Sokrates im Athen der Nachkriegszeit (404-399 v.Chr.)

Erschienen in: Sokrates. Geschichte, Legende, Spiegelungen. Sokrates-Studien II. Hrsg. von Herbert Kessler. (Die Graue Edition). Kusterdingen: Hermann Leims, 1995. S. 11 - 38.

Prof. Dr. Jürgen Malitz
Katholische Universität Eichstätt
Lehrstuhl für Alte Geschichte
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»Nachkriegszeit« - das Wort soll Assoziationen an "die" Nachkriegszeit wecken: an den Umgang mit einer katastrophalen Niederlage, die wirtschaftlichen und sozialen Nöte, und natürlich auch den Umgang mit den Verbrechen einer jüngsten Vergangenheit in einer Nachkriegszeit.

Der Prozeß des Sokrates findet etwa fünf Jahre nach der Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg statt, und die Frage drängt sich auf, warum er gerade zu diesem Zeitpunkt angeklagt worden ist und nicht zu einer anderen Zeit: warum nicht 403, unmittelbar nach der Kapitulation und der Wiederherstellung der Demokratie, oder warum nicht erst im Jahre 395? Auf unser eigenes Zeitgefühl übertragen, müssen wir uns vorstellen, daß die Anklage gegen Sokrates, der schon immer von seinen Gegnern und Verächtern mit dem aristokratischen Ancien Régime[1] vor Kriegsende in Verbindung gebracht wurde, erst 1950 stattfindet - nicht 1946, nicht 1955.

Es wird im Folgenden eine "politische", ganz "unphilosophische" Antwort geben, die Sokrates in die Innenpolitik der Zeit stellt; für den Sokrates der Philosophiegeschichte wird diese Einordnung von geringer Bedeutung sein. Es sollte aber doch in Erinnerung gerufen werden, in welchem bewegten innenpolitischen Klima er in den letzten Jahren seines Lebens seine Gespräche geführt hat.

Es ist bekannt, wie wenig es an unzweifelhafter biographischer Überlieferung für Sokrates gibt: Die sogenannten "Fakten" lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen.[2] Geboren ist Sokrates etwa 470, in der hohen Zeit des attischen Seebundes.[3] Als Hoplit hat er der Polis in drei Feldzügen des Peloponnesischen Kriegs gedient[4] Aristophanes hat ihn in den 423 aufgeführten Wolken als stadtbekannten Sophisten auf die Bühne bringen können.[5] Vielleicht 408 ist er dem vornehmen Platon in Athen begegnet.[6]

Über die letzten Jahre des Sokrates, unmittelbar vor dem Prozeß, ist vergleichsweise viel weniger bekannt. Wir wissen, daß er sich während der Tyrannis der Dreißig nicht hat kompromittieren lassen durch die Mitwirkung bei politischen Übergriffen,[7] und daß es einen persönlichen Streit mit Kritias, dem Anführer der "Junta", gab.[8] Und dann wissen wir ausdrücklich nichts mehr über Sokrates - bis zur Anklage im Jahre 399.

Diese Lücke nach Möglichkeit zu füllen ist das Ziel der folgenden Ausführungen. Am Ende dieses Beitrages wird vielleicht etwas besser zu verstehen sein, was die Ankläger motiviert haben könnte bei ihrem Versuch, Sokrates aus der Stadt zu treiben.

Zur Vorgeschichte des Prozesses gehören die Niederlage des demokratischen Athen gegen Sparta und seine Verbündeten im "Peloponnesischen Krieg", die kurzlebige Schreckensherrschaft athenischer Oligarchen unter den Fittichen Spartas, die politische Neuordnung nach dem Scheitern der sog. "Dreißig", die Spaltung des athenischen Staates zwischen Athen und Eleusis bis zum Jahre 401, und, last but not least: der schwierige Umgang mit der offiziellen, von Sparta garantierten Amnestie aller (man könnte sagen:) Kriegsverbrechen der Dreißig und ihrer Anhänger in den etwa acht Monaten ihrer Herrschaft von November 404 bis Mai 403.

Sokrates hat in dieser Zeit Athen niemals verlassen: Das wird sich durch sein fortgeschrittenes Alter erklären, doch ist das vermutlich nicht die ganze Antwort, da es engagierte Demokraten gab, die die Stadt selbst in vorgerücktem Alter verlassen mußten.[9]

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Die letzten Jahre des 431 ausgebrochenen Peloponnesischen Krieges waren eine Abfolge von militärischen und innenpolitischen Katastrophen für Athen, dessen demokratische Führer dennoch in der Lage waren, ungeachtet aller Verluste an Menschen und Material, bis zum bitteren Ende auszuhalten.[10]

Nachträglich gesehen war die gescheiterte Sizilische Expedition (415-413) der Anfang vom Ende. Die Ereignisse des Jahres 411 sind eine Antwort auf diese unerwartete Niederlage: Die Oligarchen, die in den Jahren der politischen und militärischen Erfolge kaum eine Chance, aber auch kein Interesse zeigten, die Verhältnisse zu ändern, solange doch alle gleichermaßen materielle Vorteile von den Früchten des attischen Reiches hatten, formten eine Regierung der sog. "Vierhundert", später - wenigstens verbal - erweitert auf eine besonders berechtigte Gruppe von "Fünftausend". Das Experiment ist schnell gescheitert.[11]

Die sechs Jahre von 411 bis zur Niederlage der athenischen Flotte bei Aigospotamoi sind - wegen der athenischen Kornversorgung - überwiegend Seekriegsjahre, im Bereich des Bosporus und der angrenzenden Küste und der Inseln Lesbos, Chios und Samos. Die Besetzung des mitten in Attika gelegenen Dekeleias durch die Spartaner führte zu empfindlichen Störungen; der größte Teil der Bevölkerung Attikas mußte sich hinter die Langen Mauern flüchten und litt große Not.[12]

Hauptereignisse der Kriegsjahre seit dem Putsch von 411 sind dann 408 die Rückkehr des Alkibiades aus dem Exil[13] - erst in dieser Zeit findet die Begegnung zwischen dem jungen Platon und Sokrates statt[14] - , der athenische Seesieg bei den Arginusen und die nachfolgenden illegale Hinrichtung der Admiräle; damals wurde Sokrates - wenn er es nicht schon war ! - stadtbekannt als Bewahrer von Recht und Ordnung, als er sich weigerte, als Prytan den Antrag auf Abstimmung über die Todesstrafe zu genehmigen.[15]

Die Demokraten konnten in diesen Jahren die Fortsetzung des Kampfes gegen alle Schwierigkeiten und Nöte durchsetzen; die Vernichtung der Flotte bei Aigospotamoi im Herbst 405 traf die Athener dann völlig unerwartet.[16]

Ein Leitthema von Thukydides' Lebenswerk ist die Verrohung der Sitten im Kriege:[17] Die letzten Kriegsjahre waren auch in dieser Beziehung denkwürdig. Eine der ersten Amtshandlungen des siegreichen spartanischen Kommandeurs Lysander war die Hinrichtung eines der athenischen Kapitäne, der gefangene Schiffbesatzungen wider das übliche Kriegsrecht hatte umbringen lassen.[18] Die Schauplätze athenischer Exzesse waren der griechischen Öffentlichkeit gut bekannt - Lysander sorgte dafür, daß die Überlebenden von Melos, Skione und anderen Plätzen zurückkehren konnten.[19] Der starke athenische Widerstand gegen die heraufziehende Niederlage erklärt sich deshalb auch durch die Furcht vor der drohenden Abrechnung - die Griechen waren in der Regel nicht sehr taktvoll im Umgang mit Besiegten.

