Helvidius Priscus und Vespasian. Zur Geschichte der "stoischen" Senatsopposition

Erschienen in: Hermes 113, 1985, S. 231 - 246

Prof. Dr. Jürgen Malitz
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
E-Mail: 100270.3107@compuserve.com


I.

Helvidius Priscus ist neben seinem Schwiegervater Thrasea Paetus der wichtigste Vertreter der senatorischen Opposition gegen den Principat im 1. Jahrhundert n. Chr.[1]. Jeder Versuch, seine Gestalt historisch zu erfassen, wird nicht nur durch das Fehlen primärer Zeugnisse erschwert, sondern auch durch den Verlust des größten Teils von Tacitus' Historien und damit des Berichts über Helvidius' Verhalten gegenüber Vespasian in den frühen siebziger Jahren. Über diesen vermutlich wichtigsten Abschnitt von Helvidius' politischem Wirken, der mit Vespasians Rückkehr nach Rom im September des Jahres 70 begann, sind nur wenige Notizen bei anderen Autoren überliefert, die von der Absicht geprägt sind, Helvidius' Opposition gegen Vespasian doktrinäre oder gar skurrile Züge zu verleihen und den Princeps von jeder Schuld an seinem Tod zu entlasten[2]. Dagegen steht die "Heiligsprechung" durch Epiktet und seine Freunde; wenn Helvidius für solche Männer ein ömischer Sokrates war[3], so ist ihre Ansicht für die moderne Urteilsbildung mehr, als es gewöhnlich geschieht, zu berücksichtigen[4].

Jede Rekonstruktion von Helvidius' Wirken ist zu einem erheblichen Teil auch eine Tacitus-Interpretation, die der Frage gilt, welche Position der Historiker innerhalb der widersprüchlichen Tradition eingenommen hat. Tacitus standen bei seiner Aufgabe, über Helvidius zu berichten, Quellen ganz unterschiedlicher Provenienz zur Verfügung. Sein Rückblick auf den Werdegang des jungen Helvidius im IV. Buch der Historien erlaubt die Annahme, daß er die Biographie des Herennius Senecio oder eine vergleichbare Schrift über die "Märtyrer" der Senatsopposition benutzt hat[5]. Eine Kontrollmöglichkeit bei der Übernahme dieser Tradition war es, den Bericht dieser Autoren über Helvidius' Anteil an den Senatsverhandlungen mit dem zu vergleichen, was in den Senatsakten zu lesen war[6]. Daß Tacitus die offiziösen Berichte über den Principat Vespasians mit einiger Skepsis benutzt hat, läßt sich z. B. an der Art seiner Behandlung der ersten Senatssitzung nach dem Sieg der Flavianer zeigen[7].

Es ist zudem möglich, daß Tacitus Thraseas Frau Arria und der Witwe des Helvidius, Fannia, noch begegnet ist und auf diese Weise einen ganz persönlichen Eindruck vom Stil der Senatsopposition unter Nero und Vespasian gewonnen hat[8]. Helvidius' gleichnamigen Sohn aus erster Ehe kannte er, doch dürfte dieser sich bei Auskünften über seinen Vater eher zurückgehalten haben[9].

Helvidius kam mit seinem Auftreten offenbar einer Vorstellung entgegen, wie sie sich die Verächter der Philosophie von politisch interessierten Stoikern machten, deren höchstes Bestreben es angeblich war, sich überall ungefragt einzumischen[10]. Daß er tatsächlich ein ganz bewußter Anhänger der stoischen Philosophie war, beweist die merkwürdige Sonderstellung, die er in den Diatriben Epiktets einnimmt[11]. Es ist allerdings eine andere Frage, ob Helvidius' Verhalten als Senator in erster Linie wirklich durch seine philosophischen Studien zu erklären ist. Die flavische Tradition hat natürlich betont, daß Helvidius ein eifernder philosophischer Prediger und Umstürzler war[12]. Tacitus hat sich jedoch nicht auf die Seite derer gestellt, die Helvidius zu einem Doktrinär abstempelten. Das nachdrückliche Philosophie-Studium, das er in der biographischen Notiz über Helvidius erwähnt[13], hat in der übrigen erhaltenen Darstellung seines Wirkens keine weiteren Spuren hinterlassen; "intempestiva sapientia" zählte für Tacitus offenbar nicht zu Helvidius' Fehlern[14].

II.

Von Nero nach dem Prozeß gegen Thrasea Paetus im Jahre 66 aus Italien verbannt, gehörte Helvidius zu denen, die Galba sofort begnadigt hat. Sein Verhalten unter Galba wird bei Tacitius nur deutlich durch die später erwähnte Erinnerung an eine Anklage gegen Eprius Marcellus, die er dann doch zurückzog[15]. Seine Position gegenüber Otho ist überhaupt nicht erkennbar. Mit Sicherheit gehörte er aber nicht zu jenen Senatoren, die sich Otho willig zur Verfügung stellten[16]. Wenn Helvidius seine Prätur für das Jahr 70 nicht bereits Galba zu verdanken haben sollte, dann muß es Vitellius gewesen sein, der seine Designation gefördert oder wenigstens geduldet hat[17].

In den Historien wird Helvidius jedenfalls das erste Mal im II. Buch genannt, bei Gelegenheit einer Senatssitzung im Sommer des Jahres 69, unter dem Vorsitz des Vitellius[18]. Nicht von Tacitus, sondern nur von Dio wird überliefert, daß Helvidius es damals gewagt hat, im Senat über die Rolle der Legionen oder der Prätorianer zu sprechen, sehr zum Mißvergnügen des Princeps[19]. Helvidius hatte ein Thema berührt, das schon lange nicht mehr zu den Aufgaben des Senats gehörte. schon hier wird die Absicht erkennbar, dem Senat größere Unabhängigkeit zu erkämpfen[20].

In den Monaten zwischen Vitellius' Tod und Vespasians Rückkehr aus dem Osten hat Helvidius dann zielstrebig versucht, die Befugnisse des Senats durch eine Reihe folgenreicher Beschlüsse zu erweitern. die Gelegenheit dafür war günstig.

Wenn die Generäle auch bedrohlich auftraten, war doch der künftige Princeps selbst noch fern von Rom. Gerade die Abwesenheit des Siegers lud dazu ein, die Phrasen von der "Gewaltenteilung" zwischen Princeps und Senat einmal wörtlich zu nehmen.[21]. Mancher mag auch gehofft haben, daß Vespasian, der auf keine illustren Ahnen verweisen konnte, mehr Verständnis für die Wünsche des Senats haben werde.

Helvidius' Absichten werden gleich auf der ersten Senatssitzung nach Vitellius' Tod am 21. Dezember 69 erkennbar. Für die flavische Tradition war dies vor allem der Tag, an dem die Senatoren den Principat Vespasians bestätigten[22]. Tacitus' ausführlicher Bericht gilt ganz anderen Fragen, und Helvidius Priscus ist einer der Protagonisten. "Optimus est post malum principem dies primus"[23].

Erster Punkt der Tagesordnung war allerdings der Beschluß über Vespasians Principat gewesen. Das Verhältnis der inschriftlich überlieferten "lex de imperio Vespasiani" zum entsprechenden Senatsbeschluß ist nicht völlig klar. Tacitus' Darstellung macht es aber wahrscheinlich, daß alle in der "lex" festgehaltenen Vollmachten zu dem gehörten, was die Senatoren als "cuncta principibus solita" empfinden konnten. Daß Vespasian später nicht daran dachte, seinen "dies imperii" mit dem Senatsbeschluß dieses Tages zu datieren, steht auf einem anderen Blatt[24].

