Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
3.12 Vom Frieden von Apameia bis Pydna (188-168)

37. Philipps Maßnahmen zum Wiederaufbau Makedoniens, 185 (Liv. 39,24,1-4): »... Niemals jedoch hörte er auf, im Frieden seine Streitkräfte zu sammeln, um sie zum Krieg zu gebrauchen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab. (2) Er vergrößerte die Einnahmen seines Königreiches nicht nur durch die Abgaben auf den Bodenertrag und die Hafenzölle, sondern er nahm auch die alten Bergwerke, die stillgelegt worden waren, wieder in Betrieb und legte an vielen Stellen neue an. (3) Um aber die alte Bevölkerungszahl, die sich durch die Verluste im Krieg verringert hatte, wiederherzustellen, sorgte er nicht nur für Nachwuchs aus seinem Volk, indem er alle Zwang, Kinder zu zeugen und aufzuziehen, (4) sondern er hatte auch eine große Menge Thraker nach Makedonien hinübergeführt, und als er eine Zeitlang vor Kriegen Ruhe hatte, war er mit aller Sorgfalt darum bemüht gewesen, die Machtmittel seines Königreiches zu vergrößern.«

38. Die Stimmung in der griechischen Welt vor dem 3. Makedonischen Krieg, 171 (Liv. 42,29,1-7): »Unter dem Konsulat von P. Licinius und C. Cassius hatten nicht nur die Stadt Rom und Italien, sondern alle Könige und Völkerschaften, die es in Europa und Asien gab, ihre Aufmerksamkeit auf den Krieg zwischen Makedonien und Rom gerichtet. (2) Den Eumenes trieb sein alter Haß, noch mehr aber der frische Zorn, weil er durch den verbrecherischen Anschlag des Königs in Delphi beinahe wie ein Opfertier hingeschlachtet worden wäre. (3) Prusias, der König von Bithynien, hatte beschlossen, sich aus dem Krieg herauszuhalten und den Ausgang abzuwarten. Denn die Römer könnten es nicht für recht halten, wenn er gegen den Bruder seiner Frau zu den Waffen greife, und bei Perseus könne er, wenn dieser siege, durch dessen Schwester Gnade erlangen. (4) Ariarathes, der König der Kappadokier, hatte nicht nur den Römern persönlich Hilfstruppen versprochen, sondern auch, seit er mit Eumenes verschwägert war, sich in seiner Politik in Krieg und Frieden diesem ganz angeschlossen. (5) Antiochos bedrohte das Königreich Ägypten. Er nahm den König wegen seiner Jugend und dessen Vormünder wegen ihrer Untüchtigkeit nicht ernst. Und als sich Streit erhob wegen Koilesyrien, glaubte er, einen Grund zum Krieg zu bekommen und diesen ungehindert führen zu können, (6) wenn die Römer durch den Krieg mit Makedonien gebunden seien. Zu diesem Krieg hatte er jedoch durch seine Gesandten dem Senat und persönlich ihren Gesandten eifrig alles versprochen. (7) Ptolemaios war wegen seiner Jugend damals noch zu keiner eigenen Entscheidung berechtigt. Seine Vormünder rüsteten zum Krieg gegen Antiochos, durch den sie ihren Anspruch auf Koilesyrien durchsetzen wollten, und versprachen auch den Römern alles für den Krieg gegen Makedonien.«

39. Dekret des Senats bezüglich Thisbai in Boiotien, 170 (Syll.3 646 = Sherk, RDGE 2): »(17) Ebenso, wie dieselben vorgetragen haben hinsichtlich ihrer Gemarkung und Häfen und Einkünfte und Berge: Was davon ihnen gehört hat, das soll, so wurde beschlossen, ihnen gehören, soweit es uns betrifft. (20) Hinsichtlich der Magistraturen, Heiligtümer und Einkünfte, daß sie selbst darüber verfügen können. Über diesen Punkt ist wie folgt beschlossen worden: Daß all diejenigen, die in unsere Freundschaft (eingetreten sind), bevor Gaius Lucretius das Heer gegen die Stadt Thisbai geführt hat, daß diese für die kommenden zehn Jahre darüber das Verfügungsrecht haben sollen. Beschlossen. (25) Hinsichtlich des Landes, der Häuser und der Habe: Wer etwas davon zu Eigen gehabt hat, wurde beschlossen, daß er sein Eigentum besitzen sollen dürfe. Ebenso hinsichtlich ihres Vortrags, daß den Überläufern, die dort als Private und Flüchtlinge sind, erlaubt sein solle, die Zitadelle zu befestigen und dort zu wohnen, so wie sie es dargelegt haben, so ist (30) beschlossen worden: Daß sie dort wohnen und es befestigen dürfen. Die Befestigung der Stadt wurde nicht beschlossen. Ebenso, hinsichtlich ihres Vortrags, das Gold, das sie für einen Kranz zusammengebracht haben, um für das Kapitol anfertigen zu lassen, daß ihnen dieses Gold übergeben werde, damit sie diesen Kranz für (35) das Kapitol anfertigen lassen können. So ist beschlossen worden, es ihnen zu übergeben. ... (53) Ebenso hinsichtlich des Vortrags derselben Thisbaier, daß eine Geschäftspartnerschaft mit Gnaeus Pandosinus bezüglich Getreide und Öl bestehen soll. Über diese (55) Angelegenheit wurde beschlossen, ihnen Richter zu geben, wenn sie welche zu haben wünschen.«

40. Römisches Ultimatum an Antiochos IV. in Ägypten, Sommer 168 (Polyb. 29,27,1-7): »Als Antiochos [IV.] gegen Ptolemaios [VI.] heranzog, um Pelusion zu besetzen, (2) [trat ihm] der römische Gesandte [C.] Popilius [Laenas in den Weg]. Der König begrüßte ihn schon von weitem durch lauten Zuruf und streckte ihm die Hand entgegen. Popilius aber reichte ihm die Schreibtafel, die er bereit hielt und auf der der Senatsbeschluß geschrieben stand, und hieß ihn zuerst das Schriftstück lesen, (3) wie mir scheint, weil er ihm den Gruß als Zeichen der Freundschaft nicht eher zu bieten wünschte, als er sich von der Gesinnung des anderen überzeugt hatte, ob er Freund oder Feind sei. (4) Als der König gelesen hatte, erklärte er, seinen Freunden das Schreiben mitteilen und sich mit ihnen über die neue Lage beraten zu wollen. Darauf tat Popilius etwas, was man nicht anders als hart und in höchstem Maße demütigend bezeichnen kann: (5) Er zog mit einem Weinrebenstab, der ihm gerade zur Hand war, einen Kreis um Antiochos und hieß ihn in diesem Kreis seine Antwort auf den Senatsbeschluß erteilen. (6) Der König, obwohl befremdet über dieses Ansinnen und die Anmaßung des römischen Gesandten, zögerte doch nur kurze Zeit und erwiderte dann, er werde alles tun, was die Römer von ihm verlangten. Jetzt ergriff Popilius seine Hand, und er und seine Mitgesandten begrüßten Antiochos auf das herzlichste. (7) In dem Schreiben hatten gestanden, er solle auf der Stelle den Feldzug gegen Ptolemaios abbrechen und den Krieg beenden.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999