Das Interesse an der Geschichte. Die griechischen Historiker und ihr Publikum

Erschienen in: Purposes of History. Studies in Greek Historiography from the 4th to the 2nd Centuries B.C. Proceedings of the International Colloquium Leuven, 24 - 26. May 1988. Edited by H. Verdin, G. Schepens and E. De Keyser. (Studia Hellenistica. 30). Leuven 1990. S. 323 - 349.

Prof. Dr. Jürgen Malitz
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
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Dem Versuch, eine bessere Vorstellung von den antiken Lesern historischer Literatur zu gewinnen, sind durch die Dürftigkeit des für diese Fragestellung erhaltenen Materials sehr enge Grenzen gesetzt. Die wenigen konkreten Lektürezeugnisse können in ihrer Aussagekraft allerdings ergänzt werden durch eine Betrachtung der Lese-Voraussetzungen und der Lese-Motivationen[1]. "Leser" der Antike sind ohnehin kaum vergleichbar mit dem Leser-Publikum der Neuzeit. Nur der geringste Teil der prinzipiell Schreib- und Lesefähigen wird in der Lage gewesen sein, ein anspruchsvolleres Werk mit Verständnis zu rezipieren; die heute bewunderten Werke der Antike dürften als Lese-Stoff nur einem verschwindend kleinen Kreis von "Kollegen" der Autoren und einer sozialen Elite mit der entsprechenden Muße zugänglich gewesen sein. Und wenn gelesen wurde, dann natürlich anders als heutzutage - schon das Festhalten der Papyrusrolle war viel unbequemer als unser heutiges Lesen mit dem Buch in der Hand oder auf einem Tisch[2]. Der "stille" Leser der Neuzeit ist in der Antike die Ausnahme von der Regel; literarische Werke wurden wohl meistens für einen Kreis von Hörern vorgelesen, und selbst wenn man alleine war, las man den Text laut[3].

Mein Interesse gilt im folgenden vor allem dem Publikum jener Gattung antiker Historiographie, die sich, mehr oder weniger ausdrücklich, an den "Klassikern" Herodot und Thukydides orientiert hat, also der - im weitesten Sinne - "politischen" Geschichtsschreibung[4]. Für die Antike umfaßt der Begriff der "Historia" ja noch ganz andere Themen, die mit der neuzeitlichen Vorstellung von "Geschichtsschreibung" wenig zu tun haben. In welchem Maße "politische" Geschichtsschreibung in der Antike nur eine von vielen Möglichkeiten sogenannter "historischer" Literatur darstellte, ist etwa bei Polybios nachzulesen, der sich - mehr als jeder andere Historiker der Antike - stets große Sorgen darüber gemacht hat, ob er auch wirklich die richtigen Leser finden werde. Er setzt seine von ihm so genannte "pragmatische" Geschichtsschreibung[5] ab von anderen Zweigen "historischer" Literatur, die zu seiner Zeit, im II. Jahrhundert v.Chr., offenbar viel beliebter gewesen sind als so ernsthafte Werke wie sein eigenes: an erster Stelle nennt Polybios die Genealogien, jene Werke also, die die "Geschichte" der Götter und der Heroen in allen erdenklichen Einzelheiten zu behandeln wußten[6]. An zweiter Stelle werden von Polybios phantastische Landes- und Ortsgeschichten genannt, die die lokale Tradition jeweils hinaufführten bis zu den Helden Homers[7]. Mit solchen Werken konnte man berühmt werden und sogar Geld verdienen[8]. Und für sehr viele Leser gab es ohnehin keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Geschichtswerken und solchen Produktionen, die wir heute zur Roman-Literatur zählen würden[9].

Wie wenig selbstverständlich das Interesse an der in der Neuzeit so geschätzten "politischen" Geschichtsschreibung gewesen ist, mag Kaiser Tiberius' Vorliebe für die "historia fabularis" zeigen - den Prinzeps bewegten insbesondere Fragen wie die, wer die Mutter Hekubas gewesen sei, welchen Namen Achill unter den Mädchen gehabt habe, und welche Lieder die Sirenen gesungen hätten[10]. Zu solchen Themen gab es eine ausgebreitete Fachliteratur[11]. In der Antike ist die Neigung zu historischer Lektüre mit vorwiegend stofflichen - im Unterschied zum bloß literarischen - Interesse ohnehin nicht so selbstverständlich zu erwarten wie in der Neuzeit. In der Neuzeit ist die "Geschichtswissenschaft" ein fester Teil des akademischen Fächerkanos, und "Geschichte" ist auch ein Teil des - höheren - Schulunterrichts. Auf diese Weise ist das Fach "Geschichte" eine derjenigen Disziplinen geworden, mit denen heute fast jeder schon in der Schule in Berührung kommt. Die Verbreitung historischer Kenntnisse gehört dadurch zu den anerkannten Bildungszielen: durch solche Vorbedingungen wird dann ein potentielles Publikum für historische Literatur aller Art geschaffen. Umgekehrt fördert die Existenz eines solchen Publikums natürlich auch die kontinuierliche Produktion historischer Literatur.

Für die Antike gelten diese für die Verbreitung historischer Lektüre günstigen Faktoren nicht. Noch am intensivsten kamen die antiken Schüler mit "Geschichte" im sogenannten Grammatik-Unterricht in Berührung. Historiker-Texte wurden hier zuweilen zur Erläuterung literarischer Werke herangezogen; durch solchen Unterricht könnte gelegentlich ein Anreiz geschaffen worden sein für historische Lektüre, einmal abgesehen davon, daß die Beschäftigung mit Homer das Interesse an der Vergangenheit ganz allgemein geweckt haben dürfte[12]. Im Rhetorik-Unterricht waren Geschichtswerke ein Steinbruch, dem man Beispiele für die Debatten in der Schule entnahm[13]. Andere Werke, wie z. B. Thukydides, wurden gelesen um des nachahmenswerten Stiles willen[14]. Ein regelrechtes Fachstudium war in der Antike unbekannt, und es gab auch niemals einen "Geschichtsprofessor". Im Grunde ist es überraschend, daß die Gattung der Historiographie trotz dieser gleichbleibend ungünstigen Voraussetzungen in der Antike überhaupt einen solchen Umfang erreicht hat.

Gelegentliches Interesse an speziell historischer Lektüre einmal vorausgesetzt, war es nicht einmal sichergestellt, daß der Historiker, den man gerade lesen wollte, überhaupt zur Verfügung stand. Die Erreichbarkeit von Büchern muß immer ein großes Problem gewesen sein[15]. Die Werke der meisten bei Felix Jacoby verzeichneten Historiker wird es allenfalls in den größten Bibliotheken gegeben haben, und manches heute "klassische" Werk mag in irgendeiner antiken Bibliothek über Jahrhunderte unbenutzt gelegen haben, bis dann ein literarischer Geschmackswandel zur Neuentdeckung des vielleicht nur noch in einem einzigen Exemplar existierenden Buches geführt hat[16].

Bei der Suche nach den vor allem an politisch-historischer Lektüre interessierten Leser ist zeitlich zu differenzieren. Herodot und Thukydides arbeiteten unter ganz anderen Bedingungen als schon ihre unmittelbaren Nachfolger. Die Fortsetzer der beiden "Klassiker" konnten die Gattung der Geschichtsschreibung bereits im Sinne einer "historia perpetuae"[17] mehr oder weniger fertig übernehmen. In einem weiteren Abschnitt sollen die verstreuten Hinweise auf das Publikum der Historiker und die verschiedenen Geschmacksrichtungen mit dem Bestand der in Ägypten gefundenen Papyri verglichen werden. Hier kann an einem konkreten Beispiel "Leserforschung" getrieben weren. Ich schließe mit Bemerkungen über die unterschiedliche Lesehaltung der antiken und der neuzeitlichen Leser der Historiker des Altertums.

II.

Erst mit Herodot beginnt "Geschichtsschreibung" zu einer eigenen literarischen Form zu werden. Soweit es bis dahin "historiographische" Darstellungen gab, galten sie einem Bereich der Vergangenheit, den Herodot bewußt ausgespart hatte - dem der mythischen Geschichte, dem Stoff der offenkundig sehr beliebten Genealogien. Herodot schreibt freilich in einer Tradition von Genealogen und Georgraphen, deren Werke wenigstens grundsätzlich das Publikum für ein Oeuvre in der Art seiner Historien hatten[18].

Für ihn scheint die Frage, ob sein Werk genügend Anerkennung finden werde, überhaupt nicht existiert zu haben. In seinen neun Büchern gibt es, wenn ich nichts übersehen habe, keine einzige Erwähnung des tatsächlichen oder des von Herodot wenigsten gewünschten Publikums, etwa im Sinne von Polybios' zahlreichen Bemerkungen zur Leserfrage. Hin und wieder finden sich allenfals Bemerkungen, die sich als Reaktion auf das Publikum seiner Vorträge verstehen lassen oder als Hinweise an seine Hörer[19]. Herodot hat freilich keinerlei Wert darauf gelegt, solche Hinweise besonders kenntlich zu machen.

Er ist offenbar von der Voraussetzung ausgegangen, daß sein Werk schon auf die ihm zustehende Resonanz stoßen werde; die allerdings unsicher bezeugten Vorlesungen in Griechenland und in Thurioi könnten ihn in der Erwartung bestärkt haben, ein nach Zahl und Niveau angemessenes Publikum zu finden[20]. Es mag der Zurückhaltung Herodots in allen persönlichen Fragen entsprechen, wenn er darüaber niemals direkt gesprochen hat.

