr. auch sehr geschickt zur Gewinnung von Alexandria eingesetzt[57]. Nach dem Sieg sah Augustus in seinen Philosophen wohl mehr Werkzeuge für seine Ostpolitik, als daß er Wert gelegt hätte auf ihre politischen Ratschläge. Der alte Ratgeber Athenodoros mußte für ihn in Tarsos nach dem Rechten sehen[58]. Es entspricht der neuen Zeit, daß Livia philosophischer Hilfe offenbar mehr bedurfte als der Herrscher selbst; Areios hatte Livia nach allen Regeln der konsolatorischen Kunst über den Tod ihres Sohnes Drusus zu trösten[59].

Areios und Athenodoros erinnern immerhin an die berühmten Hausphilosophen der republikanischen Zeit; Augustus' Nachfolger legen noch weniger Wert auf solche Begleiter. Tiberius hat zwar dem Stoiker Nestor zugehört, doch zog er am Ende die Gesellschaft von Astrologen vor[60]. Und Seneca wurde von Agrippa nicht in seiner Eigenschaft als philosophischer Schriftsteller, sondern als Rhetor von praetorischen Rang als Erzieher für Nero ausgesucht[61].

Was die Philosophen damals an Nähe zu den führenden Männern eingebüßt haben, gewannen sie an allgemeiner Popularität in der römischen Gesellschaft. Es gibt viele Zeugnisse, die die Faszination philosophischer Lehre und philosophischer Lebensführung gerade für die Jugend der Oberschicht belegten. Die Hinwendung zur Philosophie muß gelegentlich den Charakter einer mehr oder weniger religiösen Bekehrung gehabt haben - Agricolas Begeisterung in Massilia dürfte typisch gewesen sein[62]. Nach solchen Erfahrungen schmückt man später seine Villa mit den Portraits der gerade verehrten philosophischen Meister oder einem schönen Philosophenmosaik[63]; wer es sich leisten konnte, erwarb eine Bibliothek mit philosophischer Fachliteratur[64]. Die wichtigsten Schulen sind auch im 1. Jahrhundert n.Chr. die Epikureer und die Stoiker. Die Kyniker spielen - wenigstens innerhalb der Führungsschicht - eine ganz untergeordnete Rolle[65]. Epikur hat im 1. Jahrhundert nicht weniger Anhänger als in der ausgehenden Republik; wenn Bekenntnisse zur Lehre des Meisters von der Intensität eines Lukrez für diese Zeit nicht überliefert sind, so wird dies auch damit zu erkären sein, daß diese Philsophie nicht gerade der offiziellen Staatsauffassung entsprach[66]. Natürlich gab es nicht nur Epikureer, die dem Klischee vom trägen Egoismus entsprachen. Wie in der Republik sind auch Epikureer bekannt, die ihr philosphisches Bekenntnis mit tatkräftiger Teilnahme am Gemeinwesen vereinbaren konnten. Der bei Josephus erwähnte epikureische Senator von Einfluß aus der Zeit des Caligula ist vielleicht identisch mit dem von Tacitus als Dichter und Intellektuellen gewürdigten Pomponius Secundus[67]. Epikureer war auch der Historiker Aufidus Bassus[68]. Tacitus selbst sollte übrigens in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden; es gibt Indizien für die Annahme, daß er der Schule Epikurs näher als jeder anderen gestanden hat[69].

Für einen Stoiker war es sehr leicht, sich mit dem Prinzipat in seiner augusteischen Form abzufinden. Wenn auch Panaitios die Verfassung der Republik für besonders vorzüglich gehalten haben mag, so war nach stoischer Lehrmeinung die Herrschaft eines vortrefflichen Monarchen, als welcher Augustus wenigstens nach dem Tode seiner Gegner zu gelten hatte, nicht abzulehnen[70]. Es gab keinen stoischen Lehrsatz, der sich ausdrücklich gegen die neuen Staatsform hätte anführen lassen. Abgesehen von der gemischten Verfassungsform der römischen Republik zu Panaitios' Zeit galt das Königtum von den ungemischten Staatsformen auf jeden Fall als die beste[71]. Die prinzipielle Billigung der Monarchie durch die Stoa wird dokumentiert durch die Beratertätigkeit von Stoikern an hellenistischen Fürstenhöfen und durch Schriften "peri basileias"[72].

Viel wichtiger als die einzelne Staatsform war für einen Stoiker die Frage, ob der jeweilige Machthaber seine Aufgabe einigermaßen zufriedenstellend versah. Augustus, wie er sich in den Res gestae stilisiert hat, war philosophisch ganz bestimmt erträglich. Die philosphische Billigung des novus status war allerdings nicht gleichbedeutend mit einem aktiven Interesse an der Politik. Zwar galt die Stoa, im Kontrast zur Schule Epikurs, als Vertreterin einer philosophisch begründeten Teilnahme am öffentlichen Leben, doch war diese Lehre trotz des verbreiteten Vorurteils nicht notwendig mit politischem Aktivismus verbunden[73]. Ein gutes Beispiel ist die Bildungsgeschichte des Dichters Persius. Er war ein wohlhabender junger Mann ritterlicher Herkunft und stand durch seine Verwandten und Bekannten den Kreisen der stoischen Opposition zur Zeit Neros nahe[74]. Seit seinem 16. Lebensjahr studierte er stoische Philosophie, besonders beeinflußt durch den Lehrer Annaeus Cornutus[75]. Als er mit 27 Jahren starb, hinterließ Persius eine wohlgefüllte Bibliothek stoischer Spezialliteratur[76]. Persius hätte aufgrund seiner Beziehungen jede Möglichkeit zum Einstieg in die senatorische Laufbahn gehabt[77]. Er hat sich aber nicht dafür, sondern für seine Dichtung entschieden. Es gibt keinen Grund für die Annahme, daß es sich dabei um einen Verzicht in demonstrativer Absicht gehandelt hat, zumal seine stoischen Freunde, darunter Thrasea Paetus, geradezu Wert legten auf politische Betätigung. Persius' stoischer Standpunkt war genauso begründbar wie die Position des politischen Aktivismus: er wollte sich philosophisch vervollkommnen[78].

Es ist bezeichnend für die vorwiegend an Haupt- und Staatsaktionen interessierte Überlieferung, daß Stoiker wie Perius viel seltener Konturen bekommen als die stoisch orientierten Politiker. Agricolas Studium der stoischen Philosophie mit der Absicht, sich später dem Staatsdienst zuzuwenden, hat sich vermutlich viel seltener zugetragen als eine Bekehrung im Stil des Persius, mit folgender Konzentration auf die Studien. Anders ist das zeitgenössische Vorurteil nicht verständlich, daß man von Stoikern ebenso wie von Epikureern vermutete, ihren Hang zur Bequemlichkeit mit philosophischen Phrasen verbrämen zu wollen[79].

Die Hinwendung zur Philosophie im 1. Jahrhundert n.Chr. ist nicht nur ein Phänomen der Kulturgeschichte, sondern hat auch eine politische Seite. Die Intensität, mit der sich der Nachwuchs der alten Führungsschicht gelegentlich der Philosophie ergeben hat, kann nur richtig eingeschätzt werden, wenn die stetig wachsende Übermacht des Princeps und seines Hofes berücksichtigt wird. Die alte politische Elite wurde ihrer Machtfülle mehr und mehr beraubt, wenn Augustus auch auf ihre Prestigebedürfnisse Rücksicht nahm. Für senatorische Selbständigkeit, libertas, im Sinne der alten Republik war die Uhr abgelaufen[80]. Wie es um die Allmacht in der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts bestellt ist, illustrieren die Aufzeichnungen Epiktets, der solcher Standesprobleme selbst enthoben war[81]. Augustus und seine Nachfolger bauten ihre Machtposition stetig aus, doch waren sie andererseits auch dringend auf die Mitarbeit der Ritter und Senatoren angewiesen; die philosophisch begründete Abwendung vom öffentlichen Leben zugunsten des eigenen Wohlergehens, noch erleichtert durch den Hinweis auf die vom Princeps verbürgte Ruhe und Ordnung, hätte die Verwaltung des Reiches und den Senat auf lange Sicht durchaus vor Nachwuchsprobleme stellen können. Nicht für die Republik, sondern erst in augusteischer Zeit ist die Regelung nachweisbar, daß die Nachkommen der herrschenden Schicht zur Ämterbewegung geradezu gezwungen werden mußten[82]. Im Zeitalter Ciceros brauchte man keine Strafbestimmung für Männer, die sich vor dem cursus honorum drücken wollten, sondern Maßnahmen gegen ambitus Wahlbestechung[83]. Dies ist eine Entwicklung, die in erster Linie mit dem Wechsel von der libera res publica zur Alleinherrschaft und der dadurch bedingten Demotivierung der Führungsschicht zu erklären ist, doch ist diese Tendenz durch den Hang zur philosophischen Lebensweise gestärkt und nicht geschwächt worden. In diesem Sinne ist es verständlich, wenn die Epikureer von Epiktet als verderblich für den Staat bezeichnet werden[84].

IV

Seneca nennt in seinen Briefen an Lucilius unter den durchaus nicht begründeten Vorwürfen, die man gegen die - stoische - Philosophie erhebe, auch den, daß sie ihre Anhänger zu Gegnern der Obrigkeit mache.[85]. Er hat vollkommen recht - kein einziger Lehrsatz mußte einen Stoiker zum Oppositionellen machen. Das beste Beispiel für einen kooperativen Stoiker ist ja Seneca selbst. Sein Lavieren zwischen Nero und dem Senat hat dazu geführt, daß er niemals zu den philosophischen Heroen gezählt worden ist - es ist kein Zufall, daß Mark Aurel seinen Namen nicht nennt[86].

Nicht nur viele pflichtbewußte Mitarbeiter des Hofes werden sich - wie Seneca - als Stoiker betrachtet haben; auch manche Angehörige der Dynastie dürften Stoiker gewesen sein. Augustus' philosophische Schriftstellerei ist schon erwähnt worden[87]. Germanicus, der Vater des Claudius, hat das Lehrgedicht des Stoikers Aratos übersetzt und stand dieser Philosophie sicher nicht ferne[88]. Claudius kennt die Feinheiten stoischer Unterscheidungen von ira und iracundia[89]. Nero bekam von ihm den Stoiker Chairemon zum Erzieher[90]. Wer wollte, konnte also die stoische Philosophie zur "offiziellen" Staatsphilosophie erklären, ohne unglaubwürdig zu sein.

Die Opposition gegen Augustus und Tiberius hat zunächst kein philosophisches Gepräge gehabt, sondern berief sich auf die Tradition der Republik und des Senats, auf die Rede- und Gedanken-Freiheit. Philosophische Färbung bekommt der senatorische Widerstand frühestens in der Zeit Caligulas[91]. Seneca erwähnt einen gewissen Julius Canus, der von Caligula zum Tode verurteilt worden ist und vor seiner Hinrichtung ein Gespräch über die Unsterblichkeit führt[92]. Für den Prinzipat des Claudius ist nichts in dieser Hinsicht überliefert; es fällt allerdings auf, daß diejenigen, die später zur philosophischen Opposition gegen Nero zählen, einer Gruppe angehören, die bereits mit Claudius Schwierigkeiten hatte[93]. Der erste Princeps, der sich nachweislich von der stoischen Philosophie bedroht fühlt, und bedroht fühlen muß, ist Nero - wegen des politischen Einflusses derer, die ihre Kritik am Princeps in stoischem Geist formulieren.