Vom Winter des Jahres 405/404 bis zum April des Jahres 404 haben sich die Athener erbittert gegen die Einschließung durch die Spartaner und ihre Verbündeten gewehrt. Diese Zeit äußerster Entbehrungen hat auch Sokrates durchmachen müssen. Erste Kontakte der athenischen Führung mit den Spartanern führten zu nichts; die Ephoren in Sparta, die eigentliche Regierung, legte Wert auf die Niederlegung der Langen Mauern, den Stolz Athens und eine Garantie seiner Sonderstellung. Das Schicksal von Melos stand manchem hochgemuten Athener vor Augen;[20] lieber hungerte man weiter, als daß man sich auf demütigende Verhandlungen einlassen wollte. Der Hunger, die Kälte und die Dienste eines gemäßigten Oligarchen namens Theramenes[21] führten dann schließlich, gegen den unbelehrten Widerstand der radikalsten Demokraten, zu dem, was man in neuzeitlicher Terminologie die "bedingungslose Kapitulation" nennen würde.[22]

Dabei haben die Athener noch Glück gehabt. Lysander, der Mann der Stunde, wehrte sich erfolgreich gegen die Wünsche der Verbündeten Spartas, Athen dem Erdboden gleichzumachen. Die langen Mauern mußten aber fallen, der Stolz Athens. Xenophon schildert die Szene vielleicht als Augenzeuge:[23]

"Hierauf fuhr Lysander in den Peiraieus ein, die Verbannten kehrten zurück, und man begann, die Mauern unter der Begleitmusik von Flötenspielerinnen mit vielem Eifer einzureißen in dem Glauben, jener Tag bedeute für Hellas den Anfang der Freiheit."

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Wenige Wochen nach der Kapitulation beschloß eine durch die Präsenz der spartanischen Truppen eingeschüchterte Volksversammlung, dreißig Männer mit der Revision der Verfassung zu betrauen. Diese dreißig Herren, allesamt Oligarchen, hatten ein konservatives, spartafreundliches Regierungsprogramm auf den Lippen.[24] Der 24jährige Platon sah seinen Onkel Kritias an der Spitze dieser Herren; Sokrates kannte Kritias ebenfalls gut; wer ihm übelwollte, mochte Sokrates vorwerfen, einer seiner Schüler sei der Anführer des neuen Regimes.

Die Dreißig ließen sich Zeit mit der angekündigten Verfassungsreform und hatten es dafür eiliger, ihre demokratischen Gegner zu beseitigen; einige der am meisten belasteten »Sykophanten« fielen den ersten Prozessen zum Opfer, vermutlich nicht ohne breitere Zustimmung.[25]

Kritias und seine Freunde fühlten sich bald unter Druck. Kritias erreichte zur Sicherung von Lysander die Stationierung einer spartanischen Besatzung auf der Akropolis. Mit den Spartanern im Rücken, gingen die Dreißig dazu über, jeden Widerstand mit Gewalt aus dem Wege zu räumen, zum Schrecken nicht nur der Demokraten, sondern auch der gemäßigten Oligarchen.[26]

Der Terror trieb viele ins Exil, die später, in der wiederhergestellten Demokratie, eine führende Rolle spielen sollten. Dazu gehören Thrasyboulos, der spätere Befreier Athens,[27] und auch Anytos, später einer der Ankläger des Sokrates.[28] Das Regime der Dreißig wurde von Monat zu Monat unerträglicher. Am Ende wurde das Vollbürgerrecht auf 3000 Bürger beschränkt, die allein einen gewissen Rechtsschutz genossen - alle anderen konnten standrechtlich verhaftet und hingerichtet werden.[29] Die »Dreitausend« gehörten sämtlich der höheren Zensus-Klasse an: Auf der Grundlage seines Hopliten-Zensus - und seiner wenigstens mittelbaren Nähe zu den Machthabern - bestehen wenig Zweifel daran, daß Sokrates auf der streng kontrollierten Liste jener Dreitausend gestanden hat.[30] Und selbst wenn Sokrates nicht dazugehört haben sollte, so hat er Athen doch auch nie verlassen; alle anderen Athener mußten damals fort aus Athen, unter Verlust ihres Vermögens - das sagt sich leichthin, muß aber doch ein denkwürdiger Vorgang gewesen.[31]

Diejenigen von den Dreitausend, die die Herrschaft der Dreißig überlebt haben, legten in der Nachkriegszeit verständlichen Wert auf ihre Unbescholtenheit: Natürlich hatte kaum jemand Anteil an den Übergriffen gegen politische Gegner. Opponiert hat aber auch keiner, und Sokrates ist sicher ein Beispiel für die Grenzen der Opposition gegen die Dreißig. Aristoteles überliefert, das Regime habe 1500 Athener umgebracht - dies werden vermutlich nicht nur Reiche gewesen, deren Geld gebraucht wurde, sondern auch die Männer des aktiveren Widerstands.[32]

Sokrates hatte sich kritisch über Kritias' erotisch-direkten Umgang mit dem jungen Euthydemos geäußert; Xenophon berichtet in den Memorabilien über den dadurch motivierten Streit zwischen Sokrates und dem obersten Tyrannen in jenen Monaten:[33]

"Seitdem haßte Kritias den Sokrates sogar, und daher vergaß er es ihm auch nicht, als er mit Charikles einer der Dreißig war und Gesetzgeber wurde; und so verbot er denn durch Gesetz, die Kunst des Redens zu lehren, um ihn zu treffen; und weil er sonst nichts hatte, womit er ihm beikommen konnte, so schob er ihm doch wenigstens das zu, was den Philosophen gemeinhin von der Menge vorgeworfen wird, und verleumdete ihn so bei der Menge."

Xenophon legt Wert darauf, eine kritische Bemerkung des Sokrates über den Terror überliefern zu können:[34]

(32) "Als nämlich die Dreißig viele Bürger zum Unrechttun veranlaßten, da sagte Sokrates irgendwo, es erscheine ihm unbegreiflich. daß jemand, der zum Hirten einer Rinderherde bestellt sei und die Rinder vermindere und verschlechtere, nun nicht zugeben wolle, daß er ein schlechter Rinderhirt sei; noch unverständlicher aber sei es, daß jemand, der Leiter des Staates geworden sei und dabei die Bürger vermindere und verschlechtere, sich nicht schäme und nicht einsehen könne, daß er ein schlechter Leiter des Staates sei. (33) Als ihnen das hinterbracht wurde, luden Kritias und Charikles den Sokrates vor, zeigten ihm das Gesetz und verboten ihm, sich mit den jungen Menschen zu unterreden. Sokrates aber fragte sie beide, ob es gestattet sei, um Auskunft zu bitten, wenn er etwas in den Anordnungen nicht verstehe. Beide bejahten es. (34) Gut, sagte er, ich bin bemüht, den Gesetzen zu gehorchen. Damit ich aber nicht irgendwie aus Unkenntnis unabsichtlich gegen das Gesetz verstoße, so möchte ich dies von euch genau wissen, ob ihr die Kunst des Redens mit wahren Reden meint oder mit unwahren, die man nach eurem Befehl nicht ausüben soll. Denn wenn ihr die Rede mit rechten Reden meint, so müßte man offenbar das rechte Reden unterlassen; wenn ihr aber die Rede mit unrechten Reden meint, so muß man sich offensichtlich bemühen in rechter Weise zu reden. (35) Darauf sagte Charikles voller Zorn zu ihm: Weil du, Sokrates, nicht verstehen willst, so ordnen wir hiermit folgendes an, was dir besser verständlich sein wird, nämlich daß du dich überhaupt nicht mehr mit den jungen Menschen unterreden sollst. (...)."

