Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
4.8 Griechische Städte

73. Beschluß aus Teos über die Aufnahme von Neubürgern, um 300 (SEG 2,579 + 26,1305 = Epigraphica I 22 = HGIÜ II 298): »... (dieselben Privilegien), an denen auch die übrigen Teier Anteil haben, indem sie für einen Zeitraum von vier Jahren von Steuern freigestellt sind (?). Befreit sein sollen sie auch von Choregien, von der Pflicht, Fremde (?) aufzunehmen, von der Gestellung von Rindern, von der Leitung und Ausstattung eines Fackellaufs sowie von der Steuer für sämtliche in ihrem Besitz befindlichen Ochsen, die beim Pflügen eingesetzt und die, welche (nur) als Ersatz eingespannt werden. (5) Ihre für Landarbeiten eingesetzten Ochsen sollen befreit sein von allen Arbeitsleistungen, welche ausführen läßt die Stadt. Gewährt werden soll ihnen auch die Atelie für ihre Esel und ihre Sklaven, sowohl wenn sie für Lohn arbeiten als auch wenn sie Holz transportieren oder sonst eine Arbeit verrichten oder etwas verkaufen, was den Holzverkauf betrifft, und für ihre Schafe ... . Denjenigen, die es wünschen, soll es erlaubt sein, Schweine zu züchten bis zu der Anzahl, (10) die für die Schafe festgesetzt ist, und diese (Schweine) sollen steuerfrei sein. Sie sollen auch von den anderen Steuern befreit sein mit Ausnahme der Steuer für (die Bezahlung eines öffentlichen) Arzt(es). Soweit von ihren Sklaven einer Holz oder sonst etwas verkauft, was den Holzverkauf betrifft, sollen sie die Steuerfreiheit auch hierfür haben. Diejenigen, welche Mäntel anfertigen oder Überwürfe aus Wolle oder sonst ein Produkt aus rauher oder weicher milesischer Wolle (15) oder entsprechend anderes (?), sollen hierfür von Steuern befreit sein sowohl beim Verkauf an Ort und Stelle als auch bei der Ausfuhr. Für alles, was sie einführen zum Zwecke der Herstellung von Mänteln aus Wolle (?) ... Purpurstoff, sollen sie hierfür Steuerfreiheit haben. ... (20) Steuerfreiheit sollen sie haben für 10 Jahre; beginnen soll die Steuerfreiheit mit dem Monat Leukatheon und dem (Jahr des) Prytanen Aristippos.«

74. Auszug aus einem samischen Dekret zu Ehren von Richtern aus Myndos, ca. 280 (SEG 1,363): »Beschlossen von Rat und Volk, Vorschlag der Prytanen, wofür der Rat ein Probuleuma einbrachte, damit die Richter, gekommen aus Milet, Myndos und Halikarnassos zur Entscheidung der in der Schwebe befindlichen Verträge, geehrt werden. (5) Da, als die Bürger uneins miteinander waren über die in der Schwebe befindlichen Verträge, Philokles, der König der Sidonier, in der Absicht, daß die Stadt in Eintracht (homonoia) lebe, schrieb, damit das Volk der Myndier eine Richtergruppe zur Klärung der in der Schwebe befindlichen Verträge sende, die Myndier aber (10) jegliches Wohlwollen und Bereitschaft zur Versöhnung der Bürger erwiesen, ausgezeichnete Männer bestimmt und gesandt haben in die Stadt, Theokles, Sohn des Theogenes, und Herophantos, Sohn des Artemidoros, welche die vor sie gebrachten Streitfälle fair und gerecht behandelt haben, (15) die einen durch ein Urteil, die anderen durch Versöhnung, indem sie sich vornahmen, daß die von den Bürger, die Streit haben, versöhnt werden und in einem Staat von Eintracht leben, befreit von den Anschuldigungen gegeneinander, wurde vom Rat und Volk beschlossen, zu preisen das Volk von Myndos (20) für die Entsendung der Männer, zu preisen auch die Männer, die gekommen sind, Theokles, Sohn des Theogenes, und Herophantos, Sohn des Artemidoros, weil ...«

