Poseidonios

Erschienen in: Grosse Gestalten der griechischen Antike. 58 historische Portraits von Homer bis Kleopatra. Hrsg. von Kai Brodersen. München: Verlag C.H. Beck. S. 426-432.

Prof. Dr. Jürgen Malitz
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
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Poseidonios aus dem syrischen Apameia ist nicht nur einer der führenden Köpfe der hellenistisch-römischen Welt des 1. Jhdts. v. Chr., sondern auch einer der eindrucksvollsten Universalgelehrten des gesamten klassischen Altertums.

Die Herkunft aus dem Seleukidenreich ist ein wichtiger Faktor für seine späteren weitgespannten Interessen; hier lebten nicht nur Griechen, sondern auch fremde Völker: Phönizier, Syrer, Juden, und an den Grenzen standen die Parther. Geboren etwa im Jahre 135 v. Chr., war er nicht "syrischer", sondern griechischer Herkunft; von seiner Familie läßt sich nur sagen, daß sie zur politischen Führungsschicht gehörte und in den Thronstreitigkeiten des untergehenden Seleukidenreiches wohl Partei für eine Linie der Dynastie nahm. Der Vater war, selbstverständlich, wohlhabend genug, dem Sohn ein Studium in Athen zu finanzieren. Die Bibliotheken waren vortrefflich, und die Philosophenschulen hatten dort immer noch ihr Zentrum. Spätestens in Athen fiel Poseidonios' Entscheidung gegen die Epikureer, für die Stoa; er wurde der Meisterschüler des ca. 110 v. Chr. gestorbenen Panaitios von Rhodos.

Poseidonios ist nicht mehr nach Syrien zurückgekehrt, sondern wandte sich nach Rhodos, der Heimat seines Lehrers; neben Alexandreia in Ägypten war Rhodos in dieser Zeit ein Zentrum aller Wissenschaften, gerade auch der exakten Disziplinen, die ihm ebenso wichtig wurden wie die Philosophie. Auf Rhodos hat er nicht nur sein Wissen vervollkommnet, sondern machte auch, durchaus ungewöhnlich für einen Fremden, schnell politische Karriere. Er erhielt das sparsam verliehene Bürgerrecht - Rhodos war damals so etwas wie die Schweiz des griechischen Ostens - und wurde nach wenigen Jahren in das höchste zu vergebende Staatsamt gewählt. Als Stoiker bejahte er die politische Betätigung des Weisen und sah in der praktischen Bewältigung der Welt und ihrer Verbesserung einen Lebenssinn.

In den neunziger und achtziger Jahren, als er rhodischer Bürger wurde, für ein Jahr Oberbeamter (Prytan) von Rhodos war und diplomatische Aufgaben erfüllte, gab es viel zu tun für die neue Heimat. Rhodos war damals einer der wenigen unerschütterlichen Verbündeten Roms im Osten und wurde konfrontiert mit den Problemen der Piraterie und den Angriffen des Mithridates von Pontos.

Poseidonios gehörte zu den griechischen Intellektuellen seiner Zeit, die ohne Wenn und Aber für Rom als Ordnungsmacht einer aus den Fugen geratenden Welt optierten. Er hat seine Verbindungen zur römischen Führungsschicht nicht nur politisch für wichtig und sinnvoll gehalten, sondern auch für seine wissenschaftliche Arbeit genutzt. Der Zutritt zu höchsten Regierungskreisen ermöglichte es ihm, in den neunziger Jahren eine Forschungsreise in den von Rom beherrschten Westen bis hin nach Gibraltar zu unternehmen: für einen griechischen Reisenden wäre es damals unmöglich gewesen, ohne römische Förderung in die weniger erschlossenen Gebiete Galliens und Spaniens vorzudringen.

Seine akademische Bedeutung wuchs seit den achtziger Jahren stetig; ein Besuch bei ihm wurde zum Pflichtprogramm für ehrgeizigere Römer, die nicht als Banausen gelten wollten. Cicero bemühte sich um seine Gunst, und auch Pompeius, im Jahre 66 Sieger über die Piraten, erwies dem berühmten Manne seine Reverenz, indem er seinen Lictoren befahl, ihre Beile und Rutenbündel, die römischen Werkzeuge über Leben und Tod, vor dem Manne des Geistes zu senken. Pompeius dachte dabei an Alexander und Aristoteles.