Nur ganz wenige der 1500 Opfer des Regimes sind namentlich bekannt. Dazu gehören Lykurg, ein geschätzter demokratischer Politiker,[35] Nikeratos, Sohn des berühmten Nikias, der im Jahre 409 als Trierarch bezeugt ist,[36] und schließlich Leon, dessen Schicksal in der Apologie erwähnt wird. Leon von Salamis war ein bewährter General der Demokratie. Sokrates erwähnt Leons Schicksal in der Apologie:[37]

"Nachdem aber die Regierung an einige wenige gekommen, so ließen einst die Dreißig mich mit noch vier anderen auf die Tholos holen und trugen uns auf, den Salaminier Leon aus Salamis herzubringen, um ihn hinzurichten, wie sie denn dergleichen vieles vielen andern auch auftrugen, um so viele als irgend möglich in Verschuldungen zu verstricken. Auch da nun zeigte ich wiederum nicht durch Worte, sondern durch die Tat, daß der Tod, wenn euch das nicht zu bäurisch klingt, mich auch nicht das mindeste kümmerte, nichts Ruchloses aber und nichts Ungerechtes zu begehen mich mehr als alles kümmert. Denn mich konnte jene Regierung, so gewaltig sie auch war, nicht so erschrecken, daß ich etwas Unrechtes tat. Sondern als wir von der Tholos herunterkamen, gingen die viere nach Salamis und brachten den Leon; ich aber ging meines Weges nach Hause. Und vielleicht hätte ich deshalb sterben gemußt, wenn nicht jene Regierung kurz darauf wäre aufgelöst worden. Dies werden euch sehr viele bezeugen können."

Im November oder Dezember 404 hat Thrasyboulos zusammen mit etwa 70 Gefolgsleuten die Festung Phyle im Norden von Attika besetzt; ein Angriff der Dreißig scheiterte und führte zu einer empfindlichen Schwächung des Regimes.[38] Thrasyboulos ließ nicht locker und besetzte mit verstärkten demokratischen Truppen einen Teil des Piraeus, Munichia.[39]

In diese Zeit, als es für die »Dreitausend« aufgrund der Kontrolle Attikas durch die Reiterei der Demokraten nicht mehr möglich war, ohne Gefahr für Leib und Leben Athen zu verlassen, um ihre Güter zu beaufsichtigen, gehört die folgende, von Xenophon nicht eigens datierte Notiz aus den Memorabilien:[40]

Auch die Not seiner Freunde zu lindern, war er durchaus bemüht; war sie aus Unverstand erwachsen, dann durch guten Rat, war sie aus wirtschaftlicher Not entstanden, dann mahnte er, einander nach Vermögen zu unterstützen. Als er nämlich einst sah, daß Aristarch mißmutig umherging, da sagte er zu ihm: Du scheinst mir an irgendetwas schwer zu tragen, Aristarch. (...). Tatsächlich, Sokrates, ich bin schon in großer Verlegenheit. Denn da sich bei den Unruhen in der Stadt viele nach dem Piraeus geflüchtet haben, so sind nun bei mir die zurückgebliebenen Schwestern und Nichten und Basen derart zusammengeströmt, daß jetzt in meinem Hause vierzehn Personen sind, nur die Freien gerechnet. Wir haben aber weder irgendeine Einnahme aus dem Lande, denn dieses haben die Gegner in Besitz; noch von den Häusern; denn die Stadt ist entvölkert. (...).

Sokrates hat dem armen Aristarch dann geraten, seine neuen Mitbewohner zur Heimarbeit anzuhalten, um seine Einkünfte zu erhöhen.

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Die in Munichia versammelten Demokraten, später »die Männer vom Piraeus« genannt, fügten den oligarchischen Truppen eine weitere Niederlage zu Beginn des Jahres 403 bei: Kritias und Charmides sind gefallen.[41]

Das Ende der Dreißig war gekommen. Wer unter den »Dreitausend« nicht kompromittiert war, sehnte die Verhandlungen mit den Demokraten herbei; wer glaubte, aufgrund seiner Übergriffe gegen politische Gegner nichts zu hoffen zu haben, zog im Januar 403 nach Eleusis, und errichtete dort ein neues oligarchisches Staatswesen unter den Fittichen Spartas.[42] In Athen wurde eine neue "Regierung" aus zehn Männern gebildet, einer aus jeder Phyle: die vier bekannten Namen erlauben die Vermutung, daß es sich um etwas moderatere, bisher nicht kompromittierte Oligarchen gehandelt hat, die sich um den Erhalt des Status quo für die verbliebenen Dreitausend zu kümmern hatten.[43]

Athen war jetzt praktisch dreigeteilt: die Bevölkerung in der Stadt - mit Sokrates, auch mit dem jungen Xenophon, der bei der Reiterei diente und damit gegen die Demokraten gekämpft haben dürfte -, die Demokraten vom Piraeus, und die Extremisten von Eleusis.

Lysander, der spartanische Generalissimus, wäre wohl bereit gewesen, den Extremisten in Eleusis noch einmal zu helfen, doch führten innerspartanische Streitigkeiten zum Eingreifen des Königs Pausanias, der eine gütliche Einigung der Athener untereinander einer Entwicklung vorzog, die Athen zum Privatbesitz Lysanders zu machen drohte.[44]

Unter der Leitung des Pausanias ist es zur vielgerühmten Amnestie gekommen, einer Abmachung zwischen den Athenern "in der Stadt" und den Demokraten vom Piraeus. Diese "Amnestie" war in der Tat eine untypische Konfliktregelung, wo doch in der Regel solche Bürgerkriege stets bis zum bitteren Ende und ohne jedes Erbarmen ausgefochten wurden.[45]

Das verbreitete spätere Lob der Amnestie sollte jedoch nicht vergessen machen, daß es sich um eine sehr feinsinnig zu Gunsten der in Athen Gebliebenen austarierte Regelung gehandelt hat. Es gab eine Amnestie für fast alle, mit Ausnahme der Dreißig, der Zehn, einiger Polizeioffiziere und anderer Belasteter.[46] Der Begriff der Amnestie darf allerdings nicht zu dem Schluß verleiten, daß buchstäblich alles vergeben und vergessen sein sollte: die Abmachung betraf nur generell das Gedenken an ein Unrechtsregime; wer wollte, hatte später durchaus das Recht, bei passender Gelegenheit das Verhalten eines Mannes während der Herrschaft der Dreißig suggestiv zur Sprache zu bringen.[47]

Die vertriebenen Oligarchen behielten das athenische Bürgerrecht; die Eleusiner hatten das Nachsehen - sie erhielten die Weisung, den ankommenden Oligarchen ihre Häuser zu verkaufen.[48] Auch die finanziellen Regelungen war wichtig: Demokraten-Besitz, der von den Dreißig auktioniert worden war, durfte bei den neuen Besitzern bleiben. Ein Mann wie Anytos, dessen Besitz von den Dreißig konfisziert worden ist, hat ihn auch nach 403 nicht wiederbekommen, und er legte wohl auch Wert auf die Demonstration, sich auch an diese weniger bequemen Regelungen zu halten.[49]

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Wir schreiben den September des Jahres 403: jetzt ist wirklich »Nachkriegszeit«. Wie sah es damals aus in Athen? Von des attischen Reiches Herrlichkeit, um eine Festrede von Wilamowitz zu zitieren,[50] war nichts mehr übrig.

Die staatliche Teilung Attikas, die noch bis zum Herbst 401 dauern sollte, ist bei allen weiteren Überlegungen über die Lage in Athen zu beachten.[51] Die Attraktion der Extremisten-Gemeinschaft von Eleusis sollte nicht unterschätzt werden; die Furcht innerhalb der Gruppe der 3000 war bei Kriegsende so groß, daß die Sieger eine starke Abwanderung der Leute fürchteten, die aufgrund ihres sozialen Status und ihrer wirtschaftlichen Kompetenz denn doch gebraucht würden. Archinos, einer der Häupter der Demokratie, mußte die für den Umzug nach Eleusis gesetzte Frist im Handstreich verkürzen, um dieser Bewegung Herr zu werden.[52]

Dort, etwa 20 Kilometer von Athen entfernt, das ja seiner Befestigungen beraubt worden war, saßen jetzt die überlebenden Oligarchen und konnten auf Unterstützung ihrer spartanischen Freunde rechnen: solange es das oligarchische Eleusis gab, konnte die Demokratie in Athen nicht wirklich sicher sein.

