Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
3.13/14 Das lange Ende (168/64-30)

41. Römische Besiedlung und Teilung von Makedonien, 167 (Liv. 45,29,3-11 u. 32,1-7): »... Paulus verkündete auf lateinisch, was dem Senat und was ihm selbst aufgrund der Beratung als richtig erschienen war. Der Praetor Cn. Octavius - denn er war persönlich zugegen - übersetzte das und gab es auf Griechisch wieder: (4) Zuallererst sei angeordnet, die Makedonen sollten frei sein; sie sollten dieselben Städte und Gebiete behalten, ihre eigenen Gesetze haben und jedes Jahr ihre Beamten wählen; die Hälfte der Abgaben, die sie ihren Königen geleistet hätten, sollten sie dem römischen Volk leisten. (5) Dann solle Makedonien in vier Bezirke aufgeteilt werden: einer, und zwar der erste, werde das Land zwischen dem Strymon und dem Nessos sein; (6) zu diesem Bezirk kämen noch die Dörfer, festen Plätze und Städte, die Perseus östlich des Nessos besessen habe, außer Ainos, Maroneia und Abdera, und westlich des Strymon die ganze Bisaltika mit Herakleia im Lande der Sinter. (7) Der zweite Bezirk werde sein, was im Osten der Strymon begrenze - außer Herakleia im Lande der Sinter und dem Gebiet der Bisalten - und im Westen der Axios, dazu das Gebiet der Paionier, soweit sie östlich des Axios lebten. (8) Der dritte Bezirk wurde das Land zwischen dem Axios im Osten und dem Peneus im Westen, den nördlichen Abschluß bildet das Bora-Gebirge; zu diesem Bezirk gehörte auch noch der Teil Paioniens, der sich am westlichen Ufer des Axios erstreckt; auch Edessa und Beroia kamen noch dazu. (9) Der vierte Bezirk lag jenseits des Bora-Gebirges und grenzte auf der einen Seite an Illyrien, auf der anderen an Epirus. Zu Bezirkshauptstädten, wo die Landtage zusammenkommen sollten, machte er für den ersten Bezirk Amphipolis, für den zweiten Thessalonike, für den dritten Pella, für den vierten Pelagonia. Er ordnete an, daß die Landtage dort nur für den betreffenden Bezirk einberufen werden dürften und daß dort die Steuern abgeliefert und die Beamten gewählt werden sollten. (10) Dann verkündete er, keiner dürfe außerhalb der Grenzen des eigenen Bezirks heiraten und Land oder Häuser erwerben. (11) Auch dürften die Gold- und Silberbergwerke nicht weiterbetrieben werden, der Betrieb der Eisen- und Kupferbergwerke sei ihnen gestattet. Von den Pächtern wurde die Hälfte von dem verlangt, was sie dem König gezahlt hatten. Weiterhin verbot er die Salzeinfuhr. ... (32,1) nachdem diese Untersuchungen der auswärtigen Angelegenheiten zwischen durch erledigt worden waren, wurde wieder eine Versammlung der Makedonen einberufen. (2) Zur Verfassung Makedoniens wurde verkündet, Senatoren, die sie selbst Synedroi nennen, sollen gewählt werden, nach deren Rat der Staat verwaltet werden sollte. (3) Dann wurden die Namen der führenden Makedonen verlesen, die mit ihren Kindern, soweit sie älter als 15 Jahre waren, nach Italien vorausfahren sollten. (4) Dies schien auf den ersten Blick grausam, aber bald wurde er der Menge der Makedonen klar, daß es für ihre Freiheit geschehen war. Genannt wurden nämlich die Freunde des Königs und die Höflinge, die Heerführer, die Kommandanten der Schiffe und der Besatzungen, (5) die gewohnt waren, dem König sklavisch zu dienen, den anderen aber überheblich Befehle zu erteilen. Die einen waren ungeheuer reich, die anderen hatten den gleichen Aufwand getrieben wie diese, ohne daß ihr Vermögen so groß war. Sie alle lebten und kleideten sich wie Könige, keiner war gesinnt wie ein Bürger, sie unterwarfen sich weder den Gesetzen noch duldeten sie allgemeine Freiheit. (6) Es erhielten also alle, die irgendein Amt für den König ausgeübt hatten, und auch alle, die einer Gesandtschaft angehört hatten, den Befehl, Makedonien zu verlassen und nach Italien zu gehen. Denen, die dem Befehl nicht gehorchten, wurde der Tod angedroht. (7) Dann gab er den Makedonen Gesetze mit solcher Sorgfalt, daß es schien, als wenn er sie nicht besiegten Feinden gebe, sondern Bundesgenossen, die sich sehr verdient gemacht hatten, und daß sich auch bei der Anwendung in langer Zeit, als man Erfahrungen mit ihnen machte, die allein zur Verbesserung von Gesetzen führen, kein Mangel an ihnen erkennen ließ.«

