Tutorium Quercopolitanum - Andreas Hartmann

7.4 Exzerpieren

Sobald Sie eine Literaturangabe entdeckt haben, müssen Sie natürlich überprüfen, ob sich hinter einem interessant klingenden Titel auch tatsächlich etwas für Ihr Thema einschlägiges verbirgt. Besonders, wenn eine kostenpflichtige Fernleihe notwendig wird, wüsste man das natürlich gerne schon vor der eigentlichen Lektüre. Hier gibt es zwei Hilfsmittel:
  1. Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden: In der APh finden sich zu vielen – aber nicht allen – Aufsätzen kurze Inhaltsangaben, die eine genauere Einordnung ermöglichen.
  2. Monographien und Sammelbände: Hier hilft die APh nicht weiter. Dafür werden in vielen historischen Zeitschriften und besonders einigen speziellen Rezensionszeitschriften Besprechungen dieser Publikationen veröffentlicht, die eine kurze Inhaltsangabe und eine Einordnung in die Forschungslandschaft enthalten. Gute Rezensionen sind oft der schnellste Weg, sich einen Überblick über ein neues Themengebiet zu verschaffen. Man findet Rezensionen
    1. über die Verweise in APh, Gnomon, Dyabola und IBR.
    2. gebündelt in den Rezensionszeitschriften Gnomon und Classical Review (CR), sowie den Rezensionsteilen fast aller Fachzeitschriften.
    3. in den frei zugänglichen Internetangeboten
      Eine Metasuche in diesen vier Publikationen ist über das Angebot Historische Rezensionen Online (HOR) unter http://www.clio-online.de/rezensionen möglich.
Ist eine vorliegende Publikation wirklich relevant, sollten Sie sofort die kompletten bibliographischen Daten erfassen, damit Sie später nicht für ein Zitat eine langwierige Suche beginnen müssen. Es kommt immer wieder vor, dass Studenten viele Kopien anfertigen, ohne ihre Quelle zu vermerken, und dann bei der Abfassung ihrer Hausarbeiten die entnommenen Zitate nicht mehr nachweisen können. Vermeiden Sie diesen Fehler von Anfang an! Folgende Angaben müssen in einem bibliographischen Datensatz enthalten sein:
  1. Monographie: Autor(en), Titel, Untertitel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr, ggf. Reihentitel.
  2. Abschlussarbeit (Dissertation, Magisterarbeit, Habilitation): Autor, Titel, Untertitel, Art der Arbeit (Diss., Habil. usw.), Universität, Erscheinungsjahr.
  3. Sammelband: Herausgeber, Titel, Untertitel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr, ggf. Reihentitel.
  4. Aufsatz in Sammelband: Autor(en), Titel, in: Herausgeber, Titel, Untertitel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr, ggf. Reihentitel, Seiten.
  5. Aufsatz in Lexikon: Autor(en), Lemma, Lexikon, Band, Erscheinungsjahr, Seiten/Spalten.
  6. Aufsatz in Zeitschrift: Autor(en), Titel, in: Zeitschrift, Band, Erscheinungsjahr, Seiten.
Abkürzungen

Ein leidiges Thema. Im Bereich der Altertumswissenschaften ist es üblich, viele Lexika und Zeitschriften nur durch Abkürzungen zu bezeichnen, um die Anmerkungsapparate und Literaturverzeichnisse nicht zu sehr aufzublähen. Für den Anfänger sind diese kryptischen Kürzel oft schwer verständlich: Was verbirgt sich hinter ZPE, JHS, CL, CPh, CR, AHB usw.? Einige Abkürzungen für die wichtigsten Lexika kennen Sie bereits: RE, LAW, KlP, DNP, OCD3, RAC. Die Kürzel für die Zeitschriften orientieren sich in althistorischer Literatur in der Regel an der Liste, die Sie am Beginn jedes Druckbandes der APh oder in deren elektronischer Version finden. Bedenken Sie dabei, dass in den Druckbänden jeweils nur die im jeweiligen Berichtsjahr ausgewerteten Zeitschriften aufgeführt werden! Das Centro Italiano dell’Année Philologique hat deshalb eine elektronische Kompilation aller Abkürzungsverzeichnisse der einzelnen APh-Bände erstellt, die unter http://www.aristarchus.unige.it/ciaph/siglario.php durchsucht werden kann. Für die teilweise abweichenden Abkürzungen in archäologischer Fachliteratur sollte man Dyabola konsultieren.