Diese Situation hat gewiß dazu beigetragen, die Radikalen unter den Demokraten verstummen zu lassen und den Konservativen bei der Durchsetzung so mancher Position zu helfen.

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Die enormen materiellen Verluste Athens sind schon durch den Verlust des Reiches und seiner Einkünfte gegeben. Die Landwirtschaft Attikas war schwer gestört durch die mehrjährige spartanische Besetzung Attikas, wenngleich der Aufschwung hier viel schneller kam als man wohl hat erwarten können - vor allen Dingen auf Seiten Spartas und seiner Verbündeten.[53]

Es ist natürlich nicht möglich, die Kriegsverluste unter der attischen Bevölkerung genau zu beziffern, doch sollte man davon ausgehen, daß die jahrelangen Schlachten zu Lande und zu Wasser, und nicht zu vergessen die Pest, die Zahl der Vollbürger erheblich reduziert haben. Die Ungenauigkeit aller Kalkulationen zugestanden, so ist es eine begründete Vermutung, daß die Zahl der Hopliten zwischen 431, dem ersten Jahr des Peloponnesischen Krieges, und der Mitte der 390er Jahre halbiert worden ist. Den Theten, die als Ruderer auf der Flotte eingesetzt wurden, ist es nicht viel besser ergangen.[54]

Nicht jeder, der überlebt hatte, geriet in wirtschaftliche Not - Sokrates konnte im Jahre 399 auf Freunde zurückgreifen, die über genügend bare Mittel verfügten, um das Angebot machen zu können, ihn auszulösen.[55] Ein interessantes Beispiel für den Wohlstand einer Familie kaum zehn Jahre nach der Niederlage ist das Grabmal des Dexileos auf dem Kerameikos.[56] Auf der anderen Seite gibt es Notizen in Xenophons Memorabilien, die die Verarmung der Nachkriegszeit zeigen.[57]

Athen war jetzt Mitglied des Peloponnesischen Bundes mit gewissen militärischen und finanziellen Verpflichtungen, sonst aber unabhängig. Die Demokratie war wiederhergestellt, doch heißt das nicht, daß die siegreiche Fraktion nur aus radikalen Demokraten zusammengesetzt gewesen ist. Phormisios legte schon bald nach dem Sieg den Vorschlag vor, das aktive Bürgerrecht auf Männer mit Grundbesitz zu beschränken. Die Durchführung hätte 5000 freie Athener ihres Bürgerrechts beraubt, so daß dieser demokratische "Reformvorschlag" durchfiel.[58]

Die Grundlagen der Demokratie blieben also erhalten, und die Erinnerung an die Alten Zeiten blieb wach: Die Demokraten von Samos, die bis ganz zum Schluß an der Seite Athens gekämpft hatten, für die Demokratie und für den Erhalt der Besitztümer, die sie den samischen Oligarchen abgenommen hatten, wurden dankbar geehrt[59].

Zu den sozusagen ideologischen Voraussetzungen der perikleischen, der radikalen Demokratie gehörte die zurückhaltende Handhabung der Vergabe des Bürgerrechts an Fremde. Zu den wenigen erhaltenen Inschriften aus diesen Nachkriegsjahren gehört ein Fragment des Dokuments, mit denen geregelt wurde, wie die "ausländischen" Mitkämpfer der Demokraten belohnt werden sollten: Belohnungen ja, aber bitte kein Bürgerrecht[60].

Wie hitzig die Vergangenheit debattiert wurde und über die Opfer gesprochen wurde, die die aktiven Demokraten im Kampf gegen die von Sparta gestützten Oligarchen hatten geben müssen, wird aus einer fragmentarisch erhaltenen Inschrift deutlich, in der etwa für das Jahr 403 der Antrag erhalten ist, athenische Waisenkinder, deren Väter im Kampf für die - hier übrigens erstmals ausdrücklich in einer Inschrift genannten - Demokratie gefallen waren, mit einer "Rente" zu unterstützen; finanziert wurde dieser Antrag vermutlich mit einer Reduzierung des Soldes der immer noch aristokratisch und oligarchisch gestimmten Reiterei.[61]

Es versteht sich von selbst, daß die siegreichen Demokraten in den Jahren nach 403 in den führenden Ämtern zu finden sind; andererseits sind Namen von Männern aus dem Kreis der 3000 zu finden, die problemlos wieder in Ämter des demokratischen Athens fanden: gewiß kein auf die athenische Geschichte dieser Zeit beschränktes Problem.[62] Diejenigen Männer, die wir kennen, sind keineswegs rasende Radikale, sondern Politiker, die in der Lage sind, sich mit den weniger kompromittierten Gegnern von einst zusammenzufinden. Dazu gehören in jedem Falle Anytos, und vielleicht auch Meletos, wenn man ihn mit dem Sprecher der VI. Rede des lysianischen Corpus identifizieren könnte.[63]

Etwa zwei Jahre lang hatte das oligarchische Eleusis Bestand. Das ziemlich plötzliche Ende dieses Separatisten-"Staates" ist von zentraler Bedeutung für die Situation vor der Eröffnung des Sokrates-Prozesses, doch sind nur wenige Notizen darüber erhalten. Das Ende kam zu Beginn des Jahres 400:[64]

"Später aber, als sie hörten, daß die Leute in Eleusis fremde Söldner anwarben, unternahmen sie mit dem gesamten Aufgebot einen Zug gegen diese. Dabei töteten sie deren Feldherren, die zu Unterhandlungen gekommen waren, sandten aber zu den anderen ihre Freunde und Verwandten nach Eleusis hinein, die sie zu einer Versöhnung beredeten."

Es sei angemerkt, daß die eleusinischen Oligarchen eigentlich selbst schuld waren, wenn ihre - wie man sie mit einem gewagten Vergleich nennen könnte - Republik von Salò ein abruptes Ende fand: Die Demokraten in Athen mußten einfach reagieren, als bekannt wurden, daß die Oligarchen Söldnertruppen anwarben, um das Rad zurückzudrehen. Vielleicht wäre es ohne diese unzeitige Initiative der Oligarchen und die Auflösung ihrers Separatisten-Staates garnicht zur Anklage gegen Sokrates gekommen?

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Die unter dem Namen des Lysias erhaltenen Prozeß-Reden legen den Schluß nahe, daß trotz aller schönen Worte über die Amnestie seit 403 ein regelrechter Prozeßkrieg geführt wurde, um alte Rechnungen zu begleichen, immer unter formaler Einhaltung der Regeln der Amnestie. Diese Reden lassen etwas von der erbitterten Stimmung ahnen, die trotz des Verbots der »Mnesikakeia« im Nachkriegs-Athen geherrscht hat. Die Prozesse handeln keineswegs von berühmten Leuten - und umso interessanter sind die hier faßbaren Emotionen, wenn wir an die cause celèbre des Jahres 399 denken, als es um Sokrates ging, den, wie man doch wohl mit Recht sagen konnte, Lehrer - neben anderen natürlich - von Männern wie Alkibiades und Kritias.

