Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
4.1/2 Die hellenistische Monarchie

47. Ideologie der hellenistischen Monarchie (Suda, s.v. Basileia [2]): »Königsherrschaft. Weder die Natur (d.h. die Erbfolge) noch das gerechte Verhalten (d.h. die Legitimität) geben die Königsherrschaft den Männern, sondern die Fähigkeit, ein Heer zu führen und die politischen Angelegenheiten kompetent zu handhaben. So war es mit Philipp und den Nachfolgern Alexanders. Denn Alexanders eigenem Sohn war die Verwandtschaft mit diesem in keiner Weise hilfreich wegen der Schwäche seines Geistes, während diejenigen, die keine Verbindung mit Alexander aufwiesen, Könige beinahe der gesamten bewohnten Welt wurden.«

48. Bedrohung der Herrschaft des Seleukiden Demetrios I., 153 (Diod. 31,40a): »Dem Demetrios entstand erneut von den Massen eine Bedrohung für seine Königsherrschaft (basileia) aufgrund der Abneigung gegen ihn. Einer von den Söldnern nämlich, Andriskos mit Namen, hatte in Aussehen und Alter eine frappierende Ähnlichkeit mit Philipp, dem Sohn des Perseus. Anfangs nämlich wurde er von den Freunden verspottet und 'Sohn des Perseus' genannt; rasch freilich gewann dies bei den Massen Glauben. Andriskos erhob sich auf die Rede der Menge großer Mut, und er behauptete nicht nur, Sohn des Perseus zu sein, sondern fügte eine fiktive Abstammung und Kindheit hinzu, und danach kam eine große Menge zu Demetrios und ermunterte ihn, von der väterlichen Königsherrschaft in Makedonien Besitz zu ergreifen. Zuerst hielt Demetrios für einen Spinner. Als aber das Volk zusammenkam und viele erklärten, Demetrios solle entweder Andriskos einsetzen oder (selbst) abdanken, wenn er weder König sein könne noch wolle, arrestierte er aus Furcht vor dem Zorn der Menge Andriskos und sandte ihn unverzüglich nach Rom mit einem Bericht an den Senat über dessen Ansprüche.«

49. Antiochos I. verschenkt Land an seinen Freund Aristodikides von Assos, um 275 ? (OGIS 221 = IvIlion 33 = RC 11 = HGIÜ II 317): (C) »König Antiochos dem Meleagros Gruß. Zu uns ist gekommen Aristodikides aus Assos mit der Bitte, ich möge ihm in der Satrapie am Hellespont Petra geben, das früher Meleagros besaß, und von der Gemarkung von Petra (30) 2.500 Plethra Ackerland, und weitere 2.000 Plethra Ackerland aus dem (Gebiet), das dem ihm früher geschenkten Anteil benachbart ist. Und wir haben ihm sowohl Petra gegeben, unter der Voraussetzung, daß es nicht früher schon einem anderen gegeben worden ist, und das Land (35) bei Petra und weitere 2.000 Plethra Ackerland, weil er unser Freund ist und uns seine Dienste geleistet hat in aller Loyalität und Bereitwilligkeit. Du prüfe nun, ob Petra nicht schon einem anderen gegeben worden ist, (40) weise sie und das umliegende Land dem Aristodikides zu, und gib Anweisung, aus dem Königsland, das angrenzt an das seinerzeit dem Aristodikides gegebene Land, auszumessen und ihm zuzuweisen 2.000 Plethren, und es ihn anschließen zu lassen (45) nach seiner Wahl an eine der Städte sowohl auf Reichsgebiet wie im Bündnis (mit mir). (Was) die königlichen Bauern aus dem Bezirk, in dem Petra liegt, (betrifft): Falls sie wohnen wollen in Petra der Sicherheit halber, haben wir dem Aristodikides befohlen, sie wohnen zu lassen. Lebe wohl.«