42. Antiochos IV. und die Juden (1Makk 1,10-24): »Aus diesen (sc. den Nachfolgern Alexanders des Großen) ging ein besonders gottloser Sproß hervor, Antiochos Epiphanes, Sohn des Königs Antiochos (III.). Er war als Geisel in Rom gewesen und trat im Jahr 137 der griechischen Herrschaft (= 176/75) die Regierung an. (11) Zu dieser Zeit traten viele Verräter am Gesetz in Israel auf, die viele (zum Abfall) überredeten. Sie sagten: 'Wir wollen einen Bund mit den fremden Völkern schließen, die rings um uns herum leben; denn seit wir uns von ihnen abgesondert haben, geht es uns schlecht.' (12) Dieser Vorschlag gefiel ihnen, (13) und einige aus dem Volk fanden sich bereit, zum König zu gehen. Der König gab ihnen die Erlaubnis, nach den Gesetzen der fremden Völker zu leben. (14) Sie errichteten in Jerusalem ein Gymnasion, wie es bei den fremden Völkern Brauch ist, (15) und ließen bei sich die Beschneidung rückgängig machen. So fielen sie vom heiligen Bund ab, vermischten sich mit den fremden Völkern und gaben sich dazu her, Böses zu tun. (16) Als Antiochos sah, daß sich seine Herrschaft gefestigt hatte, faßt er den Plan, auch König von Ägypten zu werden und so über zwei Reiche zu herrschen. (17) Er drang mit vielen Soldaten in Ägypten ein, mit Streitwagen und Kriegselefanten, mit Reitern und einer großen Flotte, (18) und führte Krieg gegen Ptolemaios, den König von Ägypten. Ptolemaios wurde von ihm geschlagen und mußte fliehen, nachdem viele seiner Leute im Kampf gefallen waren. (19) Die befestigten Städte Ägyptens wurden erobert und das Land geplündert. (20) Antiochos wandte sich nach seinem Sieg über Ägypten im Jahre 143 (= 169) gegen Israel und rückte mit zahlreichen Truppen hinauf nach Jerusalem. (21) In seiner Vermessenheit betrat er sogar das Heiligtum; er raubte den goldenen Rauchopferaltar, den Leuchter samt seinem Zubehör, (22) den Tisch für die Schaubrote, die Opfer und Trinkschalen, die goldenen Rauchfässer, den Vorhang, die Kronen und den goldenen Schmuck von der Vorderseite des Tempels. Von allem ließ er das Gold abschlagen. (23) Dann nahm er das Silber, das Gold, die kostbaren Geräte, und was er von den versteckten Schätzen finden konnte, (24) und ließ alles in sein Land schleppen. Er richtete ein Blutbad an und führte ganz vermessene Reden.«

43. Rivalität zwischen Ptolemaios VI. und VIII. und die Teilung des Reiches, 163/62 (Polyb. 31,10,1-6): »Nachdem die Ptolemäer (VI. Philometor und VIII. Euergetes II. Physkon) ihr Reich geteilt hatten, kam der jüngere von ihnen nach Rom, um die Teilung mit seinem Bruder wieder rückgängig zu machen, (2) mit der Begründung, er habe sie nicht freiwillig vorgenommen, sondern unter Zwang, in einer Notlage, dem Befehl seines Bruders Folge geleistet, (3) und bat den Senat, ihm Zypern zuzuteilen: Auch dann noch werde sein Anteil weit unbedeutender sein als der seines Bruders. (4) Canuleius und Quintus bezeugten den Gesandten des älteren Ptolemaios unter Führung des Menyllos, daß der jüngere Kyrene, ja sein Leben nur ihnen zu verdanken habe: So groß sei die Empörung und der Haß der Menge gegen ihn gewesen. (5) Er habe deshalb die ihm wider Hoffen und Erwarten gegebene Herrschaft über Kyrene mit Freuden angenommen und mit seinem Bruder einen durch gemeinsame Opfer und gegenseitige Eide bekräftigten Vertrag abgeschlossen. (6) Als Ptolemaios dem in allen Punkten widersprach, stimmte der Senat, der die völlige (Ungleichheit) der Teilung einsah und sie klüger vornehmen wollte, zumal er sie selbst veranlaßt hatte, den Forderungen des jüngeren zu, die ja auch im eigenen Interesse der Römer lagen.«