Immer wieder wird es Herren gegeben haben, die ihre Kritik an den Zeitläuften mit philosophischer Miene vorgetragen haben; solange sie aber fern von der wirklichen Macht waren, wirkte dies auf das römische Publikum - und den Princeps - nur lächerlich. Tacitus' Bericht über eine Intervention des Musonius Rufus im Bürgerkrieg des Jahres 69 läßt das gut erkennen[94]:

"Angeschlossen hatte sich den Gesandten Musonius Rufus, ein Mann aus dem Ritterstand[95], der die Beschäftigung mit der Philosophie und die stoischen Lehrsätze zu seinem Lebensinhalt gemacht hatte[96]. Der drängte sich unter die Manipel und begann, den Bewaffneten gute Lehren zu erteilen, indem er die Vorteile des Friedens und die Gefahren des Krieges darlegte[97]. Daraüber spotteten viele, die Mehrzahl aber empfand es als lästig; es gab sogar einige, die ihn mit Fäusten traten; doch auf den Rat der Besonnenen und nach Drohungen anderer ließ er von seiner unzeitigen Weisheitslehre ab[98]".

Hier tritt Musonius in eigener Person auf und wird nur als skurril empfunden - vielleicht nicht von den heutigen Lesern der Historien, aber doch von seinen zeitgenössischen Publikum.

In einem Bericht zum Jahre 62 begegnet Musonius bei Tacitus in einer anderen Rolle, als Begleiter des Rubellius Plautus. Im Zusammenhang mit der Verbannung und Ermordung dieses Mannes weist Tacitus in den Annalen zum ersten Mal darauf hin, daß die Stoiker von Nero und seinen Beratern als Bedrohung empfunden wurden.

Rubellius Plautus war freilich nicht irgendein Senator, sondern aufgrund seiner Rivalen Neros, sollte es jemals zu dem Versuch kommen, ihn abzulösen[99]. Sein blaues Blut machte ihn nicht für den Senat akzeptabel, sondern, wichtiger noch, auch für die Armee. Die - wenn auch entfernte Zugehörigkeit zur Dynastie machte ihn gefährlich, und zusätzlich tat es durch seinen ostentativ bescheidenen Lebenswandel kund, was er vom gegenwärtigen Stil des Princeps hielt[100]. Im Jahre 60 hatte er Nero den Gefallen tun müssen, sich auf seine Güter in Kleinasien zurückzuziehen[101]. Bei Tacitus ist es dann Neros böser Geist Tigellinus, der den Princeps im Jahre 62 auf den philosophischen - stoischen - Charakter von Rubellius' Lebensstil hinweist und ihn damit vernichten will[102]. Tigellinus hat vollkommen recht, wenn er Rubellius Plautus zu einem Stoiker macht; er hat selbst im Exil philosophische Begleiter im Stil der Republik bei sich, den Griechen Coeranus - und den gerade erwähnten Musonius Rufus[103]. Solche Lehrer haben zwar nicht zum Aufruhr angestiftet, doch haben sie Rubellius bestärkt in der halb stoischen, halb traditionellen Wiederbelebung alter römischer Sitte. Ein Dichter wie Persius stellt als Stoiker keine Bedrohung dar; gefährlich war dagegen Rubellius Plautus, und umso mehr, wenn das von Tacitus nicht verschwiegene Gerücht zutreffend gewesen sein sollte, daß er kurz vor seiner Hinrichtung mit Neros unzufriedenem Heerführer Domitius Corbulo Verbindung aufgenommen hat[104]. Stoische Philosophie und Politik gehen - aus der Sicht des Princeps - in dem Moment eine brisante Verbindung ein, wenn sich potentielle Rivalen von den praecepta der Philosophie leiten lassen und andere erlauben, daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Domitian hatte ja so unrecht nicht, wenn er sagte, daß man den Herrschern eine entdeckte Verschwörung nicht glaube, bis sie umgebracht seien[105].

Wie bei Rubellius Plautus, so war die Stoa auch für Thrasea Paetus' Verhalten nicht von doktrinärer Bedeutung[106]. Der Princeps hat diesen Mann im Jahre 66 hinrichten lassen. In der Biographie, die einer seiner jüngeren Gefolgsleute, Arulenus Rusticus, unter Domitian geschrieben hat, wurde zum stoischen Märtyrer stilisiert[107]. Tacitus hat dagegen mit klugem historischem Urteil genau unterschieden zwischen Thraseas Auftreten als Senator und seinen persönlichen philosophischen Überzeugungen. Er hat erkannt, daß die philosophische Opposition nicht nur wegen ihrer vorbildlichen Grundsätze gefährlich war, sondern auch wegen des politischen Gewichts ihrer jeweiligen Vertreter, das völlig unabhängig war von philosophischen Überzeugungen. Neben dem geistigen Band gemeinsamer Überzeugungen gab es Verbindendes, das noch stärker war: Verwandtschaft, Freundschaft, Standesinteressen[108]. Bei Tacitus erfahren wir erst durch die Sterbeszene Thraseas, daß er sich für philosophische Fragen interessiert hat - er unterhält sich, halb Sokrates, halb Cato Uticensis, mit einem Kyniker über die Unsterblichkeit der Seele[109]. Nur durch andere Zeugnisse ist zweifelsfrei belegt, daß Thrasea tatsächlich Stoiker war, übrigens einer von der milden Richtung, nicht von der strengen Observanz, die lebensfrohe Zeitgenossen so unsicher machte[110].

Anders als Rubellius Plautus war Thrasea ein sozialer Aufsteiger, ein homo novus aus der Transpadana[111]. Zu Beginn seiner Laufbahn stand die Philosophie dem Ehrgeiz offenbar nicht im Wege. Die ersten Beförderungen sind vielleicht dem Einfluß der Agrippina zu verdanken[112]. Unter Claudius dürfte er Praetor gewesen sein und anschließend eine kaiserliche Provinz, vermutlich Kilikien, verwaltet haben[113]. Auf die Tätigkeit in einer Provinz wird sich auch die Nachricht beziehen, Persius habe Thrasea auf einer Reise begleitet[114]. Eine wichtige Episode aus diesen Jahren überliefert der jüngere Plinius. Als Schwiegersohn stand Thrasea dam nach dem Scheitern von Camillus' Erhebung zum Tode verurteilten Caecina Paetus und dessen Frau Arria zur Seite[115]. Aus Verehrung für den Schwiegervater übernahm er das Cognomen Paetus, eine Demonstration von pietas, die manche als hochpolitisch ausgelegt haben mögen[116]. Im Jahre 56 war Thrasea Suffektkonsul[117]; in dieser Zeit wurde er auch Mitglied des illustren Kollegiums der Xviri sacris faciundis, ein weiterer Beweis für das Ansehen, das er bei den Mächtigen genoß. Diese Auszeichnungen fallen in eine Zeit, als Seneca und Burrus spürbaren Einfluß auf Nero hatten[118].

In den Annalen wird Thrasea erstmals zum Jahre 58 erwähnt, bei Gelegenheit einer Abstimmung über die Zahl von Gladiatoren, die Syrakus für ein Festspiel erlaubt werden sollte - ein nach Tacitus' Ansicht unwichtiges Thema, das allein durch eine Meinungsäußerung dieses offensichtlich sehr einflußreichen Mannes aufgewertet wurde[119]. Nach Agrippinas Ermordung im Jahre 59 weigert sich Thrasea als einziger, die servilen Beschlüsse des Senats auch nur zu tolerieren[120]. Seneca hat damals das offizielle Kommuniqué über den Hergang von Agrippinas angeblicher Verschwörung verfaßt[121]. Im Jahre 62 zeigt Tacitus, wie geschickt Thrasea Neros Versuch unterlaufen hat, das Hochverrats-Gesetz wieder einzuführen[122]. Er spricht damals von der publica clementia und nimmt damit ein Stichwort auf, das seit Senecas Schrift zum Thema aktuell war[123]. Bei der Abstimmung schließt sich die große Mehrheit des Senats dem milderen Antrag an, zum Mißvergnügen Neros[124].

Thrasea hat mit solchen Initiativen eine zielbewußte Politik verfolgt; er hielt sich an Nero von Seneca formulierte Regierungserklärung des Jahres 54, derzufolge der Princeps die übliche Aufgabenteilung zwischen Princeps und Senat respektieren wolle[125]. In den ersten Regierungsjahren Neros hatte der Senat dann wirklich Gelegenheit zu verantwortlicher Mitarbeit. Thrasea und seinen Freunden ging es um die Beibehaltung und - wenn möglich - die Stärkung der Position des Senats gegenüber dem Princeps - nicht weniger, aber auch nicht mehr, wie Thraseas strenge Ansichten über das Verhältnis zwischen Rom und seinen Provinzen zeigen[126].

Libertas war immer nur die Freiheit der Senatoren. Der homo novus aus den Transpadana übernahm die Senatorenrolle in viel stärkerem Maße als die übriggebliebenen Aristokraten, die womöglich ihre Reserven hatten gegenüber diesem unzeitigen Eifer[127].

Der direkte Konflikt Thraseas mit Nero kommt erst im Jahre 63 zum Ausbruch. Als der Senat dem Princeps seine Glückwünsche zur Geburt der Tochter Claudia überbringen will, wird Thrasea demonstrativ am Zugang zum Princeps gehindert[128]. Diese Zurückweisung kam einer Aufkündigung der freundschaftlichen Beziehungen gleich[129]. Im Jahre 66 ist Thrasea dann vorgeworfen worden, die Kurie drei Jahre lang nicht betreten zu haben[130]. Dies ist vermutlich eine Übertreibung, doch wird so viel richtig sein, daß Thrasea seine Aufgaben nicht mehr so aktiv wie früher versehen hat. Der Rückzug vom politischen Leben ist schon früher als Zeichen des Protestes benutzt worden, doch war diese Handlung nicht eigentlich strafbar[131]. Thraseas Verhalten in den letzten Jahren seines Lebens hat über die Grenzen der Hauptstadt hinaus Aufsehen erregt[132]. Für den Princeps war dies eine Herausforderung. Thraseas Auftreten war dabei keineswegs stoisch-doktrinär. Kein Wort in Tacitus' Bericht gibt Anlaß zu der Vermutung, Thrasea halte sich an etwas anderes als an die placita maiorum. Für einen Princeps wie Nero war Thraseas Verhalten allerdings ein stiller Vorwurf, der ihn an das gebrochene Versprechen der Regierungserklärung von 54 erinnern mußte; der Senat konnte mit einem solchen Mann neues Selbstbewußtsein gewinnen und sich vielleicht auf die Suche nach einem anderen Princeps begeben[133]. Stoisch an Thraseas Auftreten - vielleicht nach Catos Vorbild, über den er eine Biographie geschrieben hat[134] - ist allenfalls das unerschütterliche Festhalten an der einmal für richtig erkannten Politik, eine Festigkeit, für die man aber nicht unbedingt philosophische Unterweisung brauchte[135]. Erst in der bewußt niveaulosen Rede des Anklägers Cossutianus Capito wird der Vorwurf laut, Thrasea lasse sich durch die Lehren jener secta leiten, die schon einen skurrilen Mann wie Catos Nachtreter Favonius hervorgebracht habe. Tacitus überläßt es dem unerfreulichen delator, an die herrschende Tradition über Thrasea zu erinnern[136].