Inmitten der allgemeinen Willfährigkeit gegenüber Mucianus, der sich als Stellvertreter des Princeps gebärdete, unterschied sich Helvidius' Zustimmung bei einer bestimmten Gelegenheit von den "sententiae" der übrigen Befragten: "er äußerte sich in einer Weise, die ehrenvoll für den neuen Princeps war, der aber auch jede Heuchelei abging"[25]. Dies dürfte sich auf die Stellungnahme zu den Ehrenanträgen für Vespasians Feldherren beziehen. Vespasian selbst wurde von Helvidius mit der Höflichkeit genannt, die dem vom Senat gerade bestätigten Princeps gebührte - ein wichtiges Zeugnis für seine damalige Position[26]. Tacitus deutet an, daß Helvidius' Zurückhaltung bei den Ehrenanträgen von Mucianus nicht vergessen worden ist: "isque praecipuus illi dies magnae offensae initium et magnae gloriae fuit"[27].

Helvidius exponierte sich dann gleich noch einmal, bei der Debatte über die Senatsgesandtschaft an Vespasian. Valerius Asiaticus hatte beantragt, die Ehrengesandtschaft wie bisher durch das Los zu bestimmen. Helvidius widersprach und verlangte eine Neuerung, die namentliche Auswahl der Gesandten "a magistratibus iuratis". Eprius Marcellus plädierte für die Beibehaltung der Auslosung[28].

Tacitus hielt den dadurch entfachten Streit für so wichtig, daß er die "altercatio" der beiden Widersacher in zwei indirekten Reden zusammengefaßt hat[29]. An Helvidius' Rede ist besonders bemerkenswert die grundsätzliche Anerkennung des neuen Princeps; Kernpunkt der Rede ist freilich die Angewiesenheit selbst eines vorbildlichen Princeps auf gute Freunde[30]. Helvidius wollte mit seiner Intervention nicht mehr und nicht weniger erreichen als Vespasian die Zusammensetzung seines "consilium" geradezu vorzuschreiben. Es ging ihm darum, die Stellung des Senats in einem wichtigen Bereich nicht nur zu festigen, sondern sogar zu steigern. Marcellus' Widerspruch betraf deshalb viel mehr als nur die Furcht, bei einer persönlichen Auswahl der Gesandten übergangen zu werden[31].

Bei der Abstimmung erlitt Helvidius eine empfindliche Niederlage. Es waren die vielen Senatoren einer mittleren, noch unentschiedenen politischen Haltung, die für die übliche Auslosung der Senatoren stimmten[32].

Ein weiterer Punkt der Tagesordnung am 21. Dezember betraf die öffentlichen Finanzen. Die damals das "aerarium" verwaltenden Prätoren hatten auf die Fehlbestände in der Staatskasse hingewiesen[33]. Valerius Asiaticus beantragte mit gewohnter Ergebenheit, alle Vollmachten für die Sanierung dem Princeps zu übertragen. Helvidius dagegen wollte dem Senat die letzte Entscheidung in diesen Fragen überlassen, vielleicht auch mit dem Hinweis auf die damals zuständigen Prätoren[34]. Die Umfrage im Senat kann nicht ungünstig für ihn ausgefallen sein, denn nur so läßt sich die Interzession des Tribunen Vulcacius Tertullus im Interesse des Princeps erklären. An diesem Tage war das ein denkwürdiges Veto, die letzte tribunizische Interzession in der erhaltenen Überlieferung[35].

Wenigstens einen Rest seines Antrages versucht Helvidius durch den Vorschlag zu retten, den schon beschlossenen Neubau des Kapitols aus der Kasse des Senats zu bestreiten und Vespasian dabei nur helfen zu lassen; angesichts der Bedeutung des Neubaus war das eine Aufteilung der Verantwortlichkeiten, die Helvidius' Vorstellungen von den Kompetenzen des Senats unterstrich. Darüber wird nicht einmal abgestimmt[36].

Gleich zu Beginn des neuen Jahres kommt es wieder zum Streit zwischen Helvidius, der nun als Prätor amtiert, und Eprius Marcellus. Tacitus hat es allerdings so dargestellt, als habe sich Helvidius erst unter dem Eindruck der gegen die Delatoren sehr gereizten Stimmung des Senats zu einem erneuten Angriff entschlossen. Das juristische Problem, das er sich durch die erwähnte, unter Galba gegen Marcellus erhobene, dann aber aufgegebene Anklage geschaffen hatte, wird Helvidius genau bekannt gewesen sein[37].

Der Ernst der für Marcellus, den berühmten Redner, durch die neue Anklage geschaffenen Lage wird dadurch deutlich, daß er sich diesmal nicht auf seine Kunst verlassen hat[38]. Er machte Anstalten, zusammen mit dem ebenfalls von einer Verurteilung bedrohten Vibius Crispus den Senat zu verlassen und damit sozusagen den Wünschen seines Gegners zuvorzukommen. Sogar die augenblickliche Stellung des Helvidius als Vormann des Senats erkennt Marcellus ironisch an: "imus, Prisce, et relinquimus tibi senatum tuum: regna praesente Caesare"[39]. Seine Rettung an diesem Tage verdankt er der Gegenwart von Domitian und Mucianus.

Die folgende Senatssitzung. wohl die vom 15. Januar 70, bringt dann die Entscheidung gegen die von Helvidius und seinen Freunden vertretene "libertas" des Senats[40]. Domitian, als Stadtprätor wieder Vorsitzender, hält eine Art Verteidigungsrede für die Delatoren, und Mucianus versagt sich nicht den Hinweis auf die fehlende juristische Grundlage von Helvidius' erneuter Anklage gegen Marcellus. "Patres coeptatam libertatem, postquam obviam itum, omisere"[41].

Das letzte Mal im erhaltenen Teil der Historien wird Helvidius bei der Weihe des Bauplatzes für das neue Kapitol genannt[42]. Da Vespasian immer noch nicht in Rom eingetroffen war, hatte er dem Ritter L. Iulius Vestinus die Vollmacht für die Überwachung des Baus gegeben[43]. Am 21. Juni 70 fand die "lustratio" des Bauplatzes statt, geleitet von Ti. Plautius Silvanus als Pontifex Maximus, einem erprobten Anhänger des neuen Princeps. Der Pontifex Maximus bedurfte zur korrekten Erfüllung seiner Aufgabe der Mitwirkung eines Konsul oder Prätors[44]. Wenn von allen verfügbaren Prätoren ausgerechnet Helvidius die ehrenvolle Aufgabe erhielt, die Gebete zur Restitution des Kapitols zu sprechen, so ist dies nach den vorausgegangenen Konflikten mit Vespasians Platzhaltern nicht selbstverständlich. Für wie wichtig Vespasian den Wiederaufbau des Kapitols gehalten hat, zeigt seine spätere demonstrative Beteiligung an den Arbeiten[45].

III.

