Quellen zur Vorlesung »Geschichte des Hellenismus«


Quellentexte zu:
5.4 Literatur, Kunst und Wissenschaft

91. Lobpreis auf Ptolemaios II., 275-270 (Theokr. 17,77-105.121-130): »Zahllose Länder der Erde und zahllose Menschengeschlechter bringen, vom Regen des Zeus begünstigt, die Saat zum gedeihen. Keines bringt jedoch so viel hervor wie die Niederung Ägyptens, (80) wenn der schwellende Nil den Boden durchfeuchtet und lockert, keines auch hat so viele Städte mit Menschen, die Arbeit erlernten. Denn es sind drei Mal einhundert Städte erbaut in dem Lande, drei Mal tausend und drei Mal zehntausend kommen noch dazu, außerdem zwei mal drei sowie drei mal neun noch als letztes (= 33.333). (85) Über sie alle ist König der tapfere Held Ptolemaios. Ja, von Phönizien und von Arabien, von Libyen, Syrien und Äthiopien, dem Land der Schwarzen, nimmt er sich Teile. Allen Pamphyleren und lanzenbewehrten Kilikern gebietet er, auch den Lykiern und den kampfesbegierigen Karern, (90) wie den kykladischen Inseln, sind es doch die tüchtigsten Schiffe, die für ihn fahren zur See; und das ganze Meer und das Festland mit seinen rauschenden Strömen sind untertan seinem Zepter. Ferner scharen um ihn sich zahlreiche Reiter und viele Krieger, mit Schilden bewehrt und mit funkelndem Erz gewappnet. (95) Mit seinem Reichtum wohl wird er die Könige all übertreffen; so viel kommt an jeglichem Tag zu dem reichen Palaste überallher. Und das Volk verrichtet in Frieden die Arbeit, da kein Feind je zu Fuß den tierreichen Nil überschreitet, Kampfgeschrei zu erheben in Dörfern, die anderen gehören. (100) Auch springt keiner von seinem schnellen Schiff aus ans Ufer, um mit Waffengewalt ägyptische Rinder zu rauben. Solch ein Mann thront über dem weithin sich dehnenden Land, Held Ptolemaios im Blondhaar, kundig, Speere zu werfen. Ihm ist gar sehr - wie tüchtigen Königen stets - daran gelegen, (105) all sein Erbe zu wahren, und anderes erwirbt er sich selbst. ... Nur Ptolemaios - und niemand zuvor und niemand von denen, deren noch warme Spuren der Tritt im Sand widerspiegelt - hat für Mutter und Vater duftende Tempel gegründet. Dort hinein, wo in Gold und Elfenbein sie erstrahlen, (125) hat er sie beide gestellt als Helfer für sämtliche Menschen. Und im Umlauf der Monde verbrennt er zahlreiche fette Schenkel von Stieren auf blutgeröteten Opferaltären, er und die treffliche Gattin; und nie hat je eine bessere Frau den Vermählten im Brautgemach in die Arme geschlossen, (130) liebt sie von Herzen ja den, der ihr Bruder und Gatte zugleich ist.«

92. Verfolgung der Intellektuellen durch Ptolemaios VIII., 145 (Athen. 4,184b-c = Menekles v. Barka FGrHist 270 F9): »Es gab also wieder eine Erneuerung der gesamten Erziehung während der Zeit, als der siebte Ptolemäer (VIII.) über Ägypten herrschte, der üblicherweise von den Alexandrinern 'Übeltäter' genannt wurde. Denn dieser ließ viele Alexandriner hinschlachten und vertrieb auch nicht wenige von denen, die während der Herrschaft seines Bruders Epheben waren, er machte die Inseln und Städte voll von Männern, Grammatiker, Philosophen, Geometer, Musiker, Maler, Gymnastik-Trainer, Ärzte und viele andere Experten in ihrer Profession; diese lehrten wegen ihrer Armut, auf was sie sich verstanden, und machten viele Männer herausragend.«

