Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
5.3 Religion

87. Berichte über Wunderheilungen aus dem Asklepieion von Epidauros, Ende 4. Jh. (Syll.3 1168,1-41 = IG IV2 1,121): »Gott! Zu gutem Glück! Heilungen des Apollon und des Asklepios. Kleo war 5 Jahre lang schwanger. Diese kam, als sie 5 Jahre lang schwanger war, zum Gott als Hilfeflehende und schlief im Abaton. Sobald (5) sie hinausgegangen und außerhalb des Heiligtums war, gebar sie einen Knaben, der gleich nach seiner Geburt sich selbst an der Brunnenquelle wusch und zusammen mit seiner Mutter herumging. Nachdem ihr dies zuteil geworden war, setzte sie auf ihre Weihung die Inschrift: ' Nicht die Größe der Tafel ist das Wunderbare, sondern die Gottheit, denn 5 Jahre lang war schwanger und trug im Leib Kleo die Last, bis sie (im Abaton) in Schlaf versank und die Gottheit sie gesund machte'. ... (33) Ambrosia aus Athen, einäugig. Diese kam als Hilfeflehende zum Gott. Als sie herumging (35) im Heiligtum, verlachte sie einige der Heilungen als unwahrscheinlich und unmöglich, daß Lahme und Blinda allein dadurch (schon) gesund würden, daß sie einen Traum gesehen hätten. Als sie (im Abaton) schlief, hatte sie ein Traumgesicht: Es schien ihr, daß der Gott zu ihr trat und sagte, daß er sie gesund machen werde, daß sie jedoch verpflichtet sei, als Lohn im Heiligtum ein silbernes Schwein zu weihen zum Gedenken an ihre Unwissenheit, nach diesen Worten (40) ihr krankes Auge aufschlitzte und ein Heilmittel hineinträufelte. Nach Tagesanbruch ging sie gesund nach Hause. ... (68) Euphanes, ein Knabe aus Epidauros. Dieser hatte ein Steinleiden und schlief (im Abaton). Da schien es ihm, daß der Gott zu ihm trete und sage: 'Was gibst du mir, wenn ich (70) dich gesund mache?' Er erwiderte: 'Zehn Klicker'. Da lachte der Gott und sagte, er werde ihn erlösen. Nach Tagesanbruch ging er gesund hinaus.«

88. Angebliche Einführung des Sarapis nach Ägypten durch Ptolemaios (Tac. Hist. 4,83,1-2.4 u. 84,3): »Über den Ursprung der genannten Gottheit haben sich unsere Schriftsteller noch nicht ausführlicher geäußert. Die ägyptischen Oberpriester geben folgenden Bericht: Dem König Ptolemaios, der als erster unter den Makedonen Ägyptens Macht fest begründete, sei, als er das neuangelegte Alexandreia mit Mauern, Tempeln und dem entsprechenden Kult versah, im Traum ein Jüngling von ungewöhnlicher Schönheit und übermenschlich großer Gestalt erschienen. Der habe ihn aufgefordert, die Getreuesten der königlichen Freunde nach dem Pontos zu senden und sein, des Gottes, Bild holen zu lassen; das werde glückverheißend für sein Reich sein, die Stätte aber, die das Bild aufnehme, werde es zu großer Bedeutung und Berühmtheit bringen. Unmittelbar nach der Erscheinung habe sich die gleiche Jünglingsgestalt in einem Flammenmeer in den Himmel erhoben. (2) Aufgeregt über das wunderbare Vorzeichen teilte Ptolemaios den ägyptischen Priestern, die dergleichen auszulegen pflegten, sein nächtliches Traumgesicht mit. Da sie über den Pontos und das ganze Ausland nicht recht Bescheid wußten, richtete er an Timotheos, einen Athener aus dem Geschlecht der Eumolpiden ... die Frage, um was für einen besonderen Glauben, um was für eine Gottheit es sich eigentlich handle. Timotheos ... erfuhr folgendes: Es sei dort eine Stadt Sinope, und nicht weit davon sei ein Heiligtum des Jupiter Dis, das unter den in der Nachbarschaft wohnenden Leuten seit alters her in hohem Ruhm stehe. ... (4) Daraufhin ließ er (sc. Ptolemaios) gesandte mit Geschenken für König Skydrothemis, dem damaligen Herrscher Sinopes, abfertigen. bei der Abfahrt hieß er sie, sich an den pythischen Apollon zu wenden. Nach glücklicher Seefahrt bekamen sie dort den unzweideutigen Orakelspruch, sie sollten sich auf die Reise machen und das Bild seines Vaters herholen. ... (84,3) Wie ein Wunder hört es sich an, daß man dann in drei Tagen die Riesenstrecke zurücklegte und in Alexandreia landete. Hier wurde ein der Größe und Bedeutung der Stadt entsprechender Tempel an dem sogenannten Rhakotis-Platz errichtet, wo von jeher eine dem Sarapis und der Isis heilige Kapelle gestanden hatte.«

89. Dekret von Ptolemaios IV. über die Dionysischen Techniten, ca. 215-205 (BGU VI 1211 = Sel. Pap. II 208 = C. Ord. Ptol. 29): »Per Dekret des Königs. Diejenigen, die im Land die Riten des Dionysos vollziehen, sollen nach Alexandreia segeln, diejenigen zwischen hier und Naukratis (5) innerhalb von 10 Tagen von dem Tag der Publikation des Dekretes ab, die über Naukratis hinaus innerhalb von 20 Tagen, und sollen sich eintragen vor Aristobulos im Einschreibe-Büro innerhalb von drei Tagen nach ihrer (10) Ankunft, und sie sollen auch unumwunden erklären, von wem sie die Übermittlung der Riten erhalten haben bis zu drei Generationen zurück, und sie sollen abgeben das gesiegelte heilige Buch und auf jedes ihren eigenen Namen schreiben.«

90. Etablierung eines königlichen Kultes für Laodike, Frau von Antiochos III., 193 (RC 36 = OGIS 224): »König Antiochos an Anaximbrotos, Grüße. In der Absicht, die Ehren unserer Schwester, Königin Laodike, noch weiter zu vermehren, und in der Meinung, daß dies äußerst notwendig ist für uns selbst, weil sie (5) nicht nur mit uns liebevoll und fürsorglich zusammenlebt, sondern auch überaus fromm dem Göttlichen gegenüber eingestellt ist, setzen wir auch die anderen Dinge, die sich ziemen und die gerecht sind von unserer Seite in der Begegnung mit ihr, mit Liebe (10) fort; und wir haben entschieden, daß, wie unsere Oberpriester überall im Königreich ernannt sind, so auch in denselben Distrikten Oberpriesterinnen für sie zu bestellen sind, die tragen sollen goldene Kränze, die tragen (15) ihr Bild, die erwähnt werden sollen auch in den Verträgen nach den Oberpriestern unserer Vorfahren und von uns. Da also in den Bezirken unter deiner Verwaltung eingesetzt ist Berenike, die Tochter von Ptolemaios, Sohn des Lysimachos, (20) unseres Verwandten, führe alles aus entsprechend den oben formulierten Anweisungen, und die Kopien der Briefe, auf Stein geschrieben, stelle auf an den am deutlichsten sichtbaren (25) Stellen, damit jetzt und in Zukunft allen offenbar wird unsere auch darin zutage tretende Gesinnung der Schwester gegenüber.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999