Tutorium Quercopolitanum - Andreas Hartmann

9.5 Zitierweise

Es wurde bereits in Bezug auf Zeitschriften angedeutet, dass in den Altertumswissenschaften sehr gerne Abkürzungen verwendet werden. Dies trifft auch und gerade für die Angabe von Quellenzitaten zu. Die korrekte Verwendung dieser Kürzel lässt den Fachmann erkennen, Unkenntnis brandmarkt den Laien. Bei einer gewissen Kenntnis der antiken Literaturgeschichte lassen sich aber die meisten Abkürzungen ohne Probleme auflösen. Sollte dies nicht möglich sein, dienen die Verzeichnisse zu Beginn des ersten Bandes des Thesaurus Linguae Latinae (ThLL) bzw. im Greek-English Lexicon von Liddell/Scott/Jones (LSJ), dazu diejenigen des KlP, des DNP oder des OCD3 als Orientierung. Das Abkürzungsverzeichnis aus LSJ kann auch online unter http://www.stoa.org/abbreviations.html konsultiert werden. Ebenfalls im Internet verfügbar ist das Abkürzungsverzeichnis des Diccionario Griego-Español (DGE): http://www.filol.csic.es/dge/lst/2lst1.htm (alphabetischer Autorenkanon) und http://www.filol.csic.es/dge/lst/2lst4.htm (alphabetische Auflistung aller verwendeten Abkürzungen, darunter auch die Autorensiglen). Sehr nützlich auch die Zusammenstellung des Projektes Interactice Ancient Mediterranean: http://iam.classics.unc.edu/main/help/A.html.
Die Abkürzung orientiert sich an dem folgenden Schema:
[ABGEKÜRZTER AUTORNAME]. [ABGEKÜRZTER WERKTITEL FALLS MEHRERE WERKE DESSELBEN AUTORS ÜBERLIEFERT]. [GGF. BUCH],[GGF. KAPITEL], [PARAGRAPH]
Beispiele: Hdt. 4,145 ~ Herodot, Historien, Paragraph 145; Cic. Mur. 34 ~ Cicero, Pro Murena, Paragraph 34; Caes. Gall. 4,14,5 ~ Caesar, De bello Gallico, Buch 4, Kapitel 14, Paragraph 5
Anders als in den neueren Epochendisziplinen wird also niemals eine spezifische Ausgabe unter Angabe der Seitenzahl zitiert! Manche Autoren können auch nach den Seitenzahlen bestimmter alter Ausgaben zitiert werden, z. B. Strabon, Plutarch oder Athenaios. Bisweilen konkurrieren auch verschiedene Zitationsweisen miteinander, z. B. Kapitel- vs. Paragrapheneinteilung oder Kapitel- vs. Seitenzählung.
Da viele Werke antiker Autoren nur fragmentarisch erhalten sind, kommt den Fragmentsammlungen besondere Bedeutung zu. Auch diese werden meist abgekürzt zitiert, wobei wiederum die Abkürzungsverzeichnisse der einschlägigen Lexika bei der Ent- bzw. Verschlüsselung helfen. Auch das Studienbuch von Gehrke/Schneider enthält übrigens im Anhang eine Zusammenstellung solcher Abkürzungen. Der Name des Autors wird hier meist vollständig angegeben, da es sich ja nicht um die antiken „Bestseller“, sondern oft eher abseitige Gestalten handelt.
Die Abkürzung folgt den folgenden Schemata:


oder

[AUTORNAME] FR. [FRAGMENTNUMMER] [NACHNAME DES EDITORS DER FRAGMENTSAMMLUNG]
Beispiele: Menekles v. Barka FGrHist 270 F 6 ~ Menekles v. Barka, geführt als Nr. 270 in den Fragmenten der griechischen Historiker von Felix Jacoby, Fragment Nr. 6; Hippias v. Elis fr. 8 Diels ~ Hippias v. Elis, Fragment Nr. 8 in Fragmente der Vorsokratiker von Hermann Diels (könnte auch so zitiert werden: Hippias v. Elis FGrHist 6 F 10)
Wichtige Fragmentsammlungen sind:
  1. Müller, Carl/Müller, Theodor: Fragmenta historicorum Graecorum. [5 Bde.], Paris 1841-1847. [FHG]
    In weiten Teilen durch (2) ersetzt; bei unzureichenden Griechischkenntnissen aber immer noch nützlich, da zu den einzelnen Fragmenten meist lateinische Übersetzungen vorhanden sind. Online unter http://www.archive.org/stream/fragmentahistori01mueluoft (Band 1), http://www.archive.org/stream/fragmentahistori02mueluoft (Band 2), http://www.archive.org/stream/fragmentahistori03mueluoft (Band 3), http://www.archive.org/stream/fragmentahistori04mueluoft (Band 4), http://www.archive.org/stream/fragmentahistori05mueluoft (Band 5).
  2. Jacoby, Felix: Die Fragmente der griechischen Historiker, Berlin/New York 1923-. [FGrHist]
    Bietet neben den Texten auch ausführliche und meist grundlegende Kommentare, aber keine Übersetzungen. Im Jahre 2005 erschien eine CD-ROM-Edition der von Jacoby vorgelegten Bände. Die von ihm nicht mehr bearbeiteten Fragmente der antiken Biographen und Geographen sammelt derzeit ein internationales Forscherteam. Zudem ist eine völlige Neuausgabe in Arbeit: „Brill’s New Jacoby“ (s. dazu die BMCR-Ankündigung von Ian Worthington; die bereits vorliegenden Beiträge sind in elektronischer Form über http://www.brillonline.nl zugänglich). Im BNJ sind alle Texte mit englischen Übersetzungen versehen. Hier kommen Sie zur BMCR-Rezension und zur H-Soz-u-Kult-Rezension des elektronischen Jacoby.
  3. Peter, Hermann: Historicorum Romanorum reliquiae. [2 Bde.], Leipzig 1914. [HRR]
    Für die republikanische Geschichtsschreibung vor Livius ersetzt durch (4) und (5). Der Nachdruck von 1967 enthält einen bibliographischen Anhang. Online unter http://www.archive.org/stream/veterumhistorico01peteuoft (Band 1), http://www.archive.org/stream/veterumhistorico02peteuoft (Band 2).
  4. Beck, Hans/Walter, Uwe: Die frühen römischen Historiker. [2 Bde.], (= TzF. 76-77), Darmstadt 2001-2004. [FRH]
    Bietet neben Texten und Kommentaren auch Übersetzungen. Ersetzt zusammen mit (5) Peters HRR. Hier kommen Sie zur BMCR-Rezension und zur GFA-Rezension von Band 1.
  5. Chassignet, Martine: L’annalistique romaine. [3 Bde.], (= Collection Budé), Paris 1996-2004.
    Hier kommen Sie zur BMCR-Rezension von Band 3.
  6. Blockley, Roger C.: The fragmentary classicising historians of the later Roman empire. Eunapius, Olympiodorus, Priscus and Malchus. [2 Bde.], (= Arca. 6/10), Liverpool 1981-1983.
Weitere Fragmentsammlungen erschließt samt den jeweiligen Abkürzungen das außerordentlich hilfreiche Hilfsbuch für Studierende der griechischen und lateinischen Philologie: http://www.hilfsbuch.de. Einen guten Überblick über die trümmerhafte Überlieferung der Literatur in lateinischer Sprache verschafft immer noch Bardon, Henry: La littérature latine inconnue. [2 Bde.], Paris 1952-1956.