Die Wirkung von Tacitus' Bericht über Thraseas letzte Stunden wird durch den unvermittelten Abbruch der Annalen an dieser Stelle noch erhöht. Nur hier läßt Tacitus erkennen, daß Thrasea tatsächlich philosophische Interessen hatte. Es ist eigenartig, daß der Stoiker sein letztes Gespräch mit dem Kyniker Demetrios führt[137]. Bemerkenswert ist das Fehlen jeder Äußerung gegen den Princeps. Thraseas Worte an den Quaestor, der das Todesurteil zu überbringen hatte, sind sein politisches Vermächtnis - eine Mahnung zur constantia, nicht aber zum aktiven Widerstand gegen den Tyrannen[138].

Wenn Tacitus in seinem Bericht über Thrasea den Akzent auf dessen moderatio in politischen und in philosophischen Dingen setzt, so will er damit deutlich machen, daß es im Bekenntnis zur Philosophie in der tagespolitischen Debatte eine Entwicklung gab, die in neronischer Zeit begann und erst unter Vespasian ihren Höhepunkt erreichte. Diese Entwicklung zu einem deutlicheren Bekenntnis zu philosophischen Überzeugungen, als dies bei Thrasea der Fall war, wird personifiziert durch Thraseas Schwiegersohn Helvidius Priscus. Noch mehr als Thrasea gehörte er zu den sozialen Aufsteigern; als Sohn eines Primipilus aus Samnium ist er bei seiner Geburt vielleicht nicht einmal ritterlichen Standes gewesen[139]. Den Eintritt in den Senat dürfte er Claudius zu verdanken haben[140]. Vielleicht bestand eine familiäre Beziehung der Helvidii zu jenen Kreisen, die dem Princeps traditionell kritisch gegenüberstanden[141]; so würde sich auch Thraseas Auswahl gerade dieses nicht sehr vornehmen Mannes zum Schwiegersohn besser erklären[142].

Helvidius Priscus wird von Tacitus im IV. Buch der Historien einer relativ ausführlichen biographischen Notiz gewürdigt[143]. Er hat Philosophie offenbar in ähnlicher Intensität wie Persius studiert, also über das konventionelle Maß der Allgemeinbildung hinaus, und dies auch noch zu einer Zeit, als seine erfolgshungrigen Altersgenossen sich der Rhetorik zuwandten - wie z. B. der junge Tacitus, Zuhörer bei den Debatten des Dialogus[144]. Helvidius' Studium steht für ein "Erlebnis" der Philosophie, das er offenbar mit Agricola geteilt hat. Wenn Tacitus das philosophische Bekenntnis des Helvidius nur umschreibt, ohne Nennung des eigentlichen Namens "stoisch", so ist das keine geringe Anerkennung[145]. Er gibt eine Begründung für Helvidius' Philosophie-Studium, die ursprünglich wohl ein Selbstzeugnis ist: "um dadurch besser gewappnet gegen die Zufälle des Lebens die politische Laufbahn einzuschlagen"[146]. Der Redner Marcellus erklärte seine solche Haltung für unzeitgemäß: Mark Aurel dagegen hat aus ähnlichen Gründen Philosophie studiert[147].

Helvidius' Verhalten im Jahre 70 kann deshalb nicht ohne weiteres mit Thraseas moderatio verglichen werden, weil er eine ganz andere Situation vorfand: das Ende der julisch-claudischen Dynastie, einen Bürgerkrieg, und dann die kompromißlose Durchsetzung der neuen Dynastie durch Vespasian[148]. Helvidius und seine Freunde haben den Principat als Regierungsform nicht weniger anerkannt als früher Thrasea. Allerdings wollte Helvidius damals nicht hinnehmen, daß Vespasian dem Senat seinen Sohn Titus als Thronfolger aufzwang. Nach dem Präzedenzfall der Adoption Pisos durch den allerdings kinderlosen Galba zogen den Senatoren dieser Richtung eine Nachfolgeregelung durch Adoption vor[149]. Helvidius hat hier nicht nachgegeben. Im Unterschied etwa zu Thrasea, der das dekadente Treiben Neros mißbilligte, hat Helvidius Vespasian nicht in moralischer Hinsicht kritisiert - wofür er wohl auch nicht viel Grund gehabt hätte[150] -, sondern er ist ihm in einer politischen Frage entgegengetreten. Die prinzipielle Legalität und - aus der Sicht Vespasians - die enorme Gefährlichkeit der von ihm vertretenen Position ist daran abzulesen, daß sich der Princeps gezwungen sah, den unbequemen Mann zu verbannen[151]. Ein treuer Diener, vielleicht Titus persönlich, hat Helvidius wenig später ermorden lassen[152]. Damals schreibt der Maternus des Dialogus einen "Thyestes", vielleicht ein Hinweis auf die in der erhaltenen Überlieferung kaum noch faßbare Härte der Flavier im Umgang mit ihren Gegnern[153]. Es kann nicht überraschen, daß die Zeit Vespasians in Mark Aurels Selbstbetrachtungen ein Beispiel für unerfreuliche Verhältnisse am Hof eines Princeps ist[154].

Helvidius hat die Verbindung von philosophischer Überzeugung und politischem Handeln auf bis dahin unerhört aktive Weise zum Ausdruck gebracht und mit seinem Leben bezahlt. Seitdem hatten die Flavier wenig Geduld mit unruhigen Philosophen. Der anpassungsfähige Statius vermeidet die Erwähnung von Stoikern in seinen Gedichten; er schätzt die bequemen Epikureer, die den Princeps seine Pflicht erfüllen lassen und sich nicht weiter einmischen[155]. Als Stoiker erträglich ist allenfalls ein Mann wie Silius Italicus, der nicht nur als Dichter etwas leisten wollte, sondern auch in der Politik einen zweifelhaften Ruf genoß[156].

Domitian sah sich in den neunziger Jahren mit einer Gruppe von senatorischen Kritikern konfrontiert, die sich keineswegs durch aktiven Widerstand hervortaten. Sie gaben nur durch ihr demonstratives Fernbleiben von der Politik und ihr Lob von Männern wie Helvidius und Thrasea zu erkennen, daß sie den gegenwärtigen Princeps für einen Tyrannen hielten. Dazu gehören der Sohn des Helvidius Priscus[157], Q. Iunius Arulenus Rusticus, der im Jahre 66 Thrasea durch sein Veto als Volkstribun hatte retten wollen[158], sein Bruder Iunius Mauricus[159] und Herennius Senecio[160]. Im Jahre 93 holte Domitian gegen diese Gruppe zum Schlag aus, verbunden mit einer publikumswirksamen Vertreibung auch professioneller Lehrer der Philosophie[161]. Wie man damals über solche Leute dachte, ist bei Quintilian nachzulesen[162].

V

Nach der Ermordung Domitians kommt es zu einer spürbaren atmosphärischen Veränderung im Verhalten der Herrscher gegenüber dem Senat - wohl nicht nur aus Neigung, sondern auch aus der bloßen Notwendigkeit heraus, anders sein zu müssen als Domitian, der Tyrann. Nerva wußte, worauf es ankam. Die Vereinigung von Principatus und Libertas wurde verkündet[163], und die Münzprägung sprach für kurze Zeit sogar von der Providentia Senatus[164]. Die überlebenden Oppositionellen wurden zu Nervas Gastmählern eingeladen; ein realpolitischer Zug war es allerdings, daß auch weniger gut beleumundete, dafür aber einflußreiche Senatoren dabei sein durften[165]. Nerva gehört zu den Principes, die mit dem Schwur, niemals einen Senator zum Tode verurteilen zu wollen, dem Sicherheitsbedürfnis des Senats entgegenkamen[166]. Daß der Senat dann keinerlei Einfluß hatte bei der Bestimmung von Nervas Nachfolger, dürfte eine Enttäuschung gewesens ein. Auch Traian spielte zu Beginn seiner Herrschaft mit der Parole von Principatus und Libertas, doch bewies er dabei keine große Ausdauer. Auf seinen Münzen verschwinden die Beschwörungen der Libertas recht schnell, um kräftigeren Titulaturen Platz zu machen[167]. Hinter dem Wortschwall von Plinius' Panegyricus verbirgt sich die Erkenntnis, daß Traians Angebot an den Senat zu selbständiger Mitarbeit besser nicht allzu wörtlich zu nehmen war[168]. Der Princeps war allerdings geschickt genug, dem Prestigebedürfnis des Senats durch Formalitäten entgegenzukommen; die hier sehr dürftige literarische Überlieferung läßt wenigstens erkennen, daß er Wert darauf legte, es besser zu machen als Nero oder Domitian. Civilitas ist die Devise im Verkehr mit den Senatoren[169]. Traian ließ sich von Plinius als Freund der Weisheitslerher feiern[170] und verdeckte seine Ferne von solchen Fragen durch das geduldige Anhören der Reden eines Dio Chrysostomus über das rechte Königtum[171].

Die Philosophen der traianischen Zeit haben ihren Schülern nur Förderliches für die Karriere zu bieten. Euphrates aus Syrien machte Plinius Mut, als er über seine viele Arbeit klagte, und erklärte die Pflichterfüllung seines Schülers für die Vollendung der Philosophie[172]. Es ist bemerkenswert, wie diese Form der stoischen Philosophie im Kreis des Plinius verbunden werden kann mit dem ehrenden Gedenken an die Märtyrer um Thrasea und Helvidus. Ihre Mitarbeit unter Traian, dem Optimus Princeps, wird vorausgesetzt, vielleicht sogar zu Recht. Ein Nachfolger des Helvidius hätte im traianischen Senat wohl kaum einen Zuhörer gehabt. Es gab keine selbstbewußten Verfechter der Senatstradition mehr, und der Princeps nahm Rücksicht auf Eitelkeiten. Die Überlebenden des Kreises um Thrasea und Helvidius durften Unabhängigkeit demonstrieren[173].

