Tutorium Quercopolitanum - Andreas Hartmann

9.8 Datenbanken

Fast alle literarischen Texte, die uns aus der Antike erhalten sind, liegen mittlerweile in digitalisierter Form vor – allerdings meist nur einsprachig, Latein- und Griechischkenntnisse sind hier also erforderlich. Sind diese Voraussetzungen gegeben, haben Sie hier in Eichstätt die Möglichkeit, diese (meist sehr teuren) Datenbanken kostenlos über das DBIS Eichstätt zu nutzen. Wichtig sind:
  1. Thesaurus Linguae Graecae (TLG)
    Umfasst mittlerweile fast die gesamte griechische Literatur der Antike, allerdings nicht immer in den zuverlässigsten Editionen. Die Abfrage der Datenbank geschieht wie bei den CD-ROMs des PHI mit einer speziellen Abfragesoftware wie dem Silvermountain Workplace (dieser in der DBIS Eichstätt), Antiquarium (http:// antiquarium.eremus.org) oder Diogenes (kostenlos unter http://www.dur.ac.uk/p.j.heslin/Software/Diogenes/index.php). Zu den Vor- und Nachteilen der einzelnen Programme vgl. die instruktive BMCR-Rezension von Antiquarium 2.0, eine BMCR-Rezension des SNS Greek & Latin 1.0, sowie die Zusammenstellung unter http://www.tlg.uci.edu/Software.html. Diogenes integriert seit Version 3.1 eine morphologische Suche, sowie die Lexika LSJ und L&S. Das Programm hat damit gegenüber den kostenpflichtigen Konkurrenten momentan die Nase vorn. Der TLG kann aus dem Universitätsnetz heraus auch direkt über ein Webinterface konsultiert werden: http://stephanus.tlg.uci.edu/inst/fontsel. Im Internet stehen zudem auch zahlreiche nach Erscheinen der Ausgabe E erfasste Texte zur Verfügung.
  2. Patrologia Graeco-Latina (PG)
    Von Jacques-Paul Migne zwischen 1857 und 1866 in 161 Bänden herausgegebene Sammlung mit den Texten der griechischen Kirchenschriftsteller von 100-1478 n. Chr. Im Regelfall ist den griechischen Texten eine synoptische lateinische Übersetzung beigegeben. Obwohl die Editionen vielfach nicht mehr dem Stand der Wissenschaft entsprechen, sind sie bis heute teilweise unersetzt. Wo möglich, sollten allerdings die neueren Ausgaben des Corpus Christianorum, Series Graeca (CCSG) herangezogen werden. Eine elektronische Ausgabe kann unter http://www.classiques-garnier.com/numerique-bases aus dem Universitätsnetz benutzt werden.
  3. Patrologia Latina (PL)
    Ebenfalls von Jacques-Paul Migne zwischen 1844 und 1855 herausgegebenes Schwesterwerk der PG in 221 Bänden. Eine elektronische Ausgabe kann über das DBIS Eichstätt konsultiert werden. Wo immer möglich, sollten die neueren Ausgaben des Corpus Christianorum, Series Latina (CCSL) herangezogen werden. Deren Texte sind im Rahmen der LLT (s. u.) auch elektronisch verfügbar.
  4. PHI #5.3
    Sammlung lateinischer Texte. Benützte Editionen teilweise veraltet. Zur Abfragesoftware s. (1).
  5. Bibliotheca Teubneriana Latina (BTL-4)
    Elektronische Version der Texte der kritischen Editionen der Bibliotheca Scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana. Die Texte sind daher von sehr hoher Zuverlässigkeit. In der neuesten Version können endlich auch Stellen direkt angesprungen undTextabschnitte kopiert werden.