50. Der junge Antiochos III. und sein Kanzler/Wesir Hermeias während des Molon-Aufstandes, 222-220 (Polyb. 5,50,1-7.8-10 u. 56,1-2.4.6-13): »Als nach der Heeresversammlung in Apameia eine Soldatenmeuterei wegen rückständiger Löhnung entstand, (2) benutzte er (sc. Hermeias) die Gelegenheit der Angst und Aufregung des Königs ob dieser im ungelegensten Augenblick ausgebrochenen Unruhen und versprach, allen die Verpflegungsgelder auszuzahlen, wenn er ihm das Zugeständnis mache, daß Epigenes nicht am Feldzug teilnehmen dürfe; (3) denn die Zwietracht und Feindschaft zwischen ihnen mache eine reibungslose Leitung der Operationen unmöglich. (4) Der König hörte das mit Mißfallen, da er wegen Epigenes Kriegserfahrung auf seine Begleitung beim Feldzug den größten Wert legte; (5) aber er war so sehr in den Händen des Hermeias, der ihn sich durch die Führung der Geschäfte verpflichtet und in kluger Berechnung mit einer von ihm abhängigen Bedienung und Bewachung umgeben hatte, daß er nicht Herr im eigenen Hause war. So blieb ihm denn nichts anderes übrig, als nachzugeben und die Forderung zu bewilligen. (6) Epigenes erhielt also den Befehl, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Bei den Mitgliedern des Thronrates erregte dies keinen geringen Schrecken, (7) im Heer dagegen schlug die Stimmung um. ... (9) Nachdem Hermeias also der Freunde des Königs durch Terror, der Truppen durch die Regelung der Soldfrage versichert hatte, rückte er mit dem König ins Feld. (10) Gegen Epigenes aber zettelte er folgende Intrige an: ... (56,1) Der beim König in besonderer Gunst stehende Leibarzt Apollophanes, der mit ansah, wie Hermeias seine Machtstellung immer schrankenloser ausnutzte, und nicht nur für seinen Herrn fürchtete, sondern noch mehr um seine eigene Sicherheit bangte, (2) nahm die erste Gelegenheit wahr, die sich ihm bot, um offen mit dem König zu sprechen. ... (4) Darauf bekannte Antiochos seinerseits sein Mißfallen an Hermeias und seine Furcht und sprach ihm warmen Dank aus, daß er aus Besorgnis um seinen Herrn es auf sich genommen habe, offen mit ihm über die Sache zu sprechen. ... (6) Er bat ihn, ihm nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat zu seinem und seiner Freunde Schutz beizustehen, was jener mit Freuden zusagte. (7) Sie verabredeten also Ohnmachtsanfälle vorzuschützen, unter denen der König litte, um für einige Tage das militärische und nichtmilitärische Gefolge des Königs von seinen Pflichten zu entbinden, während sie sich ihrerseits vorbehielten, (8) von den Freunden, wen sie wollten, unter dem Vorwand eines Krankenbesuchs zu persönlichen Besprechungen zu empfangen. (9) Hierbei instruierten sie die zur Teilnahme an dem Komplott Ausersehenen - und alle gingen aus Haß gegen Hermeias nur zu gern auf den Plan des Königs ein, und so konnten sie denn zur Tat schreiten. (10) Nach einer zu diesem Zweck erlassenen ärztlichen Verordnung sollte der König seine Spaziergänge bei Tagesanbruch in der Morgenkühle machen. Zu dieser Zeit wurde Hermeias bestellt und mit ihm die in das Komplott Eingeweihten, (11) während die übrigen, da die Zeit für den Ausgang des Königs geändert war, zu spät kamen. (12) Auf diese Weise konnten sie Hermeias weit vom Lager fort an einen einsamen Ort führen und ihn dann, während der König auf die Seite ging, als wolle er seine Notdurft verrichten, niederstechen. (13) So fand Hermeias den Tod, eine noch viel zu geringe Strafe für seine Schandtaten, die er begangen hatte. Der König aber, seiner Furcht und vieler Schwierigkeiten ledig, trat nun den Rückmarsch in die Heimat an ...«

51. Petition Zenons an Ptolemaios III., ca. 246-240 (PCZ V 59832): »Dem König Ptolemaios Grüße von Zenon. Ich war von Apollonios, dem ehemaligen dioiketes, eingesetzt als Verwalter der dorea in Philadelpheia bis zum Jahre 38 (= 247/46), als ich von ihm entlassen wurde. Ich bin eingetragen in die Ankündigung bezüglich (5) der Übergabe der Abrechnung, weil ich schulde ... die Erträge von den Feldern von mir und meinen Dienern ... Deshalb, weil es angekündigt ist, daß, wenn irgend jemand (10) dem Apollonios oder seinen Verwaltern etwas schuldet, er darüber eine Erklärung abgeben soll, stelle ich in Rechnung ... (19) so daß ich in der Lage bin, die Schulden zu begleichen, und nicht unter die [Bestimmungen der] Verlautbarungen falle.«