Am Ende der hier skizzierten Entwicklung steht ein Princeps, der nicht nur - wie Hadrian - einen Philosophenbart trug[174], sondern auch wirklich Philosoph war. Nach dem Zeugnis seiner nicht zur Veröffentlichung bestimmten Notizen war Mark Aurel tatsächlich bemüht, den Maximen der stoischen Philosophie auch als Princeps gerecht zu werden[175]. Es besteht sogar eine direkte Verbindung zwischen Mark Aurel und den Märtyrern des 1. Jahrhunderts. Einer seiner verehrten Lehrer heißt Iunius Rusticus, Enkel jenes Rusticus, der Thrasea im Jahre 66 durch sein tribunizisches Veto hatte retten wollen. Ihm verdankt Mark Aurel die Kenntnis Epiktets[176]. Durch Epiktets Lehre gewinnt er die Festigkeit, seiner persona als Princeps gerecht zu werden[177]. Epiktets Bemerkungen über das unfreie Leben der politisch Tätigen waren für Mark Aurel und seinen Kreis keine Abschreckung, sondern ein Ansporn, es besser zu machen. Epiktets Kritik orientiert sich an den Verhältnissen einer tyrannischen Epoche, die unter den Antoninen Vergangenheit geworden ist - ein Eindruck, der durch die vorherrschende Überlieferung bestätigt wird[178].

VI

Tacitus' Bemerkung über Agricolas Studium ist durchaus zeitgebunden. Sie gehört, wie sich gezeigt hat, durch den Vergleich Agricolas mit den philosophischen Märtyrern in die Zeit kurz nach Domitians Tod. Nur wenig später beginnt die stoische Philosophie eine Art von Reichsreligion der Führungsschicht zu werden. Nicht erst bei Mark Aurel, sondern schon in Traians Umgebung finden sich Männer, die militärische und politische Kompetenz mit mehr als bloß durchschnittlicher philosophischer Bildung haben[179]. Quintilians Ausfälle gegen die Philosophie wären damals schwer vorstellbar gewesen[180].

Ein wichtiger Faktor für das Schwinden der alten römischen Vorurteile gegenüber der Philosophie im 2. Jahrhundert ist sicher die verstärke Repräsentation von Griechen in den höheren Positionen der Reichsverwaltung und im Senat; und diese Griechen stammten, wie die Lehrer des jüngeren Plinius, immer aus den besten Kreisen ihrer Heimat[181]. Damals hat das Studium der Philosophie seine Gefahren verloren. Die Mütter der jungen Studenten, die in Gellius' Athener Erzählungen auftauchen, brauchten sich keine Sorgen mehr zu machen[182].