  6. Library of Latin Texts (LLT-6)
    Hervorgegangen aus der „CETEDOC Library of Christian Latin Texts“. Obwohl das CETEDOC (CEntre de Traitement Électronique des DOCuments der Katholischen Universität Leuven) nicht mehr an der Fortführung des Projektes beteiligt ist, wurde das eingeführte Akronym lange Zeit beibehalten. Die Ausgaben des Corpus Christianorum, Series Latina (CCSL) und des Corpus Christianorum, Continuatio Medievalis (CCCM) sind in der LLT enthalten, die aber auch eine große Auswahl an klassischen Texten bietet. Zugang unter http://www.brepolis.net aus dem Universitätsnetz.
Daneben gibt es eine ständig wachsende Zahl von Texten im Internet (in Originalsprachen und Übersetzung), von denen hier nur eine Auswahl gegeben werden kann:
  1. Perseus Project: http://www.perseus.tufts.edu.
    Sammlung von Originaltexten, meist mit englischer Übersetzung. Die Volltexte sind Wort für Wort mit morphologischen Analysetools und Lexika (LSJ bzw. L&S) verlinkt. Anzeige der griechischen Texte nach Unicode-Standard. Eine alternative und bisweilen zuverlässiger funktionierende Suchmaske zum Zugriff auf die Materialien des Perseus Project bietet http://perseus.uchicago.edu.
  2. Bibliotheca Augustana: http://www.hs-augsburg.de/~harsch/augustana.html.
    Wachsende Sammlung griechischer und lateinischer Originaltexte ohne Übersetzungen. Die griechischen Texte liegen teilweise für die Schriftart Arachnion codiert, teilweise im Unicode-Format vor.
  3. The Latin Library: http://www.thelatinlibrary.com.
    Umfängliche Sammlung lateinischer Originaltexte.
  4. IntraText: http://www.intratext.com/LAT.
    Umfangreiche Sammlung lateinischer Originaltexte. Erschließung durch Indices (auch rückläufig) und Konkordanzen.
  5. Corpus Scriptorum Latinorum (CSL): http://www.forumromanum.org/literature/index.html.
    Das Projekt zielt auf eine vollständige Erfassung der lateinischen Literatur in elektronischer Form. Neben den „üblichen Verdächtigen“ finden sich hier auch unbekanntere oder nur fragmentarisch erhaltene Autoren.
  6. Lacus Curtius: http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/home.html.
    Mit herkulischem Fleiß hat Bill Thayer hier zentrale Quellentexte elektronisch zugänglich gemacht. Die Texte basieren meist auf mittlerweile gemeinfreien Bänden der Loeb Classical Library.
    • Polybios, Historien
    • Cato, De agricultura
    • Diodor von Sizilien, Bibliothek
    • Varro, De agricultura
    • Sallust, Catilina und bellum Iugurthinum
    • Dionysios von Halikarnassos, Antiquitates Romanae
    • Vitruv, De architectura
    • Strabon, Geographie
    • Res gestae divi Augusti
    • Velleius Paterculus, Historiae Romanae
    • Celsus, De medicina
    • Aetna
    • Laus Pisonis
    • Calpurnius Siculus, Eclogae
    • Eclogae Einsiedlenses
    • Grattius, Cynegeticon
    • Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni
    • Columella, De re rustica
    • Plinius, Naturalis Historia
    • Quintilian, Institutio oratoria
    • Frontinus, De aquis. und Stratagemata
    • Plutarch, Parallelbiographien, quaestiones Romanae u. a.
    • Dion Chrysostomos, Reden
    • Florus, Epitome
    • Tacitus, Annales und Historiae
    • Sueton, Vitae Caesarum
    • Aulus Gellius, Noctes Atticae
    • Claudius Ptolemaeus, Tetrabiblos
    • Appian, Bella civilia
    • Cassius Dio, Historiae Romanae
    • Ampelius, Liber memorialis
    • Censorinus, De die natali
    • Nemesianus, Cynegeticon
    • Macrobius, Saturnalia
    • Historia Augusta
    • Paulinus von Pella, Eucharisticus
    • Claudian, Dichtungen und Reden
    • Rutilius Namatianus, De reditu suo
    • Excerpta Valesiana
    • Prokopios, De aedibus und Historia arcana
    • Isidor von Sevilla, Origines
  7. THEOI Project: http://www.theoi.com.
    Umfassende Sammlung von Ressourcen zur griechischen Mythologie. Die Bibliothek (http://www.library.theoi.com) enthält zahlreiche englische Übersetzungen, die zumeist den älteren Bänden der Loeb Classical Library entnommen sind: Eine vorzügliche Ressource zu Dichtung, Schauspiel und Mythographie der Antike!