Senie stillschweigende Erwartung hat ihn nicht getrogen, doch verrät diese Erwartung doch auch ein ungewöhnliches Maß an Selbstsicherheit und ein Bewußtsein von der eigenen Leistung. Herodots Selbstvertrauen in die Wirkung seiner Arbeit ist dabei alles andere als selbstverständlich. Allein der schiere Umfang seines Lebenswerkes mußte dessen Erhaltung und Verbreitung am Ende des V. Jahrhunderts in Frage stellen. Herodots Werk ist in seiner Zeit nicht nur eines der ersten Prosawerke überhaupt, sondern zugleich das mit erheblichem Abstand umfangreichste[21]. Ilias und Oyssee sind natürlich noch umfangreichere Werke, doch gehören sie eben der Poesie an. Der Umfang von Herodots Historien ist im zeitgenössischen Rahmen einfach unerhört und stellte an die Geduld und die Konzentration der Leser, oder besser: der Hörer erhebliche Anforderungen. Wenn Sokrates sich in Xenophons Memorabilien darüber wundert, daß der Bücherfreund Euthydemos einen vollständigen Homer besitzt[22], so läßt das vielleicht ermessen, daß die Zahl der vollständigen Herodot-Exemplare in der ersten Phase der Wirkungsgeschichte Herodots nicht niedrig genug angesetzt werden sollte[23]. Und wer mag in der Lage gewesen sein, sich ein solches Werk zum persönlichen Besitz zu kaufen ? Der Preis der neunn Bücher Herodots in einer Zeit des sich gerade erst entfaltenden Buchhandels wird nicht gerade gering gewesen sein.

Unter dem Publikum, das die Muße hatte, einer Vorlesung aus dem Werk Herodots beizuwohnen, wird es Hörer ganz unterschiedlichen Niveaus gegeben haben. Wie sehr Herodot sich des durchschnittlichen Leser-Interesses seiner Zeitgenossen bewußt gewesen ist, zeigt die Einleitung des ersten Buches, in der er sozusagen gleich auf der ersten Seite diejenigen unter seinen Hörern anspricht, oder doch anzusprechen vorgibt, die sich so sehr für alle Einzelheiten der Göttergeschichte interessierten[24]. Die dauernde Popularität Hesiods, ablesbar z. B. auch an den Papyri ist ohne diese weit verbreitete Vorliebe ja gar nicht denkbar. Auch Hekataios' selbstbewußtes Vorwort zu seiner Genealogie läßt erkennen, daß man gerade auf diesem Gebiet literarischen und sozusagen wissenschaftlichen Ruhm erwerben konnte[25]. Die Rahmenerzählungen der platonischen Dialoge vermitteln eine Vorstellung von einem großen Teil der aristokratischen Hörerschaft von Herodots Vorträgen. Wer Zeit und Interesse aufbrachte für die antiquarischen Themen der Genealogen, für den konnten auch Herodots Erzählungen einen Reiz haben, selbst wenn er sich über die eigentliche intellektuelle Leistung des Mannes aus Halikarnass keine Rechenschaft gab. Das Durchschnittserlebnis des vornehmen Publikums in Herodots Zeit wird mit einiger Wahrscheinlichkeit faßbar in einer Bemerkung über die Spartaner, die Platon dem Sophisten Hippias in den Mund gelegt hat[26]:

"Wenn ich ihnen erzähle von den Geschlechtern der Heroern und der Menschen, und von den Siedlungen, wie in alter Zeit die Städte angelegt worden sind, und überhaupt alles, was zu den Altertümern gehört, das hören die Spartaner am liebsten"[27].

Wie ernst Platon selbst das genommen hat, sei dahingestellt, doch sind Hippias' Worte ein Testimonium für das Interesse, auf das Herodot in Athen und anderswo rechnen konnte. Dem vornehmen oder weniger vornehemn Durchschnittspublikum der Vorlesungen Herodots dürfte dann noch ein kleiner Kreis von Kennern hinzuzufügen sein, der mehr von diesem Werk erfassen konnte als bloß die Abfolge fesselnd erzählter Geschichten aus aller Herrn Länder. Solche Kenner hat es gegeben, wenn es natürlich auch müßig ist, über ihre Zahl zu spekulieren. Thukydides läßt Kleon einmal vor der Volksversammlung erklären, daß der einzelnen Redner zu beurteilen und darüber leider zu oft den politischen Gehalt vergäßen[28].

Im Rahmen der zeitgenössischen Vorstellungen waren die Historien kein antiquarisches, sondern ein poetisches Werk, und es war eine verbreitete Ansicht, daß gute Dichtung nicht nur zu erfreuen, sondern auch zu belehren habe[29]. Die Zielsetzung des Erfreuens und des Belehrens ist auch auf die Geschichtsschreibung übertragen worden[30]. Über das Verhältnis von Vergnügen und Nützlichkeit beim Anhören seines Werkes hat sich Herodot an keiner Stelle seines Werkes ausdrücklich geäußert, auch dies wohl im Kontrast zu den Produktionen seiner Nachfolger. Dem "Vater der Geschichte" geht es, soweit seine Worte im Prooemium ein Urteil erlauben, vor allem um die Erinnerung an vergangene Taten. Herodot hat aber viel mehr bieten wollen als nur ein Prunkstück zum einmaligen Zuhören. Er wollte nicht nur die Kunde der Vergangenheit aufbewahren, sondern gleichzeitig - wenn auch sehr verhalten - eine politische Lehre vermitteln; den aufmerksameren unter seinen Hörern hat er es überlassen, ihre Schlüsse zu ziehen[31]. Sein frühestes Publikum, in Athen und anderswo, setzte sich in der Mehrzahl aus Hörern zusammen, deren Unterrichtung über den Perserkrieg und über das damalige Verhalten der Griechen vielleicht nützliche Folgen haben konnte für das Verhalten während der gegenwärtigen Krise des Peloponesischen Krieges. Daß geographische und politisch-historische Kenntnisse für die eigene Gegenwart durchaus nützlich sein könnten, hat Herodot z. B. mit der Erwähnung von Hekataios' Ratschlägen während des Ionischen Aufstandes gezeigt - die allerdings nicht befolgt worden sind[32]. Herodot hat die Aufmerksamkeit seines Publikums möglicherweise überschätzt, doch dürfen wir das besser faßbare Durchschnittspublikum der hellenistischen Epoche nicht ohne weiteres gleichsetzen mit dem Polis-Publikums des V. Jahrhunderts. Die Einzigartigketi Herodots findet eine Erklärung vielleicht auch in der Einzigartigkeit eines für uns konkret kaum mehr faßbaren, aber existenten und an Feinfühligkeit unübertroffenen älteren griechischen Publikums.

Die leiseren Hinweise eines Herodot sind damals möglicherweise besser verstanden worden, als sich heute Interpreten das vorstellen können; dieses ältere Publikum war noch nicht angewiesen auf die starken Farben und die lauten Töne, die seit dem IV. Jahrhundert den Erfolg eines Autors beim Publikum anszumachen begannen. Ausnahmsweise veranschaulichen läßt sich dieses hier postulierbare "Lesererlebnis" an der Auseinandersetzung des Thukydides mit seinem Vorgänger Herodot[33]. In diesem Zusammenhang kann wohl auch der unbekannte junge Verfasser der dem Xenophon zugeschrieben Athenaion Politeia genannt werden; dieser Unbekannte dürfte sowohl Herodot als auch Thukydides mit scharfem politischem Verständnis gelesen haben[34]. Eine weitere Wirkung des herodoteischen Werkes ist auf einer etwas trivialeren Ebene nachzuweisen - die frühe griechische Lokalgeschichte erklärt sich mindestens zum Teil durch den Wunsch verschiedener Patrioten, Herodots Schilderung des Anteils ihrer jeweiligen Heimat am Sieg über den Perserkönig zu korrigieren[35]. Thukydides gibt zu Beginn seines Werkes einen Methodenexkurs, ein Zeugnis seiner Auseinandersetzung mit Herodot. An dieser Stelle finden sich sehr abfällige Worte über das in Thukydides' Wertung, durchschnittliche Publikum von Werken dieser Art. Er spricht von den "Logographen", die angeblich alles bieten, was die Hörlust anlockt, nur keine Wahrheit, und er erklärt sein eigenes Werk zum dauernden Besitz, dessen sorgfältige, wiederholte Lektüre von Nutzen sein soll bei der Beurteilung gegenwärtiger und künftiger politischer Konflikte[36]. In dieser Polemik wird jenes Durchschnittspublikum "historischer" Literatur faßbar, das Freude am Werk eines Herodot haben konnte, ohne gleich, wie etwa der junge Thukydides selbst, die wirkliche Leistung des Werkes beurteilen zu können. Hier wird indirekt auch der große Kreis von Autoren der Zeit faßbar, deren Renommee verständlich macht, daß Herodot einigermaßen sicher sein konnte, für sein Werk genügend Hörer zu finden[37].

Thukydides weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die von ihm bemängelten Werke nicht gelesen, sondern vorgelesen wurden. Das geschriebene Wort war damals ziemlich unwichtig; wie die Werke der Poesie wurden auch die Werke der Prosa-Literatur in der Regel vorgelesen. Das antike Publikum hatte ein geschärftes Ohr für den Wohlklang der Sprache und für die kunstvolle Anwendung rhetorischer Stilmittel[38]. Thukydides' Werk ist allem Anschein nach damals als erstes aller Prosawerke bewußt an die Schriftlichkeit der Vermittlung gebunden gewesen, Sein Werk ist - jedenfalls in der heute erhaltenen Form - mehr an aufmerksame Leser gerichtet als an die sich mühsam konzentrierenden Hörer einer Vorlesung[39].