Etwa Ende September 70 traf Vespasian in Rom ein[46]. Sueton schreibt, daß Helvidius den Princeps nach der Rückkehr aus Syrien nur mit seinem Namen "Vespasian" angeredet und seine Edikte ohne ehrerbietige - oder schmeichlerische - Einleitung veröffentlicht habe[47]. Schon in den ersten Senatssitzungen nach Vespasians Sieg hatte Helvidius bei aller korrekten Behandlung des Princeps offenbar immer nur von "Vespasian" gesprochen[48]; die Absicht, Vespasian auch nach seiner Rückkehr nicht als "Caesar" anzusprechen, verstieß vermutlich gegen keine ausdrücklich festgelegte Bestimmung, doch war dieses Beharren auf Vespasians "bürgerlichem" Namen ohne Zweifel sehr outriert. Der Schwiegervater Thrasea Paetus hätte sich vermutlich anders verhalten[49]. Helvidius' Ausnutzung der durch die Prätur gegebenen Möglichkeit, sich mit Edikten an die Öffentlichkeit zu wenden, war ähnlich extravagant[50].

Wohl gleichfalls in das Jahr der Prätur führt Suetons Erwähnung von "altercationes insolentissimae" zwischen Helvidius und Vespasian, bei denen er den Princeps beinahe wie einen einfachen Mit-Senator behandelt haben soll[51]. In einem Exzerpt aus Cassius Dio ist die zusätzliche Nachricht erhalten, daß die Volkstribunen Helvidius bei einer dieser Gelegenheiten verhafteten; der Wortlaut des Exzerpts zwingt allerdings nicht zu dem Schluß, daß dies auf Befehl Vespasians geschah[52].

Bei diesen von Sueton nicht näher erläuterten Streitigkeiten ging es gewiß nicht um die Person des Princeps, der sich so gründlich von Nero unterschied; es muß sich um eine gewichtige politische Frage gehandelt haben: um die von Vespasian sofort nach seiner Rückkehr nach Rom angestrebte Regelung der Nachfolge[53]. Wenn dies auch nirgends direkt bezeugt ist, so spricht doch viel dafür, daß sich Helvidius gegen Titus als Nachfolger wandte - von Titus erwarteten die meisten Zeitgenossen wenig Gutes[54]. Ob Helvidius damals noch von "seinem" Senat ebenso wie früher unterstützt wurde, ist eine andere Frage.

Wie extrem sein senatorisches Selbstbewußtsein damals war, ist durch eine von Epiktet - zur Ehre des Helvidius - erwähnte Episode überliefert[55]. Epiktet spricht von Helvidius' festem Willen, die von ihm für wichtig erkannten senatorischen Pflichten zu erfüllen[56].

Als Vespasian ihm die Aufforderung zuschickte, nicht in den Senat zu kommen, antwortete er: "In deiner Macht steht es, mich nicht Senator sein zu lassen; solange ich aber Senator bin, muß ich in den Senat kommen"[57]. "Nun gut, aber wenn du kommst, dann schweige." "Frage mich nicht, und ich werde schweigen." "Aber ich muß dich fragen." "Und ich muß sagen, was ich für richtig halte."[58] "Aber wenn du sprichst, werde ich dich töten." "Habe ich dir jemals gesagt, daß ich unsterblich bin ? Du wirst das tun, was in deiner Macht steht, und ich werde das Meine tun. Du kannst mich töten, ich aber kann sterben, ohne zu zittern. Du kannst mich verbannen, ich aber kann gehen, ohne zu trauern"[59].

Epiktet zeigt weder im Zusammenhang dieses Zitats noch an anderer Stelle Interesse an Helvidius' politischem Standpunkt. Ihm geht es allein um die Frage, wie jemand der einmal für wesensgemäß erkannten "persona" treubleibt - eine Aufgabe, der wenige gerecht werden und der sich vielleicht auch nicht jeder stellen sollte[60]. Für Epiktet gehörte Helvidius allerdings zu jenen seltenen Individuen, die die richtige Wahl für ihre Lebensaufgabe getroffen und dann auch die Kraft hatten, sie auszufüllen[61]. Wie ungeheuer hoch Helvidius' Auftreten gerade in den letzten Jahren seines Lebens von Epiktet eingeschätzt worden ist, macht der erste Abschnitt des IV. Buches der Diatriben deutlich: er wird hier geradezu auf eine Stufe mit Sokrates gestellt[62].

Da Epiktet den politischen Zusammenhang von Helvidius' Auftreten als Senator nicht erwähnt, geht der eigentliche Anlaß des Zerwürfnisses zwischen ihm und Vespasian aus dem vorgelegten Text nicht hervor. Nero hatte sich in den sechziger Jahren durch Thraseas Fernbleiben von den Senatssitzungen betroffen gefühlt[63]; Vespasian wäre froh gewesen, wenn Helvidius sich ähnlich verhalten hätte. Die "Bitte" des Princeps könnte sich durch die Debatten über die Nachfolge-Regelung erklären. Ihm mußte ja viel daran liegen, den Schwiegersohn Thraseas nicht zum "Märtyrer" werden zu lassen. Es versteht sich von selbst, daß Helvidius - in Epiktets Version jedenfalls - keine "republikanischen" Äußerungen androht, oder gar solche, die den Tatbestand einer plumpen, "kynischen" Majestätsbeleidigung erfüllen würden[64]. Der Akzent Epiktets liegt vielmehr darauf, daß Helvidius als vorbildlicher Senator Äußerungen verantworten zu können glaubt, für die Vespasian die Hinrichtung androht. Der Princeps wird hier in die Nähe des tyrannischen Domitian gerückt. Diese aus der "Märtyrer"-Literatur übernommene extreme Posiiton Epiktets hat Tacitus bei der Darstellung dieser Vorgänge gewiß nicht geteilt; doch wird er auch nicht Suetons kritische Worte gebraucht haben, legt man die im IV. Buch der Historien gegebene Chrakteristik zugrunde[65].

Der zeitliche Ablauf der Ereignisse, die erst zu Helvidius' Relegation und dann zu seinem Tod führten, ist unklar überliefert. Dagegen läßt sich immerhin der Stil, in dem die flavische Geschichtsschreibung Helvidius' Untergang geschildert hat, den Exzerpten aus Cassius Dio entnehmen. Seine gegen Helvidius gerichtete Tendenz ist allerdings nicht nur durch die Vorlagen, sondern auch noch durch seine eigene Ablehnung aller "Philosophen" und "Oppositionellen" bedingt[66].

Vespasians Entschluß, gegen Helvidius vorzugehen, wird gewöhnlich in das Jahr 71 datiert, in das Jahr der "Philosophenvertreibung"[67]. Wenn diese zeitliche Verknüpfung richtig ist, hat Helvidius' zu vermutende Intensität bei der Auseinandersetzung mit Vespasian den Princeps vielleicht auf eine harte Geduldsprobe gestellt, die das Jahr 71 dann nicht überdauert hätte. Der Princeps zog Philosophen vor, die die neue Dynastie hofierten[68].

Ein zweites für Helvidius' Tod in Frage kommendes Datum ist das Jahr 74. Die pointierte Erwähnung der Rededuelle zwischen Helvidius und Marcellus im "Dialogus", zusammen mit der von Tacitus angedeuteten bedrohlichen Atmosphäre zur Zeit des dramatischen Datums, können zur Begründung herangezogen werden. In diesem Falle müßte Vespasian aber Helvidius' Opposition drei Jahre lang ertragen haben, was nicht sehr wahrscheinlich ist, oder zwischen Relegation und Hinrichtung wäre einige Zeit verstrichen[69].