Mehrere Reden aus den Jahren nach 403 und vor 399 könnten zitiert werden, die diese Stimmung der Revanche illustrieren, die bei allen schönen Worten über die "Amnestie" geherrscht hat. Bald nach der Niederlage ist die Verteidigungs-Rede "wegen Umsturzes der Verfassung" gehalten worden:[65]

(2) "Ich werde nachweisen, daß ich mich so gut benommen habe als nur immer der Beste von denen im Piraeus, wenn er in der Stadt geblieben wäre, sich benommen hätte. (...) (14) Denn ich, ihr Richter, bin weder Mitglied der Regierung der Vierhundert gewesen (...) noch wird auch jemand nachweisen können, daß ich nach Einsetzung der Dreißig Mitglied des Rates gewesen wäre oder ein öffentliches Amt bekleidet hätte. Wenn ich nun, als es mir freistand, mich bei dieser Regierung nicht beteiligte, so darf ich erwarten hierfür von euch jetzt geehrt zu werden. (...) Ihr müßt aber auch, ihr Richter, auf meine übrige Handlungsweise sehen. Während der Unglückszeit unserer Stadt habe ich mich so benommen, daß, wenn alle dieselbe Gesinnung gezeigt hätten wie ich, keinem von euch irgend ein Unglück zugestoßen wäre. Weder ist von mir unter der Oligarchie irgend jemand ins Gefängnis abgeführt worden, noch habe ich an einem Feind Rache genommen, noch auch einem Freund Vorteile verschafft. (...). Wie ich also keinen Athener in die Liste aufgenommen habe, so habe ich auch gegen keinen ein schiedsrichterliches Urteil fällen lassen, und mich nicht durch euer Unglück bereichert. (...) Ich, der ich damals, so lange ich jede Gelegenheit hatte, mich nicht gegen die Demokratie verfehlt habe, werde doch noch weit mehr jetzt angestrengt bemüht sein, mich als guten Bürger zu zeigen. (...) (28) Bedenkt bitte weiter, daß auch von der Piraeus-Partei diejenigen, welche den größten Ruhm genießen und am meisten gewagt und sich um euch verdient gemacht haben, schon oft unserem Volke den Rat gegeben haben, die beschworenen Verträge zu halten, weil sie dies für die Gewähr der Demokratie hielten, indem so die Stadtpartei wegen der Vergangenheit nichts mehr zu fürchten hätte, und die Piraeus-Partei sich den längsten Bestand ihrer Verfassung sichern würde.

Wer, wie Sokrates, unter dem Regime der Dreißig in der Stadt geblieben war, lief natürlich Gefahr, sich später rechtfertigen zu müssen; durch das Plädoyer eines Invaliden, dem ein Gegner die Rente kürzen wollten, ist überliefert, wie wichtig für eine Verteidigungsrede das Argument gewesen ist, damals nicht bequem in der Stadt geblieben zu sein:[66]

(25) "Habe ich etwa als einer der Machthaber unter den Dreißig vielen Mitbürgern Böses getan? Im Gegenteil, ich habe mich mit der Volkspartei nach Chalkis am Euripous geflüchtet, und während ich hier mit jenen ungefährdet hätte leben können, habe ich es vorgezogen, mit euch allen gemeinsam den Kampf zu bestehen."

Ein Beispiel für die Rechnungen, die besonders seit 400 beglichen wurden, liefert gewiß auch die Biographie Xenophons:[67] kompromittiert durch seine Zugehörigkeit zur Reiterei, fühlte er sich nicht mehr wohl in Athen und ist in die Dienste des Kyros getreten. Vor seiner Abreise hat er Sokrates um Rat gefragt, und Sokrates' Antwort zeigt ihn als sehr vorsichtigen Mann, der die Spielregeln des demokratischen Athen kennt:[68]

"Als Xenophon den Brief gelesen hatte, beriet er sich mit dem Athener Sokrates über die Reise. Sokrates befürchtete, es könne von der Stadt als Schuld angerechnet werden, mit Kyros Freundschaft zu schließen, da dieser, wie man vermutete, bereitwillig den Lakedaimoniern im Krieg gegen Athen geholfen habe. Daher riet ihm Sokrates, nach Delphi zu gehen und den Gott wegen der Reise zu befragen."

Alle Vorsicht hat Xenophon nichts genützt. Er kehrte 399 nicht nach Athen zurück - vielleicht, weil ihm gerade in der Zeit, als auch Sokrates vor Gericht stand, die Rückkehr verwehrt worden ist.

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Xenophons spartanisches Exil erinnert daran, daß im Vorfeld des Sokrates-Prozessesn nicht nur innenpolitische, sondern wohl auch außenpolitische Faktoren zu berücksichtigen sind. Die Auflösung des Oligarchenstaates Eleusis hatte ich schon erwähnt; ein weiterer Mosaikstein für die Beurteilung der Gesamtlage könnte sein, daß Sparta seit 401 in einen unerwartet heftigen Konflikt mit dem Nachbarn Elis verwickelt gewesen ist.[69]

Die Vorgeschichte des Sokrates-Prozesses wäre um vieles verständlicher, wenn Xenophon in seinen Hellenika nicht so unverständlich diskret wäre, und wenn Platon seine Dialoge nicht nur überwiegend im Vorkriegs-Milieu des Ancien Régime[70] angesiedelt hätte, sondern auch Dialoge in Sokrates' letzte Lebensjahre gesetzt hätte; Ausnahmen sind der »Menon«,[71] in dem Sokrates mit Anytos spricht, der »Euthyphron«, mit dem ungewöhnlichen Fall des Mannes, der seinen Vater vor Gericht zieht wegen Mordes an einem Klienten,[72] und der »Theaitetos«, der sogar unmittelbar vor dem Prozeß spielt.[73]

Vielleicht ist es gar kein Zufall, daß Platon in den beiden Dialogen gerade die zwei Problembereiche anklingen läßt, die für die Ankläger des Sokrates in jedem Falle eine große Rolle spielten: Sokrates' - wie manche es sahen - verderblichen, sophistischen Einfluß auf die demokratische Jugend, und die Frage seiner Frömmigkeit.

Sokrates mußte den Männern vom Piraeus - um so die radikaleren Demokraten zu nennen - doch auch, ganz ohne philosophischen Tiefblick - als der gelten, der so sichtbar Umgang gepflogen hatte mit denen, die Anteil hatten am Unglück der Stadt: Alkibiades, Charmides, Kritias und alle die anderen vornehmen Herren. Sokrates war der, wie Felix Jacoby es formuliert hat, "philosopher of the conservative party", der die Jugend den "vaterländischen" Traditionen entfremdete.[74]

Anytos' Sorgen waren wohl subjektiv ehrlich, und als Person steht er sicher für eine repräsentative Gruppe eben demokratischer Politiker, die den attischen Seebund und die athenischen Interessen in schweren Zeiten zusammengehalten hatten. Im Menon legt Platon ihm zornig Worte über die sog. Sophisten in den Mund, die die spätere Anklage gegen Sokrates praktisch vorwegnehmen:[75]

Beim Herakles, Sokrates, sprich besser. Daß doch keinen Verwandten oder Angehörigen und Freund unter den Einheimischen oder Fremden solche Raserei ergriffe, zu diesen Sophisten zu gehen und sich zu verderben. Denn diese sind doch das offenbare Verderben und Unglück derer, die mit ihnen umgehen.

Wenn wir heute manchen Aufsatz mit dem Nachweis lesen können, daß Sokrates kein »Sophist« gewesen ist, so ist dies für das zeitgenössische athenische Urteil belanglos. Natürlich wäre jedem Athener, der nicht gerade zu dem erlesenen Freundeskreis um Sokrates gehörte, bei der Frage nach einem nicht (wie sonst immer) "ausländischen", sondern athenischen "Sophisten" gerade eben Sokrates eingefallen.[76]

Die Szenerie des Menon gibt sicher Auskunft darüber, wie wir uns die Präsenz des Sokrates auch im Athen der Nachkriegszeit vorzustellen haben: Er war so präsent wie in den Tagen, als ihn Aristophanes auf die Bühne brachte, und - denkt man die alten Freunde, die ihn früher umgaben - den radikaleren Männern von Phyle (fast könnte man sagen: verständlicherweise) ein steter Stein des Anstoßes.