Anmerkungen

  1. Tac. Agr. 4,3: "Memoria teneo solitum ipsum narrare se prima in iuventa studium philosophiae acrius, ultra quam concessum Romano ac senatori, hausisse, ni prudentia matris incensum ac flagrantem animum coercuisset. Scilicet sublime et erectum ingenium pulchritudinem ac speciem magnae excelsaeque gloriae vehementius quam caute adpetebat Mox mitigavit ratio et aetas, retinuitque, quod est difficillimum, ex sapientia modum". Übersetzt im Anschluß an K. Büchner, Tacitus. Die Historischen Versuche, Stuttgart 1963, 85.
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  2. Agricolas Sentenz erinnert an Kallikles' Meinung bei Plat. Gorg. 484 D; vgl. Ed. Norden, Die germanische Urgeschichte in Tacitus' Germania, Darmstadt, 4. Aufl. 1959, 144. Tacitus stellt "ratio" und "philosophia" als Gegensätze dar; ein Beispiel für die kritisierte Maßlosigkeit dürfte Musonius' Auftritt im Jahre 69 sein (Anm. 94).
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  3. Agricola wurde im Jahre 40 geboren (Tac. Agr. 44, 1); vgl. A.R. Birley, The Fasti of Roman Britain, Oxford 1981, 73. Mark Aurel studiert Philosophie mit zwölf Jahren (SHA Marcus 2,6).
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  4. In der Zeit Traians sind dann Theorie und Praxis, wie jedenfalls Plinius' Lehrer Euphrates meinte, bestens vereinbar (Anm. 172). Vgl. auch Plut, Kleom. 2,10 über die Gefahren gerade der stoischen Philosophie. Tacitus' Worte über die möglichen Konsequenzen eines Philosophie-Studiums beziehen sich selbstverständlich nicht auf "umstürzlerische" Gedanken (Anm. 36).
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  5. Senecas Vater lehnte die asketischen Tendenzen seines Sohnes ab (ad Helv. 17,4; Ep. 108,22). Auch Agrippina fürchtet, ihr Sohn könne sich zu sehr engagieren (Suet. Nero 52). Vgl. Musonius XVI (p. 81ff. Hense) über einen jungen Mann, dessen Vater das Philosophie-Studium verbieten will. Der Vater des Severus: SHA Severus 14,5.
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  6. PIR I/J 344; Tac. Agr. 4,1; Sen. Ep. 29,6 ("vir egregius").
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  7. Vgl. L.W. Daly, Roman Study Abroad, AJPh 71, 1950, 40-58.
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  8. E. Rawson, Intellectual Life in the Late Roman Republic, London 1985, 79ff. Die Tendenz geht dahin, daß ernsthafte Studenten, wie Seneca, nicht in Griechenland, sondern in Rom studieren (Sen. Ep. 108,3 über Attalos).
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  9. M. Pohlenz, Die Stoa. Geschichte einer geistigen Bewegung, 2Bde., Göttingen 3. Aufl. 1964; A.A. Long, Hellenistic Philosophy, London 1974, 107ff.; F.H. Sandbach, The Stoics, London 1975.
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  10. Ein verbreitetes Vorurteil über die Stoiker nimmt Horaz auf (Epist. 1,1,16-17): "Nunc agilis fio et mersor civilibus undis verae custos rigidusque satelles". - "Agere negotium publicum" wird bei Euphrates zur "pulcherrima pars philosophiae" (Plin. Ep. 1, 10,10 - Anm. 172).
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  11. Gemischte Verfassung: Diog. Laert. 7,131 = SVF III n. 700; Panaitios: Cic. rep. 1,34 = Frg. 119 v. Straaten.
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  12. Staatsreligion; vgl. Cic. Nat. Deor. 2,8; Mantik: Cic. de div. 1,118 (= SVF III n. 1210)
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  13. N.W. DeWitt, Epicurus and His Philosophy, Minneapolis 1954; A.A. Long, wie Anm. 9,14ff.; für die Epikureer in Rom s. bes. A. Momigliano, JRS 31, 1941, 149-157; V. Giuffrè, Atti d. Accad.Pontoniania N.S. 21, 1972, 161-204; G. Sauron, MEFRA 92, 1980, 277-301.
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  14. Vgl. Lucr. 3,18-24.
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  15. Sie zogen die Gemeinschaft ihrer Freunde vor; vgl. J.M. Rist, Human Value, Leiden, 1982, 94ff.
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  16. Vgl. Cic. Fam. 13,1,2; Nat. Deor. 1,93; s. auch A.E. Raubitschek, Hesperia 18, 1949, 96-103.
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  17. T. Dorandi (Hrsg.), II buon re secondo Omero, Neapel 1982; O. Murray, JRS 55, 1965, 161-182; ders., Cron. Erc. 14,1984,157-160.
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  18. Der bedeutendste ist sicher L. Calpurnius Piso cos. 58, der Patron Philodems und Ciceros Opfer in der Rede In Pisonem; andere Namen bei A. Momigliano, JRS 31, 1941, 150f.
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  19. Cic. Tusc. Disp. 4,7; H.M. Howe, AJPh 72, 1951, 59f.
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  20. Vgl. M. Demmel, Cicero und Paetus (ad fam. IX 15-26), Diss. phil. Köln 1962, 291ff.; M. Gigante, Virgilio sotto il Vesuvio, Par. Pass. 36, 1981, 271-294; E. Rawson, wie Anm. 8,22f.
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  21. Vgl. O. Regenbogen, Lukrez. Seine Gestalt in seinem Gedicht (1932), in: O.R., Kleine Schriften, München 1961, 296-386; T.P. Wiseman, The Two Worlds of Titus Lucretius; in: T.P.W., Cinna the Poet and other Roman Essays, Leicester 1974, 11-43.
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  22. Vgl. O. Regenbogen, wie Anm. 21,303f. Jenseitige Tröstungen der besseren Art konnte Pythagoras bieten; im Hause des Nigidius Figulus trafen sich die Anhänger dieser Lehre (Scholien zu Cic. Vat. 14,p. 146 Stangl). Appius Claudius Pulcher cos. 54 verstand sich auf Totenbeschwörungen (Cic. Tusc.Disp. 1,37; Div. 1,132).Auch gestandene Epikureer waren vor Anfechtungen nicht gefeilt; vgl. Plutarchs Bericht über einen Prokonsul des 1. Jahrhunderts n.Chr., der zu einem Verehrer des Mopsus wird (Mor. 434 D-F).
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  23. Vgl.Cic.Att. 12,14,3; Tusc. Dips. 3,76ff.
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  24. Platon als Ratgeber: Cic. Fam. 10,8,6; eine griechische "Stilübung", die mehr der Rhetorik verpflichtet ist, stellt der Abschnitt Cic. Att, 9,4,2 dar.
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  25. Cic. Off. 2,2: "tamen interdum vereor ne quibusdam bonis viris philosophiae nomen sit invisum". Vgl. Ennius Scen. 376 (Vahlen): "philosophari est mihi necesse paucis, nam omnino haud placuit". Der ältere Cato ist schärfer: "vos philosophi mera estis mortualia" (ap. Gell. Noct. Att. 18,7,3). Es dauert sehr lange, bis in positivem Sinn über die philosophische Begründung politischen Handelns gesprochen werden kann (Anm. 180).
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  26. Cic. Mur. 60ff.
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  27. Cic. Fin. 3,7. Vgl. Catos Worte an Cicero (Fam. 15,4,16): "philosophiam in rem publicam deduximus".
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  28. Fr. Münzer, RE Favonius; J. Geiger, RSA 4, 1974, 167-170. Vgl. auch die unrühmliche Rolle der "Prediger" Crispinus, Fabius und Stertinius in den Satiren des Horaz.
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  29. Cic. Nat. Deor, 1,6.
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  30. Vgl. Poseidonios Frg. 30 Jacoby (= Frg. 254 Edelstein-Kidd = Frg. 125a Theiler); J. Malitz, Die Historien des Poseidonios, München 1983, 250.
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  31. Blossius: Plut. Ti. Gracch. 20,7 und Cic. Lael. 37, mit D.R. Dudley, JRS 31, 1941,94ff.; Athenodoros: Plut. Cat. min. 16,1; Philodem: Cic. Pis. 68; Diodotos: Cic. Tusc. Disp. 5,113. Traditionsbewußte Herren setzen diese Sitte im 1. Jahrhundert n.Chr. fort; vgl. Anm. 103 zu Musonius.
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  32. Vgl. J. Malitz, wie Anm. 30,24ff.
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  33. Plut. Pom. 75,4-5.
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  34. Vgl. Diodor 37,5 (= Poseidonios Frg. 213 Theiler) über Q. Mucius Scaevola und P. Rutilius Rufus; J. Malitz, wie Anm. 30,334f.
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  35. Vgl. Poseidonios Frg. 8 Jacoby (= Frg. 60 Edelsten-Kidd = Frg. 147 Theiler) über die Beziehungen zwischen Herakleoten und Mariandynern; J. Malitz, wie Anm. 30,141f.
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  36. Vgl. P.A. Brunt, Gnomon 51, 1979, 444; s. auch W. Richter, Seneca und die Sklaven, Gymnasium 65, 1958, 196-218.
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  37. Vgl. Th. Mommsen, Römisches Strafrecht, Leipzig 1899, 865ff. Lukrez' Ablehnung des politisachen "rat-race" ist die Ausnahme von der Regel (2,7-13).
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  38. S. unten Anm. 82.
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  39. Er hätte sich vielleicht auf Panaitios' Billigung der Gemischten Verfassung -bzw. der Optimatenrepublik - berufen können (Anm. 11), oder auf Poseidonios' Lob der Konservativen (vgl. J. Malitz, wie Anm. 30,360f.)
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  40. Zur Geschichte des Begriffs "constantia" vgl. M. Grant, Num. Chron., ser. VI 10,1950, 34ff.
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  41. Die stoische Lehre von den "personae" verdeutlicht Cic. Off. 1,107ff., nach Panaitios. Der Freitod war für Cato richtig, aber nicht für die anderen Gegner Caesars (Off. 1,112).
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  42. In der erhaltenen Überlieferung ist offenbar nur eine einzige Begegnung Caesars mit einem Philosophen bezeugt - mit Ariston von Alexandreia (Ael. var. hist. 7,21). In Alexandreia soll Caesar zum Zeitvertreib auch philosophische Vorträge gehört haben (App. Bell. Civ. 2,89,376). Persönlich könnte er der Lehre Epikurs näher als jeder anderen gestanden haben (vgl. F.C. Bourne, Class. Weekly 70, 1976/77,417-432).
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  43. Suet. Div. Jul. 42,1; vgl. H.D. Jocelyn, BRL 59, 1976/77, 350.
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  44. Vgl. Sen. Ep. 98,13.
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  45. Plut. Mor. 77 E-F schreibt von seinen Selbstzweifeln nach der Aufnahme des Studiums. Er sieht ihn offensichtlich nicht als Vorläufer der "philosophischen" Opposition.
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  46. Vgl. A. Momigliano, JRS 31, 1941, 152f. Die wichtigsten sind Piso (Anm. 18), C. Matius, und C. Vibius Pansa.
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  47. Als Philosoph bekannte er sich zur Älteren Akademie, die sich damals nicht sehr von der Stoa unterschied (Cic. Fin 5,8). De virtute: vgl. M. Gelzer, RE 10, Sp. 987f. Wenn Sen. ad Helv. 8,1 ein Anhaltspunkt ist, legte Brutus Wert auf die Feststellung, daß man "virtus" auch unabhängig von den äußeren Umständen behaupten könne.
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  48. Cic. Att. 14,1,2: "Magni refert hic quid velit, sed quidquid volet valde volet". Zum Wortlaut s. A. Dihle, HSPh 82,1978,179-186.
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  49. Zur Frage der griechischen Sprachkenntniss bei den Römern vgl. N. Horsfall, Doctus Sermonis Utriusque Linguae ?, in: Échos du Monde Classique (Ottawa) 1979, 79-95.
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  50. Vgl. H. Strasburger, Ciceros philosophisches Spätwerk als Aufruf gegen die Herrschaft Caesars, In: Jahrbuch d. Heidelberger Akad. d. Wissenschaften für das Jahr 1978, 38-40 (eine ausführliche Fassung wird im III. Band seiner Studien zur Alten Geschichte veröffentlicht werden).
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  51. Plut. Brut. 12,3.
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  52. Vgl. Cic. Fam. 15,19-1-2; nach diesem Brief zu urteilen scheint sich Cassius zeitweilig mit der "clementia" Caesars abgefunden zu haben.
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  53. Seine Argumente für das Attentat auf Caesar bei Plut. Caes. 66,2 sind allerdings ganz "unphilosophisch". Zum Problem der epikureischen Begründung der Ermordung Caesars vgl. A. Momigliano, JRS 31, 1941, 156f.
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  54. S. unten Anm. 72.
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  55. Der von Augustus gepflogene Sprachgebrauch der "statio principis" (vgl. Gell. Noct. Att. 15,7,3) dürfte stoisch beeinflußt sein; vgl. dazu E. Koestermann, Philol. 87, 1932, 358-368 und 430-444 sowie P.A. Brunt, PBSR 43, 1975, 21.