  8. Vitaphone: http://www.freewebs.com/vitaphone1/history/index.html.
    Englische Übersetzungen von:
    • Euagrios, Historia ecclesiastica
    • Philostorgos, Historia ecclesiastica
    • Sozomenos, Historia ecclesiastica
    • Zosimos, Historia nea.
    • Photios, Bibliothek
    • Eutropius, Breviarium
    • Isidor von Sevilla, Chronicon
    • Iordanes, Getica
    • Iustinus, Epitome aus Pompeius Trogus
    • Aurelius Victor, Epitome de Caesaribus
    • Origines gentis Romanae
  9. Livius.org: http://www.livius.org.
    Enthält neben zahlreichen Artikeln zu Einzelthemen der Alten Geschichte auch eine Reihe von englischen Übersetzungen:
  10. Online Library of Liberty: http://oll.libertyfund.org.
    Enthält auch ältere englische Übersetzungen zahlreicher antiker Autoren; nur hier findet man eine komplette Übersetzung von Plutarchs Moralia in digitaler Form.
  11. Ancient Greek Online Library: http://www.greektexts.com.
    Bietet englische Übersetzungen der großen Klassiker, dazu die Parallelbiographien Plutarchs. Leider ist der Text nicht nach der üblichen Kapitel-/Paragrapheneinteilung gegliedert.
  12. Sacred Texts: http://www.sacred-texts.com/cla/luc/index.htm.
    Projekt mit esoterischem Anstrich. Das macht die bereitgestellten Texte natürlich nicht weniger nützlich. Hinzuweisen ist besonders auf eine vollständige englische Übersetzung der Werke Lukians.
  13. L’antiquité grecque et latine: http://remacle.org.
    Sammlung von älteren französischen Übersetzungen griechischer und lateinischer Autoren.
  14. Traductions françaises im Rahmen der Bibliotheca Classica Selecta (BCS-TRA): http://bcs.fltr.ucl.ac.be/Traduc02.html.
    Wie der Name schon sagt, finden sich hier französische Übersetzungen lateinischer und griechischer Autoren. Wo möglich sind die Übersetzungen mit den Originaltexten im Rahmen der Itinera Electronica (Hypertextes Louvanistes) verlinkt.
  15. Itinera Electronica/Hypertextes Louvanistes: http://agoraclass.fltr.ucl.ac.be/concordances/intro.htm.
    Neben den Volltexten bietet diese Sammlung auch Indices (normal und rückläufig), sowie Konkordanzen und statistische Auswertungen.
  16. Suda On-Line (SOL): http://www.stoa.org/sol.
    Projekt des Stoa Consortium. Die Suda ist ein großes griechisches Lexikon aus byzantinischer Zeit (10. Jahrhundert), in dem das noch vorhandene Wissen über die antike Welt kompiliert wurde. Ein schier unerschöpflicher Schatz! SOL bietet den griechischen Text ähnlich wie das Perseus Project wahlweise in verschiedenen Formaten (u. a. Unicode), dazu eine englische Übersetzung und Kommentare.
  17. The Roman Law Library: http://web.upmf-grenoble.fr/Haiti/Cours/Ak/index.htm.
    Zusammenstellung von Gesetzen, Senatsbeschlüssen, Kaiseredikten und anderen Rechtsquellen im lateinischen Original. Den epigraphischen Materialien sind jeweils ausführliche – allerdings nicht ganz aktuelle – Bibliographien beigegeben. Enthält auch eine vollständige Fassung des Corpus Iuris Civilis Justinians.