Wenn der Prozeß des Euthyphron sonst nicht bezeugt ist und man denken könnte, Platon habe hier bewußt ein skurriles Gegenbild zur wahren Frömmigkeit des Sokrates aufstellen wollen,[77] so gibt es doch in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Sokratesprozeß zwei weitere Prozesse, die die Gemüter damals ähnlich bewegt haben, und die, überraschenderweise, auch beide mit den religiösen Gefühlen der Zeit zu tun haben.

Der Prozeß gegen Nikomachos ist bekannt durch Reden des Andokides und des Lysias.[78] Er war seit mehreren Jahren mit der Aufgabe betraut, die Gesetze Athens zu revidieren. Im Jahr des Sokrates-Prozesses ist auch Nikomachos angeklagt worden, sich widerrechtlich Befugnisse bei der Revision der Gesetze angemaßt zu haben, neue Opfer einzuführen, und dafür althergebrachte Opfer zu reduzieren.[79] Viel spricht dafür, daß Nikomachos keineswegs theologischen Irrlehren anhing, wie manche meinten, sondern daß seine Organisation der städtischen Opfer zu einer höheren finanziellen Belastung der wohlhabenden Athener zu führen drohte.

Nikomachos hat sich selbst als Demokrat bezeichnet[80] und im Gegenzug seine Ankläger als gottlos bezeichnet; es verdient Beachtung, daß er sich als Schützling einiger der führenden demokratischen Politiker der Zeit betrachten konnte.[81]

Noch in einem anderen Prozeß ging es - und wohl nicht nur vordergründig - um religiöse Fragen. Andokides, ein Mann aristokratischer Herkunft, weitläufig mit Perikles verwandt, war in die Hermokopiden-Affäre des Jahres 415 verwickelt gewesen, hatte außer Landes gehen müssen, und war 403 zurückgekehrt. Der Fall ist ziemlich gut bekannt, durch Andokides' eigene Verteidigungsrede und eine Rede des Lysias. Man klagte ihn im Jahre 400 oder 399 an, illegal nach Athen zurückgekehrt zu sein, und auch illegal an den eleusinischen Mysterien teilgenommen zu haben.[82]

Auf diesem Vergehen stand die Todesstrafe - gefordert unter anderen von einem gewissen Meletos, dessen Identität mit dem späteren Ankläger des Sokrates möglich, aber nicht zu verifizieren ist;[83] sollte es sich um ein und dieselbe Person handeln, dann ist einer der Ankläger des Sokrates nicht nur den Aristokraten übelgesonnen, sondern auch so etwas wie ein religiöser Fanatiker. Daß wir nur allzu wenig über die Politiker der Zeit wissen, läßt sich daran ablesen, daß einer der Verteidiger des Andokides ausgerechnet Anytos war, später einer der Ankläger des Sokrates.[84]

Die Religiösität von Sokrates' Anklägern wird in der Regel nicht sehr ernst genommen. Wir dürfen aber die subjektive Ehrlichkeit derer, die Sokrates für einen seltsamen, die alte (oder: konventionelle) Frömmigkeit zerstörenden Sophisten hielten - wie später ein erheblicher Teil der Jury ! -, nicht unterschätzen, wenngleich Anytos selbst vielleicht nicht von einer archaischen Frömmigkeit gewesen ist. Die Entscheidung des Thukydides, aus seinem Bericht über den Peloponnesischen Krieg den Bereich, ganz allgemein gesagt, des Religiösen so gut wie vollständig auszuklammern, ergibt ein etwas einseitiges Bild der alltäglichen Zustände und läßt Männer wie die Ankläger des Sokrates skurriler, oder - mit einem zu sehr an Thukydides geschulten Urteil - zynischer erscheinen, als sie es vielleicht gewesen sind.[85]

***

Sokrates hatte sich unter der Herrschaft der Dreißig nichts zuschulden kommen lassen und war als Mann in fortgeschrittenem Alter sicher nicht der der richtige Mann, um aktiven Widerstand gegen die Oligarchen zu leisten. Die wenigen auf die Zeit nach 404 bezüglichen Notizen Xenophons und das Porträt Platos evozieren das vertraute Bild des Philosophen Sokrates, der sich mit seinen Freunden unterhält und weise Ratschläge gibt.

Dies ist in jener aufgewühlten, von der völligen Niederlage Athens und dem Regime der Dreißig geprägten Zeit aber doch nur die halbe Wahrheit. Zwei Jahre lang hatte die wiederhergestellte Demokratie mit der dauernden Drohung durch die Oligarchen von Eleusis leben müssen; die mehr oder weniger aufgezwungene, für die Griechen ganz untypische Amnestie hatte die Rachegefühle für das vergangene Unrecht nicht ersticken können.[86] Die unkonventionelle Frömmigkeit des Sokrates tat ein übriges, schlichtere Naturen in schwierigen Zeiten zu verwirren und war durchaus geeignet, seinen Gegnern einen passenden Vorwand liefern: Die athenische Demokratie war nicht tolerant - schon gar nicht in religiösen Fragen, und Sokrates wußte dies so gut wie jeder andere.[87]

In gewisser Weise gab er seinen Anklägern recht, wenn er sich nicht an die »Spielregeln« der gerade wieder restaurierten demokratischen Polis hielt und sich nicht ins Exil begab, sondern im Gefängnis blieb und das Urteil auf sich nahm.[88]


