Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
3.5 Vom Höhepunkt des Lysimachos zum Tod des Pyrrhos (285-272)

12. Brief des Lysimachos an Samos über einen Territorialstreit mit Priene, 283/82 (OGIS 13 = RC 7 = HGIÜ II 309): »König Lysimachos grüßt den Rat und das Volk der Samier. Erschienen sind vor uns die Gesandten, die von euch und von den Prieneern abgesandt wurden wegen des Landes, über das sie gestritten haben zuvor in unserer Gegenwart. Wenn wir zuvor gewußt hätten, daß ihr (5) dieses Land seit so vielen Jahren besessen und bebaut habt, hätten wir überhaupt die Entscheidung nicht an uns gezogen. So aber nahmen wir an, daß euere Besitzergreifung nur ganz kurze Zeit gedauert habe; denn dies war die Darstellung, die uns in ihren früheren Erklärungen gaben die Gesandten der Prieneer. Freilich, als hier waren sowohl euere Abgesandten (10) wie die der Prieneer, war es erforderlich, die Einlassungen beider Seiten zu hören. Die Prieneer: Daß bei ihnen ursprünglich gelegen sei der Besitz der Landschaft Batinetis, versuchten die zu beweisen anhand der Geschichtsdarstellungen und der übrigen Zeugnisse und Dokumente einschließlich der Sechsjährigen Waffenruhe. Später gaben sie zu, daß bei Lygdamis' Einmarsch nach Ionien (15) mit Heeresmacht alle übrigen das Land verließen und die Samier sich auf ihre Insel zurückgezogen; Lygdamis habe nach drei(?)jähriger Besetzung ihnen dieselben Grundstücke wieder zurückgegeben und die Prieneer hätten sie übernommen; von den Samiern sei überhaupt niemand da gewesen damals mit Ausnahme von zufällig bei ihnen ansässigen (Fremden). Dieser (= Lygdamis ?) habe die (20) Felderträge den Prieneern zugewandt. Später seien die Samier zurückgekehrt und hätten gewaltsam das Land an sich gerissen. Abgesandt worden sei daraufhin seitens der Prieneer Bias zum Abschluß eines Friedens mit den Samiern mit Vollmacht. Dieser habe Frieden herbeigeführt zwischen den Städten und die Siedler seien abgezogen aus dem Batinetis-Land. ...«

13. Dekret des Nesiotenbundes über die Akzeptanz der Ptolemaieia, ca. 280 (Syll.3 390 = HGIÜ II 312): »Beschluß der Synhedroi der Nesioten: Bezüglich der Angelegenheiten, in denen Philokles, der König der Sidonier, sowie Bakchon, der Nesiarch an die Städte geschrieben haben (mit der Aufforderung), sie sollten Synhedroi nach Samos entsenden, welche (5) beratschlagen sollten bezüglich des Opfers, der Theoren und des Agons, den König Ptolemaios als dem olympischen (Agon) gleichrangig in Alexandreia ausrichtet zu Ehren seines Vaters und nun mit den aus den Städten eingetroffenen Synhedroi Philokles und Bakchon Verhandlungen geführt haben, (10) soll es Beschluß der Volksversammlung der Synhedroi sein: Da König Ptolemaios Soter vieler bedeutender Wohltaten Urheber war sowohl bei den Nesioten als auch bei den übrigen Griechen, indem er die Städte befreite, (ihnen) ihre Gesetze zurückgab, (15) bei allen die traditionelle Verfassung einrichteten und Erleichterungen von Kontributionen gewährte, und (da) nun König Ptolemaios, nach der Übernahme der Königsherrschaft von seinem Vater, dasselbe Wohlwollen und dieselbe Fürsorge unentwegt erweist sowohl den Nesioten selbst als auch (20) den anderen Griechen, zu Ehren seines Vaters ein Opfer darbringt und einen (mit dem Agon in) Olympia gleichrangigen gymnischen, musischen und hippischen Agon ausrichtet, und so den Göttern gegenüber seine Frömmigkeit beibehält und gegenüber seinen Vorfahren sein Wohlwollen, und (da) er appelliert an (25) die Nesioten und die übrigen Griechen, zu beschließen, daß der Agon im Rang dem olympischen gleichgestellt sei, so gebührt es sich für alle Nesioten, die als Erste Ptolemaios Soter mit gottgleichen Ehrungen geehrt haben sowohl auf Grund seiner allgemein allen (erwiesenen) Wohltaten als auch Grund seiner Einzelnen (30) (gewährten) Hilfe König Ptolemaios anläßlich seines Appells in sonstigen Belangen zu unterstützen und nun entsprechend seinem Vorhaben mit aller Bereitwilligkeit zu beschließen ... gebührende Ehren zu verleihen (35) ... ihrer Loyalität, das Opfer anzuerkennen und die Theoren zu entsenden in Zukunft immer zu den entsprechenden Zeitpunkten, so wie der König (im Schreiben) mitgeteilt hat, und (zu beschließen), daß der Agon mit dem olympischen gleichrangig sei, daß es für die Sieger, (40) soweit sie Nesioten sind, dieselben Ehrungen geben soll, welche für jeden Nesioten in den Gesetzen für die Sieger in Olympia verzeichnet sind; daß man ferner bekränze König Ptolemaios, den Sohn des Königs Ptolemaios Soter mit einem Kranz aus Gold als Auszeichnung (45) im Wert von tausend Stateren in Würdigung seines Verdienstes und Wohlwollens gegenüber den Nesioten. ...«

14. Volksbeschluß von der Insel Kos über Dankopfer anläßlich der Rettung Delphis vor den Kelten. 278 (Syll.3 398 = HGIÜ II 314): »Diokles, Sohn des Philinos, stellte den Antrag: Da, nachdem die Barbaren einen Feldzug unternommen haben gegen die Hellenen und gegen das Heiligtum in Delphi, die Nachricht eintrifft, daß die (5) gegen das Heiligtum Gezogenen ihre Strafe erhalten haben von dem Gott und von den Männern, die dem Heiligtum zu Hilfe gekommen waren bei dem Ansturm der Barbaren, daß das Heiligtum bewahrt geblieben ist und geschmückt ist mit den (10) Waffen der Angreifer, und daß von den übrigen Teilnehmern am Feldzug die meisten zugrundegegangen sind in den Kämpfen gegen die Hellenen. ... (20) Zum guten Glück, es soll Beschluß des Volkes sein: Der Architheoros und die gewählten Theoren sollen, sobald sie ankommen in Delphi, opfern dem Apollon Pythios einen Stier mit vergoldeten Hörnern für (25) die Rettung der Hellenen und darum beten, daß dem Volk der Koer Gutes widerfahre und daß es einträchtig leben möge in demokratischer Verfassung, und daß es denjenigen Hellenen, die zu Hilfe geeilt sind dem Heiligtum, gut ergehen möge (30) für alle Zeit.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999