Tutorium Quercopolitanum - Andreas Hartmann

6.2 Systematik

Die meisten wissenschaftlichen Bibliotheken im Freistaat Bayern strukturieren ihre Bestände nach der sogenannten „Regensburger Verbundklassifikation“ (RVK). Um ein Buch im Katalog einer Bibliothek zu identifizieren, muss ihm eine eindeutige „Signatur“ zugewiesen werden. Die RVK stellt ein System dar, diese Zuweisung gleichzeitig mit einer inhaltlichen Erschließung der Literatur zu verbinden. Eine Signatur nach der RVK stellt daher keine willkürliche Summe von Nummern und Buchstaben dar, sondern sagt eindeutig aus, wo ein Buch zu finden und welchem engeren Fachbereich es zuzurechnen ist.
Ein Beispiel soll dies illustrieren: Ein in der UB vorhandenes Exemplar des Buches Günther, Rosmarie: Einführung in das Studium der Alten Geschichte (= UTB. 2168), Paderborn u. a. 2001 trägt die Signatur „50/NB 1400 G 927“. Die „50“ bildet das Lokalkennzeichen (LKZ), das den Standort in der Bibliothek angibt. Alle Bücher mit dem LKZ 50 befinden sich im Erdgeschoss der ZB. Ein anderes Exemplar desselben Buches trägt die Signatur 17/NB 1400 G 927. „17“ ist das LKZ der Lehrbuchsammlung, die sich ebenfalls im Erdgeschoss der ZB befindet. Wichtig sind für Sie ansonsten vor allem die LKZ 00 und 23, die beide für bestellbare Magazinbestände stehen. Eine Aufstellung aller LKZ können Sie unter http://www.ub.ku-eichstaett.de/cgi-bin/sto.pl einsehen. Der zweite Bestandteil einer Signatur nach der RVK ist die Notation, in unserem Falle „NB 1400“. Diese Notation steht für alle „Einführungen in die Geschichtswissenschaft und das Studium der Geschichte“ mit dem Schwerpunkt auf Alter Geschichte. NB 1600 stünde etwa für Einführungen in die Mittlere Geschichte, NH 5900 für Monographien über die Perserkriege usw. Als grobe Orientierung kann gelten, dass der erste Buchstabe der Notation das übergreifende Fachgebiet angibt, „N“ steht für die Geschichtswissenschaften. Der zweite Buchstabe zeigt die Publikationsform bzw. das engere Fachgebiet an; unter „NA“ finden Sie daher die Zeitschriften, unter „NB“ Einführungen, unter „NC“ Nachschlagewerke, unter „ND“ Literatur zu den Hilfswissenschaften, unter „NG“ Werke zur Alten Geschichte im weiteren Sinne und unter „NH“ solche zur griechischen und römischen Geschichte. Doch zurück zu unserem Beispiel: Das „G“ nach der Notation gibt die Initiale des Autors bzw. Herausgebers an, in diesem Falle also „G“ für G-ünther. Dies ermöglicht die gezielte Auffindung von Literatur innerhalb einer Systemstelle der RVK. Im Einzelnen können Sie die aktuelle Fassung der RVK unter http://www.bibliothek.uni-regensburg.de/rvko_neu einsehen und durchsuchen. In der neuesten Version des webOPAC können Sie auch direkt über die Option „Fachliche Suche“ die RVK-Systematik benutzen.
Aus dem Gesagten folgt dreierlei: (1) Wo sich ein Buch befindet, das für das von Ihnen bearbeitete Thema einschlägig ist, finden sich meist noch mehr, da die Aufstellung nach der RVK eben unter inhaltlichen Gesichtspunkten erfolgt. (2) Auch in Bibliotheken, die ihre Bestände im Katalog schlecht verschlagwortet haben (die UB Eichstätt gehört nicht dazu), garantiert die Vergabe der Notation eine gewisse „Mindestverschlagwortung“. Gerade bei Anfragen im Bayerischen Verbundkatalog stellt die Notationssuche daher ein sehr mächtiges Suchinstrument dar. (3) Nach einer kurzen Lernphase, werden Sie oftmals bei der Suche nach einem bestimmten Buch auf die zeitraubende Benutzung des webOPAC verzichten können, da der Inhalt eines Buches nach der RVK auch wesentlich seinen Standort bestimmt (Ausnahme sind natürlich die Magazinbestände).
Sehr oft werden Sie unter dem LKZ 63 (Klassische Philologie, im Lesesaal der ZB) Textausgaben nachschlagen müssen. Auch hier erleichtert die RVK das Geschäft wesentlich, indem unter FH und FX für jeden griechischen bzw. lateinischen Autor in chronologischer Folge eine eigene Systemstelle existiert. Innerhalb dieser folgt die Aufstellung in der Ordnung Lexika/Konkordanzen, Kritische Texteditionen, Übersetzungen, Kommentare, Sekundärliteratur. Sobald Sie den Wirkungszeitraum eines Quellenautors kennen, können Sie eine geeignete Edition also auch ohne Benutzung des webOPAC sehr schnell nachweisen und auffinden.