Thukydides hat aber nicht nur die durchschnittlichen Hörer seiner Zeit abgelehnt, sondern eigentlich alle zeitgenössischen Hörer oder Leser. Er bildet auch darin eine nicht leicht zu erklärende Ausnahme in der gesamten Geschichte der antiken Historiographie, daß er wohl überhaupt nicht für ein Publikum zu Lebzeiten geschrieben hat, sondern sein Werk von Anfang an für Leser konzipierte, die erst nach dem vom Autor ja nicht berechenbaren Ende des großen Krieges die Möglichkeit der Lektüre erhalten sollten[40]. Wie Herodot, so hatte aber auch Thukydides als potentielles Publikum die Führungsschicht der griechischen Poleis des V. Jahrhunderts vor Augen - Hörer und Leser also, die im Prinzip die Möglichkeit hatten, in ihren Gemeinwesen als aktive Bürger einen wie immer gearteten "praktischen" Nutzen aus der historischen Lektüre zu ziehen.

Im Verlauf des IV. Jahrhunderts hat sich diese politisch-soziologische Grundlage mehr und mehr verändert, und diese Veränderungen führen auch zu einer Änderung des literarischen Geschmacks[41]. Die Unwiederholbarkeit des thukydideischen Werkes und die geringe Erfassung seiner Bedeutung finden wenigstens zu einem Teil ihre Erklärung - ebenso übrigens wie die Einzigartigkeit Herodots - in dem so nicht mehr wiederkehrenden Publikum des V. Jahrhunderts, das sie bei ihrer Arbeit vor Augen haben konnte. Das bloße Vergnügen an der Lektüre war dabei von Herodot sicher nicht ausgeschlossen worden, und selbst Thukydides kam dieser allgemeinen Erwartung durch die künstlerische Durcharbeitung seines Stoffes entgegen. Vorrang vor dem Dienst am Durchschnittspublikum hatte für Thukydides aber doch der Dienst an dem, was er als historische Wahrheit empfand, sowie die Ausarbeitung der von Herodot und Thukydides in unterschiedlicher Deutlichkeit vorgetragenen politischen Lehre.

Herodots Wirkung im IV. Jahrhundert läßt sich in den Grundzügen nachzeichnen; als Geschichtserzähler und als Darsteller der Perserkriege ist er bald zu einem literarischen Klassiker geworden[42]. Thukydides' Werk war weniger leicht zugänglich; die Verbreitung der aus dem Nachlaß herausgegebenen Bücher ist im einzelnen nur schwer zu beurteilen[43]. Schon bei Xenophon, dem bewundernden Fortsetzer, läßt sich allerdings erkennen, daß er Thukydides' Kriegsmonographie wohl gründlich mißverstanden hat, wenn er sie für das Vorbild einer "Griechischen Geschichte" hielt. Das früheste Leserzeugnis für Thukydides' Werk stammt von Theophrast, der Herodot und Thukydides als die Begründer einer neuen, weil stilistisch anspruchsvollen Geschichtsschreibung genannt hat - hier geht es alleim um den Stil, und nicht etwa um die geschichtswissenschaftliche Konzeption der Werke[44].

III.

Nach Thukydides' Zweckbestimmung der Geschichtsschreibung im Methodenexkurs ist die Bestimmung des Verhältnisses zwischen dem bloßen Vergnügen an historischer Lektüre und ihrer politischen oder gar moralischen Nützlichkeit im IV. Jahrhundert bald vulgarisiert worden zur bloßen Nützlichkeit im politischen oder sogar privaten Leben. Seit Ephoros sprechen die Historiker umso heftiger vom Nutzen ihrer Werke, je unrealistischer die Möglichkeit aktiver Mitarbeit des Einzelnen im Zeitalter der Monarchie geworden ist[45]. Was sich jedenfalls für das vornehme Publikum des V. Jahrhunderts von selbst verstanden haben dürfte, musste jetzt in den Prooemien breitgetreten werden. Für die Historiographie des IV. Jahrhunderts sind dann noch die einzelnen Lebensbereiche zu unterscheiden, für die nützliche Lehren angeboten werden: der Nutzen aus der Lektüre bezieht sich nicht mehr nur auf die "Große Politik", sondern auch auf das Leben im Kleinen: "Historia Magistra Vitae"[46].

Soweit man von den Geschichtswerken des IV. Jahrhunderts und späterer Zeit auf das angestrebte Publikum schließen kann, so stellte die Mehrzahl der Leser offenbar zunehmend die Forderung, angenehm unterhalten zu werden, notfalls auf Kosten einer genauen Berichterstattung. Leser auch der gehobenen "politischen" Geschichtsschreibung erwarteten literarische Techniken, die heute nur für einen Roman erlaubt wären. Aktenmäßige Genauigkeit, auf die Thukydides so viel Wert gelegt hatte, ist vielleicht schon zu seiner eigenen Zeit eine Überforderung gewesen; im IV. Jahrhundert - und später - war mit solcher Sorgfalt noch viel weniger Aufmerksamkeit zu gewinnen. Jeder Historiker, der - anders als Thukydides - Leser zu Lebzeiten ansprechen wollte, mußte sich Gedanken darüber machen, wie dem Wunsch des Publikums nach Abwechslung, nach exotischem Detail, nach aufwühlenden Szenen Rechnung getragen werden konnte[47].

Der Aufschwung der dramatischen Historiographie seit dem IV. Jahrhundert ist natürlich keine bloße Geschmacksfrage, sondern nur durch die Veränderung der politischen Verhältnisse zu erklären. Eine vergleichbare Entwicklung stellt die Entpolitisierung der Komödiendichtung seit dem Untergang der attischen Herrschaft dar. Im IV. Jahrhundert bringt Menander nur noch private Probleme auf die Bühne[48].

Den Veränderungen in den Ausgangsbedingungen der Historiographie vom V. zum IV. Jahrhundert entspricht es wohl auch, daß die Historiker in ihren Vorreden weniger über die methodischen Prinzipien schreiben als über die formalen Bedingungen ihrer Arbeit. Die Rhetorisierung der Geschichtsschreibung macht die Arbeit sozusagen leichter. Beim Publikum des IV. Jahrhunderts wird die historische Lektüre bestimmt vor allem durch Ephoros und Theopomp, die durch die Breite ihres Berichtszeitraums die Lektüre älterer und weniger bequem zu lesender Werke erübrigt haben. Als sich Theopomp z. B. der Historiographie zuwandte, fertigt er zuerst einmal einen Auszug aus Herodot an; die gesamte Weltgeschichte sollte in einem einheitlichen Stil zu lesen sein[49]. Der Wunsch des Publikums nach bequemer und zugleich spannender Lektüre läßt sich am Schicksal der Alexanderhistoriker exemplifizieren. Die meistgelesene Darstellung Alexanders durch Kleitarch hat allem Anschein nach wenig Ähnlichkeit mit einem Werk thukydideischer oder polybianischer Prägung gehabt. Kleitarchs Darstellung war wohl eher mit einem Roman zu vergleichen. Er traf damit den Geschmack des breiten Publikums, das sich durch thukydideisch genaue Analysen gelangweilt und überfordert fühlte, sehr genau[50]. Geschmackswandel des Publikums und Stil der Autoren bedingen sich gegenseitig.

Es gibt seit dem IV. Jahrhundert offenbar nur sehr wenige Historiker, die entgegen den Tendenzen der Zeit überwiegend sachlich und stofflich orientiert waren. Als die bedeutende Ausnahme von der Regel ist Hieronymos von Kardia zu nennen, der - für uns - maßgebliche Historiker des Zeitalters der Diadochen: zu seiner Zeit ist er so gut wie unbeachtet geblieben[51]. Der vom Publikum bevorzugte Autor über die Diadochenzeit wurde dagegen Duris von Samos, ein Sensationshistoriker, der keinen grellen Effekt ausgelassen hat. Es ist nicht überraschend, daß er sich in seinem Prooemium mit Fragen der Darstellung beschäftigt hat[52].

IV.

Von exemplarischen Interesse für das antike Historiker-Publikum und speziel natürlich für die Leser des II. Jahrhunderts, sind die gelegentlich sehr aufgeregten Äusserungen des Polybios zu diesem Thema. Polybios' Gegenstand ist die "politische Geschichte" seiner Zeit, mit seinen Worten: "die Taten und Schicksale von Völkern, Städten und Herrschern"[53]. Er richtet sich ausdrücklich an einen Leserkreis, der nicht nur zum Zeitvertreib zu seinem Werk greift, sondern sachliche Belehrung wünscht. Es handelt sich um eben jene "politischen" Leser, die wohl schon immer schwer zu haben waren[54].

Polybios' Sorge um die Verbreitung seines Lebenswerks war vollkommen berechtigt: seine Heftigkeit ist auch ein Zeichen der Resignation: die Historien sind tatsächlich nur wegen ihres stofflichen Gehaltes gelesen worden, und damit selten. Gelobt wird Polybios nur von den Römern, wegen seiner Zuverlässigkeit[55]. Die Griechen, für die er doch wohl in erster Linie geschrieben hat, hüllen sich in Schweigen oder sagen - wie Dionysios von Halikarnass -, daß man das Werk wegen der unleidlichen Sprache nicht bis zum Schluß lesen könne[56].

