Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
5.2 Wirtschaft

82. Instruktionen eines Dioketes an einen Oikonomos, Ende 3. Jh. (P. Tebt. III 703 = Sel. Pap. II 204): »... Du mußt achtgeben auf ... die Wasserleitungen, die durch die Felder gehen (30) und aus denen die Bauern gewöhnlich das Wasser auf das von ihnen bearbeitete Feld leiten, und mußt sehen, ob die Wasserzuführungen die vorgeschriebene Tiefe haben und ob sie genügend fassen können; und ebenso (35) bei den besagten Zweigstellen, an denen die Wasserzuführungen in die obengenannten Wasserleitungen münden, ob sie fest gebaut sind und ob die Stellen, an denen der Fluß in sie mündet, sorgfältig gereinigt sind, und daß sie im allgemeinen (40) in gutem Zustand sind. ... Wenn die Aussaat beendet ist, (50) wäre es keine schlechte Sache, wenn du sie sorgsam nachprüfst; denn dann kannst du klar übersehen, wie alles wächst, und weißt genau, wo schlecht und wo überhaupt nicht gesät worden ist. So wirst du die ermitteln, die ihre Pflicht vernachlässigt haben, (55) und es wird dir bekannt werden, ob irgend jemand das Saatgut zu anderen Zwecken benutzt hat. Deine besondere Aufmerksamkeit richte darauf, daß im Gau die Aussaat erfolgt, wie es im Saatplan vorgeschrieben ist. (60) Laß es nicht zu, wenn jemand unter den Pachtzahlungen schwer zu leiden hat oder gar völlig zugrunde gerichtet ist. ... (70) Sorge dafür, daß das Korn in den Gauen mit Ausnahme dessen, was zur Saat ausgegeben ist, und dessen, was nicht auf dem Wasserweg befördert werden kann, hinuntergebracht wird nach Alexandreia (oder: zum Nil). (75) Dann wird es ein leichtes sein, das Korn auf die ersten zur Verfügung stehenden Schiffe zu laden. ... (80) Sorge auch dafür, daß die vorgeschriebenen Getreidelieferungen, worüber ich dir ein Verzeichnis übersende, termingemäß in Alexandreia eintreffen, nicht nur in der richtigen Menge, es muß auch die Qualität überprüft werden, und sie müssen zum Verbrauch geeignet sein.«

83. Brief des Apollonios über Getreideexport, 261 (PSI IV 324): »Apollonios an Apollodotos, Grüße. Wenn welche von denen, die aus Syrien Getreide exportieren, Dir den Preis oder eine Anzahlung bezahlen, nimm es im Empfang von ihnen durch die Bank und gib uns doppelt gesiegelte Quittungen, schreibe den Namen des Bezahlenden und den Betrag in Silber und ob er für einen anderen bezahlt. Lebe wohl. Jahr 25, Artemision 12.«

84. Brief von Ptolemaios II. bezüglich der Einkünfte, 6. Oktober 259 (C. Ord. Ptol. 23 = P. Amh. 2,33): »König Ptolemaios (II.) an Apollonios, Grüße. Da einige der unten aufgelisteten Anwälte intervenierten in Fiskalangelegenheiten zum Schaden der Einkünfte, gib Instruktionen, daß diese Anwälte bezahlen sollen an die Krone doppelt den zusätzlichen Zehnten und daß es ihnen nicht länger erlaubt ist, in irgendeiner Hinsicht als Anwälte zu agieren. Und wenn einer von denen, die die Einkünfte angetastet haben, entdeckt wird, als Anwalt fungiert zu haben, soll man ihn unter Bewachung zu uns senden, und sein Eigentum soll der Krone zufallen. Jahr 27, Gorpiaios 15.«

85. Quittung für die Verschiffung von Getreide, 251 (P. Hib. I 98): »Jahr 34, Mesore 24, Dionysios, Kapitän, gibt an, daß durch Nechthembes, dem Agenten der königlichen Schreiber, eingeladen wurden auf das Boot von Xenodokos und Alexandros 4.800 Artaben Gerste. Unter der Herrschaft von Ptolemaios, Sohn des Ptolemaios, Priester von Alexander und den Geschwistergöttern ist Neoptolemos, Sohn des Kraisis, Kanephore der Arsinoe Philadelphos ist Arsinoe, Tochter des Nikolaos, am 24. des Monats Mesore. Dionysios, Kapitän, gibt an, daß eingeladen wurden auf das Boot von Xenodokos und Alexandros - Steuermann darauf ist Ekteuris, Sohn des Pais, aus Memphis - durch Nechthembes, dem Agenten der königlichen Schreiber, für den Transport zum königlichen Kornspeicher in Alexandreia 4.800 Artaben Gerste, rein und unverfälscht, gesiebt mit Maß und Glättestab, die er selbst nach Alexandreia brachte, mit richtigem Maß, und ich bringe keine Beschwerde ein.«

86. Auszug aus dem Papyrus 'Revenue Laws' von Ptolemaios II. mit einer Sonderabgabe (apomoira) für Arsinoe, 259 (P. Rev. col. 24-37): »Unter der Herrschaft von Ptolemaios (II.), Sohn von Ptolemaios, und seines Sohnes Ptolemaios, Jahr 27 ... den Sechsten vom Wein ... und von den Kleruchen, die Militärdienst leisten und die ihre eigenen Landlose (mit Wein) bepflanzen, und vom Land in der Thebais, das spezielle Bewässerung erfordert und von ... den Zehnten. Von den Obstgärten, in Übereinstimmung mit der jährlichen Bewertung, den Sechsten in Silber ... Betreffs Ernte und Sammlung (der Trauben): Die Weinbauern sollen sammeln die Trauben, wenn die Jahreszeit kommt, und wenn sie damit beginnen, sollen sie Bericht erstatten dem Manager des Gutes oder (25) den Steuerpächtern, und wenn er wünscht, die Weinberge zu inspizieren, sollen sie sie ihm zeigen. ... (36) Die königlichen Schreiber in den Gauen im Land sollen eine Liste zusammenstellen, jeder für den Gau, in dem er Schreiber ist, von der Zahl der Aruren der Weinberge und Obstgärten, und von der Produktion aus diesen, Bauer für Bauer, vom Jahr 22. ... (37) ... All diejenigen, die Weinberge oder Obstgärten haben, gleich welchen Besitzanspruchs, sollen den Agenten des Satyros und den Buchhaltern, die als Agenten des Dionysodoros fungieren, Gau für Gau, eine schriftliche Erklärung geben, verfaßt von ihnen selbst oder ihren Verwaltern oder den Bewirtschaftern ihres Eigentums, von Jahr 18 bis Jahr 21, in der sie angeben den Betrag ihrer Produktion und an welchen Tempel sie den Sechsten geben, und den jährlichen Betrag. In gleicher Weise die Priester, von welchem Eigentum sie üblicherweise den Sechsten erhalten, und den jährlichen Betrag von Wein oder Geld.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999