Tutorium Quercopolitanum - Andreas Hartmann

7.2.1.1 Enzyklopädien:

Brockhaus, Encyclopaedia Britannica u. a.
Grundsätzlich muss gesagt werden, dass die für den Althistoriker relevanten Informationen im Brockhaus meist dünn gesät sind. Der Griff zu den großen angelsächsischen, französischen oder italienischen Enzyklopädien bringt oft mehr Ergebnisse. Die in ihren altertumswissenschaftlichen Artikeln sehr hilfreiche Encyclopaedia Britannica steht auch in elektronischer Form über das DBIS Eichstätt zur Verfügung. Die Volltextsuche ergibt oft interessante Querverbindungen, die in der gedruckten Version nicht durch Verweise erschlossen sind. Enzyklopädien dienen ausschließlich der groben Erstinformation und sollten nicht in Seminararbeiten zitiert werden! Ziehen sie dafür die unten behandelten Fachlexika heran.
Ein Wort zur Wikipedia

Wachsender Beliebtheit erfreut sich die Benutzung der Wikipedia. Diese überaus nützliche Wissensressource soll hier auch gar nicht verteufelt werden, dennoch sind einige Punkte zu berücksichtigen:

(1) Wie bei den gedruckten Enzyklopädien fallen die altertumswissenschaftlichen Artikel in der englischen Wikipedia im Durchschnitt wesentlich fundierter aus als in der deutschen Variante. Anders verhält es sich etwa im Bereich Ägyptologie/Orientalistik.

(2) Da es keinen herausgeberischen Kontrollprozess gibt und die Einzelartikel stets ein work in progress darstellen, schwankt die Qualität erheblich.

(3) Die Nachweispraxis ist besonders in der deutschen Wikipedia ausgesprochen lax, so dass die einem Artikel zugrunde liegenden Quellen meistens nicht zu eruieren sind. Die Literaturhinweise sind generell dürftig und führen meist nicht zu den grundlegenden wissenschaftlichen Publikationen.

Bedenken Sie auch, welche Richtlinien die Wikipedia selbst für ihre Autoren ausgibt: „Daher sind grundsätzlich Informationsquellen zu bevorzugen, die nach den Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens erstellt wurden. […] Ein Anzeichen für die Wissenschaftlichkeit einer Quelle ist, ob sie in die wissenschaftliche Diskussion, etwa in wissenschaftlichen Fachzeitschriften des betreffenden Themengebiets, einbezogen wird.

Zuverlässigkeit umfasst aber auch die Verfügbarkeit: die Quelle für eine Information sollte möglichst auch nach einigen Jahren noch nachvollzogen werden können. Während gedruckte Literatur im allgemeinen verfügbar bleibt, ist das bei Informationen aus Funk und Fernsehen nur bedingt möglich. Bei Informationen aus dem Internet ist besondere Sorgfalt angebracht: […] Informationen, die nur wenige Wochen im Web stehen, sind nicht als zuverlässig zu beurteilen. Dies gilt auch für die Mehrzahl privater Internetseiten. Hier gibt es in der Regel bessere Quellen der Informationsbeschaffung. […]

Nach dem Wikipedia-Prinzip erstellte und veröffentlichte Texte – egal aus welchem lokalen Namensraum oder externen Schwesterprojekt sie stammen – fallen naturgemäß nicht unter den hier verwendeten Quellenbegriff.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Quellenangaben, 1.10.2007 [Hervorhebungen durch d. A. hinzugefügt])

Nutzen Sie also die Wikipedia für faktographische Recherchen, machen Sie sich aber bewusst, dass sie nicht die Fachlexika und schon gar nicht die eigentliche Forschungsliteratur ersetzen kann!