Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
3.6 Von Pyrrhos' Tod bis zum Ende des Chremonideischen Krieges (272-261)

15. Prozession/Pompe in Alexandreia, wohl 279/78 (Kallixeinos v. Rhodos FGrHist 627 F2 = Athenaios 5,201bff.): »An der Spitze des dionysischen Festzuges gingen Silene, die die Massen zurückdrängten, gekleidet in purpurne, teilweise in rote Mäntel. Ihnen folgten Satyrn, auf jeden Teil des Stadions 20, mit Leuchten in Form goldener Efeublätter. Danach kamen Siegesgöttinnen mit goldenen Flügeln. ... Ihnen folgte ein 6 Fuß hoher Doppelaltar, umhüllt mit vergoldetem Efeulaub und bekränzt mit Weinlaub. Ihm schlossen sich 120 Knaben in Purpurkleidern an, die auf goldenen Schüsseln Weihrauch, Myrrhe und Safran trugen. ... Es folgte ein vierrädriger Wagen, acht Ellen breit, gezogen von 60 Männern, mit einem acht Ellen hohen Sitzbild der Nysa in gelbem, goldverziertem Gewand mit spartanischem Überwurf. Diese Statue konnte sich durch eine Automatik, ohne daß jemand Hand anlegte, erheben, aus einer goldenen Schale Milch ausgießen und sich wieder setzen. ... Es folgte ein vierrädriger Wagen von 25 Ellen Länge und 14 Ellen Breite, gezogen von 600 Männern. Auf ihm lag ein Weinschlauch, der aus Leopardenhäuten zusammengenäht war und 3.000 Eimer faßte. Aus ihm tropfte der Wein auf der ganzen Wegstrecke. ... Es folgten 5 Herden von Eseln, auf denen bekränzten Silenen und Satyrn saßen. Die Esel hatten teils goldene, teils silberne Stirnplatten und Zaumzeug. Danach kamen 24 Elefantenwagen gefahren, gefolgt von 60 Gespannen von Ziegenböcken, 12 von Rentieren, 7 von Oryxantilopen, 15 von Kuhantilopen, 8 von Straußen, vier von Wildeseln und vier Viergespanne von Pferden. ... Dann kamen 150 Männer mit Stangen, an denen die verschiedenartigsten erbeuteten Tiere und Vögel hingen, sodann trug man in Käfigen Papageien, Pfauen, Perlhühner, Fasanen und afrikanische Vögel vorbei, alle in großer Zahl. Nach der Aufzählung vieler anderer Tiere fügt der Bericht noch hinzu: 130 äthiopische Schafe, 300 aus Arabien, 20 aus Euboia, 26 ganz weiße indische und 8 äthiopische Stiere, eine große weiße Bärin, 14 Leoparden, 16 Panther, 4 Luchse, 3 Pantherjunge, einen Strauß und ein äthiopisches Rhinozeros. ... Dann Statuen des Alexander und Ptolemaios mit goldenen Efeukränzen, neben Ptolemaios die Verkörperung der Tugend (areté) mit goldenem Ölbaumkranz. Auch Priapos stand dabei mit goldenem Efeukranz. Bei Ptolemaios stand auch die Verkörperung der Stadt Korinth mit goldenem Diadem. ... Diesem Wagen folgten reichgekleidete und geschmückte Frauen, welche die Städte darstellten, die den Persern untertan gewesen waren, in Ionien und die übrigen Griechenstädte in Asien und auf den Inseln. Alle trugen sie goldene Kränze.«

16. Chremonides-Dekret: Athenischer Volksbeschluß über das Bündnis mit Sparta, ca. 268-265 (IG II2 687 plus 686 = Syll.3 434/5 = Staatsverträge III 476 = HGIÜ II 323): »... (7) Chremonides, Sohn des Eteokles, aus (dem Demos) Aithalidai stellte den Antrag: Früher sind Athener und Lakedaimonier und die Bundesgenossen beider (Städte) gemeinsame Freundschaft und Bundesgenossenschaft eingegangen (10) miteinander und haben viele ehrenvolle Kämpfe gekämpft miteinander gegen jene, welche die Städte zu knechten sich unterfingen, woraus sie sich selbst Ruhm erworben und den übrigen Griechen die Freiheit verschafft haben. Und nun, da eine ähnliche Krise ganz Hellas erfaßt hat durch die, die den Umsturz (15) der Gesetze und der bei allen bestehenden traditionellen Verfassungen anstreben, ist auch der König Ptolemaios, in Übereinstimmung mit der Haltung seiner Vorfahren und seiner Schwester sichtbar bemüht um die gemeinsame Freiheit der Hellenen. Und das Volk der Athener hat ein Bündnis geschlossen mit ihm und (20) hat beschlossen, auch die übrigen Hellenen aufzurufen zu derselben Einstellung. Ebenso haben die Lakedaimonier, Freunde und Bundesgenossen des Königs Ptolemaios, auch mit dem Volk der Athener ein Bündnis beschlossen zusammen mit Eleiern, Achaiern, Tegeaten, Mantineiern, Orchomeniern, (25) Phi(g)aleiern, Kaphyeern und mit den Kretern, die im Bündnis mit Lakedaimoniern und Areus und den übrigen Bundesgenossen stehen, und sie haben Gesandte von den Synhedroi abgeschickt an das Volk, und die von ihnen Gekommenen unterstreichen der Lakedaimonier und des Areus und der anderen Bundesgenossen Engagement, (30) das sie gegenüber dem Volk an den Tag legen, und bringen die Vereinbarung über das Bündnis mit. Damit nun allgemeine Eintracht eintrete unter den Hellenen und sie gegen die derzeit vertragsbrüchigen Vergewaltiger der Städte zusammen mit dem König Ptolemaios und mit einander bereitwillig kämpfen und künftig in (35) Eintracht das Wohl der Städte wahren. ...«

17. Briefwechsel zwischen Ptolemaios II. und Milet, ca. 262 (IDidyma 139 = HGIÜ II 331): »(A) König Ptolemaios sendet Rat und Volk der Milesier seinen Gruß. Schon früher setzte ich mich in jeder Weise für euere Stadt ein, indem ich Land schenkte und auch sonst meine Fürsorge angedeihen ließ, wie es mir wohl anstand, da ich sah, daß unser Vater freundschaftliche Beziehungen zu den Stadt unterhielt (5) und für euch zum Urheber vieler Vorteile wurde ...; geschrieben haben mir mein Sohn und Kallikrates und die übrigen Freunde, die sich bei euch aufhalten, welchen (10) Beweis eurer Loyalität uns gegenüber ihr erbracht habt.«
(C) »Beschluß von Rat und Volk: ... »Als nun viele große Kriege uns bedrohten zu Land und zur See und die Feinde einen Flottenangriff gegen die Stadt unternahmen, hat der König, nachdem er erfahren hatte, daß das Volk sich (35) loyal an die Freundschaft und das Bündnis mit ihm halte, ein Schreiben und als Gesandten Hegestratos geschickt, (er) spricht dem Volk auf Grund seiner Haltung seine Anerkennung aus und erbietet sich, sich in jeder Weise der Stadt anzunehmen und sich durch Wohltaten in erhöhtem Maße zu revanchieren ...«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999