Poseidonios hat wohl alle führenden Römer seiner Zeit persönlich gekannt hat, die sich in jenen Jahren auf Rhodos, einer notwendigen Durchgangsstation für den Osten, aufgehalten haben - mit der einen Ausnahme vielleicht Caesars, dem Poseidonios' enge Verbindung zu Politikern konservativer Richtung nicht geheuer war. Wie hoch er bei den Römern angesehen war, läßt sich daraus entnehmen, daß Cicero kein besserer Autor einfiel, den er darum bitten könnte, sein Konsulat des Jahres 63, die rechtmäßige Hinrichtung der Catilinarier eingeschlossen, stilistisch anspruchsvoll und politisch korrekt darzustellen; Poseidonios, ganz Diplomat, hat dankend abgelehnt.

Kurz kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges zwischen Caesar und Pompeius ist Poseidonios gestorben, möglicherweise in Zusammenhang einer letzten politischen Mission nach Rom im Jahre 51 v. Chr.

Die Breite und Fülle von Poseidonios' wissenschaftlicher Produktion erklärt sich nicht allein durch die Vielfalt seiner Interessen. Seine Werke müssen verstanden werden als Teil eines spätestens in den neunziger Jahren des I. Jhdts. v. Chr. gefaßten Lebensplans zur einheitlichen Erklärung der Welt aus dem Geist der Stoa. Alle seine Werke sind diesem Anspruch einer universalen Welterklärung untergeordnet, nicht nur die im engeren Sinne fachphilosophischen Schriften (z. B. über Logik, Ethik, Weissagung und theologische Fragen), sondern auch die naturwissenschaftlichen Untersuchungen (z. B. das Werk "Über den Ozean") und das berühmte Geschichtswerk, die Historien.

Bei aller Liebe zu den Wissenschaften vertrat Poseidonios stets die Meinung von der Unterordnung der einzelnen Fachwissenschaften unter die Philosophie, die allein in der Lage sei, den Kosmos zu erklären. Seine Definition der Philosophie bestätigt die Auffassung vom Zusammenhang aller seiner Werke. Die stoischen Vorgänger hatten sich die drei Elemente der Philosophie vorgestellt mit der Logik als Mauer um einen Garten, mit Bäumen (der Naturphilosophie) und Früchten (der Ethik). Poseidonios verglich die Philosophie lieber mit einem Lebewesen: die Naturphilosophie wurde zu Fleisch und Blut, die Logik stand für die Knochen und Sehnen, die das Lebewesen zusammenhielten, und die Ethik, als wichtigstes Element, war die Seele der Philosophie.

Poseidonios' Ruhm außerhalb fachphilosophischer Kreise begann spätestens in den achtziger Jahren mit der Veröffentlichung des Werkes "Über den Ozean und die angrenzenden Gebiete", der Frucht seiner Forschungsreisen in den Westen. Dieses Werk war nicht nur - ungewöhnlich genug für einen Stoiker - eine Gesamtdarstellung geographischer Fragen nach dem neuesten Stand der Wissenschaft, sondern ein Werk, in dem er dem Publikum seine Gedanken über den inneren Zusammenhang der Welt erklären wollte, das Ineinanderwirken aller Kräfte, die es zu verstehen galt auch für die Gestaltung der Welt durch den Menschen, im politischen wie im privaten Bereich. Ein berühmtes Beispiel ist Poseidonios' Erforschung des von den Kräften des Mondes ausgelösten Phänomens von Ebbe und Flut, das innerhalb der von den Römern erschlossenen Welt am besten in Gades zu untersuchen war: selbstverständlich unterzog sich der rastlose Forscher der Mühe einer solchen Reise.