Unklar wie die Datierung von Helvidius' Tod sind die näheren Umstände der Relegation, die von Sueton als erstes Strafmaß erwähnt wird[70]. Dio schreibt von wilden Beschimpfungen nicht nur des Princeps, sondern auch von dessen "Freunden"[71]. Es wäre vollkommen verständlich, wenn Helvidius über die Männer, die mehr und mehr Einfluß bei Hofe gewannen, erbost gewesen ist und starke Worte gebrauchte. Gerade Eprius Marcellus wurde ein mächtiger Mann, dessen Bedeutung nach einem dreijährigen Prokonsulat der Provinz Asia durch die Verleihung eines zweiten Konsulats im Jahre 74 demonstrativ anerkannt worden ist[72]. Wenn Dio von Helvidius' heftigen Reden gegen "Basileia" und für "Demokratia" schreibt, so darf dies keinesfalls als zuverlässiges Zeugnis für Helvidius' Wunsch verstanden werden, die Formen der alten Republik wiederherzustellen[73]. Das Exzerpt aus Dios Abschnitt über die Gründe, die Vespasian bewogen haben, Helvidius zum Schweigen zu bringen, ist für die Beurteilung seines wirklichen Auftretens so viel und so wenig wert wie etwa die Rede des Cossutianus Capito für die wirklche Politik Thraseas[74]. Die Beschuldigungen aus den Invektiven der Gegner sollten an Epiktets Bemerkungen über Helvidius' Selbstverständnis als vorbildlicher Senator gemessen werden; auch die von Tacitus hervorgehobene "aequabilitas" bei der Erfüllung aller seiner Pflichten macht es ganz unwahrscheinlich, daß Helvidius sich jemals von seiner Beteiligung am Senatsbeschluß über die "cuncta principibus solita" losgesagt hat[75]. Vermutlich sprach er ganz einfach von den Vorzügen der "libertas" und den Nachteilen eines Systems, das auf die Hilfe von Männern wie Marcellus und Vibius Crispus nicht verzichten konnte[76].

Helvidius traf zunächst die mildeste Form der Verbannung, die "relegatio"[77]. Dies ist ein Indiz für Vespasians Mäßigung, deutet aber wohl auch darauf hin, daß sich Helvidius bis zum Ende weitgehend "korrekt" verhalten und es seinen Gegnern nicht dadurch leichtgemacht hat, daß er so sprach, wie es jetzt in den Exzerpten aus Cassius Dio nachzulesen ist. Suetons Wortwahl läßt vermuten, daß die "altercationes insolentissimae" als Begründung für die "relegatio" genannt worden sind[78].

Suetons Notiz zeigt, daß Helvidius' Hinrichtung einer der großen Justizskandale der Zeit war. Nimmt man Sueton wörtlich, so wurde der Befehl zur Hinrichtung ohne Wissen des Princeps erteilt. Später hieß es dann, Vespasian habe nichts unversucht gelassen, die Ausführung zu verhindern[79]. Auf die naheliegende Frage, wer es sich denn damals erlauben konnte, ohne Absprache mit dem Princeps einen relegierten Senator töten zu lassen, ist Sueton leider nicht eingegangen. Tacitus' Hinweis auf die "magna offensa" vom 21. Dezember 69 läßt an Eprius Marcellus und an Mucianus als Anstifter denken[80]. Und Titus, dessen Designation zum Nachfolger des Princeps Helvidius vermutlich zu verhindern gesucht hat, war bekannt für seinen Eifer als Prätorianerpräfekt und für seine wirkungsvolle Ausübung der "befreiten Criminaljurisdiction des Princeps"[81].

Vielleicht war Helvidius' Einwirkung auf die interessierte Öffentlichkeit durch die bloße Entfernung aus Rom nicht unterbunden. Der Mann, der "commentarii" hinterließ[82], könnte Mittel und Wege gefunden haben, Kontakt mit der Hauptstadt zu halten. Musonius erhielt ja selbst auf der "Teufelsinsel" Gyaros Besuch von seinen Bewunderern[83]. Die Vorgänge um Helvidius' letzte Tage werden ein ergiebiges Thema für die "Märtyrer"-Literatur gewesen sein. Hier war allerdings kein tapferer Freitod zu schildern, sondern ein Mord[84]. Epiktet hat Helvidius' Schicksal mit dem Tod des Sokrates verglichen[85].

IV.

Mucianus' und Marcellus' Ansichten über Helvidius sind bekannt. Wie ist er aber von denen beurteilt worden, die nicht seine geschworenen Feinde waren, ohne gleich, wie etwa Senecio, zu seinen begeisterten Gefolgsleuten zu gehören ? Tacitus hat betont, daß Helvidius für seine ersten Initiativen nach Vitellius' Tod durchaus Unterstützung fand, wenn die gewohnte Furcht erst einmal gebrochen war. Marcellus' ironisches "senatus tuus" gegenüber Helvidius entbehrte nicht jeder Grundlage[86]. War der Senat auch noch nach Vespasians Rückkehr bereit, Helvidius' Anträge mit beifälligem Gemurmel zu begleiten, wie im Dezember 69 ? Tacitus' Andeutungen läßt sich zwar entnehmen, daß die Furcht der Senatoren größer wurde, doch heißt dies wohl nicht, daß Helvidius' Beharren auf seinem im Dezember 69 bezogenen Standpunkt ausdrücklich mißbilligt worden wäre, mit Worten der Art, wie sie Tacitus Marcellus in den Mund gelegt hat[87].

Der Verlust der Historien hat dazu geführt, daß die jetzt erhaltene Überlieferung ein geschöntes Bild von den Beziehungen zwischen Vespasian und dem Senat vermittelt. Schon dies erleichtert die Auffassung, Helvidius' Opposition sei allzu starr gewesen. Daß aber nicht allein Helvidius Reserven gegenüber dem neuen Herrn hatte, wird selbst bei Sueton deutlich. Vespasian hat nicht geringe Schwierigkeiten gehabt, dem Senat seinen Sohn Titus als Nachfolger aufzuzwingen[88]. Wenn der Maternus des "Dialogus" sich mit der Abfassung eines "Thyestes" abmüht, könnte das einen dem Princeps durchaus unangenehmen Hintersinn haben[89]. Und was mag Eprius Marcellus, der im Dezember 69 als Lobredner des "obsequium" auftrat, Ende der siebziger Jahre dazu bewogen haben, sich gegen den Princeps zu verschwören[90] ?

Mancher nachdenkliche Zeitgenosse wird allerdings bei der Abwägung aller politischen Möglichkeiten geneigt gewesen sein, Helvidius' "senatorische" Haltung gegenüber dem allmächtigen Princeps für nicht sehr realistisch zu halten, zumal angesichts eines Vespasian, dessen Verdienste um das Reich im Laufe der Jahre deutlicher wurden. Von denen, die zunächst auf der Seite des Helvidius offen aufgetreten sind, hören wir nichts mehr. Paconius Agrippinus, der im Jahre 66 zusammen mit Helvidius und Curtius Montanus angeklagt worden war und der von Epiktet ebenfalls zu den stoischen "Heiligen" gezählt wird, war später sogar zur Zusammenarbeit mit dem Princeps bereit[91]. Arulenus Rusticus, einer der feurigen jungen Idealisten aus dem Kreis Thraseas, dürfte ebenfalls weniger rigoros geworden sein[92]. Helvidius' Prinzipienstrenge, philosophisch begründet mit der einmal gewählten "persona", war nicht für jedermann annehmbar. Mancher hat sein Auftreten gegenüber Vespasian wohl mit dem Streben nach "gloria" erklärt; diese Kritik schloß dann aber auch ein, daß sein Verhalten tatsächlich "gloria" nach sich ziehen würde, grundsätzlich also ein Kampf für eine gute Sache sei[93].

