Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
3.4 Die Vorherrschaft des Demetrios Poliorketes (301-285)

9. Ehrenbeschlüsse für Königin Apame und Thronfolger Antiochos (I.), Milet 299 (IDidyma 480 u. 479 = OGIS 213 I = HGIÜ II 301): (A) »... Da Apame, die Königin (5), in der Vergangenheit großes Wohlwollen und eifrigen Einsatz bewiesen hat für die Milesier, die im Heeresdienst unter König Seleukos stehen, und (da) sie auch jetzt, nach dem Eintreffen der Abgesandten, die Seleukos zu sich kommen ließ, um zu verhandeln über den Bau des Tempels in Didyma, sich mit (10) ungewöhnlichem Eifer eingesetzt hat, (und da) Antiochos, ihr Sohn, im Wetteifer mit dem Programm seines Vaters Seleukos für das Heiligtum sich bereit erklärt hat zum Bau einer Halle mit den Ausmaßen eines Stadion (als Stiftung) für dem Gott, damit von den aus ihr erzielten Einkünften die Ausschmückung des Heiligtums finanziert werde ...«
(B) »Belobigen soll man (15) Antiochos wegen seiner Frömmigkeit gegenüber dem Gott und seines Wohlwollen gegenüber den Griechen, und man soll ihm geben für die Halle den Bauplatz, den der gewählte Baumeister zusammen mit den Männern, die Antiochos beauftragt hat, bezeichnet. ... Nach Ausführung des Beschlusses (25) sollen sie eine Inschrift anbringen lassen, die Antiochos, den ältesten Sohn des Königs Seleukos, als Stifter (nennt). Damit auch andere es sich zum Grundsatz machen, sich einzusetzen für das Heiligtum in Didyma und für das Volk der Milesier ... in der Erkenntnis, daß die Wohltäter des Heiligtums (30) geehrt werden vom Volk ... soll es Beschluß der Milesier sein, aufzustellen eine Bronzestatue des Antiochos zu Pferd an dem Ort, den der Rat zuweist durch Beschluß. ... (36) Man soll ihn (= Antiochos) einladen auf einen Ehrensitz in Milet bei den Dionysien und in Didyma bei den Didymeia während der kyklischen Agone. Erhalten soll er ferner Speisung im Prytaneion und die Atelie von allen Abgaben und Sicherheit (40) in Frieden und Krieg unter Unverletzlichkeit (des Eigentums) und ohne förmliches Abkommen. Er soll ferner die Promantie besitzen im Heiligtum von Didyma. Diese (Privilegien) sollen auch die Nachkommen des Antiochos besitzen. Damit das Standbild fertiggestellt werde, so schnell es geht, soll das Volk alsbald drei Männer wählen; diese sollen (45) die Ausführung überwachen ...«

10. Athen ehrt Herodoros, Höfling von Demetrios Poliorketes, Athen, April 294 (IG II2 646): »... Da Herodoros früher, als er mit König (10) Antigonos zusammen war, wohlwollend war gegenüber dem Volk der Athener und jetzt, als Vertrauter des Königs Demetrios, so gut er kann, agiert sowohl öffentlich für die Stadt als auch privat für jeden Athener, wer auch immer (15) etwas braucht, und da auch die Gesandten, die wegen des Friedens zu König Demetrios gesandt wurden, berichten, daß er dem Volk geholfen hat bei der Bewerkstelligung der Freundschaft mit dem (20) König Demetrios, und damit das Volk, als es befreit war vom Krieg so bald wie möglich und die Stadt wiederhergestellt hatte, die Demokratie fortsetzen können: Zu gutem Glück. Es wurde vom Volk beschlossen, zu loben den Herodoros, Sohn des (25) ... wegen seines Wohlwollens und Eifers, den er fortwährend an den Tag legt für das Volk der Athener, und ihn zu bekränzen mit einem goldenen Kranz nach dem Gesetz und zu proklamieren den Kranz beim Agon der (30) Tragödien zu Ehren des Dionysos in der Stadt. Außerdem soll er Athener sein, ebenso die Nachkommen von ihm, und er soll eingeschrieben werden, in welche Phyle, Demos und Phratrie er will; und er soll das Recht haben zur Speisung im Prytaneion (35) und jeweils der älteste von seinen Nachkommen, ebenso zur Prohedrie bei allen Wettkämpfen, welche die Stadt abhält. Außerdem soll von ihm das Volk auch ein ehernes Standbild aufstellen auf der Agora nahe bei Harmodios und Aristogeiton (40) und den Rettergöttern. ...«

11. Athenischer Hymnos auf Demetrios Poliorketes, 291 v.Chr. (Duris FGrHist 76 F 13 = Athen. 6,253b-f): »Was ist freilich überraschend daran, daß die Athener, die Schmeichler der Schmeichler, zu Ehren von Demetrios selbst Paiane und Prozessionsoden sangen? ... Solcherlei hat also Demochares über die Schmeichelei der Athener berichtet. Duris von Samos aber im 22. Buch seiner Historien zitiert den folgenden Ithyphallikos: 'Wie sind die größten und liebsten Götter (heute) in der Stadt anwesend! Denn dort hat der rechte Zeitpunkt Demeter und Demetrios zusammengeführt. Sie kommt, um die heiligen Mysterien ihrer Tochter (Kore/Persephone) zu begehen; er aber ist da, heiter, wie es sich für den Gott ziemt, schön und lachend. Etwas Erhabenes läßt er aufscheinen, die Freunde alle im Kreis, in der Mitte aber er selbst, die Freunde als Sterne, er aber als Sonne. Oh Sohn des mächtigsten Gottes Poseidons Sohn, heil dir, Sohn auch Aphrodites! Die anderen Götter halten sich so weit entfernt oder haben kein Ohr oder es gibt sie nicht oder sie sind nicht uns zugewandt. Dich aber sehen wir gegenwärtig, nicht hölzern und nicht steinern, sondern wirklich. Deshalb beten wir zu dir: Als erstes bringe (uns) Frieden, Geliebter. Denn du hast die Macht. Und dann, die Sphinx, die nicht nur Theben, sondern ganz Griechenland beherrscht - der Aitoler (ist es), der auf dem Fels sitzt, wie die alte (Sphinx): All unser Volk trägt sie raubend weg, und ich kann nicht kämpfen. Es ist nämlich eine aitolische Gewohnheit, das Gut der Nachbarn zu rauben, jetzt aber auch, was fern ist. Am besten, du strafst ihn selbst. Wenn aber nicht, so finde einen Ödipus, der diese Sphinx entweder niederschleudert tief oder zu Stein zu macht.'«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999