Anmerkungen

  1. Vgl.Karl Reinhardt, Platons Mythen, in: Vermächtnis der Antike. Hrsg. von Carl Becker. Göttingen 1966, S.228: "In Anbetracht seiner Geselligkeit ist Platon, der im vierten Jahrhundert seine Dialoge schreibt, ein nachgeborenes Kind des fünften. In ihm lebt die Tradition eines ancien régime. Er ist nicht zu verstehen ohne Begriff von den Allüren einer alten Aristokratie, eines kleinen Kreises. Die Charis dieser Gesellschaft übernimmt er in sein geistiges Reich, zugleich ihren Sinn fürs Komische und mit beidem zugleich die Nötigung zur Ironie."
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  2. Vgl.W.K.Lacey, Our Knowledge of Socrates (1971), in: Der historische Sokrates. Hrsg. von Andreas Patzer. (Wege der Forschung. Band 585). Darmstadt 1987, S.366-390.
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  3. Das Geburtsdatum ergibt sich durch Sokrates' Bemerkung in der Apologie des Jahres 399, er stehe jetzt im siebzigsten Lebensjahr (Plat.Apol.17d; vgl. Diog.Laert.2,44).
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  4. Poteidaia (432-429): Plat.Symp.219e; Delion (424): Symp.220e; Amphipolis (422): Diog.Laert.2,22-23; Sokrates' Hoplitenstatus ist wichtig für seine Rolle während des Regimes der "Dreißig" (s. unten Anm. 30).
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  5. Vgl. L.Edmunds, Aristophanes' Socrates, in: Proceedings of the Boston Area Colloquium in Ancient Philosophy, Volume I, 1986, S.209-230; P. Green, Strepsiades, Socrates, and the Abuses of Intellectualism, in: P.G., Classical Bearings. Interpreting Ancient History and Culture, London 1989, S.112-119; A.Patzer, Die Wolken des Aristophanes als philosophiegeschichtliches Dokument, in: Motiv und Motivation (Dialog Schule & Wissenschaft. Band XXVII). Hrsg. von Peter Neukam. München 1993. S.72-93; H.Flashar, Sokrates im Korbe, in: Ut poesis pictura. Antike Texte in Bildern. Band 2: Untersuchungen. Hrsg. von Niklas Holzberg & Friedrich Maier, Bamberg 1993, S.107-113.
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  6. Vgl. das Selbstzeugnis Platons im VII. Brief (324b-326b); zunächst hatte er wohl den vornehmen Kratylos als Lehrer vorgezogen (Aristot.met.987a32).
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  7. S.unten Anm. 37.
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  8. S. unten Anm. 34.
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  9. S. dazu unten Anm. 66.
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  10. Die wichtigste neuere Gesamtdarstellung gibt Donald Kagan, The Fall of the Athenian Empire, Ithaca & London 1987.
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  11. Vgl. J.Bleicken, Die athenische Demokratie (2.Aufl.), Paderborn/Müchen/Wien/Zürich 1994, S.73f.; A.Andrewes, in: The Cambridge Ancient History. Vol.V², Cambridge 1992, S.474ff.
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  12. Vgl. D.Kagan (wie Anm.10), S.24ff.; immer noch interessant zu lesen: T.R.Glover, Athens in the War-Time, in: From Pericles to Philip, London 1917, S.96-135 und Ders., The Youth of Xenophon, ebd. S.163-196.
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  13. Vgl. Xen.Hell.1,4,18-20.
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  14. s. oben Anm.6.
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  15. Vgl. Xen.Hell.1,7,15; Kagan (wie Anm.10), S.354-375; A.Mehl, Für eine neue Bewertung eines Justizskandals. Der Arginusenprozeß und seine Überlieferung vor dem Hintergrund von Recht und Weltanschauung im Athen des ausgehenden 5. Jh.v.Chr., in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte (Romanistische Abteilung) 99, 1982, S.32-80.
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  16. Vgl. Barry S.Strauss, AJPH 104, 1983, 24-35 und ebd. 108, 1987, S.741-745.
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  17. Vgl. J.Malitz, Thukydides' Weg zur Geschichtsschreibung, Historia 31, 1982, S.278-284.
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  18. Vgl. Xen.Hell.2,1,32 (über Philokles); Plut.Lys.13,1-2..
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  19. Vgl. Plut.Lys.14,4-5.
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  20. Vgl. Xen.Hell.2,2, 3 und 10.
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  21. Theramenes, der ursprünglich selbst zu den "Dreißig" gehörte, wurde später ein Opfer der Tyrannis (Xen.Hell.2,3,56 - er mußte den Schierlingsbecher trinken) - und deshalb wurde auch nachgefragt, wie das Verhältnis zu Sokrates gewesen sei. Vgl. G.E.Pesely, Socrates' Attempt to save Theramenes, in: The Ancient History Bulletin 2, 1988, S.31-33. Zum "Nachleben": J.Engels, Der Michigan-Papyrus über Theramenes und die Ausbildung des "Theramenes-Mythos", in: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 9, 1993, 125-155.
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  22. Zum genauen Datum s. P. Green, Rebooking the Flute-Girls: A Fresh Look at the Chronological Evidence for the Fall of Athens and the »oktamenos arche« of the Thirty, in: The Ancient History Bulletin 5, 1991, S.1-16.
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  23. Xen.Hell.2,2,23; in der Übersetzung von Gisela Strasburger, Xenophon. Hellenika, München, 1970.
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  24. Vgl. P. Krentz, The Thirty at Athens, Ithaca & London 1982; D.M.Lewis, in: The Cambridge Ancient History. Vol.VI², Cambridge 1994, S.32-40.
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  25. Vgl. Arist.Ath.Pol.35,3.
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  26. Xen.Hell.2,3,14.
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  27. Zur Person vgl. W.Schwahn, RE VI A 1 (1936), Sp.568-574 (Nr.3).
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  28. Vgl. W.Aly, Anytos, der Ankläger des Sokrates, in: Neue Jahrbücher für das klassische Altertum, Geschichte und deutsche Litteratur 16, 1913, S.169-175; J.K.Davies, Athenian Propertied Families. 600-300 B.C., Oxford 1971, S.40f. (Nr.1324).
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  29. Arist.Ath.Pol.36,1; hinter der Bestimmung einer solchen Obergrenze steht der bei den "Dreißig" auch sonst spürbare Wunsch, athenische Institutionen an Sparta anzugleichen. Zu den Zahlen s. R.Brock, Athenian Oligarchs, The Numbers Game, in: Journal of Hellenic Studies 109, 1989, S.160-164.
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  30. Wenn Sokrates nicht ausdrücklich auf der Liste stand, so ist er wenigstens nicht, wie andere (s.Anm. 31), ausgewiesen worden. Eine Versammlung der 3000 ist nur ein einziges Mal bezeugt (Xen.Hell.2,4,9-10).
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  31. Isokrates, der als Redner vor Gericht übertreiben mag, spricht von 5000 Bürgern: or.VII, 67.
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  32. Arist.Ath.Pol.35,4.
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  33. Xen.Mem.1,2,31.
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  34. Platon läßt Sokrates in der Apologie nicht darüber sprechen.
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  35. Vgl. Davies (wie Anm. 28), S.350.
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  36. Vgl. Davies (wie Anm. 28), S.405.
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  37. Apol.32 c-d; zur Person vgl. W.J.McCoy, The Identity of Leon, AJPh 96, 1975, S.187-199.
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  38. Xen.Hell.2,4,2-7.
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  39. Arist.Ath.Pol.38,1.
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  40. Xen.Mem.2,7,1 (in der Übersetzung von P.Jaerisch, Darmstadt 1962).
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  41. Xen.Hell.2,4,19.
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  42. Xen.Hell.2,4,8.
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  43. Xen.Hell.2,4,23; Arist.Ath.Pol.38,3.
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  44. Xen.Hell.2,4,29; Arist.Ath.Pol.38,4; vgl. P.Harding, King Pausanias and the Restoration of Democracy at Athens, in: Hermes 116,1988, S.186-193.
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  45. Vgl. Th.Loening, The Reconciliation Agreement of 403/402 B.C. in Athens. Its content and application. Wiesbaden 1988, und die Rezension von W.Schuller, Gnomon 62, 1990, S.561-562; einige anregende, wenn auch nicht in allen Punkten überzeugende Gedanken bei Egon Flaig, Amnestie und Amnesie in der griechischen Kultur. Das vergessene Selbstopfer für den Sieg im athenischen Bürgerkrieg, in: Saeculum 42, 1991, S.129-149; zur stilisierten Rückkehr der Demokraten s. auch Barry S. Strauss, Ritual, Social Drama and Politics in Classical Athens, in: American Journal for Ancient History 10, 1985 S.67-83.
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  46. Vgl. Arist.Ath.Pol.39,6.
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  47. Z.B. bei der Dokimasie, der "Überprüfung" eines Kandidaten für ein öffentliches Amt; s.auch J.Bleicken (wie Anm. 11), S.273-277; P.Krentz (wie Anm.24), S.117.
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  48. Vgl. Arist.Ath.Pol.39,3.
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  49. Isocr.or.XVIII 23.