  18. Digital Hippocrates: http://www.chlt.org/hippocrates.
    Sammlung von Originaltexten zur antiken Medizin.
  19. Athenaios, Deipnosophistai: http://digicoll.library.wisc.edu/cgi-bin/Literature/Literature-idx?type=browse&scope=LITERATURE.DEIPNOSUB.
    Englische Übersetzung des vollständigen Werkes.
  20. Iulius Obsequens: http://www.aillyacum.de/la/Obsequens.
    Originaltext und deutsche Übersetzung des Liber prodigiorum.
  21. The Little Sailing Ancient Greek Texts: http://www.mikrosapoplous.gr/en/texts1en.htm.
    Griechische Volltexte ohne Übersetzung als Word-Dateien im Unicode-Format.
  22. Internet Ancient History Sourcebook: http://www.fordham.edu/halsall/ancient/asbook.html.
    Von Paul Halsall betreute Sammlung von thematisch geordneten Quellentexten zur Alten Geschichte in englischer Übersetzung.
  23. Alexander Sources: http://websfor.org/alexander/home/home.asp.
    Quellensammlung zu Alexander d. Gr. Enthält unter anderem eine englische Übersetzung von Arrians Anabasis: http://websfor.org/alexander/arrian/intro.asp.
  24. SPECTATORES – Quellen zum Zuschauer im Altertum: http://www-gewi.uni-graz.at/spectatores.
    Kommentierte Quellensammlung zum im Namen genannten Thema.
Zahlreich sind auch die Angebote zur christlichen Literatur der Antike:
  1. Bibliothek der Kirchenväter (BKV): http://www.unifr.ch/patr/bkv.
    Elektronische Aufbereitung einer bereits etwas angetagten, aber immer noch nützlichen Sammlung deutscher Übersetzungen patristischer Quellen. Hier kommen Sie zur H-Soz-u-Kult-Rezension.
  2. Christian Classics Ethereal Library – The early church fathers: http://www.ccel.org/fathers.html.
    Elektronische Umsetzung der von Philip Schaff noch im 19. Jh. besorgten Übersetzungssammlung. Weitere Texte stehen unter http://www.ccel.org/p/pearse/morefathers/home.html zur Verfügung.
  3. Newadvent – The Fathers of the Church: http://www.newadvent.org/fathers.
    Englische Übersetzungen der wichtigsten Schriften der Kirchenväter.
  4. Comparative Religion: http://interfaith.org/christianity/apocrypha.
    Englische Übersetzungen der apokryphen Schriften des frühen Christentums.
Von Interesse insbesondere für den Historiker der Spätantike sind schließlich die Digitalisate der Monumenta Germaniae Historica (MGH):
  1. Monumenta Germaniae Historica digital (dMGH): http://www.dmgh.de.
    Macht die Bände der MGH als digitales Faksimile zugänglich, mittlerweile ist auch eine Volltextsuche möglich. Für den Althistoriker sind insbesondere etliche Bände der Abteilung SS Auct. ant. von Interesse. Hier kommen Sie zur H-Soz-u-Kult-Rezension.
  2. Elektronische Monumenta Germaniae Historica (eMGH-7): CD-ROM.
    Im Gegensatz zur dMGH bietet die eMGH noch ausgefeiltere Suchmöglichkeiten. Die Oberfläche entspricht in etwa derjenigen von BTL und LLT. Die Benutzung ist über das DBIS Eichstätt möglich.
Die Digitalisierung verändert unseren Umgang mit Texten fundamental. Zur theoretischen Reflexion dazu siehe:
  1. Schreibman, Susan/Siemens, Ray/Unsworth, John (Hgg.): A companion to digital humanities, Oxford 2004: http://www.digitalhumanities.org/companion.
  2. Siemens, Ray/Schreibman, Susan (Hgg.): A companion to digital literary studies, Oxford 2008: http://www.digitalhumanities.org/companionDLS.