Diese Überlegungen erlauben den Schluß, daß Helvidius nicht für alle Senatoren der unerträgliche Besserwisser war, zu dem ihn seine Feinde abstempeln wollten[94]. Er machte etwas bewußt, was auch andere Senatoren, die bloß weniger Mut hatten, ebenfalls schmerzlich empfanden - den Verlust selbst noch derjenigen senatorischen Freiheiten, die innerhalb der unvermeidlichen Principatsverfassung möglich waren. Sogar der angepaßte Plinius ist in der Lage, darüber zu schreiben, und viele seiner Freund müssen ähnlich gedacht haben[95].

Tacitus' Stellungnahme in den Historien ist hier einzuordnen. Auch ohne viele Mutmaßungen über die verlorenen Partien des Werkes ist deutlich, daß sein Bericht über Helvidius' Kampf näher an die panegyrische, durch Senecio repräsentierte Überlieferung herangerückt werden muß als an die flavische Geschichtsschreibung, deren Spuren bei Sueton und bei Cassius Dio zu finden sind. In seinem biographsichen Abriß über Helvidius hat Tacitus soviele Einzelheiten aus der "Märtyrer"-Tradition übernommen, daß die Annahme, er habe im verlorenen Teil der Historien eine radikale Wandlung dieses Mannes zum skurrilen Eiferer im Sinne der flavischen Tradition beschrieben, nicht sehr plausibel ist[96].

Die Grenzen von Tacitus' Anlehnung an die "Märtyrer"-Tradition sind dabei nicht zu übersehen: "sanctus" wird er Helvidius vermutlich nicht genau genannt haben[97]. Er selbst zog einen Mittelweg vor, ohne freilich die Würde von Helvidius' Kampf zu bestreiten - für Tacitus ein nachgeborener Cato, kein zweiter Favonius[98]. Und: konnte in Tacitus' Augen die Herrschaft Domitians Helvidius' Bestrebungen nicht wenigstens nachträglich einen Sinn geben ?

Für Helvidius' Fortleben ist es bedeutsam, daß er immer wieder zusammen mit Thrasea Paetus genannt wird. Sein Ansehen war keineswegs geringer als das seines Schwiegervaters, obwohl dessen zurückhaltendes Auftreten ihn z. B. für Plinius sympathischer machen mußte; es ist ja kein Zufall, daß aus Plinius' Briefen mehr über Thrasea als über Helvidius zu erfahren ist[99]. Andererseits blieben Äußerungen wie die Epiktets keineswegs auf den Hörsaal beschränkt. Claudius Severus hat seinem Schüler Mark Aurel eben dieses Bild von Helvidius vermittelt; und der künftige Princeps hat sich die Verehrung für Helvidius ganz zu eigen gemacht. Offenbar war es auch in genauer Kenntnis seines Streites mit Vespasian möglich, Princeps zu sein und gleichzeitig Helvidius für ein Vorbild wie Thrasea zu halten[100]. Mark Aurels Bewunderung für Thrasea und Helvidius ist eine Stütze für die Auffassung, daß Tacitus' biographische Würdigung des Helvidius im IV. Buch der Historien gültig ist auch für die letzten Jahre seines Lebens: "cunctis vitae officiis aequabilis"[101].