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  56. Suet. Aug. 85,2.
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  57. Plut. Ant. 80; G.W. Bowersock, Augustus and the Greek World, Oxford 1965, 33f.
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  58. Strab. 14,4,14; C. Cichorius, Römische Studien, Leipzig 1922, 279-282.
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  59. Sen. ad. Marc. 4,2.
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  60. Nestor: Luc. Macrob. 21; C. Cichorius, wie Anm. 58, 278; Astrologen Tac. Ann. 6,20,2.
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  61. Vgl. M. Griffin, Seneca. A Philosopher in Politics, Oxford 1976,65. Er soll seinen Zöglingen geradezu abhalten von philosophischen "Erlebnissen" wie dem des Agricola (vgl. Suet. Nero 52).
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  62. Vgl. A.D. Nock, Conversion, Oxford 1933, 164ff.; ders., Essays on Religion and the Ancient World, Bd. I, Oxford 1972, S. 469ff. Nicht nur Männer, sondern auch Frauen wurden damals von der Philosophie stärker als früher ergriffen - vgl. Musonius III (p. 8ff. Hense) über Frauenbildung und dazu E. Eyben, Hermeneus 48, 1976, 90-107.
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  63. Vlg. Th. Lorenz, Galerien von griechischen Philosophen- und Dichterbildnissen bei den Römern, Mainz 1965; K. Gaiser, Das Philosophenmosaik in Neapel, Heidelberg 1965.
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  64. Persius besaß 700 Buchrollen stoischer Literatur (Anm. 76). Die Bibliothek der Villa von Herculaneum ist die Spezialsammlung eines Epikureers; vgl. Chr. Jensen, Bonner Jahrbücher 135, 1930, 49-61.
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  65. Vgl. D.R. Dudley, A History of Cynicism, London 1937, 125ff. Der bekannteste, auch in "besseren Kreisen" wohlgelittene Kyniker dieser Zeit ist Demetrios, Thraseas Gesprächspartner am Ende seines Lebens (Anm. 137); vgl. J. Kindstrand, Philol. 124, 1980, 83-98 sowie J. Moles, JHS 103, 1983, 103-123. Engagierte Gegner der Philosophie versuchten, die Unterschiede zwischen Stoikern und Kynikern zu verwischen, z. B. Mucianus, der Helfer Vespasians (Dio 66,13,3 p. 147 Boiss.).
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  66. Vgl. R. Syme, Tacitus, Oxford 1958, 538.
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  67. Jos. Ant. Jud. 19, 32-36; Tac. Ann. 5,8. Vgl. dazu M. Swan, Phoenix 30, 1976, 54-59.
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  68. Sen. Ep. 30,14.
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  69. Vgl. A. Dihle, Rhein. Mus. 115, 1972, 27-43.
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  70. S. oben Anm. 11; das gesunkene Vertrauen in die Vorzüge der "Gemischten Verfassung " zeigt Tac. Ann. 4,33,2.
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  71. Vgl. Sen. benef. 2,2.
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  72. Persaios war ein Berater des Antigonos Gonatas (Diog. Laert. 7,36), Sphairos ein Berater des Kleomenes (Plut. Kleom. 2,2). "Peri Basileias" schrieben Persaios (Diog. Laert. 7,36 = SVF I n. 435), Kleanthes (Diog. Laet. 7,175 = SVF I n. 481) und Sphairos (Diog. Laert. 7,178 = SVF I n. 620). Vgl. auch F.W. Walbank, in: Cambridge Ancient History Bd. VII 1,1984, 80f.
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  73. Vgl. M. Griffin, wie Anm. 61,340f.
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  74. "Sanguine et affinitate primi ordinis viris coniunctus" (Suet. Reliquiae, p. 72 Reifferscheid - aus der Vita des Probus). Die enge Beziehung zu Thrasea und seinem Kreis geht aus der gemeinsamen Reise hervor (Anm. 114). Die Verbindung zu Barea Soranus ergibt sich durch die Nähe zu Servilius Nonianus, dem Vater von Bareas Frau Servilia (RE Nr. 105): "coluit ut patrem Servilium Nonianum" (p. 73 Reifferscheid); vgl. R. Syme, Hermes 92, 1964, 415.
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  75. "Cum esset annorum XVI, amicitia coepit uti Annaei Cornuti, ita ut nusquam ab eo discederet" (p. 73 Reifferscheid). Zu Person und Werk des Cornutus s. A.D. Nock, RE Suppl. V, Sp.995-1005. Seneca war ihm nicht sehr sympatisch: "sero cognovit et Senecam, sed non ut caperetur eius ingenio" (p.73 Reifferscheid).
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  76. "... et libros circa septingentos Chrysippi ..." (p. 74 Reifferscheid).
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  77. Die gemeinsame Provinzreise kann geradezu als Aufforderung zu stärkerer Beteiligung an der "res publica" verstanden werden (Anm. 114). Thraseas Betonung der Pflichten eines Senators: Anm. 127.
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  78. Diese in sich widersprüchliche Position der Stoiker wurde schon den Gründervätern der Schule zum Vorwurf gemacht, die niemals politisch aktiv gewesen sind; vgl. Plut. Mor. 1033 B-E (= SVF I n. 27) sowie Sen. tranqu. anim. 1,10 (= SVF I n.28). S. auch Cic. Off. 1,69-73 aus Panaitios.
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  79. Tacitus vergleicht Helvidius Priscus' aktive Haltung mit der anderer Stoiker: "non, ut plerique, ut nomine magnifico segne otium velaret ..." (Hist. 4,5,1 - s. auch Anm. 146). Suillius spricht über Senecas "studia inertia" (Ann. 13,42,2), und Seneca selbst - allerdings gegenüber Nero - von seinen "studia in umbra educata" (Ann. 14,53,4).
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  80. Vgl. Tac. Ann. 1,75, 1-2; G.E.M. de Ste. Croix, The Class Struggle in the Ancient Greek World, London 1981, 366f.
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  81. Vgl. Ch.G. Starr, Epictetus and the Tyrant, Class. Phil. 44, 1949,20-20 sowie F. Millar, Epictetus and the Imperial Court, JRS 55,1965 141-148.
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  82. Dio 54,26,8. Vgl. dazu Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht, Bd. I,3. Aufl. Leipzig 1887, 475f.; K. Hopkins & Gr. Burton, in: K. Hopkins, Death and Renewal. Sociological Studies in Roman History, Bd. II, Cambridge 1983, 167f.; B. Levick, in: T.P. Wiseman (ed.), Roman Political Life. 90 B.C. - A.D. 69, Exeter 1985, 60f. Der Wunsch nach "quies" ergreift auch den Ritterstand (vgl. Neros Klage Tac. Ann. 16,27,2).
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  83. S. oben Anm. 37.
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  84. Epiktet 3,7,20. Aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts n.Chr. stammt die athenische Ehrung des Q. Trebellius Rufus aus Tolosa, der dort seine "hesychia" gefunden hatte (AE 1947, n. 68 Z.40); vgl. R. Syme, HSPh 73, 1968,222 = Roman Papers, Bd. II, Oxford 1979, 761.
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  85. Ep. 73, 1: "errare mihi videntur qui existimant philosophiae fideliter deditos contumaces esse ac refractarios, contemptores magistratuum aut regum eorumve per quos publica administrantur".
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  86. Vgl. O. Murray, JRS 59, 1969, 262. Daß er Senecas Schriften kannte, ergibt sich aus einem Brief Frontos (p. 149 f. v. d. Hout - Haines, II, 100 f.).
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  87. S. oben Anm. 56.
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  88. Vgl. M. Gelzer, RE 10, Sp. 458 s.v. Iulius Nr. 138; D.B. Gain (Ed.), The Aratus ascribed to Germanicus Caesar, London 1976.
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  89. Suet. Claud. 38,1; vgl. Sen. de ira 1,4,1.
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  90. Vgl. PIR C(2) 708 sowie P.W. v.d. Horst, Chairemon. Egyptian Priest and Stoic Philosopher, Leiden 1984. Chairemons Kollege als Prinzenerzieher war der Peripatetiker Alexander von Aigai (PIR (2) A 501). Später hat Nero auch Pseudo-Philosophen um sich (Tac. Ann. 14,16,2).
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  91. Wichtige neuere Beiträge zum Thema der senatorischen Opposition im frühen Prinzipat sind; Ch. Wirszubski, Libertas as an Political Idea, Cambridge 1950, 124-171; O. Murray, the Quinquennium Neronis and the Stoics, Historia 14, 1965, 41-61; R. MacMullen, Enemies of the Roman Order, Cambridge Mass. 1966, 46-94; P.A. Brunt, Stoicism and the Principate, PBSR 43, 1975, 7-35; E. Wistrand, The Stoic Opposition to the Principate, Studii Clasice 18, 1979, 93-101; U. Vogel-Weidemann, The Opposition under the Early Caesars, Acta Classica 22, 1979, 91-107.
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  92. Vgl. Sen. tranqu. anim. 14,4; ein Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele führt auch Thrasea kurz vor seinem Tod (Anm. 137).
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  93. Vgl. D. McAlindon, Senatorial Opposition to Claudius and Nero, AJPh 77, 1956, 113-132.
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  94. Tac. Hist. 3,81,1: "miscuerat se legatis Musonius Rufus equestris ordinis, studium philosophiae et placita Stoicorum aemulatus, coeptabatque permixtus manipulis, bona pacis ac belli discrimina disserens, armatos monere. Id plerisque ludibrio, pluribus taedio; nec deerant qui propellerent proculcarentque, ni admonitu modestissimi cuiusque et aliis minitantibus omisisset intempestivam sapientiam". Vgl. die Übersetzung von H. Vretska (Stuttgart 1984) sowie die Hinweise von H. Heubner im Kommentar z. St.
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  95. Mit dem "miscuerat se" betont Tacitus die Unzuständigkeit des Ritters Musonius in einer aus Senatoren zusammengesetzten Delegation. Zweifel an seinem ritterlichen Stand ergeben sich durch sein späteres Auftreten im Senat als Kläger gegen Egnatius Celer (Hist. 4,10,1), doch scheint sich Tacitus seiner Sache ganz sicher gewesen zu sein. Musonius gehört zur Begleitung des amtierenden Prätors Arulenus Rusticus (zur Person s. Anm. 158), der bei dieser Gelegenheit sogar verletzt worden ist (Hist. 3,80,2).
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  96. Vgl. dagegen Tacitus' Umschreibung von Helvidius' stoischem Bekenntnis (Anm. 145).
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  97. Musonius hält eine "Predigt". Vgl. Hor. Sat. 2,3,31ff. über Stertinius.
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  98. Er vestößt gegen die übliche Trennung von Philosophie und politischer Praxis (vgl. Anm. 25). - Genau dieses Verhalten hat Agricolas Mutter befürchtet. S. auch Agrippinas Tirade gegen Seneca (Tac. Ann. 13,14,3): "professoria lingua generis humani reginem (expostulans)". Der "gute" Philosoph verdeckt seine Bestrebungen (Epiktet 4,8,17).
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  99. Tac. Annm 13,19,3: "per maternam originem pari ac Nero gradu a divo Augusto". Zur Person s. R. Syme, AJPh 103, 79f.
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  100. Tac. Ann. 14,22,1: "ipse placita maiorum colebat, habitu severo, casto et secreta domo, quantoque metu occultior, tanto plus famae adeptus". Die "placita maiorum" entsprechen beinahe philosophischen "placita". Der steinreiche Plautus tritt viel diskreter auf als Seneca.
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  101. Tac. Ann. 14,23,3.
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  102. Tac. Ann. 14,57,3 (Worte des Tigellinus): "... Plautum magnis opibus ne fingere quidem cupidinem otii, sed veterum Romanorum imitamenta praeferre adsumpta etiam Stoicorum adrogantia sectaque, quae turbidos et negotiorum adpetentes faciat". Er macht sich das Vorurteil über die Betriebsamkeit der Stoiker zu eigen (Anm. 10).
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  103. Tac. Ann. 14,58,2. Zum republikanischen Vorbild s. oben Anm. 31.
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  104. Tac. Ann. 14,58,2: "... fingebant petitum ab eo Corbulonem, magnis tum exercitibus praesidentem ..."; zum politischen Gewicht dieses Mannes vgl. R. Syme, Tacitus, 560f. sowie ders., JRS 27, 1970,27-39 = Roman Papers, Bd. II, Oxford 1979, 805-824.
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  105. Suet. Dom. 21.
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  106. Sein voller Name lautet P. Clodius Thrasea Paetus (PIR (2) C 1187).