93. Athen ehrt Zenon, den Gründer der Stoa, 261/60 (DL 7,10-11): »... Nachdem Zenon, Sohn des Mnaseas aus Kition, seit vielen Jahren als Lehrer der Philosophie in unserer Stadt weilend, sich nicht nur in allen übrigen Dingen durchweg als trefflicher Mann bewährt hat, sondern auch die Jünglinge, die sich zu ihrer Belehrung ihm zuwandten, durch seine Mahnungen unausgesetzt für die Sache der Tugend und Mäßigkeit zu gewinnen suchte, wobei er sein eigenes Leben ihnen als Muster für alles Trefflichste vor Augen stellte, als ein Mann, der seine eigenen Lehren treu befolgte, (11) hat das Volk unter günstigen Zeichen es für gut befunden, Zenon, Mnaseas' Sohn aus Kition, zu loben und ihn gesetzesgemäß mit einem goldenen Kranz zu bekränzen in Anerkennung seiner Tugend und Besonnenheit, ihm zudem auch auf Staatskosten ein Grabmal im Kerameikos zu errichten. ...«

94. Ein Experiment des Archimedes, nach 269 (Vitruv, Arch. 9,praef. 9-11): »In Syrakus nämlich hatte sich Hieron der Jüngere zu einer starken Königsmacht emporgeschwungen. Als er ... in einem Heiligtum einen goldenen Kranz als Weihgabe niederzulegen beschlossen hatte, verdingte er die Anfertigung um einen Arbeitslohn und wog dem Unternehmer das Gold genau nach Gewicht zu. Dieser legte zur gegebenen Zeit das schön gearbeitete Werkstück zur Abnahme vor, und er schien das Gewicht des Kranzes genau abgeliefert zu haben. (10) Später wurde Anzeige erstattet, es sei Gold weggenommen und dem Kranz ebensoviel Silber beigemischt worden. Hieron war darüber erbost, daß er betrogen war. Da er jedoch kein Mittel ausfindig machen konnte, wie er die Unterschlagung nachweisen konnte, bat er Archimedes, er sollte es übernehmen, sich darüber Gedanken zu machen. Während dieser darüber nachdachte, ging er zufällig in eine Badestube und, als er dort in die Badewanne stieg, bemerkte er, daß ebensoviel wie von seinem Körper in die Wanne eintauchte, an Wasser aus der Wanne herausfloß. Weil (dieser Vorgang) einen Weg für die Lösung der Aufgabe gezeigt hatte, hielt er sich daher nicht weiter auf, sondern sprang voller Freude aus der Badewanne, lief nackt nach Hause und rief mit lauter Stimme, er habe das gefunden, was er suche. Laufend rief er nämlich immer griechisch: 'Ich hab's gefunden! Ich hab's gefunden!' (11) Dann aber soll er in Verfolgung dieser Entdeckung zwei Klumpen von dem gleichen Gewicht, das auch der Kranz hatte, gemacht habe, einen aus Gold, den zweiten aus Silber. Danach füllte er ein großes Gefäß bis an den äußersten Rand mit Wasser und dahinein tauchte er den Silberklumpen. Der Größe des in das Wasser eingetauchte Silberklumpens entsprach die Menge des abfließende Wassers. ... (12) ... Später aber füllte er das Gefäß wieder auf, tauchte den Kranz selbst in das gleiche Wasser hinein und fand, daß, als der Kranz eingetaucht war, mehr Wasser (aus dem Meßbecher) abgeflossen war als dann, als der Goldklumpen von gleichem Gewicht eingetaucht war. Und so errechnete er aus dem, was im Falle des Kranzes mehr an Wasser zugetan war als im Falle des Goldklumpens, die Beimischung des Silbers zum Gold und wies sie und die handgreifliche Unterschlagung des Goldarbeiters nach.«


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PD Dr. Gregor Weber, 15. Februar 1999