75. Rechtsgewährungsvertrag von Milet mit Knossos und weiteren kretischen Städten, nach 260 (Milet I 3,140 = StV III 482 = HGIÜ II 332): »Die Vereinbarungen mit den Städten auf Kreta. (Beschluß) der Knosier. Es haben beschlossen der Kosmos und die Polis der Knosier: Hinsichtlich der Themen, derentwegen die Milesier die Gesandten geschickt haben, Alkmeonides und Euagoras, ist den Gesandten zu antworten, daß wir schon (5) seinerseits, als von euch Gesandte kamen, die Übereinkunft abgeschlossen haben, so wie die Milesier es erbeten hatten, und sie aufgestellt im Heiligtum des Apollo. Nach dem Brand des Tempels habt ihr gut daran getan, die Gesandtschaft abzuschicken, damit (10) dasselbe auch bei uns aufgezeichnet werde - [Text verderbt] - auch ohne schriftliche Fixierung der Vereinbarung. Wir glauben nämlich, daß ihr alle Vorrechte erhaltet von uns, und wir wahren die Freundschaft und die loyale Gesinnung, die seit früheren (15) Zeiten zwischen uns herrscht, so wie es gerecht ist. Damit auch von den Kretern die übrigen mit größerer Bereitwilligkeit auch ihrerseits mit euch eine schriftliche Vereinbarung abschließenn, glauben wir schriftlich fixieren zu sollen, so wie ihr es gewünscht habt: Nicht soll kaufen der Knosier den Milesier oder der Milesier (20) den Knosier, wenn er weiß, daß es sich um einen Freien handelt. Wer den Kauf wissentlich tätigt, soll den Kaufpreis verlieren, und die Person soll frei sein. ... (30) Wenn es aber Differenzen gibt wegen irgendeines Punktes, sollen die Entscheidung treffen in Knosos der Kosmos und der Rat, in Milet die HandelshafenAufseher binnen 5 Tagen von dem Tag an, an dem sie vorgeführt wurden ins Amtsgebäude. Die Vollstreckung der Entscheidungen soll erfolgen in Knosos nach dem Gesetz über die Proxenie-Beziehungen, in (35) Milet nach dem Gesetz über den Handelshafen. In gleicher Weise (haben beschlossen) die Tylisier, Rhaukier, Chersonesier, Milatier, Eltynier, Herakleoten, Priansier, Apolloniaten, Petraier, Itanier, Praisier, Istronier, Oluntier, Drerer, Latier, Eleuthernaier, Axier, Kydoniaten, Phalasarnier.«

76. Eudemos stellt durch eine Stiftung die Erziehung in Milet sicher, 200/199 (Syll.3 577): »Beschlossen vom Volk, Vorschlag der Synhedroi: Da Eudemos, Sohn des Thallion, es vorzog, dem Volk Wohltaten zu erweisen und für alle Zeit die Erinnerung an seine Ehrliebe zu bewahren, und versprochen hat, zu geben für die Erziehung der freien Kinder zehn (5) Talente von Silber, für sich selbst und seine Brüder Menandros und Dion, haben die Milesier entschieden: Eudemos zu loben wegen seines Eifers für eine solch schöne Einrichtung und ihn der Fürsorge von Rat und Volk anzuempfehlen. Damit die Verwaltung dieses Kapitals in geziemender Weise gelingt, soll Eudemos bezahlen (10) die genannte Geldsumme an die Schatzmeister der regulären Einkünfte innerhalb der in seinem Versprechen festgelegten Zeit, die Schatzmeister sollen es umgehend denjenigen übergeben, die für die öffentliche Bank zuständig sind ... . Die Steuereinschätzer, welche die Einkünfte (20) der Stadt verwalten, sollen jedes Jahr bei ihrer Einschätzung 300 Statere herausnehmen für die erwarteten Einkünfte aus diesem Geld ... . (50) ... Betragen soll der Lohn für jeden der Gymnastik-Trainer 30 Drachmen im Monat, für jeden der Elementarlehrer 40 Drachmen im Monat. ...«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999