Seit einiger Zeit steht unter http://www.archeolinks.com/aristarchos.htm auch das Programm Aristarchos kostenlos zur Verfügung, das über eine bequeme Datenbanksuche die Auflösung von Abkürzungen nach Dyabola, APh, AJA und Enciclopedia dell’arte antica ermöglicht. Umgekehrt können auch die entsprechenden Abkürzungen für vorliegende Zeitschriftentitel ermittelt werden. Benutzung empfohlen!

Wer es lieber gedruckt mag, kann sich an Wellington, Jean S.: Dictionary of bibliographic abbreviations found in the scholarship of classical studies and related disciplines, Westport 2003 (2. überarb. u. erw. Aufl.) halten.

Sie sollten sich in jedem Fall frühzeitig an die Verwendung dieser Kürzel gewöhnen. Ihr Gebrauch ist für Ihre Seminararbeit obligatorisch!
In welcher Form Sie die oben genannten Angaben aufnehmen und später zitieren, ist im Prinzip Ihre Sache. Ein Blick in die Fachliteratur lehrt, dass jede Zeitschrift und jeder Sammelband seine eigenen Zitierrichtlinien hat. Wichtig ist aber, dass die oben genannten Angaben vollständig und nach einem konsequent durchgehaltenen System präsentiert werden. Für Ihre Proseminararbeit ist jedoch aus praktischen und didaktischen Gründen das im Formalia-Heft der Lehrstühle für Alte, Mittelalterliche und Neuere und Neueste Geschichte gegebene Zitierschema verbindlich. Dessen Angaben entsprechen Kap. 13.3.2.2 dieses Tutoriums.
Vermehrt sind Volltexte von Zeitschriften, aber auch Büchern als Volltext im Internet verfügbar. Hier eine Auswahl an frei zugänglichen Angeboten:
  1. Greek, Roman, and Byzantine Studies (GBRS), 2004-2008: http://www.duke.edu/web/classics/grbs/index.html
  2. Illinois Classical Studies (ICS), 1976-1998:
    https://www.ideals.uiuc.edu/handle/2142/10684
  3. Rheinisches Museum für Philologie (RhM), 1950-2005: http://www.rhm.uni-koeln.de
  4. Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik (ZPE), 1988-2000: http://www.uni-koeln.de/phil-fak/ifa/zpe/index.html
  5. Epigraphica Anatolica (EA), 2003-2006: http://www.uni-koeln.de/phil-fak/ifa/epanat
  6. Faventia, 1979-2007: http://ddd.uab.es/record/21
  7. Cuadernos de filología clásica (CFC), 1971-1990: http://www.ucm.es/BUCM/revistasBUC/portal/modulos.php?name=Revistas2&id=CFCA
  8. Cuadernos de filología clásica, Estudios griegos e indoeuropeos (CFC(G)), 1991-2007: http://www.ucm.es/BUCM/revistasBUC/portal/modules.php?name=Revistas2&id=CFCG
  9. Cuadernos de filología clásica. Estudios Latinos (CFC(L)), 1991-2007: http://www.ucm.es/BUCM/revistasBUC/portal/modules.php?name=Revistas2&id=CFCL
  10. Tekmeria, 1995-2008: http://www.tekmeria.org
  11. Bulletin of the American Papyrological Society (BASP), 1963-2007: http://quod.lib.umich.edu/b/basp
  12. Revue Internationale des Droits de l’Antiquité (RIDA), 1997-2005: http://www.ulg.ac.be/vinitor/rida
  13. Bulletin de correspondance hellénique (BCH), 1877-2003: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/bch
  14. Comptes-rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres (CRAI), 1950-2005: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/crai
  15. Dialogues d’histoire ancienne (DHA), 1974-2005: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/dha
