Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
4.4 Seleukiden

61. Eine babylonische Königsliste von Alexander bis Seleukos II. (Sachs/Wiseman, Iraq 16, 1954, 202-211): Obverse: »... Alexander ... Philip, Alexander's brother, ... years there was no king in the land. Antigonos, the chief of the army ... (5) Alexander the son of Alex(ander was reckoned as kig until) year? 6 (= 306/05). Year 7 (= 305/04), which is (his) first year, Seleukos (I) (ruled as) king. He reigned 25 years. Year 31, month VI (= late August-September 281), Se(leukos) the king was killed in the land (of the) Khani. Year 32 (= 280/79), An(tiochos) (I) the son of Se(leukos ruled as) king. He reigned 20 years. (10) Year 51, (month) II, (day) 16 (= 1 or 2 June, 261): An(tiochos) the great king died. Year 52 (= 260/59), An(tiochos) (II) the son of An(tiochos ruled as) king. (In month) V of year 66 (= August 246), the following was heard in Babylon: 'An(tiochos) the great king [died ...']. Year 67 (= 245/44), Se(leukos) (II) [the so of Antiochos (I) ruled as king. (15) He reigned 20 years. He died month ..., day ..., year 86 (= 226/25)].«

62. Der Zylinder von Borsippa: Antiochos I. als König von Babylon, 268 (Pritchard, Ancient Near Eastern Texts Relating to the Old Testament, Princeton 1969, 317): »Ich bin Antiochos, der Großkönig, der legitime König, der König der Welt, König von Babylon, König aller Länder, Wächter der Tempel Esagila und Ezida, erstgeborener Sohn von König Seleukos, dem Makedonen, König von Babylon. Als ich die Idee gebar, Esagila und Eziada (neu) zu konstruieren, formte ich mit meinen erhabenen Händen, (als ich gerade war) im Land Hatti (= Syrien), den (ersten) Ziegel für Esagila und Ezida mit dem feinsten Öl und brachte (ihn mit mir) für die Grundsteinlegung von Esagila und Ezida. Und im Monat Addaru, dem 20. Jahr, dem 43. Jahr (= März 268) legte ich den Grundstein von Ezida, dem (allein) wahren Tempel von Nebo, den es in Borsippa gibt. Oh Nebo, hocherhabener Sohn, weisester der Götter, stolzer, der zum Rühmen geschaffen ist, erstgeborener Sohn des Marduk, Kind der Arua, der Königin, die den Geschöpfen Gestalt gibt, blicke freundlich (auf mich) und gib durch deinen hocherhabenen, unwiderruflichen Befehl die Niederwerfung des Landes meiner Feinde, die Erfüllung (all) meiner Wünsche gegenüber den Gegnern, beständige Vorherrschaft, ein Königreich, (regiert) in Gerechtigkeit (für alle), eine ruhige Regierung, Jahre des Glücks, genügend Nachkommenschaft sei dein dauerhaftes Geschenk für die (gemeinsame) Königsherrschaft des Antiochos und seines Sohnes, des Königs Seleukos. Wenn du, Prinz Nebo, geboren in Esagila, Erstgeborener des Marduk, Kind der Königin Arua, in Freuden und Jauchzen Einzug hältst in Ezida, dem (allein) wahren Tempel, dem Tempel für deine Position als Anu, dem Sitz deiner Herzensfreude, mögen auf deinen zuverlässigen, unumstößlichen Befehl hin meine Tage (auf Erden) lang sein, meine Jahre zahlreich, mein Thron fest, meine Herrschaft dauerhaft, unter deinem hocherhabenen Zepter, das den Abgrenzungen von Himmel und Erde Dauer verleiht. In deinen reinen Mund möge Gutes für mich gelegt werden, und daß ich selbst erobere (all) die Länder von Sonnenaufgang bis Sonnenaufgang, ich ihren Tribut einsammle und heimbringe für die Vollendung von Esagila und Ezida. Oh Nebo, allererster Sohn, wenn du in Ezida, dem (allein) wahren Tempel Einzug hältst, mögen auf deinen Lippen (Worte der) Gunst liegen für Antiochos, den König aller Länder, für Seleukos, den König, seinen Sohn, und für Stratonike, seine Gemahlin, die Königin.«

63. Die Anabasis von Antiochos III., 212-205 (Polyb. 11,34): »Der König, der schon lange nach einer Möglichkeit zu einer friedliche Lösung ausschaute, ging auf den Bericht des (Gesandten) Teleas hin ... mit Freuden auf die Friedensvorschläge ein. ... Schließlich entsandte Euthydemos (= König v. Baktrien) seinen Sohn Demetrios zur Ratifizierung des Abkommens. Der König nahm den Jüngling freundlich auf, fand ihn nach seiner Erscheinung und seiner ebenso gewinnenden wie vornehmen Art des königlichen Ranges würdig und versprach ihm erstens, ihm eine seiner Töchter zur Frau zu geben, zweitens gab er seine Zustimmung dazu, daß sein Vater den Königstitel führte. ... Nachdem er dann unter seine Truppen reichlich Brotgetreide verteilt und sich durch die Elefanten aus dem Besitz des Euthydemos verstärkt hatte, brach er auf, überschritt den Kaukasos und gelangte nach Indien, wo er die Freundschaft mit dem Inderkönig Sophagasenos erneuerte. ... damit fand der Feldzug des Antiochos in die oberen Satrapien seinen Abschluß, durch den er nicht nur die Statthalter jener Provinzen seiner Macht unterwarf, sondern auch die Städte an der Küste und die Fürsten diesseits des Tauros, kurz, die Herrschaft über sein ganzes Reich wiederherstellte und sicherte, indem er sich bei allen seinen Untertanen durch seinen Wagemut und seine Ausdauer in den Strapazen dieses Krieges Respekt verschaffte.«

64. Antiochos VII. Sidetes und die Unabhängigkeit der Juden, 139 (1Makk. 15,1-9): »Antiochos, der Sohn des Königs Demetrios, schickte von den Inseln des Meeres (= Rhodos) ein Schreiben an Simeon, den Priester und Ethnarchen der Juden, und an das ganze Volk. (2) Es hatte folgenden Inhalt: 'König Antiochos grüßt Simeon, den Hohenpriester und Ethnarchen der Juden, und das jüdische Volk. (3) Ein paar Verbrecher habe die Herrschaft über das Reich unserer Väter an sich gerissen (= Aufstand des Diodotos Tryphon 142/1-137). Ich will nun das Reich wieder übernehmen und in ihm die alte Ordnung wiederherstellen. Ich habe dazu eine Söldnerarmee angeworben, mehrere Kriegsschiffe ausgerüstet, (4) und will mit ihnen landen, um alle zur Rechenschaft zu ziehen, die unser Land verwüstet und so viele Städte in meinem Reich entvölkert haben. (5) Ich bestätige dir den Erlaß aller Steuern, auf die die Könige vor mir verzichtet haben, und aller sonstigen Geschenke, die sie dir erlassen haben. (6) Hiermit gestatte ich dir, eigene Münzen für dein Land zu prägen. (7) Jerusalem und das Heiligtum sollen frei sein. Du darfst alle Waffen behalten, die du dir beschafft hast, dazu alle Festungen, die du angelegt hast und die in deiner Hand sind. (8) Alle Schulden an die königliche Kasse, auch die künftigen Forderungen der Krone, seien dir von jetzt an für immer erlassen. (9) Sobald wir die Herrschaft angetreten haben, werden wir dich, dein Volk und den Tempel mit hohen Ehren auszeichnen, so daß sich euer Ruhm über die ganze Welt verbreitet.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999