Polybios wußte nur zu genau, daß er starke Konkurrenz im Kampf um die Gunst der Leser zu fürchen hatte. Seine nüchterne Art dar Darstellung, die er selbst gelegentlich als schwer lesbar bezeichnet hat[57], war offensichttlich geeignet, auch die prinzipiell am Stoff seines Werkes interessierten Leser zu Werken anderer Stilrichtung greifen zu lassen. Sein Werben um Aufmerksamkeit und die dauernde Polemik gegen die "Sensationshistoriker"[58] lassen erkennen, einen wie schweren Stand die "pragmatischen" Historiker damals gehabt haben. Beliebter als eine militärisch exakte Belagerungsschilderung, wie Polybios sie zu bieten hatte, waren Schilderugnen der Art, wie er sie aus Phylarch, dem meistgelesenen Autor über die Geschichtte des III. Jahrhunderts, zitiert[59]. Die offensichtliche Faszination der Leser durch Autoren wie Phylarch erklärt sich natürlich nicht allein durch die von Polybios einfach vorausgesetzte "Oberflächlichkeit", sondern auch durch die grundsätzlich viel höhere Bereitschaft des antiken Publikums, sich durch Werke der Literatur in Emotionen versetzen zu lassen[60]; Leser der Neuzeit pflegen still vor sich hin zu lesen und solche Empfindungen ganz nach innen zu wenden[61].

Es gab also nur wenige Leser, die den Intentionen eines Thukydides, eiens Hieronymos, eines Polybios wirklich entsprochen haben. Diesen wenigen, wie wenigstens Polybios sie einschätzen würde: Kennern stand ein Durchschnittspublikum historisch interessierter Leser gegenüber, das in der Regel - um hier nur diese Beispiele zu nennen - Kleitarch dem Ptolemaios und Duris dem Hieronymos vorzog. Dies ist ein Problem der Lesergeschichte natürlich nicht nur der Antike[62]:

"Lassen Sie mich noch eine Bemerkung hinzufügen, welche einen alten Autor wohl ziemen mag. Es gibt dreierlei Arten Leser: eine, die ohne Urteil genießt, eien dritte, die ohne zu genießen urteilt, die mittlere, die genießend urteilt und urteilend genießt; diese reproduziert eigentlich ein Kunstwerk aufs neue. Die Mitglieder dieser Klasse (...) sind nicht zahlreich, deshalb sie uns auch werter und würdiger erscheinen".

Zu erwähnen bleibt noch der schwer zu fassende Leserkreis unterhalb der sozialen und intelektuellen Oberschicht, sozusagen das "Massenpublikum" der Antike für historische Literatur[63]. Eine gewisse Verbreiterung des Publikums im Laufe der Zeit ergibt sich schon durch die Ausbreitung der Schulbildung und der Lesefähigkeit[64]. Wachsendes stoffliches Interesse an historischer Unterrichtung wird z. B. bewiesen durch die mehrfach bezeugten Auszüge aus umfangreicheren Werken[65]. Erhellend ist in diesem Zusammenhang eine Bemerkung Ciceros, die eben wegen ihrer Beiläufigkeit von besonderem Gewicht ist. In De Finibus setzt er voraus, daß auch die "Kleinen Leute", die keinerlei Aussichten besäßen, einmal in der Welt eine besondere Rolle zu spielen, sich an historischer Lektüre erfreuten[66]. Dionysios von Halikarnass erwähnt eine Diskussion unter den Literaturkritikern darüber, ob Thukydides auch für die "Kleinen Leute" auf dem Markt geschrieben habe - solche Leser wurden also bei den Debatten vorausgesetzt[67]. Solche Hinweise auf das "Massenpublikum" finden sich selten, doch lassen sie keinerlei Zweifel an der Existenz einer breiteren Schicht von Lesern (oder Hörern) aufkommen[68]. Die Verbreitung der allgemeinen Lesefähigkeit wird begleitet worden sein von einer stetigen Ausweitung des Buchhandels, den man freilich nicht mit modernen Augen betrachten darf. Wichtiger als die kommerziele Verbreitung durch "Buchhändler" war die Vervielfältigung literarischer Werke durch private Abschriften[69].

V.

Die Historiker-Papyri aus Ägypten erlauben innerhalb gewisser Grenzen eine Überprüfung und Ergänzung der hier vorgelegten Zeugnisse. Die Leser Ägyptens dürften innerhalb der hellenistischen Welt keine Ausnahmegruppe gewesen sein, sieht man von der einen Besonderheit ab, daß sie vielleicht einen konservativeren Geschmack gehabt haben als die Griechen des Mutterlandes. Bildung und Erziehung - selbst im straff organisierten Ptotlemaierreich immer auf freiwilliger Basis - förderten die griechische Identität der Kolonisten inmitten einer weitgehend ungeliebten Schicht von "Eingeborenen"[70].

Die Zufälligkeit der Papyrusfunde ist keine grundsätzliche Erschwernis. Es ist zwar immer möglich, daß ein neuer Fund die alten Fundstatistiken verändert, doch zeigen die bisher vorgelegten Listen, daß sich der prozentuale Anteil der Autoren seit dem Beginn der Papyruspublikationen nur in vereinzelten Fällen stark verändert hat. Noch immer ist Homer der am meisten vertretene Autor, und innerhalb der Historiographie sind Herodot und Thukydides schon immer die wichtigsten Autoren gewesen[71].

Viele bedeutende literarische Papyri stammen aus Oxyrhynchus. Verglichen mit anderen Städten Mittelägyptens, die immerhin auch Gymnasien und eine literarisch interessierte Schicht ihr eigen nennen, konnten, ist Oxyrhynchus allerdings nicht ganz repräsentativ. Das Oxyrhynchus der Papyrusfunde war so etwas wie eine Universitätsstadt[72]; hier lebten über mehrere Generationen hinweg renommierte Gelehrte, die zum Teil auch einen zweiten Wohnsitz in Alexandreia hatten[73]. Hier konnte man sich aufwendigere literarische Interessen leisten; versagte der "Buchhandel" der Stadt, ließ man sich die Abschriften entlegener Werke aus Alexandreia besorgen[74].

Polybios hätte seine Freude an den dortigen Lesern gehabt. Die Funde aus Ägypten im allgemeinen und aus Oxyrhynchus im besonderen sind deshalb so aufschlußreich, weil sie über Jahrhunderte hinweg ein nicht nur literarisches, sondern auch durchaus stoffliches Interesse für Werke der Historiographie bezeugen[75]. Die zeitliche Verteilung der Papyri ist allerdings sehr ungleichmäßig. Relativ wenige Funde stammen aus der vorchristlichen Zeit - dies wird aber weniger bedingt sein durch den wesentlich geringeren Buchbestand, als durch andere Faktoren der Erhaltung; hier ist auch zu berücksichtigen, daß der Attizismus zum Verlust vieler wichtiger Autoren anderer Stilrichtung geführt haben muß. Die meisten Papyri gehören, der Schrift nach zu urteilen, in das I. bis III. Jahrhundert n. Chr.

Die bisher gefundenen bzw. bisher veröffentlichten Papyri aus der historiographischen Literatur stehen selbstverständlich ganz im Schatten der poetischen Klassiker, allen voran Homer, dessen hohe Fragmentzahl sich freilich auch dadurch erklärt, daß er ein Autor für die Schule gewesen ist. Es ist deshalb kein Zufall, daß den Hunderten von Homer-Papyri (dabei mehr Fragmente aus der Ilias als aus der Odyssee) wesentlich weniger Papyri von Herodot und von Thukydides aus der Zeit vom I. vorchristlichen bis zum III. nachchristlichen Jahrhundet gegenüberstehen. Überhaupt sind Dichter mehr gelesen worden als die Historiker, und Pindar nicht viel seltener als Thukydides. Herodot und Thukydides gehören zum klassischen Kanon der Prosa-Autoren, wozu damals noch Xenophon, Platon, Isokrates und Demosthenes zählten[76]. Sie sind zunächst einmal gelesen worden als Klassiker der griechischen Literatur, der man sich in Ägypten, so weit vom Mutterland entfernt, ganz besonders verbunden fühlen wollte. Ein neben dem literarischen auch historisch-stoffliches Interesse an den Themen von Herodot und Thukydides ist durch die vergleichsweise hohe Zahl der Papyri aber noch nicht bewiesen. Allenfalls das II. Buch Herodots über die Geschichte und die Sitten Ägyptens konnte von vornherein ein auch stoffliches Leser-Interesse begründen[77]. Wieviele - vollständige - Exemplare der beiden Autoren es z. B. in Oxyrhynchus gegeben hat, ist schwer zu sagen; es ist keineswegs sicher, daß jedes einzelne Fragment die Existenz je eines vollständigen Exemplars beweist. Gelegentlich dürften auch Einzelbücher der großen Autoren gekauft worden sein; dies dürfte besonders für Thukydides gelten, dessen erste Bücher öfter bezeugt sind als die späteren - dies könnte dann ein Beweis für weniger stoffliches als literarisch-stilistisches Interesse der Besitzer sein. Eine "Sonderausgabe" der Reden des Thukydides unterstreicht dieses literarische Interesse ägyptischer Leser an seinem Werk[78].