Anmerkungen

  1. Die beste neuere Behandlung der "philosophischen" Opposition gibt P. A. Brunt, Stoicism and the Principate, P.B.S.R. 43, 1975, 7-35; vgl. ferner J. M. C. Toynbee, Dictators and Philosophers in the First Century A.D., Greece & Rome 13, 1944, 43-58; O. Murray, The Quinquennium Neronis and the Stoics, Historia 14, 1965, 41-61; R. MacMullen, Enemies of the Roman Order, Cambridge Mass. 1966, 46-94 (mit der Rezension von O. Murray, J.R.St. 59, 1969, 261-265); U. Vogel-Weidemann, The Opposition under the Early Caesars, Acta Classica 22, 1979, 91-107.
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  2. Vgl. Suet. Vesp. 15 (Anm. 47 u. 79); Dio 65,12,1-3 (Anm. 52, 71 u. 73).
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  3. Vgl. Epikt. 4,1,123 (Anm. 85).
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  4. Eine Ausnahme ist die Würdigung des Helvidius durch P.A. Brunt (s. Anm. 1), 30f.
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  5. Hist. 4,5,1 - 2. Tacitus hat Senecio persönlich gekannt und erwähnt auch seine Schrift über Helvidius (Agr. 2,1). Zur Literatur über die "exitus illustrium virorum" s. J. Geiger, Athenaeum 57, 1979, 61 f.
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  6. Ausdrücklich zitiert werden die "acta senatus" Ann. 15,74,3. Vgl. dazu R.Syme, Tacitus, Oxford 1958, 186-189.
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  7. S. unten Anm. 22. Ganz allgemein werden die - senatorischen - Autoren der flavischen Zeit Hist. 2,101,1 erwähnt. Zu Tacitus' Vorgängern gehörten der ältere Plinius (vgl. Hist. 3,28) und vielleicht Cluvius Rufus.
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  8. Wenn Plinius d.J. Arria (P.I.R. (2) A 1114) und Fannia (P.I.R. (2) F 118) kennenlernen konnte, dürfte dies auch Tacitus möglich gewesen sein. Letztere pflegte das Gedächtnis ihres Mannes mit einigem Nachdruck (vgl. Plin. Epist. 7,19). Für Tacitus war sie gewiß ein gutes Vorbild: "secutae maritos in exilia coniuges" (Hist. 1,3,1).
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  9. Er lebte zurückgezogen, "metu temporum" (Plin. Epist. 9,13,3); Tacitus hat miterlebt, wie er im Jahre 93 zum Tode verurteilt wurde (Agr. 45,1). Helvidius d. J. hatte sich ursprünglich von Domitian zum Konsul machen lassen (vgl. Plin. Epist. 9,13,2; das Jahr ist unbestimmt) und verheiratete eine seiner Töchter in die Familie des nicht gerade zur Opposition gehörenden Catullus Messalinus cos. II 85 (vgl. A.N. Sherwin White, The Letters of Pliny, Oxford 1966, 298 , zu Epist. 4,21,3).
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  10. Hor. Epist. 1,1,16-17; vgl. Tigellinus bei Tac. Ann. 14,57,3.
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  11. S. unten Anm. 56, 61 u. 85.
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  12. Vgl. Dio 65,12,1-3.
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  13. Hist. 4,5,1: "ingenium inlustre altioribus studiis iuvenis admodum dedit". Vgl. Plin. epist. 5,16,8 über Minicius Fundanus.
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  14. Diese Worte gebraucht Tacitus bei der Schilderung von Musonius' unzeitigem Friedensappell an die Soldaten (Hist. 3,81,1). Aper erwähnt Helvidius' "sapientia" herablassend (Dial. 5,7 - s. Anm. 19).
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  15. Hist. 4,6,1.
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  16. Vgl. Hist. 1,47,1; 2,10,1-3; 3,86,2.
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  17. Erkennbar sind nur die Designationen für die Konsulate des Jahres 70; vgl. dazu G.B. Townend , A.J.Ph. 83, 1962, 125ff.
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  18. Hist. 2,91,2.
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  19. Hist. 2,91,2: "ac forte Priscus Helvidius praetor designatus contra studium eius censuerat". Worum es überhaupt ging, ist nur bei Dio 65,7,1 überliefert.
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  20. Vgl. Tiberius' Kritik an Iunius Gallio i.J. 32 (Tac. Ann. 6,3,1): "quid illi cum militibus, quos neque praemia nisi ab imperatore accipere par esset". Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht, Leipzig 1887/1888 (3. Aufl.), 2,956, Anm. 3, vermutet, daß sich kein Senator ungefragt über militärische Themen äußern durfte. Im Jahre 58 war Thrasea von seinen Freunden gescholten worden, weil er sich allzu strikt an die gewöhnliche Aufteilung der Zuständigkeiten hielt (Anm. 13,49,4). "Antiqua munia" des Senats: Anm. 13,4,2.
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  21. Vgl. Tac. Ann. 2,35,1 über Cn. Piso i.J. 16: "Piso, quamquam afuturum se dixerat Caesar, ob id magis agendas censebat, ut absente principe senatum et equites posse sua munia sustinere decorum rei publicae foret". Der Zusammenhang zeigt, daß Tacitus von diesem Standpunkt nicht viel gehalten hat. Tiberius wurde gewarnt, "ne vim principatus resolveret cuncta ad senatum vocando" (Ann. 1,6,3; vgl. Th. Mommsen a.a.O. 2,948 Anm. 1).
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  22. Vgl. Jos. Bell. Jud. 4,654-655; A. Briessmann, Tacitus und das flavische Geschichtsbild, Wiesbaden 1955, 93f.
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  23. Hist. 4,42,6 (Worte des Curtius Montanus). Vgl. die Diskussionen nach Gaius' Tod i.J. 41 (Jos. Bell. Jud. 19, 167 ff.; D. Timpe, Historia 9, 1960, 482 ff.). Die "magna rerum cura" hatte Thrasea angekündigt, aber nicht demonstrativ verwirklicht (Ann. 13,49,4).
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  24. Hist. 4,3,3: "at Romae senatus cuncta principibus solita Vespasiano decernit, laetus et spei certus". Vgl. Hist. 1,47,1; 2,55,2. Zur "lex de imperio Vespasiani" (I.L.S. 244) s. vor allem P.A. Brunt, J.R.St. 67, 1977. 95-116.
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  25. Hist. 4,4,3: "prompsit sententiam ut honorificam in novum principem, ita falsa aberant". Wahrhaftigkeit ist eine stoische Tugend. Der überlieferte Text ist verschiedentlich ergänzt worden, ohne den Sinn der Stelle zu ändern; vgl. den Apparat der Teubner-Ausgabe von Koestermann.
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  26. Nimmt man Tacitus wörtlich, so spricht Helvidius immer nur von "Vespasian" und nicht etwa vom "Caesar" (vgl. Hist. 4,7,2; 9,2). Die Gegner haben ihm später vorgeworfen, den Princeps nicht angemessen zu behandeln (Anm. 49).
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  27. Hist. 4,4,3; s. unten Anm. 80.
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  28. Hist. 4,6,3. Die bisher in den Historien erwähnten "legationes" sprechen nicht für Helvidius' Vorschlag (Hist. 1,19,1; 74,2; 2,55,2; 69,1; 87,2; 3,80,1).
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  29. Hist. 4,7,1-8,4. Auf diesen Streit bezieht sich vermutlich Apers Bemerkung im Dialogus (5,7): "quid aliud infestis patribus nuper Eprius Marcellus quam eloquentiam suam opposuit, qua accinctus et minax disertam quidem sed inexercitatam et eius modi certaminum rudem Helvidi sapientiam elusit" ?
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  30. Vgl. Dio Chrys. 3,86; der Gedanke findet sich auch Plin. Paneg. 45,3 u. 85,6.
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  31. Vgl. A.R. Birley, Cl. Rev. 12, 1962, 198. Tacitus hat Vespasians Abhängigkeit von Beratern schon früher betont (Hist. 2,84,2). Er hielt die Auswahl der Freunde für wichtig (vgl. Hist. 1,7,3 über die "aula" von Nero und von Galba). Später verhalten sich Nerva (Dio 67,2,3) und Traian (Plin. Paneg. 45,2) so, wie Helvidius es sich vorgestellt hat.
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  32. Hist. 4,8,5: "vicit pars, quae sortiri legatos malebat, etiam mediis patrum adnitentibus retinere morem". Die Teilnahme an einer solchen Gesandtschaft galt eben als begehrenswerter Ehrentitel (vgl. C.I.L. VIII 7062 = I.L.S. 1143).
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  33. Hist. 4,9,1: "praetores aerarii (nam tum a praetoribus tractabatur aerarium) publicam paupertatem questi modum impensis postulaverunt". Damals gab es also keine "praefecti aerarii Saturni"; vgl. Th. Mommsen a.a.O. 2, 559 f.
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  34. Hist. 4,9,2: "Helvidius arbitrio senatus agendum censuit". War er als designierter Praetor vielleicht besonders interessiert ?