Im Zentrum des Werkes stand die Erklärung der "kosmischen" Bedingtheit aller Erscheinungen auf der Erde. Ein Schlüsselbegriff für das Ozeanbuch - und für das Gesamtwerk - ist die "Sympathie", der organische Zusammenhang aller Teile der Welt, vom Himmel bis zur Erde. Poseidonios' im Ozeanbuch ausführlich vorgetragene Theorie von der Bedingtheit eines Volkscharakters durch das Klima, einschließlich seiner Darstellung der "Geographie der Rassen", hatte nicht allein naturwissenschaftliche, sondern auch politische Implikationen - die römischen Leser konnten lernen, daß die klimatische Mittellage Italiens eine wesentliche Voraussetzung der römischen Berufung zur Weltherrschaft war.

Die philosophisch begründete Parteinahme für Rom wird erst durch diese Klimatheorie und Poseidonios' Gedanken über Völkerverwandschaft und Völkergemeinschaft ganz verständlich. Die gegenwärtig differenzierte Welt der Völker hatte sich aus einer ursprünglichen Einheit heraus entwickelt. So erklärt es sich, daß er keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen den zivilisierten Römern als Herren der Welt und den weniger zivilisierten Barbaren machte. Bei aller Verbundenheit mit führenden römischen Politikern legte er also hohe Maßstäbe an bei der Beurteilung der römischen Herrschaft.

Poseidonios ist der einzige bedeutende Philosoph der Antike, der ein Werk über die Geschichte seiner Zeit geschrieben hat; auch ein historiographisches Werk galt ihm als sinnvoller Teile seines philosophischen Systems. Aristoteles und seine Schüler hatten Interesse an der Sammlung und Deutung historischen Materials gehabt, aber gerade die Stoa, wegen ihres verstärkten Interesses an der Ethik, hatte bisher nichts zur Förderung der historischen Forschung beigetragen. Die 52 Bücher der "Historien" schlossen an das Werk des Polybius an, begannen also im Jahre 146 v. Chr., und endeten vermutlich in der Mitte der achtziger Jahre.

Er ging in diesem Werk über die gewohnte Bestimmung der Universalgeschichte im Stile des Vorgängers Polybios weit hinaus, einer zusammenhängenden Darstellung der einzelnen, politisch aufeinander bezogenen oder voneinander abhängigen Länder; ihm ging es, auch in der Geschichte, um die organische Zusammengehörigkeit der Welt im ganzen. Für Poseidonios reichte die "Geschichte" über die Erde hinaus in den Himmel. Die Menschheit durfte, wie er erkannt zu haben glaubte, nicht mehr isoliert in ihrer "bloß" politischen Geschichte betrachtet und verstanden werden, sondern war ein Teil des Kosmos, der viel mehr umfaßte als die Geschichte der Völker und Individuen. Trotz der fragmentarischen Überlieferung lassen sich Beispiele dafür geben, wie sich Poseidonios' eigenartige Erweiterung der "Geschichte" auf die Themenbreite der Historien ausgewirkt hat. Viele Exkurse, die schwer in eines der bis dahin üblichen Geschichtswerke einzuordnen wären (z. B. Abschnitte über das Klima Arabiens und die lebensspendende Kraft der Sonne, über die Gezeiten, über die Klimatheorie mit ihrer aus dem Ozeanbuch übernommenen Geographie der Volkscharaktere), kennzeichnen ein Werk, das sich nicht mehr isoliert mit der politischen Geschichte befaßte, sondern alle Kräfte und Faktoren berücksichtigte, die die Menschen handeln ließen und ein Teil ihrer Lebenswelt waren.

Die völkerkundlichen Exkurse der Historien, die Fragen des Ozeanbuches aufnahmen, gehörten zu den Höhepunkten des Werkes. Die in umfangreicheren Fragmenten erhaltene Schilderung der Kelten zum Beispiel, deren Sitten und Gebräuche er während eines Forschungsaufenthaltes in Marseille erforscht hatte, ist ein Glanzstück griechischer Ethnographie. Bei der Charakteristik der Kelten berücksichtigte Poseidonios nicht nur die seit Herodot vertrauten Rubriken bei der Darstellung fremder Völker, sondern versuchte auch seine Anschauung von der individuellen Prägung der Völker durch ihre Umwelt (geographische Faktoren, Bodenschätze, Klima, Ernährung) zu verdeutlichen. Völker am Rande der römischen Welt wie die Kelten waren anders, sie waren sogar (auch nach seiner eigenen Einschätzung) - als Kopfjäger - "barbarisch", aber sie waren doch Menschen, die sich nicht grundsätzlich von den Römern, den Herren der Welt, unterschieden. Er schrieb, zur Belehrung seines in Vorurteilen befangenen Publikums, über das Verhältnis solcher Menschen zu den wesentlichen Dinge des Lebens, die Liebe zur Heimat etwa oder die Empfänglichkeit für Musik und Kunst.