Herodot ist von den alexandrinischen Gelehrten sprachlich und inhaltlich kommentiert worden - ein Zeichen für die gelehrte Arbeit in Alexandreia, aber auch für den Bedarf der Leser Ägyptens an solchen Erläuterungen[79]. Für die Lektüre des thukydideischen Werkes gilt das gleiche; Thukydides' Werk ist wohl schon zu Zeiten der Ptolemaier nicht mehr für jeden ohne weiteres verständlich gewesen. Spätestens wohl seit dem II. Jahrhundert v. Chr. bedurfte das Werk der Kommentierung. Das umfangreiche Fragment eines solchen Kommentars ist in Oxyrhynchus gefunden worden, mit zahlreichen sprachlichen Erläuterungen und Hinweisen auf homerische Parallelen[80].

Der relativ hohe Bestand an Herodot- und Thukydides-Papyri in den Bibliotheken von Oxyrhynchus kann, wie schon erwähnt, nur zum Teil durch sozusagen "modernes" stoffliches Interesse erklärt werden. Anders sieht es bei den zahlreichen übrigen "historischen" Papyri aus, deren Vorhandensein in Oxyrhynchus oder in anderen mittelägyptischen Bibliotheken nicht nur durch den literarischen Rang des jeweiligen Autors erklärt werden kann. Die bis jetzt identifizierte historische Literatur ist von einer ganz erstaunlichen Breite. Neben den namentlich bekannten Autoren gibt es zahlreiche bis jetzt namenlose Bruchstücke, die ganz bestimmt nicht aufgrund ihrer literarischen Bedeutung gelesen wurden, sondern vorwiegend wegen des stofflichen Interesses der betreffenden Werke, und sei es auch nur, um die Poesie der jeweiligen Zeit besser verstehen zu können[81].

Hält man sich also an den Fundbestand, so scheinen die Lese-Interessen der Griechen Ägyptens ziemlich ernsthafter Natur gewesen zu sein. Fragmente der z. B. nach Polybios' Zeugnis so geschätzten "Sensationshistoriker" sind in Oxyrhynchus und auch anderswo in Ägypten nur selten gefunden worden. In Oxyrhynchus ist bisher nur ein einziges Fragment der beliebten Persergeschichte des Ktesias[82] aufgetaucht, und kein einziges Bruchstück des Kleitarch, dem nach anderen Zeugnissen wohl meistgelesenen Autor über Alexander den Großen. Im Unterschied zu den Forderugnen des Polybios haben sich die Interessen der Leser Ägyptens allerdings nicht auf die Neuere und Neueste Geschichte, sondern auf die "Alte Geschichte" konzentriert; dem konservativen Geschmack der ägyptischen Griechen entsprach es offenbar, zeitgeschichtliche Werke links liegen zu lassen.

Es ist nicht auszuschließen, daß diese Tendenz in den ptolemäischen Jahrhunderten weniger ausgeprägt gewesen ist als in römischer Zeit. Aus den ersten drei vorchristlichen Jahrhunderten ist kein einziger Thukydides-Papyrus erhalten. Das könnte sich vielleicht durch die Ungunst der Umstände erklären, vielleicht aber auch dadurch, daß man sich damals mehr für die eigene Zeit interessierte als für die Geschichte des alten Griechenlands. Aus ptolemäischer Zeit - allerdings nicht aus Oxyrhynchus - stammen jedenfalls Fragmente zur Alexander- und zur Diadochengeschichte: die unmittelbare Herkunft war für die Griechen Ägyptens damals wohl wichtiger als die ferne Vergangenheit[83]. Ein gutes Beispiel für dieses Leser-Interesse ist auch der kürzlich publizierte Kölner Papyrus mit der Erwähnung von Antigonos Monophtalmos' Griff nach dem Königstitel[84]. Was im Fundbestand merkwürdigerweise fehlt, sind Werke, die den griechischen Siedlern der Diadochenzeit die neue Heimat erklären halfen. Die Leser Ägyptens scheinen mit dem zufrieden gewesen zu sein, was sie bei Herodot im II. Buch nachlesen konnten. Wenn etwa Hekataios von Abdera und später auch Plutarch die Faszination bezeugen, die von den fremdartigen Sitten und Gebräuchen des Landes ausgehen konnten, so hat sich von dieser Faszination in den Papyri keine Spur erhalten. Ein vereinzelter Manetho-Papyrus stammt aus dem VI. nachchristlichen Jahrhundert[85].

Sachliches, stoffliches Interesse an der jüngeren Vergangenheit - im Unterschied etwa zur Herodot- und zur Thukydides-Lektüre - bezieht sich auffällig stark auf die vergangene griechische Herkunft, und viel weniger auf die Gegenwart. Zur Besonderheit des ptolemäischen Ägypten gehört es denn auch, daß es keinen eigenen Historiker oder, modern gesprochen, Zeitgeschichtler von Bedeutung hervorgebracht hat[86]. In Oxyrhynchus finden sich bloß Reste aus eiem chronographischen Sammelwerk zur Ptolemaier-Geschichte[87] - dafür gibt es allerdings Fragmente über das alte Athen[88] und Bruchstücke zur archaischen Geschichte Spartas[89], aber nicht ein einziges Stück zur Geschichte Ägyptens oder überhaupt zur Geschichte des Orients. Offenbar hat Herodot auch diesen Teil des Leser-Interesses zufriedenstellen können. Die einzige Ausnahme von der Regel ist ein Fragment über fremde Sitten und Gebräuche, das aber eben nicht von einem ptolemaischen Autor stammt, sondern vermutlich von einem Forscher aus der Schule des Aristoteles[90].

Ein bemerkenswertes Zeugnis für politisch-historisches Interesse der mehr polybianischen Art ist ein Bruchstück ptolemäischer Zeit aus dem Werk des Sosylos, eines derjenigen griechischen Historiker, die den zweiten römisch-karthagischen Krieg im Sinne Hannibals beschrieben haben. Dies könnte ein Indiz für das Interesse der ptolemäischen Griechen an der neuen Weltmacht Rom sein[91]: Merkwürdig ist übrigens, wie wenige Polybios-Papyri bisher identifiziert worden sind[92]. Im Oxyrhynchus der römischen Provinz mehren sich dann später die Fragmente aus lateinischen Historikern. Livius' umfangreiches und deshalb auch sehr kostspieliges Werk wurde auch in einem preiswerteren Auszug gelesen[93].

VI.

Die Besitzer aller dieser Bücher bleiben in der Regel namenlos[94]. Der Personenkreis, der Freude hatte an historischer Lektüre, läßt sich deshalb nur ausnahmsweise konkretisieren, z. B. an einem umfangreichen Bruchstück zur griechischen Geschichte des IV. Jahrhunderts, den wegen ihres Fundortes sogenannten Hellenica Oxyrhynchia. Die Abschrift dieses Werkes, ein Papyrus des II. nachchristlichen Jahrhunderts, findet sich auf der Rückseite von offenbar nicht mehr benötigten Verwaltungsakten - ein Beispiel für die ökonomische Verwendung des teuren Papyrus durch die Bücherfreunde von Oxyrhynchos[95].

Der Besitzer dieser heute so geschätzten "Griechischen Geschichte" im Anschluß an Thukydides hat vielleicht ein gutes Gespür für die Qualitäten des Werkes gehabt. Dies legt die Frage nahe, ob die Leser der Antike, soweit sie noch von anderen Lese-Motiven geleitet wurden als bloß vom Wunsch nach exemplarischer Belehrung[96] und unterhaltsamer Lektüre[97], den Texten der Historiographie mit ähnlichen Fragestellungen wie die Leser der Neuzeit begegnet sind. In welchem Maße können wir bei den antiken Lesern ein "geschichtswissenschaftliches Interesse" und Verständnis für die Leistung der antiken Historiker, und besonders natürlich der großen Historiker des V. Jahrhunderts, erwarten ?

Wenn wir heute einen antiken Historiker lesen, gehören zu unseren Fragen sicher auch die nach der Sorgfalt der Quellenarbeit, nach der Genauigkeit und der Vollständigkeit der Nachforschung, und ob politische Interessen und Tendenzen das Urteil des Berichterstatters getrübt haben. Solche und ähnliche Fragen, deren mittelbare Herunft aus dem "Methodenkapitel" des Thukydides unverkennbar ist, scheinen den antiken Lesern in aller Regel fremd gewesen zu sein. Die Fragmente aus den antiken Kommentaren zu Herodot und zu Thukydides sowie die erhaltenen Scholien lassen noch gut erkennen, was in der Antike als kommentierungswürdig galt und machen zugleich deutlich, was als Leser-Frage von den Gelehrten antizipiert wurde. Wir finden jede Menge sprachlicher und stilistischer Erläuterungen und viele Hinwiese auf homerische Parallelen, aber kaum einmal eine Bemerkung historisch-kritischen Inhalts - eben Erläuterungen der Art, wie sie einen großen Teil heutiger wissenschaftlicher Kommentare ausmachen[98].

Für die antiken Leser von Werken der Historiographie war die kompetente Ermitttlung historischer Zusammenhänge offensichtlich von viel geringerer Bedeutung als die Qualität der sprachlichen Gestaltung: Geschichtsschreibung blieb eben immer ein Zweig der Literatur. Thukydides' Bemerkungen zur historischen Methode sind von seinen Nachfolgern zwar oft wiederholt worden, doch wurden sie niemals in ihrer fundamentalen Bedeutung richtig erkannt. Es ist gewiß kein Zufall, daß Thukydides als Bearbeiter der Zeitgeschichte keinen wirklichen Nachfolger gefunden hat, dafür aber umso mehr stilistische Nachahmer[99].

