Tutorium Quercopolitanum - Andreas Hartmann

9.1 Bedeutung und Einführungen

Seit Thukydides und bis in das 20. Jh. war Geschichtsschreibung in erster Linie Behandlung der politischen Ereignisgeschichte. Diese aber lässt sich nicht allein aufgrund archäologischer Grabungsbefunde oder von Münzen schreiben, sie bedarf eines narrativen Gerüstes, das nur die literarischen Quellen zu geben vermögen. Erst die zunehmende Einbeziehung etwa sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Fragestellungen in jüngerer Zeit vermochte daher die überragende Bedeutung dieser Quellengattung wirklich zu brechen. Heute, nach mehr als zweihundert Jahren historisch-kritischer Forschung auf dem Gebiet der Alten Geschichte gewinnen Inschriften, Münzen u. a. schon deshalb vermehrt Bedeutung, weil nur in diesen Bereichen noch ein nennenswerter Quellenzuwachs zu erwarten ist. Gleichwohl bleiben viele auf diesem Wege überlieferte Details nur vor dem Hintergrund der aus den literarischen Quellen bekannten Tatsachen verständlich.
Im Laufe des Grundstudiums sollten Sie in jedem Fall eine Einführung in die griechische bzw. römische Historiographie lesen, um ein Verständnis für die Grundlage des Wissens zu gewinnen, das Sie sich im Blick auf die Abschlussprüfungen aneignen sollen:
  1. Meister, Klaus: Die griechische Geschichtsschreibung. Von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus, Stuttgart 1990.
  2. Mehl, Andreas: Römische Geschichtsschreibung. Grundlagen und Entwicklungen. Eine Einführung, Stuttgart 2001.
    Mit „römischer Geschichtsschreibung“ sind hier auch Autoren gemeint, die in griechischer Sprache zur römischen Geschichte schrieben (z. B. Dion. Hal., App. oder Cass. Dio). Im Anhang ein Verzeichnis von Editionen, Übersetzungen und Kommentaren zu den behandelten Autoren; dazu eine Auflistung der einschlägigen Fragmentsammlungen und eine thematisch organisierte Auswahlbibliographie. Hier kommen Sie zur sehepunkte-Rezension.
  3. Lendle, Otto: Einführung in die griechische Geschichtsschreibung. Von Hekataios bis Zosimos (= Die Altertumswissenschaft), Darmstadt 1992.
  4. Flach, Dieter: Römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 1998 (3. neu bearb. Aufl.).
    Im Anhang ein nützliches Verzeichnis von Ausgaben, Übersetzungen und Kommentaren zu den behandelten Autoren.
  5. Marincola, John (Hg.): A companion to Greek and Roman historiography. [2 Bde.], 2007.
    Hier kommen Sie zur BMCR-Rezension und zur sehepunkte-Rezension.
  6. Cizek, Eugen: Histoire et historiens à Rome dans l’antiquité, Lyon 1995.
Die folgenden Darstellungen konzentrieren sich stark auf die literarisch besonders ergiebigen „üblichen Verdächtigen“:
  1. Marincola, John: Greek historians (= G&R: new surveys in the classics. 31), Oxford 2001.
  2. Kraus, Christina S./Woodman, Anthony J.: Latin historians (= G&R: new surveys in the classics. 27), Oxford 1997.
  3. Luce, Torrey J.: The Greek historians, London/New York 1997.
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  4. Mellor, Ronald: The Roman historians, London/New York 1999.
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  5. Rohrbacher, David: The historians of late antiquity, London/New York 2002.
    Hier kommen Sie zur BMCR-Rezension.
Wichtig für das Verständnis der Arbeitstechniken der antiken Historiker im Allgemeinen sind:
  1. Grant, Michael: Greek and Roman historians. Information and misinformation, London/New York 1995.
  2. Marincola, John: Authority and tradition in ancient historiography, Cambridge 1997.