44. Testament von Ptolemaios VIII., mit dem er Kyrene an Rom vererbt, Kyrene, 155 (SEG 9,7): »Im 15. Jahr, im Monat Loios. Zum Heil und Segen! Dies hat testamentarisch verfügt König Ptolemaios, Sohn des Königs Ptolemaios (VI.) und der Königin Kleopatra (I.), der (5) Erschienenen Götter, der Jüngere; hiervon ist auch eine Abschrift nach Rom gesandt worden. Möge es mir mit der Gnade der Götter (beschieden sein), jene gebührend zu strafen, die gegen mich das ruchlose Attentat vorbereitet und geplant haben, (10) mich nicht nur meiner Königsherrschaft, sondern auch des Lebens zu berauben. Wenn mir aber etwas nach Menschenlos zustößt, bevor ich Nachfolger meines Königtums hinterlassen kann, hinterlasse ich den Römern die mir gehörende Königsherrschaft, (15) denen ich von Anfang an die Freundschaft und Bundesgenossenschaft getreulich bewahrt habe. Den nämlichen (Römern) vertraue ich mein Reich zum Schutze an, indem ich sie bei allen Göttern und ihrem eigenen Ruhm beschwöre, falls jemand (20) meine Städte oder mein Territorium angreift, zu Hilfe zu kommen gemäß der Freundschaft und Bundesgenossenschaft, die zwischen uns besteht, und entsprechend der Gerechtigkeit, mit aller Macht. Zu Zeugen hierfür mache ich den Zeus (25) Kapetolios und die Großen Götter und Helios und Apollon Archegetes, in dessen Schutz der Text dieser Verfügungen geweiht ist. Zum Heil und Segen.«

45. Einnahme von Korinth durch die Römer, 146 (Paus. 7,16,7-9): »Die Achaier, die sich nach der Schlacht nach Korinth gerettet hatten, flohen bei Anbruch der Nacht weiter. Auch die meisten der Korinther flohen. Mommios wagte im ersten Augenblick nicht, nach Korinth einzudringen, obwohl die Tore weit offen standen; denn er argwöhnte, es möge hinter den Mauern ein Hinterhalt versteckt sein. Am dritten Tag nach der Schlacht nahm er die Stadt im Sturm und äscherte sie ein. (8) Den größten Teil der Gefangenen töteten die Römer, Frauen und Kinder verkaufte Mommios. Auch die Sklaven verkaufte er, soweit sie als Freigelassene mit den Achaiern gekämpft hatten und nicht schon in der Schlacht geblieben waren. Weihgeschenke und andere Kostbarkeiten, Gegenstände besonderer Bewunderung, wurden weggeschleppt. Was jenen weniger gleichwertig erschien, das schenkte Mommios dem Philopoimen, dem Feldherrn bei Attalos. Und noch bis auf unsere Tage besitzen die Pergamener korinthische Beute. (9) Bei den Städten, die gegen die Römer gekämpft hatten, riß Mommios die Mauern ein, nahm ihnen die Waffen weg, noch bevor von den Römern politische Ratgeber abgesandt wurden. Als diese dann angekommen waren, die sich mit ihm beraten sollten, da hob er die demokratischen Verfassungen auf und richtete Ämter nach Vermögensschatzung ein. Eine Abgabe wurde Griechenland auferlegt und den Vermögenden untersagt, außerhalb der Gemeindegrenzen Besitztümer zu erwerben. Sämtliche Bundesversammlungen bei den einzelnen Völkern, bei den Achaiern, den Phokern und Boiotern oder wo sonst noch in Griechenland wurden in gleicher Weise aufgelöst.«

46. Senatusconsultum über Pergamon, zw. 133 u. 129 (OGIS 435 = Sherk, RDGE 11): »Senatsbeschluß. Gaius Popillius, Sohn des Gaius, Praetor, machte dem Senat eine Vorlage am ?? Tag vor den .. des (5) ...ember. Vortrag über die Angelegenheiten in Pergamon, welche Aufträge erhalten sollen die nach Asia reisenden Statthalter (?): Alles, was in Asia bis zum Tod des Attalos von den Königen festgesetzt, geschenkt, erlassen oder strafweise auferlegt wurde, das solle sein (10) gültig. Hierüber hat der Senat folgendermaßen beschlossen: Darüber, was Gaius Popillius, Sohn des Gaius, der Praetor, vorgetragen hat, über diese Angelegenheit ergeht folgender Beschluß: Was der König Attalos und die übrigen Könige festgesetzt, strafweise auferlegt oder erlassen oder geschenkt haben, (15) was davon erfolgt ist bis zum Vortag vor Attalos Tod, das soll gültig sein und die Statthalter, die nach Asia gehen, sollen nicht verändern das Testament (?), sondern sollen es gültig belassen, alles so wie der Senat es beschlossen hat.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999