Das durch die Papyri Ägyptens bezeugte breitgefächerte stoffliche Interesse ist deshalb keineswegs gleichzusetzen mit dem, was man - jedenfalls aus neuzeitlicher Perspektive - "geschichtswissenschaftliches" Interesse nennen könnte[100]. Dieses antike Verhältnis zu den Werken der Historiographie läßt sich gut an Dionysios von Halikarnassos' Essay über Thukydides zeigen. Seine Behandlung des Werkes ist ausschließlich literarisch, vergleichbar den schon erwähnten alexandrinischen Historiker-Kommentaren. Nur ganz selten schneidet er ein mehr historisch-politisches Problem der Werkdeutung an, und dann ist es von einer - jedenfalls aus moderner Sicht - durchaus beklemmenden Unempfindlichkeit für das, was Thukydides ohne Zweifel selbst wichtig gewesen ist und was seine Bedeutung für die Neuzeit ausmacht[101].

Dieses an Dionysos und den Kommentar-Fragmenten ablesbare antike Verständnis der Historiker läßt sich verallgemeinern: wirkliche Aufnahmefähigkeit der antiken Leserschaft für die methodischen Leistungen der großen Historiker ihrer Zeit ist nicht festzustellen. Auch in der Fachschriftstellerei über Fragen der "Geschichtswissenschaft" geht es ganz überwiegend um den Stil, oder es bleibt doch, wie etwa in Lukians Essay über die Geschichtsschreibung, bei der mehr oder weniger rhetorischen Übernahme thukydideischer Prinzipien[102].

Wie läßt sich diese Diskrepanz zwischen antiker und moderner Historiker-Lektüre erklären ? Hier muß wohl zunächst ein Unterschied zwischen dem V. Jahrhundert und der späteren Zeit gemacht werden. Vermutlich gab es für Herodot und Thukydides am Ende des V. Jahrhunderts doch mehr wirkliches Verständnis für ihre wissenschaftlichen Leistungen, als wir das heute konkret nachweisen können. Ein Beispiel ist sicher Thukydides' Gespür für das Werk seines Vorgängers Herodot[103]. Das Verhältnis zwischen dem Verfasser - wer auch immer es war - der Hellenica Oxyrhynchia und Thukydides mag ähnlich zu beurteilen sein[104]. Im IV. Jahrhundert und auch später ist das anders geworden. Die "Rhetorisierung" der Geschichtsschreibung wurde bereits erwähnt, und als Indiz kann die Beschäftigung mit überwiegend stilistischen Fragen in den Prooemien herangezogen werden.

Das geringe antike Verständnis für geschichtswissenschaftliche Probleme im allgemeinen und für die geschichtswissenschaftliche Bedeutung von Herodot und von Thukydides im besonderen ist ganz sicher auch ein Phänomen der konvenierten antiken Schulbildung. Die durch die überwiegend formale Schulbildung vorgegebenen literarisch-rhetorischen Interessen haben den Umgang mit den - jedenfalls aus moderner Sicht - wichtigsten Schöpfungen der antiken Historiographie nicht gerade erleichtert. Die antike Art der Schulbildung wird die geschichtswissenschaftliche Reflexion auch der "zünftigen" Historiker selbst nicht gerade gefördert haben. Hier wird einer der Gründe dafür erkennbar, daß Leser der Neuzeit den geschichtswissenschaftlichen Vorzügen bedeutender antiker Historiker in mancher Hinsicht gerechter werden können als selbst die renommiertesten Literaturkritiker der Antike[105]. Dieses eigenartige Nahverhältnis von Autoren wie Herodot und Thukydides zu einer ganz anderen Epoche ist auch ein Hinweis auf die Einzigartigkeit ihrer intellektuellen Leistung im zeitgenössischen Rahmen - die sie vielleicht eher Männern wie den ionischen Naturphilosophen an die Seite stellt als späteren Historiker der Antike, die sich so gerne als ihre Nachfolger betrachtet haben.