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  35. Hist. 4,9,2; vgl. Th. Mommsen a.a.O. 1,281 Anm. 2 u. 2,309 Anm. 1.
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  36. Hist. 4,9,2. Zur gewöhnlichen Bauaufsicht des Princeps vgl. Th. Mommsen a.a.O. 2,950; D.E. Strong, B.I.C.S. 15, 1968, 104. Tiberius hat mit dem Senat allerdings auch "de extruendis reficiendisve operibus" (Suet. Tib. 30) verhandelt. Mit der Erinnerung an den gewagtn Antrag können Helvidius' Feinde später bei Vespasian oder bei Titus vorstellig geworden sein: "fuere qui et meminissent" (s. unten Anm. 80).
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  37. Nach dem S.C. Turpillianum (Dig. 48,16) vom Jahre 61 konnte er seine Anklage wohl nicht mehr erneuern; vgl. R.S. Rogers, T.A.Ph.A. 80, 1949, 348. Mucianus spricht später von der "coepta et omissa actia" (Hist. 4,44,1).
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  38. Beim ersten Rededuell über die Auswahl der Gesandten hatte er allein aufgrund seiner "eloquentia" den Sieg davongetragen (Anm. 29).
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  39. Hist. 4,43,2 - er nennt Domitian selbstverständlich "Caesar" (s. Anm. 49).
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  40. Aktiven Beistand erhält er von Curtius Montanus (Hist. 4,42,2) und von Iunius Rusticus (Hist. 4,40,2). Senatoren waren damals auch Männer wie Paconius Agrippinus (Anm. 91) und Arulenus Rusticus (Anm. 92), die sich allerdings zurückhielten. Ob auch Musonius, der Hist. 4,10 als Ankläger im Senat auftritt, Senator gewesen ist, bleibt unklar; zu seinem Rededuell mit Demetrius dem Kyniker vgl. J.L. Moles, J.H.St. 103, 1983, 104 f.
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  41. Hist. 4,44,2; Tacitus zeigt dann 4,46, wie gut die Soldaten ihre Interessen gegenüber Mucianus und Vespasian durchzusetzen verstehen.
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  42. Hist. 4,53; das Kapitel verdeutlicht einerseits den Beginn von Vespasians Friedenstätigkeit, und andererseits ist es eine Antwort auf die "vana superstititio" der Druiden, die den Untergang des Kapitols für alle Zeiten verkünden (Hist. 4,54,2).
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  43. P.I.R. (2) I 622; Tacitus betont wohl seinen ritterlichen Stand, da die Beauftragung eines Ritters für diese Aufgabe ungewöhnlich war. Vgl. auch P.A. Brunt, J.R.St. 70, 1980, 85.
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  44. Vgl. Varr. ling. Lat. 6,61 sowie Ogilvies Kommentar zu Liv. 2,8,6. Ti. Platius Silvanus: U. Vogel-Weidemann, Die Statthalter von Africa und Asia in den Jahren 14-68 n. Chr., Bonn 1982, 417. War Helvidius' Beteiligung vielleicht nur deshalb möglich, weil Domitian schon abgereist war (vgl. Hist. 4,68,3; 85,2) ?
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  45. Suet. Vesp. 8; Dio 65,10,2. S. auch H. Last, Cambridge Ancient History XI (1936), 5.
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  46. Vgl. Weynand, R.E. 6,2 (1909), Sp. 2647f. s.v. Flavius Nr. 206.
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  47. Suet. Vesp. 15: (Helvidius Priscus) "qui et reversum se ex Syria solus privato nomine Vespasianum salutaverat et in praetura omnibus edictis sine honore ac mentione ulla transmiserat ..." (s. weiter Anm. 51). Suetons Erwähnung von Thrasea ist ebenfalls ohne große Sympathie (Nero 37,1).
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  48. S. oben Anm. 26. Vespasian führt den Titel "Caesar" auf seinen Münzen bereits vor der offiziellen Bestätigung durch den Senat (R.I.C. II Nr. 4 u. Nr. 56). "Caesar" gehört zu den "principatus vocabula" (Hist. 2,80,1), mit denen er von seinen allerersten Anhängern begrüßt wurde.
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  49. Es dürfte ein Indiz für die - formale - Korrektheit des Helvidius sein, daß nirgends in der erhaltenen Überlieferung von der Verpflichtung gesprochen wird, die Anrede "Caesar" zu gebrauchen. Vgl. Sen. de const. sap. 18,4 über Gaius: "iratus fuit Herennio Macro, quod illum Gaium salutaverat" - für Seneca war die "Caesar"-Anrede offenbar mehr ein Zeichen der Höflichkeit. Marcellus nennt schon Domitian "Caesar" und unterstreicht damit seine Loyalität (Anm. 39). Helvidius' Verhalten auch in dieser Frage hat Mark Aurel nicht daran gehindert, ihn für einen vorbildlichen Bürger zu halten (Anm. 100).
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  50. Vgl. Tac. Ann. 1,3,7: "eadem magistratuum vocabula". Für die üblichen Edikte mit schmeichelhaften Wendungen s. Dio 57,11 und Plin. Epist. 10,1. Das rare Beispiel eines selbständigen praetorischen Edikts gab Licinius Nepos (vgl. Plin. Epist. 5,9,3; Th. Mommsen a.a.O. 1,209 Anm. 1). Repräsentativ für diese Zeit ist Agricolas ganz unauffällige Praetur (Tac. Agr. 6,4; s. dazu Th. Mommsen a.a.O. 2,203 f.).
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  51. Suet. Vesp. 15: "... non ante succensuit (sc. Helvidio Prisco) quam altercationibus insolentissimis paene in ordinem redactus". Auch Augustus hat mit solchen Szenen fertig werden müssen (Suet. Aug. 54).
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  52. Dio 65,12,1; vgl. die Szene mit Vitellius (Anm. 19). Vespasian nahm häufig an Senatssitzungen teil (Dio 65,10,5).
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  53. Vgl. Dio 65,12,1, wo der Zusammenhang zwischen Helvidius' unzeitiger "parrhesia" und Vespasians Engagement in der Nachfolgefrage ausdrücklich hergestellt wird.
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  54. Vgl. Suet. Titus 1 u. dazu H. Last (wie Anm. 45), 5f. Titus' beflissene Scheidung von Barea Soranus' Tochter konnte ihn für Helvidius nicht sympathischer machen (vgl. Suet. Titus 4,2; G.B. Townend, J.R.St. 51, 1961, 57). Curtius Montanus (s. Anm. 40) stellte zur Erinnerung an die Vorzüge einer Adoption des "Besten" den Antrag, das Andenken Pisos zu ehren (Hist. 4,40,1).
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  55. In der "Märtyrer"-Literatur erfüllt eine Stelle wie die folgende die Funktion eines "hypodeigma gennaiotetos"; vgl. H.A. Musurillo, The Acts of the Pagan Maryrs, Oxford 1954, 239. Zum Motiv s. auch A. Alföldi, Der Philosoph als Zeuge der Wahrheit und sein Gegenspieler der Tyrann, Scientiis Artibusque 1, 1955-1957, 7-19.
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  56. Epikt. 1,2,19-21.
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  57. Thrasea war das Fernbleiben von Senatssitzungen vorgeworfen worden (Tac. Ann. 16,27,2).
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  58. Vgl. die Bitte Caesars an Cicero im Jahre 49 (Cic. Att. 9,18.1).
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  59. Helvidius' Mut war dann auch ein Thema bei der Schilderung seiner Ermordung (Anm. 84). Vgl. die Worte eines unbekannten Opfers von Seian (Tac. Ann. 5,6,3): "sed liber et mihi ipsi probatus antibo periculum".
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  60. Vgl. die Worte des L. Arruntius (Tac. Ann. 6,48,1): "non eadem omnibus decora"; P.A. Brunt, P.B.S.R. 43, 1975, 34 Anm. 7.
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  61. Vgl. Epikt. 1,2,18-19 über Helvidius' Wunsch, den Purpurfaden im Gewand, nicht die gewöhnliche Wolle darzustellen. S. auch W. Theiler, Gnomon 32, 1960, 500.
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  62. Epikt. 4,1,3 (Anm. 85).
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  63. Vgl. Tac. Ann. 16,27,2.
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  64. Solche Äußerungen warfen ihm seine Feinde vor (Dio 55,12,2).
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  65. Die Einleitung der Historien läßt nicht erwarten, daß er Vespasians Regiment als besonders erfreulich empfunden hat, doch heißt es Hist. 1,50,4 immerhin: "et ambigua de Vespasiano fama, solusque omnium principum in melius mutatus est". Der "Dialogus" vermittelt ein eher bedrohliches Stimmungsbild (Anm. 89). "Res olim dissociabiles, principatus ac libertas" (vgl. Agr. 3,1) - damit ist auch die flavische Zeit gemeint.
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  66. Vgl. R. Syme, Tacitus 550 f.; F. Millar, A Study of Cassius Dio, Oxford 1964, 13 u. 156.
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  67. Dio 65,12,2; vgl.J.M. C. Toynbee (wie Anm. 1), 54 f. u. A. Momigliano, J.R.St. 41, 1951, 148 f. Die chronologische Kombination ergibt sich eigentlich erst durch die Anordnung der einzelnen Exzerpte in der Edition von Boissevain, die allerdings plausibel ist.