52. Brief von König Attalos III. bezüglich des Priesteramtes eines Freundes, 8. Oktober 135 (RC 66 = OGIS 331 III): »König Attalos an den Rat und das Volk von Kyzikos, Grüße. Ich bin überzeugt, daß ihr wißt: Athenaios, der Sohn des Sosandros, des ehemaligen Priesters von Dionysos Kathegemon und 'Mitaufgezogenen' (syntrophos) meines Vaters, ist unser 'Verwandter' (syngenes); Sosandros nämlich heiratete die Tochter von Athenaios, (5) Sohn des Meidias - der Athenaios, der der Cousin meines Vaters war - und zeugte ihn. Ihm, der unseres Hauses würdig ist, gab mein Onkel Attalos zuerst - mit meinem Einverständnis und zu Lebzeiten von Sosander - das erbliche Priesteramt des Zeus Sabazios, das wir in höchsten Ehren halten, später aber, nach dem Tod (10) des Sosander, hielten wir ihn auch des Priesteramtes des Dionysos Kathegemon für würdig wegen seiner hervorragenden persönlichen Eigenschaften und seiner Frömmigkeit gegenüber der Gottheit sowie wegen seines Wohlwollens und seiner Treue uns gegenüber, in der Meinung - ich und mein Onkel Attalos -, daß er dieser Ehre würdig wäre und daß er solch großen Mysterien in angemessener Weise vorstehen würde, wie es klar gemacht ist in (den [15] Aufzeichnungen des) 18. Jahres seiner Königsherrschaft. Wissend, daß er von Seiten seiner Mutter auch einer eurer Bürger ist, habe ich entschieden, euch zu schreiben, und sende auch die übrigen Dekrete und Wohltaten, die von uns über ihn in schriftliche Form gebracht wurden, so daß ihr wißt, welche Zuneigung wir ihm gegenüber empfinden. Jahr 4, Dios 7. Menes (überbrachte den Brief) aus Pergamon.«

53. Brief von Ptolemaios II. über die Einquartierung von Truppen, Mitte 3. Jh. (P. Hal. 1,166-185 = C. Ord. Ptol. 24 = Sel. Pap. II 207): »König Ptolemaios an Antiochos, Grüße. Hinsichtlich der Einquartierung von Soldaten hören wir, daß es zunehmend mehr Gewalt gibt, weil sie von den oikonomoi keine Quartiere erhalten, sondern selbst in die Häuser einbrechen, (170) die Bewohner vertreiben und mit Gewalt dort wohnen. Gib' Anordnung, daß sich dies in Zukunft nicht wiederholt, sondern daß sie sich möglichst selbst mit Quartieren versorgen (= Baracken bauen). Wenn es aber nötig ist, daß ihnen von den oikonomoi Quartiere gegeben werden, sollen sie ihnen die notwendigen geben. Und wenn sie aus ihren Quartieren abrücken, (175) sollen sie die Quartiere aufgeben und ordentlich zurücklassen, nicht dagegen sie einbehalten, bis sie wiederkommen, wie wir hören, daß es momentan geschieht: Wenn sie abrücken, vermieten sie die Räume und versiegeln sie. Sei besonders wachsam in Arsinoe bei (180) Apollonopolis (= Edfu in Oberägypten), damit, wenn Soldaten kommen sollten, keiner dort einquartiert wird, sondern eher in Apollonopolis. Wenn aber die Notwendigkeit bestehen sollte, in Arsinoe zu bleiben, sollen sie sich selbst Baracken bauen, wie auch ihre Vorgänger es machten. (185) Lebe wohl.«

54. Bezahlung von Elefantenjägern, 223 (P. Eleph. 28 = WChr. 451): »Mnesarchos an Antipatros, Grüße. Ich habe Paniskos angewiesen, von der Bank in Arsinoe (im Apollonopolites) zu bezahlen an Demetrios, den Sekretär der Jäger, angeheuert durch Andronikos, für die 231 Männer, die mit Peitholaos aufbrachen, den Lohn vom (Monat) Artemision bis zum (Monat) Panemos, drei Monate: zwei Talente, 1.860 Drachmen, abzüglich der Vorauszahlung für den Monat Artemision, ausgehändigt an die Vorausabteilung, 60 Drachmen, den Rest auf zwei Talente, 1.800 Drachmen. Führe dies so aus, wie es geschrieben ist. Lebe wohl. Jahr 25, Thoyth 21. An Apollonides. Führe dies so aus, wie es geschrieben ist. Lebe wohl. Jahr 25, Thoyth 21.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999