Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
3.8 Bis zum Tod von Antigonos Doson (241-221)

23. Kleomenes III. von Sparta, ca. 260-219 (Plut. Kleom. 13): »Für all dieses war er selbst der Lehrer, indem er seine schlichte und einfache Lebensweise, die nichts Anstößiges bot und nichts vor der Menge voraus hatte, als Muster der Enthaltsamkeit vor Augen stellte. Dies leistete ihm auch im Verkehr mit den Griechen großen Vorschub. Denn wenn die Menschen mit den anderen Königen zu tun hatten, so waren sie nicht so betroffen von ihrem Reichtum und Glanz, wie sie sich abgestoßen fühlten durch ihren Stolz und Hochmut, wenn sie den bei ihnen Vorsprechenden schroff und verächtlich begegneten. Wenn sie hingegen zu Kleomenes kamen, der doch auch ein König war und so genannt wurde, und bei ihm keine Purpurmäntel noch Prachtgewänder, keine kostbaren Ruhebetten noch Tragsessel zu sehen bekamen, wenn sie weiter sahen, daß er nicht durch einen Schwarm von Boten und Türhütern noch auf schriftlichem Wege in demütigender Weise allenfalls seine Bescheide erteilte, sondern selbst in einfachem Kleid zur Begrüßung kam und mit denen, die etwas wünschten, heiter und freundlich sprach und für sie Zeit hatte, so wurden sie bezaubert und ganz für ihn gewonnen und sagten, dieser allein sei der wahre Abkömmling des Herakles. Seine alltägliche Tafel war mit drei Speiselagern sehr bescheiden und lakonisch zugerichtet. Wenn er aber Gesandte oder Freunde empfing, wurden noch zwei weitere Lager dazugestellt, und die Diener richteten die Tafel etwas festlicher her, nicht mit Leckerbissen und feinem Backwerk, sondern nur so, daß die Gerichte reichlicher und ein feinerer Wein aufgetragen wurde. ... Wenn der Tisch abgetragen war, wurde ein Dreifuß hereingebracht mit einem bronzenen Mischkrug voll Wein, zwei silberne Schalen zu je zwei Kotylen und ganz wenige silberne Becher, aus denen jeder zu trinken bekam, der Lust hatte; aber wer nicht wollte, dem brachte niemand einen Becher. Musikalische Vorträge gab es nicht, noch wurden sie vermißt, denn er selbst würzte den Trunk durch seine Unterhaltung, teils fragend, teils erzählend, doch so, daß seine Worte frei von mürrischem Ernst und erfüllt waren von gefälligem und nicht unfeinem Scherz. Die Jagd auf Menschen, wie sie die anderen Könige zu veranstalten pflegten, wenn sie mit Geld und Geschenken sie köderten und verdarben, hielt er für primitiv und nicht anständig; doch durch freundlichen Verkehr und gefällige, Vertrauen erweckende Reden Menschen, die einem begegnen, zu gewinnen und an sich zu ziehen, schien ihm das schönste, eines Königs würdigste Verfahren; denn durch nichts unterscheide sich der Mietling vom Freund, als daß er eine durch sittliche und geistige Mittel, der andere durch Geld gewonnen werde.«

24. Arat von Sikyon wendet sich Antigonos Doson zu, um den achaiischen Bund vor Kleomenes zu retten, 227-224 (Plut. Kleom. 16): »Dies tat der Sache Griechenlands großen Schaden, das sich sonst wohl noch einigermaßen aus seiner traurigen Lage hätte emporarbeiten und dem Übermut und der Herrschsucht der Makedonen hätte entrinnen können. Denn Aratos, sei es, daß er Kleomenes mißtraute und ihn fürchtete, sei es, daß er auf sein unverhofftes Glück neidisch und der Meinung war, es sei unerträglich, daß, nachdem er seit 33 Jahren der erste Mann war, ein junger Mann über ihn kommen, ihm Ruhm und Ansehen entreißen und die Führung einer Macht übernehmen sollte, die von ihm emporgeführt und so lange Zeit behauptet worden war, machte zuerst den Versuch, durch Druck auf die Achaier sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Als sie aber, erschreckt durch den kühnen Mut des Kleomenes, nicht auf ihn hörten, sondern die Forderung der Lakedaimonier, welche die Peloponnes wieder zu der alten Ordnung zurückführen wollten, sogar für recht und billig hielten, schritt er zu einer Tat, die für keinen Griechen schicklich, für ihn aber am schimpflichsten und seiner bisherigen Taten, seiner ganzen bisherigen Politik am unwürdigsten war: Antigonos nach Griechenland zu rufen und die Makedonen in die Peloponnes hineinzulassen, die er selbst als junger Mann aus der Peloponnes vertrieben hatte, als er den Akrokorinth befreite und sich allen Königen verdächtig und zum Feind machte; er, der in seinen hinterlassenen Denkwürdigkeiten eben diesem Antigonos wer weiß wieviel Böses nachgesagt hat! Dabei erklärte er, er habe für die Athener viel gelitten und gewagt, damit ihre Stadt von der Besatzung und den Makedonen befreit würde; und dann hat er eben diese mit ihren Waffen in sein Vaterland und an seinen eigenen Herd geführt - bis ins Frauengemach hinein! Aber den von Herakles entstammten König der Spartiaten, der die von den Vätern überkommene Verfassung wie eine gestörte Harmonie wieder auf jene richtige dorische Weise einstimmen, zum Gesetz und zur Lebensform des Lykurg zurückführen wollte, den hielt er nicht für würdig, Führer der Sikyonier und Tritaier genannt zu werden. Um dem Gerstenbrot, dem groben Mantel und dem Ärgsten, dessen er den Kleomenes beschuldigte, der Beseitigung des Reichtums und der Erleichterung der Armut, zu entgehen, unterwarf er sich und Achaia zugleich dem Diadem, dem Purpurmantel und den Befehlen makedonischer Satrapen. Damit es nicht so scheine, als befolge er die Befehle des Kleomenes, feierte er das Opferfest der Antigoneia und sang selbst, bekränzt, Lobgesänge auf einen Menschen, der von der Schwindsucht verzehrt wurde. Doch schreibe ich dies nicht mit der Absicht, Aratos anzuklagen; denn in vieler Hinsicht ist der Mann groß und ein echter Grieche gewesen; sondern um die Schwäche der menschlichen Natur zu bedauern, daß sie auch in so bedeutenden und zur Tugend geschaffenen Charakteren das Gute nicht ohne Tadel hervorbringen kann.«

25. Dedikation von Antigonos Doson an Apollon in Erinnerung an die Schlacht bei Sellasia, Delos, um 222 (Syll.3 518): »König Antigonos, Sohn des Königs Demetrios, und die Makedonen und die Alliierten von der Schlacht bei Sellasia, an Apollon.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999