  16. Mélanges d’École française de Rome (MEFRA), 1881-1999: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/mefr
  17. Revue de l’histoire des religions (RHR), 1946-2004: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/rhr
  18. Hermes, 1866-1938: Suche unter http://gallica.bnf.fr (nicht als Zeitschrift erfasst, sondern Einzelbände), bis 1892 auch unter http://www.digizeitschriften.de/resolveppn/PPN509862098
  19. Revue des études anciennes (REA), 1899-1938: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb328584003/date
  20. Zeitschrift des Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Romanistische Abteilung (ZRG), 1880-1919: http://dlib-zs.mpier.mpg.de/mj/kleioc/0010MFER/exec/series/%222085098-0%22
  21. Collections de l’Ecole française d’Athènes en ligne (CEFAEL): http://cefael.efa.gr
  22. eScholarship Editions der University of California: http://www.escholarship.org/editions
Hinzu kommen die kostenpflichtigen Digitalausgaben der Verlagshäuser und Zeitschriftenarchive wie das Periodicals Archive Online (PAO), ein Schwesterprojekt des Periodicals Index Online (PIO), das wie dieser in Deutschland als Nationallizenz verfügbar ist. Im Rahmen des JSTOR-Projektes sind die maßgeblichen englischsprachigen Fachzeitschriften digitalisiert und im Volltext durchsuchbar; im deutschsprachigen Bereich arbeitet der von einigen Bibliotheken getragene Verein DigiZeitschriften am Aufbau eines ähnlichen Datenbestandes und auch JSTOR erfasst neuerdings deutschsprachige Zeitschriften. Viele französische Fachzeitschriften sind auf der Plattform Persée verfügbar. Seit kurzem ist die Benutzung von JSTOR über eine Nationallizenz in Deutschland flächendeckend möglich. Was jeweils genau über das Universitätsnetz abrufbar ist, lässt sich leicht über die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) ermitteln: http://rzblx1.uni-regensburg.de/ezeit/index.phtml?bibid=AAAAA&colors=7&lang=de.
Das Durcharbeiten der Literatur beginnt man am besten (schon wegen des unsystematischen Bibliographierens) mit den neuesten Titeln. Ob Sie lieber Exzerpte anfertigen (handschriftlich oder mit dem Computer) oder in Kopien Anstreichungen vornehmen, hängt von persönlichen Vorlieben ab. Eine Gefahr des xerographischen Zeitalters ist allerdings, mehr zu kopieren als man lesen kann bzw. zu viel Zeit mit Kopieren zu vertun. Häufen Sie also keinesfalls zu Beginn Ihrer Arbeit tonnenweise Kopien an, in der Hoffnung, das alles noch durcharbeiten zu können. Dasselbe gilt mutatis mutandis natürlich auch für die Abspeicherung von Digitalisaten.
Arbeiten Sie für Ihr Referat wenigstens drei oder vier Aufsätze gründlich durch, d. h. gehen Sie den Literatur- und v. a. Quellenbelegen nach. Je früher Sie sich mit den Quellen vertraut machen, desto schneller können Sie die in der Literatur geäußerten Forschungsmeinungen einschätzen. Erstellen Sie sich parallel zur Lektüre der Sekundärliteratur eine Quellensammlung, in der sie die Stellenangaben mit einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung oder ggf. auch dem Volltext zusammenstellen. Dann müssen Sie für Ihr Thesenpapier später nur noch eine Auswahl aus diesem Fundus treffen.