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  107. Die "laudatio" wird von Tacitus erwähnt (Agr. 2,1); zur Person des Verfassers s. Anm. 95 und 158. Leider nicht zu klären ist das chronologische Verhältnis von Rusticus' Schrift zur Helvidius-Biographie des Herennius Senecio (Anm. 160). Rusticus' Thrasea-Bild dürfte in der Auseinandersetzung mit denen geprägt sein, die Helvidius' wesentlich radikalere Opposition verherrlichten. Zur "Märtyrer-Literatur", die auch noch repräsentiert wird durch C. Fannius (Plin. Ep. 5,5 - vielleicht ein Verwandter von Thraseas Frau Arria; vgl. R. Syme, PBSR 51, 1983,105) und Titinius Capito (Plin. Ep. 1,17), vgl. Fr. Marx, Philol. 92, 1937, 83-103 und J. Geiger, Athenaeum 57,1979,61f.
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  108. Auf diese Zusammenhänge weist Tacitus hin, wenn er Marcellus den jungen Paconius Agrippinus einen "heres paterni in principes odii" (vgl. Ann. 16,28,1) nennen läßt. Vgl. R. Syme, Tacitus, 559.
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  109. Tac. Ann. 16,34,1; s. unten Anm. 137.
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  110. Ausdrücklich als Stoiker wird Thrasea in der erhaltenen Überlieferung nur von seinen Anklägern bezeichnet, doch beweist die Erwähnung bei Epiktet seine Zugehörigkeit zur Stoa (I,1,26-27). Er hat versucht, dem Klischee vom "arroganten" und übereifrigen Stoiker (vgl. Anm. 102) zu widersprechen. Plinius nennt ihn einen "vir mitissimus" und zitiert seine stoische Maxime "Qui vitia odit homines odit" (Ep. 8,22,3).
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  111. Heimatstadt Patavium: Tac. Ann. 16,21,1. Zur damaligen Bedeutung der Herkunft aus der "soliden" Transpadana (vgl. Plin. Ep. 1,14,4) s. S. Mratschek, Athenaeum 62, 1984, 154-189 sowie R. Syme, Athenaeum 63,1985,28-36.
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  112. Direkt zu beweisen ist das nicht, doch hat Agrippina auch andere Männer aus Patavium gefördert; vgl. M. Griffin, wie Anm. 61,85. War er deshalb besonders empört, über Neros Muttermord (Anm. 120)? Auch Thraseas Schwiegersohn Helvidius Priscus scheint sich der Förderung durch Agrippina erfreut zu haben (Anm. 140).
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  113. Sein Einsatz im Repetundenprozeß gegen Cossutianus Capito auf Seiten der Kilikier im Jahre 57 ist ein Indiz für nähere Beziehungen zu dieser wohl kaiserlichen Provinz (Tac. Ann. 13,33,2;16,21,3). Thrasea hatte besonderes Interesse am Richteramt - vgl. das Lob aus dem Munde Neros (Plut. Mor. 810 A) sowie eine von Avidius Quietus (zur Person s. Anm. 173) überlieferte Maxime bei der Übernahme von Streitfällen (Plin. Ep. 6,29,1; vgl. dazu K. Heldmann, Antike Theorien über Entwicklung und Verfall der Redekunst, München 1982, 196f.). Auch Plinius' Lehrer Euphrates betont den Wert der richterlichen Tätigkeit (Anm. 172).
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  114. "(Persius) decem fere annis summe dilectus a Paeto Thrasea est, ita ut peregrinaretur quoque cum eo aliquando, cognatam eius Arriam uxorem habente" (p. 74 Reifferscheid). Wenn sich das nicht auf ein Amt Thraseas bezieht, könnte er wie Cato eine Rundreise durch die Provinzen gemacht haben (vgl. Plut. Cat. min. 12,2).
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  115. Vgl. Plin. Ep. 3,16,10 - Beistand für die Schwiegermutter Arria. Caecina Paetus: PIR (2) C 103; R. Syme, PBSR 51,1983,106. Der Aufstand des Camillus Scribonianus: vgl. T. P. Wiseman, JRS 72, 1982, 61f. Als Oppositioneller ist Thrasea also "vorbelastet" (Anm. 108).
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  116. Vgl. R. Syme, Ten Studies in Tacitus, Oxford 1970, 100.
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  117. Sein Name erscheint auf den Wachstäfelchen von Pompeii (CIL IV 3340); vgl. P.A. Gallivan, Class. Quart. 24,1974,291.
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  118. Tac. Ann. 16,27,2; "homines novi" wurden gewöhnlich erst nach ihrem Konsulat in eines der hohen Priester-Kollegien aufgenommen (A.N. Sherwin-White, The Letters of Pliny, Oxford 1966,272). Für die "panegyrische" Tradition war diese erste und sehr erfolgreiche Phase von Thraseas Laufbahn schwierig darzustellen; vgl. O. Murray, Historia 14, 1965,55f.
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  119. Für unwichtig hält auch Plinius dieses Thema (Paneg. 54,3-4), doch sollte nicht übersehen werden, daß sich gelegentlich der Princeps selbst darum kümmerte (vgl. Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht, Bd. II. Leipzig 3. Aufl. 1887,887; F. Millar, The Emperor in the Roman World, London 1977,347). Der Widerspruch Thraseas wird sich nicht nur gegen die Verschwendung der Syrakusaner, sondern auch gegen die Grausamkeit der Spiele selbst richten. Iunius Mauricus (Anm. 153) ist sogar gegen gymnastische Wettkämpfe (Plin. Ep. 4,22,3). Dio Chrys. 31,122 berichtet vom Protest eines römischen Philosophen (Musonius ?) gegen Gladiatorenspiele in Athen. Mark Aurel schränkt - wie Thrasea - die Kosten von Gladiatorenspielen ein (CIL II 6278 = ILS 5163; SHA Marcus 11,4; s. auch Anm. 180).
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  120. Vgl. Tac. Ann. 14,12,1 sowie Dio 61,15,2 p 37 Boiss. S. oben Anm. 112 über die zu vermutende Förderung Thraseas durch Agrippina.
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  121. Tac. Ann. 14,11,3; Tacitus legt sich auf Senecas Verfasserschaft nicht fest, anders als Quintilian, der aus diesem Schreiben zitiert (8,5,18).
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  122. Tac. Ann. 14,48,1: "tum primum revocata ea lex". Vgl. dazu K.R. Bradley, AJPh 94,1973, 172-181 sowie M. Griffin, wie Anm. 61,162f.
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  123. Der im Exil überlebende Angeklagte Antistius soll ein "publicae clementiae maximum exemplum" (Ann. 14,48,4) werden. Früher war "misericordia" die Tugend des Senats (Sall. Cat. 34,1).
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  124. Tac. Ann. 14,49,1: "consules perficere decretum non ausi". Vgl. Th. Mommsen, wie Anm. 119,122f. Thraseas Erfolg wird noch spektakulärer dadurch, daß er auch auf der nächsten Senatssitzung bei der Wiederholung der "discessio" eine Mehrheit erhält (Ann. 14, 49, 2f.) Ohne nähere Einzelheiten erwähnt Sueton Senatsbeschlüsse, die gegen den Willen des Tiberius zustandekommen (Tib. 31,1).
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  125. Tac. Ann. 13,4,2; zu diesen "munia" vgl. Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht, Bd. II, 106 Anm. 1 u. Bd. III,1269.
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  126. Tac.Ann. 15,20-22,1 (Klage gegen den Kreter Claudius Timarchus, der sich gebrüstet hatte, Dankgesandtschaften manipulieren zu können). Plinius war von solchen Gesandtschaften sehr angetan (Paneg. 70,9). Thraseas Ablehnung dieser Dankbezeugungen - eine Meinung, die der Senat erst nicht zu übernehmen wagt - orientiert sich allerdings an einer Entscheidung des Augustus (Dio 56,25,6). Nero billigt den Antrag - der sowohl die senatorischen als auch die kaiserlichen Provinzen betrifft (vgl. G. A. Souris, ZPE 48, 1982,235-244) -, obwohl die Konsuln es nicht zu einer Abstimmung hatten kommen lassen; vgl. Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht, Bd. III, 987.
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  127. Tac. Ann. 13,49,2 (Thraseas Freunde sprechen): "licere patribus, quotiens ius dicendae sententiae accepissent, quae vellent expromere relationemque in ea postulare". Davon hat auch Tiberius gesprochen (Ann. 2,38,1); vgl. Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht, Bd. II, 954. "Agere senatorem" nennen die Kritiker solchen Eifer (vgl. Ann. 16,28,2). Es ist sehr bezeichnend, daß Seneca, der doch auch "homo novus" und Konsular war, diese Haltung nicht übernommen hat. Zur Einstellung der "alten" Senatsfamilien vgl. P.A. Brunt, Class. Quart. 34, 1984,442f.
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  128. Tac. Ann. 15,23,4; Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht, Bd. II, 813 Anm. 5.
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  129. Vgl. Tac. Ann. 6,92,2 und dazu R.S. Rogers, TAPhA 90,1959,224-237. Die Bemerkung Thraseas, für einen Senator sei das Exil die höchste Strafe (Dio 62,15, 1a p. 54 Boiss.), wird von M. Griffin, wie Anm. 61,364 Anm. 5, auf diesen Vorfall bezogen.
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  130. Tac. Ann. 16,22,1: "triennio non introisse curiam": vgl. Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht, Bd. III, 916 Anm. 4.
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  131. Vgl. die Bitten des Tiberius an L. Piso, der angekündigt hatte, die Hauptstadt zu verlassen (Tac. Ann. 2,34,1). Zum "secessus" als Geste der Opposition vgl. W. Allen, Class. Journ. 44, 1948/49, 203-206. Thrasea war sich keiner Unkorrektheit bewußt, wie sein Schreiben an Nero beweist, in dem er um Aufklärung bittet (Ann. 16,24,1).
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  132. Tac. Ann. 16,22,3 (Cossutianus' Worte): "diurna populi Romani per provincias per exercitus curatius leguntur, ut noscatur, quid Thrasea non fecerit". Die offiziellen "diurna" werden Thraseas Abwesenheit oder Passivität schwerlich vermerkt haben - vgl. Ann. 3,3,2 über Antonias Abwesenheit bei Germanicus' Begräbnis. Für mündlichen Austausch von Nachrichten und für aktuelle Briefe aus der Hauptstadt vgl. Tac.Dial. 7,3-4 und 20,4.
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  133. Vgl. Augustus' Bitte um den dauernden Bestand der Eintracht zwischen Senat und Princeps; P.A. Brunt, Class. Quart. 34, 1984,423.
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  134. Tacitus hat diese Schrift nicht erwähnt - Plutarch, der den Kreis um Thrasea durch Avidius Quietus recht gut kennt (Anm. 173), zitiert sie in seiner Cato-Biogarphie zweimal (Cat. min. 25,2;37,1); vgl. J. Geiger, Athenaeum 57,1979,48-72. Der gewählte Gegenstand mußte bei einem Verfasser wie Thrasea eigentlich sehr provozierend wirken, wenn selbst Curiatius Maternus deswegen Schwierigkeiten zu befürchten hatte (Tac. Dial, 2,1). Thrasea soll zusammen mit Helvidius Priscus die Geburtstage von Cassius und Brutus gefeiert haben (Juv. 5,36-37). Unter Traian wird solche Heldenverehrung belanglos, und umso mehr, wenn sie von Männern wie Titinius Capito (Anm. 107) gepflegt wird (Plin. Ep. 1,17,3).
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  135. Vgl. P.A. Brunt, PBSR 43,1975,15, mit Hinweis auf L. Arruntius' Rechtfertigung seines Freitodes: "non eadem omnibus" decora (Tac. Ann. 6,48,1). S. auch oben Anm. 41.
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  136. Tac. Ann. 16,22,4: "ista secta Tuberones et Favonios, veteri quoque rei publicae ingrata nomina, genuit".
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  137. Tac. Ann. 16,34,1: "de natura animae et dissociatione spiritus corporisque inquirebat". Vgl. Anm. 92 zu Julius Canus. Hat er mit Demetrios (Anm. 65) griechisch oder lateinisch gesprochen ? Vorbilder für Thraseas letzte Stunden sind Sokrates, Cato, und Seneca; ein Tacitus nicht unsympathisches Gegenbild gibt Petronius (Ann. 16,19,2). Eine Besonderheit des Kreises um Thrasea ist die Präsenz vieler Frauen: "inlustrium virorum feminarumque coetus" (Ann. 16,34,1); vgl. Anm. 62 zum philosophischen Engagement von Frauen.
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  138. Seneca hatte immerhin von Neros "saevitia" gesprochen (Tac. Ann. 15,62,2). Thrasea war für seine Zurückhaltung bekannt (Dio 65,12,3 p. 148 Boiss; s. auch Anm. 110); er rät weder dem Quästor noch seinem jungen Bewunderer Arulenus Rusticus (Anm. 158) von einer Teilnahme am politischen Leben rundheraus ab, anders als Cato, der seinen Sohn davor gewarnt hatte (Plut. Cat. min. 6,4-5). Ein Zeichen der Mäßigung ist es auch, wenn Thrasea seine Frau davon abhält, mit ihm in den Tod zu gehen, nach dem Vorbild ihrer Mutter Arria (Tac. Ann. 16,34,2). Seneca wurde unterstellt, seine Frau dazu gedrängt zu haben (Dio. 62,25,1 p. 64 Boiss.).