Die Historien gehörten für Poseidonios auch zur Moralphilosophie. Am Stoff der jüngeren Vergangenheit wollte er seine Gedanken über die Entstehung der Affekte überprüfen und zugleich dem Leser Hinweise zur Gestaltung des eigenen Lebens geben. Das Werk muß einen eminent didaktischen Charakter im Sinne von Poseidonios' psychologischen Forschungen gehabt haben. In dem mehrere Bücher umfassenden Werk "Über die Affekte" hatte er - im Unterschied zur herkömmlichen stoischen Lehre und in Anlehnung an Platon - die Auffassung vertreten, daß nicht alle Element der Seele "rational" seien, sondern daß es ein Seelen-Element gebe, das an der Vernunft keinen Anteil habe, sondern stets im Zaume zu halten sei. Diese für einen Stoiker durchaus ungewöhnliche Anerkennung eines potentiell unheilvollen Seelenteils schärfte Poseidonios' Blick für Erziehungsfragen - Erziehung war nicht nur für Kinder wichtig, sondern auch für Erwachsene, die den Versuchungen der Welt ausgesetzt waren. Die meisten Menschen konnten von ihren Affekten zu schlimmen Handlungen getrieben werden, die wenigsten waren in der Lage, ihre Emotionen zum Wohle der Allgemeinheit zu zügeln. Poseidonios benutzte deshalb in seinen Schriften plastische Verdeutlichungen von Tugenden und Lastern als Hilfsmittel der philosophischen Erziehung: hier erfüllte sein Geschichtswerk eine pädagogische Funktion. Lob und Tadel, in den Historien reichlich verteilt, zeigten dem Leser, wie man im privaten und auch im öffentlichen Leben ein besserer Mensch sein konnte. Seine historischen Beispiele werden vielleicht nicht jeden Leser überzeugt haben: so wurden die Gracchen ein Beispiel für den politischen Wahnsinn, und der keineswegs von allen bewunderte Pompeius war ein leuchtendes Vorbild.

Bewußt erzieherisch war auch die Behandlung der Frage des richtigen Verhältnisses zwischen Herrschern und Beherrschten. Manche Beispiele gingen eher künftige Magistrate an, die nachlesen konnten, wie sich ein guter Provinzverwalter verhielt; auch niedriger gestellte Leser mochten sich dagegen wiederfinden in den Kapiteln über gute oder schlechte Sklavenhalter, deren Betragen eine Kausalkette knüpfte bis zum Ausbruch erbitterter Sklavenkriege.

Schon den antiken Leser fiel Poseidonios "aristotelische" Intensität bei der Erforschung der Ursachen aller Dinge auf; dieses sog. "Aristotelisieren" war in den fachphilosophischen Schriften ein zentraler Aspekt, aber auch in den naturwissenschaftlichen und historischen Schriften. Die Kausalität in Natur und Geschichte sah er als Ausdruck göttlichen Willens - die historische Kausalität war dann, richtig erkannt, schon ein Werk der Vorsehung. Die historische Ursachenforschung wurde zur Theodizee; die Geschichte war das Strafgericht über diejenigen, die Schuld auf sich geladen hatten: die grausamen Sklavenherren sind schuld am Ausbruch der Sklavenkriege und sterben auf schreckliche Weise, die dem Wahn verfallenen Gracchen ereilt ein verdienter Tod. Als Historiker verstand sich Poseidonios als Diener der Vorsehung bei der Austeilung von Lob und Tadel.

