Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
3.9 Von Antiochos III. zum Frieden von Phoinike (223-205)

26. Ptolemaios IV. Philopator und die Politik seiner Vorgänger (Polyb. 5,34,1-10): »Sobald Ptolemaios [IV.] Philopator nach dem Tode seines Vaters und der Ermordung seines Bruders Magas mit dessen Anhängern die Herrschaft in Ägypten angetreten hatte, (2) überzeugt, sich der Gefahren im Inneren durch diesen Mord entledigt zu haben, äußerer Gefahren aber durch das Glück enthoben zu sein, da Antigonos [Doson] und Seleukos [III.] gestorben und ihre Nachfolger Antiochos [III.] und Philipp [V.] ganz jung und beinahe noch Kinder waren, (3) im Gefühl also vollkommener Sicherheit, führte er anfangs ein Leben im Rausch unaufhörlicher Feste, (4) unbekümmert um die Geschäfte, schwer zugänglich selbst für den Hof, geschweige denn für die Verwaltungsbeamten in Ägypten, nachlässig und gleichgültig auch gegenüber denen, die mit der Führung der auswärtigen Angelegenheiten betraut waren, (5) denen doch seine Vorgänger nicht weniger, sondern weit mehr Sorge zugewandt hatten als der Regierung von Ägypten. (6) Sie hatten daher, im Besitz von Koile-Syrien und von Zypern, den Königen von Syrien zu Wasser und zu Lande schwer zu schaffen gemacht (7) und hatten den Dynasten in Kleinasien, ebenso aber auch den Inseln hart im Nacken gesessen, da sie die bedeutendsten Städte, festen Plätze und Häfen an der Küste von Pamphylien bis zum Hellespont und der Gegend von Lysimacheia beherrschten. (8) Auch für Thrakien und Makedonien waren sie gefährliche Nachbarn gewesen, da sie Ainos, Maroneia und einige noch weiter gelegene Städte in ihrer Gewalt hatten. (9) Da sie also ihre Hände so weit ausgestreckt und sich durch diese entfernten Besitzungen wie durch einen Gürtel von Vorfeldbefestigungen gesichert hatten, hatten sie niemals für ihr ägyptisches Reich zu fürchten brauchen. Dies war der Grund gewesen, weshalb ihr Hauptinteresse den auswärtigen Angelegenheiten zugewandt gewesen waren. (10) Der jetzige König aber behandelte all dies mit Nachlässigkeit, von unziemlichen Liebesaffären in Anspruch genommen und sinnlosem, pausenlosem Trunk ergeben. Kein Wunder, daß sich in kurzer Zeit mehr als einer fand, der nach der Krone und ihm nach dem Leben trachte ... .«

27. Innere Konsequenzen aus dem Sieg bei Raphia (Polyb. 5,107,1-3): »Was die anderen betrifft, so hatte Ptolemaios gleich in der nächsten Zeit einen Krieg gegen die Ägypter zu führen. (2) Während sich nämlich sein Entschluß, die Ägypter für den Krieg gegen Antiochos zu bewaffnen, im Augenblick bewährt hatte, erwies er sich für die Zukunft als ein schwerer Fehler. (3) Übermütig geworden durch den Sieg bei Raphia, waren sie nicht mehr bereit zu gehorchen, sondern suchten nach einem Führer oder einem, der diese Rolle spielten, überzeugt, sich im übrigen selber helfen zu können. Und das taten sie am Ende auch, nicht lange danach.«

28. Allianz zwischen Rom und Aitolien, 211, Thyrrheion/Akarnanien (StV III 536 = SEG 25,626): »... (2) gegen diese alle ... die Beamten der Aitoler sollen handeln, wie sie wünschen, daß es geschieht. Wenn aber die Römer einige (5) Städte von diesen Stämmen mit Gewalt nehmen, soll es dem Demos der Aitoler erlaubt sein, diese Städte und Länder zu haben, soweit es in der Macht des Demos der Römer liegt. Was immer die Römer abgesehen von Stadt und Land (10) nehmen, sollen die Römer haben. Wenn aber einige von diesen Städten die Römer und die Aitoler gemeinsam nehmen, diese Städte und Länder zu haben soll den Aitolern erlaubt sein, soweit es in der Macht des Demos der Römer liegt. Was immer sie abgesehen von der Stadt nehmen, soll (15) beiden zusammen gehören. Wenn aber einige von diesen Städten zu den Römern oder Aitolern übergehen, soll es den Aitolern, soweit es in der Macht des Demos der Römer liegt, erlaubt sein, (20) diese Menschen, Städte und Länder in ihren Bund aufzunehmen. ... autonom ... von Rom ... den Frieden ...«

29. Frieden von Phoinike zwischen Rom und Philipp V., Sommer 205 (Liv. 29,12,11-16): »Phoinike ist eine Stadt in Epirus; dort besprach sich der König zuvor mit Aëropos, Derdas und Philipp, den Strategen der Epiroten, danach traf er mit P. Sempronius zusammen. (12) An der Unterredung nahm Amynander, der König der Athamanen teil, dazu andere Beamte der Epiroten und Akarnanen. Als erster sprach der Stratege Philipp und bat den König und den römischen Feldherrn, dem Krieg ein Ende zu machen und den Epiroten diesen Gefallen zu tun. (13) P. Sempronius nannte als Bedingungen für einen Frieden, daß die Parthiner sowie Dimallon, Bargyllon und Eugenion den Römern gehören sollten, Atintanien dagegen, wenn der König Gesandte nach Rom geschickt und die Einwilligung des Senats erlangt habe, an Makedonien fallen solle. (14) Da man sich auf einen Frieden zu diesen Bedingungen einigte, wurden von Seiten des Königs Prusias, König von Bithynien, die Achaier, Boioter, Thessaler, Akarnanen und die Epiroten in den Vertrag mit aufgenommen, von Seiten der Römer die Leute von Ilion, König Attalos, Pleuratos, Nabis, der Tyrann der Spartaner, die Eleer, die Messenier und die Athener. (15) Dies wurde niedergeschrieben und gesiegelt und ein Waffenstillstand für zwei Monate geschlossen; unterdessen sollten Gesandte nach Rom geschickt werden, damit das Volk den Frieden zu diesen Bedingungen genehmige. (16) Alle Tribus genehmigten ihn, weil der Krieg sich Afrika zugewandt hatte und sie daher im Augenblick von allen anderen Kriegen befreit werden wollten. Nachdem der Friede geschlossen war, begab sich P. Sempronius zu seinem Konsulat nach Rom.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999