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  139. Hist. 4,5,1: "... patre, qui ordinem primi pili duxisset". Der Vater wird vielleicht CIL III 7416 genannt (vgl. A. Stein, Der römische Ritterstand, München 1927,343f.). Für die Zeit von Claudius und Nero sind vermutlich die Karrieren von L. Minicius Rufus (PIR (2) M 627 - cos. ord. 88) und von Q. Glitius Atilius Agricola (PIR (2) G 181 - cos. II 103) mit Helvidius' schnellem Aufstieg über den Ritterstand hinaus in den Senatorenstand vergleichbar. S. auch B. Dobson, Die Primipilares. Entwicklung und Bedeutung, Laufbahnen und Persönlichkeiten eines römischen Offiziersranges, Bonn 1978.
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  140. Einen Hinweis auf Helvidius' Quästur gibt die spätere Ehreninschrift für P. Celer, einen Protegé der Agrippina (PIR (2) C 525), in der er als "comes" des Helvidius bezeichnet wird (AE 1924, Nr. 79a und 79b). Zu Agrippina s. auch oben Anm. 112.
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  141. Ein P. Helvidius Priscus ist der Mann von Plautia Quinctilia (CIL XIV 2845 = ILS 944), die ihrerseits verwandt sein könnte mit Plautius Lateranus, einem Teilnehmer an der Pisonischen Verschwörung (Tac. Ann. 15,49,1), oder dem von Suet. Nero 35,4 erwähnten Plautius, einem anderen Opfer Neros; vgl. U. Vogel-Weidemann, Die Statthalter von Africa und Asia in den Jahren 14-68 n.Chr., Bonn 1982,416f. Helvidia Priscilla, vielleicht eine Schwester, heiratete den wohlhabenden Ritter M. Vettius Marcellus (CIL IX 3019 = ILS 1377; Plin. Nat. Hist. 17,245).
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  142. Hist. 4,5,2: "quaestorius adhuc a Paeto Thrasea gener delectus". Tacitus erweckt den Eindruck, Thrasea habe ihn besonders früh zum Schwiegersohn gemacht. Die "laudationes" haben vielleicht verschwiegen, daß Helvidius schon einen gleichnamigen Sohn aus erster Ehe hatte (vgl. Plin. 9,13,3 - Arria ist die "noverca" des jüngeren Helvidius). Thrasea ging nicht so weit wie Musonius, der seine Tochter mit einem "echten" Philosophen verheiratet hat (vgl. Plin. Ep. 3,11 über Artemidoros). Der Grieche Timon scheint allerdings in irgendeiner Form in die Familie von Thrasea und Arria eingeheiratet zu haben - seine Frau heißt Arrionilla; s. auch A.N. Sherwin-White, wie Anm. 118, zu Plin. Ep. 1,5,5.
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  143. Tac. Hist. 4,5,1-3. Eine der Vorlagen für diesen Abschnitt dürfte die "laudatio" des Herennius Senecio (Anm. 160) gewesen sein.
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  144. Tac. Hist. 4,5,1: "ingenium inlusre altioribus studiis iuvenis admodum dedit". - "studia altiora": vgl. Plin. Ep. 5,16,8 über C. Minicius Fundanus cos. suff. 107 (PIR (2) M 612), einen Schüler des Musonius (Plut. Mor. 453 D). Tacitus: vgl. R. Syme, Tacitus, 63.
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  145. Tac. Hist. 4,5,2: "doctores sapientiae secutus est, qui sola bona quae honesta, mala tantum quae turpia, potentiam nobilitatem ceteraque extra animum neque bonis neque malis adnumerant". Vgl. dagegen die Wortwahl bei Musonius Rufus (Anm. 94). Vermutlich hat Helvidius, wie Seneca, in Rom studiert (Anm. 8). Einer seiner Lehrer könnte Cornutus (Anm. 75) gewesen sein - die Tochter des jüngeren Helvidius befand sich in der "tutela" des C. Iulius Cornutus Tertullus, vielleicht eines Verwandten des Philosophen (Plin. Ep. 9,13,6).
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  146. Er studiert nicht, um seine Bequemlichkeit mit schönen Phrasen zu bemänteln (vgl. Anm. 79), sondern, "quo firmior adversus fortuita rem publicam capesseret" (Hist. 4,5,1). Vgl. die Ratschläge des Atehnodoros bei Sen. tranqu. anim. 3,1-8.
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  147. Marcellus: Tac. Hist. 4,8,3; Mark Aurel: Selbstbetr. 2,7; 6,12.
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  148. Vgl. J. Malitz, Hermes 113, 1985, 231-246.
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  149. Vgl. Dio 65,12,1 p. 146 Boiss.; J. Malitz, wie Anm. 148,239.
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  150. Vgl. Tac. Ann. 3,55,4: "sed praecipuus adstricti moris auctor Vespasianus fuit".
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  151. Suet. Vesp. 15.
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  152. Vgl. J. Malitz, wie Anm. 148, 243.
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  153. Tac. Dial. 3,3.
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  154. Mark Aurel, Selbstbetr. 4,32; für Plutarch ist Vespasian grausam und unglücklich (Mor, 771 C).
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  155. Stat. Silv. 1,3 (die Villa des Manilius Vopiscus); vgl. A. Hardie, Statius and the Silvae, Liverpool 1983, 176f. Zu Silv. 2,2 (die Villa des Pollius Felix) vgl. H. Cancik, Altsprachl. Unterricht 11, 1968, 62-75 sowie R.G.M. Nisbet, JRS 68,1978,1-11.
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  156. Sein Bekenntnis zur Stoa ist durch Epiktet (3,8,7) bezeugt. Ihm wurde vorgeworfen, unter Nero freiwillig als Ankläger aufgetreten zu sein (Plin. Ep. 3,7,3).
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  157. PIR (2) H 60; R.M. Goetz, Freunde und Feinde Domitians. Eine prosopographische Untersuchung, Diss. phil. München 1978, 109-113.
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  158. PIR (2) I/J 730; R.M. Goetz, wie Anm. 157, 113-116. Volkstribun im Jahre 66 n.Chr.: Tac. Ann. 16,26,4. Prätor im Jahre 69 n.Chr.: Anm. 95. Trotz der sicher vorher veröffentlichten "laudatio" auf Thrasea (Anm. 107) ist er noch im Jahre 92 Suffekt-Konsul geworden (AE 1949, Nr. 23 Z.27).
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  159. PIR (2) I/J 771; R.M. Goetz, wie Anm. 157,116-120. Im Unterschied zu seinem Bruder wurde er nur verbannt. Plutarch, der diesen Kreis durch Avidius Quietus (Anm. 173) kennt, hat ihn sehr gelobt (Galb. 8,8). Plin. Ep. 7,19,1 erwähnt eine Vestalin namens Iunia, die mit Thraseas Tochter Fannia verwandt ist; vielleicht gab es eine familiäre Verbindung zwischen den beiden Iunii und Thrasea.
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  160. PIR (2) H 128; R.M. Goetz, wie Anm. 157,120-123. Tacitus hat ihn persönlich gekannt (Agr. 45,1). Herennius war, nach Aufforderung durch Helvidius' Witwee, Verfasser einer "laudatio" (Plin. Ep. 7,19,5), und er erregte Aufsehen durch seine Weigerung, nach der Quästur noch ein weiteres Amt zu übernehmen (Dio. 67,13,2 p. 180 Boiss.) - eine verschärfte Form der von Thrasea inaugurierten Politik des "secessus" (Anm. 131). Ein vergleichbarer Fall könnte der vorläufige Verzicht des Cornelius Fuscus (PIR (2) C 1365) auf eine senatorische Laufbahn unter Nero sein (vgl. Tac. Hist. 2,86,3).
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  161. Tac. Agr. 2,1-2 und 45,1; Suet. Dom. 10,3; Dio 67,13,3 p. 180 Boiss.; zur Datierung s. A.N. Sherwin-White, wie Anm. 118,763f.
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  162. Quint. 12,3,12 (mit dem Kommentar von R.G. Austin, Oxford 1948).
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  163. Tac. Agr. 3,1; vgl. CIL VI 472 = ILS 274.
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  164. Vgl. Brit. Mus. Cat. III, S. 21 n. 117.
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  165. Vgl. Plin. Ep. 4,22,4-5: zu Gast ist Iunius Mauricus (Anm. 159), aber auch Fabricius Veiento (PIR 2 F 91); R. Syme, Tacitus, 4-6.
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  166. Dio 68,2,3 p. 188 Boiss.; vgl. A. Birley, Class. Rev. 76, 1962, 197-199.
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  167. Brit. Mus. Cat. III S. 31ff.; vgl. P.L. Strack, Untersuchungen zur römischen Reichsprägung des zweiten Jahrhunderts, Bd. I, Berlin 1931, 43f.
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  168. Plin. Paneg. 66,2. "... adhortatus es resumere libertatem, capessere quasi communis imepri curas, invigilare publicis utilitatibus et insurgere".
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  169. Eutrop. 8,4; "civilitas": vgl. M. Wallace-Hadrill, JRS 72, 1982, 32-48.
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  170. Plin. Paneg. 47,1: "quem honorem dicendi magistris, quam dignationem sapientiae doctoribus habes !"
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  171. Vgl. B. Maier, Philosophie und römisches Kaisertum, Wien 1985, 239ff.
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  172. Plin. ep. 1,10,10: "ille me consolatur, adfirmat etiam esse hanc philosophiae et qiudem pulcherrimam partem, agere negotium publicum, cognoscere iudicare, promere et exercere iustitiam, quaeque ipsi doceant in usu habere". Euphrates (PIR (2) E 121) wendet den Topos von der Betriebsamkeit der Stoiker (Anm. 102) ins Positive.
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  173. T. Avidius Quietus (PIR (2) A 1410) einer der jungen Leute um Thrasea (Plin. Ep. 6,29,1), darf sich im Jahre 97 im Prozeß gegen Publicius Certus für die Witwen Arria und Fannia einsetzen (Plin. Ep. 9,13,15); er ist einer der hochgestellten Freunde Plutarchs (Anm. 179). Iunius Mauricus (Anm. 159) wird Mitglied von Traians "consilium" (Plin. Ep. 4,22,3). C. Minicius Fundanus (Anm. 144) wird im Jahre 107 Suffekt-Konsul.
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  174. Die Wiederbelebung der lange Zeit verpönten Barttracht könnte durchaus unter dem Einfluß von Musonius und seinen Schülern erfolgt sein. Vgl. A.N. Sherwin-White, wie Anm. 118, zu Plin. ep. 1,10,7.
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  175. P.A. Brunt, Marcus Aurelius in his Meditations, JRS 64,1974,1-20.
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  176. PIR (2) I/J 814. Vgl. Selbstbetr. 1,7 und SHA Marcus 3,3-5. Der Großvater: Anm. 158. Rusticus' Position am Hofe dürfte mit der Stellung Senecas zu vergleichen sein; s. dazu E. Champlin, Fronto and Antonine Rome, Cambridge Mass. & London 1980, 119. Mark Aurel rühmt ihn überraschenderweise nicht wegen seiner politischen Lehren; hier war wohl Cn. Claudius Severus Arabianus cos. ord. 146 (PIR (2) C 1027) wichtiger. Dieser geborene Grieche und peripatetische Philosoph hat nach Mark Aurels eigenen Worten sein Verständnis für Thrasea und Helvidius gefördert (Selbstbetr. 1,14). Es könnte sein, daß das Gedächtnis der "stoischen" Opposition durch Epiktet besonders in den östlichen Provinzen lebendig geblieben ist.
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  177. Vgl. P.A. Brunt, PSR 43, 1975, 21.
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  178. Frontos - leider verlorene - "gratiarum actio" für das Konsulat des Jahres 143, vergleichbar dem Panegyricus des Plinius, ist eine der wichtisten Grundlagen für das günstige Bild der Antoninenzeit. Vgl. E. Champlin, wie Anm. 176,83f.
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  179. C. P. Jones, Plutarch and Rome, Oxford 1971, 53f.; hervorzuheben sind T. Avidius Quietus (Anm. 173), L. Herennius Saturninus (PIR (2) H 126), C. Minicius Fundanus (Anm. 144), und Q. Sosius Senecio (PIR (1) S 560).
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  180. Ein bemerkenswertes Beispiel für die veränderte "Akzeptanz" der Philosophie ist der Hinweis in einer senatorischen "sententia" über Ausgabenkürzungen bei Gladiatorenspielen (s. auch Anm. 119) auf die "secta" Mark Aurels (und das Commodus), die den Princeps darin bestärke, Mißstände zu beseitigen (CIL II 6278 = ILS 5153, Z. 25-26): "... tamen olli peraeque nequaquam sectae suae congruere arbitrati sunt male instituta servare et quae turpiter servandae essent instituere".
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  181. Euphrates "he of the mighty beard and magestic demeanour" (R. Syme, Tacitus, 75), ist "princeps" in seiner Heimat Syrien (Plin. Ep. 1,10,8).
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  182. Auch republikanisches Gebaren ist in dieser Zeit bestenfalls von antiquarischem Interesse. Taurus, der "praeses Cretae provinciae", und sein Vater schwelgen in Lesefrüchten über die Zeit, als ein Vater vor seinem Sohn aufstand, wenn er Magistrat war, und sie verhalten sich entsprechend. Taurus fühlt sich als "magistratus populi Romani" (vgl. Gell. Noc. Att. 2,1).
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Prof. Dr. Jürgen Malitz, 19. September 1999