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  68. Vespasians Gespräch mit den Philosophen in Alexandreia (Philostr. vit. Apoll. 5,27-38) zeigt, daß man ihm Umgang mit aufgeschlossenen Intellektuellen zutraute. Die Einzelheiten sind historisch nicht überprüfbar; s. auch J.L. Moles, J.H.St. 98, 1978, 83 f. und T.P. Wiseman, Titus Flavius and the Indivisible Subject, Exeter 1978, 18f. Loyale Philosophen konnten auf Privilegien hoffen (vgl. Plin. Epist. 10,58,1 mit Sherwin-Whites Kommentar). Euphrates' Lehren, die den jüngeren Plinius so begeistert haben, entsprachen verbal durchaus den Überzeugungen auch der senatorischen Opposition (Plin. Epist. 1,10,1).
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  69. Vgl. R. Syme, Tacitus 212. A.N. Sherwin-White (wie Anm. 9), 425, bringt Helvidius' Tod mit der illegalen Rückkehr verbannter Kyniker in Verbindung, die etwa in das Jahr 75 zu datieren ist (Dio 65,15,5).
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  70. Suet. Vesp. 15 (zit. Anm. 79).
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  71. Dio 65,12,2.
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  72. Prokonsulat: I.L.S. 992; Konsulat: C.I.L. XVI 20; S.E.G. 18,587 = A.E. 1956, n. 186. Marcellus' Aufstieg in diesen Jahren macht verständlich, warum Tacitus dem Streit zwischen ihm und Helvidius zu Beginn von Vespasians Herrschaft so viel Platz eingeräumt hat (Anm. 29).
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  73. Dio 65,12,1. "Demokratia" ist in Dios Sprachgebrauch die "libera res publica", die alte Republik; "Basileia" dürfte eine Übersetzung von "regnum" in der lateinischen Vorlage sein.
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  74. Vgl. Tac. Ann. 16,22,4.
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  75. S. oben Anm. 24. Helvidius war "cunctis vitae officiis aequabilis" (Hist. 4,5,2; Anm. 101).
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  76. Beide Herren werden Dial. 8,3 "potentissimi civitatis" genannt - zu Beginn des Jahres 70 hatten sie es noch vorgezogen, Helvidius' Angriffen durch ein Verlassen des Senats auszuweichen (Anm. 39). Vibius Crispus war im Jahre 74 cos. II (A.E. 1968, n. 6). Marcellus' Aufstieg: Anm. 72.
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  77. Zum Strafmaß s. Th. Mommsen, Römisches Strafrecht 964ff. Es ging Vespasian wohl vor allem um die Fernhaltung des Helvidius von den Senatssitzungen (vgl. Anm. 58).
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  78. Die in jedem Falle unhöfliche Behandlung des Princeps (Anm. 49) könnte als "iniuria" ausgelegt worden sein. Das maiestas-Gesetz war von Vespasia zu Beginn seiner Herrschaft aufgehoben worden (Dio 65,9,1). Ganz unklar ist die Überlieferung in den Juvenal-Scholien (5,36): "hic postea Vespasianum ita studio libertatis offendit, ut putaret (...) pristinum libertatis statum revocari. quo nomine reus ac praeter spem absolutus est". P.A. Brunt, P.B.S.R. 43, 1975, 30 hält es für möglich, daß der Widerstand gegen Titus' Thronfolge (Anm. 54) zum Hochverrat umgedeutet wurde.
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  79. Suet. Vesp. 15: "hunc quoque, quamvis relegatum primo, deinde et interfici iussum, magni aestimavit servare quoquo modo, missis qui percussores revocarent; et servasset, nisi iam perisse falso renuntiatum esset".
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  80. Hist. 4,4,3 (Anm. 27). Eine "offensa" war auch der Antrag zum Wiederaufbau des Kapitols unter der Aufsicht des Senats (Anm. 36). Bei Dio, der Vespasian sichtlich entlasten will, spielt Mucianus die Rolle des Hetzers gegen die Philosophen - vielleicht ist er von der flavischen Überlieferung später zum Sündenbock gemacht worden.
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  81. Vgl. Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht 2,1118 Anm. 3 zu Suet. Titus 6. War Domitian über die Biographie des Senecio (Anm. 5) deshalb so empört, weil Titus erwähnt wurde ? "Anstößig" konnte Senecios Darstellung erst für die Zeit nach Nero sein.
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  82. "Commentarii" werden von Plinius in seinem Brief über Fannia erwähnt (Epist. 7,19,5). Seine Worte lassen eigentlich nicht die Deutung zu, daß Fannias eigene Notizen gemeint sind.
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  83. Griechische Besucher: Philostr. vit. Apoll. 7,16.
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  84. Vgl. die Szene bei der Ermordung des Rubellius Plautus (Tac. Ann. 14,59,2). Hist. 1,2,2: "infesti caedibus scopuli".
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  85. Epikt. 4,1,123.
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  86. Hist. 4,43,2: "hinc multi bonique, inde pauci et validi".
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  87. Im Juni 70 durfte er immerhin die "lustratio" für den Bauplatz des neuen Kapitol leiten (Anm. 42).
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  88. Suet. Titus 1: "... privatus atque etiam sub patre ne odio quidem, nedum vituperatione publica caruit". Vgl. dazu A.R. Birley, in: The Ancient Historian and His Materials. Essays in Honour of C.E. Stevens, Westmead 1975, 141.
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  89. Dial. 3,3.
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  90. Dio 65,16,3-4; R. Syme, Tacitus 101.
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  91. Vgl. Epikt. 1,1,28-30; 2,12-13. Im Jahre 71 war er Legat des Princeps auf Zypern (S.E.G. 9,166 = McCrum-Woodhead n. 435).
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  92. Der Volkstribun des Jahres 66 (P.I.R. (2) I 1730; Tac. Ann. 16,26,4) war im Jahre 69 Prätor (Hist. 3,80,2) und durfte im Jahre 92 Suffekt-Konsul werden (Fast.Ost.); im Jahre 93 ließ Domitian ihn dann wegen seiner Thrasea-Biographie töten (Tac. Agr. 2,1). Der Bruder Iunius Mauricus (P.I.R. (2) I 771) war im Jahre 60 einer von Helvidius' Mitstreitern (Hist. 4,40,3; Anm. 40) - er überlebte und war noch Mitglied im "consilium" Traians (Plin. Epist. 4,22,3-6).
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  93. Hist. 4,6,1: "erant quibus adpetentior famae videretur, quando etiam sapientibus cupido gloriae novissima exuitur". Zum "Gewand der Eitelkeit" vgl. P. Wendland , Hermes 51, 1916, 471-485. Helvidius erscheint hier wie selbstverständlich in der Nähe von "sapientes", als "proficiens".
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  94. Ein "emendator senatus" war unbeliebt; vgl. Plin. Epist. 6,5,4.
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  95. Plin. Epist. 3,7,14; 3,20,10-12; 9,2,2; s. auch Paneg. 72,1. Vgl. Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht 3,1264 Anm. 1.
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  96. Die moderne Vorstellung von einer echten charakterlichen "Wandlung" ist Tacitus ohnehin nicht vertraut: "suo tantum ingenio utebatur" (Ann. 6,51,6 über Tiberius).
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  97. Vgl. Suet. Dom. 10,3 über Arulenus Rusticus (Anm. 92).
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  98. Cossutianus Capito wollte Thrasea mit Favonius vergleichen, angeblich einem der "ingrata nomina" der Republik (Tac. Ann. 16,22,4). Marcellus hat Helvidius nur seine Bewunderung für Cato und für Brutus vorgehalten (Hist. 4,8,3).
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  99. Plin. Epist. 7,19,4 (über Fannia) werden Thrasea und Helvidius sogar gleichberechtigt als Vorbilder genannt: "animus tantum et spiritus viget Helvidio marito, Thrasea patre dignissimus".
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  100. Mark Aurel 1,14,1. Der Lehrer Claudius Severus: P.I.R. (2) C 1022. Die weiteren Vorbilder sind Cato, Dion und Brutus (in dieser Reihenfolge).
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  101. Hist. 4,5,2: "... civis senator, maritus gener amicus, cunctis vitae officiis aequabilis". Vgl. Heubners Kommentar z.St.: "Kurz, in allen Pflichten sich gleichbleibend", d.h. sie mit gleichbleibender Treue erfüllend. "Constantia morum" ist eine Tugend (vgl. Hist. 3,86,2).
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Prof. Dr. Jürgen Malitz, 15. Oktober 1998