Anmerkungen

  1. Wichtige Hinweise zum hier behandelten Thema gibt A. MOMIGLIANO, The Historians of the Classical World and their Audiences: Some Suggestions, ASNP 8 (1978), S. 59-75 (in ähnlicher Form veröffentlicht auch in The American Scholar 47 (1978), S. 193-204 und in VI. Contr., p. 361-376). Zur "Leserforschung" im allgemeinen vgl. E. AUERBACH, Das abendländische Publikum und seine Sprache, in Literatursprache und Publikum in der lateinischen Spätantike und im Mittelalter, Bern 1958, S. 177-194; H.R. JAUß, Der Leser als Instanz einer Geschichte der Literatur, Poetica 7 (1975), S. 325-344; R. ENGELSING, Der Bürger als Leser. Lesergeschichte in Deutschland 1500-1800, Stuttgart 1974 R. SCHENDA, Die Lesestoffe der Kleinen Leute: Studien zur populären Literatur im 19. udn 20. Jahrhundert (Beck'sche Schwarze Reieh 146), München 1976; E. SCHÖN, Der Verlust der Sinnlichkeit oder die Verwandlungen des Lesers. Mentalitätswandel um 1800, Heidelberg 1987.
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  2. Vgl. aber die Einschränkungen bei C.H. ROBERTS - T.C. SKEAT, The Birth of the Codex, London 1983, S. 49f. sowie T.C. SKEAT, Two Notes on Papyrus, in Scritti in Onore di Orsolina Montevecchi, Bologna 1981, S. 373-376.
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  3. Euripides als "stiller Leser": Nauck F 369 (aus dem "Erechteus"); s. auch G. ROHDE, Über das Lesen im Altertum (1951), in: Studien und Interpretationen, Berlin 1963, S. 290-303; B.M.W. KNOX, Silent Reading in Antiquity, GRBS 9 (1968), S. 421-435).
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  4. Vgl. H. STRASBURGER, Die Entdeckung der politischen Geschichte durch Thukydides, in: Studien zur Alten Geschichte II, (Hildesheim 1982), S. 527-591.
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  5. Vgl. B. MEIßNER, Saeculum 37, 1986, S. 313-351.
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  6. Pol. IX 1.3.
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  7. Pol. IX 1.3-6. Vgl. C. HARDIE, Statius and the Silvae. Poets, Patrons and Epideixis in the Graeco-Roman World (ARCA Classical and Medieval Texts, Papers and Monographs 9), Liverpool 1983, S. 21 f. & S. 206; A. CHANIOTIS, Historie und Historiker in den griechischen Inschriften, Wiesbaden 1988, S. 135f. (Ehrungen für Lokalhistoriker); MAMA VIII, n. 418; Labraunda, n. 66
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  8. Vgl. Pol. XII 25e.3 (III 213f. B.-W.).
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  9. Vgl. T. HÄGG, The Novel in Antiquity, Oxford 1983; N. HOLZBERG, Der Antike Roman, München-Zürich 1986; E. GABBA, JRS 71, 1981, S. 50ff.
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  10. Suet. Tib. 70.2-3: "maxime tamen curavit notitiam historiae fabularis usque ad ineptias atque derisum"; vgl. R. SYME, The Augustan Arsitocracy, Oxford 1987, S. 350; T.P. WISEMAN, Clio's Cosmetics. Three Studies in Greco-Roman Literature, Leicester 1979, S. 151 f.
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  11. Vgl. N. HORSFALL, Myth and Mythography, EMC N.S. 4 (1985), S. 393-410.
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  12. Vgl. Suet. De gramm. et rhet. 25: "veteres controversiae aut ex historiis trahebantur (...) aut ex veritate ac re": W. AVENARIUS, Sallust und der rhetorische Schulunterricht, RIL 1956, S. 343-352; D. VAN BERCHEM, Poetes et grammariens. Recherche sur la tradition scolaire d'explication des auteurs, MH 9 (1952), S. 79-87; für die üblichen Schul-Papyri s. J. DEBUT, Les documents scolaires, ZPE 63 (1986), S. 251-278.
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  13. Vgl. P. Oxy. 2400 (rhetorische Übung aufgrund der Thukydides-Lektüre); FGrHist 153 F 7 (Diktat zur Alexander-Geschichte).
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  14. Vgl. Quint. X. 2.1: "ex his ceterisque lectione dignis auctoribus et verborum sumenda copia est et varietas figurarum et compenendi ratio, tum ad exemplum virtutum omnium mens dirigenda est". Vgl. auch A. FERRILL, History in Roman Schools, AncW 1 (1978), S. 1-5.
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  15. Vgl. H. STRASBURGER, in: Historiographia Antiqua, Leuven 1977, S. 3-52; A.F. NORMAN, The Book Trade in Fourth Century Antioch, HS 80 (1960); S. 122-126 (über Libanios).
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  16. Ein Beispiel könnte Arrians Verwendung der Alexandergeschichte des Ptolemaios sein; im Prinzip reichte ein einziges Exemplar etwa in der Bibliothek von Alexandreia für die Verbreitung eines Werkes in ganz Ägypten aus; s. unten Anm. 69.
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  17. Vgl. Cic. Fam. V 12.6 (Brief an Lucceius): "perpetua rerum gestarum historia"; L. CANFORA, Il ciclo storico, Belfagor 26 (1971), S. 653-670.
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  18. Vgl. F. JACOBY, Hekataios, RE VII 2 (1912), Sp 2749, 10ff.
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  19. Vgl. Hdt. III 80.1 & VI 43,3 (Zweifel von Hörern an der persischen Verfassungsdebatte ?) sowie IV 99.4 (Nachtrag für ein italisches Publikum); F. JACOBY, Herodotos, Sp. 353,358ff.
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  20. Vgl. F. JACOBY, Herodotos, Sp. 242, 8ff; H. ERBSE, Ausgewählte Schriften zur Klassischen Philologie, Berlin-New York 1979, S. 140 f., ist skeptischer.
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  21. Vgl. S. FLORY, Who Read Herodotus' Histories ?, AJPh 101 (1980), S. 12-28; Hellanikos' "Atthis" z. B., deren Knappheit von Thukydides (I 97.2) kritisiert wird, ist offenbar zweibändig.
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  22. Vgl. Xen. Mem. IV, 2.10.
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  23. Die Vorstellung von einem regelrechten "Buchhandel" (vgl. unten Anm. 69) sollte hier besser ferngehalten werden, trotz der vielzitierten Zeugisse über den Aufschwung des Buchhandels am Ende des V. Jahrhunderts, bes.Plat. Apol. 26d-e über die Schriften des Anaxagoras und Xen. Anab. VII 5.14 über die nach einem Schiffbruch angeschwemmten Bücher. Ein Mann wie Euthydemos (Anm. 22) fertigte sich vermutlich eine private Abschrift aus einem ihm zur Verfügung gestellten Exemplar an. Der Preis von Büchern im Verhältnis zum Einkommen und zu den allgemeinen Lebenshaltungskosten läßt sich schwerlich ermitteln. Der Papyruspreis als Anhaltspunkt: N. LEWIS, Papyrus in Classical Antiquity, Oxford 1974, S. 129ff.
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  24. Vgl. H. STRASBURGER, Herodot als Geschichttsforscher, Studien zur Alten Geschichte II, Hildesheim 1982, S.913.
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  25. Vgl. Hekataios' Vorwort zu seiner "Genealogie" (FGrHist I F 1a).
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  26. Plat. Hipp. mai. 285d (= FGrHist 6 T 3). Die historischen Vorträge von "Wanderautoren" sollten eine lange Tradition haben; vg. A. CHANIOTIS, wie Anm. 7, S. 366ff.
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  27. Das sind auch die Genealogien, deren dauernde Beliebtheit später noch Polybius (Anm. 7) bezeugt.
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  28. Vgl. Thuc. III 384.4-5.
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  29. Vgl. R. KANNICHT, Der alte Streit zwischen Philosophie und Dichtung, AU 23 (1980; S. 6-36; C. MACLEOD, Homer on Poetry and the Poetry of Homer, Essays, S.6ff.
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  30. Vgl. P. SCHELLER, De hellenistica historiae conscribendae arte, Diss. Leipzig 1911, 72-78; G. AVENARIUS, Lukianus Schrift, S. 22-29.
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  31. Zur politischen Lehre des Herodot vgl. etwa K.A. RAAFLAUB, Herodotus, Political Thought and the Meaning of History, Arethusa 20 (1987), S. 221-248.
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  32. Vgl. Hdt. V 36.
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  33. Vgl. J. MALITZ, in: Historia 31, 1982, S. 265 f.
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  34. Vgl. W.G. FORREST, An Athenian Generation Gap, YCS 24 (1975), p. 37-52.
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  35. Vgl. Charon von Lampsakos (FGrHist 262), Dei(l)ochos von Kyzikos (FGrHist 471), Aristophanes den Boioter (FGrHist 379), die Lokalchronik von Naxos (FGrHist 501 F 3).
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  36. Thuc. I 21.2 Thukydides unterscheidet hier offenbar schon zwischen Werken, die vorwiegend zur Lektüre gedacht sind, und solchen, die nur zum Vortrag bestimmt waren. Vgl. auch W. RÖSLER, in: Der altsprachliche Unterricht 28, 1985, S. 4-26.
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  37. Vgl. Thuc. I 97.2 (= Hellanikos, FGrHist 323a T 8) und dazu JACOBY, FGrHist IIIb (Supplement), S. 12-14.
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  38. Vgl. Dion. Hal. De comp.. verb. XI; Long. De subl. 39-41; W.B. STANFORD, Greek views on Euphony, Hermathena 61 (1943). S. 3-20, W.B. STANFORD, The Sound of Greek. Studies in Greek Theory and Practice of Euphony (SCL 38), Berkeley-Los Agneles 1967, S. 1-26 und 74-98.
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  39. Vgl. W. RÖSLER, wie Anm. 36, S. 24 f.
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  40. Vgl. J. MALITZ, wie Anm. 33, S. 269
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  41. Zu dieser These vgl. die berühmte Untersuchung von Levin L. SCHÜCKING, Soziologie der literarischen Geschmacksbildung, Leipzig 1931.
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  42. Vgl. Ephoros bei Diod. X 24,1; K.-A. RIEMANN, Das Herodoteische Geschichtswerk in der Antike, Diss. München 1967.
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  43. Vgl. H. STREBEL, Wertung und Wirkung des thukydideischen Geschichtswerkes in der griechisch-römischen Literatur, Diss. München 1935; O. LUSCHNAT, Thukydides, Sp. 1266ff. Ist das eindrucksvolle Portrait des Thukydides nicht auch als - sehr eindringliches - Leserzeugnis zu werten ? Vgl. dazu F.B. MACHE, Eine neue Thukydides-Büste, in: H. HERTER, Thukydides, S. 546-556.
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  44. Cic. Orator 39; sollte es wirklich stimmen, daß Demosthenes den Thukydides-Ttext achtmal abgeschrieben hat (Luc. Adv. ind. IV 2; C. MACLEOD, Thucydides' Plataean Debate, Essays, p. 122), dann sicherlich nicht aus inhaltlichen, sondern aus stilistischen Gründen.
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  45. Vgl. Ephoros bei Diod. XV 1; F. JACOBY, Kommentar zu Strabon, FGrHist 91, S. 292, 29ff.; A.W. GOMME - A. ANDREWES - K.J. DOVER, Commentary I, S. 150.
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  46. Vgl. B. Meißner, wie Anm. 5, S. 326-328 ("Geschichte als technische Anleitung").
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  47. "Enargeia" in Geschichtswerken: vgl. Long. De subl. 15.1 (mit dem Kommentar von D.A. RUSSEL, "Longinus" on Sublimity, Oxford 1964); Hor. Carm. II 1.17 (mit dem Kommentar von R.G.M. Nisbet & M. Hubbard, Oxford 1978).
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  48. Vgl. E.G. TURNER, Menander and the New Society of his Time, CE 54 (1979), S. 106-122; J.K. DAVIES, Das klassische Griechenland und die Demokratie, München 1983, S. 187ff.
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  49. So jedenfalls könnte der Entschluß zu verstehen sein, einen zweibändigen Auszug aus Herodot anzufertigen (nur als Titel bezeugt: FGrHist 115 TT 1). Zu Theopomp vgl. R. LANE FOX, Theopompus of Chios and the Greek World, 411-322 B.C., in Chios. A Conference at the Homereion in Chios 1984, Oxford 1986, S. 105-120.
