Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
3.1 Vom Tod Alexanders bis Triparadeisos (323-320)

1. Athen nach Alexanders Tod (Pausanias 1,25,3-5): »Eine Zeitlang blieben die Athener unter der Regierung Philipps ruhig, auch noch hernach unter Alexander. Nach dem Tod Alexanders wählten die Makedonen den Arrhidaios zum König, die ganze Herrschaft war dem Antipatros überlassen. Den Athenern schien es unerträglich, daß das griechischen Volk die ganze Zeit unter den Makedonen stehen sollte. Sie selbst griffen zu den Waffen und regten die anderen ebenfalls zur Tat an. Die sich daran beteiligenden peloponnesischen Städte waren: Argos, Epidauros, Sikyon, Troizen, Elis, Phlious, Messene; außerhalb des korinthischen Isthmos: Lokrer, Phoker, Thessaler, Karystos, Akarnanen, die zum aitolischen Bund gehörten. ... Das Aufgebot zum Bundesgenossenheer führten getrennt nach Städten die Feldherrn; zum Oberbefehlshaber wählten sie den Athener Leosthenes, um der Würde seiner Heimatstadt willen und weil er als besonders kriegserfahren galt. ... Nachdem er schon glänzendere Taten verrichtet hatte, als man von ihm erwartet hatte, wurde sein Tod allen zum Anlaß für eine Mutlosigkeit und nicht zuletzt des Mißlingens der Unternehmungen. Eine makedonische Besatzung zog in Athen ein.«

2. Verfassung für Kyrene 322/21 (SEG 9, 1944, 11): »Zu gutem Glück. Bürger sollen die Männer sein, die von einem kyrenischen Vater und einer kyrenischen Frau, und diejenigen, die von libyschen Frauen stammen, die zwischen Katabathmos und Authamalax wohnen, und diejenigen, die von Siedlern aus den Städten jenseits von Thinis stammen, die die Kyreneer als Kolonisten aussandten, und jeder, den Ptolemaios bestimmen wird, und jeder, den die Bürgerschaft (politeuma) akzeptieren wird, in Übereinstimmung mit den folgenden Gesetzen. (1) Die Bürgerschaft soll aus 10.000 bestehen. Zur ihr gehören sollen die Exilierten, die nach Ägypten flohen, wen Ptolemaios bestimmt und wer zusammen mit seiner Frau ein permanentes Eigentum im Wert von 20 alexandrinischen Minen [= 2.000 Dr.] hat, das von den Steuerbeamten als unbelastet deklariert wird. ... Als Steuerbeamten sind von den 10.000 durch die Mitglieder der Gerusia, die nicht jünger als 30 Jahre alt sind, 60 zu wählen ... (2) Der Rat soll aus 500 Männern bestehen, bestimmt durch das Los und nicht jünger als 50; sie sollen als Ratsherrn zwei Jahre fungieren. ... (3) Es soll 101 Älteste geben, die Ptolemaios einsetzt. ... (4) Ptolemaios soll Oberbefehlshaber (strategos) sein. Neben ihm sollen fünf Strategen ernannt werden von denen, die es noch nicht waren und über 50 Jahre alt sind. ... (6) ... Die Ältesten, der Rat und die 1.500, die per Los aus den 10.000 bestimmt werden, sollen alle Kapitalfälle richten. Sie sollen insofern die früheren Gesetze gebrauchen, als diese nicht gegen diesen Erlaß (diagramma) stehen. Wenn im Falle eines Mannes, der von den Strategen arrestiert wird, die Mitglieder der Gerusia und des Rates in ihren Urteilen für den Tod plädieren, soll es ihm möglich sein, für eine Zeit von drei Jahren eine Verhandlung zu erhalten, entweder nach den Gesetzen oder vor (dem Gerichtshof des) Ptolemaios. In Zukunft soll er gemäß der Gesetze angeklagt werden. Kein Exilierter soll verurteilt werden ohne die Meinung (des Gerichtshofes) von Ptolemaios.«

3. Arrian, "Ereignisse nach Alexander" (FGrHist 156 F 9 §§34-38): »(34) Antipatros selbst nahm die Verteilung der Provinzen von Asia vor, teils die vorherige Aufteilung bestätigend, teils sie modifizierend, wenn die Umstände es erforderten. Ägypten nämlich, Libyen und die gesamte Ausweitung des Territoriums darüberhinaus, was nach Westen hin noch erworben wurde, sollte Ptolemaios kontrollieren. Laomedon von Mytilene wurde Syrien anvertraut; Philoxenos setzte er über Kilikien ein, das er auch vorher hatte. (35) Von den oberen Satrapien teilte er Mesopotamien und Arbelitis Amphimachos, dem Bruder des Königs [Philipp Arrhidaios], zu, Seleukos gab er Babylon. Antigenes, der als erster Perdikkas attackierte, der Kommandant der makedonischen Silberschildner, sollte die ganze Susiane bekommen; Peukestas vertraute er die Persis an. Karmanien teilte er Tlepolemos zu, Medien bis zu den Kaspischen Toren Peithon, Parthien Philipp. (36) Als Gouverneur von Areia und Drangine setzte er Stasandros ein, über Baktriane und Sogdiane Stasanor von Soloi, Sibyrtios über Arachosien, und über Paropamisadai Oxyartes, den Vater der Roxane. Bezüglich des Landes der Inder, angrenzend an Paropamisadai, so teilte er es Peithon, dem Sohn des Agenor, zu; von den angrenzenden Satrapien, was entlang des Flusses Indus liegt, und Patala, die größte der indischen Städte, gab er König Poros, das Land entlang des Flusses Hydaspes gab er Taxiles, auch er ein Inder, da es schwierig war sie zu entfernen, weil sie von Alexander in ihre Herrschaft eingesetzt worden waren und über hinreichend Streitkräfte verfügten. (37) In den Regionen vom Tauros Richtung Norden übertrug er Kappadokien Nikanor, Großphrygien, Lykaonien, Pamphylien und Lykien, wie zuvor, Antigonos. Karien teilte er Asander zu, Lydien gab er dem Kleitos und Phrygien beim Hellespont dem Arrhidaios. (38) Antigenes beauftragte er, den in Susa deponierten Schatz zu bringen und vertraute ihm um die 3.000 Makedonien an, die gemeutert hatten. Als königliche Leibwächter ernannte er Autodikos, Sohn des Agathokles, Amyntas, Sohn des Alexander und Bruder des Peukestas, Ptolemaios, Sohn des Ptolemaios, und Alexander, Sohn des Polyperchon; seinen eigenen Sohn Kassandros machte er zum Chiliarch der Kavallerie. Antigonos beorderte er zum Kommandant der früheren Streitkräfte des Perdikkas, dazu mit dem Auftrag, die Könige zu bewachen und zu schützen, zugleich, auf eigenen Wunsch, den Krieg gegen Eumenes zu Ende zu bringen. Antipatros selbst aber wurde von allen für alles gelobt und kehrte nach Hause zurück.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999