Aufgabe des stoischen Historikers war es deshalb, die kausalen Verknüpfungen, die zu Katastrophen wie den Sklavenkriegen geführt hatten, aufzudecken und den Römern einsichtig zu machen. So wollte er die Römer seiner Zeit gegen alle Verfallstendenzen befähigen, ihrer von der Natur und der Vorsehung gewünschten Führungsrolle gerecht zu werden.

Ein zentrales Thema des Ozeanbuches war es, die sinnvolle Einrichtung der Welt an den Erscheinungen der Natur zu zeigen. Es dürfte nicht leicht gewesen sein, dies auf den Bereich der politischen Geschichte zu übertragen. In den Historien mußte Poseidonios als historischer Berichterstatter ein Panorama des Schreckens und der Verfalls entfalten, das nur gelegentlich besser erträglich wurde durch das Wirken vorbildlicher Gestalten. Es ist gut möglich, daß Poseidonios das Ziel der allumfassenden Gottheit, über die er in seinen philosophischen Schriften gehandelt hatte, gar nicht in der Erreichung des Glücks einzelner Menschen und Völker sah, sondern einfach in der Erhaltung des Kosmos als Ganzem.

Wer Poseidonios begegnete, war beeindruckt. Es muß ihm, anders als so vielen Fachgenossen, gelungen sein, Leben und Lehre ohne große Widersprüchlichkeit miteinander zu verbinden. Seinen Besuchern imponierte Poseidonios durch die Konsequenz seiner philosophischen Lebensführung. Das war nicht immer leicht; berühmt wurde eine Vorlesung des schwer an Gicht Erkrankten über das »Höchste Gut«, in der er trotz aller körperlichen Schmerzen nicht von der orthodoxen stoischen These abwich, daß solche Schmerzen keine wirklichen Übel seien.

Als Philosoph hielt er nicht nur Vorträge über die Beziehung von Theorie und Praxis; er bemühte sich auch darum, seine Erkenntnisse über politische Fehlentwicklungen und deren Ursachen durch die Beratung römischer Politiker in die Tat umzusetzen. Durch seinen Einfluß ist es zu erklären, daß Pompeius im Jahre 67 zur Überraschung seiner Offiziere die überlebenden kilikischen Piraten nicht hinrichten ließ, sondern ihnen Siedlungen zuwies, mit der Begründung, daß sie nur aufgrund ihrer materiellen Not zu Piraten geworden seien.

Die antike Wirkungsgeschichte von Poseidonios' Werk entspricht nicht unbedingt der heute noch zu erschließenden geistigen Bedeutung. Die Gründerväter der Stoa vermochte er nicht als Autorität zu ersetzen, so daß keines seiner philosophischen Werke lange erhalten geblieben ist. Die Philosophen zitieren ihn weniger als die Mediziner, Geographen und andere Fachwissenschaftler bis ins 6. Jhdt. n. Chr.; so ist es verständlich, daß viele der erhaltenen antiken Zitaten die Gedanken des Poseidonios nur unvollkommen wiedergeben und die modernen Interpreten seiner fragmentarischen Texte nicht immer einer Meinung sind. Unstrittig bleibt aber die Universalität seines philosophischen Denkens und Forschens im Interesse nicht nur einer Gestaltung des individuellen Lebens, sondern auch einer Verbesserung des Zusammenlebens von Herrschern und Beherrschten in der gebrechlichen Welt des I. Jhdts. v. Chr.


Sammlung der Fragmente: L. Edelstein & I. G. Kidd (Hrsg.), Poseidonios I. The Fragments, Cambridge, 2. Aufl. 1989; I. G. Kidd, Poseidonios II. The Commentary, Cambridge, 1982; W. Theiler, Poseidonios. Die Fragmente. Berlin, 1982.

Lit.: K. Reinhardt, Poseidonios, München 1921; J. Malitz, Die Historien des Poseidonios, München 1983; I. G. Kidd, Poseidonios, in: Fr. Ricken (Hrsg.). Philosophen der Antike II, Stuttgart 1996, S. 61 - 82.


Prof. Dr. Jürgen Malitz, 19. September 1999