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  50. Beliebtheit Kleitarchs: vgl. Curt IX 5.11; Arrian VI 11.8; Caelius Rufus als Kleitarch-Leser: Cic. Fam. II 10.3. Der Alexander-Stoff lud natürlich mehr als andere zur "romanhaften" Behandlung ein.
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  51. Vgl. J. HORNBLOWER, Hieronymus; J. MALITZ, Gnomon 56 (1984), S. 38-45.
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  52. Vgl. Duris, FGrHist 76 T 1.
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  53. Pol. IX 1.4.
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  54. Polybius setzt die jederzeitige Verfügbarkeit seines Werkes und damit ein gut entwickelten "Buchwesen" voraus (s. auch Anm. 69).
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  55. Vgl. Cic. Rep. I 34 & II 27; Livius XXXIII 100.10 (Livius hat das Werk benutzt, aber methodisch daraus nicht viel gelernt).
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  56. Dion. Hal. De conp. verb. IV 30 (II 21 Usener); genannt werden an dieser Stelle allerdings auch noch Phylarch, Duris, Hieronymos von Kardia sowie einige andere (abgedrucktt als FGrHist 76 T 10).
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  57. Pol. III 21.1.
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  58. Polybius benutzt für solche Geschichtswerke den Begriff der "terateia"; vgl. dazu K. MEISTER, Historische Kritik bei Polybios, Wiesbaden 1975, S. 123 f.
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  59. Phylarch, FGrHist 81 T 3 (= Pol. II 56).
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  60. Vgl. Plat. Ion 535 c-d; F. WALBANK, in: Historia 9, 1960, S. 230 f. Andererseits zeigt Herodots Bericht über die Reaktion des athenischen Theaterpublikums auf die Tragödie des Phrynichos über die Einnahme Milets durch die Perser (Hdt. VI 21), daß dies in dieser extremen Form als ungewöhnlich galt.
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  61. Vgl. E. SCHÖN, wie Anm. 1, S. 97.
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  62. Brief Goethes vom 13. Juni 1819 an Friedrich Rochlitz (1769-1842), Hamburger Ausgabe der Briefe Goethes, Nr. 1135.
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  63. Für die Antike ist der Begriff natürlich mißverständlich - ein "massenhaftes" Leserpublikum hat es niemals gegeben. Gemeint sind z. B. diejenigen Leser, die im Unterschied zum üblichen antiken literarischen Publikum einer Erwerbstätigkeit nachgehen mußten.
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  64. "Lesefähigkeit" ist nicht gleichbedeutend mit der Fähigkeit, Herodot oder auch nur Diodor mit Verständnis und ausreichender Geschwindigketi zu lesen. Griechische Bücher müssen für weniger Geübte eigentlich schweriger zu lesen gewesen sein als lateinische, die mit Worttrennung und Interpunktiton geschrieben waren (Sen. Ep. mor. 40.11). Interessant für die Frage nach dem Umfang des Leserpublikums ist Diodors Bemerkung über den - angeblich - reißenden Absatz seines Werkes noch vor der endgültigen Fertigstellung (XL 8). Eine sizilische Bibliothek mit historischen Titeln: SEG XXVI 1123 (s. auch A. CHANIOTIS, wie Anm. 7, S. 229).
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  65. Vgl. etwa P. Oxy. 857 aus Herodot; FGrHist 115 F 217 aus Theopomp; die Heidelberger Epitome (FGrHist 155) zur Diadochengeschichte; Brutus als Epitomator: Plut. Brutus 4.4; Cic. Att. XII 5.3 & 13.8. Vgl. I. OPELT, Epitoma, RAC 5 (1962), Sp. 944ff.; P.A. BRUNT, On Historical Fragments and Epitomes, in: Classical Quarterly 30, 1980, S. 477-494.
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  66. Cic. De fin. V 52: "quid, quod homines infima fortuna, nulla spe rerum gerendarum, opifices denique delectantur historia ?" Sollte dies vielleicht durch die besonderen Umstände der ausgehenden römischen Republik zu erklären sein, z. B. durch ein allgemein verstärktes politisches Interesse ? Vgl. auch die "sordidi et pullulati" bei Plin. Ep. VII 17.9. Öffentliche "Vorlesungen" in Rom: vgl. T.P. WISEMAN, History 66 (1981), S. 384 f.
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  67. Dion. Hal. Thuc. 27 & 50.
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  68. Die Schwierigkeiten, von solchen Leserschichten eine konkrete Vorstellung zu gewinnen, zeigt für eine spätere Epoche Fr. B. BREVART, Spätmittelalterliche Trivialiteratur. Methodologische Überlegungen zu ihrer Bestimmung und Erforschung, Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen 224 (1987), S. 14-33.
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  69. Zum Buchhandel vgl. B.M.W. KNOX, Books and Readers in the Greek World. From the Beginings to Alexandria, in: The Cambrige History of Classical Literature I, Cambrige 1985, S. 1-16; P.E. EASTERLING, Books and Readers in the Greek World. The Hellenistic and Imperial Period, ebd., S. 16-41; R.J. STARR, The Circulation of Literary Texts in the Roman World, CQ 37 (1987), S. 213-223.
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  70. F. KENYON, The Library of a Greek of Oxyrhynchus, JEA 8 (1922), S. 129-138; C.H. ROBERTS, Literatur and Society in the Papyri; MH 10 (1953), S. 264-279; H. MAEHLER, Die griechische Schule im ptolemäischen Ägypten, in: Egypt and the Hellenistic World (Leuven 1983), S. 191-203; A.E. SAMUEL, From Athens to Alexandria, Leuven 1983, S. 67-74. S. auch J.W.B. BARNES; Egyptians and Greeks (Papyrologica Bruxellensia 14), Brüssel 1978.
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  71. Vgl. etwa W.H. WILLIS, Greek Literary Papyri from Egypt and the Classical Canon, HLB 12 (1958), S. 5-34 sowie W.H. WILLIS, A Census of the Literary Papyri from Egypt, GRBS 9 (1968), S. 205-235.
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  72. Vgl. E.G. TURNER, Roman Oxryhynchus, JEA 38 (1952), S. 78-93.
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  73. Vgl. E.G. TURNER, Scribes and Scholars of Oxyrhynchus, VIII. Internationaler Kongress für Papyrologie, Wien 1955, S. 142.
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  74. Vgl. P. Oxy. 1153 & 2192.
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  75. In den gelegentlich erhaltenen Bücherlisten werden keine Historiker genannt, doch wird das ein Zufall sein; vgl. auch H.I. Bell, A Specialist's Apologia, PCA 53 (1956), S. 14ff.
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  76. L. RADERMACHER, Kanon, RE X 2 (1919), Sp. 1873-1878; A. MOMIGLIANO, Tradition and the Classical Historian, in Essays, S. 177 (= V. Contr., p. 30-31).
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  77. Ein Leser-Echo: Chrestomathie 117. Zur Präsenz Herodots in Ägypten s. auch O. MURRAY, Herodotus and Hellenistic Cultur, CQ 22 (1972) S. 202f.
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  78. P. Oxy. 1621.
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  79. P. Amherst II 12.
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  80. Vgl. P. Oxy. 130 & 835; R. STARK, in: Annales Universitatis Saraviensis, Serie Philosophie VIII (1959), S. 39f. In der Regel gingen antike Literaturwissenschaftler wohl davon aus, daß Historiker-Ttexte in weit höherem Maße als Werke der Poesie aus sich selbst heraus verständlich seien, bzw. sein mußten.
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  81. Vgl. die Übersichtt bei PACK (2. Aufl.), S. 118f. (nr. 2177-2274).
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  82. P. Oxy. 2330. Auch Platon hat ihn neben Herodot nicht verschmäht; vgl. F. JACOBY, Ktesias, Sp. 2066, 60 ff. sowie den Kommentar zu Rhianos, FGrHist 265, S. 116.
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  83. Vgl. FGrHist 148 (= P. Oxy. 1798) & 153; Diadochen: PACK (2. Aufl.), Nr. 2201-2210. Zu einem neuen Fragment aus den illyrischen Feldzügen Alexanders des Großen vgl. W. CLARYSSE - G. SCHEPENS, in: Chronique d'Égypte 60, 1985, S. 30-47, sowie N.G.L. HAMMOND, in: GRBS 28, 1987, S. 331-347.
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  84. Vgl. G.A. LEHMANN, Das neue Kölner Historiker-Fragment (P. Köln Nr. 247) und die "chronike syntaxis" des Zenon von Rhodos (FGrHist 523), ZPE 72, 1988, S. 1-17.
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  85. Manetho FGrHist 609 F 11.
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  86. Vgl. FGrHist II B, S. 543 f.: Spezialgeschichten der Hellenistischen Zeit; G. SCHEPENS, in: Egypt and the Hellenistic World, Leuven 1983, S. 351-368.
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  87. P. Oxy. 2222.
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  88. Vgl. FGrHist 105 F 3 (= P. Oxy. 857).
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  89. P. Oxy. 1613.
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  90. P. Petrie I 9; vgl. auch P. Oxy. 218 (aus einer Sammlung von "Paradoxa").
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  91. Sosylos FGrHist 176.
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  92. Vg. PACK (2. Aufl.) 1433 sowie 2212 & 2265.
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  93. P. Oxy. 688.
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  94. S. oben Anm. 75; historische Literatur in epigraphischen Bücherverzeichnissen: A. CHANIOTIS, wie Anm. 7, S. 229f.; allgemein: W. CLARYSSE, Literary Papyri in Documentary Archives, in: Egypt and the Hellenistic World, Leuven 1983, S. 43-61.
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  95. P. Oxy. 842 (= FGrHist 66); die Vorderseite: P. Oxy. 918. Vgl. E.G. TURNER, Writing Material for Businessmen, BASP 15 (1978), S. 163-169.
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  96. Vgl. Dio Chrys, Or. XVIII 9-11.
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  97. Plut. Mor. 473 b-e (über Herodot).
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  98. Vgl. auch K.J. DOVER, Thucydides "as history" and "as literature", History & Theory 22 (1983), S. 56 f. Auch der Demosthenes-Kommentar des Didymus ist kein beeindruckendes Beispiel; vgl. St. WEST, Chalcenteric Negligence, CQ 20 (1970), S. 288-296.
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  99. Angeblich konnte man damit Geld verdienen: Dion. Hal. Thuc. 52; T.P. WISEMAN, (S. oben Anm. 66) p. 380.
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  100. "Wissenschaft" im Sinne der neuzeitlichen "zweckfreien" Wissenschaft ist die antike Geschichtsschreibung natürlich niemals gewesen; vgl. B. MEIßNER, wie Anm. 5, S. 348 zu grundlegenden Unterschieden zwischen antiker und moderner Geschichtsschreibung; s. auch C. GINZBURG, Ekphrasis and Quotation, TPh 50 (1988), S. 3-19.
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  101. Vgl. etwa Dion. Hal. Thuc. 39 über den Melier-Dialog; C. MACLEOD, Thucydides on Faction (3, 82-83), Essays, S. 123 ff. Als Historiker der römischen Frühzeit ist er mehr Rhetor als "Historiker" im Sinne des Thukydides; s. auch H. VERDIN, La fonction de l'histoire selon Denys d'Halicarnasse, AncSoc 5 (1974), S. 289 ff.
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  102. Vgl. H. HOMEYER, Lukian. Wie man Geschichte schreiben soll, München 1965.
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  103. S. oben Anm. 34.
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  104. Vgl. A.W. GOMME - A. ANDREWES - K.J. DOVER, Commentary V, Kommentar zu VIII 64.4.
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  105. Für Zeugnisse aus anderen Epochen der modernen Wirkungsgeschichte vgl. etwa A. GRAFTTON, Renaissance Readers and Classical Texts, RenQ 38 (1985), S. 615-649); U. SCHINDEL, Antike Historie im Unterricht der Gelehrten Schulen des 17. Jahrhunderts, in: Stadt-Schule-Universität-Buchwesen und die deutsche Literatur im 17. Jahrhundert, München 1975, S. 225-242.
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Prof. Dr. Jürgen Malitz, 27. Oktober 1997