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  50. U. von Wilamowitz-Moellendorff, Von des attischen reiches herrlichkeit. Eine Festrede, gehalten zur feier des allerhöchsten geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs 1877, in: Aus Kydathen (Philologische Untersuchungen. I.), Berlin 1880, S.1-96.
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  51. Vgl. G.A.Lehmann, Die revolutionäre Machtergreifung der "Dreißig" und die staatliche Teilung Attikas (404-401/0 v.Chr.), in: Antike und Universalgeschichte. Festschrift Hans Erich Stier, Münster 1972, S.201-233.
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  52. Vgl. Arist.Ath.Pol.40,1.
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  53. Vgl. W.Schmitz, Wirtschaftliche Prosperität, soziale Integration und die Seebundpolitik Athens, München 1988; D.French, Economic Conditions in Fourth Century Athens, in: Greece & Rome 38, 1991, S.24-40.
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  54. Vgl. Barry S. Strauss, Athens after the Peloponnesian War. Class, Faction and Policy 403-386 BC, London & Sydney 1986, S.42ff.
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  55. Plat.Crit.45b.
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  56. Der berühmte Grabstein aus dem Jahre 394 ist vielfach abgebildet. Zur Inschrift vgl. G.R.Bugh, The Horsemen of Athens, Princeton 1988, S.136-139: Durch die genaue Altersangabe des Gefallenen - was sonst unüblich war - will die Familie deutlich machen, daß er zum neuen, "demokratischen" Reitercorps gehörte, nicht zu den Reitern - zu denen auch Xenophon gehörte -, die durch den Dienst während des Regimes der Dreißig kompromittiert waren.
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  57. Vgl. Xen.Mem.2,8,1-6.
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  58. Vgl. Dion.Hal.Lys.32 (übers. und kommentiert bei M.Austin & P.Vidal-Naquet, Gesellschaft und Wirtschaft im alten Griechenland, München 1984, S.238 (Text Nr.68).
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  59. M.N.Tod, A Selection of Greek Historical Inscriptions, vol.II, Oxford 1948, Nr.97 = Ph.Harding, From the end of the Peloponnesian War to the battle of Ipsus (Translated documents of Greece & Rome, 2), Cambridge 1985, Nr.5.
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  60. Tod Nr.100 = Harding (wie Anm.59), Nr.7; P.Krentz, The Rewards for Thrasyboulos' Supporters, in: ZPE 62, 1986, S.201-204.
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  61. Harding Nr.8; griechischer Text bei R.S.Stroud, Theozotides and the Athenian Orphans, in: Hesperia 40, 1971, S.280-301.
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  62. Vgl. Euandros, Davies (wie Anm.28), S.187 zu Nr.5267; Rhinon, Davies (wie Anm.28), S.67 zu Nr.2254.
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  63. Vgl. K.J. Dover, Lysias and the Corpus Lysiacum (Sather Classical Lectures, 39), Berkeley & Los Angeles, S.78-80. Die Identifizierung des Anklägers Meletos ist dadurch erschwert, daß es in dieser Zeit noch sieben weitere Männer dieses Namens gibt; vgl. MacDowell (wie Anm. 82), S.208f.
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  64. Xen.Hell.2,4,43.
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  65. Lysias, or.XXV (in Anlehnung an die Übersetzung von Ferdinand Baur, Stuttgart 1856).
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  66. Lysias, or.XXIV.
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  67. Vgl. P.Green, Text and context in the matter of Xenophon's exile, in: Ventures into Greek history. Ed. by Ian Worthington, Oxford 1994, S.215-227.
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  68. Xen.Anab.3,1,5.
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  69. Vgl. Ch.D.Hamilton, Spartan Politics and Policy, 405-401 B.C., in: American Journal of Philology 91, 1970, 294-314.
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  70. S. oben das Anm.1 (Karl Reinhardt).
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  71. Vgl. R.S.Buck, Plato's Meno, Cambridge 1961, S.120-129 (The Setting and the Characters).
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  72. Vgl. R.J.Klonoski, The Portico of the Archon Basileus: On the Significance of the Setting of Plato's Euthyphro, in: Classical Journal 81, 1985/1986, S.130-137; W.D.Furley, The Figure of Euthyphro, in: Phronesis 30, 1985, 201-208.
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  73. Sokrates' Schlußworte lauten: "Jetzt nun muß ich mich in der Königshalle einstellen wegen der Klage, welche Meletos gegen mich angestellt hat. Morgen aber, Theaitetos, wollen wir uns wieder hier treffen" (210d).
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  74. Vgl. den Kommentar zu Androtion FGrHist 324 F 17, mit der zusätzlichen Erläuterung im Anmerkungsband zum Kommentar (S.129): "I formulate pointedly and perhaps one-sidedly on purpose, because the latest treatment (Jaeger, Paideia II, 1943, p.13ff.) carefully evades the question as to how far the doctrine of Sokrates was conditioned by the political situation of contemporary Athens and the development of radical democracy". Die äußere Wirkung auf flüchtigere, möglicherweise weniger wohlwollende zeitgenössische Betrachter und die "philosophische" Position des Sokrates gegenüber der Demokratie Athens sind natürlich zu unterscheiden; vgl. etwa T.H.Irwin, Socrates and Athenian Democracy, in: Philosophy and Public Affairs 18, 1989, 184-205.
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  75. Men.91c.
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  76. Der zeitgenössische Gebrauch des Wortes ist natürlich nicht immer negativ befrachtet. S. auch. J.Martin, Zur Entstehung der Sophistik, in: Saeculum 27, 1976, S.149-164.
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  77. Vgl. M.L.McPherran, Socratic Piety in the Euthyphro, in: Essays on the philosophy of Socrates. Ed. by Hugh H. Besnon, New York & Oxford 1992, S.220-241; Ian Kidd, The Case of Homicide in Plato's Euthyphro, in: Owls to Athens. Essays on Classical Subjects Presented to Sir Kenneth Dover, Oxford 1990, S.213-221.
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  78. Andocides, or.I 81-89; Lysias or.XXX.
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  79. Vgl. K.Clinton, The nature of the late fifth-century revision of the Athenian law code, in: Studies in Attic epigraphy, history and topography presented to Eugene Vanderpool (Hesperia. Suppl.19, 1982), S.27-37.
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  80. Lysias or.XXX, 15 & 17.
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  81. Vgl. Lysias, or.XXX 31.
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  82. Vgl. Andocides, or.I (D.MacDowell (Ed.), Andocides. On the Mysteries, Oxford 1962); Lysias or.XXX (Anklagerede). Für eine Einschätzung der tagespolitischen Atmosphäre rund um den Sokrates-Prozeß wäre es sehr wichtig, den Prozeß exakt datieren zu können.
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  83. Vgl. H.Blumenthal, Meletus the accuser of Andocides and Meletus the Accuser of Socrates: One Man or two?, in: Philologus 117, 1973, S.169-178. S. auch die Bemerkungen von Gr.Vlastos, in: American Journal of Philology 104, 1983, S.201-206 (Rez. der Studie von E.N.Platis, The Accusers of Socrates [in Neugriechisch]). Zur verwirrenden Häufung des Namens gerade in diesen Jahren s. oben Anm. 63.
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  84. Andokides spricht ihn im Schlußsatz seiner Rede sogar direkt an (or.I 150).
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  85. Vgl. S.Hornblower, The Religious Dimension to the Peloponnesian War, or, What Thucydides Does Not Tell Us, in: Harvard Studies in Classical Philology 94, 1992, 169-198; W.R.Connor, The other 399: religion and the trial of Socrates, in: Georgica. Greek studies in honour of George Cawkwell. Ed. by Michael A. Flower and Mark Toher. (BICS Suppl.58), London 1991, S.49-56.
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  86. Vgl. H.-J. Gehrke, Die Griechen und die Rache. Ein Versuch in historischer Psychologie, in: Saeculum 38, 1987, S.121-149.
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  87. Vgl. A. Momigliano, The Social Structure of the Ancient City: Freedom of Speech and Religous Tolerance in the Ancient World, in: Sesto Contributo alla Storia degli Studi Classici e del Mondo Antico, Tomo secondo, Rom 1980, S.459-476; P.D.Garnsey, Religious Toleration in Classical Antiquity, in: Persecution and Toleration. Ed. by W.J.Sheils, Oxford 1984, S.1-27; D.Cohen, The Prosecution of Impiety in Athenian Law, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte (Romanistische Abteilung) 105, 1988, S.695-701; R.W.Wallace, Private Lives and Public Enemies. Freedom of Thought in Classical Athens, in: Athenian Identity and Civic Ideology. Ed. by A.L.Boegehold and A.C.Scafuro, Baltimore/London 1994, S.127-155.
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  88. Das athenische Gefängnis ist erst vor wenigen Jahren sicher lokalisiert worden; vgl. P.Cartledge, The Athenian State Prison, in: History Today, 40, 1990, March edition, S.62-63.
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Prof. Dr. Jürgen Malitz, 28. August 1997